24/01/2024
Inmitten der reichen Traditionen des christlichen Glaubens finden sich zahlreiche Rituale und Formulierungen, die den Gottesdienst prägen und Gläubige in ihrer Spiritualität begleiten. Zwei dieser zentralen Elemente sind das Votum und das Gebet. Während das Gebet eine universelle Ausdrucksform des Glaubens ist, die von persönlicher Zwiesprache bis hin zu gemeinschaftlichem Flehen reicht, bezeichnet das Votum eine spezifische, oft kurze Formel, die tief in der Liturgie verwurzelt ist. Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtige Bedeutung des Votums, von seinen lateinischen Wurzeln bis zu seiner vielfältigen Anwendung im Gottesdienst, und widmet sich einem besonderen Gebet, das die Wertschätzung für ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde ausdrückt.

- Was versteht man unter einem Votum? – Ursprung und Bedeutung
- Das Trinitarische Votum: Der Angelpunkt im Gottesdienst
- Vielfalt der Voten: Mehr als nur ein Anfang
- Das Gebet „Gott, wir danken...“: Ein Gebet der Wertschätzung und Stärkung
- Voten und Gebete im Vergleich: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
- Die spirituelle Bedeutung von Voten und Gebeten
- Häufig gestellte Fragen zu Voten und Gebeten
- Schlussgedanken
Was versteht man unter einem Votum? – Ursprung und Bedeutung
Das Wort „Votum“ stammt aus dem Lateinischen und birgt eine Fülle von Bedeutungen in sich: Es kann „Gelübde“, „Wunsch“, „Bitte“, aber auch „Meinung“, „Gutachten“ oder „Wahlstimme“ bedeuten. Im Kontext der christlichen Liturgie hat es jedoch eine ganz spezifische Definition angenommen. Hier bezeichnet ein Votum ein kurzes, in Wunschform gekleidetes Gebet oder eine Anwünschung göttlicher Gaben, oft als Segenswunsch verstanden. Es ist eine prägnante, formelhafte Äußerung, die einen Gottesdienst oder eine kirchliche Handlung einleitet, begleitet oder abschließt und dabei eine tiefe theologische Aussage transportiert.
Die Bedeutung des Votums liegt in seiner Funktion, den liturgischen Raum zu eröffnen und die Versammelten auf die Gegenwart Gottes auszurichten. Es ist mehr als nur eine Floskel; es ist eine bewusste Hinführung zum Heiligen, eine Erinnerung an die Grundlagen des Glaubens und eine Bitte um göttliche Begleitung für das, was folgt. Das Votum schafft einen Rahmen, in dem das liturgische Geschehen stattfinden kann, und verbindet die Gemeinde mit der universellen Kirche und ihrer Geschichte.
Das Trinitarische Votum: Der Angelpunkt im Gottesdienst
Wenn im gottesdienstlichen Zusammenhang vom „Votum“ die Rede ist, ist in aller Regel das sogenannte „trinitarische Votum“ gemeint. Diese Formel ist zweifellos das am häufigsten gebrauchte Votum in der christlichen Liturgie und leitet Gottesdienste sowie zahlreiche Amtshandlungen regelmäßig ein:
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Diese kraftvolle Einleitung entstammt dem Evangelium nach Matthäus (Mt 28,19 LUT), wo Jesus seine Jünger aussendet und ihnen den Auftrag gibt, alle Völker zu taufen „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Damit ist das trinitarische Votum nicht nur eine einfache Begrüßung, sondern zugleich eine tiefgehende Tauferinnerung. Es vergegenwärtigt die Grundlage des christlichen Glaubens an den dreieinigen Gott und ruft die Taufgnade jedes Einzelnen ins Bewusstsein. Es erinnert daran, dass jeder Gottesdienst und jede kirchliche Handlung unter dem Zeichen dieses dreifachen Namens steht, der die gesamte christliche Existenz durchdringt.
