Welche Bedeutung hat Jerusalem für den Islam?

Al-Aqsa-Moschee: Heiliger Ort in Jerusalem

12/02/2022

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Die Al-Aqsa-Moschee, deren Name im Arabischen „die am weitesten entfernte Moschee“ oder „äußerste Moschee“ bedeutet, ist ein Ort von immenser spiritueller und historischer Bedeutung im Herzen der Jerusalemer Altstadt. Sie ist nicht nur ein architektonisches Wunderwerk, sondern auch ein zentraler Pfeiler des islamischen Glaubens und ein Zeugnis jahrtausendelanger Geschichte. Gläubigen zufolge ist sie der Ort, an dem der Prophet Mohammed auf seiner wundersamen nächtlichen Reise, bekannt als Isra und Miraj, von Mekka aus auf seinem himmlischen Wesen Al-Burak ankam und von dort aus mit dem Engel Gabriel in den Himmel aufstieg, nachdem er seinen Fußabdruck auf einem heiligen Stein hinterlassen hatte. Diese Moschee, die auf dem historischen Tempelberg liegt, zieht jährlich Tausende von Pilgern und Besuchern an und spielt eine entscheidende Rolle im religiösen und politischen Gefüge der Region.

Wie viele Gläubige passen in die al-Aqsa-Moschee?
Die Moschee bietet Platz für etwa 5.000 Gläubige. Die Al-Aqsa-Moschee, die die Struktur einer byzantinischen Basilika hat, wurde mehrfach umgebaut, abgerissen und renoviert. Ursprünglich wurde sie von Omar aus Holz erbaut, und erst einige Jahre später wurde sie vom fünften Nachfolger des Umayyadenhauses, Abd al-Malek, aus Stein errichtet.
Inhaltsverzeichnis

Ein Ort für Tausende: Kapazität und Architektur

Die Al-Aqsa-Moschee ist beeindruckend in ihrer Größe und kann schätzungsweise etwa 5.000 Gläubige gleichzeitig aufnehmen. Diese Kapazität macht sie zu einem der größten Gebetsorte in der Region und ermöglicht es einer beträchtlichen Anzahl von Muslimen, hier ihre täglichen Gebete zu verrichten, insbesondere während der Freitagsgebete oder an islamischen Feiertagen. Ihre architektonische Struktur ist eine faszinierende Mischung aus verschiedenen Stilen, die die wechselvolle Geschichte des Gebäudes widerspiegeln. Ursprünglich soll sie von Omar, dem zweiten Kalifen des Islam, in einer einfacheren Holzbauweise errichtet worden sein. Erst Jahre später, unter dem fünften Nachfolger des Umayyadenhauses, Abd al-Malek, wurde sie aus Stein erbaut. Es wird angenommen, dass ihre heutige Form Elemente einer byzantinischen Basilika integriert, die möglicherweise an dieser Stelle stand, bevor sie in eine Moschee umgewandelt wurde. Man schätzt, dass das Gebäude in seinen verschiedenen Inkarnationen seit mehr als 1.500 Jahren besteht, auch wenn das genaue Datum ihrer Errichtung unbekannt ist.

Die spirituelle Bedeutung der Al-Aqsa-Moschee im Islam

Für Muslime weltweit ist die Al-Aqsa-Moschee die drittwichtigste Moschee des Islam, gleich nach der al-Haram-Moschee mit dem zentralen Heiligtum der Kaaba in Mekka und der Prophetenmoschee mit dem Grab des Propheten Mohammed in Medina. Ihre herausragende Stellung leitet sich direkt aus dem Koran ab, genauer gesagt aus dem Vers, der von der nächtlichen Reise Mohammeds spricht. Rudi Paret übersetzt diesen Vers wie folgt: „Gepriesen sei der, der mit seinem Diener (d. h. Mohammed) bei Nacht von der heiligen Kultstätte (in Mekka) nach der fernen Kultstätte (in Jerusalem), deren Umgebung wir gesegnet haben, reiste…“ Historisch wurde diese „ferne Kultstätte“ als die Al-Aqsa-Moschee interpretiert. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Moschee in ihrer heutigen Form erst etwa 90 Jahre nach dem im Koran geschilderten Ereignis erbaut wurde. Nichtsdestotrotz festigt diese koranische Referenz ihre unbestreitbare Bedeutung als heiliger Ort für Milliarden von Muslimen weltweit.

