16/09/2023
Die Moschee, arabisch „Masjid“ (Ort der Niederwerfung), ist mehr als nur ein Gebäude; sie ist das Herzstück der muslimischen Gemeinschaft, ein Ort der Anbetung, der Besinnung und des Zusammenkommens. Seit den Anfängen des Islam haben sich vielfältige Traditionen und Verhaltensweisen entwickelt, die den Respekt vor diesem heiligen Raum und die Einheit der Gläubigen widerspiegeln. Doch wie in jeder lebendigen Tradition gibt es auch hier Entwicklungen und Anpassungen, die sich über die Jahrhunderte in verschiedenen Kulturen und Regionen herausgebildet haben. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Traditionen und Regeln, die das Leben in und um die Moschee prägen.

Eines der auffälligsten Merkmale vieler Moscheen weltweit ist die Trennung der Geschlechter während des Gebets. Diese Praxis, die heute weit verbreitet ist, hat eine interessante historische Entwicklung durchlaufen und ist Gegenstand vieler Diskussionen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft.
- Die Trennung der Geschlechter in Moscheen: Eine Entwicklung über die Jahrhunderte
- Verhaltensregeln beim Betreten und Verlassen der Moschee
- Gemeinschaft und Rückzug: Aktivitäten in der Moschee
- Die Bedeutung der Gebetsreihen: Ordnung im Gebet
- Besondere Orte, Besondere Regeln: Die Haram- und Prophetenmoschee
- Der Freitag in der Moschee: Ein Tag der Gemeinschaft und des Segens
- Häufig gestellte Fragen zu Moschee-Traditionen
Die Trennung der Geschlechter in Moscheen: Eine Entwicklung über die Jahrhunderte
Die Art und Weise, wie Männer und Frauen in Moscheen gemeinsam beten oder getrennt sitzen, hat sich im Laufe der Geschichte und in verschiedenen Ländern unterschiedlich entwickelt. In den allerersten Moscheen, die zur Zeit des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) errichtet wurden, gab es oft nur einen einzigen großen Gebetsraum. In diesem Raum beteten alle gemeinsam: Die Männer standen in den vorderen Reihen, direkt hinter ihnen folgten die Frauen, und dazwischen konnte es Bereiche geben, in denen sich Kinder aufhielten oder spielten. Diese ursprüngliche Anordnung spiegelte die Einfachheit und die unmittelbare Nähe der frühen muslimischen Gemeinschaft wider.
Mit der Zeit und der Ausbreitung des Islam in verschiedenen geografischen und kulturellen Kontexten entstanden jedoch unterschiedliche Traditionen. Heute ist es in den meisten Moscheen üblich, dass Männer und Frauen in getrennten Bereichen beten. Oft beten die Männer im großen Gebetsraum vorne, während die Frauen dahinter platziert sind. Diese Bereiche können durch Vorhänge oder halbtransparente Holzgitter voneinander abgetrennt sein, um eine gewisse Privatsphäre zu gewährleisten, ohne die visuelle Verbindung zur Gebetsleitung vollständig zu unterbrechen.
In einigen Moscheen finden Frauen ihre Gebetsplätze auf einer erhöhten Galerie oder Empore, was ihnen eine gute Sicht auf den Imam und die Gebetsgemeinschaft ermöglicht. Wieder andere Moscheen verfügen über vollständig separate Räume für Frauen, die manchmal sogar über einen eigenen Eingang verfügen. Diese Vielfalt der Arrangements zeigt die Anpassungsfähigkeit der islamischen Architektur und Gemeindepraxis an lokale Gegebenheiten und Interpretationen. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet die Große Moschee in Mekka, die Kaaba, wo Männer und Frauen auch heute noch Schulter an Schulter beten, was die universelle Natur des Hadsch und der Umrah unterstreicht.
