Was ist der Zweck des Johannesevangeliums?

Das Johannes-Evangelium: Tiefe Gottes offenbart

29/08/2024

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Das Evangelium nach Johannes nimmt unter den vier Evangelien einen wahrhaft besonderen und unverwechselbaren Platz ein. Während die ersten drei Evangelien, die sogenannten synoptischen Evangelien, einen umfassenden Überblick über den irdischen Weg und den Dienst des Herrn Jesus bieten, taucht das Johannes-Evangelium in eine ganz andere Dimension ein. Die Schönheit und der Wert der synoptischen Berichte sind unbestreitbar; sie zeigen uns den Herrn Jesus in Seiner wunderbaren Gnade inmitten einer Welt, die Ihn oft ablehnte. Er war die lebendige Verkörperung der Gnade Gottes unter Menschen, die Ihn nicht wollten oder nicht verstanden. Doch Johannes geht tiefer, er offenbart uns die göttliche Natur Jesu Christi und Seine ewige Beziehung zum Vater.

Was ist das Johannes-Evangelium?
Das Johannes-Evangelium wurde von dem Apostel Johannes (vgl. Joh 21,20-24) etwa 85-90 n. Chr. verfaßt, vermutlich in Ephesus. Als Augenzeuge der göttlichen Herrlichkeit Jesu wurde er vom Heiligen Geist geleitet, Jesus Christus besonders als den Sohn Gottes zu offenbaren und als den, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Die synoptischen Evangelien sind reich an wertvollen Lektionen und Beschreibungen des Herrn Jesus aus verschiedenen Blickwinkeln:

  • Das Matthäus-Evangelium, verfasst von einem ehemaligen Zöllner, präsentiert den Herrn Jesus als den verheißenen Messias und König Israels. Es ist primär für ein jüdisches Publikum geschrieben, was sich in der Fülle der Zitate aus dem Alten Testament widerspiegelt. Hier wird Jesus als das große Schuldopfer dargestellt, und der Unterricht für uns besteht darin, wie wir uns als Jünger in Seinem Reich verhalten sollen.
  • Das Markus-Evangelium zeigt uns den Herrn Jesus als den gehorsamen Diener und Propheten. Bemerkenswerterweise wird hier ein untreuer Knecht (Markus selbst) verwendet, um den wahren und vollkommenen Knecht Gottes zu beschreiben. In diesem Evangelium sehen wir Jesus als das Sündopfer, und die Lehre für uns dreht sich darum, wie wir uns als Knechte des Herrn verhalten sollen.
  • Das Lukas-Evangelium, geschrieben vom geliebten Arzt Lukas, porträtiert den Herrn Jesus als den vollkommenen Menschen, der in Gnade zu den Menschen kam. Hier wird Jesus als das Friedensopfer und das Speisopfer vorgestellt. Der Fokus liegt darauf, wie wir uns als Söhne im Haus Gottes verhalten sollen, ein Bild, das die neue Beziehung des Gläubigen zu Gott hervorhebt.

Ein interessanter Aspekt der Evangelien ist das Vorhandensein von Geschlechtsregistern. Matthäus führt die menschliche Linie des Herrn Jesus über David bis zu Abraham zurück, um Seine königliche und messianische Abstammung zu untermauern. Lukas hingegen verfolgt den Stammbaum Jesu bis zu Adam und sogar bis zu Gott selbst zurück, um Seine vollkommene Menschlichkeit und Seine göttliche Herkunft zu betonen. Markus und Johannes verzichten bewusst auf solche Register. Bei Markus ist es passend, da bei einem Diener die Abstammung von geringerem Interesse ist. Bei Johannes verbietet sich eine menschliche Abstammung von vornherein, denn er beginnt nicht mit den Vorfahren des Herrn, sondern mit Ihm als dem ewigen Wort, das von Ewigkeit her bei Gott war und selbst Gott ist. Johannes führt uns in die tiefsten Geheimnisse Gottes.

Zwei der Evangelien-Schreiber, Matthäus und Johannes, waren Augenzeugen des Dienstes Jesu. Es ist ein faszinierendes Merkmal der göttlichen Inspiration der Bibel, dass gerade Johannes, der bei bestimmten Schlüsselereignissen wie der Auferweckung der Tochter des Jairus, der Verklärung auf dem Berg oder im Garten Gethsemane anwesend war, nicht über diese Szenen schreibt. Gott hatte andere Ziele und wies die Beschreibung dieser Momente den anderen Schreibern zu. Dies unterstreicht, dass Gottes Plan und Seine Absichten bei der Abfassung der Heiligen Schrift oft unsere menschlichen Erwartungen übertreffen.

