Warum lernen Kinder so viel?

Lernen in Deutschland: Pflicht oder Freude?

13/04/2023

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Das Lernen ist ein fundamentaler Bestandteil des Aufwachsens, doch wie erleben Kinder und Jugendliche diesen Prozess tatsächlich? Eine umfassende Befragung wirft ein Licht auf die oft verborgenen Realitäten des Lernens in Deutschland. Während zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen angeben, dass ihnen das Lernen leichtfällt, zeigt die Studie gleichzeitig ein ernüchterndes Bild: Lernen geschieht oft nicht aus eigenem Antrieb und ist selten mit Freude verbunden. Insbesondere die Schule scheint hier eine Schlüsselrolle zu spielen, jedoch nicht immer im positiven Sinne. Viele junge Menschen assoziieren schulisches Lernen mit Pflicht, Zwang und Druck, während sie Inhalte vermissen, die sie wirklich interessieren und als relevant für ihr Leben erachten.

Warum lernen Kinder so viel?
Die Kinder und Jugendlichen lernen sehr viel mehr aus abstrakten oder von außen an sie herangetragenen Gründen als um des Lernens und Wissens selbst willen. 78 Prozent lernen, „weil es später für den Beruf wichtig ist“ – sogar von den 10- bis 12-Jährigen stimmen dieser Aussage schon 73 Prozent zu.

Die Ergebnisse unterstreichen zudem die immense Bedeutung der Eltern. Ihr Bildungshintergrund, ihre Einstellung zu Lerninhalten und ihre Sicht auf schulische sowie außerschulische Lernorte beeinflussen den Lernerfolg ihrer Kinder maßgeblich. Es ist ein komplexes Zusammenspiel aus inneren Motivationen, äußeren Erwartungen und dem familiären Umfeld, das die Lernlandschaft junger Menschen prägt.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Lernen für Kinder und Jugendliche?

Fragt man Kinder und Jugendliche nach dem Begriff „Lernen“, ist die Antwort fast immer sofort klar: Sie denken zuallererst an die Schule. Überwältigende 94 Prozent der Befragten nennen „Hausaufgaben machen, sich Schulstoff aneignen“ als die primäre Aktivität, die sie mit Lernen verbinden. Dicht gefolgt von 86 Prozent, die darunter verstehen, „in den Schulunterricht gehen“. Diese Zahlen machen deutlich, wie eng das Konzept des Lernens im Kopf vieler junger Menschen mit der Institution Schule verknüpft ist. Andere Lernformen wie „von den Eltern etwas erklärt bekommen“ (67 Prozent), „sich im Internet informieren“ (55 Prozent) oder „Erklärvideos im Internet anschauen“ (53 Prozent) folgen mit deutlichem Abstand. Dies zeigt eine starke Konzentration auf formales, schulisches Lernen, während informelle oder selbstgesteuerte Lernprozesse weniger präsent sind.

Die Freude am schulischen Lernen ist dabei erschreckend gering. Nur jedes dritte befragte Kind gibt an, Freude am Lernen für die Schule zu empfinden. Knapp zwei Drittel sagen, dass sie „nicht so gerne“ oder „überhaupt nicht gerne“ für die Schule lernen. Dies deutet auf ein tiefgreifendes Motivationsproblem hin, das weit über einzelne Fächer oder Lehrkräfte hinausgeht.

Assoziationen mit dem Begriff „Lernen“

Die 10- bis 16-Jährigen wurden gebeten, Begriffe auszuwählen, die sie allgemein mit „Lernen“ assoziieren. Der am häufigsten genannte Begriff war „Konzentration“, was die Notwendigkeit mentaler Anstrengung hervorhebt. Auch „Neues erfahren“ fand breite Zustimmung, was auf eine grundsätzliche Neugier und den Wunsch nach Wissenserweiterung hindeutet. Interessanterweise verbanden zwei von drei Kindern und Jugendlichen mit Lernen auch „Erfolgserlebnisse“. Hier zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede, die auf Geschlecht und Bildungshintergrund der Eltern schließen lassen:

  • Mädchen (71 Prozent) assoziieren häufiger Erfolgserlebnisse mit Lernen als Jungen (60 Prozent).
  • Bei Kindern von Eltern mit Abitur oder Studium gehören für drei Viertel der Erfolg zum Lernen, während es bei Kindern von Eltern mit geringerem oder ohne Abschluss nur gut die Hälfte (56 Prozent) ist.

