21/08/2025
In der weiten Landschaft religiöser Schriften gibt es Texte, die oft im Schatten der bekannten kanonischen Bücher stehen – die sogenannten Apokryphen. Diese Schriften, deren Name aus dem Altgriechischen stammt und „verborgen“ oder „dunkel“ bedeutet, sind eine Sammlung von Texten, die zwar von großer religiöser und historischer Bedeutung sind, aber nicht in den offiziellen Kanon der Bibel aufgenommen wurden. Ihre unterschiedliche Rezeption und Bewertung durch verschiedene Glaubensgemeinschaften macht sie zu einem faszinierenden Forschungsfeld und einem wichtigen Zeugnis der antiken Welt.

Die Apokryphen gewähren uns wertvolle Einblicke in die religiösen und kulturellen Vorstellungen der Menschen in der Antike. Sie beleuchten, wie jüdische Gemeinschaften auf die Herausforderungen durch die griechische und römische Herrschaft reagierten und wie sich ihre religiösen Praktiken und Überzeugungen im Laufe der Zeit entwickelten. Darüber hinaus spielen sie eine bedeutende Rolle in der kritisch-historischen Bibelwissenschaft, die sich darauf konzentriert, die historischen, kulturellen und literarischen Hintergründe biblischer Texte zu erforschen. Doch was genau sind diese verborgenen Schriften, und warum sind sie so umstritten?
- Was sind Apokryphen? Definition und Abgrenzung
- Historischer Kontext und Ursprung der Apokryphen
- Unterschiedliche Anerkennung der Apokryphen in den Konfessionen
- Apokryphen des Alten Testaments: Tanach vs. Septuaginta
- Apokryphen des Neuen Testaments
- Inhaltliche und Theologische Bedeutung der Apokryphen
- Rolle der Apokryphen für die kritisch-historische Bibelwissenschaft
- Fazit: Die Relevanz der Apokryphen heute
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu den Apokryphen
Was sind Apokryphen? Definition und Abgrenzung
Der Begriff „Apokryphen“ (Plural: ἀπόκρυφα) wurde im zweiten Jahrhundert geprägt und bezog sich anfangs auf Schriften, die als „außerkanonisch“ oder sogar „häretisch“ angesehen wurden, da sie mitunter als Irrlehre interpretiert wurden. Heute bezeichnet er Texte, die in einigen Versionen der Bibel enthalten sind, in anderen jedoch fehlen. Im Wesentlichen handelt es sich um Schriften, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in den als inspiriert oder autoritativ angesehenen Kanon der Bibel aufgenommen wurden.
Es ist wichtig, zwischen Apokryphen des Alten Testaments und Apokryphen des Neuen Testaments zu unterscheiden. In der katholischen und orthodoxen Tradition werden einige dieser Schriften als „deuterokanonisch“ bezeichnet, was bedeutet, dass sie einen zweiten Kanon bilden und als inspiriert und autoritativ gelten, wenn auch manchmal mit einem geringeren Gewicht als die protokanonischen Schriften. Die meisten protestantischen Kirchen lehnen sie hingegen als kanonisch ab.
Historischer Kontext und Ursprung der Apokryphen
Die meisten Apokryphen wurden zwischen 200 v. Chr. und 200–300 n. Chr. verfasst. Diese Periode war geprägt von tiefgreifenden politischen Umwälzungen, religiösen Reformen und intensiven kulturellen Begegnungen, insbesondere durch den Einfluss des Hellenismus.
Die Apokryphen bieten entscheidende Informationen über die historische Periode zwischen dem Alten und Neuen Testament, insbesondere die Zeit des Zweiten Tempels in Jerusalem. Texte wie die Bücher der Makkabäer liefern detaillierte Einblicke in die politischen und militärischen Ereignisse dieser Zeit, einschließlich der Makkabäeraufstände gegen die Seleukidenherrschaft im 2. Jahrhundert v. Chr. Ohne diese Schriften wären unsere Kenntnisse über diese Epoche erheblich lückenhafter, da sie oft die einzigen Quellen für bestimmte Ereignisse sind, neben den Werken von Flavius Josephus.