Für viele Musliminnen ist die Situation der Gebetsplätze jedoch nicht immer ideal. Leider gibt es Moscheen, in denen der Platz für Frauen sehr begrenzt oder gar nicht vorhanden ist. Dies kann für Frauen, die ebenfalls die Ruhe und den Segen des gemeinsamen Gebets in der Moschee suchen oder dort den Koran lesen möchten, eine frustrierende Situation darstellen. Es unterstreicht die Notwendigkeit, dass Moscheegemeinden die Bedürfnisse aller ihrer Mitglieder berücksichtigen und angemessene, würdevolle Gebetsräume für Frauen zur Verfügung stellen.
Verhaltensregeln beim Betreten und Verlassen der Moschee
Das Betreten einer Moschee ist ein Akt der Ehrfurcht und des Respekts vor einem heiligen Ort. Es gibt bestimmte Verhaltensregeln, die dabei beachtet werden sollten, um die spirituelle Atmosphäre zu wahren. Beim Betreten der Moschee ist es üblich, den rechten Fuß zuerst zu setzen. Dies ist eine Tradition, die aus der Sunna des Propheten Muhammad abgeleitet ist und als Zeichen des Respekts gilt. Ebenso wichtig ist es, sich in einem Zustand der rituellen Reinheit zu befinden. Das bedeutet, dass man vor dem Betreten die kleine Gebetswaschung (Wudu) oder bei Bedarf die große Ganzwaschung (Ghusl) vollzogen haben sollte. Schöne und saubere Kleidung zu tragen und sich zu parfümieren, insbesondere für das Freitagsgebet, ist ebenfalls eine geschätzte Praxis, die die Bedeutung des Anlasses unterstreicht.
Das Verlassen der Moschee erfolgt traditionell mit dem linken Fuß zuerst, begleitet von einem speziellen Bittgebet (Dua). Der Muslim sagt: „Im Namen Allâhs! O Allâh, halte Muhammad in Ehren. O Allâh, ich bitte Dich um Deine Gunstbezeigung!“ (Überliefert von Imâm Muslim). Dieses Bittgebet drückt die Dankbarkeit für die spirituelle Erfahrung in der Moschee aus und bittet um weitere Segnungen.
Wichtige Verbote und Empfehlungen im Moscheebereich
Die Heiligkeit der Moschee bringt auch bestimmte Verbote mit sich, die den reinen Charakter des Ortes schützen sollen:
Verbot des Verweilens eines rituell Unreinen oder einer Frau während ihrer Periode: Personen im Zustand der großen rituellen Unreinheit (Janaba) oder Frauen während ihrer Menstruation dürfen nicht im Gebetsraum verweilen. Es ist ihnen jedoch erlaubt, die Moschee zu passieren, um eine Angelegenheit zu erledigen, ohne sich dort aufzuhalten. Der Qur’an sagt dazu: „O ihr, die den Glauben verinnerlichen! Nähert euch nicht dem rituellen Gebet, während ihr trunken seid, bis ihr wisst, was ihr sagt, und nicht im Zustand der großen rituellen Unreinheit, es sei denn in vorbeigehender Weise, bis dass ihr die Ganzwaschung des Körpers vorgenommen habt! ...“ (Sûra 4:43). Diese Regel dient dazu, die Reinheit des Gebetsraumes zu bewahren, da das Gebet selbst einen Zustand der rituellen Reinheit erfordert.
Verbot des Errichtens einer Moschee auf einem Grab und übermäßiger Schmückung: Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) warnte davor, Gräber zu Moscheen zu machen, indem er sagte: „Möge Allâh die Juden verfluchen! Sie haben sich die Gräber ihrer Propheten zu Moscheen genommen.“ (Überliefert von Al-Buchârî und Imâm Muslim). Dies soll jegliche Form von Götzendienst oder der Verehrung von Gräbern verhindern, die den Fokus vom alleinigen Gottesdienst ablenken könnte. Ebenso wurde vor übermäßiger Schmückung der Moscheen gewarnt. Der Prophet sagte: „Ich wurde nicht mit der übertriebenen Schmückung der Moscheen beauftragt.“ (Überliefert von Abû Dâwûd). Umar ibn Al-Chattâb, ein früher Kalif, gab Anweisung, beim Bau einer Moschee auf schlichte Materialien zu achten, um die Menschen nicht vom Gebet abzulenken. Dies unterstreicht die Bedeutung der Bescheidenheit und des Fokus auf die spirituelle Funktion des Gotteshauses.