Vielfalt der Voten: Mehr als nur ein Anfang
Obwohl das trinitarische Votum die bekannteste Form ist, gibt es eine beachtliche Vielfalt an Voten, die in der Liturgie Verwendung finden. Das Evangelische Gottesdienstbuch, eine zentrale Sammlung für die Gestaltung von Gottesdiensten, unterscheidet verschiedene Typen:
Biblische Voten
Neben dem trinitarischen Votum gibt es zahlreiche „biblische Voten“. Dies sind in der Regel kurze Zitate aus der Heiligen Schrift, die den Gottesdienst eröffnen oder einen bestimmten Abschnitt einleiten. Sie können frei gewählt oder dem Charakter des jeweiligen Tages – beispielsweise dem Wochenspruch – entsprechend sein. Ein biblisches Votum kann die thematische Ausrichtung des Gottesdienstes vorgeben oder eine bestimmte Stimmung erzeugen, indem es die Gemeinde direkt mit einem Wort Gottes anspricht.
Segensvoten
Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um Voten, die explizit einen Segen aussprechen. Sie sind oft am Ende eines Gottesdienstes oder einer liturgischen Handlung zu finden und senden die Gläubigen mit dem Wunsch nach göttlichem Schutz und Beistand in ihren Alltag zurück. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der abschließende Friedensgruß aus dem Philipperbrief (Phil 4,7 LUT), der oft nach der Predigt gesprochen wird:
„Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“
Votum Postbaptismale (Votum nach der Taufe)
Dieses spezielle Votum wird, wie der Name andeutet, nach der Taufe gesprochen. Es dient dazu, die neu getaufte Person oder die Täuflingsfamilie noch einmal besonders zu segnen und in die Gemeinschaft aufzunehmen, oft verbunden mit Gebeten für ihr weiteres Glaubensleben.
Voten zur Eröffnung und zum Abschluss
Voten sind nicht nur Einleitungen. Sie können auch eine Predigt oft einleiten, beispielsweise mit dem „apostolischen Gruß“ aus 2 Kor 13,13 LUT oder 1 Kor 1,3 LUT. Diese Grüße sind Segenswünsche, die die Gemeinde auf die Verkündigung des Wortes Gottes einstimmen. Ebenso dienen sie als kraftvoller Abschluss, der die Botschaft des Gottesdienstes mit in den Alltag trägt.
Voten bei Amtshandlungen
Ein weiteres wichtiges Anwendungsfeld für Voten sind kirchliche Amtshandlungen. Bei der Konfirmation, der Ordination von Geistlichen oder der Amtseinführung von Kirchenvorstehern und anderen Amtsträgern werden unter Handauflegung Segenswünsche zugesprochen, die ebenfalls als „Votum“ bezeichnet werden. Diese Voten sind spezifische Gebete und Segnungen, die die Person in ihrem neuen Amt oder ihrer neuen Lebensphase stärken und den Beistand Gottes erbitten.
Sammlungen von Anfangs- und Schlussvoten finden sich in vielen Agenden, den liturgischen Büchern der Kirchen, die Pastoren und Gemeinden bei der Gottesdienstgestaltung unterstützen.
Das Gebet „Gott, wir danken...“: Ein Gebet der Wertschätzung und Stärkung
Neben den formelhaften Voten spielt das freie oder vorgegebene Gebet eine zentrale Rolle im christlichen Leben. Ein beispielhaftes Gebet, das die tiefgreifende Bedeutung von Gemeinschaft und Dienst hervorhebt, lautet:
„Gott, wir danken für die Menschen, die bereit sind, Ihre Gaben und Fähigkeiten in deine Gemeinde einzubringen. Wir bitten dich, gib ihnen Freude an der neuen Aufgabe, Kraft und Liebe für ihren Umgang miteinander und Geduld und einen langen Atem bei Herausforderungen oder Schwierigkeiten. Segne sie und ihren Dienst und unsere Gemeinde. Amen.“
Dieses Gebet ist ein wunderschönes Beispiel für eine Fürbitte, die Dankbarkeit und Bitte miteinander verbindet. Es beginnt mit einem Ausdruck des Dankes an Gott für all jene, die sich mit ihren Talenten und Fähigkeiten ehrenamtlich in der Gemeinde engagieren. Diese Danksagung unterstreicht die Wertschätzung für das Engagement und die Hingabe, die oft ungesehen im Hintergrund stattfinden, aber das Herzstück des Gemeindelebens bilden.
