12/11/2025
Die Anonymen Alkoholiker (AA) sind eine weltweit anerkannte Selbsthilfegruppe, die seit über 80 Jahren unzähligen Menschen den Weg aus der aktiven Sucht gewiesen hat. Ihre Anfänge reichen zurück in das Jahr 1934, als der Börsenmakler Bill Wilson und der Arzt Dr. Bob Smith einander in Akron, Ohio, begegneten. Aus dieser Begegnung zweier Alkoholiker entstand eine Bewegung, die das Verständnis von Genesung und Spiritualität nachhaltig prägte. Vier Jahre später, im Jahr 1939, fassten Bill, Bob und andere Mitglieder ihre Erfahrungen im berühmten Buch „Anonyme Alkoholiker“ zusammen. Darin enthalten waren auch die Zwölf Schritte, die weniger als starre Gebote denn als flexible Empfehlungen dienen, wie man als Alkoholiker zu einem zufriedenen und nüchternen Leben finden kann. Bemerkenswert ist, dass das Wort „Alkohol“ in diesen Schritten nur zweimal vorkommt, dafür aber viel von einer „Höheren Macht“ die Rede ist. Dies unterstreicht den zutiefst spirituellen, aber gleichzeitig inklusiven Charakter des Programms, das mittlerweile von vielen anderen Selbsthilfegruppen, die sich nicht mit Alkohol befassen, übernommen wurde.

Die spirituelle Dimension der AA ist tief in der Gründungsgeschichte verwurzelt. Bill Wilson erlebte im Dezember 1934 während eines Krankenhausaufenthalts zur Ausnüchterung ein tiefgreifendes spirituelles Erlebnis. Er beschrieb es als ein plötzliches Erhellen des Raumes durch grelles weißes Licht, gefolgt von einer unbeschreiblichen Ekstase und einem Gefühl unendlicher Freiheit. Er fühlte sich in einer „neuen Welt des Bewusstseins“ und erkannte: „Also das ist der Gott der Propheten!“ Dieses Erlebnis legte den Grundstein für seine Überzeugung, dass eine spirituelle Verbindung der Schlüssel zur Genesung sei.
Der Religionspsychologe Prof. Dr. Sebastian Murken von der Universität Trier bestätigt die Bedeutung dieses Ansatzes. Er schreibt, dass das Programm der Anonymen Alkoholiker „ein Wegbereiter für die Erkenntnis geworden ist, dass die Überantwortung an eine Höhere Macht und die Spiritualisierung des eigenen Weltbildes und der eigenen Werte einen heilsamen Effekt auf Gesundheit und Beziehungen haben kann.“ Die AA betonte schon vor Jahrzehnten die Wichtigkeit des Transzendenzbezuges, während sie gleichzeitig die inhaltliche Ausgestaltung dieser Transzendenz völlig offen ließ. Diese Offenheit ermöglicht es Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen – oder auch ohne traditionelle religiöse Überzeugungen – sich mit dem Programm zu identifizieren und einen eigenen Weg zu finden.
- Der Weg zum Dritten Schritt: Die Fundamente der Genesung
- Der Dritte Schritt: Die Entscheidung zur Hingabe
- Das Dritte-Schritt-Gebet: Eine Bekräftigung der Entscheidung
- Die Bedeutung des Dritten Schritts für die weiteren Schritte
- Häufig gestellte Fragen zum Dritten Schritt
- Fazit: Der Dritte Schritt als Türöffner zur Genesung
Der Weg zum Dritten Schritt: Die Fundamente der Genesung
Bevor wir uns dem Dritten Schritt widmen, ist es entscheidend, die ersten beiden Schritte zu verstehen, die das Fundament für die tiefergehende Arbeit legen. Der Genesungsweg in der AA ist ein schrittweiser Prozess, der mit der Anerkennung der eigenen Grenzen beginnt und zur Bereitschaft führt, sich einer größeren Kraft anzuvertrauen.
