Was sagt der Johannes-Evangelium?

Die aramäische Urfassung des Johannes-Evangeliums

13/08/2023

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Seit Jahrhunderten prägen die Evangelien unser Verständnis von Jesus Christus und seiner Botschaft. Doch was wäre, wenn ein Teil dieser Überlieferungen im Laufe der Geschichte verändert oder gar gestrichen wurde? Die Vorstellung einer aramäischen Urfassung des Johannes-Evangeliums, die eine unverfälschte Darstellung der Lehren Jesu bietet, fasziniert Gläubige und Forscher gleichermaßen. Diese alte Schrift, die auf abenteuerlichen Wegen nach Europa gelangte, verspricht eine Rückkehr zu den Wurzeln des Christentums und offenbart eine Sicht auf Jesus, die sich von den uns bekannten biblischen Texten unterscheidet. Es ist eine Einladung, den wirklichen Jesus in seiner Muttersprache zu suchen und eine tiefere Verbindung zu seinen ursprünglichen Botschaften zu finden, die möglicherweise verloren gegangen sind.

Was sagt der Johannes-Evangelium?
Im Johannes-Evangelium finden wir einen ersten Hinweis auf sein Selbstzeugnis: »Ich bin hervorgegangen aus Abba (dem Vater = Gott). Und ich bin gekommen auf die Erde. Und ich werde scheiden von der Erde. Und ich werde zurückkehren zu Abba.« Günther Schwarz. Für Rückübersetzung steht künftig RÜ.)
Inhaltsverzeichnis

Die Suche nach der ursprünglichen Wahrheit

Das sogenannte „Büchlein vom Heiland, 'Heliand' - Evangelium des vollkommenen Lebens“ ist ein Dokument, das beansprucht, Auszüge aus genau dieser aramäischen Urfassung des Johannes-Evangeliums zu enthalten. Es wurde 1937 von Dr. Edmond Székely und Percell Weaver verglichen und herausgegeben, später von Werner Zimmermann ins Deutsche übersetzt. Der zentrale Anspruch dieser Schrift ist, dass sie das Wirken Jesu so überliefert, wie es Johannes, sein Lieblingsjünger, einst aufzeichnete – und zwar ohne die Korrekturen und Streichungen, die im Jahre 325 n.Chr. mit dem Konzil von Nicäa in das Neue Testament aufgenommen wurden. Dies ist eine revolutionäre Behauptung, denn sie impliziert, dass unser heutiges Verständnis von Jesus und seinen Lehren unvollständig oder sogar verzerrt sein könnte. Johannes wird in diesem Kontext als der einzige Jünger hervorgehoben, der die Lehren seines Meisters mit vollkommener Genauigkeit aufgezeichnet haben soll, was die Bedeutung dieser Urfassung zusätzlich unterstreicht.

Der abenteuerliche Weg einer alten Schrift

Die Geschichte, wie diese aramäische Urfassung nach Europa gelangte, liest sich wie ein Abenteuerroman. Ursprünglich im 1. Jahrhundert nach Christus verfasst, soll sie über tausend Jahre lang in einem abgelegenen Kloster im Inneren Asiens aufbewahrt worden sein. Als die Krieger Dschingis Khans die Region heimsuchten, wurde die Schrift von nestorianischen Priestern gerettet und auf wundersame Weise nach Europa gebracht. Eine altslawische Übersetzung dieses Textes fand ihren Weg in die Königliche Bibliothek der Habsburger in Wien, wo sie über lange Zeit verwahrt wurde. Die aramäische Urfassung selbst, so die Überlieferung, befindet sich heute in den Archiven des Vatikans. Dr. Edmond Székely, einer der Übersetzer und Herausgeber, bestätigte durch Vergleiche, dass die altslawische Fassung eine getreue Wiedergabe des aramäischen Originals ist. Diese Herkunftsgeschichte verleiht dem Text eine Aura des Mysteriums und der Authentizität, die viele Leser in ihren Bann zieht.

Was wurde im Konzil von Nicäa verändert?

Das Konzil von Nicäa im Jahre 325 n.Chr. war ein Wendepunkt in der Geschichte des Christentums. Dort wurden wichtige theologische Fragen geklärt und dogmatische Grundlagen festgelegt, die bis heute Gültigkeit haben. Doch laut der Überlieferung der aramäischen Urfassung wurden bei diesem Konzil auch Inhalte aus den Evangelien entfernt oder „verstümmelt“, die als missliebig oder nicht konform mit den neu definierten Dogmen angesehen wurden. Die Befürworter der aramäischen Fassung argumentieren, dass dies zu einer Verzerrung der ursprünglichen Botschaft Jesu geführt hat. Diese Anpassungen hatten weitreichende Konsequenzen für das Bild Jesu und seine Lehren, wie sie über Jahrhunderte hinweg vermittelt wurden. Die aramäische Urfassung bietet somit eine alternative Perspektive auf die Entwicklung der christlichen Lehre.