Der zweite Teil des Gebets ist eine inständige Bitte an Gott. Es werden spezifische Gaben erbeten, die für den Dienst in der Gemeinde von entscheidender Bedeutung sind:
- Freude an der neuen Aufgabe: Damit der Dienst nicht zur Last wird, sondern aus innerer Motivation und Begeisterung geschieht.
- Kraft und Liebe für den Umgang miteinander: Für ein harmonisches Miteinander und die Fähigkeit, in Beziehungen zu investieren, die von Nächstenliebe geprägt sind.
- Geduld und einen langen Atem bei Herausforderungen oder Schwierigkeiten: Denn ehrenamtliches Engagement ist oft mit Hürden verbunden, die Ausdauer erfordern.
Schließlich kulminiert das Gebet in einem umfassenden Segenswunsch: „Segne sie und ihren Dienst und unsere Gemeinde.“ Dieser Wunsch zeigt, dass der Segen nicht nur den Einzelnen betrifft, der dient, sondern auch seinen Dienst und die gesamte Gemeinschaft, die von diesem Dienst profitiert. Das „Amen“ am Schluss bekräftigt die Zuversicht, dass Gott dieses Gebet erhören wird.
Dieses Gebet ist eine Quelle der Ermutigung für alle, die sich in der Kirche engagieren. Es erinnert daran, dass ihr Dienst nicht nur menschliches Werk ist, sondern Teil des göttlichen Handelns. Es stärkt die Gemeinschaft, indem es die Verbundenheit aller Glieder im Dienst aneinander hervorhebt und die Abhängigkeit von Gottes Gnade betont.
Voten und Gebete im Vergleich: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Obwohl Voten spezifische Formen des Gebets sind, gibt es wichtige Unterscheidungen sowie Gemeinsamkeiten zwischen ihnen. Eine vergleichende Betrachtung kann helfen, ihre jeweilige Funktion besser zu verstehen.
| Merkmal | Votum | Allgemeines Gebet |
|---|---|---|
| Definition | Kurze, formelhafte Bitte/Wunsch, oft liturgisch festgelegt. | Freier oder vorgegebener Ausdruck der Zwiesprache mit Gott (Dank, Bitte, Klage, Lob). |
| Funktion | Einleitung/Abschluss liturgischer Handlungen, thematische Setzung, Segenszuspruch. | Persönliche Kommunikation, Fürbitte, Danksagung, Stärkung des Glaubens. |
| Form | Meist kurz, prägnant, oft biblisch verankert oder traditionell festgelegt. | Kann kurz oder lang sein, strukturiert oder frei formuliert. |
| Häufiger Sprecher | Liturg (Pfarrer, Diakon, Lektor). | Jeder Gläubige, einzeln oder in Gemeinschaft. |
| Beispiel | „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ | „Gott, wir danken für die Menschen, die bereit sind, Ihre Gaben und Fähigkeiten in deine Gemeinde einzubringen...“ |
| Liturgische Rolle | Strukturierendes Element, das den Gottesdienst gliedert und rahmt. | Inhaltliches Herzstück, das die Anliegen der Gemeinde vor Gott bringt. |
Beide Elemente sind unverzichtbar für die christliche Praxis. Voten setzen den Rahmen und verankern den Gottesdienst in der Tradition und Theologie der Kirche, während Gebete den Gläubigen Raum geben, ihre persönlichen und gemeinschaftlichen Anliegen vor Gott zu bringen und so eine lebendige Beziehung zu pflegen.
Die spirituelle Bedeutung von Voten und Gebeten
Die Anwendung von Voten und Gebeten im Gottesdienst ist weit mehr als nur eine formale Übung; sie ist ein tief spiritueller Akt, der die Gläubigen auf mehreren Ebenen berührt. Das Votum schafft einen heiligen Raum, in dem sich die Gemeinde versammelt, um Gott zu begegnen. Es ist ein Akt der bewussten Abgrenzung vom weltlichen Alltag und der Hinwendung zum Göttlichen. Durch die immer wiederkehrende Formel des trinitarischen Votums wird die Gemeinschaft an ihre Taufe erinnert und in die Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott hineingezogen.