Der Begriff „Interessant“ wurde von 54 Prozent der Befragten mit Lernen assoziiert, auch hier mit Unterschieden nach Geschlecht und Bildungshintergrund. Alarmierend ist jedoch, dass etwa die Hälfte (51 Prozent) mit Lernen „Zwang, Druck“ assoziiert und 44 Prozent „Frust“. Diese negativen Assoziationen nehmen mit dem Alter zu: Bei den 15-/16-Jährigen liegen sie bereits bei 56 Prozent für „Zwang, Druck“ und 47 Prozent für „Frust“. Demgegenüber verknüpft nur jeder Vierte (23 Prozent) mit Lernen „Spaß“. Diese Zahlen verdeutlichen, dass für viele ältere Schüler das Lernen zu einer zunehmend belastenden Erfahrung wird.

Die Motivation hinter dem Lernen: Externe Treiber dominieren

Es wird deutlich, dass Kinder und Jugendliche sehr viel mehr aus abstrakten oder von außen an sie herangetragenen Gründen lernen, als um des Lernens und Wissens selbst willen. Die primären Motivationen sind oft extrinsischer Natur:

  1. 78 Prozent lernen, „weil es später für den Beruf wichtig ist“. Schon bei den 10- bis 12-Jährigen stimmen dieser Aussage 73 Prozent zu.
  2. Knapp dahinter folgt der Grund „für die Schule, weil ich gute Noten möchte“ (74 Prozent).
  3. Das Motiv „weil ich mehr über etwas wissen möchte“ belegt mit 64 Prozent Zustimmung Platz drei. Auch hier gibt es deutliche Unterschiede nach familiärem Bildungshintergrund: 73 Prozent der Kinder von Eltern mit Abitur oder Studium wählen diese Antwort, bei Kindern von Eltern mit geringerer Bildung sind es nur gut die Hälfte (55 Prozent).
  4. 59 Prozent aller Befragten lernen, „weil ich muss“.
  5. 54 Prozent lernen, „weil es meinen Eltern wichtig ist“.

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine intrinsische Motivation, also der Wunsch, aus innerem Interesse oder Freude zu lernen, zwar vorhanden ist, aber oft von äußeren Zwängen und Zukunftsperspektiven überlagert wird. Dies wirft die Frage auf, wie Lernumgebungen geschaffen werden können, die die natürliche Neugier und den Wissensdurst der Kinder stärker fördern.

Was Kinder wirklich lernen möchten: Lebensnahe Kompetenzen gefragt

Die Studie untersuchte auch, welche Inhalte Kinder und Jugendliche gerne lernen würden und welche Kompetenzen sie für besonders wichtig erachten. Die Ergebnisse zeigen eine klare Präferenz für lebensweltnahe Inhalte und praktische Fertigkeiten.

Eigenverantwortliches, selbstständiges Lernen

Für die meisten Befragten scheint das Lernen weiterhin bedeutsam zu sein. Nur ein Viertel stimmte der Aussage zu: „Im Internet bekommt man heute alle Informationen, die man benötigt und wissen möchte. Da ist es nicht mehr so wichtig, selbst zu lernen.“ Mehr als die Hälfte (56 Prozent) lehnte diese Aussage komplett ab, ein Fünftel war unentschieden. Eltern lehnten diese Aussage mit 80 Prozent noch häufiger ab, was zeigt, dass sowohl Kinder als auch Eltern den Wert des eigenständigen Lernens jenseits reiner Informationsbeschaffung anerkennen.

