23/09/2022
Die heilige Messe ist reich an Symbolik und tiefen Bedeutungen, die sich in jedem ihrer Abschnitte offenbaren. Ein besonders zentraler, aber oft im Detail verkannter Teil ist die Gabenbereitung. Sie bildet eine entscheidende Brücke zwischen dem Wort Gottes, das wir in den Lesungen hören, und dem eucharistischen Mahl, das uns mit Christus verbindet. Doch was genau geschieht während dieser Phase, welche Gebete werden gesprochen, und welche Rolle spielen die verschiedenen Akteure? Dieser Artikel beleuchtet die Gabenbereitung umfassend und deckt ihre vielfältigen Facetten auf.

Die Gabenbereitung, auch Offertorium genannt, ist der Moment, in dem Brot und Wein, die später in der Eucharistie zu Leib und Blut Christi werden, zum Altar gebracht und für das Opfer vorbereitet werden. Es ist nicht nur ein praktischer Akt der Vorbereitung, sondern ein tief spiritueller Vorgang, der die Hingabe der Gemeinde und die Annahme der Gaben durch Gott symbolisiert. Begleitet wird dieser Vorgang oft von Gesang, der die Gemeinde in das Geschehen miteinbezieht und ihren eigenen Opfergang verdeutlicht.
- Der Ablauf der Gabenbereitung: Ein feierliches Ritual
- Variationen in den Gebeten der Gabenbereitung
- Die Händewaschung (Lavabo)
- Aufforderung zum Gebet und Secreta
- Der „Gabengang“ im Kontext der Messdienerdienste
- Tiefere Bedeutung und Spiritualität der Gabenbereitung
- Häufig gestellte Fragen zur Gabenbereitung
- Fazit
Der Ablauf der Gabenbereitung: Ein feierliches Ritual
Die Gabenbereitung beginnt üblicherweise mit einem Gesang, der den Opfergang der Gemeinde oder die Einsammlung der Gaben für die Kirche begleitet. Der Vorsänger initiiert diesen Gesang, der von allen wiederholt wird, und führt so durch die Verse. Sollte nicht gesungen werden, werden diese Verse gesprochen oder rezitiert. Es folgt oft ein Zeit- oder Opferbereitungslied, das die Atmosphäre der Hingabe und Erwartung vertieft.
Während dieses Gesangs findet der eigentliche „Opfergang“ statt. In feierlichen Hochämtern ist es die Aufgabe des Subdiakons, die Opfergaben von einem eigenen Gabentisch zum Altar zu bringen. Dort nimmt sie der Diakon entgegen und überreicht sie dem Priester. In einfacheren Messen deckt der Priester selbst den Kelch ab und stellt ihn zur Epistelseite hin. Dies sind die ersten sichtbaren Zeichen der Vorbereitung auf das große Geheimnis, das sich bald ereignen wird.
Die Erhebung der Patene mit dem Brot
Ein zentraler Moment ist die Erhebung der Patene mit dem Brot. Der Priester spricht dabei ein bedeutendes Gebet:
Heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, nimm an in Gnaden dieses Brot, das wir hier niederlegen für Deine ganze Kirche.
Nach diesem Gebet zeichnet der Priester ein Kreuz mit der Patene über dem Altar und legt die Hostie auf das Korporale, ein kleines Leinentuch, das auf dem Altar ausgebreitet ist. Die Gemeinde antwortet mit einem „Amen“, das die Zustimmung und den Glauben an die Worte des Priesters bekundet.
Die Vermischung von Wein und Wasser
Als Nächstes folgt die Vermischung von Wein und Wasser im Kelch, ein Vorgang, der reich an Symbolik ist. Der Priester spricht dabei:
Gott, Du hast den Menschen zu wunderbarer Würde erhoben und noch wunderbarer neugeschaffen. Verleih uns durch die geheimnisvolle Bedeutung dieses + Wassers und Weines, dass wir eingehen in die Gemeinschaft der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus, der sich gewürdigt hat, unserer Menschheit teilhaft zu werden.
Es ist wichtig zu beachten, dass in Messen für Verstorbene das Wasser nicht gesegnet wird. Die Vermischung von Wein und Wasser symbolisiert die Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur Christi, da das Wasser die Menschheit und der Wein die Gottheit darstellt. Es erinnert auch an das Blut und Wasser, das aus der Seite Christi am Kreuz floss.
Die Erhebung des Kelches
Anschließend wird der Kelch erhoben. In feierlichen Hochämtern sprechen Priester und Diakon gemeinsam, ansonsten der Priester allein:
Herr, wir flehen zu Deiner Güte, nimm an diesen Kelch und lass unsere Gabe uns und der ganzen Welt zum Heile sein.
