06/10/2021
Die Botschaft Jesu von Nazareth ist untrennbar mit einem zentralen Begriff verbunden, der alle Ausleger und Theologen seit jeher fasziniert und herausfordert: dem Reich Gottes. In einer Zeit, in der diese Kernbotschaft vielleicht nicht jedem unmittelbar geläufig ist, oder in der die vielfältigen Kontexte nicht ständig präsent sind, ist es von unschätzbarem Wert, sich diese immer wieder aufs Neue vorzunehmen und zu rekapitulieren. Denn mit den prägnanten Worten „Das Reich Gottes ist nahe! Ändert euer Denken, verlasst euch auf das Evangelium“ (Mk 1,15) beginnt Jesus seine öffentliche Wirksamkeit. Doch was genau meint Jesus, wenn er vom Reich Gottes spricht, und welche Rolle spielt dabei die Vergebung, die ebenfalls so zentral für das christliche Verständnis ist? Sind diese beiden Konzepte voneinander zu trennen, oder sind sie untrennbar miteinander verwoben?
Was ist das Reich Gottes?
Liebe Leserin, lieber Leser, wo liegt es, dieses geheimnisvolle Reich Gottes? Wie kommt man dorthin? Die Schrift gibt uns eine erste, überraschende Antwort: Es ist bereits „mitten unter euch“ (Lk 17,21). Zugleich wird erklärt, dass nur derjenige, der es empfängt „wie ein Kind“, auch wirklich „hineinkommen“ wird (Mk 10,15). Es scheint also nicht weit entfernt zu sein, sondern eher eine Frage der inneren Haltung. Doch trotz dieser unmittelbaren Nähe bleibt es rätselhaft in seiner Entfaltung: „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie“ (Mk 4,26f). Es wächst von selbst, und doch sind wir aufgerufen, daran teilzuhaben.

Seit jeher übt die griechische „basileia tou theou“ eine immense Faszination und Anziehungskraft aus. Viele drängen hinein. Doch was es mit der Gottesherrschaft auf sich hat, ist nicht leicht auf einen Nenner zu bringen. Der Begriff begegnet uns an so vielen Stellen im Neuen Testament, besonders in den synoptischen Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas. Ein tiefes Eintauchen in diese Texte ist unerlässlich, um das Wesen des Reiches Gottes zu erfassen.
Das Reich Gottes im Neuen Testament
Die Reich-Gottes-Botschaft steht im Neuen Testament an einer absolut zentralen Stelle. Die berühmte Bergpredigt beginnt damit: „Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer“ (Mt 5,3, vgl. Lk 6,20). Auch im Vaterunser, dem Gebet, das Jesus seine Jünger lehrt, lautet die zweite Bitte: „Dein Reich komme“ (Mt 6,10, Lk 11,2). Dies unterstreicht die Priorität und die Sehnsucht nach dem Anbruch dieser göttlichen Herrschaft. Jesus selbst fordert seine Nachfolger auf: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das übrige alles zufallen“ (Mt 6,33 par). Nicht wenige seiner Gleichnisse beginnen mit der Formel: „Mit dem Reich verhält es sich so, wie…“, was die leitende Funktion dieses Zentralbegriffs unterstreicht.
Jüdische Erwartungen und das Königtum Gottes
Mit der „basileia tou theou“ greift Jesus auf eine tief verwurzelte Erwartung im Judentum zurück, die schon lange zuvor lebendig war, wie etwa im äthiopischen Henochbuch oder im syrischen Baruchbuch. Schon im Alten Testament ist die Vorstellung verbreitet und vertraut, dass Gott König ist und wie ein König herrscht – das Königtum Jahwes. Im Prophetenbuch Jesaja wird dessen endgültiges Friedensreich erwartet, in dem ungetrübte Freude herrschen wird (Jes 52,7 u.ö.). Psalmen bezeichnen Gott als König (Ps 93, 95ff; Ps 46-48, Ps 145), und viele Stellen handeln davon, dass Jahwe König ist oder (aufs Neue) König wird. Jesus knüpft in seiner Antrittspredigt in Lukas Kapitel 4 genau an diese jesajanische Erwartung an, wenn er verkündet: „Dies alles ist jetzt vor euren Ohren eingetroffen“ (Lk 4,14-20).
