13/11/2021
Die Bibel ist ein Buch von unvergleichlicher Tiefe, Weisheit und Geschichte. Sie ist nicht nur die meistgelesene Schrift der Welt, sondern auch ein Zeugnis menschlicher Erfahrung und göttlicher Offenbarung, die über Jahrtausende hinweg gesammelt wurde. Ihre Entstehung erstreckte sich über einen Zeitraum von mehr als 1.500 Jahren und wurde erst Jahrzehnte nach dem Tod Jesu Christi als ein umfassendes Gesamtwerk abgeschlossen. Diese lange und komplexe Entstehungsgeschichte macht die Bibel zu einem wahrhaft einzigartigen literarischen und religiösen Phänomen, das in seiner Art von keinem anderen Schriftwerk übertroffen wird. Gott selbst begleitete die Gemeinde durch alle Jahrhunderte und gab ihr genau das, was sie zu jener Zeit brauchte, um ihren Glauben zu nähren und zu verbreiten. Doch wie genau entstanden diese heiligen Texte, wann wurden sie verfasst, und welche Rolle spielt dabei beispielsweise das Lukas-Evangelium? Dieser Artikel beleuchtet die faszinierende Zeitachse der biblischen Schriften, von den ältesten Büchern des Alten Testaments bis zum abschließenden Buch der Offenbarung.

Das Lukas-Evangelium: Ein umfassender Bericht über Jesu Leben und die frühe Kirche
Das Lukas-Evangelium und die Apostelgeschichte sind untrennbar miteinander verbunden, da beide Werke demselben Autor zugeschrieben werden: Lukas. Zusammen machen sie beeindruckende 27,5% des gesamten Neuen Testaments aus – der größte Beitrag, der einem einzelnen Autor zugeschrieben wird. Das Lukas-Evangelium konzentriert sich auf das Leben, Wirken, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi, wobei Lukas oft eine detailliertere und historischere Perspektive bietet. Die Apostelgeschichte schließt inhaltlich direkt an das Evangelium an und beschreibt die Entstehung und Entwicklung der ersten christlichen Gemeinde, der sogenannten Urgemeinde, nach Jesu Himmelfahrt.
Die meisten Gelehrten datieren die Entstehung der Apostelgeschichte in den Zeitraum zwischen 80 und 90 n. Chr. Da die Apostelgeschichte als Fortsetzung des Lukas-Evangeliums konzipiert ist, wird auch das Lukas-Evangelium selbst oft in diese spätere Zeit eingeordnet, oder zumindest deutlich nach dem Jahr 70 n. Chr. Diese Datierung ist besonders relevant, da Lukas in seinen Schriften auch auf historische Ereignisse Bezug nimmt, die nach 70 n. Chr. stattfanden, wie die Zerstörung des Jerusalemer Tempels. Die Notwendigkeit, die mündlichen Überlieferungen über Jesus und die ersten Christen schriftlich festzuhalten, wurde mit der Zeit immer dringender, insbesondere da die ursprünglichen Augenzeugen allmählich verstarben und die christlichen Gemeinden sich über das gesamte Römische Reich ausbreiteten.
Die Entstehungszeit des Alten Testaments: Eine Reise durch Jahrtausende
Die Wurzeln der biblischen Schrift reichen tief in die Geschichte zurück, weit vor die Zeit Jesu. Die ältesten Teile des Alten Testaments entstanden bereits vor mehr als 1.000 Jahren vor Christus. Die fünf Bücher Mose, auch bekannt als Pentateuch, bilden den Grundstein des Alten Testaments. Der Auszug Israels aus Ägypten (Exodus), ein zentrales Ereignis, wird auf etwa 1.460 bis 1.450 v. Chr. datiert. Bereits zu dieser frühen Zeit, noch vor der Verkündigung der Zehn Gebote, erging der göttliche Befehl an Mose: „Schreibe dies zum Gedächtnis in ein Buch...“ (2. Mose 17,14). Dies belegt, dass die ersten Teile des Alten Testaments schon damals in schriftlicher Form vorlagen, wie es in 2. Mose 24,7 heißt: „Und er [Mose] nahm das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volkes. Und sie sagten: Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun und gehorchen.“
Die Landnahme Israels unter Josua erfolgte um 1.400 v. Chr. Obwohl der Verfasser namentlich nicht genannt wird, wird angenommen, dass Josua selbst das älteste prophetische Buch, das Buch Josua, zwischen 1405 und 1385 v. Chr. verfasste. Die Mehrheit der insgesamt 21 prophetischen Schriften des Alten Testaments entstand im 9. bis 6. Jahrhundert v. Chr.
