01/04/2024
Seit Jahrhunderten waren Gebete und alte Heilweisen ein integraler Bestandteil der medizinischen Versorgung in Europa, lange bevor die moderne Schulmedizin ihre heutige Form annahm. Was in anderen Kulturen unter dem Begriff „Schamanismus“ verallgemeinert wird, fand in den Alpenländern seinen Ausdruck in der Praxis der „Gesundbeter“ oder „Abbeter“. Diese Heiler, die das Wissen um die Wirkung von Gebeten und die Verbindung zur Natur bewahrten, standen kurz vor dem Aussterben. Doch das Wissen wurde weitergegeben, oft innerhalb von Familien, von Generation zu Generation. Die persönliche Geschichte von Monika Herz, die von ihrem Onkel und einem Freund der Familie, dem „Lory“, in die Kunst der Gebetsheilung eingeführt wurde, beleuchtet diese faszinierende Tradition und zeigt auf, wie das Gebet die Zukunft beeinflussen kann.

Die Praxis des Gesundbetens ist weit mehr als nur das Sprechen von Worten. Sie ist eine tief verwurzelte spirituelle Disziplin, die eine enge Verbindung zur Natur und ein tiefes Verständnis für die unsichtbaren Kräfte des Lebens erfordert. Es ist eine Kunst, die über Generationen hinweg gepflegt und weitergegeben wurde, oft im Verborgenen, aber immer mit dem Ziel, Heilung und Wohlbefinden zu fördern. Die Frage, wie Gebet die Zukunft beeinflusst, ist zentral für diese Praxis, denn die Absicht und der Impuls, die im Jetzt gesetzt werden, entfalten ihre Wirkung in dem, was kommt.
Die Ursprünge und die Praxis des Gesundbetens
In den Alpenländern waren die „Gesundbeter“ oder „Abbeter“ jene Menschen, die mit Gebeten und rituellen Handlungen Heilung suchten. Diese Praktiken waren tief in der lokalen Kultur und den Naturreligionen verwurzelt. Sie unterschieden sich oft von den dogmatischen Formen des organisierten Glaubens und bewahrten stattdessen eine ältere, intuitivere Verbindung zur Spiritualität. Meine Großtante Kalina und mein Onkel waren solche Heiler, die dieses Wissen lebendig hielten. Ihre Fähigkeit, durch Gebet zu wirken, war nicht nur ein Glaube, sondern eine gelebte Erfahrung, die oft erstaunliche Ergebnisse hervorbrachte.
Die Unterweisung in dieser Kunst erforderte nicht nur das Erlernen von Gebeten, sondern auch eine tiefgreifende Schulung der Wahrnehmung und des Bewusstseins. Der Lory, ein Freund der Familie und mein Mentor, legte großen Wert darauf, mich mit der Natur zu verbinden. Wir suchten Orte auf, an denen alte Linden oder Eichen standen, Bäume, die als Träger von Lebenskraft und Weisheit galten. Er lehrte mich, Bäume nicht nur als Pflanzen, sondern als lebendige Freunde zu betrachten, ihre Energie zu spüren und auf ihre stille Sprache zu lauschen. Diese Verbindung zur Natur war entscheidend, da sie die Grundlage für das Verständnis der universellen Energien bildet, die im Heilungsprozess eine Rolle spielen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Ausbildung war das Verständnis und die Nutzung der „Zeiten der Übergänge“. Dies umfasste sowohl den Tageslauf – wie Sonnenauf- und -untergang – als auch den Jahreskreis mit seinen Jahreszeitenwechseln und besonderen Festtagen. Diese Übergangszeiten galten als Portale, in denen die Schleier zwischen den Welten dünner sind und die Energien besonders stark fließen. So standen wir oft schweigend auf Lichtungen, die Arme ausgestreckt, die Handflächen nach vorne gerichtet, um die Kraft der untergehenden Sonne aufzunehmen. Diese Übungen stärkten nicht nur die eigene Energie, sondern bereiteten auch den Geist auf die feinstofflichen Prozesse des Heilens vor.
Vertrauen als Fundament der Heilung
Der wichtigste Aspekt, den der Lory mir vermittelte, war das unerschütterliche Vertrauen in die alten Heilgebete und in die eigene Fähigkeit, diese Kraft zu lenken. „Die Menschen kommen zu dir“, sagte er, „weil sie selber nicht beten und weil sie kein Gottvertrauen haben. Wenn du selber aber auch kein Vertrauen in deine Gebete hast, wie soll das dann funktionieren?“ Diese Worte sind der Kern der Gebetsheilung: Ohne tiefes, aufrichtiges Vertrauen kann die Energie nicht fließen, und die Absicht kann sich nicht manifestieren. Es geht nicht um blindes Vertrauen, sondern um ein inneres Wissen um die Wirksamkeit der Praxis.
