Der Kreuzweg: Eine Reise durch Leiden und Liebe

02/05/2026

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Der Kreuzweg ist weit mehr als nur eine Reihe von Darstellungen; er ist eine tief spirituelle Reise, die Gläubige seit Jahrhunderten antreten, um sich dem Leiden und der Liebe Jesu Christi in den letzten Stunden seines irdischen Lebens anzunähern. Besonders in der Fastenzeit wird dieser Weg des Gebets und der Besinnung zu einem zentralen Element der Vorbereitung auf Ostern. Er lädt uns ein, nicht nur Zeugen zu sein, sondern aktiv mitzufühlen und die Bedeutung des Opfers Christi für unser eigenes Leben zu begreifen.

Was bedeutet das Kreuz für uns?
Herr, lass uns jetzt innerlich zur Ruhe kommen und gib uns wache Sinne, damit wir erahnen und begreifen können, was Dein Kreuz für uns bedeutet. Lass uns durch diesen Kreuzweg Dir begegnen, damit wir mit mehr Trost und Freude, mit mehr Glauben und mir mehr Liebe weiterleben können. V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich,

Diese uralte Andachtsform, die in der katholischen und anglikanischen Kirche tief verwurzelt ist, führt uns durch vierzehn Stationen, die wichtige Ereignisse auf Jesu Weg von seiner Verurteilung bis zur Grablegung markieren. Jede Station bietet eine Gelegenheit zur Reflexion über die menschliche Natur, Sünde, göttliche Liebe und die universelle Botschaft der Barmherzigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Kreuzweg?

Der Kreuzweg, lateinisch „Via Crucis“ oder „Via Dolorosa“ (Schmerzensweg), ist eine Andachtsübung, die den Leidensweg Jesu von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zu seiner Grablegung nachzeichnet. Er besteht traditionell aus vierzehn Stationen, die jeweils ein bestimmtes Ereignis auf diesem Weg darstellen. Diese Stationen werden oft als Bilder oder Skulpturen in Kirchen, auf Kirchhöfen oder entlang von Pilgerwegen dargestellt. Gläubige beten vor jeder Station, meditieren über das dargestellte Geschehen und verbinden es mit ihren eigenen Lebensumständen und ihrem Glauben.

Die Ursprünge des Kreuzweges reichen bis ins Mittelalter zurück, als Pilger in Jerusalem die tatsächliche „Via Dolorosa“ gingen. Da nicht jeder nach Jerusalem reisen konnte, entstanden in Europa Nachbildungen dieses Weges, um den Gläubigen die Möglichkeit zu geben, die Passion Christi auch an ihrem Heimatort nachzuvollziehen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die heutige Form mit den vierzehn festen Stationen, die in vielen Kirchen weltweit zu finden sind.

Wann wird der Kreuzweg gebetet?

Die Kreuzwegandacht ist eine zeitlose Gebetsform, die grundsätzlich zu jeder Zeit gebetet werden kann, sei es allein oder in Gemeinschaft. Es gibt jedoch bestimmte Zeiten im Kirchenjahr, in denen sie eine besondere Bedeutung und Tradition hat:

  • An Freitagen: Da Jesus an einem Freitag gekreuzigt wurde, ist der Freitag der traditionelle Wochentag für die Kreuzwegandacht.
  • In der Fastenzeit: Die gesamte Fastenzeit, die 40 Tage vor Ostern beginnt, ist eine Zeit der Besinnung, Buße und Vorbereitung. Der Kreuzweg passt thematisch perfekt in diese Periode, da er auf das zentrale Ereignis der Erlösung – das Leiden und Sterben Jesu – hinweist.
  • In der gesamten Karwoche: Die Woche vor Ostern, insbesondere der Karfreitag, ist die intensivste Zeit für die Kreuzwegandacht. Am Karfreitag gedenken Christen weltweit des Todes Jesu.

Ein besonders bekanntes Beispiel ist der Kreuzweg am Kolosseum in Rom, der seit 1964 jedes Jahr am Karfreitag zusammen mit dem Papst stattfindet und von Millionen Menschen weltweit verfolgt wird. Dies unterstreicht die universelle und tiefe Bedeutung dieser Andachtsform.