Die Kontroverse um das Daniel-Buch
Eine besondere Erwähnung verdient das Buch Daniel. Daniel wurde um 586 v. Chr. nach der Eroberung Jerusalems durch König Nebukadnezar ins babylonische Exil verschleppt. Dort beschreibt er Ereignisse mit bemerkenswerter Genauigkeit. Einige Theologen bezeichnen das Daniel-Buch als das jüngste Buch des Alten Testaments, weil sie es für unglaubwürdig halten, dass Daniel so viele und so exakte Prophezeiungen im Voraus geben konnte, die sich so präzise erfüllt haben. Sie stellen die Behauptung auf, es sei erst Jahrhunderte nach Daniels Tod verfasst worden. Diese Argumentation ist jedoch schwer nachvollziehbar, da Daniel nicht über bereits vergangene, sondern über noch kommende Ereignisse berichtete. Es handelte sich um göttliche Offenbarungen, nicht um menschliche Spekulationen, denn nur Gott ist in der Lage, in die Zukunft zu blicken. Zudem werden sich einige Details aus dem Buch Daniel erst in Kürze erfüllen, was die Annahme, es sei 2.000 Jahre nach Christi Tod geschrieben worden, ebenfalls widerlegt.
Das Buch Maleachi, das letzte der 21 prophetischen Bücher des Alten Testaments, wird in die hellenistische Zeit, genauer ins 4. bis 3. Jahrhundert v. Chr., datiert. Die Weisheitsliteratur, zu der Bücher wie die Psalmen und die Sprüche gehören, wurde hauptsächlich im 10. Jahrhundert v. Chr. verfasst. König David, der um 1.000 v. Chr. lebte, gilt als Verfasser der meisten Psalmen. Sein Sohn, König Salomo, der im 10. Jahrhundert v. Chr. regierte und den ersten Tempel in Jerusalem erbauen ließ (Bauzeit 957 bis 950 v. Chr.), war seinerzeit der weiseste Mann und Autor des Buches der Sprüche.
Nach jüdischer Überlieferung wurde das Buch Rut im 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. und das Buch Ester um 400 v. Chr. verfasst. Das Buch Hiob entstand wahrscheinlich zwischen 500 und 300 v. Chr. Die jüngsten Bücher der hebräischen Bibel sind (neben Maleachi) Esra und Nehemia, die im 3. Jahrhundert v. Chr. datiert werden. Beide hatten einen großen Anteil an der endgültigen Kanonisierung des Alten Testaments.
Die Entstehungszeit des Neuen Testaments: Von den ersten Briefen zur vollständigen Sammlung
Im Gegensatz zum Alten Testament wurden alle neutestamentlichen Schriften erst Jahrzehnte nach Jesu Tod veröffentlicht. Einige entstanden sogar erst Jahrzehnte nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. und der damit verbundenen Vertreibung der Juden in alle Welt. Diese zeitliche Verschiebung hatte wesentliche Auswirkungen auf die Sprache der Schriften. Um eine weitreichende Verbreitung und Verständlichkeit für Heiden- und Judenchristen aus allen Regionen des Römischen Reiches zu gewährleisten, mussten die Schriftrollen in der damaligen Weltsprache Griechisch verfasst werden. In der Diaspora, der Zerstreuung der Juden unter alle Völker, ging die aramäische Sprache fast vollständig verloren, während Griechisch von der gesamten damals bekannten Welt gesprochen wurde – es war noch wichtiger als die englische Sprache für uns heute.
Da die Jahresangaben in der theologischen Literatur und auf Plattformen wie Wikipedia schwanken, dienen die folgenden Angaben lediglich als grobe Einschätzung. Dies ist jedoch kein Problem, da es bei Gott um den ewig gültigen geistigen Inhalt geht und nicht um ein bestimmtes Erstellungsjahr.
Die Datierung der Evangelien
Zur Bestimmung der Entstehungszeit der vier Evangelien – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – werden verschiedene Kriterien herangezogen: stilistische Eigenheiten, wechselseitige Bezüge der Texte, theologische Unterschiede und Bezugnahmen auf historische Fakten. Nur wenige Fachleute gingen in den vergangenen Jahrhunderten davon aus, dass die Evangelien bereits in den 30er oder 40er Jahren n. Chr. verfasst wurden. Die meisten schätzen die Entstehungszeit viel später ein. Gerade beim Lukas- und Johannes-Evangelium ist eine Datierung weit nach dem Jahr 70 n. Chr. offensichtlich.