Wichtige Kompetenzen aus Sicht der Kinder und Jugendlichen

Die 10- bis 16-Jährigen konnten aus einer Liste von 20 Kompetenzen wählen. Die Rangliste der „besonders wichtigen“ Kompetenzen ist aufschlussreich:

  • Rechtschreibung und Grammatik: 66 Prozent
  • Umgang mit digitalen Medien: 59 Prozent
  • Englischkenntnisse: 59 Prozent
  • Mathematik: 44 Prozent (im Mittelfeld)
  • Programmieren: Nur 35 Prozent halten es für „wichtig“, knapp zwei Drittel für „weniger wichtig“.
  • Naturwissenschaften: Nur ein Viertel der Schülerinnen und Schüler hält diese für „besonders wichtig“, 51 Prozent finden sie „auch noch wichtig“.
  • Informationen aus Medien beurteilen: Ähnlich niedrige Werte wie bei den Naturwissenschaften. Während die reine Bedienkompetenz (Umgang mit Computer etc.) als äußerst wichtig gilt, scheint die Fähigkeit, Inhalte kompetent zu beurteilen, weniger wichtig zu sein. Die Studienautoren sehen hier ein gefährliches Vermittlungsdefizit und betonen die Notwendigkeit, Nachrichten- und Quellenkompetenz zu vermitteln, um digital mündige Bürger auszubilden.

Bei den überfachlichen Kompetenzen finden sich kritisches Denken (53 Prozent), Teamfähigkeit (44 Prozent) und Kreativität (39 Prozent) recht weit oben in der Rangliste.

Wichtige Kompetenzen aus Sicht der Eltern

Eltern messen vielen Kompetenzen eine ähnliche Bedeutung bei wie ihre Kinder:

KompetenzEltern (% „besonders wichtig“)Kinder (% „besonders wichtig“)
Rechtschreibung und Grammatik80 %66 %
Mathematik47 %44 %
Naturwissenschaftliche Kenntnisse29 %25 %

Eltern legen einen noch stärkeren Fokus auf traditionelle Schulfächer wie Rechtschreibung und Grammatik. Bei MINT-Fächern ähneln sich die Einschätzungen. Das traditionelle Bild von Schule, das sich bei vielen Eltern zeigt, konzentriert sich stark auf die Vermittlung von Fachwissen.

Was Kinder und Jugendliche gerne lernen würden

In einer offenen Abfrage äußerten Kinder und Jugendliche den Wunsch nach vor allem lebenspraktischen Themen im Schulunterricht (18 Prozent). Dazu gehören Kochen, Backen, gesunde Ernährung, handwerkliche Tätigkeiten oder das Anfertigen einer Steuererklärung. Dieser Wunsch nimmt mit dem Alter deutlich zu (von 11 Prozent bei 10- bis 12-Jährigen auf 26 Prozent bei 15-/16-Jährigen).

Auf Platz zwei der gewünschten Themen finden sich Umweltthemen bzw. der Klimawandel (9 Prozent), gefolgt von „mehr Sport“ (8 Prozent).

Es zeigen sich auch geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Interessen: Mädchen interessieren sich stärker für Tiere und Mode/Kosmetik, Jungen hingegen für Computerspiele und Sport. Filme/Serien und Musik sind für beide Geschlechter von großer Bedeutung, während Politik für beide weit hinten rangiert.

Wie Kinder und Jugendliche (gerne) lernen: Die Macht der Selbstbestimmung

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Bedeutung von Selbstbestimmung für das Lernen. 85 Prozent der Kinder und Jugendlichen geben an, in ihrer Freizeit gerne zu lernen. 61 Prozent sagen: „Mir fällt es leichter, etwas zu lernen, das ich mir selbst ausgesucht habe, als etwas, das ich lernen muss.“ Dieses Ergebnis ist unabhängig davon, ob Kinder und Jugendliche in der Schule Mitspracherechte haben oder nicht. Die Vorstellung, dass die Lehrkraft festlegen sollte, was und wie gelernt wird, findet in beiden Gruppen nur wenig Befürwortung (23 Prozent).

Positive Effekte von Mitbestimmungsmöglichkeiten

Die Studie zeigt klare positive Effekte von Mitbestimmung im Unterricht: 43 Prozent der Kinder und Jugendlichen geben an, im Unterricht über Themen oder die Art der Bearbeitung mitentscheiden zu können. Bei ihnen sind positive Assoziationen zum Begriff „Lernen“ deutlich häufiger als bei Altersgenossen ohne Mitbestimmungsmöglichkeiten. Dazu gehören „Erfolgserlebnisse“ oder „Spaß“. Negative Assoziationen wie „Zwang, Druck“ oder „Frust“ sind dagegen schwächer ausgeprägt.

