12/09/2021
Der Kuss ist eine universelle Geste der Zuneigung, des Respekts und der Verehrung, die in vielen Kulturen und Kontexten tief verwurzelt ist. Doch in der religiösen Praxis, insbesondere innerhalb der christlichen Liturgie, nimmt der Kuss eine ganz besondere, oft sakrale Bedeutung an. Er ist weit mehr als nur eine einfache Berührung der Lippen; er symbolisiert tiefe spirituelle Verbindungen, Ehrerbietung gegenüber dem Göttlichen, die Gemeinschaft der Gläubigen und die Anerkennung heiliger Präsenzen. Von den frühen Tagen des Christentums bis heute haben sich verschiedene Formen des Kusses in Gottesdiensten und privaten Andachtsübungen entwickelt und gewandelt, stets mit dem Ziel, eine innere Haltung des Glaubens und der Hingabe äußerlich sichtbar zu machen. Tauchen wir ein in die faszinierende Welt des liturgischen Kusses und entschlüsseln seine vielfältigen Bedeutungen.

- Der Altarkuss: Eine Geste der tiefen Verehrung
- Der Friedenskuss (Amplexus): Band der geschwisterlichen Verbundenheit
- Kuss von Evangelienbuch, Kreuz und Ikonen: Das Göttliche Wort und die Heiligkeit berühren
- Ringkuss, Reliquien- und Gegenstandskuss: Zeichen der Ehrerbietung und des Glaubens
- Vergleichende Übersicht: Wandel liturgischer Kussriten
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Fazit: Der Kuss als zeitloses Zeichen des Glaubens
Der Altarkuss: Eine Geste der tiefen Verehrung
Der Altarkuss ist eine der ältesten und bedeutsamsten Formen des liturgischen Kusses in der christlichen Tradition. Seine Ursprünge reichen weit zurück in die Antike, wo bereits die Schwelle des Tempels, Götterbilder und Altäre geküsst wurden, um Ehrerbietung zu zeigen. Im christlichen Kontext wurde diese Praxis früh auf Christus selbst bezogen, der durch den Altar symbolisiert wird, wie es in der Bibelstelle 1 Petr 2,4–8 EU angedeutet wird. Der Altar ist nicht nur ein Tisch, sondern ein Ort der Gegenwart Christi, insbesondere im eucharistischen Opfer.
Traditionell begrüßen und verehren der Zelebrant, die Konzelebranten und Diakone den Altar zu Beginn der heiligen Messe, indem sie sich verneigen und die Altarplatte mit den Lippen berühren. Diese Geste wird oft am Ende des Gottesdienstes als Abschied wiederholt. Seit dem Mittelalter, insbesondere ab dem 12. Jahrhundert, galt die Verehrung auch den Reliquien, die oft in der Altarplatte eingemauert waren. Ein Gebet wie „Oramus te, Domine“ (Herr, wir bitten Dich: Durch die Verdienste Deiner Heiligen, deren Reliquien hier ruhen, sowie aller Heiligen, verzeih mir gnädig alle Sünden. Amen.), das der Priester seit 1570 im Römischen Ritus sprach, unterstrich diese doppelte Bedeutung.
Im Laufe der Geschichte nahm die Anzahl der Altarküsse in der heiligen Messe zu. Im 13. Jahrhundert küsste der Priester den Altar nicht nur zu Beginn und Ende, sondern auch jedes Mal, bevor er sich mit Akklamationen wie „Dominus vobiscum“ oder „Orate fratres“ der Gemeinde zuwandte. Auch im eucharistischen Hochgebet, insbesondere bei den Gebeten „Te igitur“ und „Supplices“, war der Altarkuss üblich. Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils brachte hier eine Vereinfachung: Die Zahl der Altarküsse wurde wieder auf den Kuss zu Beginn der Messe und fakultativ zu deren Ende beschränkt, und das begleitende Gebet entfiel, um den Fokus stärker auf die unmittelbare Präsenz Christi im Altar zu legen.
Interessanterweise kann der Altarkuss auch durch andere Zeichen ersetzt werden, wenn er nicht der Tradition oder dem Empfinden eines Landes entspricht. So ist beispielsweise in Japan das Berühren des Altars mit der Stirn bekannt, was die kulturelle Anpassungsfähigkeit liturgischer Gesten unterstreicht.
