Was bedeutet es wenn man Gott lobt?

Die Kraft des Lobpreises: Beten in Hochform

07/11/2024

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In Zeiten, in denen das öffentliche Leben stillsteht und gewohnte Rituale wie gemeinsame Gottesdienste nicht stattfinden können, suchen viele Menschen nach Wegen, ihren Glauben im Privaten zu leben und zu vertiefen. Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus hat sich dieser Herausforderung angenommen und lädt mit seiner „Kleinen Gebetsschule für zu Hause“ dazu ein, das persönliche Gebet neu zu entdecken. Seine Impulse, die täglich um 7:30 Uhr angeboten werden, bauen aufeinander auf und widmen sich den verschiedenen Facetten der Zwiesprache mit Gott. Ein zentrales und oft missverstandenes Element dabei ist das Loben Gottes – eine Gebetsform, die Jürgens als „Beten in Hochform“ bezeichnet.

Was ist der Unterschied zwischen loben und Preisen?
Worte: loben und preisen „loben“: das Tun oder Verhalten von jemandem mit anerkennenden Worten positiv beurteilen und damit seiner Zufriedenheit und Freud darüber Ausdruck geben. „preisen“: die Vorzüge einer Person oder Sac e begeistert hervorheben. Beide Worte beinhalten, dass man nicht für sich behält, was man toll findet, sonde
Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet es, Gott zu loben?

Gott zu loben, ist weit mehr als nur anerkennende Worte zu finden oder eine Liste seiner Taten aufzuzählen. Es ist eine tiefe, absichtslose Zustimmung zu Seinem Wesen und Seinem Wirken. Es bedeutet, sich ganz und gar in das große Ja Gottes zum Leben einzustimmen, auch wenn das eigene Leben vielleicht gerade im Schatten liegt. Wer Gott lobt, will nichts anderes, als sich an Ihm zu freuen. Es ist ein Ausdruck purer Freude und Hingabe, eine Hinwendung zum Licht Gottes, die keine Gegenleistung erwartet und keine persönlichen Wünsche vorantreibt.

Im Akt des Lobens begegnen wir Gott nicht aus einer Position der Kleinheit oder Bedürftigkeit heraus, sondern „von Angesicht zu Angesicht“, auf Augenhöhe. Es ist ein Gebet, das aus einer Haltung der Liebe und Bewunderung entspringt. Ähnlich wie in menschlichen Beziehungen, wenn man einen geliebten Menschen lobt, finden sich beim Lob Gottes oft neue, ja fast überschwängliche Worte. Es geht darum, die unendliche Größe und Güte Gottes zu erkennen und sie mit ganzem Herzen zu bejubeln.

Viele der bekanntesten biblischen Texte, Kirchenlieder und liturgischen Gebete sind Lobgebete. Sie zeugen von der Jahrhunderte alten Tradition des Lobpreises in der christlichen Spiritualität. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist der Psalm 150, der als Krönung des Psalmenbuches die gesamte Schöpfung zum Lob Gottes aufruft:

Halleluja! Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in seiner mächtigen Feste!
Lobt ihn für seine großen Taten, lobt ihn in seiner gewaltigen Größe!
Lobt ihn mit dem Schall der Hörner, lobt ihn mit Harfe und Zither!
Lobt ihn mit Pauken und Tanz, lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel!
Lobt ihn mit hellen Zimbeln, lobt ihn mit klingenden Zimbeln!
Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja!

(Psalm 150)

Dieser Psalm verdeutlicht, dass das Lob Gottes nicht nur eine Sache des Herzens ist, sondern alle Sinne und Ausdrucksformen miteinbeziehen kann – von lauten Instrumenten bis zum stillen Atem. Er ist ein Aufruf an alles Seiende, die Größe des Schöpfers zu erkennen und zu feiern.

Loben und Preisen: Ein feiner Unterschied

Obwohl die Begriffe „loben“ und „preisen“ oft synonym verwendet werden, gibt es einen feinen, aber bedeutsamen Unterschied, der die Tiefe des Ausdrucks beeinflusst:

  • Loben: Wenn wir jemanden loben, beurteilen wir sein Tun oder Verhalten mit anerkennenden Worten positiv und drücken damit unsere Zufriedenheit und Freude darüber aus. Es bezieht sich oft auf konkrete Handlungen oder Charaktereigenschaften.
  • Preisen: Preisen bedeutet, die Vorzüge einer Person oder Sache enthusiastisch hervorzuheben. Es geht mehr darum, die herausragenden Eigenschaften, die Schönheit oder die Exzellenz zu betonen und zu verherrlichen.

Im Kontext des Gotteslobes bedeutet dies, dass wir Gott loben, indem wir seine Taten und seine Fürsorge für uns und die Welt anerkennen und unsere Freude darüber ausdrücken. Wir preisen Ihn, indem wir seine unermessliche Größe, Heiligkeit, Allmacht und Liebe begeistert hervorheben. Beide Ausdrucksformen teilen die Gemeinsamkeit, dass wir das, was wir als großartig empfinden, nicht für uns behalten, sondern es öffentlich machen und damit unsere tiefe Bewunderung und Ehrfurcht zum Ausdruck bringen.

