12/07/2023
Die islamische Lehre ist reich an tiefgründigen Konzepten, die das menschliche Leben in all seinen Facetten beleuchten und einen Weg zur spirituellen Erleuchtung weisen. Um diese Lehre in ihrer vollen Pracht zu erfassen, ist es unerlässlich, die Nuancen bestimmter Schlüsselbegriffe zu verstehen. In diesem Artikel werden wir zwei solcher Begriffspaare detailliert beleuchten: den Unterschied zwischen Hadith und Ummah sowie die Bedeutung des Tasbih in Bezug auf jedes Geschöpf im Universum. Diese Unterscheidungen sind nicht nur akademischer Natur, sondern bieten tiefe Einblicke in die Funktionsweise des Glaubens, die Rolle der Gemeinschaft und die universelle Harmonie der Schöpfung.

Wir werden uns zunächst der Frage widmen, warum die Authentizität eines Hadith von der kollektiven Gewissheit der Ummah abhängt, und anschließend erforschen, wie jedes einzelne Geschöpf, ob sichtbar oder unsichtbar, auf seine einzigartige Weise Tasbih verrichtet. Dies wird unser Verständnis von unserer eigenen Rolle in der Schöpfung und der allgegenwärtigen Präsenz Allahs vertiefen.
Hadith und Ummah – Verständnis der Autorität und Gewissheit
Die Begriffe Hadith und Ummah spielen im Islam eine zentrale Rolle, doch ihre Beziehung zueinander und ihre jeweiligen Bedeutungen werden oft missverstanden. Ein Hadith ist eine Überlieferung von den Aussagen, Taten oder Billigungen des Propheten Muhammad (s.a.s.). Diese Überlieferungen sind grundlegend für das Verständnis des Islams nach dem Koran. Die Authentizität eines Hadith kann jedoch variieren, abhängig von der Stärke seiner Überlieferungskette und der Zuverlässigkeit der Überlieferer. Hier kommt der Begriff der Ummah ins Spiel, der die gesamte Gemeinschaft der Muslime weltweit bezeichnet.
Die Ummah ist nicht nur eine Ansammlung von Individuen, sondern eine Einheit, die durch gemeinsame Glaubensgrundsätze und Praktiken verbunden ist. In Bezug auf Hadithe gibt es einen wichtigen Grundsatz: Wenn eine Angelegenheit von großer Bedeutung oder ein Gebot wäre, das für alle Muslime verpflichtend ist, dann würde die gesamte Ummah darüber Bescheid wissen. Es gäbe einen unzweifelhaften, breit bekannten und von Generation zu Generation überlieferten Bericht darüber. Dies liegt daran, dass Dinge von großer Wichtigkeit in der Gemeinschaft auf natürliche Weise weitreichend verbreitet und bewahrt werden.
Ein Beispiel hierfür ist das Tesbih Namazi (ein spezielles Gebet). Wenn der Hadith über das Tesbih Namazi als „mudtarib“ (schwach oder widersprüchlich) eingestuft wird, bedeutet dies, dass es verschiedene Meinungen oder Unklarheiten bezüglich seiner Überlieferung gibt. Wäre dieses Gebet eine vorgeschriebene oder besonders vorteilhafte Praxis von solch immenser Bedeutung, dass es jeder Muslim kennen und praktizieren müsste, dann hätte die Ummah einen Bericht darüber verfasst, über den es keinen Zweifel gibt und der wohlbekannt unter ihnen wäre, gerade wegen seines großen Vorteils. Die Tatsache, dass dies nicht der Fall ist und der Hadith als schwach gilt, deutet darauf hin, dass es sich nicht um eine obligatorische oder grundlegende Säule des Glaubens handelt, die kollektiv und unmissverständlich von der Gemeinschaft akzeptiert wurde.
Diese Dynamik zwischen einem einzelnen Hadith und dem kollektiven Wissen der Ummah unterstreicht die Bedeutung des Konsenses (Ijma) in der islamischen Jurisprudenz und Theologie. Das kollektive Bewusstsein und die Überlieferung der Ummah dienen als eine Art Filter und Bestätigung für die Authentizität und Wichtigkeit religiöser Anweisungen.