Der Friedenskuss (Amplexus): Band der geschwisterlichen Verbundenheit
Der Friedenskuss, lateinisch Amplexus, wörtlich „Umschlingen, Umfassen, Umarmung“, ist ein tief verwurzeltes Zeichen der geschwisterlichen Verbundenheit und des Friedens unter den Gläubigen. Er war offenbar schon in apostolischer Zeit beim Herrenmahl üblich, wie Bibelstellen wie Röm 16,16 EU, 1 Kor 16,20 EU, 2 Kor 13,12 EU und 1 Petr 5,14 EU belegen. Die christliche Gemeinde übernahm dieses Zeichen aus ihrem jüdisch-hellenistischen Umfeld, wo es ebenfalls ein Ausdruck von Gemeinschaft und Eintracht war.
Im Laufe der liturgischen Entwicklung fand der Austausch des Friedenskusses an verschiedenen Stellen in der Messe statt: zu Beginn in Verbindung mit dem Altarkuss, nach dem Ende des Wortgottesdienstes oder vor der Kommunion. In der gallisch-fränkischen Liturgie des Rheinischen Messordos um das Jahr 1000 erfolgte er sowohl zu Beginn als auch vor der Kommunion. Mit der Zeit wurde der Friedenskuss oft auf die Kleriker untereinander beschränkt und zu einer stilisierten Umarmung, bei der sich die Beteiligten mit den linken Wangen einander näherten („sinistris genis sibi invicem appropinquantibus“).
In der byzantinischen Liturgie wird der Friedensgruß zwischen Priester und Diakon lediglich durch eine Verneigung angedeutet, oder es werden einander Finger oder Hände geküsst. Um den Friedensgruß an die gesamte Gemeinde weiterzugeben, küsste der Priester früher oft den Altar und dann eine sogenannte Paxtafel (pacificale, instrumentum pacis, paxillum, pacem), ein kleines, oft kunstvoll verziertes Täfelchen aus Elfenbein, Holz oder Metall, das ein Kreuz oder religiöse Symbole zeigte und manchmal sogar eine Reliquie enthielt. Diese Kusstäfelchen, auch „Oskulatorien“ genannt, wurden dann an die Gläubigen – oft nach Geschlechtern getrennt – zum Kuss weitergereicht. Sie waren ab dem 13. Jahrhundert in England gebräuchlich, ab dem 15. Jahrhundert auch in Rom und im deutschen Sprachraum nachweisbar und blieben bis ins 18. Jahrhundert in Gebrauch, wenn auch zuletzt oft als Ehrenvorrecht für Personen höheren Standes.
Die Symbolik dahinter ist klar: „Der Friedenskuss geht also vom Altar aus und wird wie eine Botschaft, ja wie eine Gabe, die aus dem Allerheiligsten kommt, […] weitergegeben.“ Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wird die Form des Friedenszeichens durch die regionalen Bischofskonferenzen „entsprechend der Eigenart und den Bräuchen der Völker“ bestimmt. In Mitteleuropa ist heute Händeschütteln die übliche Form, während bei Klerikern und Ordensleuten weiterhin die rituelle Umarmung praktiziert wird. Die Corona-Pandemie hat zudem alternative Gesten wie freundliches Zunicken, Verneigen oder Zuwinken etabliert.
Der Friedenskuss findet auch außerhalb der regulären Messe Anwendung: Bei der Inthronisation eines Bischofs geben sich die anwesenden Bischöfe gegenseitig den Friedenskuss. Bei pontifikalen Handlungen wie der Jungfrauenweihe oder der Dedikation eines Abtes gibt der Bischof der oder dem Neugeweihten den Friedenskuss. Und bei einer Profess geben ihn alle Mitglieder des Konvents dem Professen als Zeichen seiner endgültigen Eingliederung in die Ordensgemeinschaft. Papst Franziskus pflegte zudem bei der Fußwaschung im Gottesdienst am Gründonnerstag als ein Zeichen der Nächstenliebe den Gläubigen die Füße nicht nur zu waschen, sondern sie auch zu küssen, was die tiefe Bedeutung dieser Geste der Demut und Liebe noch einmal unterstreicht.