Der Priester zeichnet ein Kreuz mit dem Kelch, stellt ihn auf das Korporale und bedeckt ihn mit der Palle, einer quadratischen, steifen Bedeckung, die den Kelch vor Verunreinigungen schützt. Auch hier antwortet die Gemeinde mit „Amen“.
Gebet der Demut und Segnung besonderer Gaben
Mit gefalteten Händen und tief verneigt spricht der Priester ein Gebet der Demut:
Wir bitten Dich im Geiste der Demut und mit zerknirschtem Herzen: Lass uns von Dir angenommen werden und lass unsere Gaben heute vor Deinem Antlitz wohlgefällig sein, Herr und Gott!
Werden in einem Opfergang besondere Gaben, wie zum Beispiel Geldspenden oder andere Naturalien für wohltätige Zwecke, gespendet, so werden sie hier gesegnet. Daraufhin spricht der Priester:
Darum bitten wir Dich durch Christus, unsern Herrn, durch Ihn erschaffst Du allzeit diese + Gaben, heiligst + sie, hauchst ihnen Leben ein, segnest + und schenkst sie uns.
Die Beräucherung der Opfergaben und des Altares
In festlichen Messen erfolgt nach diesen Gebeten oft eine Beräucherung der Opfergaben und des Altars mit Weihrauch. Dieser Akt ist ein Zeichen der Ehrerbietung und des Gebetes, das wie Weihrauch zum Himmel aufsteigt.
- Zum Einlegen des Weihrauchs spricht der Priester: Der Herr segne + diesen Weihrauch und nehme ihn an als lieblichen Duft!
- Beim Beräuchern der Opfergaben zeichnet er mit dem Rauchfass Kreuzzeichen über die Opfergaben und betet: Herr, dieser Weihrauch, von dir + gesegnet, steige zu + Dir empor und über uns + komme herab Dein Erbarmen!
- Zuerst beräuchert der Priester das Altarkreuz und dann den ganzen Altar. Sollte der Altar freistehen, wird er dreimal umschritten. Dabei betet der Priester: Herr, wie Duft des Weihrauchs steige mein Gebet zu Dir empor! Das Erheben meiner Hände sei wie das Rauchopfer am Abend!
- Wenn der Priester das Rauchfass zurückgibt, spricht er: Der Herr entzünde in uns Seine Güte und die Flamme ewiger Liebe. Amen.
Während der Beräucherung kann die Gemeinde oder der Chor ein festliches Lied singen, das die feierliche Atmosphäre verstärkt.
Variationen in den Gebeten der Gabenbereitung
Die Liturgie bietet oft verschiedene Formulierungen für dieselben Gebete, um eine Vielfalt in der Anbetung zu ermöglichen. Die hier dargestellten Gebete für die Gabenbereitung können je nach liturgischer Tradition oder spezifischem Anlass variieren. Hier ein Vergleich der bereits genannten Gebete (A) mit einer alternativen Form (B), die in manchen Kontexten verwendet wird:
| Handlung | Gebet (A) | Alternative Gebet (B) |
|---|---|---|
| Erhebung Patene (Brot) | Heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, nimm an in Gnaden dieses Brot, das wir hier niederlegen für Deine ganze Kirche. | Gott, Vater im Himmel, Geber aller guten Gaben, Du reichst uns das Brot zu unserer täglichen Nahrung, (das über die Erde zerstreut war und nun zu einem Brote geworden ist: wir legen es nieder an heiliger Stätte und bitten Dich, Du mögest Deine heilige Kirche einigen und zusammenführen von den Enden der Erde zu Deinem Reich). |
| Vermischung Wein/Wasser | Gott, Du hast den Menschen zu wunderbarer Würde erhoben und noch wunderbarer neugeschaffen. Verleih uns durch die geheimnisvolle Bedeutung dieses + Wassers und Weines, dass wir eingehen in die Gemeinschaft der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus, der sich gewürdigt hat, unserer Menschheit teilhaft zu werden. | Du gibst uns den Wein, dass er des Menschen + Herz erfreue. (Wie aus der Seite Christi Blut und Wasser floss, so mischen auch wir Wein und das Wasser, dass es Dir gefallen möge zum Heil unserer Seelen.) |
| Erhebung Kelch | Herr, wir flehen zu Deiner Güte, nimm an diesen Kelch und lass unsere Gabe uns und der ganzen Welt zum Heile sein. | Auch diese Gabe Deiner gütigen Hände legen wir nieder auf Deinem Altar und halten sie bereit zum heiligen Opfermahle. |
| Priester tief verneigt | Wir bitten Dich im Geiste der Demut und mit zerknirschtem Herzen: Lass uns von Dir angenommen werden und lass unsere Gaben heute vor Deinem Antlitz wohlgefällig sein, Herr und Gott! | In diesen Gaben opfern wir uns selbst Dir auf. Nimm an unsere demütigen Herzen und lass Dir wohlgefällig sein, was wir von Deinen Gaben zur Opferfeier vorbereitet haben. |
Diese Variationen zeigen die reiche Tradition und die Möglichkeit, die Liturgie an verschiedene theologische Nuancen oder historische Entwicklungen anzupassen, während der Kern der Handlung – die Opferbereitung – erhalten bleibt.
