Was sagte Simon Petrus zu seinen Jüngern?

Die Vier Evangelien: Herzstück des Glaubens

06/11/2022

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Das Neue Testament, oft auch als Zweites Testament bezeichnet, bildet den zweiten und für Christinnen und Christen entscheidenden Teil der Bibel. Es ist eine Sammlung von 27 Büchern, die sich primär mit dem Leben, Wirken, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi sowie der frühen Geschichte der christlichen Kirche auseinandersetzen. Im Herzen dieses Testaments stehen vier überaus bekannte und zentrale Schriften: die Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Diese „Frohe Botschaft“ (vom griechischen euangelion) ist nicht nur ein historischer Bericht, sondern vor allem eine Verkündigung des Heils, das Gott den Menschen durch Jesus Christus anbietet. Sie sind die Fundamente, auf denen der christliche Glaube seit Jahrtausenden ruht und aus denen Gläubige Inspiration und Orientierung schöpfen.

Wie viele Evangelienbücher gibt es?
Vier Evangelienbücher wurden in das neue Testament der Bibel aufgenommen. Das Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas & Johannes. Die ersten drei Evangelien  sind eng miteinander verknüpft und werden deshalb "synoptische" Evangelien genannt. Das Wort Evangelium stammt aus dem griechischen und bedeutet "frohe Botschaft", "gute Nachricht".
Inhaltsverzeichnis

Das Markus-Evangelium: Das älteste Zeugnis

Wenn die Frage aufkommt, was das zweite Evangelium ist, so ist damit das Markus-Evangelium gemeint. Es trägt die Abkürzung Mk und gilt unter Theologen und Bibelwissenschaftlern als das älteste der vier kanonischen Evangelien. Entstanden ist es vermutlich um das Jahr 70 n. Chr., in einer Zeit großer Umbrüche und Herausforderungen für die junge christliche Gemeinde. Markus hat es sich zur Aufgabe gemacht, aus den mündlich überlieferten Jesusworten und Jesuserzählungen einen zusammenhängenden Bericht zu erstellen. Dieser Bericht beginnt mit der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer und führt den Leser bis zur Auffindung des leeren Grabes, dem ersten Zeugnis der Auferstehung.

Das Markus-Evangelium zeichnet sich durch seine Prägnanz und Direktheit aus. Es konzentriert sich stark auf die Taten und Wunder Jesu, die seine Autorität und Göttlichkeit unterstreichen. Charakteristisch ist auch das sogenannte „Messiasgeheimnis“, bei dem Jesus seine Jünger und die von ihm Geheilten immer wieder anweist, seine Identität als Messias nicht preiszugeben. Dies könnte eine theologische Reflexion darüber sein, dass die wahre Bedeutung seiner Messianität erst nach seinem Leiden und seiner Auferstehung vollständig verstanden werden kann. Es wurde vor allem für heidenchristliche Leser geschrieben, was sich in der Erklärung jüdischer Bräuche und der Vermeidung spezifisch jüdischer Begriffe zeigt. Markus’ Stil ist lebendig und oft dramatisch, was die Dringlichkeit und Macht der Botschaft Jesu betont. Seine Arbeit war wegweisend und diente später als wichtige Quelle für die Evangelien nach Matthäus und Lukas.

Die vier Evangelien: Vier Perspektiven auf eine Botschaft

Die Existenz von vier Evangelien ist kein Zufall, sondern ein Reichtum für den christlichen Glauben. Jedes Evangelium bietet eine einzigartige Perspektive auf das Leben und die Botschaft Jesu Christi, zugeschnitten auf eine bestimmte Zielgruppe und mit einem spezifischen theologischen Fokus. Obwohl die Evangelisten Jesus von Nazareth nicht persönlich gekannt haben, sammelten sie sorgfältig die überlieferten Geschichten und Lehren und formulierten sie in ihren jeweiligen Schriften. Sie verkünden alle die frohe Botschaft von Jesus Christus, der Gottes Liebe offenbart und allen Menschen das Heil bringt.

