Was kann der Lektor vor dem Evangelium vorlesen?

Der Ruf vor dem Evangelium: Klang des Glaubens

05/12/2023

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Die Musik spielt in der christlichen Liturgie eine zentrale Rolle, insbesondere in der Wort-Gottes-Feier an Sonn- und Festtagen. Sie ist nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern ein integraler Bestandteil, der die Gläubigen auf die Botschaft vorbereitet, sie vertieft und die gemeinsame Teilnahme fördert. Einer der bedeutsamsten musikalischen Momente ist der „Ruf vor dem Evangelium“, eine feierliche Akklamation, die die bevorstehende Verkündigung des Wortes Gottes ankündigt und begleitet.

Was ist der Ruf vor dem Evangelium?
„Der Ruf vor dem Evangelium ist der Begleitgesang zur Evangeliumsprozession“ (WGF S. 36) „Nach der Lesung, die dem Evangelium unmittelbar vorausgeht, wird das Halleluja gesungen oder, je nach der liturgischen Zeit, ein anderer, von den Rubriken festgelegter Gesang.

Das Werkbuch „Wort-Gottes-Feier“ (WGF) sowie die Grundordnung des Römischen Messbuchs (GORM) geben präzise Anweisungen für die musikalische Gestaltung dieser Feiern. Diese Richtlinien sind entscheidend, um die Würde und den Sinn der Liturgie zu wahren und den Gläubigen eine tiefe spirituelle Erfahrung zu ermöglichen. Im Folgenden beleuchten wir die Bedeutung des Rufes vor dem Evangelium und weiterer musikalischer Elemente, die die Wort-Gottes-Feier prägen.

Inhaltsverzeichnis

Der Ruf vor dem Evangelium: Eine feierliche Begrüßung Christi

Der „Ruf vor dem Evangelium“ ist mehr als nur ein Lied; er ist der Begleitgesang zur Evangeliumsprozession und eine eigenständige, zutiefst bedeutungsvolle Handlung. Diese Akklamation hat die Funktion, die Versammlung der Gläubigen darauf vorzubereiten, den Herrn zu empfangen und zu begrüßen, der gleich im Evangelium zu ihnen sprechen wird. Es ist ein lebendiges Bekenntnis des Glaubens, das von allen stehend gesungen wird, um die Ehrfurcht vor dem kommenden Wort Gottes auszudrücken.

In der Regel wird hier das Halleluja gesungen, ein Jubelruf, der das ganze Jahr über erklingt, ausgenommen die Fastenzeit. Die Verse, die dem Halleluja folgen, werden sorgfältig aus dem Lektionar oder dem Graduale ausgewählt, um thematisch zur jeweiligen Lesung zu passen. Der Kantor oder die Schola stimmen die Akklamation an, die dann von der gesamten Gemeinde wiederholt wird, bevor der Vers von der Schola oder dem Kantor gesungen wird.

Besonderheiten in der Fastenzeit

Die Fastenzeit, eine Zeit der Besinnung und Buße, bildet eine Ausnahme. Anstelle des Halleluja wird ein anderer, im Lektionar angegebener Vers vor dem Evangelium gesungen. Dies unterstreicht den besonderen Charakter dieser liturgischen Zeit. Alternativ kann auch ein zweiter Psalm, der sogenannte Tractus, gesungen werden, wie im Graduale festgelegt.

Umgang mit nur einer Lesung vor dem Evangelium

Sollte es vor dem Evangelium nur eine Lesung geben, gelten spezifische Regelungen:

  • In Zeiten, in denen das Halleluja gesungen wird, kann ein Psalm, der das Halleluja enthält, oder der Antwortpsalm zusammen mit dem Halleluja und seinem Vers gewählt werden.
  • In der Fastenzeit, wenn das Halleluja nicht gesungen wird, können der Psalm und der Vers vor dem Evangelium oder nur der Psalm verwendet werden.
  • Wenn das Halleluja bzw. der Vers vor dem Evangelium nicht gesungen werden können, dürfen sie auch ganz entfallen.