Die vier Evangelisten beschreiben das Leben Jesu aus vier unterschiedlichen Blickwinkeln. Diese Schriften erlangten für die Christenheit größte Bedeutung, da die Ereignisse mit Jesus nicht mehr nur mündlich weitergegeben werden konnten. Trotz großer Verfolgung entstanden viele neue christliche Gemeinden bis weit an die Enden des römischen Weltreiches. Sie alle mussten mit geistlicher Nahrung versorgt werden, nicht nur durch Weitersagen, sondern durch echte schriftliche Berichte von den Menschen, die wirklich mit Jesus zusammengelebt hatten. Während einige Paulusbriefe bereits in den christlichen Gemeinden im Umlauf waren und zahlreich abgeschrieben und verteilt wurden, haben gerade die hinzugekommenen Evangelien größte Bedeutung erlangt. Sie stehen daher am Anfang des Neuen Testaments, und das erste griechische Wort ist „Biblos“ (Byblos), was Buchrolle (bzw. Bibel) bedeutet (Mt 1,1).
Die genauen Datierungen der Evangelien variieren unter den Gelehrten, aber die Tendenz geht zu späteren Zeitpunkten, insbesondere für Lukas und Johannes, die Informationen enthalten, die auf Ereignisse nach 70 n. Chr. hindeuten.
Die Paulusbriefe und Allgemeinen Briefe
Die Paulusbriefe an die Thessalonicher und an die Korinther gelten als die ältesten erhaltenen Schriften des Urchristentums. Sie entstanden zwischen 49 und 60 n. Chr., also bereits etwa 20 Jahre vor dem ältesten Evangelium nach Markus. Die meisten der sieben Allgemeinen Briefe entstanden erst lange nach den Paulusbriefen.
Zur besseren Übersicht sind hier die groben Datierungsbereiche der neutestamentlichen Briefe und der Apostelgeschichte:
| Schrift | Grobe Datierung (n. Chr.) |
|---|---|
| 1. Thessalonicher | 49-55 |
| 2. Thessalonicher | 49-55 |
| 1. Korinther | 54-55 |
| 2. Korinther | 55-57 |
| Galater | ~55 |
| Philipper | 55-60 |
| 1. Petrus | ~60 |
| Philemon | ~63 |
| Titus | 66-67 |
| Kolosser | ~70 |
| Hebräer | ~70-90 (oft 80-90) |
| Epheser | 80-90 |
| Jakobus | 50? / 80-95 |
| 2. Petrus | 70-95 |
| Judas | 50-90 |
| 1. Johannes | 80-100 |
| 2. Johannes | 80-100 |
| 3. Johannes | 80-100 |
| 1. Timotheus | 70-100 |
| 2. Timotheus | 70-100 |
| Apostelgeschichte | 80-90 |
Johannes schrieb die letzten Briefe des Neuen Testaments um 80-100 n. Chr., also Jahrzehnte nach der Vertreibung der Juden in alle Welt (ab 70 n. Chr.). Darin sind sich wohl alle Gelehrten einig.
Die Offenbarung: Der endgültige Abschluss der Heiligen Schrift
Die sogenannte „Offenbarung des Johannes“ sollte korrekterweise „Offenbarung Jesu Christi an Johannes“ heißen (vgl. Offb 1,1), da sie eine Offenbarung ist, die Jesus Christus dem Johannes gegeben hat. Dieses faszinierende Buch bildet den 7. Teil der Bibel, trägt den 21. Buchnamen des Neuen Testaments, ist die 49. Schriftrolle und das 70. (und somit letzte) Buch der gesamten Bibel. Die Zahlen 7, 21 (3x7), 49 (7x7) und 70 (10x7) symbolisieren in der biblischen Numerologie Vollständigkeit, Perfektion und den endgültigen Abschluss der Heiligen Schrift. Diese symbolische Bedeutung unterstreicht, dass kein anderes Buch hinzugefügt oder entfernt werden darf.
