24/11/2021
Die Frage nach dem Evangelium, das Jesus Christus gebracht hat, ist nicht nur für Christen von zentraler Bedeutung, sondern findet auch im Islam eine einzigartige und differenzierte Antwort. Der Koran, das heilige Buch der Muslime, erwähnt Jesus, bekannt als Îsâ, in zahlreichen Suren und Versen. Während viele Begriffe und Titel, die Jesus zugeschrieben werden, aus der christlichen Tradition stammen mögen, erhalten sie im koranischen Kontext eine spezifisch theozentrische Neuinterpretation. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle Jesu und die Natur seines Evangeliums, wie sie im Koran dargestellt werden, und zeigt auf, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den christlichen Auffassungen bestehen.

Im Mittelpunkt der koranischen Darstellung steht Jesus als ein herausragender Prophet und Gesandter Gottes, dessen Leben und Botschaft von göttlicher Macht und Weisheit zeugen. Es ist eine Perspektive, die das Menschsein Jesu betont und ihn als ein Zeichen Gottes für die gesamte Menschheit darstellt, ohne ihm göttliche Eigenschaften zuzuschreiben. Diese „Zeichen-Christologie“ des Korans lädt dazu ein, über die universellen Botschaften des Glaubens, der Hingabe und der Gottesfurcht nachzudenken, die Jesus in seiner Sendung verkörpert hat.
- Die Stellung Jesu im Koran: Titel und ihre Bedeutung
- Jesu Geburt und Kindheit im koranischen Narrativ
- Jesus als Prophet und Gesandter der Einheit
- Jesu Wunder: Zeichen der Allmacht Gottes
- Jesu Menschsein: Der »Diener Gottes«
- Die Kreuzigung Jesu im Koran: Eine kontroverse Frage
- Der Tod und die Erhöhung Jesu im Koran
- Jesus im Jüngsten Gericht: Der Zeuge Gottes
- Die Zeichen-Christologie des Korans
- Vergleich der Perspektiven: Koran vs. Christentum
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Die Stellung Jesu im Koran: Titel und ihre Bedeutung
Im Koran wird Jesus (Îsâ) mit verschiedenen Ehrentiteln bedacht, die seine besondere Rolle hervorheben, jedoch stets im Rahmen seiner Geschöpflichkeit und seiner Funktion als Prophet und Gesandter Gottes. Die häufigste Bezeichnung ist »der Messias« (al-masîh), der elfmal erwähnt wird. Für muslimische Ausleger bedeutet dies nicht eine göttliche Würde im christlichen Sinne, sondern kann als der Wandernde, der Salbende, der von jeglicher Sünde Gereinigte oder der Gesegnete verstanden werden. Es ist entscheidend zu verstehen, dass der Koran Begriffe aus der christlichen Tradition aufgreift, ihnen aber einen neuen, auf Gottes Allmacht konzentrierten Sinn verleiht.
Zwei weitere prominente Titel sind »Geist von Gott« (rûh min Allâh, Sure 4:171) und »Wort von Gott« (kalimah min Allâh, Sure 3:39, 45; 4:171). Diese Bezeichnungen unterstreichen Jesu einzigartige, jungfräuliche Empfängnis durch einen göttlichen Schöpfungsakt, ähnlich wie Gott Adam seinen Geist einhauchte. Sie betonen seine reine Geschöpflichkeit und Gottes Schöpfermacht, keineswegs eine Präexistenz oder göttliche Natur Jesu. Sure 3:59 verdeutlicht dies explizit durch den Vergleich mit Adam: „Jesus ist vor Gott gleich wie Adam. Den erschuf er aus Erde. Hierauf sagte er zu ihm nur: sei!, da war er.“ Alle Jesus-Titel im Koran preisen die schöpferische Allmacht Gottes und zielen nicht auf Spekulationen über das Wesen Jesu ab.