Kennzeichen der Herrschaft Gottes
Beim Studium der Evangelien, insbesondere bei Matthäus, begegnen wir neben dem Terminus Reich Gottes auch dem Begriff „Himmelreich“ (basileia ton ouranon), der dasselbe meint. Auch im Deutschen können „Herrschaft Gottes“ oder „Königreich Gottes“ synonym verwendet werden. Trotz der Fülle an Belegstellen lassen sich drei Kernelemente der Herrschaft Gottes schnell herauskristallisieren:
- Es ist wirklich nahe: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen“ (vgl. Mt 10,7, Lk 11,20 bzw. Mt 12,28). Dies betont die Dringlichkeit und die unmittelbare Relevanz der Botschaft.
- Es ist ein Reich, wo Friede, Gerechtigkeit und feierliche Unbeschwertheit herrschen: Es ist wie ein großes Gastmahl (Lk 13,29), wo Leid, Verderbensmächte, Tod und Unheil überwunden und entmachtet sind (Mt 5,10). Es ist ein Ort der Heilung und Wiederherstellung.
- Es ist unverbrüchlich zugesagt: Dass es eintritt, sicher kommt und sich durchsetzt, daran besteht nicht der allergeringste Zweifel. Es ist eine göttliche Gewissheit.
Die Faszination und der hohe Anspruch
Die Faszination und Anziehungskraft des Reiches Gottes wird von Jesus als so überaus groß beschrieben, dass man dafür alles andere aufgibt, stehen und liegen lässt. Er gleicht es einem „Schatz, verborgen im Acker“, oder einer „kostbaren Perle“, für die ein Mensch „alles, was er hat“, verkauft, um sie zu erwerben (Mt 13,44-46). Diese Gleichnisse verdeutlichen den unschätzbaren Wert des Reiches.
Mit dem „Evangelium vom Reich“ (Mt 4,23; 9,35) verbindet sich jedoch auch ein hoher Anspruch. Im Himmelreich gilt eine andere, „bessere“ Gerechtigkeit (Mt 5,20), und hier waltet die Vergebung (Mt 18,21ff). Es werden neue, andere Normen und Maßstäbe angelegt als nach landläufiger Logik. Das berühmte Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1ff), das wir uns gleich noch genauer ansehen werden, ist ein herausragendes Beispiel dafür. Indem dieses Reich schon „mitten unter euch“ ist (Lk 17,21) und vielleicht auch innerlich mit einem neuen Herz (Hes 36,26) beginnt, gewinnt es doch auch äußerlich Form und Gestalt und macht sich in Sein und Tun mehr als bemerkbar (Mt 7,21; Mt 13,33). So faszinierend die Rede vom Reich Gottes sein mag, so erschreckend, ja schneidend scharf kann es in seinen Konsequenzen von Jesus ausgemalt und beschrieben werden (z.B. Mt 13,47-49).
Ein Gleichnisbeispiel: Die Arbeiter im Weinberg
Um die Prinzipien des Reiches Gottes, insbesondere die der Gerechtigkeit und Vergebung, besser zu verstehen, lohnt es sich, eines der prägnantesten Gleichnisse Jesu ausführlich zu betrachten:
„Denn das Himmelreich“, sprach er, „gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter anzuwerben für seinen Weinberg. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere auf dem Markt müßig stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere stehen und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand angeworben. Er sprach zu ihm: Geht ihr auch hin in den Weinberg. Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde angeworben waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?“ (Mt 20,1-15).
Dieses Gleichnis zeigt, dass die Maßstäbe im Reich Gottes nicht menschlicher Logik oder Leistungsgerechtigkeit folgen, sondern der souveränen Güte und Gnade des Hausherrn. Es ist ein Gleichnis für die göttliche Großzügigkeit und die unerwartete Verteilung von Segen, die über menschliche Erwartungen hinausgeht.
