Wie viele Wunder gibt es im Johannes Evangelium?

Die Geburt Jesu im Matthäus-Evangelium

25/08/2023

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Das Matthäus-Evangelium, eines der vier Evangelien des Neuen Testaments, ist weit mehr als nur eine historische Aufzeichnung. Es ist eine theologische Erzählung, die die Geschichte von Jesus Christus auf eine Weise darlegt, die tief in der jüdischen Tradition verwurzelt ist und gleichzeitig eine universelle Botschaft entfaltet. Insbesondere seine Darstellung der Geburt Jesu fasziniert seit Jahrhunderten Gläubige und Wissenschaftler gleichermaßen. Es ist ein Text, der uns einlädt, nicht nur die Fakten zu betrachten, sondern auch die tiefere Bedeutung und Gottes Wirken in der Menschheitsgeschichte zu erkennen.

Was ist das Matthäus-Evangelium?
Das Matthäus-Evangelium, eines der vier Evangelien des Neuen Testaments, erzählt die Geschichte von Jesus Christus. Es ist eines der am häufigsten studierten und diskutierten Werke der christlichen Literatur, und seine Darstellung der Geburt Jesu hat seit Jahrhunderten sowohl Gläubige als auch Wissenschaftler gleichermaßen fasziniert.
Inhaltsverzeichnis

Das Matthäus-Evangelium: Entstehung und stilisierter Stammbaum

Die Mehrheit der heutigen Forschung vermutet, dass das Matthäus-Evangelium um ca. 80 n. Chr. geschrieben wurde. Es beginnt mit einer bemerkenswerten Darlegung des Stammbaumes Jesu, der sofort die theologische Absicht des Evangelisten offenbart. Dieser Stammbaum ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Namen, sondern ein sorgfältig strukturiertes Zeugnis dafür, dass Gott der Herr der Geschichte ist.

Matthäus gliedert den Stammbaum in drei Abschnitte zu je vierzehn Gliedern: „Alle Glieder von Abraham bis zu David sind vierzehn Glieder. Von David bis zur babylonischen Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus sind vierzehn Glieder.“ (Mt 1,17). Diese stilisierte Darstellung ist kein Zufall. Sie hebt vier Schlüsselereignisse bzw. Personen der jüdischen Geschichte hervor: Abraham (der Vater des Glaubens), David (der König, aus dessen Geschlecht der Messias kommen sollte), die babylonische Gefangenschaft (ein Wendepunkt der nationalen Identität) und schließlich Jesus Christus selbst. Für Matthäus läuft die gesamte Geschichte auf Jesus zu, der die Erfüllung all dieser Verheißungen darstellt. Während andere Evangelien, wie das Lukasevangelium, den Stammbaum anders und ausführlicher darstellen, betont Matthäus durch diese Struktur Gottes souveränes Handeln in der Geschichte.

Die Bedeutung der Frauen im Stammbaum

Eine weitere Besonderheit des Matthäus-Stammbaumes ist die Erwähnung von vier Frauen – neben Maria: Tamar (Mt 1,3), Ruth (Mt 1,5), die Frau des Uria (Bathseba, Mt 1,6) und Maria. Dies ist bemerkenswert, da Stammbäume in der Antike in der Regel rein männlich waren. Die Geschichten dieser Frauen sind zudem in gewisser Weise „anrüchig“ oder unkonventionell, was eine tiefere theologische Aussage transportiert:

FrauGeschichte (Kurzfassung)Theologische Bedeutung im Matthäus-Evangelium
Tamar (Genesis 38)Verkleidete sich als Prostituierte, um von ihrem Schwiegervater Juda Nachkommen zu bekommen, da dieser seine Pflicht ihr gegenüber vernachlässigte.Gott wirkt auch durch unkonventionelle oder moralisch fragwürdige Wege, um seinen Plan zu verwirklichen.
Ruth (Buch Ruth)Eine Moabiterin (Heidin), die sich zu ihrem jüdischen Volk und dessen Gott bekennt. Sie legte sich zu Boas' Füßen, um ihn zur Ehe zu bewegen.Zeigt, dass Gottes Heilsplan auch Nicht-Juden einschließt und die Herkunft Jesu über die Grenzen Israels hinausgeht.
Die Frau des Uria (Bathseba, 2. Samuel 11)David beging Ehebruch mit ihr und ließ ihren Mann Uria töten. Ihr erster Sohn starb, aber der zweite war Salomo.Gott verfolgt seinen Plan trotz menschlicher Schuld und Sünde, selbst bei großen Persönlichkeiten wie König David.
Maria (Mutter Jesu)Wurde durch den Heiligen Geist schwanger, bevor sie mit Josef zusammenkam, was zu gesellschaftlicher Ächtung hätte führen können.Die Menschwerdung Gottes geschieht auf wundersame Weise, die menschliche Konventionen übersteigt und Glauben erfordert.