Warum beten wir den Kreuzweg?

Das Beten des Kreuzweges ist weit mehr als ein ritueller Akt; es ist eine zutiefst persönliche und transformative spirituelle Übung. Die Gründe, warum Menschen diesen Weg des Leidens gehen, sind vielfältig und tiefgründig:

  • Zur Erlösung der Welt: Die zentrale Botschaft des Kreuzweges ist, dass Jesus durch sein heiliges Kreuz die Welt erlöst hat. Indem wir den Kreuzweg beten, erinnern wir uns an dieses höchste Opfer und danken für die uns geschenkte Erlösung.
  • Um Trost und Hoffnung zu finden: Das Leben ist oft voller Schwierigkeiten und Leiden. Der Kreuzweg hilft uns zu erkennen, dass Jesus unsere menschliche Zerbrechlichkeit und unsere Schmerzen teilt. Er gibt uns die Gewissheit, dass wir in unserem Leid nicht allein sind und dass selbst in den dunkelsten Momenten Hoffnung besteht.
  • Zur Stärkung des Glaubens: Die Betrachtung von Jesu Standhaftigkeit, seinem Vertrauen in den Vater und seiner bedingungslosen Liebe stärkt unseren eigenen Glauben. Sie ermutigt uns, unsere eigene Berufung anzunehmen und unserem Glauben treu zu bleiben, auch wenn es schwerfällt.
  • Zur Förderung von Mitgefühl und Nächstenliebe: Der Kreuzweg fordert uns auf, über unser eigenes Leid hinauszublicken und das Leid anderer zu erkennen. Er ermutigt uns, wie Simon von Cyrene oder Veronika, unseren Mitmenschen in Not beizustehen und aktive Nächstenliebe zu üben. Es zählt nicht, was wir gebetet haben, sondern was wir für unseren Nächsten getan haben.
  • Zur Besinnung und Umkehr: Die Stationen des Kreuzweges sind eine Einladung zur Selbstreflexion über unsere eigenen Sünden und Schwächen. Sie rufen uns zur Umkehr auf und erinnern uns daran, dass wahres Mitleid Taten erfordert, nicht nur Klagen.
  • Zur Vorbereitung auf den Tod und das ewige Leben: Indem wir uns dem Tod Jesu stellen, lernen wir, unseren eigenen Tod nicht als Ende, sondern als Übergang zu einem neuen Leben in Gott zu betrachten. Jesu Sieg über den Tod nimmt uns die Angst vor der Leere und öffnet uns die Tür zur Auferstehung.

Der Kreuzweg ist somit ein Weg der Erkenntnis, der Heilung und der tiefen Verbindung mit Christus. Er lehrt uns, dass selbst im größten Leid Liebe und Vertrauen triumphieren können.

Der Kreuzweg: Eine Reise durch die 14 Stationen

Jede der vierzehn Stationen des Kreuzweges ist ein Fenster zu einem Moment des Leidens Jesu und bietet eine tiefe spirituelle Lehre für unser eigenes Leben. Wir betrachten diese Stationen nicht nur als historische Ereignisse, sondern als lebendige Botschaften, die uns heute noch ansprechen.

1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt

Jesus, der unschuldig war und niemals Unrecht getan hatte, wird von Pontius Pilatus zum schmählichsten Tod am Kreuz verurteilt. Pilatus gibt Jesus der Willkür seiner Feinde preis, um selbst nicht in Ungnade zu fallen. Diese Station erinnert uns daran, wie oft Unschuldige verurteilt werden und wie leicht Menschen aus Feigheit oder opportunistischen Gründen ungerechte Urteile fällen. Jesus jedoch steht in dieser schweren Stunde ganz zu seiner Berufung und bezeugt die Wahrheit und die Liebe, die vom Vater ausgehen. Für uns bedeutet das eine Aufforderung, mutig zu unserer Überzeugung zu stehen, auch wenn es unbequem ist. Unsere Taufe hat uns zu Nachfolgern Christi gemacht; es ist unsere Aufgabe, Zeugnis abzulegen für die Wahrheit, die wir in ihm gefunden haben. Das Gebet dieser Station ist eine Bitte um Standhaftigkeit und Mut zur Wahrheit.

