22/11/2021
Der Gottesdienst ist das pulsierende Herz des kirchlichen Lebens, ein Ort der Begegnung, des Gebets und der Sakramente. Doch hinter den sichtbaren Ritualen und Handlungen verbirgt sich eine reiche Welt schriftlicher Überlieferungen, festgehalten in speziellen Büchern. Diese Bücher sind weit mehr als nur Textsammlungen; sie sind die Hüter der Tradition, die Wegweiser für die Feier des Glaubens und die Quellen, aus denen Segen und Gnade strömen. Sie leiten Priester, Diakone und Gläubige durch das Kirchenjahr und die wichtigen Stationen des Lebens. In diesem Artikel tauchen wir tief in die Bedeutung dieser liturgischen Bücher ein und beleuchten insbesondere, welche besonderen Dinge im Gottesdienst gesegnet werden.

Die Säulen des Gottesdienstes: Eine Einführung in die liturgischen Bücher
Die römisch-katholische Kirche verfügt über eine Vielzahl von Büchern, die jeweils eine spezifische Rolle in der Gestaltung und Feier der Gottesdienste spielen. Jedes Buch ist sorgfältig strukturiert und enthält Texte für bestimmte Anlässe, von den täglichen Gebeten bis hin zu einmaligen Segnungen. Diese Bücher stellen sicher, dass die Liturgie weltweit in einer einheitlichen und doch vielfältigen Weise gefeiert werden kann.
Das Messbuch: Herzstück der Eucharistie
Das Messbuch (lateinisch: Missale Romanum) ist das zentrale liturgische Buch für die Feier der Eucharistie, der heiligen Messe. Es enthält alle Texte, die der Priester für die verschiedenen Tage des Kirchenjahres benötigt. Man kann es als das Drehbuch der Messe bezeichnen, das die Gebete und Abläufe vorgibt.
Im Messbuch finden sich zunächst die sogenannten „Präsidialgebete“: das Tagesgebet, das Gabengebet und das Schlussgebet. Diese Gebete variieren je nach Sonntag, Festzeit oder besonderem Anlass, wie etwa Heiligengedenktage oder Messen für Verstorbene. Die große Auswahl ermöglicht es, die Feier an den jeweiligen Kontext anzupassen.
Neben diesen variablen Gebeten enthält das Messbuch auch die unveränderlichen Texte der Messfeier, insbesondere die vier Hochgebete (Eucharistische Gebete), die den Kern der Eucharistie bilden. Auch die Präfationen, die Einleitung zum Hochgebet, bieten eine reiche Auswahl und richten sich thematisch nach dem jeweiligen Festgeheimnis. Gleiches gilt für den feierlichen Schlusssegen, den der Priester am Ende der Eucharistiefeier erteilt.
Für die Festzeiten des Kirchenjahres, zu denen auch die Sonntage zählen, gibt es eigene, festgelegte Texte. Für die normalen „grünen“ Wochentage hingegen besteht eine größere Freiheit bei der Auswahl von Gebeten und Präfationen. Im deutschen Sprachraum ist das Messbuch in drei Varianten verbreitet: Das dicke blaue Messbuch umfasst die Texte für das gesamte Jahr, ausgenommen die Karwoche. Das etwas schmalere rote Messbuch enthält die Gottesdienste für die Heilige Woche und die Osteroktav. Mancherorts wird auch ein kleines, grünes Messbuch verwendet, das alle Texte des Jahres, einschließlich der Karwoche, in einer kompakten Ausgabe zusammenfasst.
Das Messlektionar: Die Stimme der Heiligen Schrift
Obwohl das Messbuch die meisten Texte für die Messfeier enthält, sucht man die biblischen Lesungen darin vergeblich. Für die Bibelstellen, die in der Eucharistiefeier gelesen werden, gibt es ein separates Werk: das Messlektionar. Es ist eigentlich keine einzelne Ausgabe, sondern eine ganze Reihe von Büchern, die die Lesungen, den Antwortpsalm und das Evangelium für alle Tage des Kirchenjahres bereithalten.