Diese Geschichten zeigen, dass Gott zwar der Herr der Geschichte ist, er aber nicht jedes Detail plant. Menschen haben Freiheit und gestalten ihre eigene Geschichte, oft auch in Schuld und Versagen. Doch Gott verfolgt unbeirrt sein Ziel: Er wird seinen Retter schicken, um sein Volk von seinen Sünden zu befreien (Mt 1,21). Dies ist die „Miteinander-Geschichte“, in der Gott das Handeln des Menschen achtet, auch wenn es ihm zuwider ist, und dennoch seine Akzente setzt.

Maria, Josef und die Menschwerdung

Das Matthäus-Evangelium betont, dass Josef aus der David-Linie abstammt. Obwohl es auffällig ist, dass Marias Abstammung von David nicht explizit erwähnt wird, kann dies unterschiedlich gedeutet werden (z.B. durch Heirat mit Josef oder durch eine nicht dokumentierte weibliche Linie). Entscheidend ist jedoch die einzigartige Weise, wie Maria schwanger wird: „Maria erwartete ein Kind – durch das Wirken des Heiligen Geistes.“ (Mt 1,18b). Gott hat sich nicht wie Zeus in der griechischen Mythologie ein schönes Mädchen ausgesucht, mit der er einen Halbgott zeugt. Stattdessen ist der Geist Gottes Gottes Schöpfungskraft, die in Maria wirkt und Jesus erschafft (Inkarnation = Menschwerdung).

Dies mutete Maria und Josef viel zu. Eine Schwangerschaft vor der Ehe konnte die Verstoßung oder sogar die Todesstrafe bedeuten. Daher muss Gott auch ein Wörtchen mit Josef reden. Durch einen Boten, einen Engel im Traum, wird Josef angewiesen, Maria nicht zu verlassen. Josef entschließt sich, bei Maria zu bleiben, was ihn dem entehrenden Gespött seiner Mitmenschen aussetzt. Auch hier zeigt sich Gottes Eingreifen in das menschliche Leben, um seinen Plan zu verwirklichen.

Immanuel: Gott mit uns

Der Engel im Traum teilt Josef nicht nur den Auftrag mit, bei Maria zu bleiben, sondern auch, dass das Kind „Immanuel“ genannt werden soll – was übersetzt „Gott ist mit uns“ bedeutet (Mt 1,23). Obwohl Josef seinen Sohn Jesus nennt (was „Jahwe rettet“ bedeutet), spielt der Name Immanuel auf eine alttestamentliche Verheißung aus dem Buch Jesaja (Jes 7,14) an, die nun erfüllt wird. Matthäus übersetzt den Namen, um seine Bedeutung zu verdeutlichen, und greift am Schluss seines Evangeliums darauf zurück, wenn der auferstandene Jesus sagt: „Ich bin bei euch alle Tage.“ (Mt 28,20). Dies unterstreicht, dass es Matthäus nicht nur um den Namen geht, sondern um die tiefere Botschaft der Gottespräsenz.

Jungfrau oder junge Frau: Eine theologische Diskussion

Die berühmte Stelle aus Jesaja 7,14, die Matthäus zitiert („Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären...“), ist Gegenstand vieler Diskussionen. Das hebräische Wort „Almah“ bedeutet „junge Frau“, während die griechische Übersetzung „Parthenos“ „Jungfrau“ bedeutet. Matthäus hatte wahrscheinlich den griechischen Text als Vorlage. Die Frage ist, ob dies eine Missinterpretation ist oder ob der Prophet etwas Wunderhaftes prophezeien wollte, da eine junge Frau, die ein Kind bekommt, „normaler Alltag“ wäre.