Die meisten Gelehrten datieren die Offenbarung in den Zeitraum zwischen 89 bis sogar 120 n. Chr., wobei das Jahr um 100 n. Chr. von den meisten favorisiert wird. Mit diesem letzten Buch wurde das Wort Gottes um 100 n. Chr. – also bereits vor etwa 2.000 Jahren – endgültig abgeschlossen.
Die letzten Worte der Bibel in der Offenbarung sind eine eindringliche Warnung an alle, damit die Bibel komplett und vollständig bleibt. Wir sollen uns nicht von späteren neu erscheinenden Büchern von neuen Propheten oder Sehern verführen lassen, denn das Wort Gottes ist mit seinen 7 Teilen, 49 Schriftrollen und 70 Büchern komplett und endgültig versiegelt. Alle weiteren und neueren Bücher würden nur Widersprüche erzeugen und das bereits lange zuvor bestehende Wort Gottes aufheben. Gott versteht in diesem Bezug keinen Spaß, denn wer die Kinder Gottes mit neuen Büchern verführt, der wird keinen Anteil am ewigen Leben haben (Lk 17,1-2; Offb 22,18-21).
Darüber hinaus beinhalten die letzten Worte der Bibel die freudige Garantie der Wiederkunft Jesu Christi und keines anderen sonst: „Ich [Jesus] bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen. (19) Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht. (20) Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. – Amen, ja, komm, Herr Jesus! (21) Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!“ (Offb 22,18-21).
Häufig gestellte Fragen zur Datierung der Bibel
- Warum schwanken die Datierungen biblischer Bücher so stark?
- Die Datierung biblischer Bücher ist komplex, da oft keine direkten Jahresangaben in den Texten selbst enthalten sind. Gelehrte stützen sich auf stilistische Analysen, historische Bezüge, theologische Entwicklungen und Verweise auf andere Texte. Unterschiedliche Interpretationen dieser Kriterien führen zu abweichenden Schätzungen. Zudem gab es in der Antike keine einheitlichen Datierungsmethoden, wie wir sie heute kennen.
- Hat die genaue Datierung der biblischen Bücher theologische Bedeutung?
- Für den Kern des Glaubens und die geistliche Botschaft der Bibel ist die genaue Jahreszahl der Entstehung eines Buches von untergeordneter Bedeutung. Die göttliche Inspiration und der ewig gültige Inhalt stehen im Vordergrund. Die Datierung hilft jedoch, den historischen Kontext besser zu verstehen und die Entwicklung der frühen Kirche sowie die Bewahrung der Überlieferungen nachzuvollziehen.
- Warum wurde das Neue Testament auf Griechisch verfasst?
- Das Neue Testament wurde in Koine-Griechisch verfasst, weil dies zur Zeit seiner Entstehung die Lingua franca, also die allgemeine Verkehrssprache, im gesamten östlichen Mittelmeerraum und im Römischen Reich war. Dies ermöglichte eine weitreichende Verbreitung der christlichen Botschaft unter Juden und Heiden gleichermaßen, da die aramäische Sprache der Juden in der Diaspora zunehmend an Bedeutung verlor.
- Was bedeutet es, dass die Bibel „abgeschlossen“ ist?
- Der Abschluss der Bibel, insbesondere durch das Buch der Offenbarung um 100 n. Chr., bedeutet, dass die göttliche Offenbarung, die für das Heil der Menschheit notwendig ist, als vollständig betrachtet wird. Die Warnung in Offenbarung 22,18-21 unterstreicht, dass keine weiteren Bücher oder Lehren hinzugefügt oder entfernt werden sollen, um die Reinheit und Integrität des Wortes Gottes zu bewahren. Dies schützt die Gläubigen vor falschen Lehren und Verführungen.
- Welche Rolle spielt das Lukas-Evangelium im Gesamtwerk der Bibel?
- Das Lukas-Evangelium ist zusammen mit der Apostelgeschichte der größte Beitrag eines einzelnen Autors zum Neuen Testament. Es bietet eine detaillierte und oft historisch fundierte Darstellung des Lebens Jesu und seiner Lehren, mit einem besonderen Fokus auf soziale Gerechtigkeit, die Rolle der Frauen und die universelle Botschaft des Heils für alle Menschen. Die Apostelgeschichte setzt diese Erzählung fort und beschreibt, wie die Botschaft Jesu nach seiner Himmelfahrt durch die Apostel und die frühe Kirche verbreitet wurde, was es zu einem unverzichtbaren Bindeglied zwischen Jesu Leben und der Ausbreitung des Christentums macht.
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