Eine Geschichte voller Wandel und Konflikte

Die Geschichte der Al-Aqsa-Moschee ist geprägt von Zerstörung, Wiederaufbau und Transformation. Sie hat Kriege, Eroberungen und die Herrschaft verschiedener Reiche überdauert. Ein besonders dunkles Kapitel war die Eroberung Jerusalems im Ersten Kreuzzug im Jahr 1099, bei der Zehntausende Menschen in und um die Moschee geköpft wurden. Während der Zeit des Königreichs Jerusalem, das von den Kreuzfahrern errichtet wurde, diente ein Teil der Moschee sogar als Königspalast. In dieser Epoche wurden auch die Fundamente ausgebaut, um Platz für Ställe und Aufbewahrungsräume zu schaffen. Im Jahr 1118 ließ sich der von Hugo von Payns gegründete Templerorden in einem Flügel der Moschee nieder, was die Nutzung des Gebäudes weiter veränderte.

Nach der Rückeroberung durch Saladin, den großen muslimischen Anführer, im Jahr 1187 wurde das Gebäude wieder vollständig in eine Moschee umgestaltet. Saladin selbst nahm am 9. Oktober 1187 an einem großen Dankesgottesdienst in der wiederhergestellten Al-Aqsa-Moschee teil, ein symbolträchtiger Moment der Rückkehr zur islamischen Nutzung. Auch nach dem Frieden von Jaffa im Jahr 1229 blieben die Moschee und das gesamte Tempelviertel, einschließlich des Felsendoms, in muslimischen Händen, was die anhaltende muslimische Präsenz und Verwaltung dieser heiligen Stätten sicherte.

Der Tempelberg: Ein Ort der Spannung und des Erbes

Die Al-Aqsa-Moschee befindet sich auf einem Gelände, das für Juden als Tempelberg bekannt ist, da hier bis zu seiner Zerstörung im Jüdischen Krieg im Jahr 70 n. Chr. der zweite jüdische Tempel stand. Von diesem Tempel ist heute nur noch die westliche Stützmauer, die Klagemauer, erhalten. Diese historische Überlappung ist eine Quelle ständiger Spannungen. Radikale jüdische Gruppen fordern offen den Wiederaufbau des Tempels an dieser Stelle, was den Abriss der Al-Aqsa-Moschee und des Felsendoms bedeuten würde. Solche Forderungen werden jedoch von weiten Kreisen der israelischen Bevölkerung sowie von angesehenen Rabbinern entschieden abgelehnt, die die religiöse Sensibilität und die potenziellen Konflikte, die ein solcher Schritt hervorrufen würde, anerkennen. Die Verwaltung des Geländes liegt in den Händen der islamischen Waqf-Verwaltung, die für die Pflege und den Zugang zu den islamischen Heiligtümern zuständig ist.

Zugang und aktuelle Herausforderungen

Der Zugang zur Al-Aqsa-Moschee ist ein sensibles Thema, insbesondere für Nicht-Muslime. Generell ist der Aufenthalt für Nicht-Muslime in der Moschee selbst unerwünscht und nur mit einer Sondergenehmigung der Waqf-Administration gestattet. Die Entscheidung der israelischen Behörden, Nicht-Muslimen unter bestimmten Umständen den Zugang zum gesamten Tempelberg zu gestatten, hat in der Vergangenheit immer wieder zu Verärgerung und Protesten geführt, da dies oft als Verletzung des Status quo und der muslimischen Hoheit über die Stätte angesehen wird. Die Komplexität der Lage wird durch die Tatsache verstärkt, dass der Tempelberg, oder Haram al-Sharif, nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein Symbol nationaler und religiöser Identität für Muslime und Juden ist. Die Aufrechterhaltung des Friedens und der Respekt vor den religiösen Praktiken aller Gläubigen an diesem einzigartigen Ort bleiben eine fortwährende Herausforderung.

