Das Gebet im Islam: Warum beten Muslime?

10/08/2024

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Wie schwierig ist es doch, nach einem langen und hektischen Arbeitstag, müde wie man ist, in die Moschee zu gehen und sich auf sein Gebet zu Allah, dem Allmächtigen, zu konzentrieren. Wie schwierig ist es doch, sein warmes und kuscheliges Bett zu verlassen und dem Ruf des Muezzins zu folgen: „Kommt her zum Gebet! „Kommt her zum Heil!“ Diese Herausforderung, die viele Gläubige täglich erfahren, verdeutlicht die wahre Natur der Hingabe. Der berühmte Doktor und Philosoph Ibn Sina (Avicenna) erinnert sich an einen solchen Moment in seinem Leben, der ihm die tiefere Bedeutung wahrer Liebe zu Allah offenbarte. Er erkannte, dass bedingungsloser Gehorsam aus aufrichtiger Liebe entspringt, wie Allah im Qur'an sagt: „Sag [Muhammad]: „Wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir. So liebt euch Allah und vergibt euch eure Sünden. Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“ [Sura 3:31] Das Gebet ist somit nicht nur eine Pflicht, sondern ein Ausdruck dieser tiefen Liebe und ein Weg, um Allahs Wohlgefallen zu erlangen.

Warum sollten wir zu Gott beten?
Inhaltsverzeichnis

Das Gebet: Der Drang der inneren Seele

Oftmals verleiten Arroganz und Stolz den Menschen dazu, sich als mächtig und unantastbar zu fühlen, ja sogar Göttlichkeit für sich zu beanspruchen, wie es Pharao einst tat. Doch der Qur'an erinnert uns an die wahre Natur des Menschen: „Allah ist es, der euch (zuerst) in Schwäche erschafft. Hierauf verleiht Er nach der Schwäche Kraft. Hierauf verleiht Er nach der Kraft Schwäche und weißes Haar. Er erschafft, was Er will, und Er ist der Allwissende und Allmächtige.“ [Sura 30:54]

Diese Verse unterstreichen die menschliche Schwäche am Anfang und am Ende des Lebens. Von Geburt an ist der Mensch hilflos und auf die Fürsorge anderer angewiesen. Im Jugendalter mag er Stärke und Unabhängigkeit gewinnen, doch diese Phase ist flüchtig. Die Jugend weicht dem Alter, die Kraft lässt nach. Die Botschaft ist klar: Der wahre Herr ist Allah. Er allein ist mächtig, groß und unabhängig. Das Gebet ist unser Ausdruck des Dankes an Ihn, Der in Seiner unendlichen Barmherzigkeit all unsere Bedürfnisse erfüllt. Es ist eine Gelegenheit, uns in Demut vor unserem Schöpfer niederzuwerfen und Ihn für die Schönheit und Vollkommenheit der Schöpfung zu preisen. Es ist ein Akt der Anerkennung unserer Abhängigkeit von Ihm und Seiner unermesslichen Größe.

Das Gebet: Der Aufstieg für den Gläubigen

Das Gebet war die erste Pflicht, die Allah dem Gesandten Allahs (salAllahu alaihi wa salam) nach seiner Berufung zum Propheten auferlegte. Der Engel Jibril (Gabriel) lehrte ihn die Gebetswaschung und das Gebet, beginnend mit zwei Rak'ah am Morgen und am Abend. Später, während der Nachtreise (Mi'raj) nach Jerusalem und in den Himmel, wurde dem Propheten die Pflicht zum fünfmaligen Gebet auferlegt. Dieses Gebet ist ein Geschenk an jeden Gläubigen, um fünfmal am Tag spirituell aufzusteigen.

Der Prophet (salAllahu alaihi wa salam) sagte: „Das Gebet ist die Mi'raj für den Gläubigen.“ Es ermöglicht jedem Muslim, ein persönliches Gespräch mit seinem Herrn zu führen. Dies wird besonders deutlich in der Rezitation der Sura Al-Fatiha während des Gebets. Allah verspricht, dass dies kein Monolog ist, sondern ein Gespräch zwischen Ihm und dem Betenden. Der Gesandte Allahs berichtete, dass Allah, der Allmächtige, sagt:

Wenn der Diener „Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten“ im Gebet sagt, sage Ich: „Mein Diener hat Mich gelobt“. Wenn der Diener „Dem Allerbarmer, dem Barmherzigen, dem Herrscher am Tage des Gerichts“ sagt, sage Ich: „Mein Diener hat Mich gepriesen“. Wenn er „Dir allein dienen wir und Dich allein bitten wir um Hilfe" sagt, sage Ich: „Dies ist zwischen Mir und Meinem Diener.“ Wenn er „Führe uns den geraden Weg“ sagt, sage Ich: „Dies ist für Meinen Diener, und Mein Diener soll bekommen, wofür er bittet.“ [Hadith Qudsi]

Die fünf festgesetzten Gebete pro Tag sind eine göttliche Anordnung, die der Gläubige ohne Wenn und Aber befolgen muss. Eine Reduzierung der Anzahl würde nicht nur Ungehorsam bedeuten, sondern auch den Verlust des umfassenden Nutzens des Gebetes zur Folge haben. So wie ein Raum seine Funktion nur mit allen vier Wänden und einem Dach erfüllt, so kann auch das Gebet seinen Zweck am Jüngsten Tag nur dann erfüllen, wenn es wie vorgeschrieben verrichtet wird.

Das Gebet: Eine Säule des Islam

Der Gesandte Allahs (salAllahu alaihi wa salam) sagte einmal: „Das Gebet ist die Säule der Religion.“ [Al-Baihaqi] Er erklärte auch, dass der Islam auf fünf Säulen aufgebaut ist, wobei das tägliche fünfmalige Gebet die zweite und wichtigste davon ist. [Sahih Al-Bukhari] Diese Analogie eines Gebäudes, das von fünf Säulen getragen wird, verdeutlicht die immense Bedeutung des Gebetes. Wird auch nur eine Säule entfernt, so wird das gesamte Gebäude instabil und kann zusammenbrechen. Gleichermaßen wird der Glaube einer Person schwach und anfällig, wenn sie keine Gebete mehr verrichtet.

Der Prophet (salAllahu alaihi wa salam) betonte diese Wichtigkeit nochmals, indem er sagte: „Wahrlich, zwischen einem Menschen und dem Unglauben liegt das Verlassen des Gebetes.“ [Muslim] Dies zeigt, dass das Gebet ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen sein kann. Während der Gebetszeiten, wenn der Gläubige seine weltlichen Angelegenheiten beiseitelegt, um sich Allah zuzuwenden, offenbart sich die wahre Natur seines Glaubens.

Die ernsten Konsequenzen der Vernachlässigung des Gebetes werden im Qur'an in Sura Al-Muddathir beschrieben, wo die Gläubigen die Bewohner des Höllenfeuers fragen:

„Was hat euch in die Hölle geführt?“ Sie werden sagen: „Wir gehörten nicht zu denjenigen, die beteten, und wir pflegten nicht die Armen zu speisen, und wir pflegten auf schweifende Reden (all solche, die Allah verabscheut) mit denjenigen einzugehen, die solche führten, und wir erklärten stets den Tag des Gerichts für Lüge bis die Gewissheit (der Tod) zu uns kam.“ [Sura 74:42-47]

Diese Verse unterstreichen die zentrale Rolle des Gebets für das Wohlergehen im Jenseits.

Das Gebet als eine Festung

Das Gebet ist die Grundlage für alle guten Taten und wirkt wie eine Festung, die den Gläubigen und seine Tugenden schützt. Der Qur'an nennt das Gebet oft in Verbindung mit anderen rechtschaffenen Handlungen, wobei es immer am Anfang und am Ende der Liste guter Taten steht. Betrachten wir Sura Al-Muminun [23:1-11] und Sura Al-Ma’arig [70:19-35], wo die Eigenschaften der Gläubigen beschrieben werden:

  • Sie sind demütig in ihrem Gebet.
  • Sie wenden sich von unbedachter und schmutziger Rede ab.
  • Sie entrichten die Zakat (Abgabe an die Bedürftigen).
  • Sie hüten ihre Scham und halten sich von unerlaubten sexuellen Beziehungen fern.
  • Sie achten auf ihnen anvertraute Güter und ihre Verpflichtungen.
  • Sie legen ihr Zeugnis in Aufrichtigkeit ab (besonders in Sura Al-Ma'arig).