Ähnlich wie beim Messbuch gibt es für die geprägten Zeiten des Jahres, also Sonn- und Festtage, gesonderte Texte. Die im Gottesdienst verwendeten Bibelstellen folgen einer besonderen Leseordnung, die jährlich wechselt. Die Gebete des Messbuchs werden zwar jährlich wiederverwendet, die biblischen Texte hingegen wechseln in einem Zwei- oder Drei-Jahres-Rhythmus. Die Sonntagslesungen richten sich nach den Lesejahren A, B oder C, für die jeweils ein eigenes Lektionar existiert. Die Wochentagslesungen folgen zwei Lesereihen, die jährlich abwechseln.
Es gibt drei Lektionare für die Wochentage: Zwei Bände decken jeweils die ersten bzw. letzten 17 Wochen im Jahreskreis ab, ein dritter Band enthält die Texte für die „geprägten Zeiten“ wie Advent/Weihnachten und Fastenzeit/Ostern. Zusätzlich gibt es zwei gesonderte Lektionare mit Texten für besondere Anlässe, wie Sakramentenfeiern oder Requien. Seit dem ersten Advent 2018 werden in den Kirchen neue Messlektionare verwendet, die den Text der revidierten Einheitsübersetzung enthalten – ein Zeichen für die lebendige Weiterentwicklung der kirchlichen Texte.
Das Benediktionale: Das Buch der Segnungen
Eine besonders faszinierende Rolle im liturgischen Leben spielt das Benediktionale, das „Segensbuch“. Sein Name leitet sich vom lateinischen Wort „benedicere“ ab, was „segnen“ bedeutet. Dieses Buch ist die Quelle für all jene besonderen Segnungen, die über die reguläre Messfeier hinausgehen und oft konkrete Gegenstände oder Lebenssituationen betreffen.
Im Gottesdienst werden mithilfe des Benediktionale verschiedene Dinge und Personen gesegnet. Zu den bekanntesten Beispielen gehören der Adventskranz zu Beginn der Adventszeit, die Speisen in der Osternacht, die symbolisch die Auferstehung und das neue Leben feiern, oder die Kräuterbuschen an Mariä Himmelfahrt. Diese Segnungen sind oft mit tief verwurzelten Traditionen und Volksfrömmigkeit verbunden und bringen den Glauben in den Alltag der Menschen.
Das Benediktionale enthält jedoch nicht nur Segnungen, die im Laufe des Kirchenjahres vollzogen werden, sondern auch solche, die mit besonderen Augenblicken im Leben der Menschen verbunden sind. Dazu gehören beispielsweise Segensfeiern für eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes, um Dank für das neue Leben auszudrücken und um Gottes Schutz zu bitten, oder für ein Paar, das seine Verlobung gefeiert hat, als Zeichen der Begleitung und des Beistands Gottes auf ihrem gemeinsamen Weg.
Darüber hinaus finden sich im Benediktionale auch Texte für Segnungen, die vielleicht nur selten in einer Gemeinde vorkommen, aber von großer symbolischer Bedeutung sind, wie die Segnung einer neuen Orgel, die den Gottesdienst mit ihrem Klang bereichert, oder neuer Glocken, die die Gemeinde zum Gebet rufen und wichtige Ereignisse verkünden. Das Benediktionale ist somit ein umfassendes Werkzeug, um Gottes Segen in vielfältiger Weise erfahrbar zu machen und das Heilige in den Alltag zu tragen.
Die Rituale: Wegbegleiter der Sakramente
Die liturgischen Texte für die Feier der Sakramente sind nicht im Messbuch zu finden. Hierfür werden spezielle Bücher benötigt, die als „Rituale“ bezeichnet werden. Für jedes Sakrament gibt es ein eigenes Ritual, das den genauen Ablauf und die Texte der jeweiligen Feier enthält.
Wird beispielsweise ein Kind in einer Gemeinde getauft, benötigt der Taufspender das Buch „Die Feier der Kindertaufe“. Es enthält den gesamten Ablauf der Tauffeier mit den dazugehörigen Texten sowie Sonderformen, etwa für die Nottaufe oder die Aufnahme eines Kindes, dem bereits eine Nottaufe gespendet wurde. Auch eine Auswahl biblischer Texte für die Lesung oder das Evangelium bei der Taufe ist darin enthalten.