Das Matthäus-Evangelium: Jesus als der Messias Israels

Das Matthäus-Evangelium, oft als erstes in der Reihenfolge der neutestamentlichen Bücher genannt, ist stark auf ein jüdisches Publikum ausgerichtet. Es präsentiert Jesus als den verheißenen Messias, der die Prophezeiungen des Alten Testaments erfüllt. Matthäus legt großen Wert darauf, die Abstammungslinie Jesu bis zu Abraham und David zurückzuverfolgen und seine Lehren als Erfüllung des mosaischen Gesetzes darzustellen. Ein zentrales Element dieses Evangeliums ist die Bergpredigt, die wichtigste Rede Jesu. In ihr legt Jesus ethische Prinzipien dar, die weit über das äußere Einhalten von Gesetzen hinausgehen und eine innere Haltung des Herzens fordern. Themen wie Nächstenliebe, Vergebung, Gerechtigkeit und das Gebet „Vater unser“ finden sich hier in konzentrierter Form. Matthäus betont auch die Rolle der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen und das Missionsgebot Jesu, alle Völker zu lehren und zu taufen.

Das Lukas-Evangelium: Jesus als Heiland für alle

Das Lukas-Evangelium ist das längste der Evangelien und zeichnet sich durch seine literarische Qualität und seinen universellen Anspruch aus. Lukas, der als Arzt und Begleiter des Apostels Paulus gilt, richtet sein Evangelium an ein breiteres, heidenchristliches Publikum. Er betont Jesu Mitgefühl für die Armen, Kranken, Ausgestoßenen und Sünder. Geschichten wie die vom barmherzigen Samariter, vom verlorenen Sohn oder von Zachäus sind einzigartig für Lukas und unterstreichen die Botschaft von Gottes Liebe, die allen Menschen gilt, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem sozialen Status. Lukas legt auch großen Wert auf die Rolle des Heiligen Geistes und das Gebet im Leben Jesu und seiner Nachfolger.

Eng verbunden mit dem Lukas-Evangelium ist die Apostelgeschichte, die ebenfalls von Lukas verfasst wurde. Dieses Buch setzt die Erzählung des Evangeliums fort und beschreibt die Ausbreitung des christlichen Glaubens von Jerusalem bis nach Rom. In der Apostelgeschichte erfahren wir viel über die frühen Apostel, insbesondere über Petrus und Paulus. Paulus, der ursprünglich ein Verfolger der Christen war, erfährt auf dem Weg nach Damaskus eine Begegnung mit dem auferstandenen Jesus, die sein Leben radikal verändert. Er wird zu einem der größten Missionare und Verkünder des christlichen Glaubens. Im Neuen Testament finden sich zahlreiche Briefe, die Paulus an unterschiedliche Gemeinden geschrieben hat. Diese Briefe erinnern Christinnen und Christen an die Botschaft Jesu, geben Anweisungen für das Gemeindeleben und beantworten viele theologische und praktische Fragen.

Das Johannes-Evangelium: Jesus als das Wort Gottes

Das Johannes-Evangelium unterscheidet sich stilistisch und theologisch deutlich von den anderen drei, den sogenannten synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas), die viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Johannes beginnt sein Evangelium mit einem feierlichen Prolog, der Jesus als das „Wort“ (Logos) identifiziert, das von Anfang an bei Gott war und selbst Gott ist. Dieses Evangelium konzentriert sich weniger auf Gleichnisse und Wunder als vielmehr auf lange theologische Reden Jesu, in denen er seine göttliche Identität und seine Beziehung zum Vater offenbart. Die „Ich bin“-Worte Jesu (z.B. „Ich bin das Brot des Lebens“, „Ich bin der gute Hirte“, „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“) sind charakteristisch für Johannes. Sein Ziel ist es, die Leser zum Glauben an Jesus als den Sohn Gottes und zum ewigen Leben zu führen. Es ist ein Evangelium voller tiefer Symbolik und einer starken Betonung der Liebe Gottes und der Einheit der Gläubigen mit Jesus.