Die Tatsache, dass das Gebet diese Listen einleitet und abschließt, zeigt seine Bedeutung als schützende und aufrechterhaltende Kraft für alle anderen Tugenden. Wenn das Gebet eines Menschen intakt ist, werden auch seine anderen guten Taten geschützt und gestärkt. Der Prophet (salAllahu alaihi wa salam) drückte es ähnlich aus, indem er sagte: „Das Gebet ist die Säule der Religion.“ [Al-Baihaqi]

Diese Schutzfunktion des Gebetes wird noch deutlicher, wenn wir bedenken, dass das Gebet das Erste ist, wonach am Jüngsten Tag gefragt wird. Der Gesandte Allahs (salAllahu alaihi wa salam) sagte: „Das erste, wonach man am Jüngsten Tag gefragt wird, ist das Gebet. Ist das Gebet in Ordnung, so sind es die anderen Taten auch. Wenn nicht – so sind es die anderen Taten auch nicht.“ [Al-Tabarani]

Welches Gebet wird angenommen?

Es ist nicht nur die Verrichtung des Gebetes an sich, die zählt, sondern auch dessen Qualität. Der Qur'an betont: „Denjenigen, die in ihrem Gebet demütig sind.“ [23:2] Diese Demut und Konzentration, bekannt als Khushu, sind entscheidend. Shaitan (Satan) ist der größte Feind des Menschen und versucht stets, den Gläubigen während des Gebetes abzulenken. Gedanken an Probleme, Ängste, Arbeit und Familie können das Gebet zu einer Abfolge mechanischer Bewegungen degradieren, bei denen der Betende sogar vergisst, wie viele Rak'ah er gebetet hat.

Der Prophet (salAllahu alaihi wa salam) sagte, dass in solchen Fällen nur ein winziger Teil des Gebetes, vielleicht ein Zehntel oder Achtel, von Allah angenommen wird, während der Rest durch Shaitans Einflüsterungen verloren geht. Ein Nachfolger des Propheten bemerkte einmal über einen Mann, der während des Gebetes mit seinem Bart spielte: „Hätte er Khushu in seinem Herzen, wären auch die anderen Organe seines Körpers auf das Gebet konzentriert.“

Sura Al-Ma'un [107:4,5] warnt vor einem solchen leeren Gebet: „Wehe nun den Betenden (Heuchler), denjenigen, die auf ihre Gebete nicht achten.“ Dies bezieht sich auf diejenigen, die ihre Gebete bis zur letzten Minute aufschieben oder sich nicht vollständig darauf konzentrieren. Die Bedeutung der korrekten und langsamen Ausführung des Gebetes wurde deutlich, als der Prophet (salAllahu alaihi wa salam) einen Beduinen dreimal sein Gebet wiederholen ließ, weil er es zu schnell verrichtete. Der Prophet lehrte ihn dann die richtige Art und Weise, jede Bewegung langsam und bedacht auszuführen, um die volle Konzentration zu gewährleisten. „Das lange Gebet eines Mannes und die Kürze seiner Ansprachen sind gewiss Zeichen seiner Kenntnis.“ [Muslim, Abu Dawud] Dies bezieht sich auf die Freitagspredigt, wo die Ansprache kurz und das Gebet lang sein sollte.

Das Gebet als eine Waffe

Der Mensch ist von Natur aus schwach und benötigt in Zeiten von Not und Bedrängnis Hilfe. Allah, der Allmächtige, sagt im Qur'an: „O die ihr glaubt, sucht Hilfe in der Standhaftigkeit und im Gebet! Allah ist mit den Standhaften.“ [2:153] Das Gebet dient als mächtige Waffe gegen Schwierigkeiten, Unzufriedenheiten und Verluste. Es lehrt uns, mit Ruhe und Weisheit zu reagieren, anstatt voreilig oder unüberlegt zu handeln. Der Gesandte Allahs (salAllahu alaihi wa salam) suchte stets Trost im Gebet, wenn er in Schwierigkeiten geriet. Er pflegte zu Bilal zu sagen: „Bilal, rufe (die Leute) zum Gebet, beruhige uns damit.“ Dies zeigt, dass das Gebet eine Quelle inneren Friedens und Stärke ist, die uns in den schwierigsten Momenten Halt gibt.

Das Gebet als Erinnerung

Manche mögen argumentieren, dass das Gebet in der heutigen schnelllebigen Welt zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Doch der Qur'an macht das primäre Ziel des Gebetes klar: „...und verrichte das Gebet zu Meinem Gedenken.“ [20:14] Der Mensch ist von Natur aus vergesslich. Das Gebet erinnert ihn fünfmal täglich an seine Pflichten gegenüber seinem Schöpfer und Herrn. Wenn das Gebet bereits vor vierzehnhundert Jahren notwendig war, als das Leben weniger hektisch war, dann ist es in unserer modernen, von Ablenkungen geprägten Zeit umso wichtiger.