Gleichzeitig betonte der Lory stets die Notwendigkeit eines gesunden Menschenverstandes. Ein markantes Beispiel war meine eigene Erfahrung mit Zahnschmerzen. Ein Anti-Schmerz-Gebet linderte die akuten Schmerzen erfolgreich, doch sie kehrten zurück. Seine prompte Reaktion: „Du musst zum Zahnarzt gehen! Das Schmerz-Gebet ist nur für den akuten Zustand und für Zeiten, in denen es keinen Zahnarzt gibt!“ Dies verdeutlicht, dass Gesundbeten keine Alternative zur notwendigen medizinischen Versorgung ist, sondern eine Ergänzung, eine Brücke zu den feinstofflichen Dimensionen der Heilung. Es geht darum, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und energetische Blockaden zu lösen, nicht darum, physische Probleme, die einer professionellen Intervention bedürfen, zu ignorieren.
Jenseits des Aberglaubens: Die „andere Seite“ des Heilens
Der Begriff „Gesundbeten“ und „alte Heilgebete“ wird in der modernen Gesellschaft oft abschätzig als Aberglaube abgetan, als „Abweichung von dem, was ein vernünftiger Mensch glauben darf“. Doch die Vorsilbe „Aber-“ bedeutete ursprünglich nicht „gegen“, sondern „darüber hinaus“, „auf der anderen Seite liegend“. Dies beschreibt exakt den Arbeitsbereich des spirituellen Heilens. Es ist ein Zugang zu einer Dimension, die jenseits des rein Materiellen liegt, eine „andere Seite“, die für die meisten Menschen unsichtbar und unerreichbar bleibt. Diese „andere Seite darüber hinaus“ kann man sich wie einen wenig betretenen Pfad vorstellen.
Wer sich auf solche Pfade begeben möchte, tut gut daran, jemandem zu folgen, der diesen Weg bereits gegangen ist, der wiederum jemandem gefolgt ist, der das Ziel erreicht hat. Dies sind die Traditionslinien. Auf diesen Linien wird „die Kraft“ übertragen – ein Konzept, das weltweit von Schamanen und spirituellen Heilern verstanden und praktiziert wird. Diese Kraft ist keine mystische Energie im esoterischen Sinne, sondern eine Verfeinerung des Bewusstseins und eine Fähigkeit zur Lenkung von Absicht und Energie, die durch jahrelange Praxis und Übertragung von Wissen entwickelt wird. Es ist das kollektive Wissen und die Energie der Ahnen und Vorgänger, die durch die Traditionslinie zugänglich gemacht werden.
Mitgefühl und Absicht: Die Zukunft im JETZT gestalten
Die Werkzeuge der alpenländischen AbbeterInnen sind alte Gebete. Doch die bloßen Worte allein sind nicht ausreichend. Es geht vielmehr um die zugrunde liegende Absicht und die Motivation. Die höchsten Gefühle, die den Heilimpuls verstärken, sind Mitgefühl, Liebe und Zuversicht. Diese sind keine bloßen schönen Worte, sondern eine stetige Aufforderung zur Schulung und Pflege einer inneren Ausrichtung. Im Alltag erfordert es bewusste Anstrengung, diese Gefühle zu kultivieren, besonders wenn man mit Leid und Schmerz konfrontiert ist. Doch genau diese reine Absicht und das tiefe Mitgefühl sind die Katalysatoren, die die Heilenergie freisetzen.
Heilgebete wirken im offenen Raum der Möglichkeiten. Das bedeutet, dass sie das Potenzial haben, die energetischen Muster zu beeinflussen, die unsere Zukunft formen. Es ist ein Verständnis, dass die Zukunft nicht völlig determiniert ist, sondern durch Impulse, die im JETZT gesetzt werden, verändert werden kann. Das alte Heilgebet, verstanden als ein starker Geistesimpuls, wird im JETZT platziert, genau an der Grenzlinie zur „anderen Seite“ – dem Bereich der feinstofflichen Energien und Möglichkeiten. Durch diese präzise Platzierung erhält das Gebet, der Impuls, eine besondere Kraft. Diese Kraft wird zusätzlich durch die reinsten Gefühle verstärkt: Mitgefühl und Liebe zu allen Wesen, nicht nur zum Leidenden. Es ist diese universelle Liebe, die den Impuls über das Individuelle hinaushebt und ihm eine weitreichende Wirkung verleiht.
Wie, wo und wann diese positive Wirkung in der Zukunft eintritt, unterliegt nicht unserer Kontrolle. „Schaun wir mal!“, pflegte mein Onkel schon lange vor Franz Beckenbauer zu sagen. Diese Haltung zeugt von einer tiefen Demut und einem Vertrauen in den natürlichen Lauf der Dinge. Es ist das Wissen, dass man den Samen pflanzen kann, aber das Wachstum und die Blüte dem Universum überlassen muss. Die Rolle des Heilers ist es, den Impuls zu setzen und das Feld für die Heilung zu bereiten, nicht aber, das Ergebnis zu erzwingen oder zu kontrollieren. Die Zukunft ist ein dynamisches Ergebnis der Vergangenheit und der gegenwärtigen Impulse, die wir aussenden.