Inhaltsverzeichnis

Das Johannes-Evangelium: Eine Einzigartige Perspektive

Wenn wir uns dem Johannes-Evangelium zuwenden, betreten wir einen Bereich völlig neuer Gedanken. Hier wird uns die Offenbarung Gottes, des Vaters, in der Person Seines Sohnes, des Herrn Jesus, hier auf der Erde gegeben. Dies ist das primäre Merkmal des vierten Evangeliums. Diese Offenbarung kam nicht von ferne, sondern der eingeborene Sohn musste Fleisch werden (Johannes 1,14). Während der Apostel Paulus in seinen Schriften vor allem darlegt, wie ein Mensch zu Gott kommen kann, stellt Johannes in seinem Evangelium Gott den Menschen vor. Er zeigt uns das Herz Gottes und Seine Liebe, die sich in Jesus offenbart.

Für ein tiefes Verständnis des Johannes-Evangeliums sind einige Besonderheiten zu beachten. Johannes spricht nicht von der Versammlung (Gemeinde) oder dem Leib Christi als kollektivem Ganzen, sondern er konzentriert sich stets auf die einzelne Person, die aus Gott geboren ist. Auch die Vergebung der Sünden wird in diesem Evangelium nicht als primäres Thema behandelt; stattdessen steht das ewige Leben im Vordergrund. Hier werden wir als Kinder der Familie Gottes gesehen, die durch Glauben an den Sohn Gottes eine neue Geburt erfahren haben. Es ist bemerkenswert, dass Johannes uns Glaubende niemals als „Söhne“ bezeichnet; diesen erhabenen Titel hat er ausschließlich für den Sohn Gottes selbst reserviert, um Seine einzigartige Stellung hervorzuheben.

Thematische Gliederung: Leben, Licht, Liebe

Das Johannes-Evangelium lässt sich thematisch in drei große Bereiche unterteilen, die jeweils von zentralen Begriffen wie Leben, Licht und Liebe geprägt sind. Diese Themen werden durch charakteristische Worte eingerahmt und durchziehen das gesamte Buch:

  • Johannes 1–7 hat den Schwerpunkt Leben (vgl. Johannes 1,4; 6,54). In diesen Kapiteln wird die Quelle des Lebens in Christus offenbart, von der Neugeburt bis zur Speisung mit dem Brot des Lebens.
  • Johannes 8–12 hat den Schwerpunkt Licht (vgl. Johannes 8,12; 12,46). Hier wird Jesus als das Licht der Welt präsentiert, das die Dunkelheit der Sünde und Unwissenheit vertreibt. Die Auseinandersetzungen mit den Pharisäern und das Zeugnis Jesu über sich selbst stehen im Mittelpunkt.
  • Johannes 13–17 hat den Schwerpunkt Liebe (vgl. Johannes 13,1; 17,25). Diese Kapitel, oft als Abschiedsreden Jesu bezeichnet, offenbaren die tiefste Liebe Gottes zu Seinen Jüngern und zur Welt. Hier geht es um die gegenseitige Liebe, die Liebe zum Vater und das Gebet Jesu für Seine Nachfolger.

Im Hinblick auf den Weg des Herrn gibt uns Johannes 16,28 eine prägnante Dreiteilung des Evangeliums: „Ich bin von dem Vater ausgegangen“ (Johannes 1,1–18), „und bin in die Welt gekommen“ (Johannes 2–12), „wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater“ (Johannes 13–21). Diese Struktur zeigt den himmlischen Ursprung Jesu, Seinen irdischen Dienst und Seine Rückkehr zum Vater – ein vollständiger Kreislauf der göttlichen Mission.

Der Heilige Geist im Johannes-Evangelium

In dem dritten Teil seines Evangeliums spricht Johannes ausführlich über die Lehre des Heiligen Geistes. Die Behandlung dieses überaus bedeutenden Gegenstandes in diesem Evangelium ist sehr auffallend. Nachdem der Herr Jesus in den Himmel zurückgekehrt ist, hat Er den Heiligen Geist auf die Erde gesandt. Johannes berichtet, wie der Herr im Voraus von dieser erhabenen Tatsache der Sendung des Heiligen Geistes spricht. Er beschreibt den Heiligen Geist als den Beistand, den Tröster, den Geist der Wahrheit, der die Jünger lehren, an alles erinnern und die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht überführen wird. Dies ist eine einzigartige und tiefgründige Lehre, die in den synoptischen Evangelien in dieser Ausführlichkeit nicht zu finden ist.

