Warum wird die calvinistische Lehre nicht akzeptiert?

Warum Calvinismus nicht universell akzeptiert wird

02/06/2025

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Die theologische Bewegung des Calvinismus, benannt nach dem Schweizer Reformator Johannes Calvin, hat die Geschichte und Entwicklung vieler protestantischer Kirchen maßgeblich geprägt. Insbesondere in Westeuropa und unter englischen Presbyterianern, aber auch in Teilen der apostolischen Bewegung, sind seine Lehren bis heute spürbar. Doch trotz seines weitreichenden Einflusses stößt der Calvinismus mit seinen spezifischen theologischen Betonungen, wie der unbedingten Heiligkeit Gottes und der strengen Prädestinationslehre, auf erhebliche Ablehnung und Kontroversen innerhalb der christlichen Welt. Diese Ablehnung rührt von fundamentalen Unterschieden in der Interpretation der biblischen Botschaft, des menschlichen Willens und der Rolle der Gnade her, die den Kern vieler theologischer Debatten seit der Reformation bilden.

Warum wird die calvinistische Lehre nicht akzeptiert?
Die strikte Lehre des Calvinismus wird von vielen Christen nicht akzeptiert, wobei es dafür unterschiedliche Gründe gibt: Liberale Christen verschiedener Konfessionen halten die calvinistische Lehre für antiliberal und intolerant.
Inhaltsverzeichnis

Was ist Calvinismus? Eine Einführung

Der Calvinismus, auch Kalvinismus genannt, ist eine theologische Strömung, die sich auf die Lehren von Johannes Calvin (1509–1564) gründet. Calvin war ein französischer Theologe, der als einer der bedeutendsten Reformatoren neben Martin Luther gilt und entscheidend zur Entwicklung der reformierten Kirchen beitrug. Sein Denken prägte nicht nur theologische Konzepte, sondern beeinflusste auch gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Strukturen in weiten Teilen Europas.

Johannes Calvin und die Reformation

Johannes Calvin wirkte hauptsächlich in Genf, wo er eine theokratische Ordnung etablierte, die auf seinen theologischen Prinzipien basierte. Er betonte die absolute Souveränität Gottes über alle Aspekte des Lebens und lehnte jegliche menschlichen Versuche ab, Gottes Herrschaft einzuschränken oder zu beeinflussen. Dies führte zu einer radikalen Abkehr von traditionellen katholischen Praktiken wie Sakramenten als Heilsmitteln, Reliquienverehrung oder dem Ablasshandel, die er als menschliche Erfindungen ansah, die von der reinen Anbetung Gottes ablenken.

Der Begriff „Calvinismus“

Interessanterweise war der Begriff „Calvinismus“ für Calvin selbst nicht akzeptabel. Er wurde erstmals 1552 von einem lutherischen Theologen verwendet, um seine Anhänger zu kennzeichnen. Calvin sah dies als eine Schmähung an, da er betonte, dass seine Lehren nicht auf seine Person, sondern allein auf der Bibel basierten. Trotz Calvins Ablehnung hat sich der Begriff etabliert, um die spezifische theologische Ausrichtung zu beschreiben, die aus seinen Schriften hervorging.

Die theologischen Säulen des Calvinismus

Die Theologie Calvins zeichnet sich durch eine tiefgreifende Betonung der unbedingten Heiligkeit und Souveränität Gottes aus. Diese Überzeugung durchdringt alle Aspekte seiner Lehre und bildet die Grundlage für die charakteristischen Merkmale des Calvinismus.

Die vier Soli: Fundamente des reformatorischen Glaubens

Wie alle aus der Reformation hervorgegangenen Bewegungen basiert auch der Calvinismus auf den vier „Soli“, die die Abgrenzung zur katholischen Lehre markieren und die alleinige Autorität Gottes und seines Wortes betonen:

  • Sola Scriptura (allein die Schrift): Die Bibel ist die einzige und höchste Autorität für den christlichen Glauben und das Leben, nicht menschliche Traditionen oder kirchliche Dogmen.
  • Solus Christus (allein Christus): Nur Jesus Christus ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen und die einzige Quelle des Heils, nicht die Kirche, Heilige oder Priester.
  • Sola Gratia (allein durch Gnade): Die Erlösung des Menschen geschieht allein durch die unverdiente Gnade Gottes, nicht durch menschliche Verdienste oder gute Werke.
  • Sola Fide (allein durch Glauben): Der Mensch wird allein durch den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt, nicht durch das Einhalten von Gesetzen, Rituale oder gute Taten.