Der Erste Schritt: Anerkennung der Machtlosigkeit
Der erste Schritt lautet: „Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind und unser Leben nicht mehr meistern konnten.“ Dieser Schritt ist die grundlegende Einsicht und die Kapitulation vor der Krankheit. Die Anonymen Alkoholiker erkannten, dass ihr Trinken schon Jahre vor dem eigentlichen Kontrollverlust ein „verhängnisvoller Abstieg“ war. Es geht darum, die Illusion der Kontrolle aufzugeben und anzuerkennen, dass der Alkohol das Leben unregierbar gemacht hat. Für viele war diese Erkenntnis schmerzhaft, aber befreiend. Erst wenn man die volle Machtlosigkeit eingesteht, kann der Weg zur Genesung beginnen. Die AA ermutigte Zweifler sogar, kontrolliert weiterzutrinken, um die Wahrheit der Krankheit selbst zu erfahren, oft mit der bitteren Erkenntnis: „Vielleicht hatten diese AA doch recht…“ Der „Teufel Alkohol selbst hatte ihn so weit gebracht.“
Der Zweite Schritt: Die Hoffnung auf eine Höhere Macht
Der zweite Schritt besagt: „Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.“ Dieser Schritt erfordert keine fertige Glaubensüberzeugung oder die Annahme eines bestimmten Gottesbildes. Die AA betont ausdrücklich: „Die Anonymen Alkoholiker verlangen nicht, dass du irgendetwas glaubst. Diese Zwölf Schritte sind nur Empfehlungen.“ Es geht um die schlichte Bereitwilligkeit, sich der Möglichkeit zu öffnen, dass es eine Kraft gibt, die helfen kann, die geistige Gesundheit wiederherzustellen. Für viele ist dies der „Sammelpunkt“, an dem Agnostiker, Atheisten und Gläubige gleichermaßen zusammenkommen können. Es ist eine Einladung, den eigenen „Diskussionsklub“ zu verlassen und sich nicht in tiefgehenden Fragen zu quälen. Wahre Demut und Bereitschaft sind die Schlüssel zu diesem Glauben, und die Gemeinschaft der AA selbst kann die Gewissheit vermitteln, dass diese Höhere Macht die geistige Gesundheit wiederherstellen kann, wenn man sich „in der richtigen Weise mit Ihm verbindet.“
Der Dritte Schritt: Die Entscheidung zur Hingabe
Nachdem die Grundlage der Anerkennung der Machtlosigkeit und der Öffnung für eine Höhere Macht gelegt ist, folgt der entscheidende aktive Schritt auf dem Weg der Genesung:
„Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir ihn verstanden - anzuvertrauen.“
Dieser Schritt ist ein Wendepunkt im Genesungsprozess. Er ist der erste aktive Schritt, der uns aus der Passivität der vorherigen Schritte herausführt und eine bewusste Entscheidung zur Veränderung verlangt. Die Erläuterungen der AA beschreiben ihn als das Öffnen einer Tür, die zuvor verschlossen und verriegelt schien. Der einzige Schlüssel zu dieser Tür ist die Bereitwilligkeit. Sobald diese Bereitschaft vorhanden ist, öffnet sich die Tür beinahe von selbst.
Der Dritte Schritt verlangt bejahendes Handeln. Es reicht nicht aus, nur zu glauben oder die Idee zu akzeptieren. Der Glaube allein kann nichts ausrichten, wenn er nicht in die Tat umgesetzt wird. Das Kernproblem, das es zu überwinden gilt, ist der Eigensinn – jene hartnäckige Weigerung, die Kontrolle abzugeben und sich auf eine größere Macht einzulassen. Unser Eigenwille hat uns bisher daran gehindert, dass Gott oder die Höhere Macht in unser Leben treten konnte. Der Dritte Schritt ist somit der „erste Versuch“, diesen Eintritt zu ermöglichen.
Es geht darum, die Kontrolle abzugeben, nicht weil man schwach ist, sondern weil man erkannt hat, dass die eigene Kontrolle über das Leben und die Sucht versagt hat. Der Eigenwille, der uns oft in Schwierigkeiten brachte und uns immer wieder dazu verleitete, das Leben nach unseren eigenen, oft dysfunktionalen Bedingungen zu steuern, muss losgelassen werden. Diese Entscheidung ist nicht nur eine intellektuelle Zustimmung, sondern eine tiefe, innere Verpflichtung, die den Grundstein für alle weiteren Schritte legt. Es ist die bewusste Entscheidung, nicht länger allein gegen die Widrigkeiten des Lebens anzukämpfen, sondern sich einer liebenden und führenden Kraft anzuvertrauen.

Das Dritte-Schritt-Gebet: Eine Bekräftigung der Entscheidung
Um die Entscheidung des Dritten Schritts zu bekräftigen und zu verinnerlichen, gibt es das sogenannte Dritte-Schritt-Gebet. Dieses Gebet ist eine persönliche Erklärung der Hingabe und des Vertrauens. Es ist entscheidend zu verstehen, dass auch hier „Gott, wie Du Gott verstehst“ gemeint ist. Jede Gottesvorstellung, die für den Einzelnen sinnvoll ist, ist gültig und wird von der AA akzeptiert.
