Wie viele Gebote gibt es im Judentum?

Schma Israel: Das Herz des jüdischen Glaubens

23/07/2025

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Das Judentum, eine der ältesten monotheistischen Religionen der Welt, ist reich an Traditionen, Geboten und einer tiefen spirituellen Verbindung zu einem einzigen Gott, dem Schöpfer des Universums. Im Zentrum dieses Glaubens und seiner täglichen Praxis steht ein Gebet, das mehr als nur Worte ist: das „Schma Israel“. Es ist ein fundamentales Bekenntnis, das die Einheit Gottes betont und die Grundlage für das Verständnis des jüdischen Lebens bildet. Obwohl das Judentum kein einziges, allgemein gültiges und verbindliches Glaubensbekenntnis kennt, kommt das Schma Israel diesem Konzept am nächsten und ist das wichtigste Gebet, das Juden täglich rezitieren. Das Schma Israel (Höre Israel) ist eine kraftvolle Erklärung der Hingabe an Gott. Es beginnt mit den Worten aus Deuteronomium 6:4: „Schma Jisrael Adonai Eloheinu Adonai Echad!“ – „Höre, Israel: Der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig!“ Diese Worte sind nicht nur ein Gebet, sondern eine Lebenshaltung, die die absolute Einheit und Einzigartigkeit Gottes verkündet. Sie erinnern Juden an ihren Bund mit Gott und an die Verpflichtung, seine Gebote zu erfüllen. Die Rezitation des Schma Israel ist ein zentraler Bestandteil des morgendlichen und abendlichen Gebets und wird oft auch als letzte Worte vor dem Tod gesprochen, was seine tiefgreifende Bedeutung unterstreicht.

Was ist das wichtigste Gebet des Judentums?
Die Juden haben durch ihren Bund mit Gott seine Gebote zu erfüllen - wie streng, das sehen viele als Auslegungssache. „Schma Israel“ (Höre Israel) lautet das wichtigste Gebet des Judentums, das zugleich Züge eines Glaubensbekenntnisses trägt. Ein allgemein gültiges und verbindliches Bekenntnis ist dem Judentum allerdings fremd.
Inhaltsverzeichnis

Die Fundamente des jüdischen Glaubens

Der Glaube an einen einzigen Gott, der das Universum erschaffen hat und es weiterhin lenkt, ist die absolute Grundlage des Judentums. Dieser Gott ist nicht fern, sondern personal und im Gebet ansprechbar. Sein Eigenname, JHWH, wird aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen, sondern durch Ersatzworte wie „Adonai“ (mein Herr) oder „HaSchem“ (der Name) ersetzt. Das Wirken Gottes zeigt sich in der Geschichte seines Volkes, Israel, deren Erzählung als Geschichte des göttlichen Handelns interpretiert wird. Der Bund mit Gott, der zuerst mit Abraham geschlossen und dann mit Isaak, Jakob und Moses erneuert wurde, verpflichtet das jüdische Volk zur Einhaltung göttlicher Gebote.

Die Thora: Quelle des Lebens und der Lehre

Das Herzstück des jüdischen religiösen Lebens und die wichtigste Quelle des Glaubens ist die Thora. Sie umfasst die fünf Bücher Mose und gilt als wörtliche Offenbarung Gottes an Moses auf dem Berg Sinai. Zusammen mit den „Nevi’im“ (Propheten) und den „Ketuvim“ (Schriften) bildet die Thora den „Tanach“, die hebräische Bibel. Die darin enthaltenen Texte sind normativ für die jüdische Religion und dienen als Leitfaden für das gesamte Leben. Neben dem Tanach existiert der Talmud, ein umfangreiches Werk, das die Mischna und die Gemara umfasst. Die Mischna ist die verschriftlichte mündliche Lehre, die nach traditionellem jüdischem Verständnis Mose zusätzlich zur schriftlichen Thora von Gott erhalten hat. Sie enthält vor allem Bestimmungen zum jüdischen Religionsgesetz und seine Auslegung. Die Gemara ist eine Kommentierung und Erweiterung der Mischna. Der Talmud ist ein zentrales Werk für das Studium und die Auslegung des jüdischen Rechts und der Tradition.

Die 613 Mitzwot: Gebote für ein gottgefälliges Leben

Laut dem Talmud finden sich in der Thora 613 „Mitzwot“ (Plural von „Mitzwa“ = Gebot). Diese Gebote umfassen eine breite Palette von Lebensbereichen, darunter Speisenvorschriften (Kaschrut), Reinheitsgebote, ethische Vorschriften und das Gebot, den Sabbat einzuhalten. Die Einhaltung dieser Gebote ist ein zentraler Ausdruck der Bundestreue und der Hingabe an Gott. Ab dem 13. Lebensjahr sind jüdische Jungen zur Einhaltung der Gebote Gottes verpflichtet und werden zum Bar Mizwa (Sohn des Gebots). Mädchen werden ab dem zwölften Lebensjahr zur Bat Mizwa (Tochter des Gebots) und übernehmen ebenfalls die Verantwortung für die Einhaltung der Mitzwot. Diese Übergangsriten markieren den Eintritt in die religiöse Mündigkeit. Ein weiteres wichtiges Zeichen des Bundes ist die Beschneidung neugeborener Jungen. Dieser Brauch, der im Judentum als „Brit Mila“ bekannt ist, wird acht Tage nach der Geburt vollzogen und symbolisiert die ewige Verbindung zwischen Gott und seinem Volk.

