17/05/2022
Die Erwartung der Wiederkunft Jesu Christi ist ein zentraler Pfeiler des christlichen Glaubens. Seit Jahrhunderten blicken Gläubige sehnsüchtig auf den Tag, an dem ihr Herr zurückkehren wird. Doch innerhalb dieser großen Hoffnung gibt es unterschiedliche Vorstellungen über die genauen Abläufe der Endzeit. Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang immer wieder auftaucht und oft für lebhafte Diskussionen sorgt, ist die „Entrückung“. Manch einer stellt sich dabei ein spektakuläres, plötzliches Verschwinden der Gläubigen vor, lange bevor die Welt in ihre dunkelste Stunde tritt. Aber was genau sagt die Bibel dazu? Und wann wird dieses prophetische Ereignis tatsächlich stattfinden? Lassen Sie uns gemeinsam die Schrift erforschen und Licht in diese spannende Frage bringen, die nicht nur unsere Zukunftserwartung, sondern auch unser Verständnis des aktuellen Weltgeschehens prägt.

- Was ist die Entrückung und warum ist sie so wichtig?
- Wann geschieht die Entrückung? Eine biblische Zeitreise
- Die Schlüsselstellen: 1. Thessalonicher 4 und 1. Korinther 15
- Die Bedeutung von „entgegen“: Ein entscheidendes Detail
- Das Argument aus dem Schweigen: Offenbarung 4 und die Gemeinde
- Ein Volk Gottes: Israel und die Gemeinde
- Konsequenzen der Vorentrückungslehre: Mission und Alttestamentliche Gläubige
- Offenbarung 4,1: „Komm hier herauf“ – Ein Missverständnis?
- Die Struktur der Offenbarung und ihr Zweck
- Vergleich: Vorentrückung vs. Entrückung bei der Wiederkunft
- Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur Entrückung
- Einheit im Glauben trotz unterschiedlicher Ansichten
Was ist die Entrückung und warum ist sie so wichtig?
Das Konzept der Entrückung ist tief in der biblischen Lehre verwurzelt, auch wenn der Begriff selbst nicht explizit in jeder Passage vorkommt, die das Ereignis beschreibt. Die bekannteste Stelle, die die Entrückung der Gläubigen detailliert schildert, ist 1. Thessalonicher 4,17. Dort heißt es, dass die Gläubigen „entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen“. Dieses Ereignis wird explizit mit der Wiederkunft des Herrn in Vers 16 in Verbindung gebracht. Das griechische Wort für „entrücken“ ist harpazo. Es bedeutet so viel wie „(ent)reißen“, „gewaltsam ergreifen“ oder „rauben“. Es beschreibt eine plötzliche, kraftvolle Bewegung.
Interessanterweise finden wir in der Bibel Beispiele für solche Entrückungen auch im Alten Testament. Henoch wurde laut 1. Mose 5,24 von Gott genommen, ohne den Tod zu sehen. Ähnlich erging es Elia, der in 2. Könige 2,11 in einem feurigen Wagen in den Himmel auffuhr. Diese alttestamentlichen Vorbilder geben uns einen Einblick in die Art und Weise, wie Gott seine Diener manchmal direkt zu sich nimmt, ohne dass sie den physischen Tod erleben müssen. Im Neuen Testament wird auch von Philippus berichtet, der nach der Bekehrung des äthiopischen Kämmerers an einen anderen Ort entrückt wurde (Apg 8,39), oder von Paulus, der von jemandem (wahrscheinlich sich selbst) erzählt, der visionshaft „in den dritten Himmel entrückt“ wurde (2Kor 12,2.4). Selbst der kindliche Messias in Offenbarung 12,5 wird zu Gott entrückt. Die Himmelfahrt Jesu selbst kann als die ultimative Entrückung verstanden werden.