Die Sequenz, ein hymnischer Gesang, der außer an Ostern und Pfingsten freigestellt ist, wird vor dem Halleluja gesungen. Nach der Verkündigung des Evangeliums besteht zudem die Möglichkeit, den Hallelujaruf nochmals zu wiederholen, um die Freude über das gehörte Wort Gottes auszudrücken.

Musikalische Gestaltung weiterer Teile der Wort-Gottes-Feier

Die musikalische Gestaltung der Wort-Gottes-Feier erstreckt sich über den Ruf vor dem Evangelium hinaus und umfasst zahlreiche weitere Elemente, die zur feierlichen Atmosphäre und zur aktiven Teilnahme der Gemeinde beitragen.

Einzug

Der Gottesdienst beginnt mit einem Einzug, der musikalisch untermalt wird. Hierfür wird ein Lied gesungen, das zur Eröffnung und zum Anlass (z.B. Festtag, Kirchenjahrzeit) passt. Das Gotteslob bietet hierfür eine reiche Auswahl. Oft tritt an die Stelle des Gesangs auch Orgel- oder Instrumentalspiel. Eine besondere Tradition in der Fastenzeit ist es, Begleitmusik und Begleitgesang zum Einzug entfallen zu lassen, um die Stille und den ernsten Charakter dieser Zeit zu betonen.

Christusrufe (Kyrie)

Die Christusrufe bestehen meist aus einer eigenen Kyrie-Litanei, die als Huldigungsruf an Jesus Christus von Kantor/Kantorin bzw. Sängerchor und Gemeinde gesungen wird. Auch ein Kyrielied, gegebenenfalls als Chorgesang, ist hier möglich.

Antwortgesang nach der 1. Lesung

Auf die erste Lesung folgt der Antwortpsalm, ein wesentlicher Bestandteil der Liturgie des Wortes. Er fördert die Betrachtung des Wortes Gottes und soll der jeweiligen Lesung entsprechen. Der gesungene Vortrag des Antwortpsalms ist vorzuziehen, zumindest was die Antwort des Volkes betrifft. Der Kantor oder die Schola singt die Antiphon (den Kehrvers) vor, die Gemeinde antwortet mit der Antiphon. Der Psalm wird in gewohnter Weise vorgetragen. Auch ein Liedpsalm oder ein Psalmlied kann verwendet werden.

Antwort der Gemeinde nach dem Evangelium

Nach der Predigt und der Betrachtung des Evangeliums hat die Gemeinde verschiedene Möglichkeiten zur Antwort:

  • Glaubensbekenntnis: In der Regel wird das Große oder das Apostolische Glaubensbekenntnis gesprochen oder gesungen. Wechselgesänge oder ein Credo-Ruf sind ebenfalls möglich, ebenso ein feierliches Credo mit Chorgesang.
  • Predigtlied: Ein Lied, das die Schriftlesung, Auslegung und Deutung nachklingen lässt und vertieft.
  • Taufgedächtnis: In diesem Rahmen kann ein Tauflied gesungen werden.
  • Schuldbekenntnis und Vergebungsbitte: Erfolgen im Regelfall ohne musikalische Gestaltung.
  • Segnungen: Die zum Tag gehören, ebenfalls meist ohne musikalische Gestaltung.

Friedenszeichen und Kollekte

Zum Friedenszeichen kann ein Friedenslied gesungen werden, das oft gleichzeitig als Begleitgesang zur darauffolgenden Kollekte dient. Während der Kollekte ist auch ein Lied möglich, das der Kirchenjahreszeit oder der Thematik der Lesungen entspricht. Chor- oder Instrumentalmusik bietet sich ebenfalls an.

Sonn-/Festtäglicher Lobpreis

Der sonn- und festtägliche Lobpreis ist ein fixer Bestandteil der Feier. Es handelt sich um ein litaneiartiges Gebet, dessen Akklamationen des Volkes (Lobpreisrufe) im Idealfall gesungen werden. Der Lobpreis schließt im Regelfall mit dem Gloria-Hymnus ab, oder in der Fasten- und Adventszeit mit einem anderen Loblied. Der Lobpreis kann auch als Ganzes von Gemeinde, Chor und Kantor/Kantorin umgesetzt werden.