2. Station: Jesus nimmt das schwere Kreuz auf seine Schulter

Jesus nimmt den schweren Holzbalken, der ihn später tragen wird, auf seine Schulter. Er weiß um die Konsequenzen und das Ende, doch er vertraut seinem Vater und nimmt die Last auf sich. Er weiß, dass die Erfüllung von Gottes Willen der einzige Weg zur Erlösung ist. Diese Station lehrt uns die Annahme des eigenen Schicksals und der Lasten, die das Leben uns auferlegt. Jeder, der der Nachfolge Christi zustimmt, wird spüren, dass er nicht nur sein eigenes Kreuz, sondern auch die Freuden und Lasten anderer tragen muss. Solche Kreuze mögen unseren Körper und unsere Seele quälen, doch durch jedes getragene Kreuz wachsen wir. Es ist ein Akt der bedingungslosen Liebe, die Last für andere zu tragen, anstatt sie ihnen aufzubürden.

3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

Geschwächt durch Geißelung, Durst und Hunger, und niedergedrückt vom Gewicht des Kreuzes, fällt Jesus schwer zu Boden. Sein Körper muss diese Niederlage hinnehmen, doch sein Glaube an den Vater gibt ihm neue Kraft, seine Hoffnung auf die Erfüllung seines Auftrages neuen Mut, und seine Liebe zu uns Menschen neue Ausdauer. Dieser Fall ist ein Ausdruck unserer menschlichen Zerbrechlichkeit. Wir erkennen unsere Grenzen angesichts von Situationen, die uns überfordern. Oft fällt es uns schwer, Schwäche zu akzeptieren, und wir zweifeln an Gottes Güte, wenn unser Kreuz uns zu Boden drückt. Diese Station erinnert uns daran, dass wir nicht allmächtig sind und dass wir Menschen brauchen, die uns im Glauben stärken und uns helfen, wieder aufzustehen.

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4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter

Ein erschütternder Augenblick: Jesus, kaum wiederzuerkennen, begegnet seiner Mutter Maria. Ihre Blicke treffen sich, ihre Herzen brennen vor Liebe und Ergebenheit. In diesem Moment erahnt Maria ihre Mitwirkung am Erlösungswerk und ihre Mutterschaft für alle Menschen. Maria begleitet uns auch heute noch in Schmerzen und Leid, tröstet und ermutigt uns. Diese Begegnung lehrt uns die Kraft der gegenseitigen Liebe und des Beistands. Oft gehen wir aneinander vorbei, ohne am Schicksal des Anderen Anteil zu nehmen. Doch wie Jesus aus der Begegnung mit seiner Mutter Kraft schöpfte, so können auch wir anderen durch unsere Präsenz, unser Vertrauen und unseren Glauben stärken. Es ist eine Aufforderung, nicht teilnahmslos neben leidenden Menschen zu stehen.

5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Jesus ist einem Zusammenbruch nahe, und die Soldaten zwingen Simon von Cyrene, der gerade vom Feld kommt, Jesus die Last abzunehmen. Widerwillig nimmt Simon an, doch erkennt er bald die große Auserwählung, Jesus auf seinem schweren Weg zu erleichtern. Diese Station konfrontiert uns mit der Frage, wie wir mit dem Leid anderer umgehen. Sind wir wie Simon, die nur helfen, wenn sie dazu gezwungen werden, oder wenn es uns gut dastehen lässt? Die Liebe Gottes soll unsere Wege markieren und uns dazu bewegen, das Leid anderer zu lindern. Am Ende unseres Lebens wird nicht zählen, wie oft oder was wir gebetet haben, sondern was wir für unseren Nächsten getan haben. Diese Station ruft uns auf, ein „Simon“ für andere zu sein, aktiv und aus Liebe zu helfen.