Schon jetzt: angebrochen – Noch nicht: vollendet
Die Frage, ob das Gottesreich schon da ist, beschäftigt Hörer und Leser aller Zeiten. Das eigentümliche „schon jetzt“ – „noch nicht“ der Evangelien ist dabei zentral. Lukas 9,27 sagt: „Einige von denen, die hier stehen, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie das Reich Gottes sehen.“ Schon zu Jesu Zeiten wird also sein Eintreten angesagt. Jesus selbst sagt am Abend des Verrats: „Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt“ (Lk 22,18). Als nachösterliche Menschen können wir diese Ankündigung im weiteren Geschick und Ausgang des Lebensweges Jesu im Blick auf seine Person bereits erfüllt sehen. Es ist beides: Schon angebrochen (in und mit der Person Jesu), die vollständige Vollendung (für den gesamten Erdkreis) steht aber noch aus. Diese kurze Formel bringt es auf den Punkt, wenn man den Gesamtkontext der Evangelienrede kennt.
Für die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas ist klar: Alles, was sie berichten, steht im Horizont und Licht des dritten Tages, des Ostermorgens, der Auferstehungswirklichkeit (Lk 24; Mk 16,1-8). Nur deshalb ist es von Belang. Denn nach dem offenbaren Scheitern des Gekreuzigten war alle Rede Jesu ja abgrundtief in Frage gestellt. Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis und der „Sitz im Leben“ für die Reich-Gottes-Überlieferung des Neuen Testaments. Die neutestamentliche Forschung kam nach unzähligen Anläufen schlussendlich zu der schlichten Grundeinsicht: Diese Texte wollen als Glaubenszeugnis gelesen werden.
Vom Reich Gottes zum Reich Christi
Während die Belegstellen für den Terminus Reich Gottes in den synoptischen Evangelien zahlreich sind, ist die Erwähnung im weiteren Neuen Testament seltener, aber dennoch präsent (z.B. Röm 14,17; 2. Petr 1,11; 2. Tim 4,1). Es taucht jetzt des Öfteren die Wendung vom Reich Christi auf. Das leuchtet ein. Denn nach der Ostererfahrung kann es für die Urgemeinde nur mit Bezug auf Jesus, den Christus, Sinn machen, weiter vom Reich Gottes zu reden. Sie glaubte ihn als von Gott ins Recht gesetzt und in seiner Botschaft bestätigt. Alles, was vom Reich Gottes gesagt ist, das gilt seit Ostern vom Reich Christi.
Im Johannesevangelium ist vom „Reich“ an nur drei entscheidenden Stellen die Rede: zweimal in der wichtigen Nikodemus-Szene zu Beginn und in der entscheidenden Verhandlungsszene vor Pilatus. Johannes 3 formuliert als Eintrittsmodus in das Reich das Wirken des Heiligen Geistes (Joh 3,8.5) und charakterisiert das präzisierend als eine Neugeburt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Joh 3,3). Daher wird später auch die Bitte um den Heiligen Geist für jeden Reich-Gottes-Anwärter als entscheidend charakterisiert.

An der dritten Stelle, in Kapitel 18, als Jesus von Pilatus gefragt wird: „so bist du dennoch ein König?“, antwortet er: „Du sagst es, ich bin ein König“ (Joh 18,37). Zugleich fällt die Versicherung, dass es sich dabei nicht um ein weiteres „Weltreich“ handelt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36). Jesus hat die Welt „überwunden“ und empfiehlt seinen Jüngern, nicht „irdisch“ nach Art der „Welt“ gesinnt zu sein. Auch der Christus des Johannesevangeliums meint mit „seinem Reich“ keineswegs eine rein geistige Größe für das spirituelle Hinterzimmer. Nur baut dieses Reich auf ganz anderen Machtmitteln auf als denen, auf die sich der römische Statthalter zu stützen meint. In „dieser Welt“ regiert die Macht der Zahlen, die Schlagkraft der Waffen, die Verführungskunst imposanter Inszenierung. Solches Machtgebaren höhlt sich auf Dauer selbst aus, weil es den Bezug zu seinem letzten Grund verloren hat.
