Warum sind Minarette ein wichtiges Symbol für den Islam?

Der Adhan: Ein Ruf, der Welten verbindet und trennt

10/12/2023

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In vielen deutschen Städten und Gemeinden wird der öffentliche Gebetsruf von Moscheen, der sogenannte Adhan, zunehmend präsenter. Was in islamischen Ländern eine Selbstverständlichkeit ist, führt hierzulande oft zu intensiven Debatten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten dieses Rufs: seine theologische Bedeutung, seine historischen Wurzeln und die sozialen sowie rechtlichen Implikationen, die er in einem nicht-islamischen Kontext mit sich bringt. Es geht nicht nur darum, welche Arten von Gebeten es gibt, sondern vor allem um die spezifische Rolle und Wahrnehmung des Adhan.

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-Moschee. Die 2019 vollendete Große Moschee von Algier hat das derzeit mit 265 Metern Höhe weltweit höchste Minarett, das zugleich das höchste Gebäude Afrikas ist. Wer betet vor und leitet die Gemeinde?

Der Adhan, der fünfmals täglich zum islamischen Gebet ruft, ist weit mehr als eine bloße Zeitansage. Er ist ein tiefgreifendes Bekenntnis und eine öffentliche Proklamation des islamischen Glaubens. Für die etwa 2,85 Millionen Muslime in Deutschland wird das Land zunehmend zur Heimat, und mit dieser Entwicklung gehen Anträge für die Erlaubnis zum lautsprecherverstärkten öffentlichen Gebetsruf einher. Um die Diskussion um diesen Ruf, sein Für und Wider, besser zu verstehen, ist es unerlässlich, sich mit seinen grundlegenden Fakten und seiner tiefen Bedeutung auseinanderzusetzen.

Inhaltsverzeichnis

Der Adhan: Ein Ruf, der die Welt bewegt

Der Adhan ist der öffentliche Gebetsruf, der Muslime weltweit zum rituellen Pflichtgebet, dem Salat, einlädt. Er wird vom Muezzin, dem Gebetsrufer, normalerweise vom Minarett einer Moschee aus gesprochen. In der heutigen Zeit geschieht dies häufig über Lautsprecher oder Tonbandaufnahmen. Dieser Ruf ist nicht nur eine Einladung, sondern auch eine Verkündigung zentraler Glaubenssätze des Islam. Er markiert den Beginn der Gebetszeiten und strukturiert den Tagesablauf vieler Muslime.

Der sunnitische Gebetsruf, der für die überwiegende Mehrheit der Muslime (ca. 90%) verbindlich ist, lautet wie folgt:

  • „Allah ist am größten. Allah ist am größten. Allah ist am größten. Allah ist am größten.“ (Allahu akbar)
  • „Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah. Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah.“ (ash-hadu allâ ilâha illâ llâh)
  • „Ich bezeuge, Muhammad ist der Gesandte Allahs. Ich bezeuge, Muhammad ist der Gesandte Allahs.“ (ash-hadu anna Muhammada rasûlu llâh)
  • „Auf zum Gebet! Auf zum Gebet!“ (hayya ‚alâ s-salâh)
  • „Auf zum Wohlergehen! Auf zum Wohlergehen!“ (hayya ‚alâ l-falâh)
  • (Zur Morgendämmerung wird hinzugefügt: „Das Gebet ist besser als der Schlaf.“ as-salâtu hairun min an-naum)
  • „Allah ist am größten. Allah ist am größten.“
  • „Es gibt keinen Gott außer Allah.“

Jeder Teil dieses Rufes trägt eine spezifische Bedeutung, die tief in der islamischen Theologie verwurzelt ist und die Kernbotschaften des Glaubens widerspiegelt.