Ein weiterer signifikanter Titel ist »Sohn Marias« (Îsâ ibn Maryam). Diese Bezeichnung ist nicht nur ein Indiz für die Überzeugung von der Jungfrauengeburt Jesu, sondern auch eine pointierte Antithese zur christlichen Bezeichnung Jesu als »Sohn Gottes«. Sie betont, dass Jesus keinen irdischen oder himmlischen Vater hat, was seine Abhängigkeit von Gott und seine reine Geschöpflichkeit hervorhebt.
Jesu Geburt und Kindheit im koranischen Narrativ
Die koranische Erzählung von Jesu Geburt unterscheidet sich in einigen wichtigen Details von der christlichen Überlieferung, ist aber ebenso wundersam und eindrücklich. Der Koran schildert die Ankündigung von Jesu Geburt und seine Empfängnis in Maria zweimal ausführlich (Sure 19:16-22 und Sure 3:42-47). Es wird betont, dass Maria Jesus jungfräulich durch ein Hauchen des Geistes, hier Gabriel genannt, empfangen hat (vgl. Sure 21:91; 66:12). Diese wundersame Empfängnis ist ein Zeichen der Allmacht Gottes.
Die Geburt selbst findet nicht in einem Stall oder Haus statt, sondern in der Wüste unter freiem Himmel, wo Maria, offensichtlich allein, lediglich von einer Palme beschattet wird (Sure 19:23-34). Die Geschichte ist reich an Kontrasten: Marias Todessehnsucht steht das lebendige Quellwasser gegenüber, ihre Geburtsschmerzen kontrastieren mit der wundersamen Labung durch süße Datteln. Das wohl erstaunlichste Wunder der Geburt ist das zweimalige Reden des neugeborenen Jesus. Er spricht, um seine Mutter vor Verdächtigungen zu schützen und sich selbst als »Gottes Diener« und Propheten vorzustellen (Sure 19:29-33). Dieses Wunder unterstreicht seine besondere Stellung und göttliche Berufung bereits von Kindheit an.
Jesus als Prophet und Gesandter der Einheit
Die Christologie des Korans ist tief in seiner Prophetologie verwurzelt. Jesus wird primär als Prophet (nabî) und Gesandter (rasûl) Gottes verstanden, der in einer langen Reihe von Propheten steht, die alle die gleiche Würde besitzen (Sure 2:136 = 3:84). Seine Sendung galt spezifisch den Juden, die vom rechten Weg abgekommen waren, um sie zum ungeteilten Glauben an den Einen und Einzigen Gott zurückzuführen. Seine Botschaft bestätigte die Thora Moses, brachte aber auch innovative Elemente und Erleichterungen von einigen ihrer Vorschriften (Sure 3:50; vgl. 57:27).
Das Buch, das Jesus von Gott empfing, um es den Juden zu bringen, ist »das Evangelium« (al-indschîl). Seine Grundstruktur steht in großer Nähe zur theozentrischen Verkündigung Jesu, wie sie auch in den synoptischen Evangelien wiedergegeben wird. Jesus verkündigte nicht sich selbst, sondern Gott als den Einen und Einzigen Herrn aller Menschen, dem allein die Anbetung gebührt. Der Kern seiner Botschaft, oft im Koran wiederholt, lautet (Sure 3:51): »Gott ist mein Herr und euer Herr, so dienet Ihm. Das ist ein gerader Weg.« Die Jünger Jesu werden im Koran als seine »Helfer zu Gott« bezeichnet, was ihre Rolle als Unterstützer der göttlichen Botschaft unterstreicht (Sure 3:52, f).
Eine weitere wichtige Facette von Jesu Sendung ist seine Rolle als unmittelbarer Vorläufer Muhammads. Jesus kündigte das Kommen eines Gesandten namens Ahmad an (Sure 61:6), der als Muhammad verstanden wird. Diese Ankündigung betont die Einheit und Kontinuität der göttlichen Offenbarungsgeschichte, wobei Jesus als Bindeglied zwischen früheren Propheten und dem »Siegel der Propheten« fungiert.