Doch die Entrückung der Gemeinde ist einzigartig, da sie die Verwandlung der noch lebenden Gläubigen umfasst. 1. Korinther 15,51-52 beschreibt, wie die Gläubigen, die bei der Wiederkunft Christi noch leben, nicht sterben, sondern „verwandelt werden“ – „in einem Nu, im Augenblick, bei der letzten Posaune“. Diese Verwandlung bedeutet, dass unsere sterblichen Körper unsterblich und unsere verweslichen Körper unverweslich werden, passend für die Ewigkeit bei Gott. Die Bedeutung der Entrückung liegt also nicht in einer spektakulären Achterbahnfahrt ins All, sondern in der tiefen Gewissheit, dass wir dann „allezeit beim Herrn sein“ werden (1Thes 4,17). Diese wunderbare Aussicht soll uns ermuntern (1Thes 4,18) und uns in unserer gegenwärtigen Zeit des Wartens stärken.
Wann geschieht die Entrückung? Eine biblische Zeitreise
Die Frage nach dem genauen Zeitpunkt der Entrückung hat in den letzten anderthalb Jahrhunderten zu intensiven Debatten innerhalb der evangelischen Christenheit geführt. Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Überzeugung verbreitet, dass die Entrückung der Gemeinde geraume Zeit vor der Wiederkunft Jesu stattfinde, genauer gesagt, vor dem Beginn der sogenannten Drangsalszeit. Je nach Endzeit-Modell wird diese „Vorentrückung“ dreieinhalb oder sogar sieben Jahre vor der öffentlich sichtbaren Wiederkunft des Herrn angesetzt. Ich selbst habe diese Sichtweise viele Jahre lang vertreten, bis ich in einem Hauskreis herausgefordert wurde, diese Annahme allein anhand der Bibel zu belegen. Und hier lag das Problem: Es gibt keine einzige Schriftstelle, die eine solche „Vorentrückung“ vor der Drangsalszeit explizit lehrt.
Die Bibel ist in dieser Hinsicht erstaunlich klar, wenn man die Schlüsseltexte genau betrachtet. Die Entrückung ist nicht ein isoliertes Ereignis, das weit vor der Wiederkunft Jesu liegt, sondern sie ist untrennbar mit ihr verbunden und findet zur selben Zeit statt. Dies ist ein entscheidender Punkt, der oft übersehen wird oder durch komplexe Auslegungsmodelle verschleiert wird. Die Schrift selbst gibt uns die Reihenfolge und den Zeitpunkt vor.
Die Schlüsselstellen: 1. Thessalonicher 4 und 1. Korinther 15
Die beiden Hauptstellen, die die Entrückung beschreiben, sind 1. Thessalonicher 4 und 1. Korinther 15. Beide weisen darauf hin, dass die Entrückung zeitlich mit der Wiederkunft Jesu zusammenfällt:
- 1. Thessalonicher 4,16-17: Hier ist die Rede davon, dass „der Herr selbst … vom Himmel herabkommt“ mit einem Befehlsruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes. Erst dann, zusammen mit der Auferstehung der verstorbenen Gläubigen, werden die noch lebenden Gläubigen „entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen“. Die Reihenfolge ist eindeutig: Der Herr kommt, die Toten in Christus stehen auf, und dann werden die Lebenden entrückt. All dies geschieht „bei der Posaune“.
- 1. Korinther 15,23 & 51-52: Dieser Abschnitt untermauert die gleiche Reihenfolge. Zuerst ist Jesus auferstanden („der Erstling“). Dann, bei seiner Wiederkunft, werden die verstorbenen Gläubigen auferstehen. Und zusammen mit den noch lebenden Gläubigen werden sie „bei der letzten Posaune“ verwandelt und entrückt. Vers 24 fährt fort: „dann kommt das Ende“. Es gibt keine biblische Grundlage für eine Posaune, die vor dieser „letzten Posaune“ erklingt und eine Entrückung signalisiert. Die Posaune in 1. Thessalonicher 4,16 ist dieselbe „letzte Posaune“ aus 1. Korinther 15,52. Kein kompliziertes Auslegungsmodell kann plausibel wegerklären, dass die Entrückung zeitlich mit der Wiederkunft Jesu zusammenfällt. Die Synchronizität dieser Ereignisse ist ein Kernstück der biblischen Eschatologie.