Fürbitten

Nach der Einladung zum Fürbittgebet tragen ein Vorbeter oder andere Gemeindemitglieder die einzelnen Bitten vor. Die Gemeinde antwortet nach einer kurzen Stille mit einem nach Möglichkeit gesungenen Ruf. Anrufungen in gesungener Form finden sich im Gotteslob.

Kann das Evangelium seine Gültigkeit verlieren?

Vaterunser

Das Vaterunser kann gegebenenfalls singend gebetet werden, was die Gemeinschaft im Gebet vertieft.

Lob-/Danklied

Nach der Kommunion oder am Ende des Gottesdienstes dankt die Gemeinde im Lied für die Gegenwart des Herrn. Das Lied kann die Thematik der Schrifttexte oder des Kirchenjahres nochmals aufgreifen.

Gesang vor dem Segen und Auszug

Anstelle des Lob-/Dankliedes kann ein Gesang vor dem Segen erfolgen, der Segensbitten enthält. Der Auszug der liturgischen Dienste wird in der Regel von Orgelspiel oder Instrumentalmusik begleitet, gegebenenfalls auch von Chormusik. Nach örtlichem Brauch kann hier auch ein Marienlied oder ein der Tageszeit oder dem Anlass entsprechendes Lied gesungen werden. Auch hier gilt in der Fastenzeit die Tradition, Begleitmusik und Begleitgesang entfallen zu lassen, um den Auszug in Stille zu vollziehen.

Die Rolle des Lektors im Wortgottesdienst an Werktagen (Notfall)

In Notfällen, beispielsweise wenn ein Priester ausfällt und eine Wortgottesdienst mit Kommunionfeier an Werktagen stattfindet, übernimmt der Lektor (oder die Lektorin) eine erweiterte Rolle. Diese Handreichung ist für solche Ausnahmesituationen gedacht und setzt voraus, dass ein Organist, Lektor und Kommunionhelfer anwesend sind.

Der Lektor leitet den Gottesdienst mit der Eröffnung ein: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Er erklärt der Gemeinde, dass aufgrund des Priestermangels ein Wortgottesdienst mit Kommunionausteilung stattfindet. Nach dem Einzug, dem Bußakt und dem Tagesgebet, die ebenfalls vom Lektor gesprochen werden, folgt die Lesung.

Was der Lektor vor dem Evangelium vorlesen kann

Im Werktagsgottesdienst liest der Lektor die Lesung des Tages aus dem Lektionar vor und schließt diese mit dem Ruf „Wort des lebendigen Gottes“ ab. Nach einem Zwischengesang kommt der entscheidende Moment vor dem Evangelium:

Der Lektor (die Lektorin) kann aus dem Werktagsschott die Einführung „Zum Evangelium“ vorlesen. Wichtig ist hierbei, dass die Bibelstellenangaben weggelassen werden. Direkt danach folgt der feierliche Ruf: „Aus dem heiligen Evangelium nach ...“ und die eigentliche Verkündigung des Evangeliums, die der Lektor in dieser Notfallsituation selbst vornimmt, und mit dem Ruf „Evangelium unseres Herrn Jesus Christus“ abschließt, worauf die Gemeinde mit „Lob sei dir, Christus“ antwortet.

Dies ist eine Besonderheit des Notfall-Wortgottesdienstes ohne Priester, da in einer regulären Heiligen Messe das Evangelium ausschließlich von einem Priester oder Diakon verkündet wird. Nach dem Evangelium und einem weiteren Lied folgen die Fürbitten, das Vaterunser, der Friedensgruß, das Lied vor der Kommunion und die Kommunionausteilung, die vom Kommunionhelfer vorgenommen wird. Der Lektor leitet auch die Danksagung und den Segen, bevor der Gottesdienst mit einem Schlusslied und dem Auszug der liturgischen Dienste endet.