Die Lehren des ursprünglichen Jesus: Eine Offenbarung

Die vielleicht schockierendsten und zugleich faszinierendsten Offenbarungen der aramäischen Urfassung betreffen Inhalte, die in den uns bekannten Evangelien kaum oder gar nicht vorkommen. Diese Lehren zeichnen ein Bild von Jesus, das weitreichender und ganzheitlicher ist, als viele es sich vorstellen können. Sie berühren Aspekte des Lebens, die für viele Menschen heute von großer Relevanz sind und eine Brücke zwischen alten spirituellen Traditionen und modernen ethischen Überzeugungen schlagen.

Vegetarische Ernährung und Tierliebe

Ein zentraler Punkt, der in der aramäischen Urfassung des Johannes-Evangeliums hervorgehoben wird, sind Jesu Lehren über vegetarische Ernährung, Tierliebe und Tierschutz. Während in den kanonischen Evangelien kaum explizite Anweisungen zu diesen Themen zu finden sind, soll Jesus hier eine klare Haltung gegen das Töten von Tieren und für eine pflanzliche Lebensweise eingenommen haben. Dies würde nicht nur unser Verständnis seiner ethischen Prinzipien erweitern, sondern auch die Debatte um die Rolle des Menschen in der Schöpfung in ein neues Licht rücken. Die Vorstellung, dass Jesus selbst ein Verfechter der Tierliebe und des Tierschutzes war, könnte für viele Gläubige eine tiefgreifende Implikation haben und zu einer Neubewertung ihrer eigenen Lebensweise anregen.

Reinkarnation und Karma

Ein weiteres Thema, das in den kanonischen Texten weitgehend fehlt, ist die Lehre von Reinkarnation und Karma. In der aramäischen Urfassung soll Jesus diese Konzepte, die in vielen östlichen Religionen eine zentrale Rolle spielen, gelehrt haben. Dies würde bedeuten, dass das Leben als ein fortlaufender Zyklus verstanden wird, in dem jede Handlung Konsequenzen hat und die Seele mehrere Inkarnationen durchläuft, um zu lernen und sich zu entwickeln. Eine solche Lehre würde das theologische Fundament des Christentums erheblich erweitern und Fragen nach Gerechtigkeit, Leid und der Bestimmung der Seele in einem völlig neuen Kontext beantworten.

Die Jugend und frühen Erwachsenenjahre des Jesus

Die kanonischen Evangelien schweigen weitgehend über die Jugend und die frühen Erwachsenenjahre Jesu. Es gibt nur wenige Passagen, die diese Zeit beleuchten. Die aramäische Urfassung hingegen soll detailliertere Einblicke in diese prägende Phase seines Lebens geben. Dies könnte Aufschluss darüber geben, wie Jesus zu dem Mann wurde, den wir kennen, welche Erfahrungen ihn formten und welche Lehren er möglicherweise schon in jungen Jahren empfing oder entwickelte. Solche Informationen würden das menschliche Bild Jesu vertiefen und seine Entwicklung als spiritueller Lehrer greifbarer machen.

Welche Folgen hatte die Zersplitterung der Kirche für die Aramäer?
Die Zersplitterung der Kirche nahm bei den Aramäern ein Ausmaß an, das sich negativ auf die Einheit zwischen ihnen auswirkte. Nach der Niederlage des Kreuzfahrerstaates kämpften die in Ägypten herrschenden Mameluken, die Osmanen und die Safawiden um die Vorherrschaft über das von den Aramäern bewohnten Gebiete in Syrien und Obermesopotamien.

Günther Schwarz und die Rückübersetzung ins Aramäische

Die Bemühungen, die ursprüngliche Botschaft Jesu wiederherzustellen, sind nicht auf die Entdeckung alter Manuskripte beschränkt. Der Theologe Günther Schwarz (1929-2009) widmete 50 Jahre seines Lebens der Rückübersetzung der ältesten altsyrischen Grundtexte in die aramäische Muttersprache Jesu und anschließend ins Deutsche. Seine Arbeit ist von immenser Bedeutung, da er nicht nur gravierende Übersetzungsfehler in den herkömmlichen griechischen Fassungen erkannte und benannte, sondern auch die Sinntreue der Lehre Jesu und sein geistiges Eigentum wiederherstellen wollte. Schwarz' Forschung zeigte, dass viele überlieferte Jesus-Worte ursprünglich poetisch geformt waren und dass der herkömmlich übersetzte Wortlaut Jesu an vielen Stellen nicht annähernd richtig übersetzt wurde. Seine Arbeit ist ein Zeugnis der tiefen Sehnsucht, die authentische Stimme Jesu zu hören und zu verstehen.