Die Händewaschung (Lavabo)
Bevor der Priester die Gaben endgültig darbringt, vollzieht er eine rituelle Händewaschung, das sogenannte Lavabo. Dies ist ein Zeichen der inneren und äußeren Reinigung und der Bereitschaft, das heilige Opfer darzubringen. Der Priester spricht dabei still:
In Unschuld wasche ich meine Hände, Herr, und umschreite Deinen Altar. Laut will ich Dein Lob verkünden und preisen alle Deine Wundertaten. Herr, ich liebe die Zierde Deines Hauses und den Ort, wo das Zelt Deiner Herrlichkeit steht.
Diese Händewaschung erfolgt an der Epistelseite des Altars. Danach kehrt der Priester in die Mitte zurück, küsst den Altar – ein Zeichen der Ehrfurcht vor dem Ort des Opfers – und wendet sich mit ausgebreiteten Händen zur Gemeinde.
Aufforderung zum Gebet und Secreta
Mit ausgebreiteten Händen fordert der Priester die Gemeinde auf, mit ihm zu beten:
Betet, Geliebte, dass unsere Opfergabe wohlgefällig sei Gott, dem allmächtigen Vater!
Die Gemeinde antwortet mit einem kraftvollen „So geschehe es zur Ehre seines Namens und zum Heil der ganzen Kirche!“ und einem „Amen“. Dies unterstreicht die gemeinschaftliche Natur des Opfers und die Tatsache, dass die Gaben nicht nur für den Priester, sondern für die gesamte Kirche dargebracht werden.

Schließlich streckt der Priester die Hände über die Opfergaben aus und spricht das sogenannte „Gebet über die Gaben“ oder „Secreta“. Dieses Gebet ist spezifisch für den jeweiligen Tag und wird ohne weitere Gebetsaufforderung gesprochen. Zum Gebetsschluss faltet der Priester die Hände und legt sie auf den Altar, womit die Gabenbereitung ihren Abschluss findet und die Präfation sowie der Eucharistisches Hochgebet eingeleitet werden.
Der „Gabengang“ im Kontext der Messdienerdienste
Für Messdiener sind die verschiedenen Phasen der Messe klar definierten Aufgaben zugeordnet. Der Begriff „Gabengang“ bezeichnet dabei eine spezifische Rolle. Im Gegensatz zu „Kerze“, die den Einzug mit den Leuchtern und deren Tragen beim Evangelium umfasst, oder „Schluss“, der die Hilfe bei der Purifikation, also der Reinigung des Kelches und der Hostienschalen nach der Kommunion, meint, bezieht sich der „Gabengang“ explizit auf das Bringen der Gaben zum Altar. Es ist eine der sichtbaren und aktiven Rollen, bei der die Messdiener direkt an der Vorbereitung des Opfers beteiligt sind, indem sie Brot und Wein von einem Gabentisch zum Priester am Altar übergeben. Dies verdeutlicht, dass die Gabenbereitung nicht nur eine Angelegenheit des Priesters ist, sondern eine gemeinschaftliche Handlung, an der verschiedene Glieder der Gemeinde beteiligt sind.
Tiefere Bedeutung und Spiritualität der Gabenbereitung
Die Gabenbereitung ist weit mehr als nur ein logistischer Schritt zur Bereitstellung von Brot und Wein. Sie ist ein Moment der tiefen spirituellen Bedeutung und der Opfergabe. Die Gläubigen bringen nicht nur materielle Gaben dar, sondern sollen auch sich selbst, ihre Freuden und Leiden, ihre Arbeit und ihr Leben symbolisch mit Brot und Wein auf den Altar legen. Es ist die Bereitschaft, das eigene Leben mit dem Opfer Christi zu verbinden. Wenn der Priester die Gaben segnet und sie zum Altar bringt, repräsentiert er die ganze Gemeinde, die sich Christus in seinem Opfer anschließt.