Johannes' späte Niederschrift und ihr Zweck

Während die anderen drei Evangelien-Schreiber den Herrn Jesus von den verschiedenen Seiten Seiner amtlichen Herrlichkeiten beschreiben, benutzt der Heilige Geist den Johannes zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt, um durch ihn die höheren Herrlichkeiten des ewigen Sohnes Gottes vorzustellen. Johannes schrieb sein Evangelium etwa 25 Jahre nach dem Tod von Paulus und Petrus und auch etwa 25 Jahre, nachdem die Geschichte Israels mit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. zu Ende gegangen war. Die späte Abfassungszeit ist von großer Bedeutung.

Warum schrieb Johannes so spät? In dieser Zeit nach den Aposteln waren bereits falsche Lehren und Häresien aufgekommen. Die Gnostiker beispielsweise strebten nach „neuem Licht“ und „höherer Erkenntnis“, die in völligem Gegensatz zu dem standen, was Gott in den Schriften des Neuen Testaments offenbart hatte. Es gab auch die Agnostiker, die jedes Wissen ablehnten und behaupteten, man könne gar nichts wissen über Gott oder geistliche Dinge. Und es gab andere Irrlehrer, die die Person des Herrn Jesus teilen wollten, indem sie behaupteten, ein „Jesus“ sei ein Mensch und der „Christus“ sei eine göttliche Kraft, die nur zeitweise auf ihn herabkam.

Sehr früh wurden also zwei grundlegende Herrlichkeiten der Person des Herrn Jesus, des Sohnes Gottes, geleugnet: nämlich dass Er wirklich ewiger Gott ist und dass Er wirklich wahrer und vollkommener Mensch geworden ist. All diesen verkehrten Lehren tritt Johannes mit seinem Evangelium entgegen (Johannes 20,31). Es ist eine wunderbare Führung Gottes, dass gerade dieses Evangelium in solch einer Zeit geschrieben wurde, um die Gläubigen zu stärken und die Wahrheit über Jesus Christus zu festigen. Es soll uns dazu bringen, fest zu glauben, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes.

Die Identität Jesu Christi im Johannes-Evangelium

Johannes erwähnt in seinem Evangelium insgesamt acht Zeichen (Wunder), sieben davon vor dem Kreuz und eines nach der Auferstehung. Diese Zeichen verfolgen alle dasselbe Ziel: Sie sollen beweisen, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes, ist und dass wir durch den Glauben an Ihn ewiges Leben haben. Jesus ist Sein Name, Christus Sein Titel, und der Sohn Gottes ist Er in Seiner Person – diese drei Aspekte werden im Johannes-Evangelium untrennbar miteinander verbunden und tiefgründig beleuchtet. Die Zeichen sind keine bloßen Machtdemonstrationen, sondern Offenbarungen Seiner göttlichen Natur und Seines rettenden Handelns.

Der Verfasser: Johannes, der geliebte Jünger

Der Verfasser dieses Evangeliums, Johannes, spricht erst am Ende dieses Buches über sich selbst (Johannes 21,24). Das gesamte Evangelium hindurch vermeidet er es, sich mit Namen zu nennen, da er die unermessliche Größe des Sohnes Gottes vorstellen soll. Vor dieser Person muss jeder menschliche Verfasser ganz in den Hintergrund treten. Johannes war einer der Söhne des Zebedäus (Markus 1,19), die von dem Herrn selbst den Beinamen Boanerges erhielten, was „Söhne des Donners“ bedeutet (Markus 3,17). Dies deutet darauf hin, dass sie von einem impulsiven und leidenschaftlichen Charakter gewesen sein müssen. Doch wenn Johannes in diesem Evangelium von sich spricht, dann nennt er sich fünfmal den „Jünger, den Jesus liebte“ (Johannes 13,23; 19,26; 20,2; 21,7.20). Er ruhte in dem tiefen Bewusstsein, dass der Herr ihn ganz persönlich liebte – ein Zeugnis von der verwandelnden Kraft der Liebe Christi, die einen „Sohn des Donners“ zu einem Schreiber der Liebe Gottes machte.