Die Bedeutung von „entgegen“: Ein entscheidendes Detail
Ein weiteres wichtiges Detail, das oft missverstanden wird, ist die Formulierung in 1. Thessalonicher 4,17: „entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen“. Die Verwendung des Wortes „entgegen“ (griechisch: eis apantēsin) ist im Neuen Testament von großer Bedeutung. Es bedeutet, dass jemand einer Person entgegengeht, um diese Person auf ihrem weiteren Weg zu begleiten, und nicht etwa, um mit ihr umzukehren.
Betrachten wir einige Beispiele:
- In Matthäus 8,34 geht „die ganze Stadt Jesus entgegen“, um ihn zu bitten, ihr Gebiet zu verlassen. Sie begleiten ihn auf seinem Weg aus ihrer Stadt.
- In Matthäus 25,1 und 6 gehen die Brautjungfern dem Bräutigam entgegen, um ihn dann zur Hochzeitsfeier zu begleiten.
- In Matthäus 28,9 kommt der auferstandene Herr den Frauen auf ihrem Weg vom Grab zu den Jüngern entgegen, um sie dann weiter zu begleiten.
- In Apostelgeschichte 28,15 kamen Christen aus Rom Paulus auf seinem Weg nach Rom entgegen, um ihn dann in die Stadt zu geleiten.
Übertragen auf die Entrückung bedeutet dies: Die Gläubigen werden dem Herrn entrückt, während er auf dem Weg zur Erde ist, um ihn dann auf seinem Weg zu begleiten. Dies widerspricht der Vorentrückungslehre, die besagt, dass der Herr den Christen entgegenkommt, um dann mit ihnen wieder in den Himmel zurückzukehren. Die Schrift formuliert es genau umgekehrt: Jesus ist auf dem Weg zur Erde, und die Gläubigen werden ihm auf seinem Weg aus dem Himmel zur Erde entgegengerückt. Er kommt dann mit einer riesigen Ehren-Eskorte, „mit allen seinen Heiligen“ (1Thes 3,13), auf die Erde, um sein Reich aufzurichten.
Das Argument aus dem Schweigen: Offenbarung 4 und die Gemeinde
Ein häufiges Argument der Vorentrückungslehre ist, dass die Gemeinde in den Endzeitabläufen ab Offenbarung Kapitel 4 nicht mehr auf der Erde sei, da das Wort „Gemeinde“ in den Kapiteln 4-21 nicht mehr vorkommt. Daher sei die Gemeinde auch nicht in den in Kapitel 6-18 beschriebenen Drangsalen gegenwärtig. Dies ist jedoch ein exegetisch sehr schwaches „Argument aus dem Schweigen“. Man könnte mit derselben Logik behaupten, dass die Gemeinde dann auch nicht im Himmel ist, denn ein Großteil der Visionen des Johannes findet im Himmel statt.
Noch absurder wird es, wenn man dieses Argument konsequent anwendet: Man könnte damit auch belegen, dass das Volk Israel ab Kapitel 7 nicht mehr auf der Erde sei, denn von Kapitel 7,5 bis 21,11 kommt das Wort „Israel“ ebenfalls nicht vor. Die Abwesenheit eines bestimmten Wortes in einem Textabschnitt bedeutet nicht die Abwesenheit des dahinterstehenden Konzepts oder der Personengruppe. Ganz offensichtlich kommen in den betreffenden Kapiteln der Offenbarung Gläubige vor – unter verschiedenen Bezeichnungen wie „Heilige“, „Zeugen“, „die, die den Geboten Gottes gehorchen und das Zeugnis Jesu haben“ oder „die, die aus der großen Drangsal kommen“. Wenn diese Gläubigen durch das eine Erlösungswerk am Kreuz erlöst sind, dann sind sie auch vereint in dem einem Volk Gottes des Neuen Testaments, das aus Juden und Heiden besteht (vgl. Eph 2,11 – 3,13; den einen Ölbaum aus Röm 11 etc.).