Die Vermischung von Wasser und Wein symbolisiert nicht nur die zwei Naturen Christi, sondern auch die Vereinigung der Gläubigen mit Christus. Wir sind das Wasser, das mit dem Wein (Christus) vermischt wird, um Teil des göttlichen Lebens zu werden. Die Beräucherung der Gaben und des Altars ist ein Ausdruck der Ehrfurcht und der aufsteigenden Gebete der Gemeinde, die Gott wohlgefällig sein mögen.
Die Gabenbereitung bereitet die Gemeinde mental und spirituell auf das Zentrum der Messe vor: die Eucharistie. Sie ist der Moment, in dem die Gemeinde aktiv teilnimmt, indem sie ihre Opfergaben darbringt und sich auf das große Geheimnis der Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi vorbereitet. Sie ist eine Erinnerung daran, dass unser Glaube nicht passiv ist, sondern eine aktive Hingabe und Teilnahme erfordert.
Häufig gestellte Fragen zur Gabenbereitung
Was ist der Unterschied zwischen Gabenbereitung und Kommunion?
Die Gabenbereitung ist der Teil der Messe, in dem Brot und Wein zum Altar gebracht und für die Wandlung vorbereitet werden. Es ist der Akt des Darbringens. Die Kommunion hingegen ist der Empfang des gewandelten Brotes (Hostie) und Weines (Blut Christi) durch die Gläubigen. Während die Gabenbereitung die Vorbereitung ist, ist die Kommunion der Akt des Empfangs des Leibes und Blutes Christi.
Warum wird Wein mit Wasser gemischt?
Das Mischen von Wein und Wasser hat eine doppelte Symbolik. Historisch gesehen war es im antiken Israel und in der römischen Welt üblich, Wein mit Wasser zu verdünnen. Theologisch symbolisiert es die zwei Naturen Jesu Christi: das Wasser steht für seine Menschheit, der Wein für seine Göttlichkeit. Ihre Vereinigung im Kelch erinnert daran, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist. Es erinnert auch an das Blut und Wasser, das aus der Seitenwunde Christi am Kreuz floss.
Warum wird der Weihrauch während der Gabenbereitung verwendet?
Weihrauch ist ein Zeichen der Ehrerbietung, der Reinigung und des Gebetes. Das Aufsteigen des Rauches symbolisiert die aufsteigenden Gebete der Gläubigen zu Gott. Er wird verwendet, um die Gaben, den Altar, den Priester und manchmal auch die Gemeinde zu beräuchern, was ihre Heiligkeit und die Würde des Gottesdienstes unterstreicht.
Können auch andere Gaben als Brot und Wein dargebracht werden?
Ja, neben Brot und Wein können in der Gabenbereitung auch andere Gaben wie Geld für die Bedürfnisse der Kirche oder für wohltätige Zwecke, oder auch Naturalien (z.B. Lebensmittel für Bedürftige) dargebracht werden. Diese Gaben werden oft während des Opfergangs gesammelt und können, wenn vorgesehen, vom Priester gesegnet werden. Sie sind Ausdruck der Nächstenliebe und der Solidarität der Gemeinde.
Ist die Gabenbereitung ein obligatorischer Teil der Messe?
Die Gabenbereitung ist ein integraler und wesentlicher Bestandteil der Liturgie des Wortes und des Eucharistiegebets. Sie ist der Moment, in dem die materiellen Gaben für das Opfer bereitgestellt werden und die Gemeinde sich aktiv auf das Hochgebet vorbereitet. Auch wenn die genauen Abläufe und Gebete variieren können, ist der Akt des Darbringens der Gaben ein fester Bestandteil der Messe.
Fazit
Die Gabenbereitung ist ein reicher und vielschichtiger Teil der katholischen Messe. Sie ist nicht nur ein praktischer Akt der Vorbereitung von Brot und Wein, sondern ein zutiefst spiritueller Moment der Hingabe, der Symbolik und der gemeinschaftlichen Teilnahme. Von den feierlichen Gesängen über die tiefsinnigen Gebete des Priesters bis hin zur symbolträchtigen Vermischung von Wein und Wasser und der Verwendung von Weihrauch – jeder Schritt hat seine Bedeutung und trägt dazu bei, die Gläubigen auf das große Geheimnis der Eucharistie vorzubereiten. Das Verständnis dieses Abschnitts vertieft nicht nur die Wertschätzung für die Liturgie, sondern auch die persönliche Teilnahme am Gottesdienst, indem es die Brücke zwischen unserem alltäglichen Leben und dem heiligen Opfer Christi am Altar schlägt.
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