Das Gebet dient als mächtiges Werkzeug, um den Eigenwillen loszulassen und sich der Führung einer Höheren Macht anzuvertrauen. Es ist ein Ausdruck der Bitte um Befreiung von den „Fesseln meines Ichs“ oder „Fesseln meines Eigenwillens“, die uns immer wieder in Schwierigkeiten bringen und uns daran hindern, das Leben zu seinen Bedingungen anzunehmen und zu akzeptieren. Es geht darum, die Energie, die bisher für vergebliche Kontrollversuche aufgewendet wurde, freizusetzen und für die Genesung zu nutzen.
Das Dritte-Schritt-Gebet im Vergleich
Das Dritte-Schritt-Gebet ist ein zentraler Bestandteil zur Bekräftigung der im dritten Schritt getroffenen Entscheidung. Es existieren verschiedene Übersetzungen, die jeweils Nuancen der Bedeutung hervorheben:
| Englischer Originaltext (Alcoholics Anonymous, p. 63) | Übersetzung im deutschsprachigen Blauen Buch (S. 73) | Harald Frohnwiesers Übersetzung (eigene) |
|---|---|---|
| God, I offer myself to Thee – to build with me and to do with me as Thou wilt. | Gott, ich gebe mich in Deine Hand, richte mich auf und tu mit mir nach Deinem Willen. | Gott, ich mache mich Dir verfüglich, dass Du mit mir schaffen und tun kannst nach Deinem Willen. |
| Relieve me of the bondage of self, that I may better do Thy will. | Erlöse mich von den Fesseln meines Ichs, damit ich Deinen Willen besser erfüllen kann. | Befreie mich von den Fesseln meines Eigenwillens, damit ich Deinen Willen besser erfüllen kann. |
| Take away my difficulties, that victory over them may bear witness to those I would help of Thy Power, Thy Love, and Thy Way of life. | Nimm meine Schwierigkeiten hinweg, damit der Sieg über sie Zeugnis von Deiner Macht, Deiner Liebe, Deiner Führung ablegen möge vor den Menschen, denen ich helfen möchte. | Nimm meine Schwierigkeiten hinweg, damit der Sieg über sie Zeugnis von Deiner Macht, Deiner Liebe und der Art der Lebensführung ablegen möge, die mit Dir möglich ist – Zeugnis ablegen vor den Menschen, denen ich helfen möchte. |
| May I do Thy will always! | Möge ich immer Deinen Willen tun! | Möge ich immer Deinen Willen tun! |
Harald Frohnwieser betont in seiner persönlichen Reflexion, wie wichtig es ist, das eigene Gottesbild zu hinterfragen und gegebenenfalls neu zu definieren. Er selbst hatte ein „sehr negatives Bild von Gott verinnerlicht“ – eine „unangenehme, unberechenbare Gestalt“, die über alle Verfehlungen Buch führte. Um sich einem solchen Gott überhaupt zuwenden zu können, musste er dieses alte Bild loslassen und Gott als die Liebe definieren, die „nichts anderes als mein Wachstum und meine Genesung“ will. Diese Ergänzung – „Gott, der Du die Liebe bist“ – hilft ihm, die Angst vor Gottes Willen zu überwinden und sich in innerer Freiheit dem göttlichen Willen anzuvertrauen.
Die Worte des Dichters Christian Morgenstern fassen diese Entwicklung treffend zusammen und spiegeln die innere Freiheit wider, die entsteht, wenn man sich der Führung einer wohlwollenden Höheren Macht anvertraut: „Du Weisheit meines höhern Ich, die über mir den Fittich spreitet und mich vom Anfang her geleitet, wie es am besten war für mich, - wenn Unmut oft mich anfocht: nun - es war der Unmut eines Knaben! Des Mannes reife Blicke haben die Kraft voll Dank auf Dir zu ruhn.“
Die Bedeutung des Dritten Schritts für die weiteren Schritte
Der Dritte Schritt ist jedoch nur der Anfang. Er ebnet den Weg für die nachfolgenden Schritte, die eine tiefere Auseinandersetzung mit sich selbst und der eigenen Vergangenheit erfordern. Die Entscheidung zur Hingabe im Dritten Schritt befähigt uns, die notwendige Bereitschaft und den Mut für die kommenden Aufgaben aufzubringen.