Das Vaterunser im neuen Licht

Ein prägnantes Beispiel für die gravierenden Übersetzungsfehler, die Günther Schwarz aufdeckte, ist die kirchenoffizielle Vaterunser-Bitte: „Und führe uns nicht in Versuchung“. Schwarz argumentiert, dass diese Formulierung zu einem völlig falschen und Jesus-fremden Gottesbild führt, indem Gott mit Satan, dem Versucher, verwechselt wird. Der „Vater“ Jesu sei doch kein Zyniker, der seine Kinder in Versuchung führt. Diese absurde Bitte werde dennoch milliardenfach ohne jeden Sinn und Verstand nachgebetet. Die Rückübersetzung ins Aramäische bietet hier eine völlig andere Perspektive, die das Gottesbild Jesu als reiner Liebe und Güte wiederherstellt. Dies verdeutlicht, wie verheerend falsche Übersetzungen sein können und wie sie das theologische Verständnis über Jahrhunderte prägen können.

Um den Unterschied deutlich zu machen, hier eine vereinfachte Gegenüberstellung:

Herkömmliche Übersetzung (Griechisch/Lateinisch)Interpretation nach aramäischer Rückübersetzung
„Und führe uns nicht in Versuchung“Gott führt nicht in Versuchung; diese Bitte verwechselt Gott mit dem Versucher. Gott ist Liebe und Güte.
Impliziert, dass Gott uns prüft oder in schwierige Situationen bringt.Gott ist der Inbegriff des Guten; er möchte uns vor Bösem bewahren, nicht uns dazu verleiten.

Gott als "Abba": Eine Revolution des Gottesbildes

Jesu Lehre über Gott ist eine ganz andere: „Gott“ steht für „gut“. Das Göttliche ist der Inbegriff des Guten. Die Botschaft von Gott, die wir Jesus verdanken, ist eine „Gute Nachricht“, ein „euaggelion“. Jesus' Botschaft lautet: Das Gute ist möglich, weil es Gott gibt. Es ist da, man kann es erfahren und noch mehr: Man kann es tun. Dieses Vertrauen in das Gute, in das Göttliche, ist der fundamentale Unterschied zum alltäglichen Zynismus, Fatalismus, zur Resignation und Hoffnungslosigkeit. Jesus lehrt uns, was das Wichtigste im Leben ist.

Ein Schlüsselaspekt des Gottesbildes Jesu ist seine Anrede Gottes als „Abba“. Im Aramäischen bedeutet „Abba“ so viel wie „Papa“ oder ganz zärtlich „Papi“. In der Intention Jesu war dies ein „mütterlicher Vater“ – ein revolutionäres Bild Gottes, das die traditionelle, oft strenge und ferne Vaterfigur durch eine zärtliche, liebevolle und fürsorgliche Elternfigur ersetzt. Dieses Gottesbild der Liebe in Person wird auch in der Rückübersetzung von Markus 12,27 und Lukas 20,38 deutlich: „Und seht! – Es gibt keinen Gott der Toten, sondern einen Gott der Lebenden, denn aus ihm leben sie alle.“ Diese Zusage, dass niemand verloren gehen soll, ist eine Botschaft der bedingungslosen Liebe und des Lebens, die uns ermutigt, ein Netzwerk der Liebe über diesen Planeten zu spannen.

Jesu Selbstzeugnis im Johannes-Evangelium (Joh 16,28 RÜ nach Günther Schwarz) unterstreicht seine einzigartige Beziehung zu Gott: „Ich bin hervorgegangen aus Abba (dem Vater = Gott). Und ich bin gekommen auf die Erde. Und ich werde scheiden von der Erde. Und ich werde zurückkehren zu Abba.“ Dies zeigt Jesu unbedingtes Vertrauen zu Gott, seine Gewissheit, eine einzigartige Offenbarung und Vollmacht empfangen zu haben, und seine Verpflichtung zur völligen Hingabe. Als Christen können wir Gott nicht „wissen“, aber dank Jesus können wir ihm vertrauen.

Die Botschaft der Liebe und des Lebens

Die aramäische Urfassung des Johannes-Evangeliums und die Rückübersetzungen von Theologen wie Günther Schwarz fordern uns auf, die Lehren Jesu neu zu entdecken. Sie laden uns ein, zur Quelle zurückzukehren, zum „aramäischen“ Jesus, der uns den Himmel geöffnet hat. Sie zeigen uns, dass Gottes Versprechen wahr sind und dass er für jeden von uns einen wundervollen Plan hat. Die Botschaft ist klar: Religion ist eine gute Nachricht. Es geht darum, das Gute zu erkennen, es zu erfahren und vor allem, es zu tun. Dies ist der Kern aller Jesus-Geschichten, Taten und Gleichnisse.

