Das Opferfest: Rituale, Freude und Sunna

19/03/2024

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Das Opferfest im Islâm ist weit mehr als nur ein Feiertag; es ist ein Ereignis tiefer Freude über Allâhs unermessliche Großzügigkeit und Barmherzigkeit. Es bietet eine außergewöhnliche Gelegenheit, die Seelen zu reinigen, die Gemeinschaft der Muslime zu stärken und das tägliche Leben mit spiritueller Energie zu erfüllen. Doch diese Freude entbindet keineswegs von der Verantwortung, sich weiterhin an gutes Verhalten und islamische Prinzipien zu halten. Vielmehr ist es eine Zeit, in der die Befolgung der islamischen Vorschriften besonders hervorgehoben wird und die Muslime dazu angehalten sind, sich in jeder Hinsicht vorbildlich zu verhalten. Die Feste im Islâm haben stets das Ziel, die Anbetung Allâhs, des Herrn der Geschöpfe, zu vertiefen und zu beleben, und das Opferfest bildet hier keine Ausnahme.

Wer war der größte und bekannteste Astronom der islamischen Welt?
Seine astronomischen Instrumente und Werke sollten noch weitere 400 Jahre genutzt werden. Der große Astronom Nicolaus Copernicus zitierte noch aus seinen Werken... Er ist Muḥammad ibn Jābir al-Ḥarrānī al-Battānī (317h) und er war der größte und bekannteste Astronom der Islamischen Welt.

Verbot des Fastens am Festtag

Eine der grundlegenden Regeln, die am Festtag zu beachten ist, betrifft das Fasten. Es ist ausdrücklich verboten, am Festtag zu fasten. Dies ist eine wichtige Vorschrift, die die besondere Natur dieser Tage als Zeiten der Freude und des Genusses unterstreicht. Von Umar, möge Allâh mit ihm zufrieden sein, ist uns überliefert, dass er vor der Ansprache betete und danach zu den Menschen sprach: „O Leute! Allâhs Gesandter, möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken, hat euch das Fasten an diesen beiden Festen verboten. Das eine ist der Tag, an dem ihr euer Fasten brecht, und das andere ist das, an dem ihr euer Geschlachtetes esst.“ Dieser Hadîth, überliefert von Al-Buchârî, macht deutlich, dass die Festtage als Tage des Essens und Trinkens gedacht sind, an denen das Fasten nicht zulässig ist. Dies symbolisiert auch das Ende der Entbehrungen und den Beginn einer Zeit der Dankbarkeit und des Feierns für die erhaltenen Segnungen Allâhs.

Der Takbîr: Das Gedenken an Allâh

Ein weiteres zentrales Element der Festtage ist das häufige Rufen des Takbîr, der Formel „Allâhu akbar“ (Allâh ist größer). Dies ist eine Sunna-Handlung, die die Größe und Majestät Allâhs preist und die Herzen der Gläubigen mit Ehrfurcht und Dankbarkeit erfüllt. Der Takbîr beginnt nach Sonnenuntergang des letzten Tages des Ramadân und dauert bis zum Festgebet für das Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr). Der Erhabene Allâh sagt im Qur’an: „…damit ihr die Anzahl vollendet und Allâh als den Größten preist, dafür, dass Er euch rechtgeleitet hat, so dass ihr dankbar sein möget.“ (Sûra 2:185). Dies unterstreicht die Bedeutung des Takbîr als Ausdruck der Dankbarkeit für Allâhs Rechtleitung und Seine Gnaden.

Besonders erwünscht ist der Takbîr auf dem Weg zum Gebetsplatz und während des Wartens auf das Gebet. Zum Opferfest (Eid al-Adha) ist es sogar noch umfassender erlaubt, den Takbîr vom ersten Tag des Monats Dhû Al-Hiddscha an häufig zu rufen. Dies basiert auf dem Wort Allâhs, des Erhabenen: „…und den Namen Allâhs an wohlbekannten Tagen […] aussprechen…“ (Sûra 22:28). Diese „wohlbekannten Tage“ sind die ersten zehn Tage des Monats Dhû Al-Hiddscha, die als besonders segensreich gelten. Ein authentischer Hadîth berichtet, dass Umar und Abû Huraira in diesen zehn Tagen den Takbîr rufend auf den Markt gingen und die Menschen sich ihnen anschlossen und ebenfalls den Takbîr riefen. Dies zeigt, dass das laute Ausrufen des Takbîrs in diesen Tagen eine Sunna ist, die man mit erhobener Stimme in Moscheen, in Häusern, auf Wegen und Märkten sowie an Versammlungsorten praktizieren kann. Es dient dazu, dieses Ritual öffentlich zu verrichten, die Sunna zu beleben und dem Beispiel der frühen Gelehrten dieser Umma zu folgen.