Vergleich: Hadith vs. Ummah in der religiösen Autorität
| Merkmal | Hadith (einzelner Bericht) | Ummah (Gesamtheit der Muslime) |
|---|---|---|
| Natur | Überlieferter Bericht (Aussagen, Taten, Billigungen des Propheten) | Globale Gemeinschaft der Muslime |
| Authentifizierung | Variabel (stark, schwach, erfunden); benötigt Überprüfung der Überlieferungskette | Kollektives Wissen und Konsens (Ijma); hohe Gewissheit bei wichtigen Themen |
| Beispiel (Tesbih Namazi) | Bericht ist „mudtarib“ (schwach), was Zweifel aufwirft | Wenn es vorgeschrieben wäre, gäbe es einen unzweifelhaften, wohlbekannten Bericht |
| Rolle im Islam | Quelle des Rechts, der Ethik und der Prophetentradition | Quelle des Konsenses, kollektiver Bewahrung der Religion, unfehlbar im Konsens über grundlegende Wahrheiten |
Geschöpf und Tasbih – Die universelle Lobpreisung
Nachdem wir die Beziehung zwischen Hadith und Ummah beleuchtet haben, wenden wir uns nun einem noch umfassenderen Konzept zu: dem Tasbih und seiner Verbindung zu jedem Geschöpf im Universum. Im Islam wird gelehrt, dass alles, was existiert, auf seine eigene Weise Allah preist. Dies ist keine bloße Metapher, sondern eine tiefgreifende theologische Wahrheit.

Der Koran bestätigt dies in mehreren Versen:
- „Es gibt kein Geschöpf, welches nicht mit Hamd (Bewertung) im Zustand vom Tasbih (Lobpreisung, d.h. ihre Funktion erfüllt) ist. Doch ihr könnt deren Tasbih (Funktionen) nicht verstehen. Siehe, Hu ist Haliym und Ghafur.“ (17:44)
- „Was in den Himmeln und was auf Erden ist, macht Tasbih zu Allah und Hu ist Aziyz und Hakim.“ (57:1)
Diese Verse offenbaren eine fundamentale Wahrheit: Alles, was im Universum vorhanden ist, ob wir es wahrnehmen können oder nicht, wurde einzig dazu erschaffen, zu Allah Tasbih zu machen. Alles, ob gut oder böse, schön oder hässlich, vollkommen oder unvollkommen, einfach alles Vorhandene! Jedes Geschöpf erfüllt seine Funktion und manifestiert dabei die Attribute Allahs.
Um dies zu begreifen, müssen wir die Bedeutung von „Himmel“ (arabisch: Arr’sch) verstehen. Der „Arr’sch“ begrenzt den Raum, in dem Wissen in die Tat umgesetzt wird. Alles, was unter diesem Namen zusammengefasst wird, fällt unter das end- und grenzenlos Vorhandene und wird aus der Zusammensetzung der Namen (Attribute = Asma ul Husna) Allahs gebildet. Die Bedeutung des Ausdrucks, dass der Rahman über dem Himmel thront („Ar Rahman arschil istawa“), ist die, dass alles Vorhandene dazu erschaffen wurde, die Bedeutung der Namen (Attribute) Allahs hervorzubringen. Diese Geschöpfe sind alle ein Produkt vom Rahman-Daseins Allahs.
So sind also alle Dinge – da sie dazu dienen, die Bedeutungen der Namen (Attribute) Allahs, aus denen sie ja gebildet wurden, hervorzubringen – damit beschäftigt, sich um die Bedeutung dieser Namen Allahs zu drehen. Eben dieser Umstand wird damit beschrieben, dass diese Geschöpfe sich ständig im Zustand des Tasbih befinden. Mit anderen Worten, wie immer wir dies auch beschreiben, alles dient seinem Herrn, indem es die Bedeutung der Namen, aus dem es erschaffen wurde, hervorbringt, und dies stellt dann das Tasbih dar.
Zwei Formen des Tasbih
Von diesem Verständnis ausgehend ist das Tasbih gezwungenermaßen eine unausweichliche Handlung und dieses stellt die erste Form dar. Jedes Atom, jede Galaxie, jedes Lebewesen, jede Zelle – sie alle erfüllen ihre Funktion im Einklang mit den göttlichen Namen, aus denen sie erschaffen wurden, und dies ist ihr inhärentes Tasbih. Wir können dieses Tasbih nicht mit unseren begrenzten Sinnen verstehen, aber es ist eine konstante Realität der Existenz.
Die zweite Form des Tasbih indessen ist dem freien Ermessen überlassen! Das bedeutet: Eine Person macht Tasbih zu Allah aufgrund von Nachahmung oder als Folge von Erforschungen und Erkenntnis. Dies ist das bewusste Tasbih, das der Mensch durch Dhikr (Gedenken an Allah) und Gebet verrichtet.
