Wie kann ich abzunehmen?

Morgen- und Abendgebet: Luthers zeitlose Weisheit

10/08/2024

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In unserem oft hektischen Alltag suchen viele Menschen nach Ankerpunkten, nach Momenten der Ruhe und Besinnung, die ihrem Leben Sinn und Richtung geben. Für Gläubige ist das Gebet seit jeher ein solcher Anker. Es ist nicht nur ein Gespräch mit Gott, sondern auch ein Akt der Selbstreflexion, der Dankbarkeit und der Hingabe. Besonders die täglichen Gebete am Morgen und am Abend haben eine tiefgreifende Bedeutung, da sie den Beginn und das Ende eines jeden Tages unter Gottes Schutz stellen. Martin Luther, der große Reformator, erkannte die immense Wichtigkeit dieser täglichen Rituale für das geistliche Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft. Seine Katechismen, die er verfasste, um den Menschen die elementarsten Kenntnisse des christlichen Glaubens zu vermitteln, enthalten daher auch eine wertvolle Anleitung zum Gebet – insbesondere für den Morgen- und Abendsegen.

Wie kann ich mein Gebet verwenden?
Jedes Gebet kann von dir nach belieben verwendet werden. Es wäre nett, wenn du bei Verwendung diese Seite erwähnst. Wie dem auch sei: Gott segne dich! Denk dran: Gott hört dein Gebet, aber er muss es nicht erfüllen. Sei dir aber bewusst, dass du als Christ ein Kind Gottes bist. Hier findest du Gebete zur Nacht.

Luther stellte bei seinen Visitationen in den Gemeinden Kursachsens fest, dass es den Menschen an grundlegendem Wissen über den christlichen Glauben und das christliche Leben mangelte. Um dieser Not zu begegnen, fügte er seinem Kleinen Katechismus eine praktische Anleitung hinzu, wie ein Hausvater sein Gesinde im Gebet unterweisen sollte. Dabei begann Luther ganz elementar, mit den äußerlichen Vollzügen des Gebets. Er wusste, dass Leib und Seele nach biblischem Verständnis untrennbar zusammengehören. Diese „ganzheitliche“ Sichtweise bedeutet, dass auch körperliche Gesten beim Beten eine wichtige Hilfe sein können, um den Geist zu sammeln und die Hingabe zu vertiefen.

Inhaltsverzeichnis

Die äußeren Zeichen des Gebets: Kreuz und Haltung

Als Erstes lehrte Martin Luther, sich zu bekreuzigen oder, wie er es nannte, sich „mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes“ zu segnen. Es ist bemerkenswert, dass die Bekreuzigung keineswegs nur eine „typisch römisch-katholische“ Praxis ist, sondern auch ein zutiefst „typisch lutherisches“ Element. Die Bekreuzigung gehört zu den ältesten Gesten des christlichen Glaubens überhaupt, deren Anfänge bis in die apostolische Zeit zurückreichen. Mit diesem einfachen, aber kraftvollen Zeichen bekunden wir unsere Zugehörigkeit zu dem gekreuzigten Christus. Es ist eine elementare Form des Glaubensbekenntnisses, die uns daran erinnert, wessen Eigentum wir sind: Bei Christus, unter dem Schutz seines Kreuzes, sind wir geborgen und sicher. Zudem ist die Bekreuzigung eine ständige Erinnerung an unsere Heilige Taufe, wo wir mit dem Zeichen des Heiligen Kreuzes gesegnet und zu Eigentum Christi wurden. Wir sind mit Christus in seinen Kreuzestod hineingetauft worden, und das Kreuzzeichen verweist uns immer wieder von Neuem darauf. Auch im Gottesdienst bekreuzigen wir uns, wenn der Pastor die Gemeindeglieder mit dem Kreuzeszeichen segnet, um auszudrücken: „Das, was der Pastor dort mit dem Kreuzeszeichen zuspricht, gilt auch für mich ganz persönlich.“ Es ist wichtig zu betonen, dass ein Christ sich nicht „muss“ bekreuzigen; in den äußerlichen Vollzügen des christlichen Glaubens haben wir eine große Freiheit, und unser Heil hängt nicht daran. Doch Luther lehrte, dass die Bekreuzigung eine wertvolle Hilfe zum Beten und zum Vollzug des Glaubens sein kann, eine Erkenntnis, die heute viele lutherische Christen wiederentdecken, nachdem sie im Zeitalter des Rationalismus hier in Deutschland oft verloren gegangen war.