Der Vierte Schritt: Eine gründliche Inventur
Der vierte Schritt lautet: „Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.“ Hier geht es darum, die eigenen Belastungen und Fehlleitungen der Naturtriebe zu erkennen. Es ist eine ernsthafte und gründliche Auseinandersetzung mit den eigenen Charakterfehlern, um genau zu erkennen, wie, wann und wo unsere Triebe uns fehlgeleitet haben. Wir sollen offen das Unglück betrachten, das uns und anderen dadurch widerfahren ist. Eine „furchtlose, gründliche Inventur“ ist notwendig, um die Fehler im Gefühlsleben zu korrigieren und eine dauerhafte Nüchternheit zu erreichen. Das Schlüsselwort ist hier Gründlichkeit. Viele Alkoholiker glaubten, dass „Umstände“ sie zum Trinken brachten, ohne zu erkennen, dass sie sich selbst ändern mussten. Es geht darum, die eigenen Fehler, die zur Sucht und zum Elend führten, zu identifizieren. Das Aufschreiben von Fragen und Antworten hilft dabei, klar zu denken und gewissenhaft zu urteilen, und ist ein „erster greifbarer Beweis unserer völligen Bereitschaft, diesen Weg weiterzugehen.“
Der Fünfte Schritt: Das Eingeständnis
Der fünfte Schritt besagt: „Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu.“ Dieser Schritt baut auf der Inventur auf und erfordert das Eingeständnis der Fehler. Die Erfahrung der AA hat gezeigt, dass man mit drückenden Problemen und Charakterfehlern nicht allein leben kann. Nach der Inventur wird es umso dringlicher, „mit jemandem darüber zu sprechen.“ Das Eingestehen der eigenen Fehler anderen gegenüber ist ein sehr alter und wirksamer Brauch, der auch von Psychiatern und Psychologen empfohlen wird, da das Alleinsein mit quälenden Problemen die Genesung behindert. Für die AA ist es sogar so, dass die meisten überzeugt sind, „dass wir ohne ein furchtloses Eingeständnis unserer Fehler einem anderen gegenüber nicht nüchtern bleiben können.“ Dieser Schritt ist entscheidend, um das Gefühl der Einsamkeit zu überwinden und eine „echte Beziehung zu den Menschen und zu Gott“ aufzubauen, da man sich durch das Teilen der eigenen Erfahrungen und das Lernen vom Beispiel anderer erst wirklich zugehörig fühlt.
Der Sechste Schritt: Die Bereitschaft zur Veränderung
Der sechste Schritt lautet: „Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.“ Dieser Schritt markiert eine tiefgreifende Entwicklung und wird von einem geschätzten Geistlichen als der Schritt beschrieben, „der Erwachsene von Kindern unterscheidet.“ Es ist die Bereitschaft, die eigenen Charakterfehler nicht nur zu erkennen, sondern sie auch loslassen zu wollen. Ein Mensch, der „genug Bereitschaft und Ehrlichkeit aufbringen kann, um den Sechsten Schritt immer wieder und ohne irgendwelche Vorbehalte auf alle seine Fehler anzuwenden, ist in seiner geistigen Entwicklung ein gutes Stück vorwärts gekommen.“ Es ist eine Erkenntnis, dass Gott zwar vergibt, aber auch unsere Mitarbeit erwartet, um Fortschritte in der Persönlichkeitsveränderung zu erzielen. „Gott erwartet von uns nur, dass wir versuchen, das Beste zu tun, um Fortschritte bei unserer Persönlichkeitsveränderung zu machen.“ Es ist die Hoffnung, dass die Befreiung vom Zwang zum Trinken auch eine Befreiung von allen anderen Schwierigkeiten und Fehlern mit sich bringen kann – ein „Rätsel unseres Daseins, dessen vollständige Lösung allein bei Gott liegt.“
Häufig gestellte Fragen zum Dritten Schritt
Ist der Dritte Schritt nur für Gläubige gedacht?
Nein, der Dritte Schritt ist nicht ausschließlich für Menschen mit einer traditionellen religiösen Überzeugung gedacht. Die Anonymen Alkoholiker betonen das Konzept einer „Höheren Macht, wie wir sie verstehen“. Dies bedeutet, dass jeder Mensch seine eigene Definition dieser Macht finden kann. Für manche mag es Gott sein, für andere die Gruppe der AA selbst, die Natur, das Universum oder ein Prinzip der Liebe und Ordnung. Wichtig ist die Bereitschaft, sich einer Kraft anzuvertrauen, die größer ist als man selbst und die das eigene Leben in der Vergangenheit überfordert hat.