Weitere Facetten des Gebets: Bitten, Danken und Klagen

Das Lobgebet ist eine von mehreren fundamentalen Gebetsformen, die unser Gespräch mit Gott prägen. Pfarrer Jürgens beleuchtet in seiner Gebetsschule auch das Bitten, Danken und Klagen, die alle auf ihre Weise essenziell sind und sich oft zu einem umfassenden Gebetserlebnis verbinden.

Das Bittgebet: Den Himmel bestürmen?

Das Bittgebet ist vielleicht die intuitivste Gebetsform, aber zugleich eine der komplexesten. Wir wenden uns an Gott mit unseren Sorgen, Nöten und Wünschen. Jürgens betont hier eine wichtige Perspektivverschiebung: „Sage nicht deinem Gott, dass du ein Problem hast, sondern sage deinem Problem, dass du einen Gott hast!“ Diese Aussage fasst die Essenz zusammen: Es geht nicht darum, Gott unsere Probleme zu präsentieren, als wüsste Er nicht darum, sondern darum, unsere Probleme in die Allmacht und Fürsorge Gottes zu legen. Das Bittgebet ist ein Ausdruck des Vertrauens, dass Gott hört und handelt, auch wenn seine Wege nicht immer unsere sind.

Das Dankgebet: Die Gabe des Staunens

Das Dankgebet ist ein mächtiges Werkzeug, um unsere Perspektive zu ändern und uns der Fülle des Lebens bewusst zu werden. Es macht deutlich, dass nichts, was uns geschenkt wurde, selbstverständlich ist. Danken hat mit Staunen zu tun, mit einer Haltung der Achtsamkeit und des Vertrauens. Wenn wir dankbar für unser Dasein werden, etwa in der Natur, erfahren wir uns als Teil einer Schöpfung, die nicht sinnlos ins All geworfen wurde, sondern von Gott gewollt und beseelt ist. Abendliche Reflexionen über den Tag im Angesicht Gottes können uns helfen, Dankbarkeit für jeden einzelnen Tag zu empfinden. Im Christentum findet das Dankgebet seine höchste Form in der Eucharistie. Hier verschmelzen Dank und Lob miteinander, denn es gibt kein größeres Gotteslob, als Gott, dem Vater, den Dank für die Erlösung durch Jesus Christus immer wieder zum Ausdruck zu bringen, zu feiern und zu empfangen.

Das Klagegebet: Warum Klagen motiviert

Das Klagegebet wird oft vernachlässigt, obwohl die Welt voller Leid und himmelschreiendem Unrecht ist. Es dient dazu, die eigene seelische Verfassung ehrlich vor Gott zu bringen. Es ist ein Akt der Wahrhaftigkeit, der das eigene Gottesbild läutert. Die Worte mögen dabei weniger „schön“ sein, aber sie sind echt. Das Klagen weigert sich, das herrschende Elend und Gott vorschnell miteinander zu versöhnen und die Welt einfach so hinzunehmen, wie sie ist. Es ist ein Aufschrei gegen Ungerechtigkeit und Leid, der paradoxerweise zu einem Leben aus dem Glauben motiviert.

Was bedeutet es wenn man Gott lobt?
Gott loben heißt, Ihm absichtslos zustimmen, einstimmen in das große Ja Gottes zum Leben. Anbetung, Lobpreis, Segen: Wer lobt, wendet sich dem Licht Gottes zu, selbst wenn er sein Leben im Schatten erlebt; wer Gott lobt, will nichts außer sich freuen an Ihm. Viele Psalmen, Kirchenlieder und liturgische Texte sind Lobgebete.

Manchmal, so Jürgens, bitten wir Gott um das Unmögliche und werden enttäuscht, weil wir das Klagegebet verlernt haben. Es wäre oft besser, ehrlich zu klagen, als darum zu bitten, dass Gott uns vor jeder Enttäuschung bewahrt. Wenn wir unsere Not ehrlich vor Gott aussprechen, erkennen wir manchmal selbst, dass wir die Kraft haben, etwas daran zu ändern. Klagegebete sind oft ein Weg zur Vertrauensarbeit: Zunächst scheint die Not unüberwindlich, doch dann geschieht im Beter eine Wendung. Die Not selbst wird nicht unbedingt beseitigt, aber die Perspektive des Beters ändert sich. Durch das Klagegebet gelangt man zu Vertrauen – und schließlich zum Lob Gottes. Christen gehen noch einen Schritt weiter: Sie glauben, dass Gott selbst in Christus mitten durch das Kreuz hindurchging und menschliches Leiden somit nicht sinnlos sein kann. Christen klagen nicht ins Leere, sondern im Wissen um einen mitleidenden Gott.