Ein weiterer Aspekt der Debatte ist die Behauptung, dass Jesus nachträglich als Kind einer Jungfrau dargestellt wurde, weil auch andere große Persönlichkeiten der Weltgeschichte (wie Alexander der Große oder Augustus) von Göttern gezeugt wurden. Dem ist jedoch nicht so. Diese Figuren wurden von Göttern gezeugt, was bedeutete, dass die Frau keine Jungfrau blieb und das Kind eine Art Halbgott war. Die einzigartige Jungfrauengeburt Jesu unterscheidet sich davon fundamental: Er ist nicht eine Art Halbgott, sondern wurde durch Gottes Geist in Maria erschaffen – er ist also ein ganz besonderes Wesen, das nicht das Ergebnis einer sexuellen Vereinigung ist. Diese Interpretation hat die Menschheit zutiefst beeinflusst und unterstreicht, dass Jesus nicht nach dem Willen eines Mannes geboren wurde, sondern zu einer von Gott bestimmten Zeit. Gott ist Herr der Geschichte und greift in die Menschengeschichte ein.

Geschichtsverständnis und theologische Deutung

Unser heutiges Geschichtsverständnis, das auf der exakten Rekonstruktion dessen basiert, „was wirklich war“, unterscheidet sich grundlegend von dem der damaligen Zeit. Für uns ist Geschichte die Summe menschlicher Handlungen und deren Kausalzusammenhänge. Doch schon das Beispiel des Ersten Weltkriegs zeigt, wie kompliziert dies ist: Während Fakten wie Schlachten unumstritten sind, sind die Ursachen und Interpretationen oft heftig umstritten. Geschichte ist immer mit Interpretation verbunden.

Was sind die vier Evangelien?

In der Antike, sowohl im heidnischen als auch im jüdischen Bereich, war die Geschichtsschreibung anders. Es war üblich, berühmten Persönlichkeiten Reden in den Mund zu legen, die sie hätten halten können, solange sie dem Charakter der Person entsprachen. Im jüdischen Kontext kam hinzu, dass Geschichte immer auch von Gott mitgestaltet wird. Der Mensch ist frei, aber Gott greift immer wieder ein. Menschengeschichte ist also immer auch Geschichte Gottes mit den Menschen. In den geschichtlichen Ereignissen wird Gottes Handeln, sein Fordern und seine Gegenwart sichtbar.

Wenn wir das Matthäus-Evangelium lesen, müssen wir daher verstehen, dass es darum ging, Gottes Handeln adäquat wiederzugeben. Matthäus interpretiert die Geschichte und möchte, dass sie als theologische Geschichte gelesen wird. Die Reflexionszitate, die im Evangelium immer wieder auftauchen, sind ein klares Zeichen dafür.

Die Weisen, Herodes und die Flucht nach Ägypten

Gott kommuniziert nicht nur durch Träume und Engel, sondern auch durch Zeichen in der Natur, wie Sterne. Sterndeuter waren in der Antike hoch angesehene Weise, Forscher und Priester. Diese einflussreichen heidnischen Männer erkennen in den Sternen eine Botschaft Gottes, die selbst dem mächtigen König Herodes von Judäa verborgen bleibt: Der König der Juden wird geboren, und zwar in Bethlehem, der Stadt Davids. Ein weiteres Reflexionszitat (Mt 2,6) verdeutlicht dies.

Die Weisen folgen einem Stern – ein Wunder, das sie zum neugeborenen König der Juden führt. Sie ehren ihn mit kostbaren Schätzen: Gold (für einen Weltkönig), Weihrauch (für einen Gottessohn) und Myrrhe (für einen Heiler an Leib und Seele). Von Gott im Traum ermahnt, kehren sie nicht zu Herodes zurück. Dies ist eine massive Herrschaftskritik: Wer mit Jesus Christus in Kontakt kommt, gehorcht weltlichen Herrschern nicht mehr bedingungslos. Sie werden umgangen, gemieden.

Herodes, bekannt als „der Große“, war in der Tat grausam und ließ aus Angst vor Machtverlust seine Gegner, aber auch Familienmitglieder hinrichten. Auch wenn der Kindermord von Bethlehem nicht aus anderen Quellen belegt ist, passt er zu Herodes' Charakter. Matthäus nutzt diese Episode, um die Anmaßung des Herrschers zu zeigen, die Gottes Plan jedoch nicht durchkreuzen kann.

Die Flucht nach Ägypten, die Josef ebenfalls im Traum von einem Engel angewiesen wird, ist ein weiteres Reflexionszitat, das an die Rettung des Moses als Säugling erinnert. Jesus wird gerettet, um sein Volk von Sünden zu befreien, wie Moses sein Volk befreite. Die Erzählung positioniert Jesus als einen „zweiten Moses“, was sich auch darin zeigt, dass Matthäus den Hauptteil seines Evangeliums mit der Bergpredigt (Mt 5-7) beginnen lässt – eine Parallele zur Gesetzgebung am Sinai.