Häufig gestellte Fragen zum Gesundbeten
Was ist Gesundbeten?
Gesundbeten ist eine alte spirituelle Praxis, bei der Gebete, Absicht und Mitgefühl eingesetzt werden, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und Wohlbefinden zu fördern. Es ist eine Form der Heilung, die über die physische Ebene hinausgeht und sich auf die energetischen und spirituellen Dimensionen konzentriert.
Wie unterscheidet sich Gesundbeten von der Schulmedizin?
Gesundbeten versteht sich nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur Schulmedizin. Während die Schulmedizin primär auf der physischen Ebene operiert und krankheitsspezifische Behandlungen anbietet, wirkt Gesundbeten auf der energetischen und spirituellen Ebene, um Blockaden zu lösen, Vertrauen zu stärken und die innere Balance wiederherzustellen. Es kann akute Zustände lindern, aber bei ernsthaften Erkrankungen ist immer ein Arzt zu konsultieren.
Kann jeder Gesundbeten lernen?
Die Fähigkeit zum Gesundbeten erfordert nicht nur das Erlernen von Gebeten, sondern auch eine tiefe innere Schulung, die Entwicklung von Mitgefühl, Absicht und Vertrauen. Es ist oft an Traditionslinien gebunden, in denen Wissen und „Kraft“ weitergegeben werden. Theoretisch kann jeder seine spirituelle Verbindung stärken, aber die Praxis als „Gesundbeter“ erfordert Hingabe und oft eine besondere Begabung oder Berufung.
Wie wirken Heilgebete auf die Zukunft?
Heilgebete wirken, indem sie einen starken Geistesimpuls im „JETZT“ setzen. Dieser Impuls, verstärkt durch reine Absicht, Mitgefühl und Liebe, beeinflusst den „offenen Raum der Möglichkeiten“. Es wird angenommen, dass diese energetischen Impulse positive Veränderungen in den kausalen Ketten bewirken, die die Zukunft formen, indem sie neue Wege für Heilung und Wohlbefinden eröffnen, die sich dann manifestieren können.
Ist Gesundbeten Aberglaube?
Der Begriff Aberglaube wird oft verwendet, um Praktiken zu diskreditieren, die nicht wissenschaftlich erklärbar sind. Die ursprüngliche Bedeutung von „Aber-“ („darüber hinaus“, „auf der anderen Seite“) beschreibt jedoch genau den Bereich, in dem Gesundbeten wirkt: jenseits der rein materiellen Wahrnehmung. Es ist eine spirituelle Praxis, die auf Erfahrung und Überlieferung basiert, nicht auf dogmatischem Glauben oder irrationaler Furcht.
Fazit: Die anhaltende Relevanz spiritueller Heilung
Die Tradition des Gesundbetens, wie sie in den Alpenländern gepflegt wurde und wird, bietet einen tiefen Einblick in die universellen Prinzipien der Heilung. Sie lehrt uns, dass Heilung nicht nur eine Angelegenheit des Körpers ist, sondern untrennbar mit Geist, Seele und der Natur verbunden ist. Das Fundament dieser Praxis ist das unerschütterliche Vertrauen, die reine Absicht und das tief empfundene Mitgefühl.
Die Vorstellung, dass ein im JETZT gesetzter, kraftvoller Geistesimpuls die Zukunft positiv beeinflussen kann, ist eine Kernlehre, die über die Jahrhunderte hinweg Bestand hatte. Es ist eine Erinnerung daran, dass wir nicht machtlos den Umständen ausgeliefert sind, sondern durch bewusste, liebevolle Absicht das Feld für positive Entwicklungen bereiten können. Die „andere Seite“, die Dimension des Feinstofflichen, ist kein Ort des Aberglaubens, sondern ein Raum voller Möglichkeiten, der durch die richtigen Impulse zugänglich wird.
In einer Zeit, in der die moderne Medizin oft an ihre Grenzen stößt und der Mensch nach ganzheitlichen Ansätzen sucht, gewinnt das Verständnis für alte Heilweisen wieder an Bedeutung. Sie erinnern uns daran, dass Heilung ein umfassender Prozess ist, der Körper, Geist und Seele einschließt und dass die Kraft des Gebets – verstanden als reine Absicht und universelle Liebe – ein mächtiges Werkzeug sein kann, um nicht nur aktuelle Leiden zu lindern, sondern auch eine gesündere und harmonischere Zukunft zu gestalten. Die Demut und das Vertrauen in den Prozess, wie es von den Gesundbetern gelebt wurde, sind zeitlose Werte, die uns auch heute noch leiten können.
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