Ein Volk Gottes: Israel und die Gemeinde
Die gesamte Vorentrückungs-Theorie beruht oft auf der Grundannahme, dass es zwei getrennte Völker Gottes gebe: Israel und die Gemeinde. Dies ist die Kernlehre des sogenannten Dispensationalismus. Doch wenngleich man „Israel“ (dafür gibt es viele Definitionen) und „die Gemeinde“ im Sinne einer Differenzierung unterscheiden kann, kann man sie nicht als zwei strikt getrennte Völker Gottes betrachten, denn Gott hat nur ein Volk und Jesus nur eine Braut, für die er sein Leben gegeben hat. Das Volk Gottes des Neuen Bundes ist eins, am Kreuz vereint worden zum einen Leib all derer, die an den Herrn Jesus glauben. Da ist „nicht Jude noch Grieche“, sondern alle sind eins in Christus Jesus. Und es kann kein Zurück in den Alten Bund und ein israelitisches Zeitalter geben, das würde dem Hebräerbrief eklatant widersprechen, der die Überlegenheit und Endgültigkeit des Neuen Bundes betont.
Konsequenzen der Vorentrückungslehre: Mission und Alttestamentliche Gläubige
Die Vorentrückungslehre birgt weitere theologische Probleme und praktische Konsequenzen:
- Verlust der Dringlichkeit der Mission: Wenn nach der Entrückung der Gemeinde noch Gnade für Israel (im Sinne ethnischer Juden) besteht und eine zweite Chance für Ungläubige während der Drangsalzeit, dann verliert die Mission, insbesondere unter Juden, ihre Bedeutung und Dringlichkeit. Die biblische Botschaft ist jedoch, dass das „Heute“ der Erlösung ist. Der Hebräerbrief ruft ausdrücklich auf: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht …“ (Hebr 3,7.15; 4,7) und „solange es heute heißt …“ (3,13). Die Hoffnung, dass nach der Entrückung noch Rettung möglich ist, ist sehr trügerisch und kann zu einer gefährlichen Passivität führen.
- Ausgrenzung alttestamentlicher Gläubiger: Kritisch ist auch die These der Vorentrückungslehre, dass die Gläubigen aus alttestamentlicher Zeit gar nicht bei der ersten Auferstehung und Entrückung dabei seien. Dies widerspricht jedoch dem Hebräerbrief, der ausdrücklich bezeugt, dass die alttestamentlichen Gläubigen „nicht ohne uns vollendet werden“ (Hebr 11,40). Alle Gläubigen, sowohl aus dem Alten als auch aus dem Neuen Bund, bilden gemeinsam das eine Volk Gottes und werden gemeinsam vollendet und auferweckt.
Offenbarung 4,1: „Komm hier herauf“ – Ein Missverständnis?
Einige Vertreter der Vorentrückungslehre interpretieren den Ausdruck „komm hier herauf“ in Offenbarung 4,1 als die Entrückung der Gemeinde. Obwohl sie ansonsten sehr auf eine möglichst buchstäbliche Auslegung der Bibel bedacht sind, gehen sie hier weit über die Textaussage hinaus und sehen hier (und auch in Offenbarung 3,10) eine Entrückung der Gemeinde, die aber in diesen Texten ebenso wenig zu finden ist wie in irgendeiner anderen Schriftstelle. Johannes wird hier in den Himmel gerufen, um eine Vision zu empfangen, nicht um die gesamte Gemeinde zu repräsentieren, die entrückt wird.