Kommen wir nun zu der Form des Tasbih aufgrund von Erforschung und Erkenntnis. Diese Rezitation beruht darauf, dass demjenigen bewusst ist, was er rezitiert. Die Folge ist zum einen die oben beschriebene große seelische Kraft, zum anderen fühlt der Rezitierende die außerordentlichen Bedeutungen der Namen Allahs in viel höheren Dimensionen, die sich für ihn durch Inspiration oder spezielle Wahrnehmungskräfte, die „Kaschf“ genannt werden, erschließen. Dabei ist es unerlässlich, während der Übungen nicht aus den Augen zu verlieren, dass man sich Allah als Person nicht vorstellen kann und dass Allah über alles, was man sich vorstellt oder überlegt, erhaben ist! Das bewusste Tasbih ist somit ein Weg zur tieferen Erkenntnis und zur Annäherung an die göttliche Realität.

Praktische Empfehlungen für das Tasbih
Nach dieser zusammenfassenden Einleitung zu den universalen Aspekten des Tasbih wollen wir nun zu den Empfehlungen kommen, die uns im Zusammenhang mit dem Tasbih Allahs gemacht wurden – Worte und Phrasen, die wir bewusst rezitieren können, um uns mit der universellen Lobpreisung zu verbinden und spirituelle Vorteile zu erlangen.
1. Subhanallâhi wa bihamdihi
Dieses kurze, aber mächtige Tasbih bedeutet: „Allah, mit Seinem Hamd (Bewertung) ist Er SUBHAN.“ Das heißt: „Allah, mit seiner Bewertung erkenne ich nur seine Funktionen (Seine Eigenschaften-Namen)…, gleichzeitig ist Er Subhan (unabhängig, Er ist nicht durch die Namen zu begrenzen..).“ Es ist eine Anerkennung der Vollkommenheit und Unabhängigkeit Allahs sowie Seiner Lobpreisung durch Seine eigenen Attribute.
Zu diesem Tasbih möchte ich Ihnen zwei Hadith überliefern:
- Der Rasulallah (s.a.s.) sagte Folgendes:
„Wer auch immer 100 Mal am Tag „Subhanallâhi wa bihamdihi” sagt, dessen Sünden werden ausgelöscht und verziehen, sollten sie auch so zahlreich wie der Schaum der Wellen sein.” - Eines Tages sagte der Rasulallah zu seinen Gefährten:
„Soll ich euch sagen, welches Wortklang Allah am meisten liebt?“
„Gewiss, teil es uns mit oh RasulAllah!“
„Allah liebt am meisten den Klang der Worte „Subhanallâhi wa bihamdihi”.“
2. Subhanallâhi wa bihamdihi adada khalkihi wa rizâ`a nafsihi wa zinata arschihi wa midâda kalimatihi
Dieses erweiterte Tasbih ist noch umfassender und drückt eine unermessliche Lobpreisung aus: „Allah, ich mache Tasbih zu Dir mit Deinem Hamd (Bewertung) in der Anzahl deiner Geschöpfe, im Gewicht des Himmels und in der Anzahl der Worte, solange du es genehmigst.“ Es ist ein Ausdruck der Erkenntnis, dass Allahs Lobpreisung so unendlich ist wie Seine Schöpfung und Seine Worte.
In dem nachfolgenden Hadith wird beschrieben, welchen Nutzen es bringt, Allah derart Tasbih entgegenzubringen:
- Der Rasulallah (s.a.s.) verließ, nachdem er das Morgengebet gesprochen hatte, die Moschee und ließ dort Djuwayriya Radıyallâhuanha an dem Ort zurück, an dem er gebetet hatte… Als er nach dem Vormittag zurückkam, fand er Djuwayriya immer noch im Tasbih vertieft am selben Platz sitzend und fragte:
„Bist du, seitdem ich dich verlassen habe, immer noch mit Tasbih beschäftigt?“
„Ja.“
„Ich habe in dieser Zeit dreimal folgende Sätze gelesen und wenn man diese gegen das, was du seit dem Morgen rezitiert hast, aufwiegen würde, so wären meine Worte schwerer. Ich habe Folgendes rezitiert:
„Subhanallâhi wa bihamdihi adada khalkıhi wa rızâ`a nafsihi wa zinata arschıhi wa midada kalimatihi.”
Wir hoffen, wir haben alle den Wert verstanden, auf diese Weise Tasbih zu machen. Wenn wir dieses Tasbih wenigstens 100 Mal am Tag rezitieren könnten, wäre dies von unermesslichem Nutzen.
3. Subhanallâhi wal hamdulillahi wa la ilâha illallâhu wallahu akbar wala hawla wala kuwwata illa billahil aliyyil azîym
Dieses umfassende Tasbih ist eine Zusammenfassung zentraler Glaubenssätze und eine Quelle großer Kraft. Es beinhaltet die folgenden Bedeutungen:
- SUBHANALLÂH: Allâh ist Subhan. (unabhängig von der Existenz und mit der Existenz nicht zu beschränken..). Es ist die Anerkennung Seiner Transzendenz und Reinheit über alles.