Gebetsformen im Vergleich

Um die verschiedenen Gebetsformen besser zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich:

GebetsformKernbedeutungFokusWirkung / Ergebnis
LobenAbsichtslose Zustimmung, Feiern GottesGottes Charakter, Seine Taten, Sein Ja zum LebenFreude, Hinwendung zum Licht, Augenhöhe mit Gott
PreisenBegeistertes Hervorheben von VorzügenGottes unermessliche Größe, Heiligkeit, ExzellenzVerherrlichung, tiefe Bewunderung, Ehrfurcht
BittenAnliegen vor Gott bringenEigene Bedürfnisse, Sorgen, WünscheVertrauen in Gottes Fürsorge, Perspektivwechsel
DankenAnerkennung empfangener GabenGottes Gaben, Schöpfung, ErlösungStaunen, Achtsamkeit, Demut, Freude
KlagenEhrlicher Ausdruck von Leid und NotEigene seelische Verfassung, Ungerechtigkeit, SchmerzLäuterung des Gottesbildes, Weg zum Vertrauen, Motivation zum Handeln

Häufig gestellte Fragen zum Gebet und Lobpreis

Ist Loben dasselbe wie Preisen?

Nein, es gibt einen feinen Unterschied. Loben bezieht sich eher auf die positive Bewertung von Gottes Handlungen und Seiner Fürsorge, oft aus einer Haltung der Freude und Zufriedenheit heraus. Preisen hingegen betont die enthusiastische Hervorhebung Seiner unermesslichen Eigenschaften und Seiner Herrlichkeit. Beide drücken jedoch eine tiefe Bewunderung aus und sind Formen der Anbetung.

Warum sollte ich Gott loben, wenn es mir schlecht geht?

Das Loben Gottes, auch in schwierigen Zeiten, ist ein Akt des Glaubens und der Hinwendung zum Licht. Es hilft, die Perspektive zu ändern und sich nicht von den Schatten des Lebens verschlingen zu lassen. Wie das Klagegebet zeigt, kann der ehrliche Ausdruck der Not zu Vertrauen und schließlich zum Lob führen. Lobpreis ist nicht nur ein Gefühl, sondern eine bewusste Entscheidung, sich auf Gottes Güte zu konzentrieren, auch wenn die Umstände herausfordernd sind.

Kann ich Gott auch zu Hause loben, ohne öffentlichen Gottesdienst?

Absolut! Die „Kleine Gebetsschule“ von Pfarrer Jürgens ist ein perfektes Beispiel dafür, wie das persönliche Gebet und der Lobpreis zu Hause gepflegt werden können. Gott ist überall gegenwärtig, und unser Lob kann Ihn an jedem Ort erreichen. Nutzen Sie Psalmen, Kirchenlieder oder finden Sie einfach Ihre eigenen Worte, um Ihre Freude und Dankbarkeit auszudrücken.

Was ist der Unterschied zwischen Bitten und Klagen?

Bitten ist das Aussprechen von Wünschen, Anliegen oder Bedürfnissen an Gott. Klagen hingegen ist der Ausdruck von Schmerz, Leid, Enttäuschung oder Ungerechtigkeit. Während Bitten oft auf eine Veränderung der Situation abzielt, ist Klagen primär ein Ausdruck der inneren Verfassung und dient der Läuterung und dem Aufbau von Vertrauen, das dann oft zu einem neuen Blick auf die Situation führt.

Was ist die Eucharistie im Kontext von Lob und Dank?

Die Eucharistie, auch Abendmahl oder Heilige Kommunion genannt, ist das größte Dankgebet der Christenheit. Sie ist eine Feier der Erlösung durch Jesus Christus, in der Dank und Lob auf tiefste Weise miteinander verschmelzen. Durch die Eucharistie wird Gott, dem Vater, immer wieder der Dank für das Opfer Jesu und die damit verbundene Erlösung dargebracht. Es ist der Höhepunkt des Gotteslobes und der Dankbarkeit.

Fazit

Das Loben Gottes ist eine der tiefsten und erfüllendsten Formen des Gebets. Es ist ein Ausdruck von bedingungsloser Freude, Liebe und Vertrauen, das uns auf Augenhöhe mit unserem Schöpfer bringt. Gemeinsam mit dem Bitten, Danken und Klagen bildet es ein umfassendes Spektrum des persönlichen Gebets, das uns hilft, in jeder Lebenslage mit Gott verbunden zu bleiben. Gerade in Zeiten der Isolation, wie sie die Corona-Krise mit sich bringt, bietet die „Kleine Gebetsschule“ von Pfarrer Stefan Jürgens eine wertvolle Anleitung, um diese Verbindung zu stärken und die transformative Kraft des Gebets, insbesondere des Lobpreises, für sich zu entdecken. Mögen wir alle, was atmet, den Herrn loben.

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