Bauen der Moschee im Streben nach dem Antlitz Allâhs: Im Gegensatz zur übermäßigen Schmückung wird der Bau einer Moschee aus reiner Absicht, um Allahs Wohlgefallen zu erlangen, hoch belohnt. Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: „Wer eine Moschee baut und damit das Antlitz Allâhs erstrebt, dem baut Allâh dasselbe im Paradies.“ (Überliefert von Al-Buchârî und Imâm Muslim). Dies betont die immense Belohnung für Taten, die aufrichtig für Allah verrichtet werden.
Verbot des Kaufes und Verkaufes in der Moschee: Die Moschee ist kein Marktplatz. Der Gesandte Allâhs (Friede sei mit ihm) sagte: „Wenn ihr jemanden seht, der in der Moschee verkauft oder kauft, dann sagt: »Möge Allâh deinem Handel keinen Gewinn bescheren!« Und wenn ihr jemanden seht, der laut nach etwas Verlorenem fragt, dann sagt: »Möge Allâh es dir nicht zurückbringen!«“ (Überliefert von At-Tirmidhî und An-Nasâ’î). Diese Regel dient dazu, die Moschee als Ort der Anbetung und des Gedenkens reinzuhalten von weltlichen Ablenkungen und kommerziellen Aktivitäten.
Gemeinschaft und Rückzug: Aktivitäten in der Moschee
Neben den täglichen Gebeten ist die Moschee auch ein Ort für verschiedene andere spirituelle und gemeinschaftliche Aktivitäten:
I’tikâf (Das Sich-Zurückziehen)
Der I’tikâf ist eine besondere Form der Anbetung, bei der sich ein Muslim für eine bestimmte Zeit in der Moschee zurückzieht, um sich intensiv Allah durch gute Handlungen wie rituelles Gebet, Gedenken (Dhikr), Lobpreis und Bittgebete zu nähern. Der Muslim kann jede beliebige Zeitspanne für den I’tikâf wählen und ihn jederzeit beenden. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) pflegte den I’tikâf insbesondere in den letzten zehn Tagen des Ramadân zu verrichten, wobei er in der Moschee blieb und sie erst zum Festgebet verließ. Diese Praxis ermöglicht eine tiefe spirituelle Konzentration und Loslösung von weltlichen Ablenkungen.
Schlafen in der Moschee
Es ist prinzipiell erlaubt, in der Moschee zu schlafen. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) und seine Gefährten schliefen gelegentlich in der Moschee, insbesondere wenn sie auf Reisen waren oder sich für den I’tikâf zurückzogen. Wichtig dabei ist jedoch, dass der Muslim stets auf die Sauberkeit und Ordnung der Moschee achtet und andere nicht stört. Die Moschee ist ein Ort der Ruhe und des Friedens, und diese Atmosphäre sollte durch angemessenes Verhalten bewahrt werden.

Die Bedeutung der Gebetsreihen: Ordnung im Gebet
Die Ausrichtung der Gebetsreihen ist ein wesentlicher Bestandteil des gemeinschaftlichen Gebets und symbolisiert die Einheit und Disziplin der Muslime. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) legte großen Wert darauf, die Reihen für das Gebet gerade und geschlossen auszurichten. Er pflegte zu sagen: „Richtet gerade aus und unterscheidet euch nicht, damit sich eure Herzen nicht unterscheiden! Die Reifenden und Verständigen sollen direkt hinter mir beten!“ (Überliefert von Imâm Muslim). Diese Anweisung betont, dass die physische Ausrichtung der Reihen eine Metapher für die Einheit der Herzen und den gemeinsamen Fokus auf Allah ist.