Diese turbulenten Zeiten spiegeln sich in den Apokryphen wider, die oft Themen wie Glaube, Moral und das menschliche Schicksal behandeln. Sie erweitern unser Verständnis der historischen, sozialen und theologischen Kontexte, in denen die biblischen Texte entstanden sind. Darüber hinaus dienen sie als Ergänzung der Evangelien dort, wo diese Lücken aufweisen – beispielsweise in Bezug auf die Kindheit und Jugend Jesu, über die die synoptischen Evangelien kaum Auskunft geben. Durch die Analyse dieser Schriften gewinnen Forscher ein umfassenderes Bild der religiösen und literarischen Landschaft des antiken Judentums und frühen Christentums. Die Apokryphen tragen somit wesentlich dazu bei, die Entstehung und Geschichte der biblischen Traditionen zu erfassen und ihre Interpretation zu unterstützen.
Unterschiedliche Anerkennung der Apokryphen in den Konfessionen
Die Anerkennung der Apokryphen variiert stark zwischen den christlichen Konfessionen. Während Katholiken und Protestanten im Kanon des Neuen Testaments größtenteils übereinstimmen, scheiden sich die Meinungen beim Alten Testament. Die römisch-katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen haben einige der apokryphen Schriften in ihren Kanon aufgenommen und bezeichnen sie als deuterokanonisch. Die meisten protestantischen Kirchen lehnen sie hingegen ab.
Martin Luthers Rolle und die Reformation
Während der Reformation im 16. Jahrhundert kam es zu bedeutenden Änderungen im Umgang mit den biblischen Texten. Martin Luther, der führende Reformator, setzte sich energisch für die Rückkehr zu den ursprünglichen hebräischen und griechischen Schriften ein. Sein Bestreben war es, die Bibel auf die Quellen zurückzuführen, die er als authentisch und von Gott inspiriert ansah – die sogenannte Hebraica Veritas (die hebräische Wahrheit) für das Alte Testament und die griechischen Originale für das Neue Testament.
Luther betrachtete die Apokryphen als nützlich und lehrreich für den persönlichen Glauben und die Moral, aber nicht als kanonisch und daher nicht als gleichwertig mit den anderen Büchern der Bibel. Für ihn fehlte ihnen die unbedingte Autorität, die für die Formulierung von Dogmen oder die Festlegung der Glaubenspraxis notwendig war. In seiner deutschen Bibelübersetzung platzierte Luther die Apokryphen in einen separaten Abschnitt zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Dieser Abschnitt trug die Überschrift: „Apokrypha: Das sind Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind.“ Diese Platzierung und die explizite Kennzeichnung setzten ihre Autorität herab, ohne sie vollständig zu verwerfen.
Diese Entscheidung Luthers wurde von vielen protestantischen Traditionen übernommen. Die Sola-Scriptura-Lehre, die allein die kanonischen Schriften als Grundlage für Glauben und Praxis akzeptiert, wurde zu einem zentralen Pfeiler der Reformation. Infolgedessen wurden die Apokryphen in den meisten protestantischen Bibeln entweder gänzlich weggelassen oder wie bei Luther in einem Anhang geführt, jedoch nicht als integraler Bestandteil des Kanons betrachtet.
Apokryphen im Judentum
Im Judentum wurden die Apokryphen nie in den hebräischen Kanon, den Tanach, aufgenommen. Die jüdischen Schriften wurden im 1. Jahrhundert n. Chr. kodifiziert, und die Apokryphen, die hauptsächlich auf Griechisch verfasst wurden, blieben außerhalb des jüdischen Kanons. Trotzdem wurden einige dieser Schriften in der jüdischen Diaspora, insbesondere unter hellenistischen Juden, gelesen und geschätzt, da sie die Zeit des Makkabäeraufstands und andere wichtige historische Ereignisse beschrieben.
Apokryphen des Alten Testaments: Tanach vs. Septuaginta
Die Apokryphen des Alten Testaments haben ihren Ursprung hauptsächlich in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel. Diese Übersetzung wurde im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. in Alexandria, einem Zentrum hellenistischer Kultur, erstellt. Der Tanach hingegen, der hebräische Kanon, enthält nur die Schriften, die im jüdischen Palästina als heilig anerkannt wurden.
Einfluss des Hellenismus auf die Septuaginta
Die Septuaginta ist mehr als nur eine einfache griechische Übersetzung des Tanachs; sie umfasst zusätzliche Bücher, weil sie in einem anderen historischen und kulturellen Kontext entstand. In dieser Zeit waren viele jüdische Gemeinden außerhalb Palästinas stark von der griechischen Sprache und Kultur beeinflusst. Diese Diasporagemeinden benötigten eine griechische Übersetzung der hebräischen Schriften, was zur legendären Entstehung der Septuaginta führte. Die hellenistische Umgebung förderte die Aufnahme zusätzlicher Schriften, die in griechischer Sprache verfasst wurden und teilweise theologische Perspektiven widerspiegelten, die sich von denen in Palästina unterschieden.