Gebete, sei es das Lob, die Klage, der Dank oder die Fürbitte, sind das Atemholen der Seele. Sie ermöglichen eine direkte Kommunikation mit dem Schöpfer und stärken das Vertrauen in seine Fürsorge. Das hier behandelte Gebet für die Menschen, die ihre Gaben in die Gemeinde einbringen, ist ein starkes Beispiel dafür, wie Gebete die Gemeinschaft stärken und das Bewusstsein für die gegenseitige Abhängigkeit und Wertschätzung fördern. Es ist ein Ausdruck der Fürsorge füreinander und der Erkenntnis, dass alle Gaben von Gott stammen und zu seiner Ehre eingesetzt werden sollen. In ihrer Gesamtheit tragen Voten und Gebete dazu bei, den Glauben zu festigen, Trost zu spenden, Hoffnung zu schenken und die Gläubigen in ihrem Alltag zu begleiten.
Häufig gestellte Fragen zu Voten und Gebeten
Ist jedes Gebet ein Votum?
Nein, nicht jedes Gebet ist ein Votum. Ein Votum ist eine spezifische, oft formelhafte und kurze Gebetsform oder ein Segenswunsch, der typischerweise am Anfang oder Ende einer liturgischen Handlung steht. Ein allgemeines Gebet kann jede Form annehmen, von einer persönlichen Zwiesprache bis hin zu einer ausführlichen Fürbitte, und ist nicht zwingend an eine feste liturgische Form gebunden.
Warum ist das trinitarische Votum so wichtig?
Das trinitarische Votum „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ ist wichtig, weil es den Gottesdienst und kirchliche Handlungen unter die Autorität und Gegenwart des dreieinigen Gottes stellt. Es ist eine direkte Anspielung auf den Taufbefehl Jesu und dient als ständige Erinnerung an die Taufe als Grundlage des christlichen Lebens und an die zentrale Glaubenswahrheit der Trinität.
Wo finde ich weitere Voten?
Weitere Voten finden sich in den liturgischen Büchern der Kirchen, den sogenannten Agenden oder Gottesdienstbüchern. Diese enthalten Sammlungen von Anfangs- und Schlussvoten, biblischen Voten und anderen liturgischen Formeln, die für die Gestaltung von Gottesdiensten und Amtshandlungen vorgesehen sind.
Was ist der Unterschied zwischen einem Votum und einem Segen?
Ein Votum ist oft ein Wunsch oder eine Bitte um Segen, kann aber auch eine Einleitung oder ein Abschluss sein, der die theologische Grundlage einer Handlung benennt. Ein Segen hingegen ist die direkte Zuspruchung von Gottes Gunst, Schutz und Wohlwollen, oft durch eine autorisierte Person (z.B. Pfarrer) und in der Regel mit einer Geste wie der Handauflegung verbunden. Manche Voten sind Segenswünsche, aber nicht jeder Segen ist ein Votum im liturgischen Sinne.
Kann ich selbst ein Votum sprechen?
Im privaten Gebet können Sie natürlich jederzeit Wünsche oder Bitten an Gott richten. Ein Votum im liturgischen Sinne, insbesondere die feststehenden Formeln wie das trinitarische Votum, sind jedoch in der Regel dem Liturgen oder speziell beauftragten Personen im Rahmen des Gottesdienstes vorbehalten, da sie eine bestimmte theologische und ordnungsrechtliche Funktion erfüllen.
Schlussgedanken
Voten und Gebete sind die lebendigen Stimmen der christlichen Liturgie und des persönlichen Glaubens. Sie sind Ausdruck der Beziehung zwischen Gott und den Menschen, füllen den Raum mit Sinn und heiliger Präsenz. Das Votum als formelhafter Anfang und Abschluss, als Segen oder biblisches Wort, schafft den Rahmen für die Begegnung mit dem Göttlichen. Das Gebet, sei es ein Dank für die Menschen in der Gemeinde oder eine persönliche Bitte, ist der Herzschlag, der die Beziehung am Leben hält und stärkt. Beide Elemente sind unverzichtbar für eine tiefe und erfüllende Glaubenspraxis, die Gläubige ermutigt, sich aktiv am Leben ihrer Kirche zu beteiligen und ihren Glauben im Alltag zu leben.
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