Für Theologen aller Konfessionen und Christen aller Länder ist dies ein Aufruf zur Einheit – nicht in starren Dogmen, sondern in der gemeinsamen Suche nach der ursprünglichen Wahrheit, die Jesus lehrte. Es geht darum, das geistige Eigentum Jesu wiederherzustellen und das wichtigste und meistgekaufte Buch der Welt – die Bibel – neu zu entdecken und in alle Sprachen neu zu übersetzen, basierend auf der aramäischen Ursprache. Jede erkannte Wahrheit verpflichtet, entsprechend zu handeln. Die aramäische Urfassung ist somit nicht nur ein historisches Dokument, sondern eine Aufforderung zu einer tiefgreifenden Erneuerung des Glaubens und Lebens.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wo kann ich die aramäische Urfassung des Johannes-Evangeliums einsehen?

  • Die aramäische Urfassung selbst wird, wie im Artikel erwähnt, in den Archiven des Vatikans aufbewahrt und ist nicht öffentlich zugänglich.
  • Jedoch ist der vollständige Text, der als Auszug aus dieser Urfassung gilt, als Buch unter dem Titel "Das Evangelium des Vollkommenen Lebens" erhältlich (ISBN 3-7197-0384-3, Humata Verlag). Dies ist die von Dr. Edmond Székely und Percell Weaver verglichene und herausgegebene Fassung, die ins Deutsche übersetzt wurde.

Ist die Echtheit dieser aramäischen Urfassung wissenschaftlich anerkannt?

  • Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich über die Echtheit und den Umfang der "aramäischen Urfassung" uneins. Während die hier beschriebene Veröffentlichung auf einem alten Manuskript basiert und von seinen Herausgebern als authentisch angesehen wird, gibt es innerhalb der akademischen Theologie unterschiedliche Meinungen und Forschungen zu den ursprünglichen Texten des Neuen Testaments.
  • Die Arbeit von Günther Schwarz ist eine theologische Rückübersetzung, die auf seiner Expertise in alten syrischen Texten basiert, aber nicht direkt die "Urfassung" des Vatikans darstellt. Es ist wichtig, dies als eine spezifische theologische Perspektive zu verstehen.

Warum wurde das Konzil von Nicäa einberufen und welche Rolle spielte es?

  • Das Konzil von Nicäa (325 n.Chr.) wurde von Kaiser Konstantin einberufen, um theologische Streitigkeiten innerhalb der frühen Kirche zu schlichten, insbesondere den Arianischen Streit über die Natur Christi.
  • Es legte wichtige Glaubenssätze fest, darunter das Nicänische Glaubensbekenntnis, das die Göttlichkeit Christi bekräftigte.
  • Laut der hier behandelten aramäischen Überlieferung wurden im Zuge dieser Standardisierung auch Texte entfernt oder angepasst, die nicht mit den neu definierten Dogmen übereinstimmten, insbesondere jene, die von vegetarischer Ernährung, Reinkarnation und der Jugend Jesu handelten.

Inwiefern unterscheidet sich die aramäische Interpretation des Vaterunsers von der bekannten Version?

  • Die traditionelle Version des Vaterunsers, "Und führe uns nicht in Versuchung", wird in der aramäischen Rückübersetzung kritisiert, da sie ein falsches Gottesbild impliziert, das Gott als einen Versucher darstellt.
  • Die aramäische Interpretation betont, dass Gott ausschließlich gut ist und uns nicht in Versuchung führen würde. Stattdessen geht es darum, dass Gott uns vor Versuchung bewahrt oder uns hilft, ihr zu widerstehen. Dies rückt das Gottesbild Jesu als eines liebenden und fürsorglichen "Abba" in den Vordergrund.

Was bedeutet "Abba" und warum ist es so wichtig für das Verständnis Jesu?

  • "Abba" ist ein aramäischer Ausdruck, der "Vater" bedeutet, aber eine viel intimere und zärtlichere Konnotation hat, vergleichbar mit "Papa" oder "Papi".
  • Die Verwendung dieses Begriffs durch Jesus revolutionierte das Gottesbild, da es Gott nicht als fernen, strengen Herrscher, sondern als liebevollen, zugänglichen und fürsorglichen Elternteil darstellt.
  • Es unterstreicht Jesu einzigartige und vertraute Beziehung zu Gott und lädt Gläubige ein, eine ähnliche Intimität in ihrer eigenen Beziehung zu Gott zu suchen.

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