Das Geheimnis des Fleisches: Göttlich Menschlich

12/08/2021

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In der stillen Erhabenheit der Weihnachtszeit, wenn die Welt innehält und das Wunder der Geburt feiert, offenbart sich ein tiefes, oft übersehenes Geheimnis: die Menschwerdung Gottes. Der Prolog des Johannesevangeliums fasst es in einem Satz zusammen, der gleichermaßen fasziniert und irritiert: „Und das Wort ist Fleisch geworden …“ (Joh 1,14). Diese knappe Formulierung ist der Grundpfeiler für das gesamte Leben Jesu, ein Satz, der scheinbar unvereinbare Gegensätze miteinander verbindet. Auf den ersten Blick mag dies paradox erscheinen, denn das biblische Verständnis von „Fleisch“ ist zutiefst mit der Vergänglichkeit und Hinfälligkeit des Geschaffenen verbunden. Wie kann das ewige, unvergängliche Wort Gottes in etwas so Flüchtigen wie menschlichem Fleisch erscheinen? Diese Frage führt uns ins Herz des christlichen Glaubens und lädt uns ein, über die erstaunliche Bedeutung dieser Menschwerdung für unser eigenes Dasein und unsere Hoffnung nachzudenken.

Was ist das „Fleisch“ des Babys?
Das „Fleisch“ des Babys ist ein Fenster zur Transzendenz. Das Mysterium des Lebens wird anschaulich. Auch Jesus musste als Kleinkind geschützt, versorgt und in einer mörderischen Welt in Sicherheit gebracht werden. Dem hilfsbedürftigen jungen Leben ein Nest der Geborgenheit zu bereiten, ist Aufgabe der Eltern.
Inhaltsverzeichnis

Das Wunder des Fleisches: Wort und Vergänglichkeit

Um das Paradox des fleischgewordenen Wortes zu verstehen, müssen wir zunächst den biblischen Begriff des „Fleisches“ erfassen. Jesaja verkündet als Sprachrohr Gottes: „Alles Fleisch ist wie Gras … Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit“ (Jes 40,6.8). Hier wird „Fleisch“ als das Geschaffene, das Irdische, das Vergängliche verstanden – alles, was wächst, aufblüht, aber unweigerlich dem Tod geweiht ist. Es ist ein Bild der Zerbrechlichkeit, der Hinfälligkeit, des vorübergehenden Daseins. Das Wort Gottes hingegen ist ewig, unveränderlich, unzerstörbar. Johannes Brahms hat in seinem „Deutschen Requiem“ diese schlagende Wucht des Vergänglichen, den Schrei des Endlichen, der zarten, schwebenden, nach oben strebenden Melodie des ewigen Wortes Gottes genial entgegengesetzt – als Sehnsuchts-, Trost- und Hoffnungsimpuls, ganz im Sinne Jesajas. Diese urbiblische Glaubensgewissheit wird bei Johannes jedoch noch gesteigert, ja bis zum Paradox verdichtet: Das Wort, aus dem alles entstanden ist, das als Weltseele alles belebt, dieses ewige Wort ist in menschlichem „Fleisch“ erschienen. Es ist nicht nur ein fernes Wirken Gottes, sondern eine tatsächliche Inkarnation, eine vollständige Identifikation mit der menschlichen Existenz in all ihrer Verwundbarkeit und Endlichkeit. Von diesem unglaublichen Geheimnis kann man nur als Ergriffener künden. Der Prolog geht deshalb hier von der beschreibenden Rede in das Bekenntnis einer „Wir-Gruppe“ über: „… und wir haben seine Herrlichkeit geschaut“ (Joh 1,14). Dieses „Wir“ ist zutiefst gepackt von der Erkenntnis, dass der Glanz, die Wucht der Gegenwart Gottes in einem Menschen aufblitzte. Die Begegnung mit Jesus von Nazareth ist das Urerlebnis, aus dem der christliche Glaube erwachsen ist. Für Johannes ist Jesus die fleischgewordene Erfüllung seines jüdischen Glaubens an die Treue Gottes: Dieser Mensch aus Fleisch und Blut kam aus der intimen Einheit mit Gott. Er wohnte unter den Menschen, um ihnen den Weg in die Einheit mit Gott und untereinander zu offenbaren. Es ist die größte Offenbarung, dass das Ewige sich im Zeitlichen manifestiert, das Unendliche im Endlichen greifbar wird.