Kinder und Jugendliche mit mehr Mitsprache lernen auch stärker aus eigener Motivation heraus, z.B. „weil ich mehr über etwas wissen möchte“ (74 Prozent gegenüber 56 Prozent der Kinder ohne Mitbestimmungsmöglichkeiten) oder „weil es mir Spaß macht“. Sie finden Lernen tendenziell leichter (71 Prozent sagen, sie lernen „eher leicht“ bis „sehr leicht“ gegenüber 59 Prozent ohne Mitbestimmung) und haben eine höhere Affinität zu eigenständigem Lernen. Zudem haben sie ein positiveres Verhältnis zu ihren Lehrkräften, die sie häufiger als Lernunterstützer (29 Prozent gegenüber 15 Prozent) oder Anlaufstelle für Informationen (47 Prozent gegenüber 37 Prozent) sehen. Die Autor*innen der Studie plädieren daher für mehr Mitbestimmung in der schulischen Praxis.

Digitale und analoge Lernpräferenzen

Weniger als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen (41 Prozent) gibt an, lieber digital zu lernen. 30 Prozent bevorzugen Bücher, Papier und Stift, während fast ebenso viele keine Präferenz haben. Mädchen tendieren leicht stärker zum Analogen (37 Prozent) als zum Digitalen (32 Prozent), während Jungen deutlicher den Computer bevorzugen (49 Prozent) und weniger Papier und Stift (23 Prozent). Mit dem Alter gewinnt das Digitale an Attraktivität (von 35 Prozent bei 10- bis 12-Jährigen auf 45 Prozent bei 15- bis 16-Jährigen).

Digitale Medien spielen eine große Rolle als Informationsquelle: Internetseiten (71 Prozent), Google (65 Prozent), YouTube (56 Prozent) und Wikipedia (55 Prozent) rangieren nach Eltern und neben Freundeskreis/Mitschüler*innen weit vorne. Auch Influencer in sozialen Medien gewinnen mit zunehmendem Alter an Bedeutung als Informationsquelle (von 10 Prozent bei 10- bis 12-Jährigen auf 20 Prozent bei 15-/16-Jährigen).

In ihrer Freizeit nutzen Kinder und Jugendliche Online-Medien am liebsten für Spiele (75 Prozent), Unterhaltungsvideos (74 Prozent) oder Chatten (73 Prozent). Lernbezogene Aktivitäten treten zurück: 53 Prozent schauen Erklärvideos, 37 Prozent informieren sich über Hobbies und 20 Prozent lesen aktuelle Nachrichten. Beim gemeinsamen Lernen mit Klassenkameraden oder Freunden treffen sie sich vor allem persönlich (58 Prozent), aber auch der Austausch über Apps (z.B. WhatsApp) nimmt zu und ist für viele selbstverständlich (32 Prozent, steigend mit dem Alter).

Unterschätzte Potenziale: Außerschulische Lernorte

Außerschulische Lernorte spielen im Alltag der Kinder und Jugendlichen eine vergleichsweise geringe Rolle. Nur 35 Prozent sind in einem Verein, einer AG oder Jugendgruppe aktiv, wobei Kinder von Eltern mit höherer Bildung deutlich häufiger teilnehmen (41 Prozent) als andere (30 Prozent). Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit und Bibliotheken nutzen gerade einmal 14 Prozent, Museen oder Makerspaces noch weniger (5 bzw. 2 Prozent).

Dabei messen Eltern diesen außerschulischen Angeboten eine hohe Bedeutung für die Entwicklung sozialer und überfachlicher Kompetenzen bei: Teamfähigkeit (84 Prozent), Ideen entwickeln/kreativ sein (72 Prozent), Hilfsbereitschaft (70 Prozent). Es bleiben somit große Potenziale ungenutzt, um diese oder andere Kompetenzen zu fördern und letztlich die Freude am Lernen zu steigern.