Wann beginnt und endet der Takbîr?

Der Zeitpunkt des Takbîr unterscheidet sich leicht je nach Fest und Situation des Gläubigen. Eine klare Übersicht hilft, die verschiedenen Regelungen zu verstehen:

SituationBeginn des TakbîrEnde des Takbîr
Eid al-Fitr (Fastenbrechenfest)Nach Sonnenuntergang des letzten Ramadân-TagesBis zum Festgebet
Eid al-Adha (Opferfest) – AllgemeinVom ersten Tag des Monats Dhû Al-HiddschaNach dem Nachmittagsgebet des vierten und letzten Festtages
Eid al-Adha – Nach den Pflichtgebeten (Nicht-Pilger)Am Morgen von Arafa (9. Dhû Al-Hiddscha)Nach dem Nachmittagsgebet des vierten und letzten Festtages
Eid al-Adha – Nach den Pflichtgebeten (Pilger)Am Mittag des Festtages (nach dem Bewerfen der großen Säule)Nach dem Nachmittagsgebet des vierten und letzten Festtages

Der allgemeine Takbîr endet, genau wie der Takbîr nach den Pflichtgebeten, zum Nachmittagsgebet des vierten und letzten Festtages. Allâh, der Erhabene, sagt: „Und gedenkt Allâhs während einer bestimmten Anzahl von Tagen!“ (Sûra 2:203). Der Prophet, möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken, sagte: „Die Tage des Taschrîq sind Tage des Essens und Trinkens, an denen man Allâhs gedenkt.“ (Überliefert vom Imâm Muslim). Diese Tage sind die drei Tage nach dem ersten Festtag, also der 11., 12. und 13. Dhû Al-Hiddscha.

Die Formel des Takbîr

Die gebräuchlichste Formel des Takbîr lautet:

„Allâhu Akbar, Allâhu Akbar, Lâ Ilâha illâ Allâh, Allâhu Akbar, Allâhu Akbar, wa lillâhi Al-Hamd“

Dies bedeutet: „Allâh ist größer, Allâh ist größer, es gibt nichts Verehrungswürdiges außer Allâh, Allâh ist größer, Allâh ist größer, und Ihm ist das Lob.“ Es ist auch erlaubt, die kürzere Form „Allâhu Akbar“ dreimal zu sagen.

Körperpflege und festliche Kleidung

Zum guten Benehmen am Festtag gehört es, sich besonders schön zu machen. Dies umfasst die Ganzkörperwaschung (Ghusl), das Parfümieren und das Tragen der besten Kleidung. Schließlich ist es ein Tag, an dem sich die Menschen versammeln, um gemeinsam zu feiern und Allâh zu gedenken. Von Ibn Umar wird berichtet, dass er die Ganzkörperwaschung vollzog, bevor er sich am Morgen des Opferfestes zum Gebetsplatz begab. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der rituellen Reinheit und des gepflegten Erscheinungsbildes an diesem besonderen Tag.

Wann beginnt die ASR-Gebetszeit in Freiburg im Breisgau?
* Die Asr-Gebetszeit für Freiburg im Breisgau wird von Hanafi bestimmt. Sie können es in den Einstellungen ändern. Es beginnt unmittelbar nach Sonnenuntergang und endet nach dem Verschwinden der Abenddämmerung (rotes Leuchten am Horizont).

Der Prophet, möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken, bestätigte Umar ibn Al-Chattâb indirekt in seinem Bestreben, sich für das Fest schön zu machen. Als Umar einen Umhang aus Seidenbrokat sah und sagte: „O Gesandter Allâhs, kaufe diesen und schmücke dich damit für das Fest und die Gesandtschaften!“, antwortete der Prophet ihm: „Dies ist nur für Leute, die keinen Anteil am Paradies haben!“ (womit er den Seidenbrokat meinte, da Seide für Männer im Islam nicht erlaubt ist). Dieser Hadîth, überliefert von Al-Buchârî, zeigt, dass das Prinzip, sich für das Fest schön zu machen, erlaubt ist, solange man sich an die islamischen Vorschriften hält. Der Muslim sollte sich an diesem Tag von seiner besten und makellosesten Seite zeigen, um Allâhs Gnade ihm gegenüber zum Ausdruck zu bringen und Ihm für Seine Großzügigkeit zu danken. Allâh liebt es, die Zeichen Seiner Gnade an Seinen Ihn anbetend Dienenden zu sehen.