Jesu Wunder: Zeichen der Allmacht Gottes
Die Wunder Jesu, im Koran als »Beweise« oder »Zeichen« (âyât) bezeichnet, sind zentrale Elemente seiner Sendung. Sie werden jedoch stets als Taten vollzogen »mit Gottes Erlaubnis« und durch die Stärkung mit dem »Geist der Heiligkeit«, was unterstreicht, dass es Gott ist, der durch Jesus wirkt, und nicht Jesus aus eigener göttlicher Kraft. Sure 5:110 listet einige dieser Wunder auf, die an die Summarien der Synoptiker erinnern: das Sprechen in der Wiege, die Lehre des Buches, der Weisheit, der Thora und des Evangeliums, das Formen von Vögeln aus Ton, das Heilen von Blinden und Aussätzigen sowie das Erwecken von Toten – alles »mit meiner Erlaubnis«.
Drei Wunder werden im Koran besonders hervorgehoben:
- Das Wiegenwunder: Jesus spricht bereits als Säugling (Sure 3:46; 5:110; 19:29-33), um seine Mutter zu trösten und seine göttliche Berufung zu offenbaren.
- Das Vogelwunder: Jesus formt aus Ton eine Vogelgestalt, haucht ihr Leben ein und sie wird zu einem Vogel (Sure 5:110). Dieses Wunder beweist die Schöpfermacht Gottes, nicht eine göttliche Natur Jesu selbst. Es unterscheidet sich signifikant von apokryphen Erzählungen, die eher die Wunderkraft eines Kindes hervorheben.
- Das Speisetischwunder: Auf Bitten seiner Jünger lässt Jesus eine Speise vom Himmel herabkommen (Sure 5:112-115). Dieses Wunder kann als Reflex auf die Speisewunder der Evangelien oder andere theologische Traditionen verstanden werden, dient aber ebenso dem Erweis der göttlichen Fürsorge und Allmacht.
Diese Wunder dienen als unmissverständliche Zeichen für die Wahrheit der Botschaft Jesu und die Allmacht Gottes, der ihn gesandt hat. Sie sind Beweise, die Menschen zum Glauben an den Einen Gott führen sollen.
Jesu Menschsein: Der »Diener Gottes«
Der wichtigste Titel Jesu im Koran, der seine Menschlichkeit und seine Beziehung zu Gott fundamental definiert, ist »Diener Gottes« (abd Allâh). Diese Bezeichnung ist kein exklusiver Titel für Jesus, sondern die grundlegende Bestimmung des Menschseins im Koran. Jeder Mensch ist ein »Diener« Gottes, der in seiner Existenz vollständig auf Gott als seinen alleinigen »Herrn« (rabb) angewiesen ist (vgl. Sure 51:56; 7:194; 13:15, f; 21:26).
Die Bezeichnung Jesu als »abd« betont, dass er nicht der »Sohn Gottes« ist – eine Vorstellung, die der Koran entschieden ablehnt. Die Behauptung einer Gottessohnschaft Jesu wird als Widerspruch zu seinem eigenen Selbstzeugnis betrachtet. Gott ist nicht sein Vater, sondern sein Herr. Sure 4:172 stellt klar: »Der Messias wird es sicher nicht aus Widerwillen ablehnen, Diener Gottes zu sein, und auch nicht die in die Nähe (Gottes) zugelassenen Engel. Wenn einer es aus Widerwillen ablehnt, Ihm zu dienen, und sich hochmütig zeigt, so wird Gott doch sie allesamt zu sich versammeln.«
Der Koran lehnt die Gottessohnschaft Jesu aus zwei Hauptgründen ab, die auch die polytheistischen Ansichten der Gegner Muhammads in Mekka widerlegen:
- Gott duldet als der Eine und Einzige keinen Teilhaber an Seiner Seite. Die Behauptung der Gottessohnschaft wird als Sünde der »Beigesellung« (shirk) betrachtet.
- Gott ist erhaben darüber, eine Gefährtin zu haben oder Kinder zu zeugen. Solche Vorstellungen sind menschlich-allzumenschliche Fantasien und widersprechen Gottes Transzendenz (vgl. Sure 6:100-101; 17:111; 23:91, f; 72:3).