Die fünf Punkte des Calvinismus (TULIP)

Über die vier Soli hinaus wird die spezifische Lehre des Calvinismus oft in fünf Punkten zusammengefasst, die im 17. Jahrhundert in der Auseinandersetzung mit den Arminianern auf der Dordrechter Synode (1618–1619) präzisiert wurden. Diese Punkte sind im englischen Akronym TULIP bekannt:

Völlige Verderbtheit (Total Depravity)

Dieser Punkt besagt, dass der Mensch nach dem Sündenfall Adams vollständig von der Sünde beherrscht wird. Das bedeutet nicht, dass der Mensch unfähig ist, Gutes zu tun, sondern dass seine gesamte Existenz – sein Denken, Fühlen und Wollen – durch die Sünde verdorben ist. Der Mensch ist demnach aus eigener Kraft nicht fähig, die Botschaft des Evangeliums zu verstehen oder Gott zu suchen, es sei denn, er wird durch den Heiligen Geist dazu befähigt. Er ist geistlich tot und hilflos verloren (vgl. Röm 5,12; Mk 4,11).

Bedingungslose Erwählung (Unconditional Election)

Dies ist das Herzstück von Calvins Lehre der doppelten Prädestination. Demnach hat Gott vor der Erschaffung der Welt unwiderruflich und ohne Rücksicht auf menschliche Verdienste oder Entscheidungen bestimmt, welche Menschen zum Heil erwählt sind und welche zur ewigen Verdammnis bestimmt sind. Die Gründe für Gottes Wahl sind für den Menschen unergründlich und liegen allein in Gottes souveränem Ratschluss. Die Erwählung ist nicht an Bedingungen geknüpft, die in der Person des Erwählten liegen.

Begrenzte Versöhnung (Limited Atonement)

Basierend auf der bedingungslosen Erwählung lehrt dieser Punkt, dass Jesu Tod am Kreuz nicht dazu bestimmt war, alle Menschen zu erlösen. Vielmehr war sein Erlösungswerk ausschließlich auf die Gruppe der von Gott Auserwählten ausgerichtet. Christus starb somit nur für die Sünden derer, die tatsächlich gerettet werden sollen (vgl. Mt 26,28; Eph 5,25).

Unwiderstehliche Gnade (Irresistible Grace)

Dieser Punkt besagt, dass die rettende Gnade Gottes, die den Auserwählten zuteilwird, nicht abgelehnt werden kann. Wenn Gott einen Menschen zur Errettung ruft, wird dieser Mensch dem Ruf folgen und zum Glauben finden. Der Mensch hat in dieser Hinsicht keinen freien Willen, der Gottes souveränem Handeln widerstehen könnte. Die Erwählten werden unweigerlich zu Gott hingezogen und ihn erkennen (vgl. Joh 6,44; Röm 8,14).

Die Beharrlichkeit der Heiligen (Perseverance of the Saints)

Dieser letzte Punkt lehrt, dass diejenigen, die von Gott erwählt und durch unwiderstehliche Gnade zum Glauben gebracht wurden, nicht von der Gnade abfallen können. Einmal gerettet, bleiben sie gerettet. Ihre Erlösung ist von Gott gesichert, und es ist unmöglich, Gottes Gnade wieder zu verlieren. Die Auserwählten werden bis zum Ende beharrlich im Glauben bleiben (vgl. Röm 8,28; Joh 6,39).

Weitere Prägungen und die calvinistische Arbeitsethik

Neben den Kernlehren der fünf Punkte prägt der Calvinismus auch eine spezifische Lebensführung und eine einzigartige Arbeitsethik, die weitreichende gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen hatte.