Essensgewohnheiten an den Festtagen

Die Essensgewohnheiten an den beiden großen Festen unterscheiden sich geringfügig, was die Spezifität der Rituale unterstreicht:

  • Zum Opferfest (Eid al-Fitr), dem Fest des Fastenbrechens, ist es Sunna, vor dem Gebet eine ungerade Anzahl von Datteln (drei, sieben, neun oder mehr) zu frühstücken. Dies symbolisiert das Ende des Fastens und den Beginn des Genusses der erlaubten Speisen.
  • Zum Opferfest (Eid al-Adha) hingegen soll man nichts essen, bevor man sein Opfertier geschlachtet hat. Erst danach soll man von diesem Opfertier essen. Von Buraida, möge Allâh mit ihm zufrieden sein, wird überliefert, dass er sagte: „Der Prophet, möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken, pflegte am Tage des Opferfestes Al-Fitr erst herauszukommen, nachdem er gegessen hatte. Und am Tage des Opferfests aß er erst, als er zurückkehrte, und zwar aß er von seinem Opfertier.“ (Überliefert vom Imâm Ahmad). Diese Praxis betont die Bedeutung des Opfers und die Segnung, die durch das Teilen und Essen des Opferfleisches entsteht.

Der Weg zum Gebetsplatz: Sunna und Weisheit

Es ist wünschenswert, den Gebetsplatz zu Fuß aufzusuchen. Alî, möge Allâh mit ihm zufrieden sein, teilte mit: „Es gehört zur Sunna, zu Fuß zum Festgebet zu gehen und etwas zu essen, bevor man hinausgeht.“ (Überliefert von At-Tirmidhî). Dies gilt insbesondere für Eid al-Fitr, wo das Essen vor dem Gebet empfohlen wird. Für Eid al-Adha gilt, wie erwähnt, die Regel, erst nach dem Opfer zu essen.

Weiterhin ist es erwünscht, den Hin- und Rückweg unterschiedlich zu wählen. Man geht also auf einem Weg hin und auf einem anderen zurück. Dies berichtete uns Dschâbir, möge Allâh mit ihm zufrieden sein: „Der Prophet, möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken, pflegte am Festtag unterschiedliche Wege zu wählen.“ (Überliefert von Al-Buchârî). Die Gelehrten sehen darin mehrere Weisheiten und Vorteile:

  • Vollziehen der Riten des Islâm: Auf beiden Wegen können die Riten des Islâm, wie das Sprechen des Takbîr, öffentlich gezeigt und praktiziert werden.
  • Begrüßung der Leute: Man hat die Gelegenheit, auf beiden Wegen mehr Menschen zu begrüßen, ihnen zum Fest zu gratulieren und die sozialen Bindungen zu stärken.
  • Bezeugen der verschiedenen Wege: Die Wege, die man beschreitet, werden am Tag der Auferstehung für einen zeugen, dass man sich auf den Weg zum Gebet gemacht hat.
  • Hoffen auf Vergebung: Das Ändern der Situation und des Weges kann als Symbol für die Hoffnung auf Vergebung der Sünden verstanden werden.
  • Unterstützung von Bedürftigen: Es besteht die Möglichkeit, auf den verschiedenen Wegen bedürftige Menschen zu treffen und ihnen Hilfe zukommen zu lassen, wodurch die Wohltätigkeit des Festes verstärkt wird.

Glückwünsche und die Freude am Fest

Das Gratulieren zum Fest ist eine schöne und etablierte Angewohnheit unter den Muslimen. Es vereint die Herzen, lässt Zuneigung und Freundschaft entstehen und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Daher ist es absolut korrekt, Ausdrücke wie „Ein gesegnetes Fest!“ (Opferfest mubârak) oder „Möge es dir das ganze Jahr gut gehen!“ (kullu ´Âm wa antum bichair) zu benutzen. Die Prophetengefährten pflegten, wenn sie sich am Festtag trafen, zueinander zu sagen: „Taqabbala Allâhu minnâ wa mink (sâlih Al-A’mâl)“ (Möge Allâh unsere und deine (rechtschaffenen Taten) annehmen!). Diese Formeln sind nicht nur Höflichkeiten, sondern auch Gebete für das Wohlergehen und die Annahme der Taten des anderen.