Aus koranischer Sicht missverstehen die Juden Jesus, indem sie ihn herabsetzen und als illegitimes Kind Marias betrachten. Die Christen hingegen gehen zu weit, indem sie ihn überschätzen und für einen Gott halten. Diese Übertreibung wird als »Unglaube« (kufr) verurteilt (Sure 5:17, 72). Der Koran verurteilt auch die starken Tendenzen im orientalischen Christentum zur Vergottung Jesu und Marias sowie christliche Uneinigkeit über theologische Dogmen wie die Trinität (Sure 5:73, 116).
Die Kreuzigung Jesu im Koran: Eine kontroverse Frage
Einer der markantesten Unterschiede zwischen der koranischen und der christlichen Sicht auf Jesus betrifft die Kreuzigung. Der Koran stellt die Behauptung der Juden, Jesus getötet und gekreuzigt zu haben, entschieden in Abrede. Sure 4:157 lautet: »Sie haben ihn aber nicht getötet, und sie haben ihn nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen eine ihm ähnliche Gestalt.« Dieser Vers ist der Ausgangspunkt für die im Islam vorherrschende Lehre, dass nicht Jesus selbst, sondern eine andere Person, die ihm ähnlich sah, gekreuzigt wurde. Gott habe Jesus vor den mörderischen Absichten seiner Gegner bewahrt und ihn zu Sich erhoben.
Die genaue Art und Weise dieser göttlichen Intervention bleibt ein Geheimnis Gottes. Die meisten islamischen Kommentatoren sind sich einig, dass der Koran nicht das historische Ereignis einer Kreuzigung an sich verneint, sondern die Kreuzigung Jesu. Die eigentliche Zielrichtung dieses Verses ist weniger antichristlicher als antijüdischer Natur. Er weist die anmaßende Behauptung der Juden zurück, einen Gesandten Gottes ermordet zu haben. Die Botschaft ist, dass Gott seine Gesandten schützt und über jeder menschlichen Opposition steht – das Prinzip des deus semper maior.
Der Tod und die Erhöhung Jesu im Koran
Der Koran macht keine expliziten Angaben darüber, wo, wie, wann und in welchem Alter Jesus stirbt. Eindeutig ist lediglich, dass Jesus als Mensch sterblich ist, da Gott keinem Menschen Unsterblichkeit verliehen hat (Sure 21:34, f). Die klarste Aussage dazu findet sich in Sure 19:33, wo Jesus von sich selbst sagt: »Friede sei über mir am Tag, da ich geboren wurde, und am Tag, da ich sterbe, und am Tag, da ich wieder zum Leben erweckt werde.«
An zwei anderen Stellen (Sure 3:55; 5:117) wird nicht vom »Sterben« Jesu, sondern von seinem »Abberufenwerden« (tawaffa) gesprochen. Dieser Ausdruck ist Gegenstand unterschiedlicher Interpretationen. Eine klassische islamische Deutung besagt, dass Jesus lebend zu Gott erhoben wurde und im Himmel weilt, um erst nach seiner endzeitlichen Mission zu sterben. Eine zeitgenössischere Interpretation, die dem koranischen Sprachgebrauch näherkommt, versteht »abberufen werden« als »sterben lassen« im Sinne eines natürlichen Todes. Demnach hat Gott Jesus aus der unmittelbaren Todesgefahr befreit und ihn zu einem späteren Zeitpunkt eines natürlichen Todes sterben lassen, um daraufhin seine Seele zu sich zu nehmen. Diese Deutung betont, dass Jesu »Abberufung« und »Erhöhung« im Koran nichts mit Auferstehung, Entrückung oder Himmelfahrt zu tun hat, wie es im Christentum verstanden wird, sondern lediglich seine Rückkehr zu Gott, dem Ursprung allen Lebens, am Ende seines irdischen Daseins beschreibt.
