Islamische Kleiderordnung für Männer: Ein Leitfaden

12/01/2023

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Kleidung ist weit mehr als nur Schutz vor den Elementen oder ein Ausdruck persönlicher Ästhetik. Im Islam trägt sie eine tiefe spirituelle und soziale Bedeutung, insbesondere für Männer. Sie spiegelt nicht nur die Bescheidenheit und den Respekt gegenüber Allah wider, sondern auch die Identität und die Werte, die ein Muslim vertritt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Leitfaden zu den islamischen Vorschriften bezüglich der Kleidung für Männer, basierend auf den Lehren des Qur'an und der Sunnah des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm). Es geht darum, ein Gleichgewicht zwischen der Einhaltung religiöser Gebote und dem praktischen Leben zu finden, stets mit dem Ziel, die Zufriedenheit Allahs zu erlangen.

Welche Kleidung ist erlaubt?
1. Die Grundlage jeder Kleidung, die man anzieht ist, dass sie erlaubt ist, außer das, wo es einen Text (aus dem Quran und der Sunnah) gibt, der auf das Verbot hinweist, wie z.B. Seide für Männer. Dies auf Grund der Aussage des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm-:
Inhaltsverzeichnis

Die Grundlage der Erlaubnis: Was ist erlaubt und was nicht?

Im Islam gilt der Grundsatz, dass alles erlaubt ist, es sei denn, es gibt einen klaren Text im Qur'an oder in der Sunnah, der es verbietet. Dieser Grundsatz findet auch Anwendung auf die Kleidung. Die Mehrheit der Stoffe und Kleidungsstücke ist demnach grundsätzlich erlaubt. Es gibt jedoch spezifische Ausnahmen und Verbote, die beachtet werden müssen, um die islamischen Richtlinien einzuhalten.

Seide und Gold: Eine Ausnahme für Männer

Eines der bekanntesten Verbote für Männer im Islam betrifft das Tragen von reiner Seide und Gold. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) sagte: „Diese Zwei (Seide und Gold) sind für die Männer meiner Gemeinschaft (Ummah) verboten und für die Frauen erlaubt.“ Dieses Verbot unterstreicht eine klare Trennung zwischen männlicher und weiblicher Kleidung und dient der Vermeidung von Übermaß und Prahlerei, die oft mit diesen luxuriösen Materialien verbunden sind. Für Frauen sind Seide und Gold hingegen erlaubt, da sie als Schmuck für sie gelten.

Materialien und Tierhäute

Was die Materialien anbelangt, so sind Baumwolle, Wolle, Leinen und synthetische Stoffe, die keine verbotenen Imitationen darstellen, grundsätzlich erlaubt und rein. Ein besonderes Augenmerk gilt Tierhäuten: Das Fell von verendeten Tieren ist generell nicht erlaubt, es sei denn, es wurde gemäß islamischen Vorschriften gegerbt. Die Gerbung (Dabagh) macht die Haut rein und nutzbar, auch wenn das Tier nicht islamisch geschlachtet wurde. Dies zeigt die Praktikabilität des Islam, der die Nutzung von Ressourcen erlaubt, solange bestimmte Reinheitsstandards erfüllt sind.

Bescheidenheit und die Aurah-Bedeckung

Ein zentrales Element der islamischen Kleiderordnung ist die Bedeckung der Aurah. Die Aurah des Mannes erstreckt sich nach der Mehrheitsmeinung der Gelehrten vom Bauchnabel bis zu den Knien. Es ist daher unerlässlich, dass die Kleidung diesen Bereich vollständig bedeckt. Dies bedeutet, dass transparente Kleidung, die die Haut durchscheinen lässt oder die Umrisse des Körpers allzu deutlich macht, strengstens untersagt ist. Kleidung sollte blickdicht sein und locker genug, um die Körperkonturen nicht zu betonen. Die Bedeckung der Aurah ist eine grundlegende Anforderung für die Gültigkeit des Gebets und ein Ausdruck von Schamhaftigkeit und Gottesfurcht.