Bethlehem und Nazareth: Geburts- und Heimatort

Historisch wird oft diskutiert, ob Jesus wirklich in Bethlehem geboren wurde, da er in Nazareth aufwuchs. Die Verbindung zu Bethlehem wird manchmal als nachträgliche theologische Perspektive des christlichen Glaubens gesehen, um Jesus als Nachfahren Davids zu legitimieren (da David aus Bethlehem stammte). Sowohl Matthäus als auch Lukas, obwohl sie unterschiedliche Traditionen verwenden, verbinden Jesu Geburt mit Bethlehem und sein Aufwachsen mit Nazareth. Die Tatsache, dass beide Evangelien Bethlehem als Geburtsort nennen, deutet darauf hin, dass diese Tradition sehr alt sein muss.

Matthäus schreibt, dass Jesus in Nazareth aufgewachsen ist und somit Nazarener war, weshalb er auch Nasoräer genannt wurde. Im Hebräischen könnte „NSR“ (die Konsonanten von Nazareth) mit „Zweig“ oder „Spross“ assoziiert werden. Matthäus, vielleicht ein Schriftgelehrter, assoziiert dies wahrscheinlich mit Jesaja 11, wo vom messianischen Spross die Rede ist. Damit zeigt er seinen jüdischen Lesern, dass Jesus der verheißene Messias ist, auch wenn er allgemein von „Propheten“ spricht, da das Wort „NSR“ in diesem messianischen Kontext nur an dieser Stelle im Alten Testament vorkommt.

Reflexionszitate: Altes Testament und Neues Testament

Die sogenannten Reflexionszitate oder Erfüllungszitate sind ein zentrales Stilmittel im Matthäus-Evangelium. Sie sollen zeigen, dass die Geschichte Gottes mit Jesus schon im Alten Testament verheißen wurde. Damit greift Matthäus jüdische Schriftexegese auf. Die Bedeutung der prophetischen Worte für die Gegenwart wird gesucht und gefunden. Es stellt sich die Frage, ob Geschichten erfunden und dann mit alttestamentlichen Texten verbunden wurden, ob alttestamentliche Texte diese Geschichten erst angeregt haben, oder ob ein historischer Kern zugrunde liegt, der dann mit Geschichten und Zitaten vertieft wurde.

Was ist die bekannteste Stelle aus dem Evangelium nach Lukas?
Neben Weihnachtsliedern ist dann Zeit für die wohl bekannteste Stelle aus dem Evangelium nach Lukas. Bei der Christmette am 24. Dezember wird als Evangelium folgende Bibelstelle vorgelesen: Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen.

Es gibt keine einzelne Antwort, die für alles gilt. Deutlich wird: Es handelt sich um eine Verschränkung. Aus dem Glauben an Jesus Christus haben jüdisch-christliche Schriftgelehrte erkannt, dass das Leben und Wirken Jesu kein Zufall war, sondern schon von Propheten angekündigt wurde. Gott als Herr der Geschichte ist in Jesus am Wirken. Es liegt eine theologische Geschichtsschreibung vor, die Geschichte aus der Sicht von gläubigen Judenchristen interpretiert. Es ist spannend zu überlegen, warum gerade diese Texte aus der Fülle alttestamentlicher Texte ausgesucht wurden.

Was Gott den Menschen in der Geburt Jesu Christi schenkt

„Mit der Geburt Jesu Christi war es so...“ (Mt 1,18a). Diese unscheinbaren Worte des Evangelisten Matthäus stellen nach christlichem Glauben den Kristallisationspunkt der Geschichte dar. Alle Zeit vor Christus lief auf ihn zu, alle Geschichte nach Christus geht von ihm aus. Mit dem Zeitpunkt, an dem Gott Mensch wird, kann nichts mehr so sein, wie es gewesen ist. In diesem Jesus, von dem uns die Evangelien berichten, erfüllen sich die Verheißungen, die Gott dem Volk Israel seit langem gegeben hat. Er ist gekommen, um die ganze Menschheit zu retten.

Was Matthäus hier in einfachen Worten erklärt, wird immer wieder missverstanden und belächelt. Wer nur mit rationalen Argumenten eine Erklärung für das Geschehen sucht, wird die Schwangerschaft Mariens auf andere Ursachen zurückführen als das Wirken des Heiligen Geistes. Immer haben diese vermeintlich rationalen Erklärungsversuche zugleich auch eine Leugnung der Göttlichkeit Jesu zur Folge. Wer aber in Jesus Christus nur einen besonders erleuchteten Menschen sieht, dem verstellt sich der tiefere Blick auf das Geschehen seiner Geburt.