Merkmale des calvinistischen Lebens

Der Calvinismus zeichnet sich durch eine Reihe weiterer Merkmale aus:

  • Protestantische Askese: Eine Lebenshaltung, die Genuss und weltliche Vergnügungen meidet und sich auf das Wesentliche konzentriert.
  • Strenge Kirchenzucht: Die Gemeinde übt eine strenge Kontrolle über das moralische Verhalten ihrer Mitglieder aus und kann bei Verstößen Strafen verhängen.
  • Unabhängigkeit vom Staat: Die Kirche sollte frei von staatlicher Einmischung sein und sich nicht weltlichen Autoritäten unterordnen.
  • Nicht-hierarchische Kirchenordnung: Im Gegensatz zur katholischen Kirche mit ihrer hierarchischen Struktur bevorzugt der Calvinismus eine egalitäre Ordnung, oft nach dem Prinzip des allgemeinen Priestertums.
  • Abendmahl als Erinnerungsfeier: Das Abendmahl wird nicht als Realpräsenz Christi verstanden, sondern als symbolische Erinnerungsfeier an sein Opfer.

Der Geist des Kapitalismus: Max Webers These

Ein besonders prägender Aspekt des Calvinismus ist seine einzigartige Arbeitsethik, die von dem deutschen Soziologen Max Weber in seiner berühmten „Protestantischen Ethik und dem Geist des Kapitalismus“ untersucht wurde. Da die göttliche Entscheidung über die Erwählung für den Menschen verborgen bleibt, müsse jeder so handeln, als sei er auserwählt. Dies führte zu einem rastlosen Fleiß und einem intensiven Arbeitseifer. Wirtschaftlicher Erfolg konnte dabei als Zeichen für den Gnadenstand interpretiert werden, wenngleich er die göttliche Entscheidung nicht beeinflusste.

Diese Ethik sah Zeitvergeudung, übermäßigen Schlaf oder Luxus als schwere Sünden an. Arbeit wurde als von Gott vorgeschriebener Selbstzweck des Lebens verstanden. Weber argumentierte, dass diese spezifische Arbeits- und Wirtschaftsethik, die den wirtschaftlichen Erfolg in den Vordergrund stellte, eine wesentliche Grundlage für die Industrielle Revolution und die Entwicklung des modernen Kapitalismus in Ländern wie England, Holland und der Schweiz geschaffen habe. Die Ausgrenzung calvinistischer Puritaner aus Staatsämtern in England durch die Testakte von 1673 drängte sie zudem in privatwirtschaftliche Bereiche, wo sie aufgrund ihrer Ethik besonders erfolgreich waren.

Der Einfluss des Calvinismus auf die Apostolische Bewegung

Der Calvinismus hat, abgesehen von den katholisch-apostolischen Gemeinden, einen bemerkenswerten und bis heute spürbaren Einfluss auf die apostolische Bewegung ausgeübt. Dies zeigt sich in verschiedenen Bereichen der Kirchenpraxis und Theologie.

Liturgie und Gottesdienstgestaltung

Die Liturgiereform, die Menkhoff zunächst in den Niederlanden und später auch in Deutschland einführte, war stark am Calvinismus orientiert. Gewänder, Weihrauch und aufwendige liturgische Mittel wurden abgeschafft. Stattdessen wurde die Predigt zum zentralen und gewichtigsten Bestandteil des Gottesdienstes. Bis heute sind die Gottesdienste vieler apostolischer Gemeinschaften, darunter die Neuapostolische Kirche und die Vereinigung Apostolischer Gemeinden, von dieser calvinistischen Gottesdienstform geprägt.

Kirchenbau und Altar

Auch der Kirchenbau in nahezu allen apostolischen Gemeinschaften spiegelt calvinistische Prägungen wider. Es werden schmucklose, schlichte Kirchenbauten bevorzugt, die den Fokus auf das Wort und die Gemeinschaft legen, anstatt auf visuelle Pracht oder sakrale Symbolik. Die Sonderform des Altares in den meisten apostolischen Gemeinschaften ist ebenfalls vom Calvinismus beeinflusst: Hier finden sich calvinistischer Abendmahlstisch und Kanzel oft vereinigt. Während in der Neuapostolischen Kirche der Altar im Laufe der Zeit wieder stärker vom Bild des klassischen Altars geprägt wurde, findet sich in der Frühzeit der apostolischen Bewegung und noch heute in den beiden Hersteld Apostolisch Zendingkerk eine stark calvinistische Kanzelaltarform, wie sie beispielsweise in der Altreformierten Kirche in Emlichheim zu sehen ist.