Das Verbot der Nachahmung (Tashabbuh) von Nicht-Muslimen

Der Islam legt großen Wert auf die Bewahrung der muslimischen Identität. Dies beinhaltet auch die Vermeidung der Nachahmung von Nicht-Muslimen (Kuffar) in Bezug auf Kleidung, die spezifisch für deren religiöse Rituale oder kulturelle Identität ist. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) warnte davor, die Kleidung der Ungläubigen zu tragen, wie im Fall von 'Ali, der safranfarbene Gewänder trug, die als typisch für Nicht-Muslime galten. Dieses Verbot zielt darauf ab, die muslimische Gemeinschaft vor der Assimilation und dem Verlust ihrer einzigartigen Identität zu schützen. Es bedeutet nicht, dass Muslime keine Kleidung tragen dürfen, die auch von Nicht-Muslimen getragen wird, solange sie nicht spezifisch ein religiöses oder kulturelles Symbol darstellt, das im Widerspruch zum Islam steht.

Das Verbot der Geschlechter-Nachahmung

Ein weiteres wichtiges Verbot betrifft die Nachahmung des jeweils anderen Geschlechts in der Kleidung. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) verfluchte Männer, die Frauen nachahmen, und Frauen, die Männer nachahmen. Dies unterstreicht die islamische Betonung klar definierter Geschlechterrollen und -identitäten. Männer sollten Kleidung tragen, die männlich ist, und Frauen Kleidung, die weiblich ist. Dies schließt nicht aus, dass bestimmte Kleidungsstücke (wie T-Shirts oder Hosen) von beiden Geschlechtern getragen werden können, solange sie nicht spezifisch dem anderen Geschlecht zugeordnet werden oder die Geschlechtergrenzen verwischen. Es geht vielmehr um die Absicht und den Stil, der die natürliche Unterscheidung zwischen Mann und Frau respektiert und fördert.

Sunnah-Praktiken beim An- und Ausziehen

Der Islam lehrt, dass selbst die alltäglichsten Handlungen zu Akten der Anbetung werden können, wenn sie mit der richtigen Absicht und gemäß der Sunnah des Propheten (Friede sei mit ihm) ausgeführt werden. Das An- und Ausziehen von Kleidung bildet hier keine Ausnahme:

  • Mit rechts beginnen: Es ist Sunnah, beim Anziehen der Kleidung mit der rechten Seite zu beginnen. Dies gilt auch für andere Handlungen wie die Gebetswaschung (Wudhu) oder das Essen. Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: „Wenn ihr euch (Kleidung) anzieht und die Gebetswaschung (Wudhu) vollzieht, dann beginnt mit euren Rechten.“ Dies symbolisiert Segen und Reinheit.
  • „Bismillah“ sagen: Bevor man Kleidung anzieht, ist es ratsam, „Bismillah“ (Im Namen Allahs) zu sagen. Dies erinnert den Muslim daran, dass alle Handlungen mit der Erinnerung an Allah beginnen sollten.
  • Mit links ausziehen: Beim Ausziehen der Kleidung beginnt man entsprechend mit der linken Seite.

Dankbarkeit und Bittgebete für neue Kleidung

Wenn ein Muslim neue Kleidung erhält oder trägt, ist es erwünscht und eine Sunnah, Allah (erhaben und mächtig ist Er) dafür zu danken und Bittgebete zu sprechen. Dies zeigt Wertschätzung für die Gaben Allahs und die Erkenntnis, dass alles Gute von Ihm kommt. Der Prophet (Friede sei mit ihm) pflegte, wenn er neue Kleidung trug, diese beim Namen zu nennen und dann zu sagen: „O Allah, Dein ist das Lob, Du hast mich damit gekleidet. Ich bitte Dich um sein Gutes und das Gute, für das es gemacht wurde, und ich suche Zuflucht bei Dir vor seinem Übel und dem Übel, für das es gemacht wurde.“ Dieses Bittgebet ist ein Ausdruck von Demut und der Bitte um Segen für das neue Kleidungsstück.

Sauberkeit und Bescheidenheit: Die Balance finden

Islam legt großen Wert auf Sauberkeit und Reinheit, sowohl des Körpers als auch der Kleidung. Es ist Teil des Glaubens, sich zu pflegen und saubere Kleidung zu tragen. Dies sollte jedoch nicht in Hochmut oder Übertreibung ausarten. Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: „Ins Paradies wird nicht eintreten, wer auch nur ein klein wenig Hochmut in seinem Herzen hat.“ Als ein Mann fragte, ob es Hochmut sei, schöne Kleidung und Sandalen zu lieben, antwortete der Prophet: „Wahrlich, Allah ist schön und Er liebt das Schöne. Hochmut (jedoch) ist die selbstherrliche Ablehnung/Verleugnung der Wahrheit und die Geringschätzung/Verachtung der Menschen.“ Dies lehrt uns, dass Sauberkeit und Ästhetik erwünscht sind, solange sie nicht zu Arroganz oder der Herabsetzung anderer führen. Die Schönheit der Kleidung sollte Ausdruck innerer Reinheit und Dankbarkeit sein, nicht des Wunsches, andere zu übertreffen oder zu dominieren.