Um zu verstehen, was damals geschehen ist, müssen wir die Geschichte von ihrem Ende her betrachten. Die prägende Erfahrung der Jünger mit Jesus Christus war seine Auferstehung. Schon in seinem Leben auf Erden hat Jesus immer wieder darauf hingewiesen, dass er mehr ist als ein normaler Mensch, immer wieder bricht in den Schilderungen der Evangelien seine besondere Beziehung zum Vater im Himmel durch. Dieser Vater im Himmel erweckt Christus nach seinem Tod am Kreuz wieder zum Leben und nimmt ihn auf in seine Herrlichkeit.

Der Platz zur Rechten des Vaters ist aber nicht ein Platz, den Jesus erst nach seiner Himmelfahrt einnimmt, sondern diesen Platz hat er schon seit Ewigkeit. Von dort ist er auf die Erde gekommen und nach seinem irdischen Leben kehrt er dorthin wieder zurück. Matthäus versucht das für Menschen letztlich unergründliche Geschehen darzustellen, wie Gottes Sohn vom Himmel in den Schoß Mariens gelangt, eben durch das Wirken des Heiligen Geistes.

In der Geburt Jesu Christi schenkt Gott den Menschen das größte und unüberbietbare Zeichen seiner Gegenwart: Gott selbst wird Mensch, durchlebt das ganze Menschsein vom Mutterschoß bis zum Tod. Er kommt selbst, um die Menschen aus der Tiefe ihres Daseins emporzuheben in seine Göttlichkeit. Ein Gebet der Ostkirche fasst es so zusammen:

Das seit Ewigkeit verborgene Geheimnis
wird heute offenkundig:
der Sohn Gottes wird ein Sohn des Menschen,
damit er in der Annahme des Schlechteren
mir schenke das Bessere.
Einst wurde Adam betrogen:
Als er begehrte, Gott zu werden, wurde er es nicht.
Doch Gott wird Mensch,
damit er zu Gott den Adam mache.
Jubeln soll die Schöpfung!

Der heilige Augustinus schreibt dazu:

Christus ist geboren von einem Vater und von einer Mutter,
zugleich aber ohne einen Vater und ohne eine Mutter:
von einem Vater geboren als Gott,
von einer Mutter als Mensch;
ohne eine Mutter als Gott,
ohne einen Vater als Mensch.

Dieses Geheimnis ist wunderbar und unbegreiflich: wie Gottes Sohn, der von Ewigkeit her beim Vater ist, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, in der Zeit Mensch werden konnte, geboren von einer Jungfrau. Ohne aufzuhören, der zu sein, der er war, wollte er werden, was er selbst geschaffen hatte. In der Menschwerdung Gottes erkennen wir seine unermessliche Liebe zu uns Menschen. Augustinus sagt:

Wie sehr hast du uns geliebt, gütiger Vater!
Wäre dein Wort nicht Fleisch geworden
und hätte es nicht unter uns gewohnt,
so hätten wir glauben müssen,
dass keine Verbindung ist
zwischen Gott und der Menschheit.

So aber hat Gott den Weg bereitet, auf dem wir zu ihm gehen können. Es ist der Weg, auf dem er selbst zu uns gekommen ist. Gott will mit uns in Verbindung treten, will bei uns Menschen sein und will, dass wir einmal auf ewig bei ihm sind in der Heimat im Himmel, die er für uns bereitet hat.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Matthäus-Evangelium und der Geburt Jesu

