Was sagt die Bibel über die rechte Ordnung in der Gemeinde?

Jesu letzte Worte: Evangelien im Vergleich

14/08/2023

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Die letzten Worte Jesu am Kreuz gehören zu den tiefgründigsten und am häufigsten diskutierten Momenten in der christlichen Theologie. Seit Jahrhunderten ringen Gläubige und Gelehrte mit der Frage, was der Nazarener am Karfreitag wirklich gesagt hat und welche Bedeutung seine Botschaft im Angesicht des Todes hatte. Doch die biblischen Darstellungen dieser entscheidenden Augenblicke sind alles andere als einheitlich und werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten.

Was ist der Unterschied zwischen dem Matthäus Evangelium und dem Johannesevangelium?
Zum Beispiel betont das Matthäusevangelium Jesu Rolle als Erfüller der jüdischen Prophezeiungen, während das Johannesevangelium eine hohe Christologie und die göttliche Natur Jesu hervorhebt. Diese unterschiedlichen theologischen Schwerpunkte spiegeln sich in der Art und Weise wider, wie die letzten Worte Jesu dargestellt werden.

Die Evangelien des Neuen Testaments sind die einzigen Quellen, die uns von diesen Ereignissen berichten. Zeitgenössische außerbiblische Zeugnisse für die Passion Christi, die Auferstehung oder die Himmelfahrt fehlen gänzlich. Und genau hier beginnen die Herausforderungen für jeden, der die historischen Fakten von der theologischen Deutung trennen möchte. Denn wie wir gleich sehen werden, sind die Berichte der Evangelien voller Widersprüche.

Inhaltsverzeichnis

Die Entstehung der Evangelien und ihre Widersprüche

Wie kommt es zu diesen Abweichungen? Der renommierte Bibelwissenschaftler Bart Ehrman erklärt, dass die Evangelien mehrere Jahrzehnte nach Jesu Tod verfasst wurden. Sie speisen sich hauptsächlich aus der mündlichen Überlieferung, was naturgemäß zu Variationen und Unterschieden führen kann, ähnlich wie bei einem „Stille-Post“-Spiel über Generationen hinweg.

Von der mündlichen Überlieferung zur Handschrift: Eine fehleranfällige Reise

Die wichtigsten Handschriften der Evangelien, die der Wissenschaft heute zur Verfügung stehen, stammen aus verschiedenen Epochen der frühen christlichen Geschichte. Keine dieser Handschriften ist vollständig identisch mit den heutigen Versionen der Evangelien, da sie über die Jahrhunderte hinweg durch unzählige Abschriften und Übersetzungen Veränderungen erfahren haben. Es ist ein komplexer Prozess, bei dem Fehler, Interpolationen (nachträgliche Einfügungen) und Beifügungen unvermeidlich waren.

Einige der bedeutendsten Handschriften, die uns Einblicke in die frühe Textgeschichte geben, sind:

  • Codex Sinaiticus (4. Jahrhundert): Eine der ältesten und nahezu vollständigsten Bibelhandschriften, die im 19. Jahrhundert im Katharinenkloster auf dem Sinai entdeckt wurde.
  • Codex Vaticanus (4. Jahrhundert): Eine weitere nahezu vollständige Bibelhandschrift, die als eine der wichtigsten Quellen für den Text des Neuen Testaments gilt und im Vatikan aufbewahrt wird.
  • Codex Alexandrinus (5. Jahrhundert): Eine bedeutende frühe Handschrift der Bibel, die große Teile des Alten und Neuen Testaments enthält und sich heute in der British Library befindet.
  • Codex Bezae (5.-6. Jahrhundert): Diese Handschrift ist sowohl in griechischer als auch in lateinischer Sprache verfasst und bekannt für ihre einzigartigen Lesarten und Abweichungen.
  • Papyri-Fragmente (2. und 3. Jahrhundert): Eine Vielzahl von sehr frühen Papyrusfragmenten (z.B. P52 und P66) bietet Einblicke in die allererste Form des Textes, sind jedoch eben nur Fragmente.

Es ist bemerkenswert, dass vollständige Evangelien der Wissenschaft aus den ersten zwei Jahrhunderten überhaupt nicht vorliegen. Die Texte existierten zunächst in fragmentierter Form oder in Handschriften, die nur Teile der Evangelien enthielten. Einem größeren Publikum waren diese Schriften in ihrer Gesamtheit lange Zeit gar nicht bekannt. Erst in den letzten Jahrhunderten wurden diese einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Zuvor wurde jedenfalls fleißig kopiert und voneinander abgeschrieben, was die Fehleranfälligkeit des Prozesses erhöhte.