Das Fleisch Jesu als Angelpunkt des Heiles

Die erste Generation der Zeuginnen und Zeugen Jesu hatte nur ein einziges, alles überragendes Anliegen: das Heil, das sie in Jesus „fleischlich“ erfahren hatten, weiterzugeben. „Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben vom Wort des Lebens: … das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt“ (1 Joh 1,1.3). Diese Worte unterstreichen die physische, greifbare Realität der Begegnung mit Jesus. Der lebendige Christus sollte im Glauben und im Miteinander der Gemeinde erfahrbar bleiben, nicht als abstrakte Idee, sondern als lebendige Präsenz. Die Reden, die „Zeichen“, die Ausstrahlung, das Lachen und Weinen, das Angesicht und die Gesten Jesu, seine Symbolhandlungen, seine Hingabe bis zum Letzten – mit einem Wort: Sein beseeltes „Fleisch“ ist der Angelpunkt des Heiles. Der Kirchenvater Tertullian (150–220) fasste dies prägnant zusammen: „Caro cardo salutis“ – „Das Fleisch ist der Angelpunkt des Heiles“. Diese Aussage ist von immenser theologischer Bedeutung, denn sie widerspricht einem frühchristlichen Dualismus, der das „Fleischliche“, insbesondere das Sexuelle, verdächtigte und bekämpfte. Leider hat sich diese Verdächtigung früh in die christliche Tradition eingeschlichen, was zu Verdrängung und sogar Bekämpfung des Körpers und seiner Triebe führte. Natürlich sind wir uns der zerstörerischen Eigendynamik des Fleischlichen bewusst: des ungezügelten Begehrens, der Eifersucht, des Verfallenseins an Süchte wie Sex, Geld oder Genuss. Im menschlichen „Fleisch“ lauert auch das Ungeheuer von Gewalt, Krieg, von Verzweiflung und Tod. Doch die christliche Botschaft ist nicht die Ablehnung des Fleisches, sondern seine Transformation. Christlich wäre es, unser gefährdetes „Fleisch“, unsere Grundtriebe samt unseren psychischen Anlagen mit Geist zu durchdringen, zu beseelen, in die spirituelle Ebene zu integrieren. Unser vergängliches „Fleisch“ sollte im Kraftfeld der Liebe Gottes „Geist“ werden. Dann könnten wir mit Friedrich Spee SJ (1591–1635) singen: „Dich wahren Gott ich finde in meinem Fleisch und Blut …“ Sich selbst als beseeltes „Fleisch“ zu erleben und anzunehmen, ist wahres Glück und die Grundlage für ein erfülltes Leben. Solch erlöstes Dasein strahlt aus auf alle und alles. Als Krone und Teil der Schöpfung hat der Mensch den Auftrag, den göttlichen Garten zu bewahren und zu pflegen. Wer Gott als „Freund des Lebens“ (Weish 11,26) entdeckt hat, wird selbst – getragen vom inneren Fluss des lebensbejahenden Gottes – zum Freund und zur Freundin des Lebens. Es geht darum, die ganze menschliche Existenz, einschließlich unserer Körperlichkeit, in die göttliche Ordnung der Liebe einzubinden.