Am Tag des Opferfestes Glück und Freude auszustrahlen, gehört zu den fundamentalen Aspekten unserer Religion. Es ist erlaubt, im erlaubten Rahmen zu spielen und zu scherzen oder jegliche Dinge zu unternehmen, die die Herzen erfreuen. Dabei sollte man stets die islamischen Grenzen wahren und nicht das Maß überschreiten. Als der Prophet, möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken, nach Madina kam, gab es dort zwei Tage, an denen die Bewohner spielten. Er fragte: „Was sind das für zwei Tage?“ Sie sagten: „Wir pflegten in der Zeit vor dem Islâm an ihnen zu spielen.“ Da erwiderte Allâhs Gesandter, möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken: „Allâh hat euch für diese beiden einen besseren Ersatz gegeben: den Opfertag und den Tag des Fastenbrechens.“ (Überliefert von Abû Dâwûd). Dieser Hadîth zeigt deutlich, dass der Islam Freude und Vergnügen nicht verbietet, sondern sie in einen gottgefälligen Rahmen rückt und ihnen einen tieferen, spirituellen Sinn verleiht.

Vermeidung von Verschwendung und Verbotenem

Trotz all der Freude und des Feierns sollte der Muslim sich unbedingt davor hüten, an den Festtagen sein Geld und seine Zeit zu verschwenden oder etwas Anderes zu begehen, was Allâh verboten hat. Dies schließt übermäßigen Konsum, Glücksspiel, unislamische Unterhaltung oder jegliche Handlungen ein, die den Prinzipien des Islâm widersprechen. Dinge dieser Art widersprechen der wahren Verehrung Allâhs, des Einen und Einzigartigen, und schaden dem Menschen sowohl im Diesseits als auch im Jenseits. Die Festtage sind eine Zeit der Dankbarkeit, des Gedenkens und der Stärkung der Frömmigkeit, nicht des sorglosen Übermuts. Möge Allâh unsere guten Taten annehmen und uns diese gesegneten und guten Tage immer wieder erleben lassen, in Frömmigkeit und Dankbarkeit.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Opferfest

Darf man am Opferfest fasten?
Nein, es ist ausdrücklich verboten, am Opferfest oder an den darauf folgenden Tagen des Taschrîq (11., 12., 13. Dhû Al-Hiddscha) zu fasten. Diese Tage sind Tage des Essens, Trinkens und des Gedenkens an Allâh.
Wie lautet die vollständige Takbîr-Formel für das Fest?
Die vollständige Formel lautet: „Allâhu Akbar, Allâhu Akbar, Lâ Ilâha illâ Allâh, Allâhu Akbar, Allâhu Akbar, wa lillâhi Al-Hamd.“ Es ist auch erlaubt, dreimal „Allâhu Akbar“ zu sagen.
Muss ich vor dem Festgebet etwas essen?
Für das Opferfest (Eid al-Adha) ist es Sunna, nichts zu essen, bevor man sein Opfertier geschlachtet hat. Danach soll man von diesem Opfertier essen. Für das Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr) ist es hingegen Sunna, vor dem Gebet eine ungerade Anzahl von Datteln zu essen.
Ist es notwendig, zu Fuß zum Gebetsplatz zu gehen und verschiedene Wege zu nehmen?
Es ist eine Sunna und wünschenswert, zu Fuß zum Gebetsplatz zu gehen und für den Hin- und Rückweg unterschiedliche Wege zu wählen. Dies hat mehrere Weisheiten, darunter das Zeigen der islamischen Riten und das Begrüßen von mehr Menschen.
Wie gratuliert man sich zum Fest?
Gängige Glückwünsche sind „Ein gesegnetes Fest!“ (Opferfest mubârak) oder „Möge es dir das ganze Jahr gut gehen!“ (kullu ´Âm wa antum bichair). Die Prophetengefährten sagten zueinander: „Taqabbala Allâhu minnâ wa mink (sâlih Al-A’mâl)“ (Möge Allâh unsere und deine (rechtschaffenen Taten) annehmen!).

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