Die Botschaft des Adhan: Mehr als nur Worte

Die Eröffnung des Adhan, „Allahu akbar“, wird viermal wiederholt und bedeutet „Allah ist am größten“. Die Übersetzung dieses Ausdrucks ist vielfältig und kann auch als „Gott ist größer“ oder „Gott ist sehr groß“ interpretiert werden. Die Wahl der Übersetzung „Allah ist am größten“ ist jedoch oft bewusst und reflektiert das Selbstverständnis des Islam als die abschließende und überlegene Religion. Muhammad verstand sich als den bedeutendsten Gesandten Gottes, der die Glaubensvorstellungen seiner polytheistischen, jüdischen und christlichen Zeitgenossen korrigierte. Die Muslime werden im Koran als „die beste Gemeinschaft, die unter den Menschen entstanden ist“ (Sure 3,110) bezeichnet, was die Überlegenheit des Islam unterstreicht.

Das Glaubensbekenntnis, die sogenannte Shahada, „Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah, und Muhammad ist der Gesandte Gottes“, ist der zentrale Teil des Adhan und eine der fünf Säulen des Islam. Im Gegensatz zu christlichen Glaubensbekenntnissen ist die Shahada im Alltag eines Muslims allgegenwärtig. Sie wird vielfach in den täglichen Gebeten gesprochen, von der Moschee ausgerufen und im täglichen Leben häufig verwendet. Dieses kurze Bekenntnis ist für jeden Muslim von größter Bedeutung, da es als „Ausweis“ der Religionszugehörigkeit dient. Wer es vor zwei Zeugen ausspricht, konvertiert zum Islam. Für Muslime ist das Bekenntnis zu Allah untrennbar mit dem Bekenntnis zu Muhammad als dem Gesandten Gottes verbunden. Ein echter theologischer Dialog mit Christen beginnt für viele muslimische Theologen erst dort, wo Christen Muhammad als Gesandten Gottes anerkennen.

Die Aufforderungen „Auf zum Gebet!“ und „Auf zum Wohlergehen!“ sind direkte Einladungen zur Teilnahme am Salat und zum Streben nach spirituellem und weltlichem Wohl durch den Glauben. Die Ergänzung im Morgengebet, „Das Gebet ist besser als der Schlaf“, unterstreicht die Priorität des Gottesdienstes über weltliche Bedürfnisse.

Historische Wurzeln: Woher kommt der Gebetsruf?

Die Ursprünge des rituellen Gebets und des Gebetsrufs im Islam reichen in die frühe Zeit Muhammads zurück. Das rituelle Gebet entwickelte sich wahrscheinlich in den „mittleren mekkanischen Jahren“ um 616/617 n. Chr. Zu dieser Zeit hatte Muhammad nur wenige Anhänger und sah sich in Mekka, einer ihm feindlich gesinnten Stadt, zahlreichen Gegnern gegenüber. Ein öffentlicher Gebetsruf fand dort in dieser Frühzeit des Islam mit Sicherheit nicht statt.

Erst nach Muhammads Übersiedlung nach Medina, etwa zehn Jahre später (626/627 n. Chr.), wurde das rituelle Gebet zu einer festen und verpflichtenden Einrichtung für alle Muslime zu bestimmten Tageszeiten. In Medina hatte Muhammad nicht nur die erste muslimische Gemeinde gegründet, sondern sich auch politisch und militärisch etabliert, insbesondere gegenüber jüdischen Gruppierungen.

Überlieferungen (Hadithe) führen den Brauch des Rufs zum Gebet auf Muhammad selbst zurück. Es wird berichtet, dass Muhammad seine Anhänger nach der besten Methode fragte, um die Gebetszeit anzukündigen. Vorschläge wie Trompeten, Glocken oder Gongs wurden erwogen, bis ein Muslim von einem Traum berichtete, in dem vom Dach der Moschee zum Gebet gerufen wurde. Dies soll kurz nach der Hidschra, der Auswanderung nach Medina (um 622/623 n. Chr.), geschehen sein. In der Frühzeit des Islam gingen wohl öffentliche Ausrufer durch die Straßen, die die Muslime zum Gebet riefen, wobei dieser frühe Ruf sehr kurz war, etwa: „Kommt zum Gebet.“

Das Islamische Pflichtgebet (Salat): Herzstück des Glaubens

„Islam“ bedeutet „Unterwerfung“ unter Gott und seinen Willen. Das Gebet, zu dem der Adhan ruft, ist kein freiwilliges oder spontanes Gebet, sondern das rituelle Pflichtgebet (Salat), das fünfmal täglich verrichtet werden muss:

  • Vor Sonnenaufgang (Fadschr)
  • Nach dem Mittag (Dhuhur)
  • Vor Sonnenuntergang (Asr)
  • Nach Sonnenuntergang (Maghrib)
  • Als Nachtgebet (Ischa)

Darüber hinaus kennt der Islam freiwillige Gebete, die entweder weitere rituelle Gebete zu bestimmten Anlässen (z.B. Sonnen- und Mondfinsternis, Dürre, Totengebete, Festtagsgebete) oder freie Bitt- und Dankgebete an Allah sein können.

Der Salat hat im Islam eine immense Bedeutung. Er ist eine der fünf Säulen des Islam und für jeden Muslim jenseits der Pubertät täglich verpflichtend. Er gilt als das „Herzstück des Islam“ und stellt die direkte Verbindung des einzelnen Muslims zur weltweiten Gemeinschaft der Muslime (der Umma), zu Gott und letztlich auch zum Propheten Muhammad her, auf den bei jedem Gebet Segen und Heil herabgefleht werden.

Der entscheidende Faktor beim rituellen Gebet ist nicht nur das Sprechen des Gebets, sondern die präzise Einhaltung des detailliert vorgeschriebenen Ablaufs. Dieser Ablauf umfasst nicht nur alle Worte des Betenden, sondern auch alle Bewegungen, wie die insgesamt 17 Niederwerfungen auf Knie und Gesicht. Ebenso sind vorgeschrieben:

  • Die rituelle Reinheit und die dazugehörigen Waschungen (Wudu) vor dem Gebet.
  • Eine „Absichtserklärung“ (Niyyah), ohne die das gesamte Gebet ungültig ist.
  • Die vorschriftsmäßige Bedeckung des Körpers.
  • Die Orientierung in Richtung Mekka (Qibla).
  • In der Regel die Verwendung der arabischen Sprache.

Jegliche Abweichung davon, wie Essen, Sprechen, Gehen oder andere Handlungen, die nicht explizit vorgeschrieben sind, machen das Gebet ungültig, sodass es von Anfang an wiederholt werden muss. Fromme Muslime sprechen oft zusätzliche Gebete, um eventuelle unbewusste Fehler im Ablauf auszugleichen. Wird dieser detaillierte Ablauf nicht genau eingehalten, ist das Gebet wertlos und nichtig (bâtil); es zählt nicht zur Erfüllung der täglichen Pflicht und muss nachgeholt werden. Der Sinn des rituellen Gebets liegt in der „Äußerung der völligen Demut und Hingabe Allah gegenüber“.

Die Kontroverse um Lautsprecher: Tradition versus Moderne und Gesellschaft

Die Frage der Lautsprecherverstärkung des Adhan in Deutschland ist ein sensibles Thema. Obwohl der Gebetsruf an sich im Islam eine wichtige Rolle spielt, ist eine Lautsprecherverstärkung dafür nicht zwingend vorgeschrieben. Es ist kein islamischer Jurist oder Theologe bekannt, der aus der Nutzung von Lautsprechern in vielen islamischen Ländern eine Verpflichtung dafür ableitet. Im Gegenteil, namhafte muslimische Persönlichkeiten äußern sich kritisch.

Salim Abdullah, Leiter des Islam-Archivs in Soest, lehnte den Lautsprecherruf ab, da sich die erste muslimische Gemeinde für die menschliche Stimme allein und gegen Instrumente zum Gebetsruf entschieden habe. Er bezeichnete den Lautsprecherruf sogar als „Gequäke“. Auch der Großscheich der Kairoer al-Azhar-Universität, Muhammad Sayed Tantawi, rief seine Glaubensbrüder in Deutschland dazu auf, den Gebetsruf nur so leise erschallen zu lassen, dass er nur innerhalb der Moschee zu hören ist. Er betonte, dass das Pflichtgebet auch ohne Ruf per Lautsprecher vollgültig sei.