Die Vorliebe für weiße Kleidung

Weiße Kleidung wird im Islam besonders empfohlen. Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: „Tragt weiße Kleidung, denn sie gehört zu eurer besten Kleidung und hüllt eure Toten darin (in weiße Leichentücher) ein.“ Die Farbe Weiß symbolisiert Reinheit, Sauberkeit und Einfachheit, Werte, die im Islam hochgehalten werden. Sie ist auch die bevorzugte Farbe für den Ihram-Zustand während der Pilgerfahrt (Hajj und Umrah) und wird traditionell für die Bestattung der Toten verwendet. Obwohl andere Farben erlaubt sind, hat Weiß einen besonderen Stellenwert und wird als eine Farbe der Sunnah angesehen.

Welche Kleidung ist in der islamischen Kleidung erlaubt?
Das Tragen von Kleidung aus Wolle, Ziegenhaar und Kamelhaar ist rein und zulässig. Es ist Männern (und Frauen) nicht gestattet, dünne oder durchsichtige Kleidung zu tragen, die die 'Aurah nicht verdeckt. Es verstößt gegen die islamische Kleidungsordnung. Durchsichtige Kleidung für den Hauptkörper (vorne und hinten) ist für Männer nicht erlaubt.

Das Verbot von Isbal: Kleidung oberhalb der Knöchel

Eines der strengsten Verbote für Männer in Bezug auf Kleidung ist Isbal, das Herabhängenlassen der Kleidung unterhalb der Fußknöchel. Dies gilt für alle Arten von Kleidung, sei es ein Gewand (Thobe), eine Hose oder ein Lendentuch (Izar). Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) warnte mit Nachdruck davor: „Was vom Lendentuch (Izar/Untergewand) unterhalb der beiden Fußknöchel ist, ist im (Höllen)feuer.“ Und in einem weiteren Hadith wird erwähnt, dass Allah am Tage der Auferstehung nicht mit demjenigen sprechen, ihn anschauen oder läutern wird, der Isbal praktiziert. Die Gründe für dieses Verbot sind vielfältig:

  • Vermeidung von Hochmut: Historisch gesehen war das Herabhängenlassen der Kleidung ein Zeichen von Arroganz und Prahlerei.
  • Sauberkeit und Hygiene: Es verhindert, dass die Kleidung den Boden berührt und dadurch verschmutzt wird.
  • Schutz vor Schirk: Einige Gelehrte sehen darin auch eine Abgrenzung zu Praktiken, die mit Götzendienst oder Aberglauben verbunden sein könnten.

Es ist daher von größter Wichtigkeit, dass Männer ihre Kleidung so tragen, dass sie die Fußknöchel nicht bedeckt.

AspektErklärung zum Isbal (Kleidung unterhalb der Knöchel)
DefinitionDas Herablassen jeglicher Kleidung (Hosen, Gewänder, etc.) unterhalb der Fußknöchel für Männer.
Status im IslamStreng verboten (Haram) für Männer, unabhängig von der Absicht (Hochmut oder nicht).
BeweiseZahlreiche Hadithe des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), die vor Isbal warnen und schwere Strafen dafür ankündigen (z.B. Höllenfeuer, Allahs Zorn).
Gründe für das Verbot
  • Vermeidung von Hochmut und Arroganz.
  • Bewahrung der Reinheit und Sauberkeit der Kleidung.
  • Abgrenzung von schlechten Gewohnheiten oder Prahlerei.
AusnahmeFür Frauen ist es erlaubt, ihre Kleidung über die Knöchel hinaus zu verlängern, um ihre Aurah besser zu bedecken und ihre Bescheidenheit zu wahren.