Das Fleisch des Neugeborenen: Ein Fenster zur Transzendenz

Wenn wir die Geburt Jesu feiern, betrachten wir das „Fleisch“ des Neugeborenen. Ein neugeborenes Kind weckt durch sein bloßes Dasein eine tiefe, instinktive Liebe zum Wehrlosen und Schutzbedürftigen. Dieses zarte „Fleisch“ fordert zur liebenden Sorge heraus. Solche Zuwendung ist tief im Menschen, vor allem in der Mutter, verankert. Ringsum regt sich fragloses Staunen über das Wunder des Lebens. Jedes Baby strahlt neue Hoffnung aus, eine unschuldige Reinheit, die uns an das ursprüngliche Gute erinnert. Selbst hartgesottene Agnostiker sind angerührt von den zarten Gliedmaßen, den unkoordinierten Bewegungen, den klaren Augen und den ersten Reaktionen eines kleinen Kindes. Das Gesicht der Erwachsenen hellt sich auf, ein Lächeln huscht über die Lippen. Das „Fleisch“ des Babys ist ein Fenster zur Transzendenz, ein sichtbarer Ausdruck des Mysteriums des Lebens, das uns staunen lässt. Es ist ein lebendiger Beweis für die Schöpferkraft und die fortwährende Gegenwart des Göttlichen in unserer Welt. Auch Jesus musste als Kleinkind geschützt, versorgt und in einer mörderischen Welt in Sicherheit gebracht werden. Die Weihnachtsgeschichte erzählt von der Flucht nach Ägypten, ein Zeugnis seiner menschlichen Verwundbarkeit. Dem hilfsbedürftigen jungen Leben ein Nest der Geborgenheit zu bereiten, ist die elementare Aufgabe der Eltern und der Gemeinschaft. Verletzliches „Fleisch“ zu schützen, aufzurichten, zu heilen und zu stärken, rührt an das Geheimnis des Heiligen, das im Fleische verborgen ist. Jesus selbst hat Kinder in die Arme genommen und gesegnet, er hat den Wassersüchtigen und die gekrümmte Frau, er hat Aussätzige berührt, was ein Tabubruch war und ihn selbst zu einem Ausgestoßenen machte. Sein Zugehen auf Außenseiter, auf die Randständigen und Verachteten, hat ihm Feinde eingebracht. Er hat sich von einer stadtbekannten Dirne salben lassen, was die Frommen seiner Zeit zutiefst befremdete und empörte. Diese Handlungen waren nicht nur Akte der Barmherzigkeit, sondern radikale Offenbarungen der göttlichen Liebe, die sich gerade im „Fleischlichen“ manifestiert. Nach der Maxime „Gott ist im Fleische“ (Gerhard Tersteegen, 1731) hat sich Jesus den Menschen, besonders den Kleinen, den Sündern und Kranken zugewandt. Und er stand zu seinen eigenen Gefühlen, konnte im Zorn erregt sein oder aufjubeln in heller Freude. Seine tränendurchtränkten Augen und sein strahlendes Augenpaar haben sich eingeprägt, aber auch seine Angst am Ölberg. Er kannte Versuchungen wie wir, aber er hat sich mit allem, was ihn bewegte und umtrieb, vertrauensvoll Gott übergeben. So reifte er in einem angefochtenen Leib zum „Fleisch gewordenen Wort“, von dem „Geist und Leben“ ausgingen. Seine Menschlichkeit war keine Maskerade, sondern die volle, authentische Erfahrung des Menschseins, durchdrungen von der Göttlichkeit.

Was ist das „Fleisch“ des Babys?
Das „Fleisch“ des Babys ist ein Fenster zur Transzendenz. Das Mysterium des Lebens wird anschaulich. Auch Jesus musste als Kleinkind geschützt, versorgt und in einer mörderischen Welt in Sicherheit gebracht werden. Dem hilfsbedürftigen jungen Leben ein Nest der Geborgenheit zu bereiten, ist Aufgabe der Eltern.

Das Fleisch des Gekreuzigten: Leid und Heil

Obwohl Jesus viele Heilungswunder vollbrachte und durch seine körperliche Zuwendung Heil vermittelte – „Er hat alles gut gemacht“ (Lk 7,37) ist ein emphatisches Echo auf seine Taten –, stieß sein Herzensanliegen, ein neues Gespür für den nahen Gott zu verbreiten, letztlich auf Widerstand. Deshalb schränkte er seine Wundertätigkeit ein und erkannte unter inneren Kämpfen, dass sein gemarterter Leib das stärkste Zeichen für das Heil Gottes sein würde. Die Passion Christi ist der Höhepunkt dieser fleischgewordenen Liebe. Der tote, geschundene Leichnam auf dem Schoß Marias, wie er uns in der Pietà begegnet, ist zugleich ein schmerzhafter Kontrast und eine tiefe Entsprechung zur Mutter, die das Neugeborene in ihren Händen hält. Matthias Grünewald (1480–1530) hat diese innere Verwandtschaft in seinem berühmten Isenheimer Altar auf eindringliche Weise erspürt. Die Windeln des Jesuskindes sind auf diesem Altar mit dem Lendentuch des Gekreuzigten identisch, und beide Male ist es „Fleisch“, wie es kontrastreicher nicht sein könnte. Das zarte, strahlende Fleisch des Babys und der von Beulen und Wunden überzogene Leib des Toten, dessen Anblick den Schwerkranken im Isenheimer Hospital Trost spenden sollte. Dies ist das ultimative Paradox: Das „Fleisch“, ein sakramentaler Ort von staunenswertem Glanz in der Krippe und von tiefstem, verstörenden Leid am Kreuz. Das Fleisch Christi repräsentiert Gott in dieser Welt in seiner gesamten Bandbreite: im Staunen über seine Geburt, im Schauen auf seine ganzheitliche Zuwendung zu den Menschen und im Verstummen vor seinem grausam zu Tode geschundenen Leib. Der Leib Christi wird zum Ort der Erlösung, zum Zeugnis der grenzenlosen Liebe Gottes, die selbst im äußersten Leid präsent ist. Es ist die Verkörperung der Solidarität Gottes mit dem Leid der Menschheit, die uns durch seinen Tod und seine Auferstehung neues Leben schenkt.