Taufe und Patenamt

Der Wegfall des Patenamtes bei der Taufe und die Übertragung dieser Verantwortung auf die gesamte Gemeinde entspringt ebenfalls dem calvinistischen Gedankengut. Dies unterstreicht die Verantwortung der gesamten Gemeinschaft für die Erziehung und Unterstützung des Getauften im Glauben.

Arbeitsethik und sichtbarer Segen

Eine calvinistische Ablehnung von übermäßigen Vergnügungen und Zeitvertreib war und ist vielen apostolischen Gemeinschaften eigen, was eine Parallele zur calvinistischen Askese darstellt. Zudem bestehen große Parallelen bezüglich der Arbeitsethik zwischen der Ethik der Neuapostolischen Kirche und dem Calvinismus. Die vielfach in der Neuapostolischen Kirche präsente Lehre, dass Segen sichtbar sei – und sich insbesondere materiell zeigt – entspringt ebenfalls dem calvinistischen Verständnis, dass wirtschaftlicher Wohlstand ein Zeichen der Erwählung sein kann.

Das vierfache Amt

Auch der Terminus vom vierfachen Amt, der in der gesamten apostolischen Glaubensfamilie bekannt ist, entspringt ursprünglich Calvins Ämterlehre, die zwischen Pastoren, Lehrern, Ältesten und Diakonen unterschied.

Warum wird die calvinistische Lehre nicht akzeptiert? Die Kontroversen

Die strikte und oft als kompromisslos empfundene Lehre des Calvinismus stößt bei vielen Christen und Konfessionen auf Ablehnung. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von unterschiedlichen theologischen Interpretationen bis hin zu fundamentalen Differenzen im Verständnis des menschlichen Wesens und der Beziehung zu Gott.

Liberale Christen: Intoleranz und Antiliberalismus

Liberale Christen verschiedener Konfessionen betrachten die calvinistische Lehre oft als antiliberal und intolerant. Ihre Kritik richtet sich insbesondere gegen die strenge Kirchenzucht, die absolute Prädestinationslehre, die den menschlichen freien Willen negiert, und die Tendenz zu einer rigiden Moralvorstellung. Für liberale Christen stehen Werte wie individuelle Freiheit, Toleranz, soziale Gerechtigkeit und eine offene Interpretation der Schrift im Vordergrund, die sie im Calvinismus eingeschränkt oder abwesend sehen.

Katholiken: Fundamentale Ablehnung

Die Katholische Kirche lehnt die fünf Punkte des Calvinismus sowie etliche andere wichtige Lehrpunkte entschieden ab. Die katholische Theologie betont die Rolle der Sakramente als Gnadenmittel, die Bedeutung der guten Werke für das Heil, die hierarchische Struktur der Kirche und die Realpräsenz Christi in der Eucharistie. Die calvinistische Ablehnung der Autorität des Papstes, der Marienverehrung und der Heiligenverehrung sind weitere unüberbrückbare Differenzen. Für Katholiken ist das Heil ein Zusammenspiel von göttlicher Gnade und menschlicher Kooperation, nicht allein ein Akt der bedingungslosen Erwählung.

Orthodoxe Christen: Die Bedeutung des Freien Willens

Für die Orthodoxen Kirchen ist der freie Wille des Menschen eine grundlegende Lehre der Bibel und eine Voraussetzung für die Gottesbeziehung. Die calvinistische Ablehnung des freien Willens und die Vorstellung einer doppelten Prädestination stehen im Widerspruch zur orthodoxen Theologie. In der Orthodoxie wird Erlösung nicht als ein einmaliger, rein passiv zu empfangender Gnadenakt verstanden, sondern als eine andauernde, aktive Zusammenarbeit (Synergie) des Heiligen Geistes mit den Gläubigen. Der Mensch ist demnach aktiv an seinem Heil beteiligt, indem er auf Gottes Gnade antwortet.

Methodisten: Die Spaltung über die Prädestination

Die methodistische Bewegung entstand aus einem theologischen Dissens innerhalb des Protestantismus, insbesondere in Bezug auf die calvinistische Prädestinationslehre. John Wesley, einer der Gründer des Methodismus, akzeptierte die doppelte Prädestination, die von seinem Zeitgenossen und calvinistischen Prediger George Whitefield vertreten wurde, nicht. Dieser fundamentale Lehrunterschied führte zur Trennung der beiden und zur Entwicklung des Arminianismus innerhalb des Methodismus, der die universelle Erlösungsmöglichkeit und den freien Willen betont.