Die Anordnung der Reihen folgt einer festgelegten Ordnung: Die Männer stehen in den ersten Reihen, direkt dahinter folgen die Jungen und Kinder, und im hinteren Teil der Moschee oder in den dafür vorgesehenen separaten Bereichen beten die Frauen. Diese Struktur sorgt für eine geordnete und respektvolle Gebetsumgebung, die Ablenkungen minimiert und die Konzentration auf das Gebet fördert. Der Prophet (Friede sei mit ihm) betonte: „Richtet eure Reihen gerade aus, denn das gerade Ausrichten der Reihen gehört zur vollständigen Verrichtung des rituellen Gebets!“ (Überliefert von Imâm Muslim). Dies unterstreicht die Wichtigkeit dieser Praxis für die Gültigkeit und Vollkommenheit des Gebets.
Besondere Orte, Besondere Regeln: Die Haram- und Prophetenmoschee
Die Haram-Moschee in Mekka und die Prophetenmoschee in Medina sind die beiden heiligsten Stätten im Islam und haben jeweils spezifische Verhaltenskodizes, die ihre besondere Bedeutung widerspiegeln.
Verhaltenskodex für die Haram-Moschee (Mekka)
Beim Anblick der Haram-Moschee, die die Kaaba umschließt, ist das Herz eines Muslims tief gerührt. Es ist üblich, die Hände zu erheben und ein spezielles Bittgebet zu sprechen: „O Allâh, mehre diesem Haus Ruhm, Gewaltigkeit, Ehre und Erhabenheit und mehre dem, der es von den Pilgern der kleinen und großen Pilgerfahrt rühmt und ehrt, Ruhm, Ehre, Großartigkeit und Frömmigkeit!“ (Überliefert von Imâm Asch-Schâfi’î). Dieses Bittgebet drückt die Ehrfurcht und die Bewunderung für das Haus Allahs aus.
Nach dem Bittgebet begibt man sich zum Schwarzen Stein und küsst ihn, falls dies möglich ist. Ist dies aufgrund der Menschenmenge nicht machbar, genügt es, mit der Hand auf ihn zu zeigen. Anschließend beginnt man den Tawâf, das rituelle Umschreiten der Kaaba. Ein wichtiger Unterschied zu anderen Moscheen ist, dass in der Haram-Moschee kein separates Gebet zur Ehrerbietung der Moschee (Tahiyyat al-Masjid) verrichtet wird, da der Tawâf selbst als die Form der Ehrerbietung für dieses heilige Haus gilt.
Verhaltenskodex für die Prophetenmoschee (Medina)
Der Besuch der Prophetenmoschee in Medina, wo das Grab des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) liegt, ist ebenfalls mit besonderen Regeln verbunden. Beim Betreten der Moschee ist es ratsam, Ruhe und Würde zu bewahren. Es ist gut, parfümiert zu sein und schöne Kleidung zu tragen. Man spricht ein Bittgebet beim Betreten der Moschee und verrichtet dann zwei Rak’as (Gebetseinheiten) zur Ehrerbietung der Moschee in Ar-Rauda. Ar-Rauda ist ein besonders segensreicher Bereich zwischen dem Gemach des Gesandten Allâhs und dem Rednerpodest (Minbar).
Nach dem Gebet in Ar-Rauda besucht der Muslim das Grab des Propheten, um ihm den Gruß zu entbieten. Anschließend bewegt man sich ein wenig nach rechts, um Abû Bakr, dem ersten Kalifen, seinen Gruß zu entbieten, und danach noch ein Stück weiter, um dem zweiten Kalifen Umar seinen Gruß zu sprechen. Danach wendet man sich in Gebetsrichtung (Qibla) und spricht ein beliebiges Bittgebet.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Muslim es vermeiden sollte, das edle Gemach oder die Gräber zu berühren oder gar zu küssen. Der Prophet (Friede sei mit ihm) warnt davor, sein Grab zu verherrlichen, indem er sagte: „Nehmt mein Grab nicht zu einem Fest!“ (Überliefert von Abû Dâwûd). Dies dient dazu, die Verehrung allein Allah vorzubehalten und jegliche Form von Anbetung oder übertriebener Ehrfurcht vor Geschöpfen zu vermeiden, selbst vor dem Propheten.