Kuss von Evangelienbuch, Kreuz und Ikonen: Das Göttliche Wort und die Heiligkeit berühren
Der Kuss in der Liturgie erstreckt sich auch auf heilige Bücher, Symbole und Bilder, die als Träger göttlicher Präsenz oder als Erinnerung an heilige Personen oder Ereignisse verstanden werden. Diese Gesten sind Ausdruck tiefer Ehrfurcht und des Glaubens an die transformative Kraft des Göttlichen.
Der Kuss des Evangeliars
Der Kuss des Evangeliars oder Lektionars, also des Buches, in dem das in der heiligen Messe verkündete Wort Gottes aufgezeichnet ist, kam durch fränkischen Einfluss im frühen Mittelalter in den Römischen Ritus. Ursprünglich küsste der Zelebrant es zu Beginn der heiligen Messe in Verbindung mit dem Altarkuss. Heute ist der Kuss des Evangelienbuchs durch den verlesenden Priester oder Diakon nach dem Vortrag des Evangeliums ein fester Bestandteil der römisch-katholischen Liturgie. Dieser Ritus gilt nicht dem Buch selbst als bloßem Gegenstand, sondern Christus, der im Moment der Verkündigung des Evangeliums als gegenwärtig geglaubt wird. Es ist eine Anerkennung der lebendigen Stimme Gottes, die durch die Schrift zu den Gläubigen spricht. Auch hier kann der Kuss gegebenenfalls durch ein anderes Zeichen ersetzt werden, wie es die jeweiligen Bischofskonferenzen bestimmen können.
Der Kuss des Kruzifixes
Der Kuss des Kruzifixes ist eine zentrale Geste der Verehrung, insbesondere während der Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag. Nach der Enthüllung des Kreuzes treten die Gläubigen einzeln hinzu und können das Kreuz durch Niederknien und den Kuss verehren. Dies ist eine tiefe Ausdrucksform der Anteilnahme am Leiden Christi und der Dankbarkeit für seine Erlösung. Seit dem Hochmittelalter küsste der Priester zu Beginn der heiligen Messe neben dem Altar und dem Evangelistar auch das Altarkreuz. Am Ausgang des Mittelalters trat an die Stelle am Beginn des Canon Missae der Kuss des Kreuzigungsbildes, das im Missale in Ausschmückung des ersten Wortes des Kanons, „Te igitur“, üblich geworden war.
Auch in der Volksfrömmigkeit findet der Kuss des Kreuzes seinen Platz, etwa zu Beginn des Rosenkranzgebetes. Ein Sterbekreuz konnte dem Sterbenden zum Trost und zur spirituellen Stärkung zum Kuss gereicht werden, als Zeichen der Hoffnung und des Vertrauens auf Christus im Angesicht des Todes.

Der Kuss von Ikonen in der Orthodoxie
In der orthodoxen Liturgie spielen Ikonen eine herausragende Rolle als „Fenster zum Himmel“. Gläubige verehren beim Betreten der Kirche die dort auf Ikonenpulten liegenden Ikonen durch einen Kuss. Dies ist eine Geste der Ehrerbietung nicht dem Material der Ikone gegenüber, sondern der heiligen Person, die sie darstellt. Am Ende der Liturgie, nach dem Schlusssegen, reicht ihnen der Priester das Altarkreuz zum Kuss, und ebenfalls am Ende der Myronsalbung nach der Taufe. Das Küssen von Kreuz und Evangelienbuch ist ferner Element in manchen orthodoxen Bußgottesdiensten, von Ikonen beispielsweise beim Akathistos-Hymnus. Bei der kirchlichen Trauung küssen Braut und Bräutigam vor der rituellen Krönung eine kleine Ikone, was ihre Verbindung mit Christus und der Kirche symbolisiert.
Ringkuss, Reliquien- und Gegenstandskuss: Zeichen der Ehrerbietung und des Glaubens
Über die oben genannten Formen hinaus gibt es weitere Kussriten, die meist mit Ehrerbietung gegenüber Amtsträgern, der Verehrung von Heiligen oder der Wertschätzung heiliger Gegenstände verbunden sind.