Die bedeutende Rolle der Eltern

Eltern spielen eine entscheidende Rolle im Lernprozess ihrer Kinder. Für 67 Prozent der 10- bis 16-Jährigen bedeutet Lernen „von den Eltern etwas erklärt bekommen“ (Eltern selbst sagen dies zu 80 Prozent). Eltern und andere Erwachsene sind auch die bevorzugte Informationsquelle bei schulischen oder anderen interessanten Themen. Obwohl die Bedeutung der Eltern mit dem Alter abnimmt, bleibt sie auf hohem Niveau (65 Prozent).

Auch als Helfende beim Lernen liegen die Eltern mit 73 Prozent auf Platz eins – weit vor Freunden (40 Prozent), Lehrkräften oder Geschwistern (beide 21 Prozent). Selbst bei den 15-/16-Jährigen sind sie mit 58 Prozent Zustimmung noch vor den Freunden (51 Prozent). Nur wenige Kinder und Jugendliche äußern einen darüber hinausgehenden Unterstützungsbedarf durch ihre Eltern, außer bei Kindern von Eltern mit einfacherem und mittlerem Bildungsabschluss (18 Prozent wünschen sich mehr Unterstützung, gegenüber 9 Prozent bei Kindern von Eltern mit Studium oder Abitur).

Art der Förderung und Unterstützung durch Eltern

Eltern setzen bei der Förderung ihrer Kinder vor allem im schulischen Bereich an. 68 Prozent achten darauf, dass Hausaufgaben gemacht werden, 67 Prozent fragen vor Klassenarbeiten ab und 65 Prozent helfen bei den Hausaufgaben. Eltern mit höherer Bildung unterstützen ihre Kinder jedoch deutlich stärker darüber hinaus, etwa musikalisch, kulturell oder darin, kreativ zu sein oder sich per Medien zu informieren. Sie achten auch stärker auf die Auswahl einer guten Schule (54 Prozent gegenüber 34 Prozent der Eltern mit niedrigeren Abschlüssen).

Die Art der Förderung hängt stark vom Bildungshintergrund der Eltern ab. Während drei von vier Eltern mit höheren Abschlüssen sagen: „Ich kann so fördern, wie ich möchte“, ist es unter denjenigen mit geringerer Bildung gerade einmal die Hälfte. Deutlich stärker als höhergebildeten Eltern fehlt ihnen für die Unterstützung die Zeit (37 Prozent), sind sie häufig selbst mit dem Schulstoff überfordert (41 Prozent) oder schlicht unsicher, wie sie ihre Kinder am besten fördern sollen (27 Prozent).

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Lernen bei Kindern

F: Warum empfinden viele Kinder Lernen als Zwang und nicht als Freude?

A: Die Studie zeigt, dass über die Hälfte der Kinder und Jugendlichen Lernen mit „Zwang, Druck“ und „Frust“ assoziieren, insbesondere im Alter von 15-16 Jahren. Dies liegt oft daran, dass schulisches Lernen stark auf äußere Motivationen wie gute Noten oder berufliche Relevanz ausgerichtet ist und weniger auf intrinsisches Interesse. Viele Kinder vermissen Inhalte, die sie interessieren und als lebensnah empfinden, und haben zudem wenig Mitspracherecht bei der Gestaltung ihres Lernprozesses.

F: Welche Rolle spielen Eltern beim Lernerfolg ihrer Kinder?

A: Eltern haben eine sehr bedeutende Rolle. Sie sind für 67 Prozent der Kinder die bevorzugte Informationsquelle und für 73 Prozent die wichtigsten Helfenden beim Lernen. Ihr eigener Bildungshintergrund beeinflusst dabei stark, wie sie ihre Kinder fördern können und welche Kompetenzen sie für wichtig erachten. Eltern mit höherer Bildung unterstützen ihre Kinder oft breiter und über schulische Inhalte hinaus.

F: Welche Kompetenzen sind Kindern und Jugendlichen besonders wichtig?