Als weiteren äußeren Vollzug neben dem Kreuzzeichen nannte Luther das Knien oder Stehen beim Gebet. Das Knien war die Gebetshaltung Jesu (vgl. Lukas 22,41) und der ersten Christen (vgl. Apostelgeschichte 20,36; 21,5). Mit dem Knien bringen wir unseren Respekt vor Gott, unsere Beugung unter seinen Willen und unsere Bereitschaft zur Anbetung zum Ausdruck. Im Gottesdienst findet das Knien seinen Platz dort, wo wir unsere Schuld bekennen, wo wir in Ehrfurcht das leibhafte Kommen des Herrn im Abendmahl erfahren und wo wir uns von Christus beschenken lassen. Wer körperlich nicht knien kann, darf stattdessen stehen, wie Luther es ausdrücklich erlaubt. Die Gebetshaltung ist eine äußere Form, die unsere innere Haltung widerspiegelt und verstärkt.

Luthers Morgensegen: Ein Tag unter Gottes Hut

Der Morgensegen ist ein Gebet des Dankes und der Bitte, das den Tag bewusst unter Gottes Schutz stellt. Luther leitet an:

Des Morgens, wenn du aus dem Bette fährst, sollst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sollst sagen:
Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.
Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast; und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, daß dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.
Und alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was deine Andacht gibt.

Im Morgengebet blickt der Beter zunächst dankbar zurück auf die Bewahrung in der vergangenen Nacht. Die Bitte richtet sich dann nach vorne: um Bewahrung vor „Sünden und allem Übel“, damit „all mein Tun und Leben“ Gott gefalle. Hier wird deutlich, dass das Wohlgefallen Gottes der Richtpunkt des Lebens sein soll, nicht nur das eigene Wohlbefinden. Das Gebet ist eine Hingabe des gesamten Seins – „Leib und Seele und alles“ – in Gottes Hände. Die Bitte um den Beistand des heiligen Engels gegen den „bösen Feind“ verweist auf den lebenslangen Kampf gegen die Mächte des Bösen, in dem wir nicht aus eigener Kraft bestehen können, sondern auf Christi Sieg und Schutz durch seine Engel vertrauen.

Luthers Abendsegen: Rückblick, Vergebung und Geborgenheit

Der Abendsegen dient dem Abschluss des Tages in Dankbarkeit, der Bitte um Vergebung und der vertrauensvollen Übergabe in Gottes Hände für die Nacht:

Des Abends, wenn du zu Bette gehst, sollst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sollst sagen:
Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.
Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast; und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich unrecht getan habe, und mich diese Nacht gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.
Und alsdann flugs und fröhlich geschlafen.

Im Abendgebet steht der Rückblick auf den vergangenen Tag und die Bitte um Vergebung der Sünden im Mittelpunkt. Luther leitet hier zum täglichen Bekenntnis der Schuld und zur Hinwendung zu Gottes Vergebung an. Auch hier wird Dank für die Bewahrung des Tages ausgesprochen, gefolgt von der Bitte um gnädige Behütung für die Nacht. Die abschließenden Formulierungen erinnern stark an die Texte aus dem Stundengebet der Komplet, insbesondere an Psalmen und Hymnen, die von der Bewahrung durch Engel und der Übergabe des Geistes in Gottes Hände sprechen. Dieses vertrauensvolle Loslassen und Sich-Übergeben in Gottes Hände ist eine tägliche Übung, die uns letztlich auch auf das Sterben vorbereitet. „Alles“, was uns als Sorge auf der Seele liegt, darf in Gottes Hände befohlen werden.

