Warum vier Evangelien? Eine göttliche Strategie

19/10/2021

Rating: 4.95 (6478 votes)

Die Frage, warum es vier Evangelien gibt – je eines von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – wird sehr häufig gestellt. Viele fragen sich, warum Gott uns nicht einfach ein einziges Evangelienbuch gegeben hat, da vier Berichte, die zudem einige Ereignisse auf verschiedene Weise berichten, auf den ersten Blick verwirrend wirken könnten. Doch der Gott, von dem uns die Bibel berichtet, ist ein genialer Kommunikator, und es war Sein Wunsch, dass Seine froh machende und befreiende Botschaft alle Menschen erreicht. Die Existenz von vier Evangelien ist kein Zufall, sondern Teil eines wohlüberlegten göttlichen Plans, um die gesamte Menschheit anzusprechen. Die Heilige Schrift teilt die Menschheit in drei Hauptgruppen ein, und jedes der Evangelien ist speziell darauf ausgelegt, eine dieser Gruppen in ihren ganz besonderen Bedürfnissen zu erreichen.

Was sind die vier Evangelien?
Mit den vier Evangelien werden die drei Gruppen von Menschen angesprochen, in die die Heilige Schrift die gesamte Menschheit einteilt: die Juden, die (anderen) Nationen und die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) Gottes. Wir finden diese Einteilung an verschiedenen Stellen in der Heiligen Schrift: „Seid unanstößig den [1.] Juden und [2.]
Inhaltsverzeichnis

Die Menschheit in drei Gruppen: Eine biblische Perspektive

Die Bibel offenbart uns, dass Gott die Menschheit in drei fundamentale Kategorien einteilt. Diese Unterscheidung ist nicht nur für das Verständnis der Evangelien von Bedeutung, sondern durchzieht die gesamte Heilige Schrift und hilft uns, Gottes Handeln und Seine Botschaft besser zu verstehen. Diese drei Gruppen sind die Juden, die (anderen) Nationen (oft als Griechen bezeichnet, da dies die dominierende Kultur und Sprache der Nichtjuden in der damaligen Welt war) und die Versammlung, also die Gemeinde oder Kirche Gottes. Diese Einteilung finden wir an verschiedenen Stellen in der Heiligen Schrift, was ihre Bedeutung unterstreicht:

  • „Seid unanstößig den [1.] Juden und [2.] Griechen [= andere Nationen] und [3.] der Gemeinde Gottes.“ (1. Korinther 10, 32)
  • „Simon hat erzählt, wie Gott zum erstenmal sein Augenmerk darauf richtete, aus den Heiden [1.] ein Volk für seinen Namen [d.h., die Gemeinde] anzunehmen. Und damit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht: «Darnach will ich umkehren und [2.] die zerfallene Hütte Davids [d.i. Israel] wieder aufbauen, und ihre Trümmer will ich wieder bauen und sie wieder aufrichten, auf daß [3.] die Übriggebliebenen der Menschen den Herrn suchen, und [3.] alle Völker [d.i. die anderen Nationen außerhalb Israels], über welche mein Name angerufen worden ist, spricht der Herr, der solche Dinge tut»“ (Apostelgeschichte 15, 14 – 17)

Diese dreifache Einteilung ist entscheidend, denn sie zeigt, dass Gott eine spezifische Botschaft für jede dieser Gruppen bereithält, die ihre einzigartigen kulturellen, historischen und spirituellen Hintergründe berücksichtigt. Die vier Evangelien sind das perfekte Instrument, um diese vielfältigen Botschaften zu übermitteln.

Matthäus – Das Evangelium für die Juden: Der verheißene König

Matthäus schrieb sein Evangelium unter der Inspiration des Heiligen Geistes für eine ganz bestimmte Zielgruppe: jüdische Leser. Dies wird an vielen Stellen des Matthäusevangeliums unmissverständlich deutlich und zeugt von einer tiefen Kenntnis und Wertschätzung der jüdischen Tradition und der alttestamentarischen Schriften.