Was bedeutet „Gott, wie wir ihn verstanden“?
Diese Formulierung ist zentral für die Inklusivität der AA. Sie bedeutet, dass Sie keine bestimmte theologische Lehre oder ein vorgegebenes Gottesbild übernehmen müssen. Stattdessen sind Sie eingeladen, Ihre eigene Vorstellung von einer Höheren Macht zu entwickeln oder zu nutzen, die für Sie persönlich Sinn ergibt und Ihnen Trost und Führung bietet. Es geht um eine persönliche, individuelle Beziehung zu dieser Kraft, die nicht von Dogmen eingeschränkt ist. Harald Frohnwiesers Beispiel, Gott als die „Liebe“ zu verstehen, zeigt die Bandbreite dieser persönlichen Interpretation auf.
Muss ich ein Gebet sprechen, um den Dritten Schritt zu machen?
Das Dritte-Schritt-Gebet ist eine Empfehlung und ein nützliches Werkzeug, um die Entscheidung des Dritten Schritts zu bekräftigen und zu verinnerlichen. Es ist jedoch nicht zwingend erforderlich, es wörtlich zu sprechen, wenn es sich für Sie nicht authentisch anfühlt. Der Kern des Dritten Schritts ist die innere Entscheidung und die Bereitschaft, den eigenen Willen und das Leben einer Höheren Macht anzuvertrauen. Das Gebet ist eine Form, diese Entscheidung auszudrücken, aber die Entscheidung selbst ist wichtiger als die Form ihrer Äußerung.
Was ist der „Eigenwille“ und warum ist er ein Problem?
Der Eigenwille bezieht sich auf die Tendenz, das Leben ausschließlich nach den eigenen Vorstellungen, Wünschen und Ängsten kontrollieren und steuern zu wollen. Für viele Alkoholiker führte dieser Eigenwille immer wieder in Schwierigkeiten, da ihre Versuche, das Leben zu kontrollieren, oft scheiterten und sie in die Sucht trieben. Der Eigenwille kann sich als Sturheit, Angst, Kontrollbedürfnis oder Egoismus äußern. Er ist ein Problem, weil er uns daran hindert, die Realität zu akzeptieren und uns einer größeren Weisheit anzuvertrauen, die uns zu einem besseren Leben führen könnte. Die Befreiung von den „Fesseln des Eigenwillens“ ist ein zentrales Ziel des Dritten Schritts.
Wie oft muss ich den Dritten Schritt machen?
Der Dritte Schritt ist eine einmalige Entscheidung, aber seine Prinzipien – die Hingabe des Willens und des Lebens an eine Höhere Macht – sind eine tägliche Praxis. Es ist keine einmalige Handlung, die abgehakt wird, sondern eine Haltung, die immer wieder erneuert und vertieft werden muss. Im Alltag begegnen wir immer wieder Situationen, in denen unser Eigenwille versucht, die Kontrolle zu übernehmen. Dann ist es wichtig, sich bewusst an die Entscheidung des Dritten Schritts zu erinnern und sich erneut der Führung der Höheren Macht anzuvertrauen. Es ist ein fortlaufender Prozess des Vertrauens und des Loslassens.
Fazit: Der Dritte Schritt als Türöffner zur Genesung
Der Dritte Schritt der Anonymen Alkoholiker ist weit mehr als nur eine religiöse Handlung; er ist eine tiefgreifende Entscheidung zur Selbstbefreiung und zur Annahme einer neuen Lebensweise. Er fordert uns auf, den gescheiterten Eigenwillen loszulassen und uns einer liebevollen, führenden Kraft anzuvertrauen, die uns zu wahrer Nüchternheit und innerem Frieden führen kann. Dieser Schritt, oft bekräftigt durch das Dritte-Schritt-Gebet, ist der erste aktive Schritt auf einem Weg, der zu einer echten Transformation des Lebens führt, weg von der Kontrolle und hin zum Vertrauen. Er ist der Mut, die Tür zu öffnen, die uns zu einem Leben in Freiheit und Zufriedenheit führt, indem wir erkennen, dass wir nicht alles allein bewältigen müssen und eine wohlwollende Macht uns auf unserem Weg begleitet.
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