Die schockierende Zahl der Abweichungen

Laut Bart Ehrman finden sich in den Evangelien „mehr Widersprüche, als es Wörter im Neuen Testament gibt“. Er beziffert sie auf „mehrere hunderttausend Abweichungen“. Dies ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass es nach einigen Jahrhunderten biblischen Schaffens insgesamt über 5.000 Handschriften sind, die übersetzt, kopiert, editiert und kompiliert wurden.

Diese textuellen Abweichungen blieben nicht unbemerkt. Der britische Theologe John Mill (1645–1707) veröffentlichte in seinem Todesjahr das Werk „Novum testamentum græcum, cum lectionibus variantibus MSS. exemplarium, versionun, editionum SS. patrum et scriptorum ecclesiasticorum, et in easdem nolis“ – eine kommentierte griechische Ausgabe des Neuen Testaments, die die Abweichungen akribisch anführte. Obwohl Mill nur „gewichtige“ Abweichungen notiert hatte, kam er auf über 30.000 Widersprüche. Diese Erkenntnisse sind entscheidend, um die unterschiedlichen Darstellungen der letzten Worte Jesu zu verstehen.

Die letzten Worte Jesu in den verschiedenen Evangelien

Angesichts der oben genannten Herausforderungen ist es nachvollziehbar, dass die Darstellungen der letzten Worte Jesu in den verschiedenen Evangelien variieren, was zu anhaltenden Diskussionen über ihre historische Genauigkeit führt. Betrachten wir zunächst die drei synoptischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas, bevor wir uns dem Johannes-Evangelium zuwenden.

Matthäus und Markus: Der Schrei der Verlassenheit

In Matthäus und Markus ruft Jesus in Aramäisch aus: „Eli, Eli, lema sabachthani?“, was bedeutet „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Dies ist ein direkter Verweis auf Psalm 22, Vers 2. Wir betrachten nachfolgend den Kontext der Aussage in der Lutherübersetzung:

Matthäus 27:45-50
„45 Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 47 Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie: Der ruft nach Elia. 48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. 49 Die andern aber sprachen: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihm helfe! 50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.“

Es ist bei der Lutherübersetzung zu erwähnen, dass die Handschriften den aramäischen Wortlaut des Psalms „Eloï, Eloï, lema sabachtani?“ wiedergeben, Luther hingegen den hebräischen. Nach diesem Ruf zerreißt bei Matthäus der Tempelvorhang, es kommt zu einem Erdbeben, und „viele Leiber der entschlafenen Heiligen“ erheben sich und laufen als Untote durch Jerusalem.

Bei Markus liest sich die Szene sehr ähnlich:

Markus 15:33-37
„33 Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 34 Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 35 Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia. 36 Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme! 37 Aber Jesus schrie laut und verschied.“

Die beiden Texte stimmen recht gut überein und betonen die menschliche Seite Jesu, sein Leiden und seine Angst. Dies stellt einen Moment tiefer menschlicher Verzweiflung dar, selbst für den Sohn Gottes.

Lukas: Das Gebet des Vertrauens

Lukas hingegen überliefert ganz andere Worte: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Diese Worte sind ein Zitat aus Psalm 31, Vers 6. Gerne wird argumentiert, dass Matthäus und Markus die menschliche Seite Jesu betonen, sein Leiden und seine Angst. Lukas’ Darstellung hingegen zeigt Jesus in einem Akt des Vertrauens und der Hingabe an den Vater. Er hat sogar noch die Kraft, einen der ebenfalls gekreuzigten Räuber zu trösten, der sich an ihn wendet, während bei Matthäus und Markus die Räuber Jesus verspotten. Dies hebt die barmherzige und souveräne Natur Jesu hervor, selbst im Angesicht des Todes.

Hier die Stelle nach Luther:

Lukas 23:44-46
„44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, 45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. 46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.“

Johannes: Die Vollendung der Mission

Das Johannesevangelium berichtet, dass Jesus sagte: „Es ist vollbracht.“ Diese Worte sind theologisch tiefgründig und deuten auf die Vollendung seiner Mission und die Erfüllung der Schrift hin. Im Johannesevangelium wird die Kreuzigungsszene stärker als Erfüllung alttestamentlicher Prophezeiungen betont.