Schon die Verse, mit denen Matthäus sein Evangelium einleitet, sind ein klares Signal an seine jüdische Leserschaft: „Buch des Geschlechts Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“ (Matthäus 1, 1). Diese Formulierung musste den jüdischen Leser sofort an die ihm bekannten Aufzählungen der Stammbäume aus dem 1. Buch Mose erinnern. Dort finden sich in 1. Mose 2, 4; 5, 1 und 1. Mose 6, 9 ähnliche Aufzählungen, die mit den Worten: „Dies ist die Geschichte (eig. sind die Geschlechter o. Erzeugungen) … Dies ist das Buch von Adams Geschlechtern … Dies ist die Geschichte (eig. sind die Geschlechter o. Erzeugungen) Noahs ….“ beginnen. Weder diese sprachliche Ähnlichkeit noch die explizite Erwähnung der Abstammung des Messias von David und Abraham wären für Römer oder Griechen von Bedeutung gewesen, für Juden hingegen waren dies wichtige und bedeutsame Hinweise auf die messianische Linie und Erfüllung alter Prophezeiungen.

Hinzu kommt, dass Matthäus wie kein anderer Evangelist immer wieder die Erfüllung alttestamentarischer Prophezeiungen im Leben, Wirken und Sterben Jesu Christi verdeutlicht. Jeder jüdische Leser des Matthäusevangeliums war mit den Schriften der alttestamentarischen Propheten von früher Kindheit und Jugend an vertraut. Bei römischen oder griechischen Lesern konnte dieses Wissen hingegen nicht vorausgesetzt werden. Mit dem Verweis auf die Erfüllung messianischer Prophetien durch Jesus Christus verdeutlichte Matthäus dem jüdischen Leser zudem, dass der „Sohn des Zimmermanns“ nicht nur ein charismatischer Prediger war, der die Massen anzog, sondern der von den Propheten angekündigte und von Israel über die Jahrhunderte ersehnte Messias, der verheißene König der Juden (vgl. Matthäus 21, 4 – 7; 21, 42; 25, 31 [vgl. Sacharja 14, 5; Daniel 7, 13]; 27, 38 [Jesaja 53, 12]). Matthäus stellt Jesus als den rechtmäßigen Thronfolger Davids und den Erfüller aller messianischen Weissagungen dar, der gekommen ist, um sein Volk zu retten und das Reich Gottes aufzurichten.

Markus – Das Evangelium für die Römer: Der handelnde Diener

Die Zielgruppe des Markusevangeliums waren römische Leser, die Nationen im römischen Kulturbereich. Dies wird unter anderem daran deutlich, dass Markus die jüdischen Sitten, die er erwähnt, auch erklärt (vgl. Markus 7, 3 – 4; 14, 12; 15, 42). Für einen jüdischen Leser wären solche Erklärungen überflüssig gewesen, aber für Römer, die mit diesen Bräuchen nicht vertraut waren, waren sie essenziell für das Verständnis.

Außerdem übersetzte der Evangelist die aramäischen Begriffe des Judentums für seine Leser (vgl. Markus 3, 17; 5, 41; 7, 11; 7, 34; 10, 46; 14, 36; 15, 22; 15, 34) und benutzt an anderen Stellen lateinische Worte (so z.B. „modius“ für „Scheffel“ [Markus 4, 21], „census“ für „Steuer“ [Markus 12, 14], „speculator“ für „Henker“ [Markus 6, 27], „centurio“ für „Hauptmann“ [Markus 15, 39; 15, 44 – 45] und andere). Für die meisten dieser Begriffe gab es griechische Entsprechungen/Übersetzungen. Doch scheint Markus die lateinische Form zu benutzen, weil sie seinen Lesern gebräuchlicher bzw. vertrauter war. Für eine römische Leserschaft spricht auch, dass der Evangelist die römische Zeiteinteilung (vgl. Markus 6, 48 und Markus 13, 35) benutzt, was für ein römisches Publikum sofort verständlich war.

Im Gegensatz zu den Griechen befassten sich die Römer weniger mit Philosophie; sie waren auch nicht an Theologie interessiert, wie die Juden, sondern mehr an Fakten, Taten und Autorität. Diesem Interesse kam Markus mit seinem Evangelium entgegen. Es ist das kürzeste bzw. komprimierteste Evangelium und lässt alle Dinge aus, die für einen römischen Leser uninteressant sein könnten, wie lange Stammbäume oder ausgedehnte Lehrreden. Stattdessen konzentriert sich Markus auf die mächtigen Taten Jesu, seine Wunder und seine Autorität. Er präsentiert Jesus als den handelnden Diener Gottes, der gekommen ist, um zu dienen und zu retten, und dessen Macht sich in seinen Werken manifestiert. Der Fokus liegt auf dem „sofort“ oder „sogleich“, was die Dringlichkeit und Aktivität Jesu unterstreicht.

