01/05/2026
Das „Gotteslob“ (GL) ist weit mehr als nur ein Buch; es ist ein zentraler Begleiter im katholischen Gemeindeleben und in der persönlichen Spiritualität. Seit seiner ersten Erscheinung im Jahr 1975 hat dieses Gebet- und Gesangbuch Generationen von Gläubigen durch Gottesdienste, Andachten und private Gebetszeiten geführt. Trotz anfänglicher Skepsis, die durch tiefgreifende Umbrüche wie die Liturgiereform und das Aufkommen neuer Musikstile genährt wurde, etablierte sich das Gotteslob als unverzichtbares Element und prägt bis heute das kirchliche Miteinander.

Die Beständigkeit des Gotteslob von 1975 war bemerkenswert, doch mit der Zeit entwickelten sich neue pastorale Rahmenbedingungen und Gottesdienstformen, die eine Überarbeitung notwendig machten. Die Einführung von Wort-Gottes-Feiern, die Wiederentdeckung der Tagzeitenliturgie und ein genereller Wandel in der pastoralen Praxis forderten ein neues, zeitgemäßes Buch, das diesen Entwicklungen Rechnung tragen konnte. So wurde der Grundstein für ein ambitioniertes Projekt gelegt: die Erarbeitung eines neuen „Gemeinsamen Gebet- und Gesangbuchs“ (GGB), das schließlich wieder den vertrauten Namen Gotteslob tragen sollte.
Die Entstehung des neuen Gotteslob: Ein Jahrzehnt der Arbeit
Die Initiative zur Erarbeitung eines Nachfolgers für das Gotteslob von 1975 ging von den Deutschen und Österreichischen Bischofskonferenzen sowie dem Bischof von Bozen-Brixen aus. Im Jahr 2001 wurde zu diesem Zweck die „Unterkommission GGB“ der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz ins Leben gerufen. Diese Kommission setzte sich aus einem breiten Spektrum von Expertinnen und Experten zusammen: Berater aus den Bereichen Liturgie, Kirchenmusik, Pastoral, Bibelwissenschaft und Spiritualität brachten ihr Fachwissen ein. Unter der Leitung des Würzburger Bischofs Dr. Friedhelm Hofmann verfolgte die Unterkommission klare Ziele:
- Das neue Gesangbuch sollte nicht nur in der Kirche, sondern auch im Familienkreis nutzbar sein, quasi als „Hausbuch“.
- Es sollte alle Altersgruppen ansprechen.
- Die wichtigsten Glaubensinhalte sollten verständlich vermittelt werden.
Um diese ambitionierten Ziele in der Praxis umzusetzen, wurde ein umfassender und sorgfältiger Prozess initiiert. Zunächst wurden über 100 wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Gotteslob von 1975 befassten, detailliert ausgewertet. Ergänzend dazu flossen unzählige Zuschriften aus den vergangenen Jahrzehnten in die Überlegungen ein, was die Erfahrungen und Wünsche der Gläubigen direkt widerspiegelte. Ein weiterer entscheidender Schritt war eine stichprobenartige „Akzeptanzerhebung“. Hierbei konnten Frauen und Männer, die aktiv in Liturgie und Kirchenmusik tätig waren, ihre Meinungen und Erfahrungen zum alten Gotteslob äußern. Dies stellte sicher, dass die Perspektive der pastoralen Basis von Anfang an miteinbezogen wurde.
Der Praxistest war ein weiterer Pfeiler der Entwicklung. In 186 Gemeinden und diversen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und Ordensniederlassungen wurden neue Gesänge und Texte erprobt. Diese breit angelegte Erprobungsphase ermöglichte es, die Praxistauglichkeit der neuen Inhalte zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen, bevor das Buch endgültig fertiggestellt wurde.
Struktur, Gestaltung und Herstellung des neuen Gotteslob
Nach einem Jahrzehnt intensiver Arbeit konnte im Jahr 2011 die endgültige Bearbeitung des GGB abgeschlossen werden. Es wurde beschlossen, dass das Buch wieder den bewährten Namen „Gotteslob“ tragen und die etablierte Untergliederung in einen Stammteil und einen diözesanen Eigenteil beibehalten sollte. Im Jahr 2012 wurde der Abschluss aller redaktionellen und kirchenamtlichen Prozesse feierlich bekannt gegeben, und der Druck einer beeindruckenden Erstauflage von 3,6 Millionen Exemplaren begann. Der offizielle Einführungstermin für das neue Gotteslob war der 1. Advent 2013.
Das neue Gotteslob zeichnet sich durch eine durchdachte Struktur und hochwertige Gestaltung aus. Der Stammteil umfasst 960 Seiten und enthält die überregional gültigen Gebete und Gesänge, während die diözesanen Eigenteile zwischen 240 und 340 Seiten umfassen und spezifische Inhalte der jeweiligen Bistümer bereithalten. Die Rechte für den Stammteil liegen bei der Katholischen Bibelanstalt GmbH in Stuttgart, was die Qualität und Verbindlichkeit der Inhalte unterstreicht. Die Gestaltung und der Satz wurden von Matthias Bumiller und Finken & Bumiller in Stuttgart übernommen, während Nikolaus Veeser aus Schallstadt für den Notensatz verantwortlich zeichnete.