Wenn Johannes eine in den Himmel entrückte Gemeinde repräsentiert, wäre es seltsam, dass er im Verlauf der Offenbarung doch immer wieder eine irdische Perspektive einnimmt (Offb 10,1; 11,1; 13,1; 14,1; 18,1). Er ist jemand, „der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat“ (Offb 1,2; vgl. 1,9) und damit ist er Repräsentant gerade derer, die wegen dieser Dinge in der Drangsal leiden (Offb 6,9; 12,11.17; 19,10). Johannes ist ein Mitknecht und Bruder derer, die in der großen Drangsal ausharren, nicht jemand, der vor ihr entflohen ist.
Die Struktur der Offenbarung und ihr Zweck
Die Offenbarung hat zwar eine zeitliche Dreiteilung in „das, was du gesehen hast, was ist, und was nach diesem sein wird“ (Offb 1,19; was eine Unterteilung in Kapitel 1, Kapitel 2-3 und Kapitel 4-22 nahelegt), aber ganz strikt lässt sich keiner der drei Teile isoliert auf ein begrenztes Zeitalter reduzieren. Die Offenbarung ist nicht strikt chronologisch aufgebaut, sondern hat mehrere rekapitulierende Zyklen, die mehrmals eskalierend die Zeit vom ersten bis zum zweiten Kommen Jesu beschreiben.
Auch in den Sendschreiben in Kapitel 2-3 ist mehrfach von der gesamten Zeitperiode bis zur Wiederkunft Jesu die Rede. Aus Thyatira zum Beispiel werden manche als Zuchtmaßnahme „in große Drangsal“ (Offb 2,22) geworfen; die Treuen sollen das Gute festhalten, „bis ich komme“, sagt Jesus in Vers 25, und seine Werke „bis ans Ende bewahren“ (Vers 26). Die reiche Bildersprache der Sendschreiben ist eng verwoben mit denselben Bildern, die in den restlichen Kapiteln der Offenbarung wieder aufgegriffen werden. Dies zeigt, dass die Gemeinde durch die gesamte Endzeit hindurch, einschließlich der Drangsal, präsent sein wird.
Würde die Bibel eine Entrückung der Gemeinde vor der Drangsalszeit lehren, dann würde das Buch der Offenbarung ohnehin seinen ganzen Sinn und Zweck verlieren. Die Offenbarung ist ein Trostbuch für bedrängte, treue Gläubige. Es soll sie durch den Blick auf den bevorstehenden Triumph Jesu zum Durchhalten anspornen und kräftigen, und es soll sie davor warnen, den vielen Antichristen, die in der Welt sind (1Jo 2,18; einschließlich des einen schlimmsten, 2Thes 2,3), auf den Leim zu gehen. Das ist die große Gefahr der Vorentrückungslehre: Sie geht davon aus, dass alles, was der Gemeinde widerfährt, nicht die große Drangsal und der letztendliche Antichrist sein kann. Dies kann Gläubige unvorbereitet lassen und sie anfällig für falsche Lehren machen, wenn die prophezeiten Schwierigkeiten tatsächlich eintreten.
Vergleich: Vorentrückung vs. Entrückung bei der Wiederkunft
Um die Unterschiede klarer zu visualisieren, hier eine vergleichende Tabelle:
| Merkmal | Vorentrückungslehre | Entrückung bei der Wiederkunft |
|---|---|---|
| Zeitpunkt der Entrückung | Vor der Drangsalszeit (3,5 oder 7 Jahre vor Wiederkunft) | Zeitgleich mit der sichtbaren Wiederkunft Jesu |
| Gemeinde in der Drangsal | Nicht auf der Erde, im Himmel | Auf der Erde, durchlebt die Drangsal |
| Bedeutung von „entgegen“ | Jesus kommt, um Gemeinde in den Himmel zurückzubringen | Gläubige gehen Jesus entgegen, um ihn auf die Erde zu begleiten |
| Posaunen in der Endzeit | Eine Posaune für Entrückung vor der Drangsal, weitere Posaunen in Offenbarung | Nur eine „letzte Posaune“, die Entrückung und Wiederkunft einleitet |
| Volk Gottes | Zwei getrennte Völker: Israel und die Gemeinde | Ein einem Volk Gottes im Neuen Bund |
| Sinn der Offenbarung | Primär für Israel und die Nationen in der Drangsal | Trost- und Warnbuch für die Gemeinde in allen Zeiten der Bedrängnis |
Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur Entrückung
Was ist der Unterschied zwischen Entrückung und Wiederkunft?