Lukas – Das Evangelium für die Griechen: Der vollkommene Mensch und Erlöser

Das Lukasevangelium richtet sich, das wird schon aus der Einleitung (Lukas 1, 1 – 4) deutlich, an griechische Leser als Zielgruppe. Ja, es ist explizit für einen Griechen namens Theophilus geschrieben worden, wobei es sich bei dem Namen „Theophilus“ (griech. „von Gott geliebt“) um den Taufnamen dieses Gläubigen handeln kann, oder um einen angesehenen römischen Beamten griechischer Abstammung. Auch die Sprache, die wir im Lukasevangelium wie in der Apostelgeschichte (der Fortsetzung des Lukasevangeliums) finden, zeigt eine eindeutig griechische Geisteshaltung und einen hohen literarischen Stil, der Philosophen und gebildete Griechen ansprach.

Mit seinem Bericht verfolgte der Evangelist die Absicht, der ganzen griechisch sprechenden Welt das Evangelium Jesu Christi nahezubringen. Im Gegensatz zu Matthäus führt Lukas die Abstammung Jesu nicht nur auf Abraham und David (Matthäus 1, 1- 17) zurück, sondern geht im Stammbaum des Erlösers bis Adam zurück (Lukas 3, 23 – 38). Damit macht er deutlich, dass der Sohn Gottes nicht nur der Befreier des jüdischen Volkes, sondern der Erlöser der gesamten Menschheit ist. Dies spricht den griechischen Universalismus an, der sich nicht auf eine bestimmte Nation beschränkte.

Die universelle Bedeutung der Evangeliumsbotschaft durchzieht das Buch vom Lobpreis des Simeon, der Jesus als das „Licht der Nationen“ preist (Lukas 2, 32), bis zum Missionsauftrag, den der Auferstandene seinen Jüngern gibt und in dem er sie auffordert, das Evangelium „allen Nationen“ zu predigen (Lukas 24, 47). Aus diesem Grund finden sich auch viele explizit mit dem Judentum zusammenhängende Geschehnisse nicht im Lukasevangelium (z.B. Matthäus 23; Matthäus 10, 5; Matthäus 15, 1 – 20; Matthäus 7, 1 – 23). Andererseits berichtet Lukas viele Geschehnisse, die den universalen Charakter des Kommens Jesu verdeutlichen (seine Geburt in einem römischen Kontext [Lukas 2, 1 – 2; 3, 1]).

Kernaussage seines Evangeliums ist Lukas 19, 10: „… denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist“. Dementsprechend präsentiert Lukas Jesus Christus als den Erlöser aller Menschen, insbesondere der Außenseiter und Verachteten (der in Sünde gefallenen Frau [Lukas 7, 36 – 50], des Pharisäers und des Zöllners [Lukas 18, 9 – 14], des Zachäus [Lukas 19, 1 – 10] und des Diebes am Kreuz [Lukas 23, 39 – 43]). Lukas beschreibt den Herrn Jesus als den vollkommenen Menschen, den vollkommenen Erlöser einer unvollkommenen, erlösungsbedürftigen Menschheit. Der Titel „des Menschen Sohn“, der die vollkommene Menschheit des Gottessohnes hervorhebt, wird im Lukasevangelium an 26 Stellen gebraucht und offenbart ihn dabei als den vollkommenen, wahren Repräsentanten der gesamten Menschheit. Indem Lukas an vielen Stellen den Umgang Jesu mit Kindern, Alten, Ausgestoßenen, Samaritern, Römern, Zöllnern und Sündern, Pharisäern, Armen, Reichen, Prostituierten, angesehenen Männern und Frauen beschreibt, macht er deutlich, dass das Evangelium keinen Menschen ausschließt, sondern eine Botschaft der Hoffnung und Erlösung für jeden ist.

Was sind die vier Evangelien?
Mit den vier Evangelien werden die drei Gruppen von Menschen angesprochen, in die die Heilige Schrift die gesamte Menschheit einteilt: die Juden, die (anderen) Nationen und die Versammlung (= Gemeinde/Kirche) Gottes. Wir finden diese Einteilung an verschiedenen Stellen in der Heiligen Schrift: „Seid unanstößig den [1.] Juden und [2.]

Johannes – Das Evangelium für die Versammlung: Der göttliche Sohn

Der Apostel Johannes wiederum richtet sich mit seinem Evangelium an eine vierte, aber nicht weniger wichtige Zielgruppe: die Gemeinde der Gläubigen, die Kirche. Dafür sprechen verschiedene Gründe, die dieses Evangelium einzigartig machen und seine tiefgehende theologische Ausrichtung unterstreichen.