Was bedeutet das Wort beten?
beten Vb. ‘sich in innerer Sammlung an Gott wenden, zu Gott sprechen’. Mit Einführung des Christentums wird für den bei den Germanen unbekannten Begriff des Betens ein von ahd. beta, asächs. beda, mnl. bede ‘Bitte’ (besonders ‘Bitte an Gott’), germ. *bedō abgeleitetes Verb ahd. betōn ‘beten’ (8.

Beruf, Ausbildung und Freizeitaktivitäten wie Fernsehen und Internet können den Menschen so sehr vereinnahmen, dass er Allah und das Jenseits vergisst. Das Gebet ist ein lebensnotwendiger Anker, der uns an die Realität unseres Daseins und unsere ultimative Bestimmung erinnert. Es schützt uns auch vor schlechten Handlungen, wie Allah im Qur'an sagt: „...Gewiss, das Gebet hält davon ab, das Schändliche (d. h. große Sünden, unerlaubten Geschlechtsverkehr) und das Verwerfliche (Unglaube, Polytheismus und Sünden jeglicher Art) (zu tun)...“. [29:45]

Ein Beispiel aus der Zeit des Propheten (salAllahu alaihi wa salam) verdeutlicht dies: Ein Mann, der Alkohol trank, spielte und stahl, fragte den Propheten um Rat, wie er seinen Charakter verbessern könne. Der Rat war simpel: „Lüge nicht.“ Der Mann stellte fest, dass die Befolgung dieses einen Rates ihn daran hinderte, seine anderen Sünden zu begehen, da er dem Propheten am nächsten Tag nicht darüber lügen wollte. Ähnlich wirkt das Gebet: Die ständige Erinnerung an das bevorstehende Gebet hindert den Menschen daran, Sünden zu begehen, zu denen Shaitan ihn anstiftet. Ein qualitativ hochwertiges, regelmäßiges und konzentriertes Gebet stärkt den Glauben und bietet Trost und Kraft in schweren Zeiten, ähnlich wie ein solides Haus Schutz vor Stürmen bietet.

Das Gebet: Der erste Schritt in Richtung Etablierung der Schariah als Ganzes

Das Gebet ist nicht nur eine individuelle Angelegenheit, sondern hat weitreichende gesellschaftliche Implikationen. Die Geschichte des Propheten Shuaib (alaihi assalam) und seines Volkes, wie im Qur'an [11:84-87] beschrieben, zeigt dies deutlich. Shuaib rief sein Volk nicht nur zum Gebet auf, sondern auch zur Gerechtigkeit im Handel und zur Etablierung eines gerechten Wirtschaftssystems. Die Reaktion seines Volkes – „O Shuaib, befiehlt dir denn dein Gebet (d. h. bist du durch das Gebet so durcheinander, dass du uns befiehlst), dass wir das verlassen, dem unsere Väter dienen, oder (davon absehen), mit unserem Besitz zu tun, was wir wollen?“ – zeigt, dass sie die Verbindung zwischen Gebet und gesellschaftlicher Ordnung erkannten.

Im Islam gibt es keine Trennung zwischen Religion und Staat, wie es in anderen Systemen der Fall sein mag („Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“). Alles gehört Allah. Das Gebet ist der Ausgangspunkt für die Umsetzung der gesamten Schariah im Leben. Muslime in muslimischen Ländern haben die Pflicht, die islamische Lehre als Ganzes – politisch, wirtschaftlich und sozial – umzusetzen. Der Islam fordert ein Kalifat, das auf Beratung basiert, und ein zinsfreies Wirtschaftssystem, das auf Zakat beruht. Die Vernachlässigung dieser Prinzipien führt zu einem unvollständigen Verständnis und einer unzureichenden Umsetzung des Islam.