Dies zeigt, dass der Einsatz von Lautsprechern keine religiöse Notwendigkeit für Muslime in Deutschland darstellt, um ihre Glaubenspflichten zu erfüllen. Die Debatte geht vielmehr um die gesellschaftlichen Auswirkungen. In einigen deutschen Städten, wo der Gebetsruf mehrmals täglich über Lautsprecher ertönt, ist eine Tendenz zur „Ghettobildung“ zu beobachten. Nicht-muslimische Bürger ziehen aus diesen Stadtteilen fort, da sie sich als „Fremde“ im eigenen Land fühlen, wie beispielsweise in Siegen-Geisweid-Weidenau geschehen.

Es geht bei der Ablehnung der Lautsprecherverstärkung nicht darum, Muslime auszugrenzen oder Unfrieden zu stiften. Vielmehr muss das verfassungsmäßig garantierte Recht aller Bürger gewahrt bleiben, nicht an einer religiösen Handlung einer Religionsgemeinschaft teilnehmen zu müssen. Artikel 140 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, der Artikel 136,4 der Weimarer Verfassung von 1919 einschließt, besagt deutlich: „Niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit oder zur Teilnahme religiösen Übungen oder zur Benutzung einer religiösen Eidesform gezwungen werden.“

Der Adhan ist keine bloße „Einladung“ wie Kirchenglocken, sondern eine „religiöse Übung“ einer Religionsgemeinschaft. Er formuliert und verkündet einen grundlegenden Teil islamischer Dogmatik – die Einzigartigkeit Allahs und das Prophetentum Muhammads. Er ist ein öffentliches Bekenntnis zum Islam und seiner Überlegenheit. Es ist inkonsequent, wenn im christlichen Abendland gegen die Existenz eines Kreuzes in einer Schule prozessiert werden kann, der islamische Gebetsruf per Lautsprecher jedoch unwidersprochen hingenommen werden muss.

Der Adhan als Bekenntnis und Botschaft

Die größte Bedeutung hat der lautsprecherverstärkte Adhan als Mittel der Verkündigung des Islam. Klassischerweise teilt der Islam die Welt in das „Haus des Islam“ (dâr al-islâm), wo der Islam Staatsreligion ist, und das „Haus des Krieges“ (dâr al-harb), wo islamisches Recht noch nicht gilt. Das Bestreben vieler politisch aktiver muslimischer Gruppierungen ist es, im „Haus des Krieges“ die islamische Ordnung zu errichten. Dies geschieht nicht unbedingt auf militärischem Wege, sondern oft durch eine friedliche Durchdringung der Gesellschaft mit dem Islam und seinen Werten.

Der Islam versteht sich als ein umfassendes System, das nicht nur die Religion eines Menschen bestimmt, sondern auch familiäre und soziale Beziehungen sowie Leitlinien für Politik und Wirtschaft regelt. Die Forderung nach dem lautsprecherverstärkten Adhan dient daher vor allem dazu, dem Islam öffentlich Gehör zu verschaffen, seine Ausbreitung zu demonstrieren, den aus muslimischer Sicht einzig wahren Gott und seinen Propheten Muhammad auszurufen sowie den Glauben an Allah öffentlich zu proklamieren. Der Gebetsruf hat somit nicht nur eine religiöse, sondern auch eine politische und gesellschaftliche Komponente. Er ist ein Mittel islamischer Propaganda.

Dies wird auch durch das Bestreben muslimischer Organisationen deutlich, Baugenehmigungen für möglichst hohe Minarette zu erhalten, die alle umliegenden Gebäude überragen sollen. Das Minarett selbst ist nach Ansicht muslimischer Theologen nicht notwendig für einen vollgültigen Gottesdienst, sondern vielmehr ein Schmuckelement und ein Instrument der Machtdemonstration des Islam. Die renommierte Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel formulierte es treffend: „Das Minarett … wird manchmal als eine Art Siegesturm aufgefaßt, als das sichtbare Zeichen der Gegenwart des Islam in einem neu eroberten Gebiet.“

Der Islam als Sieges- und Herrscherreligion wird durch die Lautsprecherverkündigung öffentlich demonstriert. Es muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass Christen dagegen überall in der islamischen Welt verwehrt wird, ihren Glauben in gleicher Weise öffentlich zu leben, Kirchenglocken zu läuten oder unter Muslimen ihren Glauben bekannt zu machen.