Das Neue Testament: Mehr als nur Evangelien

Das Neue Testament ist nicht nur die Heimat der vier Evangelien. Es enthält eine Fülle weiterer Schriften, die für den christlichen Glauben von immenser Bedeutung sind. Nach den Evangelien und der Apostelgeschichte folgen die Briefe, die den größten Teil des Neuen Testaments ausmachen. Die meisten davon stammen von Paulus, aber es gibt auch Briefe von Petrus, Johannes, Jakobus und Judas, sowie den Hebräerbrief, dessen Verfasser unbekannt ist. Diese Briefe sind wichtige theologische Abhandlungen, Ermahnungen, Ermutigungen und Anleitungen für das christliche Leben in den frühen Gemeinden. Sie behandeln Fragen der Lehre, der Ethik, der Gemeindeleitung und der Hoffnung auf die Wiederkunft Christi.

Wann wurde das erste Evangelium erzählt?
Im Vergleich dazu ist das erste fertige, schriftliche Evangelium, das im Jahre 70 oder gar schon 58 von Jesus erzählt, 20 bis 30 Jahre näher dran. Denn Jesus wirkte etwa von 27-30 n.Chr. Der Verweis auf Augenzeugen im Lukasevangelium, im Johannesevangelium und bei einigen Kirchenvätern ist also plausibel.

Das letzte Buch des Neuen Testaments ist das „Buch der Offenbarung“ des Johannes. Es ist ein prophetisches und apokalyptisches Werk, das mit bildhafter Sprache und Symbolen von einem schrecklichen Ende der Welt berichtet, das sich aber durch Gottes Eingreifen zum Guten wendet und in der Schaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde mündet. Dieser Text soll Christinnen und Christen vor allem in schweren Zeiten Mut machen und ihnen die Gewissheit geben, dass Gott letztendlich siegen und seine Gerechtigkeit durchsetzen wird. Es ist ein Buch der Hoffnung und des Trostes, das die endgültige Herrschaft Gottes über alle Mächte des Bösen proklamiert.

Vergleich der vier Evangelien

Obwohl alle vier Evangelien die gleiche Kernbotschaft über Jesus Christus teilen, unterscheiden sie sich in ihren Schwerpunkten, Stilen und Zielgruppen. Diese Vielfalt ist ein Zeugnis für die reiche und facettenreiche Natur der Botschaft Jesu.

EvangeliumAutor (Tradition)Geschätzte EntstehungSchwerpunkte / CharakteristikZielgruppe (vermutet)
MatthäusMatthäus (Zöllner, Apostel)ca. 80-90 n. Chr.Jesus als jüdischer Messias, Erfüllung der Prophezeiungen, Bergpredigt, KirchenlehreJüdische Christen
MarkusJohannes Markus (Begleiter des Petrus)ca. 65-70 n. Chr.Jesus als Gottessohn in Aktion, Wunder, Konflikte, Messiasgeheimnis, Leid des MessiasHeidenchristen (insbesondere in Rom)
LukasLukas (Arzt, Begleiter des Paulus)ca. 80-90 n. Chr.Jesus als Heiland für alle, Mitgefühl für Arme/Ausgestoßene, Rolle des Heiligen Geistes, Weltweite MissionHeidenchristen (gebildet, hellenistisch)
JohannesJohannes (Apostel, „Lieblingsjünger“)ca. 90-100 n. Chr.Jesus als göttliches Wort (Logos), „Ich bin“-Worte, theologische Reflexion, Ewiges LebenGläubige, die im Glauben gestärkt werden sollen; philosophisch Interessierte

Häufig gestellte Fragen zu den Evangelien

Wer waren die Evangelisten? Waren sie Augenzeugen Jesu?

Die traditionellen Autoren der Evangelien sind Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Es wird allgemein angenommen, dass Matthäus und Johannes Apostel und somit Augenzeugen Jesu waren. Markus war der Überlieferung nach ein Begleiter des Petrus, und Lukas war ein Begleiter des Paulus. Weder Markus noch Lukas waren direkte Augenzeugen des Lebens Jesu. Alle vier Evangelisten sammelten und verarbeiteten jedoch sorgfältig die mündlichen und schriftlichen Überlieferungen über Jesus, die in der frühen Kirche kursierten. Ihre Schriften sind somit nicht nur historische Berichte, sondern theologische Interpretationen und Verkündigungen der frohen Botschaft, die auf authentischen Traditionen beruhen.

Warum gibt es vier Evangelien und nicht nur eines?

