Wie wirkt ein Gottesdienst in der Evangelischen Kirche?

Wortgottesdienst & Kreuzzeichen: Tiefere Einblicke

01/04/2022

Rating: 4.92 (3407 votes)

Der Gottesdienst, insbesondere die heilige Messe in der katholischen Tradition, ist eine reiche Quelle spiritueller Nahrung und eine tiefgehende Begegnung mit dem Göttlichen. Er setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen, die alle eine spezifische Funktion und Bedeutung haben. Zwei dieser zentralen Elemente, die oft Fragen aufwerfen oder deren Tiefe nicht immer vollständig erfasst wird, sind der Wortgottesdienst und das kleine Kreuzzeichen, das Gläubige vor dem Evangelium machen. Während der Wortgottesdienst den ersten großen Teil der Messfeier bildet und sich auf das Hören und Verstehen der Heiligen Schrift konzentriert, ist das Kreuzzeichen eine prägnante Geste der Hingabe und Vorbereitung, die unmittelbar vor der Verkündigung der Frohen Botschaft steht. Lassen Sie uns diese beiden Aspekte genauer betrachten und ihre Bedeutung für unser geistliches Leben ergründen.

Was macht ein Pfarrer?
( 2 ) Pfarrerinnen und Pfarrer sind auf die Fürbitte, den Rat und die Hilfe der Gemeinde angewiesen. Pfarrerinnen und Pfarrer wirken mit allen in den Dienst der Kirche Gerufenen an der Erfüllung des kirchlichen Auftrages mit und tragen mit ihnen Verantwortung für diese Dienstgemeinschaft.

Der Wortgottesdienst: Eine Begegnung mit Gottes Botschaft

Der Wortgottesdienst ist der fundamentale erste Teil der Messfeier, der direkt auf die Eröffnung folgt und in die Eucharistiefeier übergeht. Sein Name ist Programm: Es geht um das Wort Gottes. In diesem Abschnitt versammelt sich die Gemeinde, um die Heilige Schrift zu hören, zu meditieren und darauf zu antworten. Er ist weit mehr als nur eine Lesung von Texten; er ist eine lebendige Begegnung mit Christus selbst, der in seinem Wort gegenwärtig ist. Die Struktur des Wortgottesdienstes ist über Jahrhunderte gewachsen und folgt einer klaren Ordnung, die darauf abzielt, die Gläubigen schrittweise in die göttliche Botschaft einzuführen.

Die Lesungen: Stimmen der Vergangenheit und Gegenwart

Typischerweise umfasst der Wortgottesdienst zwei oder drei Lesungen. Die erste Lesung stammt meist aus dem Alten Testament oder, in der Osterzeit, aus der Apostelgeschichte. Sie bereitet oft thematisch auf das Evangelium vor oder beleuchtet dessen Hintergründe. Die zweite Lesung wird in der Regel aus einem der Briefe der Apostel oder anderen Schriften des Neuen Testaments entnommen. Diese Lesungen offenbaren die Geschichte Gottes mit seinem Volk, die Weisheit der Propheten und die Lehren der Apostel. Sie sind die Stimme der Tradition, die uns die Offenbarung Gottes durch die Jahrhunderte nahebringt.

Der Antwortpsalm: Unser Echo auf Gottes Wort

Nach der ersten Lesung folgt der Antwortpsalm. Dies ist keine weitere Lesung, sondern ein integraler Bestandteil des Gebets der Gemeinde. Der Psalm ist oft thematisch mit der vorangegangenen Lesung verbunden und soll der Gemeinde ermöglichen, in meditativer Weise auf das Gehörte zu antworten. Er wird entweder von einem Kantor oder Chor vorgetragen, wobei die Gemeinde einen Kehrvers singt, oder von der ganzen Gemeinde gemeinsam gebetet. Der Antwortpsalm ist ein Moment des Innehaltens, des Gebets und der persönlichen Reflexion über das soeben Gehörte.

Der Ruf vor dem Evangelium: Halleluja!

Vor der Verkündigung des Evangeliums erklingt der Ruf vor dem Evangelium, meist das „Halleluja“ (außer in der Fastenzeit, wo ein anderer Ruf verwendet wird). Dieser Akklamationsruf ist ein Ausdruck der Freude und der Erwartung auf die Ankunft Christi im Evangelium. Er bereitet die Herzen der Gläubigen auf die heiligste Lesung des Wortgottesdienstes vor.

Das Evangelium: Christus selbst spricht

Das Evangelium ist der Höhepunkt des Wortgottesdienstes. Es wird mit besonderer Ehrfurcht behandelt, da in ihm Christus selbst zu seiner Gemeinde spricht. Oft wird das Evangelienbuch in einer feierlichen Prozession zum Ambo getragen, begleitet von Kerzen und Weihrauch, um die besondere Würde dieses Moments zu unterstreichen. Die Gemeinde erhebt sich als Zeichen des Respekts und der Bereitschaft, dem Wort Christi zu lauschen und es in die Tat umzusetzen.