6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Inmitten der schreienden Menge tritt Veronika mutig hervor. Sie fragt nicht, was die anderen sagen oder die Soldaten tun werden. Sie handelt nach dem, was ihr Herz ihr sagt: Hier leidet ein Mensch, hier sind blutende Wunden, sie wird gebraucht. Sie trocknet Jesus das blutverschmierte Gesicht. Welch ein Mut, so „aus der Reihe zu tanzen“! Diese Station lehrt uns, dass Gott keine großen Dinge von uns verlangt. Oft genügen schon ein freundlicher Blick, ein gutes Wort oder eine kleine Geste der Hilfe. Das Große zeigt sich immer in den kleinsten Dingen, und der kleinste Liebesdienst kann ein Zeichen großer Liebe sein. Denn er trägt die Züge Jesu und ist Abbild seiner großen Liebe.

7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Ein zweites Mal verliert Jesus die Gewalt über seinen Körper. Er stürzt noch schwerer und schmerzlicher als zuvor, verlassen von seinen Jüngern und Freunden. Doch mit großer Anstrengung rafft er sich wieder auf. Jesus will uns damit die Kraft geben, uns gegenseitig immer wieder aufzuhelfen. Dieser Fall zeigt uns, dass wir uns nicht entmutigen lassen dürfen, auch wenn wir immer wieder fallen. Es braucht viel Kraft, immer wieder aufzustehen, und diese Kraft erhalten wir durch das Gebet und den Empfang der Sakramente. Bleiben wir beständig im Gebet, verlieren wir die Angst vor dem Fallen und die Angst, es nicht zu schaffen. Wir helfen Jesus, indem wir uns selbst und anderen immer wieder aufhelfen.

8. Station: Jesus ermahnt die weinenden Frauen

Die Frauen von Jerusalem weinen beim Anblick Jesu voller Mitleid. Jesus aber weist sie zurecht und sagt, dass es eine Not der Anderen gibt und die Ursache allen Leidens die Sünde ist. Er spricht von einem drohenden Unheil, das über die Stadt hereinbrechen wird, wenn sie sich nicht bekehren. Jesus fordert Taten, nicht nur Mitleid, das nicht über das Bedauern hinausgeht. Er will, dass wir unser Leben ändern, uns von der Sünde abwenden und am Aufbau des Gottesreiches mitwirken. Diese Station ist eine dringende Aufforderung zur Umkehr, zu Gebet und Buße, wie sie uns auch die Gottesmutter an vielen Erscheinungsorten immer wieder gesagt hat. Es geht darum, unser Mitleid in konkrete Taten zu verwandeln.

9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Wenige Schritte vor dem Kalvarienberg, am Ende seiner Kräfte, kann Jesus sich kaum noch auf den Beinen halten. Er fällt zum dritten Mal, seine Wunden reißen noch tiefer auf. Er fühlt sich vernichtet, klagt aber nicht, sondern deutet diesen Leidensweg als Geschenk an Gott und seine Brüder und Schwestern. Er vertraut ganz auf Gott. Dieser dritte Fall Jesu will uns zeigen, dass wir immer durchhalten sollen, auch wenn alles hoffnungslos erscheint. Wir sollen uns gegenseitig Mut machen, auch wenn alles verloren scheint. Gott selbst trägt uns mit all unserer Last, egal ob wir stehen, gehen oder liegen. Im Vertrauen darauf, dass Gott niemanden im Stich lässt, der sich ihm anvertraut, dürfen wir in solchen Stunden mit seinem Beistand rechnen.

10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

Am Kalvarienberg angekommen, reißen die Soldaten Jesus gewaltsam die Kleider vom Leib, die an den unzähligen Wunden kleben. Diese Tat ist für Jesus die traurigste Erniedrigung, eine Bloßstellung vor der ehrfurchtslosen Menge. Diese Beleidigungen treffen das Innerste – die Seele – dort, wo der Sinn für das Heilige wohnt. Jesus muss alles hergeben, auch das Verborgenste, um uns alle zu erlösen. Diese Station erinnert uns an die Verletzung der moralischen Würde des Menschen. Auch wir können mit Worten vernichten oder unsere Nächsten bloßstellen. Es fordert uns heraus zu fragen, wie es um die Treue zu unserer Berufung steht: Wären wir bereit, für unseren Glauben alles herzugeben, unsere Sicherheit und Geborgenheit für das Heil unserer Mitmenschen aufzugeben? Es ist eine Einladung, unsere Herzen von materiellen Dingen zu lösen und mehr Vertrauen in Gottes Vorsehung zu legen.