Diese zusätzlichen Schriften wurden später in den Kanon der katholischen und orthodoxen Kirchen aufgenommen und als deuterokanonisch bezeichnet. Im Gegensatz dazu lehnten die Rabbinen in Palästina diese Schriften ab, da sie die strengen Kriterien für die Kanonisierung nicht erfüllten, die auf Autorität, Alter und Übereinstimmung mit der hebräischen Sprache und Tradition basierten. Die meisten protestantischen Reformatoren folgten dieser jüdischen Entscheidung und bezogen sich auf den hebräischen Text als maßgeblich.
Liste der bekanntesten Apokryphen des Alten Testaments
Die genaue Anzahl der Apokryphen kann je nach religiöser Tradition variieren. Im Allgemeinen umfasst die Liste der Apokryphen, die in der römisch-katholischen und orthodoxen Tradition als deuterokanonisch anerkannt sind, 14 bis 18 Bücher. Hier sind einige der bekanntesten:
| Titel | Inhaltliche Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Tobit | Erzählung eines rechtschaffenen Mannes und seiner Familie, die göttlichen Schutz erfahren. |
| Judit | Geschichte einer mutigen Frau, die die Stadt Betulia rettet, indem sie den assyrischen General Holofernes tötet. |
| Zusätze zu Esther | Erweiterungen der kanonischen Esther-Geschichte, die zusätzliche Gebete und Briefe enthalten. |
| Weisheit Salomos (Buch der Weisheit) | Philosophische Abhandlung über Weisheit und Gerechtigkeit, die Salomo zugeschrieben wird. |
| Jesus Sirach (Ecclesiasticus) | Sammlung von Weisheitssprüchen und ethischen Lehren, die von Jesus Ben Sirach verfasst wurden. |
| Baruch | Ein Buch, das dem Propheten Baruch zugeschrieben wird und Ermahnungen und Gebete enthält. |
| Brief des Jeremia | Ein Brief, der angeblich von Jeremia an die Verbannten in Babylon geschrieben wurde, der die Abgötterei anprangert. |
| Zusätze zu Daniel | Enthalten Geschichten wie „Das Gebet des Asarja“, „Susanna“, und „Bel und der Drachen“. |
| 1. Makkabäer | Historische Erzählung der Makkabäeraufstände gegen die Seleukidenherrschaft. |
| 2. Makkabäer | Fortsetzung der Geschichte der Makkabäer, mit einem stärkeren Fokus auf göttliches Eingreifen. |
| 3. Makkabäer | Geschichte über die Verfolgung von Juden in Ägypten. |
| 4. Makkabäer | Philosophische Abhandlung über Vernunft und Tugend, die die Märtyrergeschichten der Makkabäer als Beispiel verwendet. |
| 1. Esdras (Griechisches Esra) | Alternative Version der Bücher Esra und Nehemia. |
| 2. Esdras (4. Esra) | Apokalyptisches Buch mit Visionen und Offenbarungen. |
| Gebet Manasses | Reuegebet des Königs Manasse von Juda. |
| Psalm 151 | Ein zusätzlicher Psalm, der in einigen Septuaginta-Handschriften gefunden wird. |
| Oden | Sammlung von Hymnen und Gebeten, die in einigen orthodoxen Bibeln enthalten sind. |
Apokryphen des Neuen Testaments
Die Apokryphen des Neuen Testaments entstanden meist zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert n. Chr. und bieten alternative Perspektiven und zusätzliche Informationen zu den kanonischen Evangelien und Briefen. Sie umfassen eine breite Palette von Texten, darunter Evangelien, Apostelgeschichten, Briefe und Apokalypsen. Diese Schriften zeigen die Vielfalt und Komplexität der frühen christlichen Bewegungen und ihrer theologischen Debatten, insbesondere im Zusammenhang mit Strömungen wie der Gnosis, die oft ein ganz anderes Gottesbild und Interpretationen der Lehren Jesu vertraten.

Obwohl diese Schriften nicht in den offiziellen Kanon aufgenommen wurden, haben sie dennoch einen bedeutenden Einfluss auf die christliche Tradition und das Verständnis der frühen christlichen Lehren ausgeübt. Historiker und Theologen untersuchen sie, um ein vollständigeres Bild der Entstehung und Entwicklung des Christentums zu gewinnen.