Das Kreuzzeichen vor dem Evangelium: Eine Geste der Hingabe

Unmittelbar bevor der Priester oder Diakon das Evangelium verkündet, machen die Gläubigen ein kleines Kreuzzeichen auf Stirn, Mund und Brust. Diese Geste, die oft unreflektiert ausgeführt wird, ist tief symbolisch und voller Bedeutung.

Das Kreuz auf der Stirn bedeutet: Möge das Wort Gottes in meinen Gedanken sein. Es ist ein Gebet darum, dass unser Verstand offen und empfänglich für die Botschaft Christi ist, dass wir sie verstehen und uns von ihr erleuchten lassen. Es ist eine Bitte um Weisheit und Erkenntnis.

Das Kreuz auf dem Mund symbolisiert: Möge das Wort Gottes auf meinen Lippen sein. Es drückt den Wunsch aus, dass wir das Gehörte nicht nur in uns behalten, sondern es auch verkünden und in unserem Sprechen widerspiegeln. Es ist eine Verpflichtung, das Evangelium mit unseren Worten zu bezeugen und Gutes zu reden.

Das Kreuz auf der Brust (Herz) bedeutet: Möge das Wort Gottes in meinem Herzen sein. Dies ist die tiefste Ebene der Aneignung. Es ist der Wunsch, dass das Wort Gottes nicht nur unseren Verstand und unsere Lippen, sondern unser ganzes Wesen durchdringt und unser Herz verwandelt. Es ist die Bitte, dass wir das Evangelium lieben, es verinnerlichen und es zur Richtschnur unseres Lebens machen. Es ist die Zusage, dass wir bereit sind, das Wort in Taten umzusetzen und aus der Liebe heraus zu handeln.

Zusammengefasst ist dieses dreifache Kreuzzeichen eine umfassende Bitte um die Gnade, das Evangelium mit Geist, Wort und Tat anzunehmen und zu leben. Es ist eine persönliche Vorbereitung auf die heiligste Begegnung mit dem Herrn in seinem Wort.

Wann wird das Johannes Evangelium gelesen?
Das Johannesevangelium hat kein eigenes Lesejahr, es wird vor allem in der Osterzeit gelesen. Die 1. Lesung wird an den meisten Sonntagen und vielen Festtagen aus dem Alten Testament entnommen. Der Text entspricht thematisch dem Text aus dem Evangelium.

Die Homilie: Das Wort lebendig machen

Nach der Verkündigung des Evangeliums folgt die Homilie, auch Predigt genannt. Der Priester oder Diakon legt hier das Gehörte aus, erklärt seine Bedeutung für das heutige Leben und ermutigt die Gemeinde zur Umsetzung. Die Homilie soll das Wort Gottes lebendig machen und den Bezug zum Alltag der Gläubigen herstellen. Sie ist keine theologische Abhandlung, sondern eine Verkündigung, die zum Glauben und zur Umkehr einlädt.

Das Glaubensbekenntnis: Unsere gemeinsame Antwort

Als Antwort auf das gehörte und ausgelegte Wort Gottes spricht die Gemeinde gemeinsam das Glaubensbekenntnis (meist das Nizäno-Konstantinopolitanische oder das Apostolische Bekenntnis). Dies ist ein feierliches Bekenntnis des gemeinsamen Glaubens der Kirche und eine Bestätigung dessen, was im Wortgottesdienst gehört und meditiert wurde. Es ist ein starker Ausdruck der Gemeinschaft und der Einheit im Glauben.

Die Fürbitten: Unser Gebet für die Welt

Den Abschluss des Wortgottesdienstes bilden die Fürbitten, auch allgemeines Gebet der Gläubigen genannt. Hier trägt die Gemeinde ihre Bitten und Anliegen vor Gott. Diese Gebete umfassen die Anliegen der Kirche, der Welt, der Notleidenden und der eigenen Gemeinde. Die Fürbitten sind ein Ausdruck der Solidarität und des universalen Charakters des christlichen Gebets, das über die eigenen Bedürfnisse hinausgeht.

Wortgottesdienst vs. Eucharistiefeier: Zwei untrennbare Teile

Es ist wichtig zu verstehen, dass der Wortgottesdienst und die nachfolgende Eucharistiefeier keine voneinander unabhängigen Teile sind, sondern zwei untrennbare und sich gegenseitig ergänzende „Tische“, von denen die Gläubigen genährt werden: der Tisch des Wortes und der Tisch der Eucharistie. Der Wortgottesdienst bereitet die Gemeinde auf die Eucharistie vor, indem er die Herzen durch das Hören auf Gottes Wort öffnet und auf die Begegnung mit Christus im Sakrament einstimmt. Ohne das Wort wäre die Eucharistiefeier unverständlich, und ohne die Eucharistie bliebe das Wort unvollendet in seiner Wirksamkeit.