Ist der Aufenthalt in der al-Aqsa-Moschee unerwünscht?
Nicht-Muslimen ist der Aufenthalt in der al-Aqsa-Moschee nur mit Sondergenehmigung der Waqf-Administration gestattet - generell ist er unerwünscht. Die Entscheidung der israelischen Behörden, Nicht-Muslimen den Zugang zu gestatten, stieß auf Verärgerung.

Häufig gestellte Fragen zur Al-Aqsa-Moschee

Um die wichtigsten Informationen zur Al-Aqsa-Moschee zusammenzufassen, beantworten wir hier einige der am häufigsten gestellten Fragen:

Wie viele Gläubige passen in die Al-Aqsa-Moschee?

Die Al-Aqsa-Moschee bietet Platz für etwa 5.000 Gläubige, was sie zu einem der größten Versammlungsorte für Muslime in Jerusalem macht.

Ist der Aufenthalt in der Al-Aqsa-Moschee für Nicht-Muslime unerwünscht?

Ja, der Aufenthalt für Nicht-Muslime in der Al-Aqsa-Moschee selbst ist generell unerwünscht und nur mit einer speziellen Genehmigung der Waqf-Verwaltung möglich.

Warum ist die Al-Aqsa-Moschee so wichtig für den Islam?

Sie gilt als die drittwichtigste Moschee im Islam, nach Mekka und Medina, da sie im Koran als die „ferne Kultstätte“ erwähnt wird, zu der der Prophet Mohammed auf seiner wundersamen Nachtreise gelangte.

Wer baute die Al-Aqsa-Moschee in ihrer heutigen Form?

Obwohl eine erste Holzstruktur von Omar errichtet wurde, wurde die steinerne Moschee von Abd al-Malek und möglicherweise seinem Sohn al-Walid I. in der Umayyaden-Zeit erbaut und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und renoviert.

Was ist die Bedeutung des Tempelbergs für die Al-Aqsa-Moschee?

Die Al-Aqsa-Moschee steht auf dem Tempelberg, einem Gelände, das sowohl für Muslime als auch für Juden von höchster religiöser Bedeutung ist, da hier einst der jüdische Tempel stand. Dies führt zu komplexen und oft angespannten Situationen bezüglich des Zugangs und der Nutzung des Geländes.

Historische Meilensteine der Al-Aqsa-Moschee

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über wichtige Phasen und Ereignisse in der Geschichte der Al-Aqsa-Moschee:

Epoche / EreignisBeschreibung
Ursprungsbau (Omar)Erste hölzerne Struktur als einfache Gebetsstätte nach der Eroberung Jerusalems.
Umayyaden-Zeit (Abd al-Malek, al-Walid I.)Errichtung der steinernen Moschee; Bau der typischen Moscheekuppel auf dem Dach der ehemaligen Basilika.
Kreuzzüge (1099-1187)Eroberung Jerusalems, Massaker; Nutzung der Moschee als Königspalast und später als Hauptquartier des Templerordens.
Saladin (1187)Rückeroberung Jerusalems durch Saladin; Wiederherstellung und Umgestaltung des Gebäudes zu einer Moschee.
Mamluken-Zeit & Osmanisches ReichFortlaufende Renovierungen, Erweiterungen und Erhaltung der Moschee unter verschiedenen muslimischen Dynastien.
HeuteZentraler islamischer Gebetsort und Brennpunkt religiöser sowie geopolitischer Debatten.

Die Al-Aqsa-Moschee bleibt ein Ort von unschätzbarem Wert, ein Zeugnis der Geschichte und ein lebendiges Zentrum des Glaubens, dessen Bedeutung weit über ihre Mauern hinausreicht und Generationen von Gläubigen und Historikern gleichermaßen fasziniert.

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