11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt

Jesu Hände und Füße werden an das Kreuz genagelt. Nun hängt der Gekreuzigte zwischen Himmel und Erde. Trotz aller Schmerzen und allen Spottes betet Jesus für seine Peiniger: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Er erhört die Bitte des Räubers neben ihm und sorgt sich um seine Mutter. Die Ermordung Jesu ist die größte Sünde, doch Gott hört nicht auf, uns zu lieben. Das Kreuzeszeichen wird zum Zeichen Jesu, das Zeichen seiner Liebe bis zum Letzten, das Zeichen aller wahren Liebe. Es hat die Kraft, alle Gegensätze zu vereinen. Wenn wir entzweit sind – uneins mit Anderen, mit der Welt, mit Gott oder mit uns selbst – so kann uns nur das Kreuz Jesu verbinden. Als Christen sind wir berufen, diese Botschaft der Erlösung weiterzugeben und Jesu Worte und Taten überall bekannt zu machen.

12. Station: Jesus stirbt am Kreuz

Nach dreistündigem, entsetzlichem Todeskampf ruft Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Dieses Gefühl der Gottverlassenheit war das Furchtbarste am Sterben Jesu. Doch seine letzten Worte sind ein Gebet des Vertrauens: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Trotz all des Furchtbaren wusste Jesus immer: Gott ist ein treuer Vater. Dieses Gebet ist auch für uns zugänglich, jederzeit und überall. Wir sollen nicht trauern über den Tod Jesu, sondern uns freuen über diesen Weg, der auch uns zu Gott führt. Jesu Tod ist ein Zeichen totaler Hingabe und Gottes Treue zu uns. Er starb, um andere reich zu machen. Diese Station lehrt uns, unser Leben in Gottes Hände zu legen und seinem Sohn ähnlicher zu werden.

Was ist der Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Rosenkranz?
Der Rahmenvers des katholischen Rosenkranzes, das Ave Maria, passt aber nicht in die evangelische Kirche. Also musste er verändert werden und wurde deshalb auf Jesus hin ausgerichtet. Auch in den Rosenkranzgeheimnissen wird Jesus stärker in den Blick genommen.

13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen

Jesus hängt leblos am Kreuz. Josef von Arimathäa und Nikodemus nehmen den Leichnam Jesu ab, salben ihn und legen ihn in den Schoß seiner Mutter. Maria empfindet unsagbare Schmerzen, doch sie hört nicht auf, anzunehmen und zu empfangen. Ein großartiges Zeichen für uns: Nur wer alles annehmen und empfangen kann – wenn auch nicht frei von Leid und Schmerzen – wird Gott spüren können, und Gott selbst wird ihn von all seinen Sorgen befreien. Annehmen bedeutet nicht resignieren, und Empfangen ist nicht tatenlose Schwäche. Im Gegenteil: Am stärksten sind wir dann, wenn wir Gott ganz ergeben sind, denn dann erst kann seine Kraft in unserer Schwachheit wirken. Das Beispiel Marias zeigt uns, dass wir durch Offenheit schon jetzt am Heilswerk mithelfen und die Liebe leben können, die uns der Tod nicht nehmen kann.