Der Qur'an beschreibt die erste Pflicht eines muslimischen Herrschers wie folgt:

„(Ihnen, den muslimischen Herrschern), die, wenn Wir ihnen eine feste Stellung auf der Erde verleihen, das Gebet verrichten [d. h. die fünf rituellen Pflichtgebete (in der Moschee bezogen auf die Männer)] und die Abgabe (Zakat) entrichten, das Rechte Gebieten (d. h. islamischer Monotheismus und alles, was der Islam gebietet) und das Verwerfliche verbieten (d. h. Unglaube, Polytheismus und alles, was der Islam verbietet) [d. h. sie setzen den Qur'an als Gesetzesgrundlage für jeden Lebensbereich ein]. Und Allah gehört das Ende der Angelegenheiten (der Schöpfung).“ [22:41]

Dies unterstreicht, dass die Etablierung des Gebetes Hand in Hand geht mit der Etablierung der islamischen Gerechtigkeit und Ordnung in allen Lebensbereichen. Wenn die Herrscher mit gutem Beispiel vorangehen, inspiriert dies die Bevölkerung, ebenfalls zu beten und zu fasten. Der Prophet (salAllahu alaihi wa salam) riet, sich nicht gegen Herrscher aufzulehnen, solange diese das Gebet verrichten und keinen öffentlichen Ungehorsam gegenüber Allah zeigen, um Anarchie und Blutvergießen zu vermeiden.

Das Gebet als eine Sühne für die Sünden

Das Gebet motiviert nicht nur zu guten Taten, sondern es löscht auch kleine Sünden. Allah sagt: „Die guten Taten lassen die bösen Taten (d. h. die kleinen Sünden) vergehen“. [11:114] Da das Gebet die beste aller guten Taten ist, kann es viele Sünden tilgen. 'Ali berichtet, dass Abu Bakr Folgendes vom Gesandten Allahs (salAllahu alaihi wa salam) hörte:

„Es gibt keinen Mann, der Sünden begeht, dann aufsteht, sich reinigt, zwei Rak’ahs betet und dann Allah bittet, ihm zu vergeben, ohne dass Allah ihm vergibt.“ [Ahmad]

Dies bedeutet jedoch nicht, dass man willkürlich Sünden begehen kann, in der Annahme, dass das Gebet sie einfach auslöscht. Vielmehr ist das Gebet eine Form der Reue, die aufrichtig und mit dem echten Wunsch, den Charakter zu ändern, verrichtet werden muss. Nach der Reue sollte der Glaube neu belebt und alle Versuchungen zu schlechten Taten bekämpft werden. Sura Al-Furqan [25:68-71] beschreibt die Reue als Ausweg für diejenigen, die große Sünden begehen, und betont, dass Allah die bösen Taten derer, die bereuen und rechtschaffen handeln, gegen gute eintauschen wird.

Das Gebet: Das Erste, wonach am Jüngsten Tag gefragt wird

Der Mensch wurde nur zu einem einzigen Zweck erschaffen: „Und Ich (Allah) habe die Ginn und die Menschen nur (dazu) erschaffen, damit sie Mir dienen.“ [51:56] Die beste Art der Anbetung ist das Gebet. Am Jüngsten Tag wird der Mensch für jede einzelne Tat zur Rechenschaft gezogen und nach den Gaben befragt, die er erhalten hat: „Hierauf werdet ihr an jenem Tag ganz gewiss nach der Wonne (d. h. nach eurem vergangenen diesseitigen Wohlleben) gefragt werden.“ [102:8]

Doch das erste, wonach an diesem gewaltigen Tag gefragt wird, ist das Gebet. Es gibt zwei Situationen, in denen der Mensch vor seinem Schöpfer steht: einmal im Diesseits auf dem Gebetsteppich und einmal am Jüngsten Tag, wenn seine Taten vorgetragen werden. Ist das erste „Stehen“ (das Gebet) in Ordnung, so wird ihm das zweite Stehen leicht gemacht. War das erste Stehen jedoch mangelhaft, so wird er beim zweiten Mal in enorme Schwierigkeiten geraten.

Die Pflicht zum Gebet ist so streng, dass selbst in Kriegssituationen kein Gebet ausgelassen werden darf (Salat al-Khauf). Auch auf Reisen ist das Gebet verpflichtend, wobei es verkürzt werden kann (z.B. Zuhr, Asr, Isha von vier auf zwei Rak'ah). Die einzige Ausnahme bilden menstruierende Frauen. Selbst kranke Personen müssen beten, solange sie bei Bewusstsein sind, notfalls im Sitzen, Liegen oder durch Andeutungen der Bewegungen mit Augen oder Händen. Das absichtliche Vernachlässigen eines einzigen Gebetes ist eine schwerwiegende Sünde, für die es keine Wiedergutmachung gibt.