Lutheraner: Abendmahl und Prädestination

Obwohl sowohl der Calvinismus als auch das Luthertum aus der Reformation hervorgegangen sind, gibt es wichtige theologische Unterschiede, die eine vollständige Akzeptanz verhindern. Lutheraner lehnen die doppelte Prädestination ab und betonen stattdessen die universelle Gnade Gottes, die allen Menschen angeboten wird. Ein weiterer zentraler Unterschied betrifft das Abendmahl: Lutheraner halten an der leiblichen Gegenwart Christi im Abendmahl (Konsubstantiation) fest, während Calvinisten es als rein symbolische Erinnerungsfeier betrachten.

Quäker: Ablehnung der Prädestination

Die Quäker (Religious Society of Friends) lehnen die Prädestination ebenfalls ab. Ihre Theologie betont das „innere Licht“ oder den „Christus in uns“, was bedeutet, dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, Gottes Führung direkt zu erfahren. Diese Betonung der individuellen spirituellen Erfahrung und der direkten Beziehung zu Gott steht im Gegensatz zur calvinistischen Lehre, die das Heil als von Gott vorbestimmt und nicht vom menschlichen Willen oder inneren Erfahrungen abhängig sieht.

Der Arminianismus: Eine theologische Gegenposition

Der Arminianismus, benannt nach Jacobus Arminius, ist eine theologische Strömung, die sich im 17. Jahrhundert explizit als Gegenposition zum Calvinismus entwickelte. Die Arminianer, auch als Remonstranten bekannt, lehnten die Lehre der bedingungslosen Erwählung und der begrenzten Versöhnung ab. Sie betonten die Bedingtheit der Erwählung durch den Glauben des Menschen, die universelle Wirksamkeit von Christi Sühne für alle Menschen und die Möglichkeit, der Gnade Gottes zu widerstehen oder von ihr abzufallen. Der Arminianismus ist bis heute eine bedeutende theologische Position, die in vielen protestantischen Denominationen, insbesondere im Methodismus und in der Pfingstbewegung, vertreten ist.

Vergleich wichtiger Lehrpunkte

Um die Gründe für die Nichtakzeptanz des Calvinismus besser zu verstehen, ist es hilfreich, einige seiner Kernlehren mit den Positionen anderer großer christlicher Traditionen zu vergleichen:

LehrpunktCalvinismus (Reformierte)KatholizismusOrthodoxieLuthertumArminianismus (Methodismus)
PrädestinationDoppelte Prädestination (Erwählung zum Heil oder zur Verdammnis ist von Gott vorbestimmt)Gott erwählt zum Heil, aber der Mensch hat freien Willen zur Kooperation/Ablehnung; keine VerdammnisvorherbestimmungGott hat Vorkenntnis, aber der Mensch hat freien Willen; keine Vorherbestimmung zum Heil oder zur VerdammnisGott erwählt zum Heil, aber der Mensch kann dies durch Unglauben verlieren; keine doppelte PrädestinationGott erwählt basierend auf Vorkenntnis des Glaubens; der Mensch hat freien Willen, Gnade anzunehmen oder abzulehnen
Freier WilleDer Mensch ist nach dem Sündenfall geistlich unfähig und hat keinen freien Willen zur Erlösung (völlige Verderbtheit)Der Mensch hat einen freien Willen, kann aber ohne Gnade nicht zum Heil gelangen; Zusammenarbeit mit Gnade ist möglichDer Mensch hat einen freien Willen und ist zur Zusammenarbeit mit der göttlichen Gnade fähig (Synergie)Der Mensch hat freien Willen in weltlichen Dingen, aber nicht im geistlichen Sinne zur ErlösungDer Mensch hat einen freien Willen, der durch die „prävenierende Gnade“ befähigt wird, auf Gott zu antworten
Erlösung/GnadeAllein durch unwiderstehliche Gnade; begrenzt auf die Erwählten; kann nicht verloren gehenDurch Gnade, die durch Sakramente vermittelt wird; erfordert menschliche Kooperation (Werke); kann durch Sünde verloren gehenDurch Gnade und menschliche Synergie; ein lebenslanger Prozess der Theosis (Vergöttlichung); kann verloren gehenAllein durch Gnade und Glauben; universell angeboten; kann durch Unglauben verloren gehenUniverselle Gnade (für alle angeboten); kann widerstanden werden; kann verloren gehen
AbendmahlSymbolische Erinnerungsfeier; keine RealpräsenzRealpräsenz Christi (Transsubstantiation)Realpräsenz Christi (Mysterium)Realpräsenz Christi (Konsubstantiation)Symbolische Erinnerungsfeier oder spirituelle Präsenz
KirchenautoritätAllein die Schrift; nicht-hierarchisch (Priestertum aller Gläubigen)Bibel und Tradition; Autorität des Papstes und der HierarchieBibel und Tradition; Autorität der ökumenischen Konzilien und BischöfeAllein die Schrift; Bischofsamt beibehalten, aber nicht als HeilsnotwendigkeitAllein die Schrift; Betonung der Gemeinschaft und des Dienstes