Vielfalt im Judentum: Unterschiedliche Schriftauffassungen

Das Judentum ist keine monolithische Religion; es gibt verschiedene Strömungen, die sich insbesondere in ihrem Verständnis der Schrift und der Auslegung der Gebote unterscheiden. Dies spiegelt sich in den drei großen Strömungen wider:

StrömungThora-VerständnisMitzwot-Verständnis
Orthodoxes JudentumThora und Mischna wurden wörtlich von Gott offenbart und verfasst.Alle 613 Gebote sind unbedingt und für alle Juden verbindlich. Strikte Einhaltung.
ReformjudentumThora ist Offenbarung Gottes, aber von Menschen verfasst.Schrift und Gebote können neu ausgelegt werden. Betonung der ethischen Prinzipien.
Konservatives JudentumÄhnliches Offenbarungsverständnis wie Reformjudentum (göttliche Offenbarung in menschlicher Form).Hält verstärkt an Geboten und Traditionen fest, aber mit Offenheit für moderne Interpretationen.

Diese Dreiteilung ist jedoch nicht absolut; es gibt eine Vielzahl kleinerer Denominationen und individuelle Juden, die sich keiner festgelegten Strömung zugehörig fühlen.

Jenseitsvorstellungen und der Messias

Im Judentum spielten Jenseitsvorstellungen über lange Zeit eine untergeordnete Rolle. Gott war der Gott der Lebenden, und der Tod wurde primär als Trennung von Gott verstanden. Die jüdische Unterwelt, der „Scheol“, war ein unbestimmter Ort der Schatten. Der Gedanke der Auferstehung kam erst verhältnismäßig spät auf, mit Anklängen im Buch Daniel aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., das ein postmortales Gericht und eine Auferstehungslehre andeutet. Die jüdische Heilserwartung ist primär irdischer Natur und findet Ausdruck in der Vorstellung des Messias („der Gesalbte“). Der Messias ist keine Erlöserfigur im christlichen Sinne, sondern eine menschliche Gestalt, die eine messianische Ära des Friedens und der Gerechtigkeit auf Erden einleiten wird. Im Judentum gibt es keine Erbsünde; jeder Mensch sündigt im Laufe seines Lebens, aber aufrichtige Reue führt zur Versöhnung mit Gott. Daher bedarf der Mensch keiner Erlösung von einer universellen Sünde.

Keine Mission im Judentum: Die Sieben Noahidischen Gebote

Anders als viele andere Religionen kennt das Judentum keine Mission. Die enge Verschränkung von Volksgemeinschaft und Religion stand solchen Bestrebungen entgegen. Die Frage nach dem Verhältnis Gottes zu den Nichtjuden wurde jedoch im Rahmen des Monotheismus relevant. Aus der Noah-Erzählung, die einen Bund zwischen Gott und Noah (der vor Abraham lebte und somit kein Jude war) beschreibt, leiteten die Rabbiner die Sieben Noahidischen Gebote ab. Diese Gebote gelten für alle Nichtjuden und umfassen grundlegende ethische Prinzipien wie das Verbot des Götzendienstes, des Mordes, des Diebstahls, der sexuellen Unmoral, des Gotteslästerns, des Verzehrs von Gliedmaßen lebender Tiere und das Gebot, Rechtssysteme einzurichten. Wer sich als Nichtjude an diese Gebote hält, gilt im Judentum als „Zaddik“ (Gerechter) und hat Anteil an der kommenden Welt.

Häufig gestellte Fragen zum Judentum

Was ist das „Schma Israel“ und warum ist es so wichtig?

Das „Schma Israel“ ist das wichtigste Gebet im Judentum und zugleich eine zentrale Glaubenserklärung. Es bekräftigt die absolute Einheit und Einzigartigkeit Gottes und die Hingabe des jüdischen Volkes an Ihn. Es ist eine tägliche Erinnerung an den Bund mit Gott und die Verpflichtung zur Einhaltung seiner Gebote. Es wird morgens und abends rezitiert und gilt als letztes Bekenntnis vor dem Tod.

Wie viele Gebote gibt es im Judentum?

Laut dem Talmud gibt es 613 Gebote, die sogenannten „Mitzwot“, die in der Thora enthalten sind. Diese umfassen eine Vielzahl von Vorschriften für das religiöse und alltägliche Leben, wie Speisevorschriften, Reinheitsgebote und die Einhaltung des Sabbats.

Was ist der Unterschied zwischen Thora und Talmud?

Die Thora sind die fünf Bücher Mose und bilden den Kern des Tanach (hebräische Bibel). Sie gilt als die schriftliche Offenbarung Gottes. Der Talmud hingegen ist ein umfangreiches Werk, das die Mischna (die verschriftlichte mündliche Lehre) und die Gemara (Kommentare zur Mischna) enthält. Der Talmud dient der Auslegung und Anwendung der in der Thora enthaltenen Gesetze und Traditionen.

Gibt es eine Erbsünde im Judentum?

Nein, das Judentum kennt keine Erbsünde im Sinne des Christentums. Jeder Mensch ist für seine eigenen Sünden verantwortlich. Wenn ein Mensch sündigt, kann er durch aufrichtige Reue und Umkehr Versöhnung mit Gott erlangen. Der Mensch ist nicht von Geburt an durch eine Ursünde belastet.

Warum missioniert das Judentum nicht?

Das Judentum missioniert traditionell nicht aktiv, da die Religion eng mit der Identität des jüdischen Volkes verbunden ist. Dennoch gibt es grundlegende ethische Gebote, die für alle Menschen gelten – die Sieben Noahidischen Gebote. Wer diese als Nichtjude befolgt, gilt als gerecht und hat einen Anteil an der zukünftigen Welt.

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