Das Gebet: Eine Verpflichtung, die jeder Prophet Allahs kannte

Das tägliche Gebet ist keine Neuerung, die erst durch den Gesandten Allahs (saw) eingeführt wurde, sondern eine grundlegende Form der Anbetung, die alle Propheten kannten und praktizierten. Der Prophet Ibrahim (alaihi assalam) sprach folgendes Du'a, als er die Mauern der Ka'bah in Mekka errichtete:

„Unser Herr, ich habe (einige) aus meiner Nachkommenschaft in einem Tal ohne Pflanzungen bei Deinem geschützten Haus wohnen lassen, unser Herr, damit sie das Gebet verrichten“. [14:37]

Er bat nicht um Reichtum oder Ruhm, sondern um die Fähigkeit, das Gebet zu verrichten, für sich und seine Nachkommenschaft. Auch der Prophet Ismail (alaihi assalam) wurde im Qur'an für seinen Charakter gelobt: „Und er pflegte seinen Angehörigen das Gebet und die Abgabe zu befehlen, und er war seinem Herrn wohlgefällig.“ [19:54-55] Der Prophet Zakariyya (alaihi assalam) erhielt die frohe Botschaft von seinem Sohn Yahya, während er im Gebet stand [3:38-39], und der Prophet Isa (alaihi assalam) erhielt bereits als Kind in der Wiege die göttliche Anweisung: „...und angeordnet hat Er mir, das Gebet (zu verrichten) und die Abgabe (Zakat) (zu entrichten), solange ich lebe...“. [19:31]

Das Gebet ist untrennbar mit der Entrichtung der Zakat verbunden. Der Qur'an erwähnt das Gebet ungefähr 35 Mal, aber fast immer in Verbindung mit der Zakat. Diese zwei sind untrennbar. Abu Bakr (radhia Allahu anhu) bekämpfte sogar diejenigen, die nach dem Tode des Gesandten (salallahu alaihi wa salam) die Zakat nicht mehr entrichten wollten, und sagte: „Bei Allah, ich werde jeden bekämpfen, der zwischen dem Gebet und der Zakat einen Unterschied macht.“

Weitere Tugenden, die oft mit dem Gebet genannt werden, sind Geduld und das Opfern. „O die ihr glaubt, sucht Hilfe in der Standhaftigkeit und im Gebet! Allah ist mit den Standhaften.“ [2:153] Geduld hilft uns, äußeren Widerständen standzuhalten, während das Gebet die innere Beziehung zu Gott stärkt. Das Opfer (am Festtag oder generell für Allah) symbolisiert die Hingabe des Lebens und des Todes an Allah, wie in Sura Al-An'am [6:162] erklärt wird: „Sag (o Muhammad): Gewiß, mein Gebet und mein (Schlacht) opfer, mein Leben und mein Sterben gehören Allah, dem Herrn der Weltenbewohner.“

Weshalb vernachlässigt der Mensch das Gebet?

Allah, der Allmächtige, beschreibt im Qur'an [19:59-60] die Menschen, die das Gebet vernachlässigen: „Dann folgten nach ihnen Nachfolger, die das Gebet vernachlässigten (d. h. die entweder überhaupt nicht beteten oder das Gebet nicht richtig oder zur rechten Zeit verrichteten) und den Begierden folgten. So werden sie (den Lohn für ihre) Verirrung vorfinden, außer demjenigen, der bereut und (an die Einzigkeit Allahs und an Seinen Gesandten Muhammad saw.) glaubt und rechtschaffen handelt. Jene werden in den (Paradies)garten eingehen und ihnen wird in nichts Unrecht zugefügt.“

Dieser Vers zeigt, dass die Vernachlässigung des Gebetes oft mit dem Folgen eigener selbstsüchtiger Begierden einhergeht. Der Mensch muss sich entscheiden, ob er Allah gehorchen oder seinen eigenen Wünschen folgen will. Der Qur'an setzt diesen Gehorsam gegenüber eigenen Neigungen sogar mit Anbetung gleich: „Was meinst du wohl (o Muhammad) zu einem, der sich seine Neigung zu seinem Gott nimmt? Würdest du denn Sachwalter über ihn sein können?“ [25:43] Wenn das Herz mit der Liebe zu Geld oder weltlichen Dingen gefüllt ist, bleibt kein Platz mehr für Gott, und das Gebet ist das erste, was vernachlässigt wird. Ein westlicher Autor beschrieb Amerikaner, die „den Dollar sechs Tage die Woche anbeten und sich am siebten Tag Gott zuwenden“, was die Prioritäten vieler Menschen in der modernen Welt widerspiegelt.