Beispiele apokrypher neutestamentlicher Schriften:
- Apokryphe Evangelien:
- Barnabasevangelium: Ein Text, der angeblich Jesus die Ankunft des Propheten Mohammed voraussagte – höchstwahrscheinlich eine spätere Fälschung.
- Evangelium nach Maria: Ein Text, der Maria Magdalena als zentrale Figur darstellt und über geheime Lehren Jesu berichtet.
- Evangelium nach Judas: Eine gnostische Schrift, die Judas Iskariot als den Vertrauten Jesu darstellt, der ihn auf Jesu Bitte hin verrät.
- Evangelium der Kindheit nach Thomas: Eine Erzählung über die Kindheit Jesu, die Wunder und besondere Begebenheiten beschreibt, die in den kanonischen Evangelien nicht zu finden sind.
- Evangelium nach Thomas: Eine Sammlung von 114 Sprüchen, die Jesus zugeschrieben werden, oft mit einer gnostischen Interpretation.
- Apokryphe Apostelgeschichten:
- Apostelgeschichte des Petrus: Ein Bericht über die Taten des Apostels Petrus, der zusätzliche Wunder und Predigten enthält.
- Apostelgeschichte des Paulus: Geschichten über die Reisen und Taten des Paulus von Tarsus, die in den kanonischen Apostelgeschichten nicht enthalten sind.
- Apokryphe Briefe:
- Brief des Barnabas: Ein theologischer Brief, der die christliche Lehre und die Abkehr von jüdischen Traditionen diskutiert.
- Dritter Korintherbrief: Ein fiktiver Briefwechsel zwischen Paulus und der Gemeinde in Korinth.
- Apokryphe Apokalypsen:
- Apokalypse des Petrus: Eine visionäre Beschreibung von Himmel und Hölle, die moralische und eschatologische Lehren enthält.
- Hirten des Hermas: Ein apokalyptisches Werk, das Visionen, Gebote und Gleichnisse enthält und eine frühe christliche Ethik vermittelt.
Inhaltliche und Theologische Bedeutung der Apokryphen
Die Apokryphen sind reich an theologischen und moralischen Lehren. Sie bieten erweiterte Geschichten und Lehren, die in den kanonischen Schriften oft nur angedeutet oder gar nicht vorhanden sind. Zum Beispiel enthält das Buch der Weisheit erweiterte Reflexionen über Tugend und Weisheit, während das Buch Judit eine Geschichte über Mut und Glauben in schwierigen Zeiten erzählt. Diese Texte sind nicht nur religiös, sondern auch literarisch und historisch von großem Interesse.
Sie bieten vielfältige historische und kulturelle Einblicke in die Zeit, in der sie geschrieben wurden, und reflektieren die Herausforderungen und Sorgen der Menschen in der Antike. Sie präsentieren alternative Perspektiven auf bekannte biblische Geschichten und zeigen die theologische Vielfalt des frühen Judentums und Christentums auf.
Rolle der Apokryphen für die kritisch-historische Bibelwissenschaft
Die Apokryphen spielen eine unschätzbare Rolle in der kritisch-historischen Bibelwissenschaft. Sie ergänzen das Bild über die historische Periode zwischen dem Alten und Neuen Testament und erweitern somit den historischen Kontext biblischer Ereignisse und Entwicklungen. Diese Schriften reflektieren die religiösen, sozialen und kulturellen Veränderungen in der jüdischen Gesellschaft während der hellenistischen und römischen Perioden und zeigen die Unterschiedlichkeit in der Theologie des Judentums und des frühen Christentums auf.
Durch den Vergleich der apokryphen Schriften mit den kanonischen Texten können Bibelwissenschaftler Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Sprache, Stil und Inhalt analysieren. Dies hilft, die literarischen Gattungen und Stile der antiken Autoren besser zu verorten und durch vergleichende Textanalysen die Entwicklung biblischer Texte zu verstehen. Die Apokryphen ermöglichen ein besseres Verständnis der redaktionellen Prozesse und der Entwicklung der biblischen Texte. Solche Studien können zeigen, wie bestimmte Themen und Motive über verschiedene Texte hinweg adaptiert und weiterentwickelt wurden.