14. Station: Jesus wird in das Grab gelegt

Das geheimnisvolle Wort: „Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es reiche Frucht“, bewahrheitet sich jetzt. Jesu heiliger Leib wird in die Erde gesenkt. Sein Leben ruht in Gott. Drei Tage und drei Nächte wird er im Herzen der Erde verbringen. „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ bedeutet, dass Christus mit seinem Sterben die Einsamkeit des Todes mit uns allen teilte. Doch Jesus ist für uns gestorben, um uns diese Angst zu nehmen. Er sagt: „Fürchtet euch nicht, denn ich habe die Schlüssel des Todes, ich habe den Tod besiegt und ich öffne euch die Tür.“ Dies bedeutet, alle Menschen zu erlösen und zu befreien, denn niemand ist außerhalb der Reichweite seines erlösenden Handelns. Wir sind durch eine Nabelschnur des Glaubens und der Liebe mit Christus verbunden. Der Sinn des Todes wird vom Sinn des Lebens bestimmt, und Leben ist viel mehr als nur nicht sterben. Wir sind aufgerufen, Zeugen der Liebe Gottes zu sein und unsere Berufung nicht aufzuschieben. Der Tod ist nicht das Ende, sondern ein Ziel, das es zu erstreben gilt, ein Neubeginn zur vollen Blüte des Lebens.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Kreuzweg

Hier beantworten wir einige der häufigsten Fragen zum Kreuzweg, um Ihnen ein umfassendes Verständnis dieser bedeutsamen Andachtsform zu ermöglichen.

Wie lange dauert ein Kreuzweg?

Die Dauer einer Kreuzwegandacht kann variieren. Wenn sie in einer Gruppe mit Meditationen, Liedern und Gebeten gebetet wird, kann sie zwischen 30 Minuten und einer Stunde dauern. Wenn man den Kreuzweg individuell betet und jede Station in stiller Kontemplation verweilt, kann dies länger dauern. Die „Via Dolorosa“ in Jerusalem, die Jesus ging, war etwa 1000 Meter lang. Die eigentliche Länge ist jedoch weniger physisch als vielmehr spirituell zu verstehen.

Ist der Kreuzweg nur für Katholiken?

Obwohl der Kreuzweg tief in der katholischen Tradition verwurzelt ist und dort am häufigsten praktiziert wird, ist er auch in der anglikanischen Kirche eine anerkannte Andachtsform. Darüber hinaus können auch Christen anderer Konfessionen oder spirituell Suchende Trost und Inspiration in der Betrachtung des Leidensweges Jesu finden, da die Themen wie Opfer, Liebe, Vergebung und Auferstehung universell sind.

Kann ich den Kreuzweg alleine beten?

Ja, absolut. Der Kreuzweg kann sowohl in Gemeinschaft als auch allein gebetet werden. Viele Menschen finden in der stillen, persönlichen Betrachtung der einzelnen Stationen eine besonders tiefe Form der Spiritualität. Es gibt zahlreiche Bücher und Online-Ressourcen, die Texte und Meditationen für das individuelle Beten des Kreuzweges anbieten, sodass Sie ihn jederzeit und an jedem Ort beten können.

Was bedeutet das Kreuz für uns Christen?

Für Christen ist das Kreuz das zentrale Symbol des Glaubens und der Erlösung. Es steht nicht nur für das Leiden und den Tod Jesu, sondern vor allem für seinen Sieg über Sünde und Tod. Das Kreuz ist ein Zeichen der bedingungslosen Liebe Gottes zu den Menschen, die bereit war, das höchste Opfer zu bringen, um die Menschheit zu retten. Es ist ein Zeichen der Hoffnung, der Vergebung und des neuen Lebens, das uns durch Jesu Auferstehung geschenkt wurde. Es erinnert uns daran, dass wir durch Christus mit Gott und untereinander verbunden sind und dass selbst im größten Leid die Liebe triumphiert.

Fazit

Der Kreuzweg ist ein unschätzbares Geschenk für unsere spirituelle Reise. Er lädt uns ein, uns nicht nur intellektuell, sondern emotional und geistlich mit dem Leiden Christi zu verbinden. Durch jede Station werden wir daran erinnert, dass Jesu Weg ein Weg der Liebe, des Opfers und des unerschütterlichen Vertrauens in den Vater war. Er lehrt uns Barmherzigkeit gegenüber anderen, die Bereitschaft, unsere eigenen Lasten und die unserer Nächsten zu tragen, und die Hoffnung auf die Auferstehung, die uns über jeden Fall und jede Verzweiflung erhebt. Möge die Betrachtung dieses heiligen Weges uns alle dazu inspirieren, unser eigenes Leben im Licht seiner Botschaft zu führen und lebendige Zeugen seiner grenzenlosen Liebe zu sein. Amen.

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