Vergleich der Teile des Wortgottesdienstes

Teil des WortgottesdienstesZweckBeteiligung der GemeindeSpirituelle Wirkung
Erste LesungEinführung in die Heilsgeschichte; thematische VorbereitungHören, NachdenkenGrundlagenverständnis, historischer Kontext
AntwortpsalmMeditative Antwort auf die Lesung; persönliches GebetSingen/Sprechen des KehrversesInneres Echo, Gefühlsausdruck
Zweite LesungApostolische Lehre; Vertiefung des GlaubensHören, ReflektierenAnleitung für das christliche Leben
Ruf vor dem EvangeliumJubelruf; Vorbereitung auf ChristusSingen des HallelujaFreude, Erwartung
EvangeliumVerkündigung Christi; Christus selbst sprichtAufstehen, Kreuzzeichen, HörenBegegnung mit dem Herrn, zentrale Botschaft
HomilieAuslegung des Wortes; Anwendung auf das LebenHören, VerstehenOrientierung, Ermutigung
GlaubensbekenntnisGemeinsames Bekenntnis des GlaubensGemeinsames SprechenEinheit, Bestärkung des Glaubens
FürbittenGebet für Kirche, Welt, NotleidendeSprechen der Bitten, AkklamationSolidarität, Mitverantwortung

Häufig gestellte Fragen

Warum gibt es den Wortgottesdienst überhaupt?
Der Wortgottesdienst ist essentiell, weil Gott in ihm zu uns spricht. Er offenbart sich uns durch die Heilige Schrift, bereitet unsere Herzen auf die Eucharistie vor und lehrt uns, wie wir als Christen leben sollen. Er ist die geistige Nahrung, die uns hilft, den Glauben zu verstehen und zu leben.

Was symbolisiert das Kreuzzeichen vor dem Evangelium genau?
Das kleine Kreuzzeichen auf Stirn, Mund und Brust ist ein Gebet und eine Verpflichtung. Es bedeutet, dass wir das Wort Gottes mit unserem Verstand erfassen (Stirn), mit unseren Worten verkünden (Mund) und mit unserem Herzen lieben und in die Tat umsetzen wollen (Brust). Es ist eine Geste der vollen Hingabe an die Botschaft Christi.

Muss man immer alle Lesungen hören?
Ja, im Rahmen der Messfeier sind alle Lesungen integraler Bestandteil des Wortgottesdienstes und sollten aufmerksam gehört werden. Jede Lesung hat ihren eigenen Wert und trägt zur Gesamtaussage des Tages bei.

Was ist der Unterschied zwischen Lesung und Evangelium?
Die Lesungen (aus dem Alten Testament und den Apostelbriefen) sind ebenfalls Gottes Wort, aber das Evangelium hat eine besondere Stellung. Es verkündet direkt die Worte und Taten Jesu Christi und wird daher mit besonderer Ehrfurcht behandelt. Im Evangelium wird Christus selbst als der Sprechende und Handelnde angesehen.

Kann ein Wortgottesdienst ohne Priester gefeiert werden?
Ja, ein Wortgottesdienst kann auch ohne Priester gefeiert werden, zum Beispiel als Andacht oder in Gemeinden, wo kein Priester verfügbar ist. In diesem Fall wird oft die Kommunion ausgeteilt, die zuvor in einer Messfeier geweiht wurde. Ein vollwertiger Wortgottesdienst im Rahmen der Messe beinhaltet jedoch die Anwesenheit eines Zelebranten (Priester oder Diakon) für die Verkündigung des Evangeliums und die Homilie.

Schlussgedanke

Der Wortgottesdienst und das kleine Kreuzzeichen vor dem Evangelium sind keine bloßen Rituale, sondern tiefe Ausdrucksformen unseres Glaubens und unserer Beziehung zu Gott. Sie laden uns ein, aktiv teilzunehmen, unser Herz zu öffnen und die Botschaft Christi in unser Leben zu integrieren. Indem wir die Bedeutung dieser Elemente verstehen, können wir die Liturgie bewusster und fruchtbarer erleben und uns immer tiefer von der göttlichen Gegenwart in Wort und Sakrament nähren lassen. Es ist eine ständige Einladung, unser Leben auf das Wort Gottes auszurichten und es zur Quelle unserer Inspiration und Kraft zu machen.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Wortgottesdienst & Kreuzzeichen: Tiefere Einblicke kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Liturgie besuchen.

Go up