Häufig gestellte Fragen zum Johannes-Evangelium

Um die Bedeutung und die Einzigartigkeit des Johannes-Evangeliums noch besser zu verstehen, beantworten wir hier einige häufig gestellte Fragen:

Was unterscheidet das Johannes-Evangelium von den synoptischen Evangelien?

Das Johannes-Evangelium unterscheidet sich grundlegend in seinem Fokus und seiner Struktur. Während Matthäus, Markus und Lukas (die Synoptiker) sich auf die Taten, Gleichnisse und den chronologischen Ablauf des Dienstes Jesu konzentrieren, taucht Johannes tiefer in die theologische Bedeutung Seiner Person ein. Er betont Jesu Göttlichkeit, Seine ewige Beziehung zum Vater und die Themen wie ewiges Leben, Licht und Liebe. Es enthält weniger Gleichnisse und Mirakelberichte, dafür aber längere Reden und theologische Abhandlungen Jesu.

Was sind die Hauptthemen des Johannes-Evangeliums?

Die drei dominierenden Hauptthemen sind Leben, Licht und Liebe. Diese sind miteinander verknüpft und offenbaren Jesus als die Quelle allen Lebens, das Licht, das die Dunkelheit vertreibt, und die Personifizierung der Liebe Gottes. Weitere wichtige Themen sind die Sohnschaft Jesu, der Heilige Geist, der Glaube und das Zeugnis.

Warum wurde das Johannes-Evangelium so spät geschrieben?

Die späte Abfassung des Johannes-Evangeliums (ca. 90-100 n. Chr.) diente dazu, den aufkommenden Irrlehren der Zeit entgegenzuwirken, insbesondere dem Gnostizismus, der die wahre Menschlichkeit und Göttlichkeit Jesu leugnete. Johannes schrieb, um die Gläubigen in der Wahrheit über Jesus als den fleischgewordenen Gottessohn zu stärken und zu versichern, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, durch den man ewiges Leben hat.

Wie viele Zeichen (Wunder) erwähnt Johannes in seinem Evangelium?

Johannes erwähnt insgesamt acht Zeichen (Wunder) Jesu. Sieben dieser Zeichen finden vor der Kreuzigung statt (z.B. die Verwandlung von Wasser in Wein, die Heilung des Sohnes des königlichen Beamten, die Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda, die Speisung der Fünftausend, der Gang Jesu auf dem Wasser, die Heilung des Blindgeborenen, die Auferweckung des Lazarus). Das achte Zeichen ist die Erscheinung Jesu nach Seiner Auferstehung und der wunderbare Fischfang (Johannes 21).

Was ist die Kernbotschaft von Johannes 20,31?

Johannes 20,31 fasst die Absicht des gesamten Evangeliums zusammen: „Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr glaubt, habt ihr Leben in seinem Namen.“ Es geht darum, durch den Glauben an die wahre Identität Jesu als Messias und Gottessohn das ewige Leben zu empfangen.

Vergleich der Evangelien

EvangeliumAutorZielgruppeJesus alsOpfer-TypSchwerpunkt
MatthäusMatthäus (Zöllner)JudenKönig, MessiasSchuldopferDas Königreich, Lehre der Jünger
MarkusMarkus (Diener)RömerGehorsamer DienerSündopferDer Dienst, Taten Jesu
LukasLukas (Arzt)Griechen, HeidenVollkommener MenschFriedens-/SpeisopferDie Menschlichkeit Jesu, Gnade
JohannesJohannes (Jünger)Weltweit (spätere Zeit)Sohn Gottes, GottBrandopferDie Göttlichkeit Jesu, ewiges Leben, Offenbarung Gottes

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Johannes-Evangelium eine unverzichtbare Ergänzung zu den synoptischen Berichten darstellt. Es entfaltet die tiefste Wahrheit über die Person Jesu Christi: dass Er der ewige Sohn Gottes ist, der Fleisch wurde, um uns das ewige Leben zu bringen. Es ist ein Evangelium, das zum Glauben einlädt und die Leser in eine persönliche Beziehung zu Gott durch Jesus Christus führt. Die präzise und doch tiefsinnige Darstellung des Johannes ist ein Zeugnis der göttlichen Inspiration, die uns auch heute noch dazu ermutigt, an Jesus zu glauben und Seine Herrlichkeit zu erkennen.

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