Besonders aufschlussreich ist die Untersuchung der Apokryphen im Hinblick auf den Prozess der Kanonisierung. Sie wirft die Frage auf, warum bestimmte Texte in den biblischen Kanon aufgenommen wurden, während andere ausgeschlossen blieben. Dies hilft, die Kriterien und theologischen Überlegungen zu verstehen, die bei der Festlegung des Kanons eine Rolle spielten.
Fazit: Die Relevanz der Apokryphen heute
Die Apokryphen sind weit mehr als nur religiöse Texte, die es nicht in den offiziellen Kanon geschafft haben. Sie bieten unschätzbare Einblicke in die Geschichte, Kultur und Religion der Antike. Ihre Existenz und unterschiedliche Aufnahme in verschiedene biblische Kanons verdeutlichen, dass die Sammlung der Schriften, die wir heute als die Bibel kennen, das Ergebnis eines langen und oft konfliktreichen Prozesses war. Die Apokryphen, die in der Septuaginta enthalten waren, aber nicht in den hebräischen Tanach aufgenommen wurden, zeigen, dass unterschiedliche jüdische und christliche Gemeinschaften unterschiedliche Kriterien für die Heiligkeit und Autorität von Schriften hatten.
Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Bibeltradition in der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche, obwohl sie in den protestantischen Kanon nicht aufgenommen wurden. Die Behandlung der Apokryphen im Laufe der Kirchengeschichte wirft dabei aber auch kritische Fragen zur Kanonisierung und Autorität heiliger Schriften auf. Dies deutet darauf hin, dass die Kanonisierung kein rein göttlicher, sondern ein zutiefst menschlicher Prozess war, geprägt von politischen, kulturellen und theologischen Einflüssen. Die Diskussionen und Kontroversen über die Apokryphen zeigen, dass die Definition dessen, was als „heiliger Text“ einer abrahamitischen Religion gilt, keineswegs selbstverständlich war, sondern das Ergebnis historischer Entwicklungen und manchmal auch von Machtkämpfen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu den Apokryphen
Muss ich als Christ an die Apokryphen glauben?
Die Antwort hängt stark von Ihrer Konfession ab. Aus theologischer Sicht der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirchen werden die Apokryphen als Teil des biblischen Kanons betrachtet, also als inspirierte und lehrreiche Texte, die Gläubige anerkennen sollten. Für die meisten protestantischen Kirchen sind die Apokryphen hingegen nicht kanonisch. Sie werden oft als nützlich für die historische oder moralische Bildung angesehen, aber nicht als Grundlage für Glaubensdogmen oder göttliche Offenbarung. Im persönlichen Glauben ist „Glaube“ eine individuelle Entscheidung, die über das bloße Akzeptieren von Texten hinausgeht.
Sind die Apokryphen „falsche“ oder „häretische“ Schriften?
Nein, nicht unbedingt. Obwohl der Begriff „Apokryphen“ ursprünglich auch „häretisch“ bedeuten konnte, sind die heute so bezeichneten Schriften nicht per se falsch oder böse. Viele von ihnen sind historisch und theologisch wertvoll. Ihre Auslassung aus dem Kanon in bestimmten Traditionen bedeutet nicht, dass sie inhaltlich fehlerhaft sind, sondern dass sie die Kriterien für die Kanonisierung nicht erfüllten, die von bestimmten religiösen Autoritäten festgelegt wurden.
Warum sind die Apokryphen für die Bibelwissenschaft wichtig?
Für die kritisch-historische Bibelwissenschaft sind die Apokryphen unverzichtbar. Sie bieten einzigartige Einblicke in die Zeit zwischen dem Alten und Neuen Testament, eine Periode, über die wir sonst wenig wissen. Sie zeigen die theologische Vielfalt des antiken Judentums und des frühen Christentums und helfen Forschern, die Entwicklung biblischer Traditionen, literarischer Gattungen und den Prozess der Kanonbildung besser zu verstehen.
Welche Apokryphen sind die bekanntesten?
Zu den bekanntesten Apokryphen des Alten Testaments gehören die Bücher Tobit, Judit, Weisheit Salomos, Jesus Sirach und die Makkabäerbücher. Im Neuen Testament sind das Evangelium nach Thomas, das Evangelium nach Maria und die Apostelgeschichte des Petrus prominente Beispiele.
Wo kann ich die Apokryphen lesen?
Die Apokryphen sind in vielen katholischen und orthodoxen Bibelausgaben als Teil des Alten Testaments enthalten. Protestanten finden sie oft in Studienbibeln oder separaten Sammlungen von Apokryphen. Sie sind auch online in verschiedenen Übersetzungen verfügbar.
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