Das Evangelium vom Reich und die Vergebung: Eine untrennbare Verbindung
Die zentrale Frage, die uns hier beschäftigt, ist der Unterschied zwischen dem „Evangelium vom Reich“ und der „Vergebung“. Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich hier nicht um zwei voneinander unabhängige oder gar gegensätzliche Konzepte handelt, sondern um eine tiefgreifende, untrennbare Verbindung. Das „Evangelium vom Reich“ ist die frohe Botschaft von der anbrechenden Herrschaft Gottes, die in Jesus Christus Gestalt annimmt. Es ist die Verkündigung einer neuen Realität, in der Gott seine Königsherrschaft aufrichtet und in der sich seine Gerechtigkeit und Güte manifestieren.
Die Vergebung ist dabei kein bloßer Nebenaspekt, sondern ein konstituierendes Element dieser neuen Realität. Wie im Matthäusevangelium betont wird, waltet im Himmelreich „Vergebung“ (Mt 18,21ff). Das bedeutet, dass die Bereitschaft Gottes zur Vergebung und die Aufforderung an die Menschen, einander zu vergeben, grundlegende Prinzipien des Reiches sind. Das Reich Gottes ist ein Reich, in dem Sünde und Schuld überwunden werden, nicht durch menschliche Anstrengung, sondern durch die Gnade Gottes. Die Vergebung ist der Weg, durch den Menschen in dieses Reich eintreten und in ihm leben können. Sie ist der Ausdruck der „besseren Gerechtigkeit“, die im Reich Gottes gilt, eine Gerechtigkeit, die nicht auf Verdienst basiert, sondern auf Gottes Barmherzigkeit.
Man könnte sagen: Das Evangelium vom Reich ist die Botschaft über das angebrochene Königreich Gottes, seine Natur und seine Prinzipien. Die Vergebung ist eines der zentralen Prinzipien und Geschenke innerhalb dieses Reiches. Sie ist die Bedingung für den Eintritt und die Atmosphäre, in der das Leben im Reich stattfindet. Ohne Vergebung gäbe es keine Wiederherstellung der Beziehung zu Gott und untereinander, die für das Leben im Reich Gottes unerlässlich ist. Die Aufforderung zur Umkehr („Ändert euer Denken“) in Mk 1,15 ist direkt mit dem Nahen des Reiches verbunden und impliziert die Notwendigkeit, sich von Sünden abzuwenden – ein Akt, der Gottes Vergebung voraussetzt und ermöglicht.
Praktische Implikationen für heute
Die dauerhafte Aufrichtung der „basileia Christi“ hat ihren festen Ort im Kirchenjahr im Fest von Christi Himmelfahrt. Indem der Erhöhte seinen Platz neben Gott Vater im himmlischen „Thron“ einnimmt, ist auch sein Reich, seine Herrschaft endgültig in Kraft gesetzt. Schon jetzt ist diese Herrschaft angebrochen, vollendet ist sie noch nicht. Auch von seiner Herrschaft heißt es nicht eindeutig „Hier ist es. Oder da ist es.“, solange die Christenheit „im Glauben, nicht im Schauen“ unterwegs ist. Dennoch ist sie via Geist und Taufe schon jetzt in das angebrochene Reich versetzt. Deshalb wirkt sie zeichenhaft schon jetzt auch dessen „Werke“. Es ist der Rückruf (Paränese) in diesen Geist der ersten Stunde, den Paulus (z.B. Röm 12,9-21) und die anderen neutestamentlichen Schriften energisch an vielen Stellen treiben.
Im lukanischen Doppelwerk (Apostelgeschichte und Lukasevangelium) wird der Zusammenhalt von Gottesherrschaft (vgl. Apg 1,3 und 28,31) und Reich Christi besonders deutlich. Die Urgemeinde versteht sich in klarer Kontinuität zum vorösterlichen Jesus. Was Jesus vom Reich Gottes sagte, das führt die Urgemeinde der Auferstehungszeugen in ihrer Nachfolge im selben Geiste fort.