Häufig gestellte Fragen zum Gebetsruf

FrageAntwort
Ist der Lautsprecher-Adhan Pflicht im Islam?Nein, der Adhan selbst ist eine wichtige religiöse Praxis, aber seine Übertragung per Lautsprecher ist keine religiöse Pflicht. Viele muslimische Gelehrte betonen, dass der Ruf auch leise oder nur innerhalb der Moschee erfolgen kann.
Warum ist der Adhan so wichtig für Muslime?Der Adhan ist eine Einladung zum Pflichtgebet und eine öffentliche Verkündigung des islamischen Glaubens, insbesondere der Einheit Allahs und des Prophetentums Muhammads. Er strukturiert den Tagesablauf und stärkt die Gemeinschaft.
Was ist der Unterschied zwischen Adhan und Salat?Der Adhan ist der Ruf zum Gebet, eine Art Einleitung und Bekanntmachung der Gebetszeit. Der Salat hingegen ist das eigentliche rituelle Gebet, das von Muslimen fünfmal täglich verrichtet wird und spezifische Worte und Bewegungen umfasst.
Kann ein Nicht-Muslim am islamischen Gebet teilnehmen?Das rituelle Pflichtgebet (Salat) ist ausschließlich für Muslime bestimmt und erfordert bestimmte Voraussetzungen wie die rituelle Reinheit und die Absichtserklärung. Freiwillige Gebete oder das Hören des Adhan sind für Nicht-Muslime prinzipiell möglich, aber die aktive Teilnahme am Salat ist spezifisch islamisch.
Was bedeutet „Allahu Akbar“?„Allahu Akbar“ bedeutet „Allah ist am größten“. Es ist eine zentrale Aussage im Islam, die die absolute Größe und Erhabenheit Gottes betont und oft als Ausdruck der Ehrfurcht und des Lobpreises verwendet wird.

Schlussbetrachtung

Die Diskussion um den islamischen Gebetsruf in Deutschland ist vielschichtig und berührt fundamentale Fragen des Zusammenlebens in einer pluralistischen Gesellschaft. Während für Muslime der Adhan ein integraler Bestandteil ihrer Glaubenspraxis ist, sehen nicht-muslimische Bürger in der lauten öffentlichen Verkündung eine Herausforderung ihrer verfassungsmäßigen Rechte und des gesellschaftlichen Friedens. Es ist wichtig zu verstehen, dass der lautsprecherverstärkte Adhan nicht nur eine religiöse Funktion erfüllt, sondern auch eine symbolische und gesellschaftspolitische Dimension besitzt. Er signalisiert die Präsenz und den Anspruch des Islam im öffentlichen Raum.

Wer seine quasi erzwungene Teilnahme an einem islamischen Gottesdienst in einem nicht-muslimischen Land ablehnt, sollte nicht als „Fundamentalist“ oder „Unruhestifter“ abgestempelt werden. Vielmehr geht es um die Wahrung der Religionsfreiheit im Sinne der Freiheit *von* Religion, also des Rechts, nicht zu einer religiösen Übung gezwungen zu werden. Die islamische Mission, wie sie sich in der Forderung nach dem lautsprecherverstärkten Adhan ausdrückt, zielt nicht nur auf die Konversion Einzelner ab, sondern auch auf die Durchdringung der Gesellschaft mit islamischen Werten und, langfristig, die Etablierung islamischer Ordnung und islamischen Rechts (Schari'a).

Ein konstruktiver Dialog kann nur stattfinden, wenn alle Beteiligten die unterschiedlichen Dimensionen des Adhan – seine religiöse Bedeutung für Muslime und seine gesellschaftlichen Auswirkungen auf die Gesamtgesellschaft – anerkennen und respektieren. Es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden, das die Religionsfreiheit aller schützt und ein friedliches Miteinander ermöglicht.

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