Jesus im Jüngsten Gericht: Der Zeuge Gottes
Die Auferweckung Jesu, wie aller Menschen, geschieht dem Koran zufolge erst am Ende der Zeiten, im Kontext des Jüngsten Gerichts. Jesus kommt jedoch eine besondere Würde zu, sowohl in der irdischen als auch in der himmlischen Welt. Er wird als »Angesehener, Herrlicher, Geehrter in Gottes Nähe« (Sure 3:45) beschrieben. Seine Rolle im Endgericht ist die eines eschatologischen »Zeugen« (shahîd) Gottes in Bezug auf die Christen, ähnlich wie andere Glaubensgemeinschaften ihre eigenen Zeugen haben werden (Sure 4:159).
Diese Zeugenfunktion bedeutet nicht, dass Jesus Richter zur Rechten Gottes ist, sondern dass er Rechenschaft über sein Wirken als Gesandter ablegt. Sure 5:116-119 zitiert ein ausführliches Gespräch zwischen Gott und Jesus, das sich im Kontext des Endgerichts abspielt. Die letzten Worte Jesu in diesem Dialog fassen seine Botschaft zusammen: Sie ist wie die aller Propheten ausschließlich auf Gott bezogen. Gott allein ist Herr und König, Mächtiger und Weiser. Jesu Größe liegt in seiner gehorsamen Treue gegenüber Gottes Auftrag und in der Wahrhaftigkeit, mit der er sich Ihm unterordnet. Sein Erfolg hängt nicht von menschlicher Anerkennung ab, sondern von seiner Hingabe an den Einen Gott.
Die Zeichen-Christologie des Korans
Zusammenfassend lässt sich die koranische Christologie als eine »Zeichen-Christologie« beschreiben. Jesus ist ganz und gar der Mensch Gottes und als solcher in seinem Sein, Tun und Reden ein Gotteszeichen (âyâ). Er wird explizit dreimal als göttliches »Zeichen« für die Welt bzw. die Menschen genannt (Sure 19:21; 21:91; 23:50). Nicht nur seine Wunder sind Zeichen der Allmacht und Güte Gottes, sondern seine gesamte Person ist ein solches Zeichen.
Jesus weist stets von sich selbst weg, hin auf Gott. Er ist ein »Fingerzeig« Gottes, der die Menschen auf die Güte und Allmacht des Schöpfers verweist. Diese theozentrische Ausrichtung ist der Kern der koranischen Botschaft über Jesus. Wie Rainer Maria Rilke es ausdrückt: Christus wollte »zeigen«. Und genau das ist die Essenz der koranischen Jesus-Darstellung: Er ist der, der auf Gott zeigt, der die Menschen zu Ihm zurückführt und Zeugnis von Seiner Einheit und Größe ablegt.
Vergleich der Perspektiven: Koran vs. Christentum
Um die Nuancen der koranischen Sichtweise besser zu verstehen, ist ein Vergleich mit der christlichen Tradition hilfreich:
| Aspekt | Christliche Perspektive | Koranische Perspektive |
|---|---|---|
| Natur Jesu | Sohn Gottes, Gott in menschlicher Gestalt (Inkarnation), Teil der Trinität, präexistent. | Diener Gottes, Prophet und Gesandter, Mensch, geschaffen durch göttliches Wort, nicht präexistent. |
| Geburt Jesu | Jungfrauengeburt im Stall/Haus, begleitet von Joseph, Hirten, Weisen. | Jungfrauengeburt in der Wüste unter einer Palme, Maria allein, Jesus spricht als Säugling. |
| Titel Jesu | Christus, Sohn Gottes, Herr, Retter, Lamm Gottes. | Messias (al-masîh), Geist von Gott, Wort von Gott, Sohn Marias, Prophet, Gesandter, Diener Gottes. |
| Kreuzigung | Historisches Ereignis, Jesus wurde gekreuzigt, starb und wurde auferweckt; zentral für die Erlösung der Sünden. | Jesus wurde nicht gekreuzigt, sondern Gott erhob ihn zu Sich; jemand anderes wurde gekreuzigt; dient als Schutz des Gesandten und Beweis der göttlichen Allmacht. |
| Tod Jesu | Tod am Kreuz, Auferstehung nach drei Tagen. | Jesus ist sterblich (Sure 19:33), „abberufen werden“ (Sure 3:55, 5:117) – Interpretation als natürlicher Tod oder Erhöhung ohne vorherigen Tod, Auferstehung erst am Jüngsten Tag. |
| Botschaft | Reich Gottes, Sühne für Sünden, Glaube an Jesus als Retter, Nächstenliebe. | Anbetung des Einen Gottes (Monotheismus), Bestätigung früherer Schriften, Rückkehr zum geraden Weg, Vorbote Muhammads. |
| Messianität | Erlöser und Heiland der Menschheit, der durch seinen Tod und seine Auferstehung Sünden sühnt. | Prophet und Gesandter, der die Kinder Israels zum reinen Glauben an Gott zurückruft und das Kommen Muhammads ankündigt. |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Ist Jesus im Koran Gott oder Sohn Gottes?