Das „Reich Gottes“ (lat. Regnum Dei) hat eine weitreichende Wirkungsgeschichte auch außerhalb von Nazareth und Israel gefunden, von politischen Auseinandersetzungen im Mittelalter bis hin zu gesellschaftlichen Utopien wie dem Kommunismus bei Karl Marx. Doch die wahre Bedeutung liegt nicht in weltlichen Systemen, sondern in der Transformation des Herzens und der Gesellschaft durch göttliche Prinzipien.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Das Konzept des Reiches Gottes wirft viele Fragen auf. Hier sind einige der am häufigsten gestellten, basierend auf Expertenmeinungen:
Was meint Jesus, wenn er vom Reich Gottes spricht?
Jesus spricht von der „Gottesherrschaft“. Es geht ihm nicht primär um ein Territorium oder das Jenseits, sondern um ein Geschehen, das er in Kraft setzt. In seinen Worten, Machttaten und prophetischen Zeichen lässt Gott selbst etwas völlig Neues anbrechen und tritt seine Herrschaft im Hier und Jetzt an. Es ist ein Königtum, das auf konsequentem Gewaltverzicht, Versöhnung und Neuanfang durch Vergebung basiert.
Gibt es einen Unterschied zwischen dem Reich Gottes und dem Reich Jesu?
Nach der Ostererfahrung verschmelzen die Konzepte. Was vom Reich Gottes gesagt wurde, gilt nun vom Reich Christi. Das Johannesevangelium spricht zwar nur selten vom „Reich Gottes“, konzentriert sich aber darauf, dass wir in Jesus wirklich Gott begegnen. Jesu Reich ist „nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36), was bedeutet, dass es nicht auf weltlichen Machtmitteln basiert, sondern auf göttlichen Prinzipien wie Liebe, Vergebung und Wahrheit. Es ist keine rein geistige Größe, sondern eine Realität, die sich in der Welt manifestiert.
Ist die Kirche das Reich Gottes?
Nein, die Kirche ist nicht das Reich Gottes selbst, aber sie ist dazu berufen, dessen „Sakrament“ zu sein. Sie ist ein Zeichen und Werkzeug des Reiches Gottes in der Welt. Konflikte und Spaltungen in der Kirche sind eine Realität, aber sie bedeuten nicht, dass das Wort Jesu sich bewahrheitet, dass ein gespaltenes Reich verödet. Vielmehr zeigt es, dass die Kirche ständig darum ringen muss, was ihr heilig ist, und dass das Reich Gottes auch in Wüstenzeiten aufblüht, wenn nur ein einziger umkehrt.
Wie können wir heute mutig am Reich Gottes mitwirken?
Wir „bauen“ nicht am Reich Gottes im Sinne eines menschlichen Bauprojekts, das wir aus eigener Kraft vollenden können. Vielmehr lassen wir uns von den „verwunderten Händen des Gekreuzigten“ umfassen und von Gott leiten. Das Engagement der Kirche, alle Pläne und Konzepte, müssen von der Liebe und den Prinzipien Christi getragen sein. Liturgie ohne Nächstenliebe (Caritas) bleibt seelenlos. Sozialer Dienst, der sich nicht von seinem Geheimnis getragen weiß, verliert sich. Es geht darum, „Himmelserben anzuwerben“, nicht um das Rekrutieren von Mitgliedern, sondern um die Einladung, Teil dieser transformierenden Realität zu werden, die durch Vergebung, Gerechtigkeit und Liebe gekennzeichnet ist.
Fazit und Leseempfehlung
Liebe Leserin, lieber Leser, wo stehen wir im „Reich“? Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes und die zentrale Rolle der Vergebung sind untrennbar miteinander verbunden. Das Evangelium vom Reich ist die Einladung in eine neue Existenz, in der Gottes Herrschaft spürbar wird, und die Vergebung ist der Schlüssel zu dieser Tür. Nehmen Sie sich ruhig, vielleicht einmal im Monat, vielleicht täglich, die Reich-Gottes-Texte als „Memorandum“ zur Lektüre vor. Vergleichen Sie die Stellen, vom Alten bis zum Neuen Testament. Ergründen Sie, was es mit den Gleichnisreden vom Reich Gottes auf sich hat. Als ein solcher „Schriftkundiger“ werden Sie nämlich (Mt 13,52) sein wie ein „Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.“
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