Johannes 19:28-30
„28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. 30 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.“

Vergleich der letzten Worte Jesu

Die Unterschiede sind frappierend und werfen die Frage auf, wie sie theologisch gedeutet werden können. Es gibt Erklärungen, dass die Abweichungen verschiedene Aspekte Jesu Persönlichkeit und seines Werkes widerspiegeln:

EvangeliumLetzte Worte JesuTheologische Betonung
Matthäus„Eli, Eli, lema sabachthani?“ (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?)Menschliches Leiden, Verlassenheit, Erfüllung der Prophezeiung (Psalm 22).
Markus„Eli, Eli, lema sabachthani?“ (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?)Menschliche Angst, Verzweiflung, die menschliche Seite des Gottessohnes.
Lukas„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“Vertrauen, Hingabe an Gott, souveräne Autorität, Barmherzigkeit (gegenüber dem Räuber).
Johannes„Es ist vollbracht.“Vollendung der göttlichen Mission, Erfüllung der Schrift, Sieg über Sünde und Tod.

Diese unterschiedlichen Darstellungen reflektieren nicht nur den je unterschiedlichen historischen Kontext, in dem die Evangelien geschrieben wurden, sondern auch die verschiedenen theologischen Absichten der Evangelisten. Jedes der Evangelien – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – wurde von einem anderen Autor geschrieben, der sich an eine spezifische Gemeinschaft (man könnte sagen: Zielgruppe) wandte. Die verschiedenen Autoren hatten unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Darstellung der Lehre und des Lebens Jesu, was zu den gesehenen Variationen in ihren Berichten führte.

Zum Beispiel betont das Matthäusevangelium Jesu Rolle als Erfüller der jüdischen Prophezeiungen, während das Johannesevangelium eine hohe Christologie und die göttliche Natur Jesu hervorhebt. Diese unterschiedlichen theologischen Schwerpunkte spiegeln sich in der Art und Weise wider, wie die letzten Worte Jesu dargestellt werden. Worte, die auf die Erfüllung der Schrift hinweisen, könnten eingefügt worden sein, um eine Verbindung zwischen Jesu Tod und alttestamentlichen Prophezeiungen herzustellen, wie es im Johannesevangelium der Fall ist.

Weitere Abweichungen in den Kreuzigungsszenen

Die Kreuzigungsszene in den vier Evangelien des Neuen Testaments zeigt Abweichungen nicht nur bei den letzten Äußerungen Jesu. Es gibt weitere bemerkenswerte Unterschiede in den Details und Darstellungen, die die individuelle theologische Ausrichtung jedes Evangelisten unterstreichen:

Die Inschrift am Kreuz

Alle vier Evangelien erwähnen eine Inschrift am Kreuz, aber die genaue Formulierung variiert. Dies ist ein kleines, aber aufschlussreiches Detail:

  • Matthäus: „Dies ist Jesus, der König der Juden“ (Matthäus 27:37)
  • Markus: „Der König der Juden“ (Markus 15:26)
  • Lukas: „Dies ist der König der Juden“ (Lukas 23:38)
  • Johannes: „Jesus von Nazareth, der König der Juden“ in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache (Johannes 19:19). Laut Johannes diskutiert Pilatus sogar noch mit den Hohepriestern über den genauen Wortlaut.

Anwesenheit bei der Kreuzigung

Die Evangelien unterscheiden sich auch darin, wer bei der Kreuzigung anwesend war und wie nah sie Jesus kamen:

  • Bei Matthäus und Markus wird erwähnt, dass Frauen, darunter Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, aus der Ferne zuschauen.
  • Lukas erwähnt ebenfalls Frauen, die Jesus aus Galiläa gefolgt waren und „alle seine Bekannten von ferne“.
  • Johannes hingegen beschreibt, dass neben Frauen auch der Jünger, den Jesus liebte (traditionell als Johannes identifiziert), nahe am Kreuz stand, was eine intimere Szene suggeriert.

Reaktion der Umstehenden

Die Reaktionen der Menschen, die die Kreuzigung beobachteten, variieren ebenfalls, insbesondere die Worte des römischen Hauptmanns:

  • Während bei Lukas ein römischer Hauptmann sagt: „Wahrlich, dieser Mensch war gerecht“,
  • berichten Matthäus und Markus, dass der Hauptmann sagte: „Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn“. Diese Nuance ist theologisch bedeutsam.

Die Verteilung von Jesu Kleidern

Alle vier Evangelien erwähnen, dass die Soldaten Jesu Kleider unter sich aufteilen, aber die genaue Darstellung unterscheidet sich, insbesondere im Hinblick auf die Erfüllung von Prophezeiungen:

  • Bei Johannes wird speziell erwähnt, dass sie Jesu Gewand nicht zerteilten, sondern darüber losten, um die Schrift (Psalm 22:19) zu erfüllen.