Entsprechend gibt es eigene Rituale für die Spendung der anderen Sakramente: „Die Feier der Firmung“, „Die Feier der Trauung“ (Ehesakrament) und „Die Feier der Krankensalbung“. Auch für die Feier des Begräbnisses – obwohl kein Sakrament – existiert ein solches Ritualbuch. Diese Bücher bieten verschiedene Modellvorschläge, zum Beispiel für die Aussegnung des Leichnams oder für die Urnenbestattung, sodass der Vorsteher die Texte auswählen kann, die der jeweiligen Situation am besten entsprechen. Einige dieser Bücher sind in jeder Sakristei zu finden und gehören zur Grundausstattung für die seelsorgerische Arbeit.
Das Pontifikale: Exklusivität der Weihe
Eine Ausnahme unter den Ritualen bildet das Buch für die Spendung des Weihesakraments. Dieses wird als „Pontifikale“ bezeichnet. Da nur ein Bischof das Sakrament der Weihe gültig und erlaubt spenden darf, findet sich das Pontifikale meist nur in der Sakristei der Kathedralkirche eines Bistums. In den anderen Pfarreien einer Diözese wird es nicht benötigt. Sollte doch einmal eine Weihe in einer Pfarrkirche stattfinden, wie es in manchen Bistümern für die Diakonenweihe üblich ist, bringt in der Regel der Sekretär des Bischofs dieses Buch mit. Aufbau und Inhalt ähneln den anderen Ritualen, sind aber speziell auf die komplexen und feierlichen Abläufe der Weiheliturgie zugeschnitten.
Die Stundenbücher: Gebet im Rhythmus des Tages
Wenn eine Gemeinde gemeinsam die Tagzeitenliturgie feiert, also beispielsweise die Laudes (Morgengebet) und die Vesper (Abendgebet) betet, kommt das sogenannte „Stundenbuch“ zum Einsatz. Mancherorts wird es auch als „Brevier“ bezeichnet, abgeleitet vom lateinischen „Breviarium Romanum“, wie es bis 1970 hieß. Die Redewendung „sein Brevier beten“ bezieht sich noch heute auf die Feier der Tagzeitenliturgie.
Das Stundenbuch gibt es in der Regel in drei Bänden: ein Band für die Advents- und Weihnachtszeit, ein Band für die Fasten- und Osterzeit und ein Band für die Zeit im Jahreskreis. In diesen Büchern sind die Texte abgedruckt, die für die Feier der Tagzeitenliturgie benötigt werden. Dazu gehören hauptsächlich die Psalmen, aber auch alttestamentliche und neutestamentliche Cantica, Lesungen, Hymnen und Fürbitten. Das Stundenbuch ermöglicht es Gläubigen, sich im Gebet dem Rhythmus des Tages und des Kirchenjahres anzupassen und sich so tiefer mit der weltweiten Gemeinschaft der Kirche zu verbinden.
Übersicht der liturgischen Bücher
| Buch | Hauptzweck | Inhalt Beispiele | Wer nutzt es? |
|---|---|---|---|
| Messbuch | Texte für die Eucharistiefeier | Präsidialgebete, Hochgebete, Präfationen, Segensgebete | Priester |
| Messlektionar | Biblische Lesungen im Gottesdienst | Lesungen, Antwortpsalmen, Evangelien | Lektoren, Priester, Diakone |
| Benediktionale | Segnungen von Personen und Gegenständen | Segnung von Adventskränzen, Speisen, Kräutern, Verlobten, Orgeln | Priester, Diakone |
| Rituale | Texte für die Feier der Sakramente | Tauffeier, Firmung, Eheschließung, Krankensalbung, Begräbnis | Priester, Diakone (je nach Sakrament) |
| Pontifikale | Texte für die Spendung der Weihe | Texte für Bischofs-, Priester-, Diakonenweihe | Bischof |
| Stundenbücher | Texte für die Tagzeitenliturgie | Psalmen, Cantica, Hymnen, Lesungen, Fürbitten | Priester, Diakone, Ordensleute, Laien |
Warum sind diese Bücher so wichtig?