A: An erster Stelle stehen Rechtschreibung und Grammatik, gefolgt vom Umgang mit digitalen Medien und Englischkenntnissen. Lebenspraktische Fähigkeiten wie Kochen oder Steuererklärung erstellen werden ebenfalls stark gewünscht. Überfachliche Kompetenzen wie kritisches Denken, Teamfähigkeit und Kreativität werden ebenfalls hoch bewertet, während Naturwissenschaften und Programmieren vergleichsweise weniger Zustimmung erhalten.

F: Wie können wir die Freude am Lernen bei Kindern und Jugendlichen fördern?

A: Die Studie legt nahe, dass Selbstbestimmung und Mitspracherechte im Unterricht positive Effekte auf die Lernmotivation und -freude haben. Kinder, die mitentscheiden können, empfinden mehr Erfolgserlebnisse und Spaß beim Lernen. Zudem sollten lebensnahe und interessenbezogene Inhalte stärker in den Lehrplan integriert werden. Auch die Nutzung und das Potenzial außerschulischer Lernorte sollten besser ausgeschöpft werden.

F: Bevorzugen Kinder und Jugendliche digitale oder analoge Lernmethoden?

A: Es gibt keine eindeutige Präferenz, aber eine gute Mischung wird geschätzt. Weniger als die Hälfte bevorzugt digitales Lernen, während 30 Prozent Bücher, Papier und Stift vorziehen. Viele haben keine starke Präferenz. Jungen tendieren stärker zum Digitalen, während Mädchen leicht das Analoge bevorzugen. Digitale Medien spielen jedoch eine sehr wichtige Rolle als Informationsquelle für interessierende Themen.

Fazit und Ausblick: Wege zu einem freudvolleren Lernen

Die vorliegende Studie liefert tiefe Einblicke in die Lernwelt von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Sie zeigt ein differenziertes Bild, in dem das Lernen zwar als grundsätzlich machbar empfunden wird, aber oft unter einem Mangel an Freude und intrinsischer Motivation leidet. Die enge Verknüpfung von Lernen mit der Schule und der Fokus auf extrinsische Motive wie Noten und Berufsaussichten scheinen die natürliche Neugier und den Wissensdurst der jungen Menschen zu untergraben.

Die Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, Lernumgebungen neu zu denken. Der Wunsch nach lebensnahen Inhalten und die positiven Effekte von Mitbestimmung sind klare Signale dafür, dass ein stärker schülerzentrierter Ansatz erforderlich ist. Wenn Kinder und Jugendliche aktiv in die Gestaltung ihres Lernprozesses einbezogen werden, wenn sie Inhalte als relevant für ihr Leben empfinden und ihre individuellen Interessen berücksichtigt werden, steigt die Motivation und damit auch die Freude am Lernen.

Eltern spielen dabei eine unverzichtbare Rolle als Unterstützer und Informationsquellen. Ihre Einstellungen und ihr Bildungshintergrund prägen maßgeblich die Lernbiografien ihrer Kinder. Es ist entscheidend, Eltern mit geringerem Bildungshintergrund bessere Unterstützungsmöglichkeiten an die Hand zu geben, um Zeitmangel, Überforderung oder Unsicherheit bei der Lernförderung ihrer Kinder zu begegnen.

Auch die Potenziale außerschulischer Lernorte müssen stärker genutzt werden. Sie bieten eine wertvolle Ergänzung zum schulischen Lernen, insbesondere für die Entwicklung sozialer und überfachlicher Kompetenzen, die im formalen Schulsystem oft zu kurz kommen. Durch eine bessere Vernetzung von Schule, Elternhaus und außerschulischen Angeboten könnte ein ganzheitliches Lernökosystem entstehen, das die vielfältigen Bedürfnisse und Interessen der Kinder und Jugendlichen adressiert.

Letztlich geht es darum, eine Lernkultur zu schaffen, in der Lernen nicht primär als Pflicht oder Zwang, sondern als eine spannende Reise des Entdeckens und des persönlichen Wachstums erlebt wird. Eine solche Transformation erfordert das Engagement aller Beteiligten: Schulen, die mehr Raum für Selbstbestimmung und relevante Inhalte schaffen; Eltern, die ihre Kinder umfassend unterstützen; und eine Gesellschaft, die den Wert von Bildung jenseits rein akademischer Leistungen anerkennt und fördert.

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