Sind die Evangelien und die Überlieferung der letzten Worte Jesu glaubwürdig?

Die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Evangelien ist komplex und hängt stark von der Perspektive ab, aus der man die Texte betrachtet – ob als historisches Dokument, theologische Schrift oder als Kombination beider Aspekte. Es ist wichtig, ihre Entstehungsgeschichte, ihren Zweck und ihre Natur als religiöse, teilweise metaphorische Texte zu berücksichtigen. Die Autoren der Evangelien griffen auf unterschiedliche Quellen und mündliche Traditionen zurück, was zu den Variationen in den Berichten führte.

Jedes der Evangelien wurde mit einer bestimmten theologischen Perspektive und einem spezifischen Adressatenkreis verfasst. Sie sind keine historischen Berichte im modernen Sinne, die eine objektive, journalistische Chronologie liefern. Vielmehr sind es religiöse Texte, die sowohl historische Ereignisse als auch theologische Lehren vermitteln. Während sie zweifellos historische Informationen enthalten, ist ihr Hauptzweck, den Glauben und die Botschaft Jesu zu vermitteln und zu deuten.

Als historische Quellen oder gar „Augenzeugenberichte“, wie dies von vielen Gläubigen naiv vermutet wird, sind sie damit in ihrer Gesamtheit nur bedingt glaubwürdig. Die Unterschiede und Widersprüche sind ein Beleg dafür, dass die Autoren nicht primär an einer exakten, chronologischen Wiedergabe interessiert waren, sondern daran, die Bedeutung Jesu für ihre jeweiligen Gemeinschaften und Glaubensüberzeugungen zu vermitteln. Dies mindert nicht ihren theologischen Wert, erfordert aber ein differenziertes Verständnis ihrer Natur.

Häufig gestellte Fragen zu Jesus und den Evangelien

War Jesus schwarz?

Die Frage, ob Jesus schwarz war, ist für manche besonders provokant und erhitzt oft die Gemüter. Es gibt keine historischen oder biblischen Belege, die diese Annahme stützen würden. Jesus stammte aus dem Nahen Osten, einer Region, die ethnisch vielfältig war, aber seine Hautfarbe wäre wahrscheinlich typisch für die Menschen dieser Region gewesen – also eher eine mittelbraune, mediterrane Hautfarbe. Die Vorstellung, dass Jesus schwarz war, entspringt oft dem Wunsch nach Identifikation und Repräsentation in bestimmten kulturellen Kontexten und hat theologische, nicht historische Gründe.

War Jesus Muslim?

Während diese sinnlos scheinende Frage bei Christen nur ungläubiges Kopfschütteln verursachen dürfte, ist es tatsächlich so, dass einige Muslime dies glauben. Aus islamischer Sicht wird Jesus (Isa) als ein wichtiger Prophet Gottes angesehen, der vor Mohammed kam und die gleiche Botschaft des Monotheismus verkündete. In diesem Sinne wird er als „Muslim“ im ursprünglichen Wortsinn verstanden – jemand, der sich Gott hingibt. Historisch gesehen entstand der Islam jedoch Jahrhunderte nach Jesus' Tod, und Jesus selbst lebte als Jude und predigte im Kontext des Judentums seiner Zeit. Daher war Jesus im modernen Sinne kein Muslim.

Gab es Jesus wirklich?

Die Frage nach der historischen Existenz Jesu ist Gegenstand intensiver Debatten. Die überwiegende Mehrheit der Historiker und Bibelwissenschaftler, sowohl gläubige als auch nicht-gläubige, ist sich einig, dass Jesus von Nazareth eine historische Person war. Die Diskussion konzentriert sich weniger auf seine Existenz als vielmehr auf die Details seines Lebens, seiner Lehren und seiner Taten, insbesondere der Wunder und der Auferstehung. Die Evangelien sind die primären Quellen, die uns über ihn berichten, aber wie wir gesehen haben, sind sie theologische Zeugnisse und keine modernen Biografien. Zusätzliche, wenn auch spärliche, außerchristliche Quellen aus dem 1. und 2. Jahrhundert (Tacitus, Plinius der Jüngere, Josephus) erwähnen ebenfalls Christus oder Christen, was die historische Existenz Jesu weiter untermauert, auch wenn sie keine detaillierten Informationen über sein Leben liefern. Die Debatte um den Jesus-Mythos, der seine Existenz leugnet, wird hauptsächlich in populärkulturellen Kreisen geführt und findet in der seriösen Geschichtsforschung kaum Anklang.

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