Was ist ein Gebet?
Eine kleine Erinnerung: Ein Gebet ist kein garant für die Erfüllung deines Wunsches. Am Ende entscheidet Gott alleine darüber. Hier findest du Abendgebete für jeden Tag. Jedes Gebet ist ein Beispiel für einen einzelnen Aspekt. Daher solltest du dir alle ansehen, um den zu finden, der zu dir spricht oder zu deiner Gruppe passt.

Vergleich: Morgengebet und Abendgebet

Obwohl beide Gebete von Luther strukturell ähnlich sind und wichtige theologische Elemente teilen, unterscheiden sie sich in ihrem Fokus und ihrer Intention:

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MerkmalMorgengebetAbendgebet
ZeitpunktBeginn des Tages, nach dem AufstehenEnde des Tages, vor dem Schlafengehen
FokusBlick nach vorne auf den kommenden TagRückblick auf den vergangenen Tag
DankbarkeitFür die Bewahrung in der NachtFür die Bewahrung am Tag
HauptbitteBewahrung vor Sünden und allem Übel, dass Gott all mein Tun und Leben gefalleVergebung aller Sünden, wo Unrecht getan wurde; gnädige Behütung in der Nacht
HingabeIch befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände (für den Tag)Ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände (für die Nacht)
ErwartungMit Freuden an das Werk gehen, Lied singenFlugs und fröhlich schlafen
Theologisches ZielGottes Wohlgefallen als Richtpunkt des LebensTägliches Sündenbekenntnis und Empfang der Vergebung

Die Bedeutung fester Gebete

Martin Luther lehrte in seinem Katechismus, dass es hilfreich ist, für den Morgen und Abend feste Gebete auswendig zu lernen. Dies bedeutete keineswegs, dass er freie Gebete ablehnte. Vielmehr wusste er um die enorme Hilfe, die feste Gebete für das Gebetsleben und das Glaubensleben insgesamt darstellen können. Sie sind ein Anker, der uns auch dann noch zu halten vermag, wenn uns eigene Worte kaum noch über die Lippen kommen – sei es aus Müdigkeit, Trauer oder Unsicherheit. Neben dem Vaterunser und dem Glaubensbekenntnis formulierte Luther diese speziellen Morgen- und Abendsegen, die uns als „Luthers Morgen- bzw. Abendsegen“ bekannt sind und die bis heute vielen Menschen Orientierung bieten.

Die Formulierungen dieser Segensgebete entnahm Luther der kirchlichen Tradition, insbesondere den Stundengebeten. Aus seiner Klosterzeit kannte und schätzte er die feste Ordnung der Gebete, die den Tagesablauf strukturierten. So finden sich im Abendsegen zahlreiche Anspielungen auf das Gebet der Komplet, die auch in deutscher Übersetzung noch geläufig sind. Diese alten, bewährten Formulierungen tragen eine tiefe theologische Weisheit in sich und verbinden uns mit Generationen von Betern vor uns.

Grundzüge christlichen Betens

Die Morgen- und Abendsegen Luthers dienen als umfassende Anleitung zum christlichen Beten überhaupt. Dazu gehört die Anrede „mein himmlischer Vater“, die den Beter auf seine Taufe als Grundlage des Gebets zurückbezieht. Wir beten nicht allgemein zu einem „guten Gott“, sondern konkret in der Kraft des Heiligen Geistes zu unserem Vater im Himmel. Dieses Gebet ist nur möglich „durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn“. Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch Ihn (vgl. Johannes 14,6). Dies ist der Grund, warum „interreligiöse Gebete“, die nicht „durch Jesus Christus, unseren Herrn“ gesprochen werden können, für Christen grundsätzlich nicht möglich sind. Es ist keine bloße Floskel, sondern die theologische Grundlage unseres Betens: Unser Gebet muss durch Christus an den Vater im Himmel gerichtet sein, um als christliches Gebet verstanden zu werden.