Der Freitag in der Moschee: Ein Tag der Gemeinschaft und des Segens
Der Freitag ist im Islam ein besonderer Tag, der Tag des gemeinschaftlichen Gebets (Jumu'ah) und der Predigt (Khutba). Es gibt spezifische Verhaltensregeln, die sich vor allem auf das Gehen zur Moschee am Freitag beziehen, um den maximalen Segen dieses Tages zu erlangen:
Rituelle Ganzwaschung, Sich-Schönmachen und Parfümieren
Für das Freitagsgebet wird die rituelle Ganzwaschung (Ghusl) dringend empfohlen. Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: „Ein Mann, der am Freitag die rituelle Ganzwaschung verrichtet, sich reinigt, wie er kann, und von seinem Öl aufträgt oder das Parfüm seines Hauses verwendet, daraufhin zur Moschee geht und nicht zwischen Zweien trennt, daraufhin das betet, was er kann, daraufhin dem Imâm aufmerksam zuhört, wenn dieser redet, dem wird von diesem Freitag bis zum nächsten Freitag vergeben.“ (Überliefert von Al-Buchârî und Imâm Ahmad). Diese Tradition unterstreicht die Bedeutung der körperlichen und spirituellen Reinheit für diesen besonderen Tag.
Frühzeitiges Gehen in die Moschee
Das frühzeitige Erscheinen in der Moschee am Freitag wird mit immensen Belohnungen verbunden. Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: „Wer am Freitag die rituelle Gebetswaschung (wie eine rituelle Gebetswaschung auf Grund einer Unreinheit) verrichtet und in der ersten Stunde zur Moschee geht, dem ist, als hätte er ein Kamel geopfert. Und wer in der zweiten Stunde geht, dem ist, als hätte er eine Kuh geopfert. Und wer in der dritten Stunde geht, dem ist, als hätte er ein gehörntes Schaf geopfert. Und wer in der vierten Stunde geht, dem ist, als hätte er ein Huhn geopfert. Und wer in der fünften Stunde geht, dem ist, als hätte er ein Ei geopfert. Und wenn der Imâm erscheint, finden sich die Engel ein und hören dem Gedenken Allâhs (in der Freitagsansprache) aufmerksam zu.“ (Überliefert von Al-Buchârî und Imâm Muslim). Diese bildhafte Darstellung motiviert die Gläubigen, sich frühzeitig auf den Weg zur Moschee zu machen.
Verbot des Passierens der Nacken
Während der Freitagsansprache ist es wichtig, die Ruhe und Konzentration der Betenden nicht zu stören. Ein Mann kam einmal, um das Freitagsgebet mit dem Gesandten Allahs (Friede sei mit ihm) zu beten, und passierte dabei die Nacken der Menschen, um nach vorne zu gelangen. Der Prophet (Friede sei mit ihm), der gerade die Freitagsansprache hielt, sagte zu ihm: „Setz dich, denn du hast gestört und dich verspätet!“ (Überliefert von Abû Dâwûd, An-Nasâ’î und Imâm Ahmad). Dies lehrt uns, Rücksicht auf andere zu nehmen und keine unnötigen Störungen zu verursachen, insbesondere während der Predigt.