Der Ringkuss
Der Kuss des Bischofsrings beim Handkuss gehört zu den heute noch möglichen, aber nicht mehr gebotenen protokollarischen Höflichkeitsformen gegenüber einem Bischof. Diese Geste bringt Verehrung und Gehorsam gegenüber dem bischöflichen Amt zum Ausdruck, das als Fortsetzung der apostolischen Sukzession verstanden wird.
Kuss liturgischer Gewänder und Gegenstände
Beim Anlegen der Paramente vor der heiligen Messen küssen der Priester und der Diakon traditionell die Stola, bevor sie sich umlegen. Dies ist ein Zeichen ihrer bewussten Vorbereitung auf den Gottesdienst und der Ehrfurcht vor dem Dienst, den sie verrichten. Dieser Ritus ist seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht mehr verpflichtend, was die Tendenz zur Vereinfachung in der Liturgie widerspiegelt.
Im Mittelalter gab es den Brauch, dass Gläubige bei der Gabenbereitung der heiligen Messe Gaben zum Altar brachten und dabei den Manipel oder die Stola des Priesters küssten, der dabei ein Segenswort sprach. Dies wurde im Missale Pius’ V. von 1570 fallen gelassen. Regional blieben vergleichbare Formen beim Opfergang der Gläubigen bestehen, wie etwa der Kuss der Hand des Priesters, des Korporales (das Tuch, auf dem Kelch und Patene stehen) oder der Patene (die Hostienplatte). Das Küssen von Gegenständen und der Hand in der heiligen Messe wurde in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils weitgehend abgeschafft, da die Konstitution Sacrosanctum Concilium (Nr. 34) für die Riten „den Glanz edler Einfachheit“ forderte. Man wollte die Liturgie von überflüssigen Verzierungen befreien und ihren Kern klarer hervorheben.
Kuss von Reliquien und Devotionalien
Der Kuss von Reliquien in einem Reliquiar als Zeichen der Heiligenverehrung ist eine weit verbreitete Frömmigkeitsform, die bis heute praktiziert wird. Gläubige küssen Reliquien, um ihre Verbundenheit mit den Heiligen auszudrücken und um deren Fürbitte zu bitten. Ebenso ist der Kuss von Andachtsbildern, Marienstatuen, Medaillen und anderen Devotionalien eine gängige Praxis, die die persönliche Andacht und den Glauben der Gläubigen stärkt.
Vergleichende Übersicht: Wandel liturgischer Kussriten
Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf die Praxis der Kussriten in der römisch-katholischen Kirche. Ziel war es, die Liturgie verständlicher, einfacher und direkter zu gestalten.
| Ritual | Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil | Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil |
|---|---|---|
| Altarkuss | Sehr häufig, zu Beginn, Ende, vor Akklamationen, im Hochgebet; mit begleitendem Gebet zu Reliquien. | Auf Beginn und fakultativ Ende der Messe beschränkt; begleitendes Gebet entfallen; Fokus auf Christus. |
| Friedenskuss | Oft auf Kleriker beschränkt, stilisierte Umarmung; Weitergabe an Laien über Paxtafel. | Offener, oft Händeschütteln üblich; Anpassung an lokale Bräuche; auch außerhalb der Messe bei besonderen Anlässen. |
| Kuss des Evangeliars | Zu Beginn der Messe und nach dem Evangelium. | Primär nach dem Evangelium; Betonung der Gegenwart Christi im Wort. |
| Kuss liturgischer Gewänder (Stola/Manipel) | Obligatorisch beim Anlegen der Gewänder. | Nicht mehr verpflichtend; Betonung der „edlen Einfachheit“ der Riten. |
| Kuss der Hand des Priesters / Gegenstände bei Gabenbereitung | Regional üblich (z.B. Manipel, Korporale, Patene). | Weitgehend abgeschafft, um Riten zu vereinfachen und direkter zu gestalten. |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer küsst einem Mann die Füße in einem religiösen Kontext?