Das Verbot der Kleidung der Berühmtheit (Libas ash-Shuhra)

Ein weiteres Verbot betrifft das Tragen von Libas ash-Shuhra, der Kleidung der Berühmtheit oder des Ansehens. Dies ist Kleidung, die dazu bestimmt ist, sich von anderen abzuheben, Aufmerksamkeit zu erregen und Stolz oder Prahlerei auszudrücken. Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: „Wer die Kleidung der Berühmtheit trägt, so zieht ihm Allah am Jüngsten Tag ein gleiches Kleid an.“ Und in einer anderen Überlieferung heißt es: „die Kleidung der Demütigung.“ Dieses Verbot soll die Demut fördern und die Muslime davor bewahren, Kleidung als Mittel zur Selbstdarstellung oder zur Erlangung von Ruhm zu nutzen. Es geht nicht darum, keine schöne oder qualitativ hochwertige Kleidung zu tragen, sondern darum, übermäßige Exzentrik oder Kleidung, die ausschließlich dazu dient, Aufsehen zu erregen und andere herabzusetzen, zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Dürfen Männer Jeans oder westliche Kleidung tragen?

Ja, Männer dürfen Jeans oder andere Formen westlicher Kleidung tragen, solange diese die islamischen Richtlinien erfüllen. Das bedeutet, die Kleidung muss die Aurah bedecken (vom Bauchnabel bis zu den Knien), nicht zu eng oder transparent sein und nicht spezifisch die Kleidung von Ungläubigen imitieren, die religiöse oder identitätsstiftende Bedeutung hat. Die Länge der Hose muss über den Knöcheln enden (Isbal-Verbot).

Ist schwarze Kleidung für Männer erlaubt?

Ja, schwarze Kleidung ist für Männer erlaubt. Es gibt keine spezifische Farbe, die verboten ist, außer solchen, die für die Imitation von Nicht-Muslimen oder Frauen verwendet werden. Schwarz ist eine weit verbreitete und akzeptierte Farbe im Islam, und es gibt Überlieferungen, dass der Prophet (Friede sei mit ihm) auch schwarze Kleidung trug.

Was genau ist die Aurah des Mannes?

Die Aurah des Mannes ist der Bereich seines Körpers, der vor anderen (außer der Ehefrau) bedeckt sein muss. Nach der Mehrheitsmeinung der islamischen Gelehrten erstreckt sich die Aurah des Mannes vom Bauchnabel bis einschließlich der Knie. Es ist wichtig, dass dieser Bereich vollständig und blickdicht bedeckt ist.

Darf ein Muslim teure Markenkleidung tragen?

Das Tragen teurer Markenkleidung ist an sich nicht verboten, solange es nicht in Arroganz, Prahlerei oder das Verbot der Kleidung der Berühmtheit (Libas ash-Shuhra) mündet. Wenn die Absicht dahinter ist, anzugeben oder sich über andere zu erheben, dann ist es nicht erlaubt. Wenn es jedoch einfach eine Vorliebe für Qualität oder Ästhetik ist und man bescheiden bleibt, gibt es kein Verbot.

Gibt es Ausnahmen für das Seiden- und Goldverbot für Männer?

Für Männer ist das Tragen von reiner Seide und Gold generell verboten. Eine geringfügige Menge Seide, die in anderen Stoffen (z.B. bis zu 4 Fingerbreiten) eingewebt ist, wird von einigen Gelehrten toleriert, aber reiner Seidenstoff oder Gold als Schmuck ist nicht erlaubt. Ausnahmen können in medizinischen Notfällen gemacht werden, wenn dies die einzige verfügbare oder wirksame Behandlung ist.

Fazit

Die islamische Kleiderordnung für Männer ist ein umfassendes System, das darauf abzielt, Bescheidenheit, Reinheit und eine klare muslimische Identität zu fördern. Von der Vermeidung verbotener Materialien wie Seide und Gold bis zur Einhaltung der Aurah-Bedeckung und dem Verbot von Isbal und Libas ash-Shuhra – jede Regel dient einem höheren Zweck. Es geht darum, Kleidung nicht nur als äußere Hülle zu betrachten, sondern als einen Ausdruck des inneren Glaubens und der Hingabe an Allah. Indem Muslime diese Richtlinien befolgen, können sie nicht nur die Zufriedenheit ihres Schöpfers erlangen, sondern auch ein Vorbild für Anstand und Würde in der Gesellschaft sein. Möge Allah uns allen die Einsicht und Stärke geben, Seinen Geboten in allen Aspekten unseres Lebens zu folgen.

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