Mann und Frau „erkennen“ sich als „ein Fleisch“: Die biblische Perspektive der Einheit

Die Bedeutung des Fleisches erstreckt sich auch auf die menschliche Beziehung zwischen Mann und Frau. Der Jesuit und Paläontologe Teilhard de Chardin (1881–1955) hat einen erstaunlichen Satz hinterlassen: „Das Lebendigste des Greifbaren ist das Fleisch, und für den Mann ist das Fleisch die Frau.“ Auf den ersten Blick mag dies sexistisch klingen, doch muss man diesen Satz mit biblischer Tiefenschärfe lesen. Der zweite, ältere Schöpfungsbericht weist nämlich in dieselbe Richtung: Dass Mann und Frau „ein Fleisch“ werden, ist das Ziel der ganzen Schöpfung (vgl. Gen 2,24). Die Vision der ursprünglichen Einheit von Mann und Frau ist partnerschaftlich und wechselseitig. Deswegen gilt der Satz von Teilhard auch gleichermaßen für die Frau hin zum Mann. Beide sind in ihrer polaren Bezogenheit und „fleischlichen“ Einheit Abbild Gottes! „Adam“, wörtlich der „Erdklumpen“, ist in der Logik des Mythos noch gar nicht Mann im vollständigen Sinne. Das wird er erst durch die Erschaffung der Frau. Der biblische Mythos erzählt sehr einfühlsam, dass Gott die innerste Sehnsucht des einsamen Adam erfüllt, indem er ihm die Herzensgefährtin zuführt. Erst als Folge der Sünde entwickelt sich die Herrschaft des Mannes über die Frau. Das Patriarchat liegt nicht in der Schöpfungsabsicht Gottes! Leider hat die Auslegungsgeschichte des biblischen Mythos die patriarchale Version für Jahrhunderte festgeschrieben und damit eine ursprüngliche Gleichheit missverstanden. Die „fleischliche“ Vereinigung von Mann und Frau wird in der Bibel mit dem Verb „erkennen“ umschrieben. Dies geht weit über den physischen Akt hinaus und meint eine tiefe, intime Kenntnis und Annahme des anderen in aller Bedürftigkeit, um schließlich „ein Geist“ zu werden. Es ist eine Einheit, die Körper, Seele und Geist umfasst und die Beziehung zu einem Spiegelbild der göttlichen Liebe macht.

Die Geburt Jesu aus Gottes unergründlicher Liebe

Hinter jeder Menschwerdung steht – im Idealfall – die innige Liebe von Mann und Frau. Bei der Geburt Jesu ist es jedoch die unergründliche, ewige Liebe Gottes, der Männliches und Weibliches in sich trägt, die diese Menschwerdung ermöglicht. Das ist das eigentliche Geheimnis der Weihnacht: Gott selbst tritt in die menschliche Existenz ein, angetrieben von einer Liebe, die alle unsere Vorstellungen übersteigt. Die „eingefleischte“ Liebe sollte deshalb das Zentrum alles Christlichen sein! Die ersten Christen wählten für „Liebe“ den damals blassen griechischen Begriff „agape“. Dies war eine bewusste Abgrenzung von „Eros“, der oft mit begehrender Liebe assoziiert wurde, und „Philia“, der Freundschaftsliebe. Die Zukunft der Kirchen wird davon abhängen, ob sich dieser christliche Begriff „agape“ mit der urtümlichen Kraft des Eros, der Sexualität und mit der Dimension einer beziehungsfähigen, partnerschaftlichen Liebe im Sinne der „philia“, der Freundschaftsliebe, verbinden wird. Auf dieser doppelten natürlichen Basis baut die Gnade der spirituellen, schenkenden Liebe („agape“, lat. „caritas“) auf. Diese Liebe aus der Geisteskraft Gottes trägt in sich eine grenzenlose Dynamik: von der ekstatischen Liebe der Geschlechter über die Liebe zum Hilfsbedürftigen bis zu jener Liebe, die sich einsetzt für Gerechtigkeit und Frieden – und sich bis zur Feindesliebe, ja, bis zur Preisgabe des eigenen Lebens steigert. Die göttliche Liebe integriert alles wahrhaft Menschliche und übersteigt, ver-rückt unsere menschlichen Maßstäbe. Sie zeigt uns einen Weg, wie wir unser „Fleisch“ nicht nur annehmen, sondern es zu einem Kanal der göttlichen Liebe machen können. Dabei bestätigt sich, was der junge Novalis nach dem frühen Tod seiner geliebten Sophie schrieb: „Die Liebe ist der Endzweck des Universums und das Amen der Geschichte.“ Dies ist die tiefste Wahrheit, die uns das fleischgewordene Wort Gottes offenbart: dass die Liebe das Alpha und Omega unserer Existenz ist, der Sinn hinter allem Sein.