Vergleichende Übersicht: Ruf vor dem Evangelium

MerkmalReguläre Zeit (außer Fastenzeit)FastenzeitWortgottesdienst an Werktagen (Notfall)
GesangHallelujaVers vor dem Evangelium / TractusHalleluja (außer Fastenzeit) / Vers vor dem Evangelium (Fastenzeit)
FunktionBegrüßung Christi, GlaubensbekenntnisBegrüßung Christi, GlaubensbekenntnisBegrüßung Christi, Glaubensbekenntnis
VortragAlle stehend, Schola/Kantor stimmt anAlle stehend, Schola/Kantor stimmt anAlle stehend, Schola/Kantor stimmt an
VerseAus Lektionar/GradualeAus LektionarAus Lektionar/Graduale
Evangelium verkündet vonPriester/DiakonPriester/DiakonLektor (in dieser Notfallsituation)
Lektor liest vor dem EvangeliumNichts (ggf. die zweite Lesung)Nichts (ggf. die zweite Lesung)Einführung „Zum Evangelium“ aus dem Werktagsschott (ohne Bibelstellen)

Häufig gestellte Fragen

Warum singen wir überhaupt vor dem Evangelium?

Der Gesang vor dem Evangelium, insbesondere das Halleluja, ist eine freudige Akklamation und ein Ausdruck des Glaubens der versammelten Gemeinde. Es ist eine feierliche Begrüßung Christi, der im Evangelium zu uns spricht. Durch den Gesang bereiten wir uns innerlich auf das Hören des Wortes Gottes vor und bekennen singend unseren Glauben an die Gegenwart des Herrn.

Was ist der Unterschied zwischen dem Halleluja und dem Vers in der Fastenzeit?

Das Halleluja ist ein Jubelruf, der die Freude über die Auferstehung Christi und die frohe Botschaft ausdrückt. Es wird das ganze Jahr über gesungen, außer in der Fastenzeit. In der Fastenzeit, einer Zeit der Buße und Besinnung, wird auf das Halleluja verzichtet. Stattdessen wird ein anderer, oft besinnlicherer Vers aus dem Lektionar gesungen, der den ernsteren Charakter dieser liturgischen Zeit widerspiegelt und die Gemeinde auf das Leiden und Sterben Christi vorbereitet.

Kann ein Laie das Evangelium in der Kirche vorlesen?

In einer regulären Heiligen Messe ist die Verkündigung des Evangeliums dem Priester oder Diakon vorbehalten. Laien (Lektoren) lesen die erste und zweite Lesung. Die vorliegenden Informationen zeigen jedoch eine Ausnahme: In einem Wortgottesdienst mit Kommunionfeier, der in einem Notfall ohne Priester stattfindet, übernimmt der Lektor nicht nur die Einführung „Zum Evangelium“, sondern liest auch das Evangelium selbst vor. Dies ist eine spezielle Regelung für solche Ausnahmesituationen, um die Feier zu ermöglichen.

Warum ist Musik in der Liturgie so wichtig?

Musik ist in der Liturgie von großer Bedeutung, da sie die Emotionalität und Spiritualität der Feier vertieft. Sie hilft, die Gläubigen zu vereinen, die Gebete zu tragen und die Botschaften der Lesungen zu verinnerlichen. Musik schafft eine Atmosphäre der Ehrfurcht, der Freude und der Besinnung und ermöglicht eine tiefere Teilhabe am Gottesdienst. Sie ist eine Form des Gebets und des Lobpreises, die über Worte hinausgeht und das Herz direkt anspricht.

Fazit

Die musikalische Gestaltung der Wort-Gottes-Feier, insbesondere der „Ruf vor dem Evangelium“, ist ein fundamentaler Bestandteil der katholischen Liturgie. Sie dient nicht nur der Verschönerung, sondern vor allem der Vertiefung des Glaubens und der aktiven Teilnahme der Gemeinde. Ob durch den jubelnden Klang des Halleluja oder den besinnlichen Vers in der Fastenzeit, die Musik bereitet uns auf die Begegnung mit dem Wort Gottes vor und lässt uns unseren Glauben singend bekennen. Auch in Ausnahmesituationen, wie dem Wortgottesdienst an Werktagen ohne Priester, bleibt die musikalische und sprachliche Gestaltung durch den Lektor von entscheidender Bedeutung, um die Botschaft Christi zu verkünden und die Gemeinschaft im Glauben zu stärken.

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