Die Existenz von vier Evangelien spiegelt die Vielfalt der frühen christlichen Gemeinden und ihrer Bedürfnisse wider. Jedes Evangelium wurde für eine spezifische Zielgruppe mit bestimmten Fragen und Herausforderungen verfasst. Die vier verschiedenen Perspektiven auf Jesus Christus bereichern das Verständnis seiner Person und Botschaft. Sie zeigen, dass Jesus nicht auf eine einzige Definition oder Darstellung reduziert werden kann, sondern dass sein Leben und seine Lehren eine tiefe und vielfältige Bedeutung für unterschiedliche Menschen und Kulturen haben. Die Kirche hat diese vier Schriften als kanonisch anerkannt, weil sie als die authentischsten und umfassendsten Zeugnisse über Jesus angesehen wurden, die sich gegenseitig ergänzen und ein vollständigeres Bild ergeben.

Was ist das älteste Evangelium?

Die Mehrheit der modernen Bibelwissenschaftler ist sich einig, dass das Markus-Evangelium das älteste der vier kanonischen Evangelien ist. Es wird angenommen, dass es um 65-70 n. Chr. verfasst wurde. Matthäus und Lukas haben das Markus-Evangelium als eine ihrer Hauptquellen für ihre eigenen Evangelien genutzt. Dies wird als Teil des sogenannten „Synoptischen Problems“ diskutiert, das die literarische Abhängigkeit und die Ähnlichkeiten zwischen Matthäus, Markus und Lukas untersucht.

Was ist der Unterschied zwischen den Evangelien und dem Rest des Neuen Testaments?

Die Evangelien konzentrieren sich primär auf das Leben, die Lehren, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Sie sind die biographischen und theologischen Fundamente des christlichen Glaubens. Die Apostelgeschichte hingegen beschreibt die Gründung und Ausbreitung der frühen Kirche nach Jesu Himmelfahrt. Die Briefe (Episteln) sind Lehrschreiben an Gemeinden oder Einzelpersonen, die theologische Prinzipien erläutern, ethische Anweisungen geben und auf spezifische Probleme der frühen Christen eingehen. Das Buch der Offenbarung ist eine apokalyptische Prophezeiung über das Ende der Zeiten und die endgültige Herrschaft Gottes. Während alle Teile des Neuen Testaments die Botschaft Jesu weiterführen und auslegen, haben die Evangelien eine besondere Stellung als die ursprünglichen Zeugnisse seines Wirkens auf Erden.

Was ist die Hauptbotschaft der Evangelien?

Die Hauptbotschaft aller vier Evangelien ist die frohe Botschaft (Evangelium) von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, der gekommen ist, um die Menschheit mit Gott zu versöhnen. Sie verkünden, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe (Johannes 3,16). Dies beinhaltet die Botschaft von Sünde und Vergebung, von Gottes unendlicher Liebe und Gnade, von der Notwendigkeit der Umkehr und des Glaubens, und von der Hoffnung auf ewiges Leben und die Auferstehung. Die Evangelien laden dazu ein, Jesus als Herrn und Retter anzunehmen und seinem Beispiel in Liebe, Dienst und Gerechtigkeit zu folgen.

Fazit: Ein unvergängliches Erbe

Die vier Evangelien sind das Herzstück des Neuen Testaments und bilden das unvergängliche Fundament des christlichen Glaubens. Sie sind keine bloßen historischen Aufzeichnungen, sondern lebendige Zeugnisse einer Botschaft, die über Jahrtausende hinweg Menschen inspiriert, transformiert und Hoffnung geschenkt hat. Ob es das direkte, aktionsgeladene Zeugnis des Markus ist, die Betonung der Erfüllung der Prophezeiungen durch Matthäus, die universelle Liebe und Barmherzigkeit bei Lukas oder die tiefgründige theologische Reflexion des Johannes – jedes Evangelium trägt auf seine Weise dazu bei, das Bild Jesu Christi zu vervollständigen. Sie laden uns ein, die Botschaft der Erlösung zu entdecken, Gottes Liebe zu erfahren und ein Leben im Glauben zu führen. Ihre Botschaft von Hoffnung, Vergebung und ewigem Leben bleibt so relevant und kraftvoll wie eh und je.

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