In einem bemerkenswerten Akt der Demut und Nächstenliebe küsst Papst Franziskus bei der Fußwaschung im Gottesdienst am Gründonnerstag den Gläubigen, denen er die Füße wäscht, auch die Füße. Diese Geste, die die biblische Tradition der Fußwaschung durch Jesus an seinen Jüngern aufgreift, ist ein starkes Zeichen der dienenden Liebe und der Solidarität mit den Geringsten.
Was ist der Kuss des Evangeliars?
Der Kuss des Evangeliars ist eine liturgische Geste in der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche, bei der der Priester oder Diakon nach der Verkündigung des Evangeliums das Buch küsst. Diese Geste ist keine Verehrung des Buches selbst, sondern eine tiefe Ehrerbietung gegenüber Christus, der im Moment der Verkündigung seines Wortes als gegenwärtig geglaubt wird. Es ist ein Ausdruck des Glaubens an die lebendige und heilige Natur des Wortes Gottes.
Warum küssen Gläubige religiöse Gegenstände oder Reliquien?
Gläubige küssen religiöse Gegenstände wie Kreuze, Ikonen, Statuen, Medaillen oder Reliquien, um ihre Ehrerbietung, Andacht und ihren Glauben auszudrücken. Im Falle von Reliquien ist es eine Form der Heiligenverehrung, bei der man die Verbindung zu den Heiligen sucht und um ihre Fürbitte bittet. Bei Ikonen und Kreuzen wird die dargestellte heilige Person oder Christus selbst verehrt, und der Kuss ist eine Geste der Liebe und des Respekts für die göttliche Präsenz oder die Gnade, die durch diese Objekte vermittelt wird. Es ist ein materieller Ausdruck einer spirituellen Verbindung.
Ist der Friedenskuss in der heutigen Messe noch üblich?
Ja, der Friedenskuss ist in der heutigen Messe weiterhin üblich und ein fester Bestandteil der Liturgie. Die Form hat sich jedoch in vielen Regionen gewandelt. Während früher oft ein stilisierter Kuss oder die Weitergabe einer Paxtafel praktiziert wurde, ist in Mitteleuropa heute das Händeschütteln die gängigste Form, um ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung auszutauschen. Die genaue Ausführung kann je nach regionalen Bräuchen und den Vorgaben der Bischofskonferenzen variieren, wobei stets die Intention des Friedensgrußes im Vordergrund steht.
Gibt es Alternativen zum Kuss in der Liturgie?
Ja, die Liturgie ist flexibel genug, um kulturellen Unterschieden Rechnung zu tragen. Wenn der Kuss nicht der Tradition oder dem Empfinden eines Landes entspricht, können die zuständigen Bischofskonferenzen andere Zeichen festlegen. Ein bekanntes Beispiel ist das Berühren des Altars mit der Stirn in Japan anstelle des Altarkusses. Auch beim Friedensgruß gibt es Alternativen zum Händeschütteln, wie ein freundliches Zunicken, eine Verneigung oder ein Zuwinken, insbesondere in Situationen, in denen physischer Kontakt vermieden werden soll.
Fazit: Der Kuss als zeitloses Zeichen des Glaubens
Der Kuss in der Liturgie ist ein faszinierendes Phänomen, das die tiefe menschliche Notwendigkeit widerspiegelt, innere Haltungen des Glaubens, der Verehrung und der Gemeinschaft auch körperlich auszudrücken. Ob als Altarkuss, Friedenskuss, Kuss des Evangeliars, des Kruzifixes oder von Reliquien – jede dieser Gesten trägt eine reiche Geschichte und eine tiefe theologische Bedeutung in sich. Obwohl sich die Formen und die Häufigkeit dieser Küsse im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben, insbesondere durch die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils, bleibt ihre Kernbotschaft bestehen: Der Kuss ist ein kraftvolles, nonverbales Gebet, eine Berührung des Heiligen und ein sichtbares Zeichen der Liebe und Verbundenheit in der Gemeinschaft der Gläubigen. Er erinnert uns daran, dass der Glaube nicht nur im Geist, sondern auch im Körper gelebt und erfahren wird, und dass selbst die kleinste Geste eine unermessliche Bedeutung tragen kann.
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