Vergleichende Betrachtung des „Fleisches“ Jesu

Aspekt des „Fleisches“Bedeutung in der Krippe (Geburt)Bedeutung am Kreuz (Kreuzigung)
Zustand des FleischesZart, unschuldig, strahlend, verletzlich, schutzbedürftig.Gemartert, geschunden, verwundet, tot, Symbol des äußersten Leidens.
Emotionale ReaktionStaunen, Liebe, Zärtlichkeit, Hoffnung, Freude, Geborgenheit.Trauer, Schock, Abscheu, Mitleid, Verzweiflung, aber auch Ehrfurcht.
Theologische AussageGott wird Mensch, Inkarnation, Nähe Gottes, Beginn des Heiles.Sühne, Erlösung, Solidarität Gottes mit menschlichem Leid, Vollendung des Heiles.
Symbolik (Grünewald)Windeln als Zeichen der Menschlichkeit und Armut.Lendentuch als Zeichen der Scham und des Opfers, identisch mit Windeln.
Wirkung auf den BetrachterWeckt den Wunsch nach Schutz und Fürsorge, Hoffnung auf Neubeginn.Zwingt zur Auseinandersetzung mit Leid und Tod, bietet Trost im eigenen Schmerz.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema „Fleisch“ in der Religion

Was bedeutet „Fleisch“ in der biblischen Sprache?
In der Bibel bezeichnet „Fleisch“ (hebräisch basar, griechisch sarx) primär das Geschaffene, die gesamte menschliche Existenz in ihrer Leiblichkeit und Vergänglichkeit. Es steht für die Hinfälligkeit des Menschen im Gegensatz zur Ewigkeit Gottes. Es kann aber auch die ganze Person meinen, einschließlich ihrer Vitalität und ihrer Abhängigkeit von Gott.
Warum ist es für Christen wichtig, dass das „Wort Fleisch wurde“?
Die Menschwerdung (Inkarnation) ist zentral, weil sie zeigt, dass Gott nicht fern bleibt, sondern aktiv in die menschliche Geschichte eingreift und sich mit unserer Existenz solidarisiert. Es bedeutet, dass das Göttliche im Menschlichen erfahrbar wird und dass der Weg zum Heil durch die konkrete Menschlichkeit Jesu führt. Gott ist im Fleisch greifbar geworden, um uns zu erlösen.
Wie hängt das „Fleisch“ des Neugeborenen mit dem „Fleisch“ des Gekreuzigten zusammen?
Beide Aspekte des „Fleisches“ Jesu sind untrennbar miteinander verbunden und offenbaren die ganze Bandbreite der menschlichen Existenz, die Gott angenommen hat. Das zarte, schutzbedürftige Fleisch des Babys symbolisiert den Beginn der Inkarnation und Gottes unendliche Liebe zum Leben. Das geschundene Fleisch des Gekreuzigten offenbart die Tiefe der göttlichen Solidarität mit menschlichem Leid und die Bereitschaft zur Selbsthingabe für die Erlösung der Menschheit. Es ist derselbe Leib, der in beiden Zuständen das göttliche Geheimnis birgt.
Was ist mit der Aussage „Caro cardo salutis“ gemeint?
Dieser lateinische Satz von Tertullian bedeutet „Das Fleisch ist der Angelpunkt des Heiles“. Er betont die fundamentale Bedeutung der Menschwerdung und der körperlichen Existenz Jesu für die Erlösung. Ohne die konkrete Leiblichkeit Christi – seine Geburt, sein Leben, sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung – gäbe es kein Heil. Es ist eine Absage an alle Formen des Dualismus, die den Körper abwerten.
Wie sollte das menschliche „Fleisch“ im christlichen Sinne verstanden werden?
Im christlichen Verständnis sollte das menschliche „Fleisch“ nicht abgelehnt, sondern als integraler Bestandteil der von Gott geschaffenen Person angenommen werden. Es gilt, die menschlichen Triebe und Anlagen nicht zu unterdrücken, sondern sie durch den Geist Gottes zu durchdringen, zu beseelen und in den Dienst der Liebe zu stellen. Das Ziel ist, dass unser vergängliches Fleisch im Kraftfeld der göttlichen Liebe zu „Geist“ wird, sodass wir Gott in unserer gesamten Existenz erfahren und widerspiegeln können.

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