Ein besonderes Merkmal des Buches sind die vierfarbigen Darstellungen aus der bildenden Kunst, die das Gotteslob nicht nur zu einem Gebets- und Gesangbuch, sondern auch zu einem ästhetischen Erlebnis machen. Das Standardformat des Buches beträgt 11,2 cm × 17,0 cm. Für Menschen mit Sehschwäche gibt es eine Großdruck-Ausgabe mit den Maßen 13,2 cm × 19,8 cm. Seit 2016 ist zudem für einige Bistümer eine handlichere Taschenausgabe erhältlich, die in verschiedenen Einbandvarianten, teils mit Reißverschluss, in den Maßen 9 cm × 13,7 cm angeboten wird.
Die visuelle Identität des Gotteslob wird auch durch die 19 Zeichnungen und das Titellogo geprägt, die von der Kölner Künstlerin Monika Bartholomé stammen. Ihr Titellogo, eine abstrakte Andeutung eines Dreiecks, symbolisiert die göttliche Dreifaltigkeit. Interessanterweise wählten die Bistümer Paderborn und Limburg sowie teilweise Eichstätt und Regensburg statt des Logos ein Kreuz für die Vorderseite des Umschlags.
Die Gesamtherstellung des Gotteslob oblag der renommierten Druckerei C. H. Beck in Nördlingen. Für die Ausgaben der einzelnen Bistümer waren mehrere Verlage verantwortlich, was die Komplexität und den Umfang des Projekts verdeutlicht. Die Gesamtauflage beläuft sich auf rund 4 Millionen Exemplare, was die enorme Verbreitung und Bedeutung des Buches unterstreicht.
Herausforderungen bei Einführung und Auslieferung
Die Einführung des neuen Gotteslob war ein Großereignis, das am ersten Adventssonntag, dem 1. Dezember 2013, mit einem ZDF-Fernsehgottesdienst aus dem Freiburger Münster feierlich begangen wurde. In seiner Predigt zum Thema „Etwas Neues mit Warten beginnen“ spielte der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, auf die zehnjährige Vorbereitungszeit und die verzögerte Einführung des neuen Gebet- und Gesangbuchs an. Denn trotz aller sorgfältigen Planung kam es während des Drucks zu erheblichen Unstimmigkeiten zwischen der Druckerei und den Bistümern bezüglich der Papierqualität eines erheblichen Teils der Auflage. Das Papier war zu dünn, was dazu führte, dass andere Seiten durchschienen und das Lesen erheblich erschwert worden wäre. Dies machte einen Neudruck eines beträchtlichen Teils der Auflage – 2,14 Millionen Exemplare – notwendig.
Diese unerwarteten Probleme führten dazu, dass sich die Auslieferung des Gotteslobs in der Mehrzahl der Bistümer erheblich verzögerte, teilweise bis weit in das Jahr 2014 hinein. Zum 1. Advent 2013 konnten lediglich die Ausgaben für die Region Nord (Erzbistum Hamburg, Bistum Hildesheim, Bistum Osnabrück), das Bistum Aachen, das Bistum Essen, das Bistum Fulda, das Bistum Münster, das Bistum Rottenburg-Stuttgart und das Bistum Würzburg vollständig ausgeliefert werden. Mitte Dezember 2013 folgten die Diözesanausgabe für das Bistum Passau und die Ausgabe für Österreich. Im Januar 2014 konnte das Erzbistum Freiburg seine Ausgaben erhalten. Im Erzbistum Köln wurde das Gotteslob am 23. Februar 2014 eingeführt, und in der Region Ost (Erzbistum Berlin, Bistum Dresden-Meißen, Bistum Erfurt, Bistum Görlitz und Bistum Magdeburg) erfolgte die Einführung am Sonntag Laetare, dem 30. März.

Erst bis Juli 2014 war das Gotteslob in allen Bistümern erhältlich und zumeist in allen Pfarrgemeinden eingeführt. Offizielle feierliche Einführungen fanden noch später statt, wie etwa im Bistum Trier am 27./28. September 2014 mit einem Kirchenmusikfest und im Erzbistum Bamberg in einer Pontifikalvesper, ebenfalls am 28. September 2014. Im Bistum Mainz war der Tag der offiziellen Einführung der 1. November 2014. Auch nach der Auslieferung der Erstauflage kam es im Sommer 2014 in mehreren Diözesen zu Lieferschwierigkeiten bei Nachbestellungen, und die Auslieferung der Großdruckausgaben aller Diözesen verzögerte sich ebenfalls. Selbst die Orgelbücher zum Gotteslob-Stammteil waren bald vergriffen und eine Nachauflage erschien erst Anfang 2015.