Zum einen werden in diesem Evangelium Personen erwähnt, die nicht weiter vorgestellt werden (Maria, Martha und Lazarus). Den Gläubigen der Gemeinde (= Versammlung/Kirche) waren diese Personen sicher aus Predigten und/oder persönlichen Berichten bekannt gewesen. Daher war es unnötig, auf diese Personen und ihre Beziehung, die sie zum Herrn Jesus oder zum Kreis der Jünger hatten, näher einzugehen. Dies setzt ein gewisses Vorwissen voraus, das typischerweise in einer Gemeinschaft von Gläubigen vorhanden ist.

Ein weiterer Punkt ist, dass Johannes in großem Maße Reden und Belehrungen des Herrn Jesus zu verschiedenen Themen wiedergibt, mit denen Menschen, die nicht gläubig waren, gar nichts hätten anfangen können, z.B. die ausführliche Belehrung zu Kommen des Heiligen Geistes, Seinem Wesen und Wirken in Johannes 14 – 16. Diese tiefen theologischen Abhandlungen sind primär für diejenigen gedacht, die bereits an Jesus glauben und ein tieferes Verständnis seiner Person und seines Wirkens suchen. Sie sind Nahrung für die Seele der Gläubigen und dienen dem Aufbau und der Ermutigung der Gemeinde.

Weiter fällt auf, dass Johannes ausführlich persönliche Gespräche des Herrn mit seelsorgerischem Charakter mitteilt (das Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus in Johannes 3, das Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen in Johannes 4, das Gespräch mit dem bußfertigen Petrus nach der Verleugnung in Johannes 21). Die Wiedergabe dieser persönlichen Gespräche ist nicht nur eine gute Belehrung für die Gemeinde (= Versammlung/Kirche), wie sie mit seelsorgerischen Problemen umgehen kann, sondern auch ein Hinweis darauf, dass Johannes Augen- und Ohrenzeuge dieser Gespräche war und sie für die Nachwelt festhalten wollte, um Glauben zu stärken und Orientierung zu bieten.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass dieses Evangelium in ganz besonderer Weise die Gottessohnschaft Christi betont und lehrmäßig untermauert. Der Prolog des Johannesevangeliums (Johannes 1, 1-18) ist ein Meisterwerk der Christologie, das Jesus als das ewige Wort Gottes darstellt, das Fleisch wurde. Damit begegnete das Evangelium genau den lehrmäßigen Auseinandersetzungen mit dem Gnostizismus, die in den letzten Jahrzehnten des ersten christlichen Jahrhunderts in der noch jungen christlichen Gemeinde (= Versammlung/Kirche) um sich griff und eine Gefahr für die Evangeliumsverkündigung darstellte. Der Gnostizismus lehrte, dass Materie böse sei und Jesus daher keinen echten Körper gehabt haben konnte. Johannes widerspricht dem entschieden, indem er die Inkarnation und die volle Menschlichkeit und Gottheit Jesu betont, was für das Fundament des christlichen Glaubens unerlässlich war und ist.

Vergleich der vier Evangelien

Um die einzigartigen Perspektiven der vier Evangelien besser zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich ihrer Hauptmerkmale:

EvangeliumAutorZielgruppeHauptthema / FokusDarstellung Jesu
MatthäusMatthäus (Zöllner, Apostel)JudenJesus als der verheißene Messias und König Israels, Erfüllung der ProphetieDer König, Nachkomme Davids und Abrahams
MarkusMarkus (Begleiter des Petrus)Römer / NationenJesus als der handelnde Diener Gottes, Seine Macht und AutoritätDer mächtige Diener, der sofort handelt
LukasLukas (Arzt, Begleiter des Paulus)Griechen / Nationen (Theophilus)Jesus als der vollkommene Mensch und universeller Erlöser für alle VölkerDer Menschensohn, Erlöser der Menschheit
JohannesJohannes (Apostel, "Lieblingsjünger")Die Gemeinde / GläubigeJesus als der göttliche Sohn Gottes, Seine Gottheit und ewige ExistenzDer Sohn Gottes, das Wort Gottes

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum hat Gott nicht einfach ein einziges Evangelium gegeben?