Warum ist der Stammbaum Jesu im Matthäusevangelium so ungewöhnlich strukturiert?
Der Stammbaum ist in drei Abschnitte zu je vierzehn Generationen gegliedert, um eine theologische Botschaft zu vermitteln: Gott ist der Herr der Geschichte. Diese Struktur hebt Schlüsselperioden der jüdischen Geschichte hervor (Abraham, David, Babylonische Gefangenschaft) und zeigt, wie Jesus die Erfüllung all dieser historischen Linien darstellt.
Welche Rolle spielen die Frauen im Stammbaum Jesu bei Matthäus?
Die Erwähnung von Tamar, Ruth, der Frau des Uria (Bathseba) und Maria ist ungewöhnlich. Ihre Geschichten sind oft mit unkonventionellen oder moralisch herausfordernden Situationen verbunden. Dies verdeutlicht, dass Gott seinen Heilsplan auch durch menschliche Unvollkommenheit und Sünde hindurch verwirklicht und dass sein Wirken über traditionelle Erwartungen hinausgeht, sogar Nicht-Juden (Ruth) einschließt.
Was bedeutet der Name "Immanuel" und warum ist er wichtig?
„Immanuel“ bedeutet „Gott ist mit uns“. Obwohl Jesus den Namen „Jesus“ (Jahwe rettet) erhält, betont Matthäus „Immanuel“ als Erfüllung einer alttestamentlichen Prophezeiung (Jesaja 7,14). Dieser Name unterstreicht die zentrale Botschaft des Evangeliums: Gottes bleibende Gegenwart und Nähe zu den Menschen, die sich in Jesus Christus manifestiert.
Glaubte Matthäus an eine Jungfrauengeburt Marias?
Ja, Matthäus beschreibt, dass Maria durch das Wirken des Heiligen Geistes schwanger wurde. Obwohl das hebräische Wort „Almah“ (im zitierten Jesaja-Text) „junge Frau“ bedeutet und das griechische „Parthenos“ „Jungfrau“, legt Matthäus den Akzent auf das Wunderbare und Einzigartige dieser Zeugung, die Jesus von allen anderen großen Persönlichkeiten der Geschichte unterscheidet, die oft als von Göttern gezeugt, aber nicht als von einer Jungfrau geboren beschrieben wurden.
Gibt es historische Beweise für den Kindermord in Bethlehem durch Herodes?
Außerhalb des Matthäus-Evangeliums gibt es keine unabhängigen historischen Belege für den Kindermord in Bethlehem. König Herodes war jedoch bekannt für seine Grausamkeit und ließ aus Angst vor Machtverlust zahlreiche Menschen, einschließlich seiner eigenen Familie, hinrichten. Die Episode im Matthäus-Evangelium passt zu Herodes' Charakter und dient dazu, seine Tyrannei im Kontrast zu Gottes rettendem Handeln darzustellen.
Was ist die theologische Bedeutung des Sterns von Bethlehem?
Der Stern von Bethlehem ist ein Wunderzeichen, das die Weisen zum Geburtsort Jesu führt. Theologisch symbolisiert er Gottes Führung und seine Kommunikation mit den Menschen. Er zeigt, dass Gott nicht nur durch menschliche Geschichte, sondern auch durch kosmische Zeichen wirkt. Er überstrahlt die weltliche Macht Herodes' und weist auf den wahren König der Juden, Jesus, hin.
Warum wird Jesus sowohl mit Bethlehem als auch mit Nazareth in Verbindung gebracht?
Bethlehem wird im Matthäus- und Lukasevangelium als Geburtsort Jesu genannt, da es die Stadt Davids war und der Messias aus Davids Geschlecht stammen sollte. Nazareth war jedoch der Ort, an dem Jesus aufwuchs. Matthäus erklärt dies, indem er Nazareth (Hebräisch: NSR) mit alttestamentlichen Prophezeiungen über den „Spross“ oder „Zweig“ (Messias) in Verbindung bringt und so seine jüdischen Leser auf Jesu messianische Identität hinweist.
Wie unterscheidet sich das Geschichtsverständnis des Matthäus von unserem heutigen?
Unser modernes Geschichtsverständnis konzentriert sich auf die exakte Rekonstruktion von Fakten und Kausalzusammenhängen. Das antike, insbesondere jüdische Geschichtsverständnis, war oft eine „theologische Geschichtsschreibung“. Es ging darum, Gottes Handeln in den Ereignissen sichtbar zu machen und zu interpretieren, wie Gott in die Menschengeschichte eingreift. Matthäus interpretiert Jesu Leben als Erfüllung göttlicher Verheißungen, sichtbar in den Reflexionszitaten.
Was ist das größte Geschenk, das Gott den Menschen durch die Geburt Jesu macht?
Das größte Geschenk ist die Menschwerdung Gottes selbst. In Jesus Christus wird Gott Mensch und durchlebt das gesamte Menschsein, vom Mutterschoß bis zum Tod. Dies ist das ultimative Zeichen seiner Gegenwart und Liebe, das eine unüberwindbare Verbindung zwischen Gott und Menschheit herstellt und den Weg zur Erlösung und zur ewigen Gemeinschaft mit Gott öffnet.

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