Das aufmerksame Zuhören der Freitagsansprache (Khutba) des Imams ist von größter Bedeutung. Der Muslim sollte aufmerksam zuhören, was an Erinnerung und Ermahnung zu sagen ist, um daraus Nutzen zu ziehen. Es ist sogar verboten, während der Khutba zu sprechen, selbst wenn es nur eine Ermahnung an den Nebenmann ist. Von Abû Huraira ist überliefert, dass der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: „Wenn du zu deinem Gefährten am Freitag, während der Imâm die Freitagsansprache hält, sagst »Hör zu!«, hast du bereits Überflüssiges geredet.“ (Überliefert von Al-Buchârî, Imâm Muslim, Abû Dâwûd, At-Tirmidhî, An-Nasâ’î und Ibn Mâdscha). Dies unterstreicht die Notwendigkeit absoluter Stille und Konzentration während der Predigt, um die volle Wirkung der spirituellen Botschaft zu empfangen.
Häufig gestellte Fragen zu Moschee-Traditionen
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Warum beten Männer und Frauen in Moscheen getrennt? | Ursprünglich beteten Männer und Frauen im selben Raum, aber in getrennten Reihen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich in vielen Regionen Traditionen der physischen Trennung (Vorhänge, Galerien, separate Räume), um Konzentration und Bescheidenheit während des Gebets zu fördern und Ablenkungen zu minimieren. In der Großen Moschee in Mekka beten sie jedoch weiterhin nebeneinander. |
| Darf man in der Moschee schlafen? | Ja, das Schlafen in der Moschee ist grundsätzlich erlaubt, solange die Sauberkeit und Ordnung des Ortes gewahrt bleibt und andere nicht gestört werden. Der Prophet Muhammad und seine Gefährten haben dies gelegentlich getan. |
| Was bedeutet I’tikâf? | I’tikâf ist ein spiritueller Rückzug, bei dem ein Muslim für eine bestimmte Zeit in der Moschee verweilt, um sich ausschließlich der Anbetung Allahs zu widmen (Gebet, Gedenken, Koranlesen). Der Prophet Muhammad verrichtete ihn oft in den letzten zehn Tagen des Ramadan. |
| Warum darf man in der Moschee nichts kaufen oder verkaufen? | Die Moschee ist ein heiliger Ort der Anbetung und des Gedenkens an Allah. Kommerzielle Aktivitäten würden die spirituelle Atmosphäre stören und den Fokus von der eigentlichen Bestimmung des Ortes ablenken. |
| Was ist die Bedeutung des „gerade Ausrichtens der Reihen“ im Gebet? | Das gerade und geschlossene Ausrichten der Gebetsreihen symbolisiert die Einheit und Disziplin der muslimischen Gemeinschaft. Der Prophet Muhammad betonte, dass dies zur Vollständigkeit des Gebets gehört und die Einheit der Herzen fördert. |
| Gibt es spezielle Regeln für das Freitagsgebet? | Ja, es wird empfohlen, vor dem Freitagsgebet die rituelle Ganzwaschung (Ghusl) zu vollziehen, sich schön zu machen und zu parfümieren. Auch sollte man frühzeitig zur Moschee gehen und während der Predigt (Khutba) absolut still sein und aufmerksam zuhören. |
| Darf man Gräber in der Moschee verehren? | Nein, im Islam ist es strengstens verboten, Gräber in Moscheen zu verehren oder sie zu Orten der Anbetung zu machen. Dies soll jegliche Form von Götzendienst verhindern und den Fokus allein auf die Anbetung Allahs lenken. |
Die Moschee ist ein Ort der spirituellen Ruhe, der Gemeinschaft und des Lernens. Die hier beschriebenen Traditionen und Regeln dienen dazu, diese Funktionen zu stärken und eine Umgebung zu schaffen, die der Anbetung Allahs würdig ist. Sie sind ein Ausdruck der tiefen Ehrfurcht, die Muslime ihren Gotteshäusern entgegenbringen, und tragen dazu bei, die Einheit und den gemeinsamen Fokus der Gläubigen zu fördern. Das Verständnis dieser Traditionen ermöglicht nicht nur Muslimen eine tiefere Verbundenheit mit ihrem Glauben, sondern auch Nicht-Muslimen einen wertvollen Einblick in die reiche Kultur und Spiritualität des Islam.
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