Die liturgischen Bücher sind das Fundament, auf dem die Feier des Glaubens in der Kirche ruht. Sie gewährleisten nicht nur die Einheit und Kontinuität der Liturgie über Raum und Zeit hinweg, sondern tragen auch maßgeblich zur Tiefe und Schönheit der Gottesdienste bei. Sie sind die lebendige Überlieferung des Gebets und des Wortes Gottes. Durch sie wird die Vielfalt des Kirchenjahres erfahrbar, von den Freuden der Osterzeit bis zur Buße der Fastenzeit. Sie ermöglichen es den Gläubigen, sich in einer tiefen und bedeutungsvollen Weise am liturgischen Leben zu beteiligen, indem sie die gemeinsamen Gebete, Lesungen und Gesänge miterleben. Das Verständnis dieser Bücher öffnet die Tür zu einem reicheren und bewussteren Erleben des Gottesdienstes und der Sakramente.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was ist der Hauptunterschied zwischen Messbuch und Messlektionar?
Das Messbuch enthält alle Gebete und Texte, die der Priester während der Eucharistiefeier spricht, wie Tagesgebete, Hochgebete und Segensformeln. Das Messlektionar hingegen ist ausschließlich für die biblischen Lesungen (Altes Testament, Apostelbriefe und Evangelien) sowie die Antwortpsalmen zuständig. Während die Gebete des Messbuchs jährlich wiederholt werden, folgen die Lesungen des Lektionars einem mehrjährigen Zyklus (Lesejahre A, B, C für Sonntage und zwei Reihen für Wochentage), um eine größere Vielfalt biblischer Texte im Gottesdienst zu präsentieren.
Wofür wird das Benediktionale hauptsächlich verwendet?
Das Benediktionale ist das „Segensbuch“ der Kirche. Es wird verwendet, um besondere Segnungen durchzuführen, die über die tägliche Messfeier hinausgehen. Dazu gehören Segnungen von Gegenständen wie Adventskränzen, Speisen zur Osterzeit oder Kräuterbuschen. Es enthält aber auch Segensfeiern für Personen in besonderen Lebenssituationen, wie Mütter nach der Geburt eines Kindes oder Verlobte, sowie für neue kirchliche Gegenstände wie Orgeln oder Glocken. Es dient dazu, Gottes Segen in konkrete Lebensbereiche und auf materielle Dinge zu übertragen.
Gibt es verschiedene Versionen dieser Bücher?
Ja, von einigen Büchern gibt es verschiedene Versionen. Das Messbuch beispielsweise ist im deutschen Sprachraum in einer dicken blauen Vollversion (ohne Karwoche), einer schmaleren roten Version (für die Heilige Woche und Osteroktav) und einer kleinen grünen Kompaktausgabe erhältlich. Die Messlektionare sind in Bänden für die verschiedenen Lesejahre (A, B, C für Sonntage) und für die Wochentage in mehreren Bänden (Jahreskreis, geprägte Zeiten, besondere Anlässe) aufgeteilt. Auch die Stundenbücher sind in mehreren Bänden für die verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres verfügbar.
Wer nutzt diese Bücher im Gottesdienst?
Die Nutzung der Bücher variiert je nach Rolle im Gottesdienst. Der Priester verwendet hauptsächlich das Messbuch für die Gebete und das Messlektionar für die Evangelienlesung. Lektoren und Diakone nutzen das Messlektionar für die Lesungen und den Antwortpsalm. Das Benediktionale wird von Priestern und Diakonen für Segnungen eingesetzt. Die Rituale werden von Priestern und Diakonen für die Spendung der Sakramente und für Begräbnisfeiern genutzt. Das Pontifikale ist ausschließlich dem Bischof vorbehalten. Die Stundenbücher werden von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und interessierten Laien für die Feier der Tagzeitenliturgie verwendet.
Die liturgischen Bücher sind somit unverzichtbare Werkzeuge und Schätze der Kirche. Sie bewahren die reiche Tradition des Glaubens und ermöglichen es den Gläubigen, sich im Gebet und in der Feier der Sakramente mit Gott zu verbinden. Durch sie wird die Liturgie lebendig und erfahrbar, und Gottes Segen strömt in die Welt.
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