Namensgleichheiten in der Geschichte
Es ist interessant festzustellen, dass der Name „Gotteslob“ nicht erst mit den Ausgaben von 1975 und 2013 aufkam. Bereits in früheren Jahrzehnten gab es Gebet- und Gesangbücher, die diesen Titel trugen. So brachte der Christophorus-Verlag in den Jahren 1938, 1939 und 1942 kombinierte, aber sonst unveränderte Ausgaben des bereits 1928 erschienenen Heftes „Kirchengebet“ und der Notenausgabe der Liedersammlung „Kirchenlied. Eine Auslese geistlicher Lieder“ unter dem Titel „Gotteslob“ heraus. Diese Ausgaben wurden zusätzlich um ein Choralamt ergänzt.
Auch das 1951 bei Fromm, Butzon & Bercker in Kevelaer erschienene Gesangbuch und Gebetbuch für das Bistum Osnabrück sowie das Bistum Eichstätt trug den Titel „Gotteslob“. Schon zuvor, im Jahr 1946, erschien im Verlag Felizian Rauch ein Gebet- und Gesangbuch der Apostolischen Administratur Innsbruck mit diesem Namen. Ein weiteres Beispiel ist das 1964 im Pfeiffer-Verlag in München erschienene Gebet- und Gesangbuch für die deutschsprachigen Regionen der Diözesen Trient und Bozen-Brixen, das den Namen „Unser Gotteslob“ führte. Diese Namensgleichheiten zeigen, dass der Titel „Gotteslob“ eine lange Tradition und eine tiefe Verankerung in der katholischen Gebets- und Gesangsbuchkultur hat.
Wichtige Fakten zum Gotteslob (2013)
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Erscheinungsjahr | 2013 (Einführung) |
| Umfang Stammteil | 960 Seiten |
| Umfang Diözesan-Eigenteil | 240 - 340 Seiten |
| Standardmaße | 11,2 cm × 17,0 cm |
| Großdruck-Ausgabe Maße | 13,2 cm × 19,8 cm |
| Taschenausgabe Maße | 9 cm × 13,7 cm |
| Künstler (Zeichnungen/Logo) | Monika Bartholomé |
| Gesamtauflage (Erstauflage) | ca. 4 Millionen Exemplare |
| Neudruck aufgrund Papierqualität | 2,14 Millionen Exemplare |
| Gesamtherstellung | Druckerei C. H. Beck, Nördlingen |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was ist mit meinem alten Gotteslob zu tun?
Die uns vorliegenden Informationen konzentrieren sich auf die Entstehung und Einführung des neuen Gotteslob und enthalten keine spezifischen Anweisungen zum Recycling alter Gebetbücher. Im Allgemeinen ist Papier recycelbar, jedoch könnten religiöse Gegenstände besondere Wertschätzung erfordern. Es ist ratsam, sich bei Ihrer lokalen Pfarrgemeinde oder Entsorgungsbetrieben zu erkundigen, ob es spezielle Richtlinien oder Sammelstellen für alte religiöse Bücher gibt, um einen würdevollen Umgang sicherzustellen.
Wann wurde das neue Gotteslob eingeführt?
Der offizielle Einführungstermin für das neue Gotteslob war der 1. Advent 2013. Aufgrund von Problemen mit der Papierqualität und Nachdrucken verzögerte sich die vollständige Auslieferung und Einführung in vielen Bistümern jedoch bis weit ins Jahr 2014 hinein.
Welche Probleme gab es bei der Einführung des neuen Gotteslob?
Das größte Problem war die mangelhafte Papierqualität eines erheblichen Teils der Erstauflage. Das Papier war zu dünn, was dazu führte, dass die Schrift durchschien und die Lesbarkeit beeinträchtigt wurde. Dies machte einen umfangreichen Neudruck von 2,14 Millionen Exemplaren notwendig und führte zu erheblichen Verzögerungen bei der Auslieferung in den meisten Bistümern.
Was ist der Unterschied zwischen Stammteil und Eigenteil im Gotteslob?
Der Stammteil des Gotteslob enthält Gebete, Lieder und Texte, die überregional, also in allen deutschsprachigen Diözesen Gültigkeit haben. Der diözesane Eigenteil hingegen umfasst spezifische Inhalte, die auf die Traditionen, Heilige oder besondere Gegebenheiten des jeweiligen Bistums zugeschnitten sind. Jedes Bistum hat somit seinen eigenen Eigenteil, der an den allgemeinen Stammteil angefügt ist.
Wer war für die Erarbeitung des neuen Gotteslob verantwortlich?
Die Erarbeitung des neuen Gotteslob wurde von der „Unterkommission GGB“ der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz geleitet, in Zusammenarbeit mit den Österreichischen Bischofskonferenzen und dem Bischof von Bozen-Brixen. Die Unterkommission setzte sich aus Expertinnen und Experten verschiedener theologischer und praktischer Bereiche zusammen.
Das Gotteslob bleibt ein lebendiges Zeugnis des Glaubens und der Gemeinschaft. Seine Geschichte ist geprägt von Anpassung und Beständigkeit, von umfassender Zusammenarbeit und der Bereitschaft, sich neuen pastoralen Herausforderungen zu stellen. Es ist ein Buch, das nicht nur die Vergangenheit bewahrt, sondern auch die Zukunft der kirchlichen Liturgie und des persönlichen Gebets aktiv mitgestaltet.
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