Die Entrückung ist der Akt, bei dem lebende Gläubige verwandelt und zusammen mit den auferstandenen Toten in Christus Jesus in die Luft aufgenommen werden. Die Wiederkunft Jesu ist sein sichtbares, körperliches Kommen auf die Erde, um sein Reich aufzurichten. Nach biblischer Lehre geschehen diese beiden Ereignisse zeitgleich, wobei die Entrückung ein Teil der Wiederkunft ist, bei der die Gläubigen dem Herrn entgegengehen, um ihn bei seinem Kommen auf die Erde zu begleiten.
Wird die Gemeinde die Drangsal erleben?
Basierend auf einer sorgfältigen Auslegung der biblischen Schlüsselstellen, insbesondere 1. Thessalonicher 4 und 1. Korinther 15, sowie dem Charakter des Buches Offenbarung, spricht die Schrift dafür, dass die Gemeinde die große Drangsal erleben wird. Die Offenbarung ist ein Buch des Trostes und der Ermutigung für Gläubige, die Verfolgung und Leid durchmachen, und es gibt keine explizite biblische Lehre, die besagt, dass die Gemeinde vor der Drangsal entfernt wird.
Warum ist die Diskussion über die Entrückung so wichtig?
Die Diskussion ist wichtig, weil sie unser Verständnis von Gottes Plan, der Endzeit und unserer Rolle als Gläubige in der Welt beeinflusst. Eine klare biblische Sichtweise kann uns helfen, uns auf kommende Herausforderungen vorzubereiten, unsere Mission neu zu bewerten und unsere Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu zu festigen, ohne uns von unbegründeten Theorien verwirren zu lassen.
Wie sollen Christen auf die Wiederkunft Jesu warten?
Christen sollen auf die Wiederkunft Jesu warten, indem sie wachsam bleiben, ihre Herzen nicht verhärten, sich gegenseitig ermutigen und treu in ihrem Glauben und in ihren Werken bleiben. Es geht darum, das Evangelium zu verbreiten, Gerechtigkeit zu lieben und in Heiligung zu leben, während wir die herrliche Erwartung der Rückkehr unseres Herrn pflegen. Die Kenntnis der Endzeit lehrt uns nicht Furcht, sondern stärkt uns zum Ausharren und zur treuen Nachfolge.
Einheit im Glauben trotz unterschiedlicher Ansichten
Es ist gut, über solche Lehrfragen zu diskutieren und die Bibel gründlich zu erforschen. Es ist jedoch nicht gut, sich deswegen zu streiten oder sich gegenseitig zu verurteilen! Fragen der Endzeitabläufe sind nicht heilsentscheidend. Der Kern unseres Glaubens ist Jesus Christus, sein Tod und seine Auferstehung für unsere Sünden, und seine Wiederkunft in Herrlichkeit. Ob jemand an eine Vorentrückung oder eine Entrückung bei der Wiederkunft glaubt, sollte nicht zu Spaltung führen.
Ich selbst bin in einer Gemeinde, die vorwiegend die Vorentrückungslehre vertritt, und wir haben uns trotzdem gegenseitig lieb und schätzen uns als Geschwister sehr. Seid sicher: das geht! Lasst uns einander ermutigen mit der wunderbaren Aussicht, dass wir „allezeit beim Herrn sein“ werden, wann immer er auch kommt. Möge Gott uns Weisheit und Liebe schenken, um in diesen Fragen geeint zu bleiben und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Ehre unseres Herrn Jesus Christus.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Die Entrückung der Gemeinde: Wann und Wie? kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Theologie besuchen.