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Calvinismus

Ist der Calvinismus heute noch relevant?

Ja, der Calvinismus ist nach wie vor eine relevante und einflussreiche theologische Strömung. Viele reformierte Kirchen weltweit, darunter Presbyterianer, Kongregationalisten und bestimmte Baptistenkirchen, halten an calvinistischen Lehren fest. Seine Prinzipien beeinflussen weiterhin theologische Debatten, ethische Überlegungen und sogar politische Ideen in verschiedenen Teilen der Welt. Besonders in den USA hat der Calvinismus durch Bewegungen wie den Neocalvinismus oder die reformierte Theologie weiterhin eine starke Präsenz.

Was ist der Hauptstreitpunkt im Calvinismus?

Der wohl bedeutendste und kontroverseste Punkt des Calvinismus ist die Lehre der doppelten Prädestination. Die Vorstellung, dass Gott von Ewigkeit her bestimmte Menschen zum Heil und andere zur Verdammnis vorbestimmt hat, ohne Rücksicht auf deren Entscheidungen, wird von vielen als unvereinbar mit der Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit Gottes empfunden. Diese Lehre kollidiert direkt mit dem Konzept des freien Willens und der universalen Erlösungsmöglichkeit, die in vielen anderen christlichen Traditionen betont werden.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Calvinisten und anderen Konfessionen?

Trotz der tiefgreifenden Unterschiede gibt es grundlegende Gemeinsamkeiten, insbesondere mit anderen protestantischen Konfessionen. Die vier Soli (sola Scriptura, solus Christus, sola gratia, sola fide) sind reformatorische Fundamente, die von vielen Protestanten geteilt werden. Die Betonung der Souveränität Gottes, die Autorität der Bibel und das allgemeine Priestertum der Gläubigen sind ebenfalls gemeinsame Nenner. Auch die Wertschätzung für Bildung, soziale Verantwortung und eine hohe Arbeitsmoral finden sich in verschiedenen Ausprägungen über konfessionelle Grenzen hinweg.

Fazit: Vielfalt der Glaubenswege

Der Calvinismus ist zweifellos eine der prägendsten theologischen Bewegungen der Kirchengeschichte, deren Einfluss bis heute in vielen reformierten Kirchen und darüber hinaus spürbar ist. Seine strenge Betonung der Souveränität Gottes, die Lehre der doppelten Prädestination und die spezifische Arbeitsethik haben sowohl Bewunderer als auch scharfe Kritiker gefunden. Die Gründe für die Nichtakzeptanz des Calvinismus durch liberale Christen, Katholiken, Orthodoxe, Lutheraner, Methodisten und andere liegen in fundamentalen theologischen Differenzen, insbesondere in Bezug auf den menschlichen freien Willen, die Natur der Gnade und das Verständnis des Heils. Diese Kontroversen spiegeln die reiche Vielfalt theologischer Interpretationen innerhalb des Christentums wider und zeigen, dass der Weg des Glaubens viele unterschiedliche Pfade kennt, die jeweils auf eigene Weise versuchen, die Beziehung zwischen Gott und Mensch zu definieren.

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