Ein weiterer Grundzug christlichen Betens, der in Luthers Gebeten sichtbar wird, ist, dass der Bitte der Dank vorausgeht. Wo wir nicht angeleitet werden, übergehen wir diesen Dank allzu leicht. Am Morgen und Abend bezieht sich der Dank jeweils auf die zuvor erfahrene Bewahrung. Die abschließenden Formulierungen, die stark an die Komplet erinnern, wie der Verweis auf Psalm 91 („Er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen“) und das vertrauensvolle „In deine Hände befehle ich meinen Geist“, betonen die völlige Hingabe und das Vertrauen auf Gottes Schutz. Im „alles“, was wir in Gottes Hände befehlen dürfen, ist nichts ausgenommen, was uns als Sorge auf der Seele liegt. Der Abschluss der Gebete verweist zudem auf unsere Taufe zurück: Wir sind in einen lebenslangen Kampf mit den Mächten des Bösen gestellt, dem wir in der Taufe entrissen wurden. In diesem Kampf können wir nicht selbst bestehen; doch Christus selbst will und wird diesen Kampf für uns durch seine heiligen Engel gewinnen. In Seiner Kraft dürfen wir jeden Morgen unser Taufgelübde wiederholen: „Ich entsage dem Teufel und all seinem Werk und Wesen und ergebe mich Dir, Du Dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, im Glauben und Gehorsam Dir treu zu sein bis an mein Ende. Amen.“

Arten des Gebets: Vielfalt in der Zwiesprache mit Gott

Neben den festen Gebeten für Morgen und Abend, die eine grundlegende Struktur bieten, gibt es eine reiche Vielfalt an Gebetsformen, die unser Gespräch mit Gott bereichern können. Ob in der Gruppe, im Ferienlager, persönlich oder stellvertretend für andere – Gebete passen sich den unterschiedlichen Anlässen und Bedürfnissen an. Eine Gebetssammlung kann hier eine wahre Fundgrube sein, ein „bunter Blumenstrauß der schönsten Gebete für verschiedene Gelegenheiten.“

Die persönliche Gebetspraxis profitiert enorm von vorformulierten Gebeten. Sie helfen, neue Gedanken zu finden und durch die Worte großer Beter die eigenen Worte zu formen. Dies ist besonders wertvoll in Momenten, in denen uns die Worte fehlen oder wir uns unsicher fühlen. Aber auch in der Jugendarbeit oder in Gruppen können solche Sammlungen hilfreich sein: beim persönlichen Gebet in der Gruppe am Anfang oder Ende einer Stunde, in besonderen Situationen, oder immer dann, wenn sich ein Gebet empfiehlt, aber die spontanen Worte fehlen. Alte Gebete, neue Gedanken, in Gedichtform oder frei gesprochen, von großen Heiligen oder Jugendlichen unserer Zeit – all das trägt zur reichen Textur des Gebetslebens bei. Es geht darum, das zu finden, was man zu seinen eigenen Worten machen möchte und was die persönliche Beziehung zu Gott vertieft.

Ein Tag, der mit dem Wohlgefallen Gottes endet, lässt uns wirklich ruhig schlafen. Es tut gut, am Ende eines Tages oder einer Gruppenstunde alles in Gottes Hände zu legen – den Dank für das Schöne und das Eingeständnis unserer Schuld. Gebete sind nicht nur ein Monolog, sondern eine dynamische Zwiesprache, die unser Leben prägt und uns in jeder Situation eine tiefere Dimension des Vertrauens und der Geborgenheit schenkt. Luthers Morgen- und Abendsegen sind dabei nicht nur historische Dokumente, sondern lebendige Anleitungen, die uns lehren, wie wir unseren Tag bewusst mit Gott beginnen und beenden können, um so ein durch und durch von Glauben und Vertrauen erfülltes Leben zu führen.

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