- ALHAMDU LİLLÂH: Hamd (die absolute Bewertung) ist nur mit der Bedeutung des Allah-Namens möglich; es gehört demjenigen, der Allah genannt wird... Dies ist die Lobpreisung, die alle Formen der Danksagung und Anerkennung umfasst und einzig Allah zusteht.
- LÂ İLÂHA İLLALLÂH: Es gibt keinen Körper, Objekt, Existierenden außerhalb desjenigen, der auf den mit dem Namen „Allah“ hingewiesen wird!.. Dies ist das Kernbekenntnis des Monotheismus, dass es keinen Gott außer Allah gibt.
- ALLAHU AKBER:Allahu Akbar; Allah ist der Besitzer einer Größe, die nicht durch irgendetwas zu beschränken, begrenzen oder zu vergleichen wäre von Seiten einer anderen wahrgenommenen Existenz! (Allah ist der Besitzer der Grenzenlosigkeit..!) Es ist die Aussage, dass Allah größer ist als alles, was wir uns vorstellen oder begreifen können.
- WA LÂ HAWLA WA LÂ KUWWATA İLLÂ BİLLÂHİL ALİYYİL AZİYM: (In der ganzen Dimension der Taten) ist das HAWL (der Zustand der Funktionen, Bewegungen, Transformationen und Aktionen) und die KUWWA-Kraft (wodurch sich alles materialisiert) nur MIT ALLAH (im Anwendungsbereich des „B“ Zeichens) möglich, welcher Alîy (eine Höhe, worüber keine Höhe ist; alles was angenommen wird, wird überwältigt) und Aziym (bei Seiner Größe gibt es kein Hindernis) ist! Dies ist die Anerkennung, dass alle Macht und Stärke allein von Allah kommt und dass Er der Allerhöchste und Allergrößte ist.
Häufig gestellte Fragen
Um das Verständnis der besprochenen Konzepte weiter zu vertiefen, beantworten wir hier einige häufig gestellte Fragen:
- Was ist der Hauptunterschied zwischen Hadith und Ummah?
Der Hadith ist eine individuelle Überlieferung von Aussagen oder Taten des Propheten, deren Authentizität variieren kann. Die Ummah hingegen ist die gesamte muslimische Gemeinschaft, deren kollektives Wissen und Konsens (Ijma) als eine Form der Bestätigung und Bewahrung fundamentaler religiöser Wahrheiten dient. Wenn ein Hadith über etwas Wichtiges „mudtarib“ ist, bedeutet das, dass es in der kollektiven Überlieferung der Ummah keine unzweifelhafte Bestätigung dafür gibt. - Kann ein Geschöpf Tasbih nicht verrichten?
Nein, laut islamischer Lehre verrichtet jedes Geschöpf – ob belebt oder unbelebt, sichtbar oder unsichtbar – auf seine eigene, inhärente Weise Tasbih zu Allah. Dies geschieht, indem es seine Funktion erfüllt und die Attribute Allahs manifestiert, aus denen es erschaffen wurde. Wir Menschen verstehen dieses Tasbih der Schöpfung oft nicht, aber es ist eine konstante Realität. - Welche Arten von Tasbih gibt es?
Es gibt zwei Hauptformen: Die unausweichliche, zwangsweise Form, die jedes Geschöpf durch seine Existenz und Funktion verrichtet, und die bewusste Form, die der Mensch durch Dhikr (Gedenken an Allah) und Rezitationen verrichtet, sei es aus Nachahmung oder aus tiefer Erkenntnis und Erforschung. - Warum ist „Subhanallâhi wa bihamdihi“ so wichtig?
Dieses Tasbih ist von großer Bedeutung, da es die Reinheit und Lobpreisung Allahs ausdrückt. Hadithe berichten von immensen Belohnungen für seine Rezitation, wie die Vergebung von Sünden und dass es zu den Worten gehört, die Allah am meisten liebt. Es ist eine einfache, aber kraftvolle Form des Gedenkens an Allah.
Fazit
Das Verständnis der Konzepte von Hadith und Ummah sowie die tiefgreifende Bedeutung von Geschöpf und Tasbih bereichern unser spirituelles Leben immens. Es lehrt uns, dass der Islam nicht nur eine Religion von Geboten und Verboten ist, sondern eine umfassende Weltsicht, die das gesamte Universum als eine Einheit der Lobpreisung und Manifestation göttlicher Attribute versteht. Indem wir uns bewusst dem Tasbih widmen, verbinden wir uns nicht nur mit dem Schöpfer, sondern auch mit der universellen Harmonie, die in jedem Atom und jeder Galaxie widerhallt. Möge unser Verständnis dieser Konzepte unsere Herzen mit tieferem Glauben und Dankbarkeit erfüllen.
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