Häufig gestellte Fragen zum Gebet im Islam

Warum beten Muslime fünfmal am Tag?
Das fünfmalige Gebet wurde dem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) während seiner Himmelsreise (Mi'raj) auferlegt. Es dient als ständige Erinnerung an Allah, reinigt von Sünden und stärkt die Beziehung zum Schöpfer, wodurch der Mensch seine Pflichten nicht vergisst und vor schlechten Taten geschützt wird.
Was bedeutet "Khushu" im Gebet?
Khushu bedeutet Demut, Konzentration und Aufrichtigkeit im Gebet. Es ist der Zustand, in dem der Betende sich voll und ganz auf Allah konzentriert, seine Gedanken von weltlichen Ablenkungen fernhält und die Bedeutung seiner Worte und Bewegungen versteht. Ein Gebet ohne Khushu ist wie ein leerer Körper ohne Seele.
Was passiert, wenn man ein Gebet absichtlich vergisst oder vernachlässigt?
Das absichtliche Vernachlässigen eines Gebetes ist eine schwerwiegende Sünde im Islam, für die es keine einfache Wiedergutmachung gibt. Wenn man ein Gebet vergisst, muss es nachgeholt werden, sobald man sich daran erinnert. Die Vernachlässigung des Gebetes kann den Glauben schwächen und im Jenseits zu Schwierigkeiten führen, da es das Erste ist, wonach man am Jüngsten Tag befragt wird.
Ist das Gebet für Frauen anders als für Männer?
Die Verpflichtung zum Gebet gilt für alle Muslime, Männer und Frauen gleichermaßen, sobald sie die Pubertät erreicht haben. Die Art und Weise der Verrichtung des Gebetes ist im Wesentlichen dieselbe. Die einzige Ausnahme für Frauen ist, dass sie während ihrer Menstruation oder nach der Geburt (Wochenbett) vom Gebet befreit sind und diese Gebete auch nicht nachholen müssen.
Wie hilft das Gebet im Alltag?
Das Gebet dient als eine "Waffe" und Quelle der Standhaftigkeit in schwierigen Zeiten. Es bietet Trost, stärkt die innere Beziehung zu Allah und hilft, mit Problemen und Herausforderungen umzugehen. Es erinnert den Gläubigen an seine moralischen Verpflichtungen und schützt ihn davor, Sünden zu begehen, indem es das Bewusstsein für Allahs Gegenwart und die Rechenschaft am Jüngsten Tag aufrechterhält.

Zusammenfassung

Das Gebet (Salah) ist eine grundlegende und unverzichtbare Pflicht für jeden Muslim, ob Mann oder Frau. „Das Gebet ist den Gläubigen zu bestimmten Zeiten vorgeschrieben.“ [4:103] Es ist weit mehr als nur eine rituelle Handlung; es ist ein Ausdruck tiefer Liebe zu Allah, eine spirituelle Himmelsreise, die Hauptsäule des Islam und eine Festung, die den Gläubigen vor Sünden schützt. Es dient als ständige Erinnerung an den Schöpfer, bietet Trost in Schwierigkeiten und ist ein Mittel zur Sündenvergebung. Das Gebet ist die erste Tat, wonach der Mensch am Jüngsten Tag befragt wird, was seine immense Bedeutung unterstreicht. Es ist eine Verpflichtung, die von allen Propheten Allahs gekannt und praktiziert wurde und stets mit anderen guten Taten wie der Zakat und der Geduld verbunden ist. Die Vernachlässigung des Gebetes resultiert oft aus dem Folgen eigener Begierden und Schwächen. Es ist ein Akt der Hingabe und des Gehorsams, der das gesamte Leben eines Muslims prägt und ihn auf das Jenseits vorbereitet.

Anas berichtete, dass der Gesandter Allahs (salAllahu alaihi wa salam) sagte:

„Wer ein Gebet vergißt, der soll es nachholen, wenn er sich daran erinnert. Es gibt dafür keine andere Buße außer dieser.“ [Bei allen sechs außer bei Malik]

Mögen Allahs Frieden und Segen auf unserem Propheten, seiner Familie und all denjenigen sein, die ihm folgen. Amin.

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