Nein, der Koran lehnt die Vorstellung ab, dass Jesus Gott oder der Sohn Gottes ist. Jesus wird im Koran als ein herausragender Prophet und Gesandter Gottes sowie als »Diener Gottes« bezeichnet. Die Konzepte der Trinität oder der Gottessohnschaft werden als Polytheismus oder als Vermenschlichung Gottes strikt zurückgewiesen. Der Koran betont die absolute Einheit und Einzigartigkeit Gottes (Tawhid) über alles andere.
Wurde Jesus im Koran gekreuzigt?
Nein, der Koran bestreitet die Kreuzigung Jesu. Gemäß Sure 4:157 wurde Jesus nicht getötet und nicht gekreuzigt, sondern es erschien den Menschen eine ihm ähnliche Gestalt. Gott habe Jesus zu Sich erhoben und ihn vor den feindlichen Absichten seiner Gegner bewahrt. Die genaue Art und Weise, wie dies geschah, bleibt ein Geheimnis Gottes, aber die Botschaft ist klar: Gott schützt seine Gesandten.
Was ist das Evangelium, das Jesus im Koran gebracht hat?
Das Evangelium (al-indschîl) im Koran ist die göttliche Offenbarung, die Jesus von Gott in Buchform empfing. Es ist eine theozentrische Botschaft, die die Menschen zur Anbetung des Einen und Einzigen Gottes aufruft. Der Kern dieser Botschaft ist: »Gott ist mein Herr und euer Herr, so dienet Ihm. Das ist ein gerader Weg.« Es bestätigt die früheren Offenbarungen wie die Thora und dient als Anleitung zur Rechtleitung für die Kinder Israels.
Hat Jesus im Koran einen Vater?
Nein, der Koran betont die jungfräuliche Geburt Jesu durch Maria, ohne einen menschlichen Vater. Er wird oft als »Îsâ ibn Maryam« (Jesus, Sohn Marias) bezeichnet, um seine reine Geschöpflichkeit und seine einzigartige Geburt durch Gottes Schöpfermacht hervorzuheben. Dies ist eine klare Abgrenzung zur christlichen Lehre von Jesus als »Sohn Gottes«.
Welche Wunder hat Jesus laut Koran vollbracht?
Jesus hat im Koran zahlreiche Wunder vollbracht, aber immer »mit Gottes Erlaubnis«. Dazu gehören das Sprechen als Säugling in der Wiege, das Formen von Vögeln aus Ton, denen er Leben einhauchte, das Heilen von Blinden und Aussätzigen sowie das Erwecken von Toten. Ein weiteres prominentes Wunder ist das Herabkommen einer Speise vom Himmel auf einem Tisch. Diese Wunder dienen als »Zeichen« der Allmacht und Güte Gottes und bestätigen Jesu Prophetentum.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Jesu Evangelium im Koran: Eine Tiefenanalyse kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Religion besuchen.