Gott hat vier Evangelien gegeben, um seine Botschaft so breit und effektiv wie möglich zu kommunizieren. Jedes Evangelium ist auf eine spezifische Zielgruppe zugeschnitten – Juden, Römer, Griechen und die Gemeinde – und berücksichtigt deren kulturellen Hintergrund, ihre Denkweise und ihre spezifischen Bedürfnisse. Ein einziges Evangelium hätte niemals die Tiefe und Breite der Person und des Wirkens Jesu Christi für alle Menschen gleichermaßen abbilden können. Die Vielfalt der Perspektiven ermöglicht es jedem Leser, einen Zugang zu Jesus zu finden, der seiner eigenen Herkunft und seinem Verständnis entspricht.

Widersprechen sich die Evangelien nicht, wenn sie Ereignisse unterschiedlich berichten?

Die Evangelien widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich. Jede Darstellung ist aus einer spezifischen Perspektive geschrieben und betont bestimmte Aspekte, die für ihre jeweilige Zielgruppe relevant sind. Man kann es mit vier Zeugen eines Ereignisses vergleichen: Jeder wird das Geschehen aus seinem Blickwinkel und mit seinen eigenen Schwerpunkten berichten, aber alle Berichte zusammen ergeben ein vollständigeres und reichhaltigeres Bild der Wahrheit. Die Unterschiede in den Details sind Belege für die Unabhängigkeit der Schreiber und tragen zur Glaubwürdigkeit der Gesamtbotschaft bei, anstatt sie zu untergraben. Sie zeigen die Vielschichtigkeit der Person Jesu und seines Wirkens.

Gibt es noch andere Evangelien außerhalb der vier kanonischen?

Ja, es gibt eine Reihe von Schriften, die ebenfalls als „Evangelien“ bezeichnet werden, aber nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden (z.B. das Thomasevangelium, das Petrusevangelium, das Evangelium der Maria Magdalena). Diese apokryphen Evangelien unterscheiden sich jedoch in Inhalt, Lehre und Entstehungszeit erheblich von den vier kanonischen Evangelien. Die frühen Kirchenväter und Konzilien haben die vier kanonischen Evangelien als inspiriert und maßgeblich für den Glauben anerkannt, während die apokryphen Schriften oft gnostische oder andere von der Apostellehre abweichende Inhalte aufweisen und daher als nicht authentisch für die Offenbarung Gottes betrachtet wurden.

Wie arbeiten die vier Evangelien zusammen, um ein vollständiges Bild von Jesus zu vermitteln?

Die vier Evangelien arbeiten zusammen, indem sie eine vielschichtige und umfassende Darstellung von Jesus Christus bieten. Matthäus zeigt ihn als den verheißenen König Israels, Markus als den mächtigen Diener Gottes, Lukas als den vollkommenen Menschen und universellen Erlöser, und Johannes als den ewigen Sohn Gottes. Zusammen ergeben diese Perspektiven ein reiches, dreidimensionales Bild von Jesus, das seine Menschlichkeit und Gottheit, seine Rolle als Messias, sein dienstbares Herz und seine universelle Bedeutung für die gesamte Menschheit offenbart. Sie ermöglichen es uns, Jesus in all seinen Facetten kennenzulernen und die Tiefe seiner Liebe und seines Erlösungsplanes zu erfassen.

Fazit

Die Existenz von vier Evangelien ist kein Zufall oder eine verwirrende Redundanz, sondern ein Meisterwerk göttlicher Kommunikationsstrategie. Jedes dieser Bücher ist sorgfältig auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten und präsentiert Jesus Christus in einer Weise, die für diese Gruppe am relevantesten und überzeugendsten ist. Matthäus spricht die Juden als den verheißenen König an, Markus die Römer als den handelnden Diener, Lukas die Griechen als den vollkommenen Menschen und universellen Erlöser, und Johannes die Gemeinde als den ewigen Sohn Gottes. Diese Vielfalt der Perspektiven ermöglicht es der Botschaft Jesu, alle Menschen zu erreichen, unabhängig von ihrem kulturellen oder religiösen Hintergrund. Es ist ein Zeugnis von Gottes Weisheit und Seinem Wunsch, dass Seine frohe Botschaft der Erlösung die Herzen aller Menschen berührt und sie in eine lebendige Beziehung zu Ihm führt. Die vier Evangelien sind wie vier Fenster, die uns verschiedene, aber sich ergänzende Ausblicke auf die unendliche Herrlichkeit und Liebe unseres Herrn Jesus Christus eröffnen.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Warum vier Evangelien? Eine göttliche Strategie kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Religion besuchen.

Go up