Was ist das Beten im Islam?

Gebet im Islam: Rakat, Zeiten und spirituelle Tiefe

27/02/2022

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Das Gebet, bekannt als Salat auf Arabisch, ist eine der fundamentalen Säulen des Islam und bildet den direkten Draht zwischen dem Gläubigen und seinem Schöpfer, Allah. Es ist mehr als nur eine rituelle Handlung; es ist eine spirituelle Reise, die den Muslim fünfmal täglich daran erinnert, seine Aufmerksamkeit auf das Göttliche zu richten, Dankbarkeit auszudrücken und Führung zu suchen. Die Struktur und die Anzahl der Gebetseinheiten, der sogenannten Rakat, sind dabei klar festgelegt, doch die wahre Essenz des Gebets liegt in der Qualität der Hingabe und der inneren Konzentration. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Pflichtgebete, ihre Rakat-Zahlen und erforscht, was ein Gebet in den Augen Allahs besonders wertvoll macht.

Was ist das Glaubensbekenntnis im Ramadan?
Im Ramadan markiert es gleichzeitig das Ende des täglichen Fastens und das Fastenbrechen findet statt. Was sind die wichtigsten im Islam? Das Glaubensbekenntnis lautet "La ilaha illa Allah wa Muhammad rasul Allah". Das heißt soviel wie "Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter".

Die fünf täglichen Pflichtgebete im Islam

Im Islam sind fünf Gebete pro Tag für jeden erwachsenen Muslim verpflichtend. Diese Gebete wurden nach islamischer Überlieferung bei der Himmelfahrt des Propheten Mohammed (Friede sei auf ihm) eingesetzt und sind fest an bestimmte Tageszeiten gebunden. Sie bieten eine Struktur für den Tag und eine kontinuierliche Verbindung zu Allah.

Jedes dieser Gebete besteht aus einer bestimmten Anzahl von Rakat, die eine Abfolge von stehenden, sich verbeugenden, sich niederwerfenden und sitzenden Positionen umfassen, begleitet von Koranrezitationen und Bittgebeten. Es ist wichtig zu verstehen, dass jedes Gebet nicht nur aus den sogenannten 'Fard'-Rakat (Pflicht) besteht, sondern oft auch aus 'Sunna'-Rakat (empfohlen, nach der Praxis des Propheten) und manchmal 'Wadschib'-Rakat (notwendig, aber nicht so streng wie Fard).

Übersicht der Pflichtgebete und ihrer Rakat

Um einen klaren Überblick zu geben, wie viele Rakat jedes der fünf täglichen Gebete hat, finden Sie hier eine detaillierte Aufschlüsselung:

GebetszeitBeschreibungFard (Pflicht) RakatSunna (Empfohlen) RakatWadschib (Notwendig) RakatGesamt Rakat (Typisch)
Fadschr (Morgendämmerung)Das Morgengebet22-4
Zuhr (Mittag)Das Mittagsgebet44 (davor) + 2 (danach)-10
ʿAsr (Nachmittag)Das Nachmittagsgebet4--4
Maghrib (Sonnenuntergang)Das Sonnenuntergangsgebet32-5
ʿIschā' (Abend)Das Abendgebet42 (danach)3 (Witr)9

Es ist wichtig zu beachten, dass die Sunna-Rakat freiwillig sind, aber dringend empfohlen werden, da sie die Praxis des Propheten Mohammed widerspiegeln und zusätzliche Belohnung bei Allah versprechen. Die Wadschib-Rakat, wie das Witr-Gebet nach Ischā', sind ebenfalls sehr wichtig und werden oft als notwendig erachtet.

Was ist das beste Gebet bei Allah?

Die Frage nach dem 'besten Gebet' ist nicht einfach mit einer bestimmten Anzahl von Rakat oder einem bestimmten Gebet zu beantworten. Im Islam liegt der Wert eines Gebets nicht allein in seiner Quantität, sondern vielmehr in seiner Qualität und der Aufrichtigkeit der Hingabe. Die Überlieferungen des Propheten Mohammed (Friede sei auf ihm) geben uns tiefe Einblicke, was ein Gebet besonders macht.

Es wird berichtet, dass der Prophet (Friede sei auf ihm) nicht immer die gleiche Anzahl von Rakat in seinen freiwilligen Gebeten (insbesondere dem Nachtgebet, auch bekannt als Qiyam al-Layl oder Tahajjud) verrichtete. Manchmal waren es elf, manchmal dreizehn, manchmal auch sieben oder neun Rakat. Dies deutet darauf hin, dass die genaue Zahl der Rakat bei freiwilligen Gebeten flexibel sein kann. Vielmehr betonte der Prophet die Länge und Schönheit der einzelnen Gebetseinheiten. Âischa, seine Frau, berichtete: „Er betete zuerst vier – frag jedoch nicht, wie schön und lang sie waren! –, danach betete er vier – und frag nicht, wie schön und lang sie waren! –, danach betete er drei.“ Dies unterstreicht, dass die Dauer der Rezitation, der Verbeugung (Ruku') und der Niederwerfung (Sujud) sowie die Konzentration und Demut im Gebet von größerer Bedeutung sind als eine hohe Anzahl von schnell verrichteten Rakat.

Die Gelehrten sind sich einig, dass zusätzliche Gebete in der Nacht – sei es im Ramadan oder außerhalb – Sunna sind und keine genaue Zahl festgelegt ist. Wer möchte, kann länger stehen und dafür weniger Rakat beten, und wer möchte, kann kürzer stehen und die Zahl seiner Rakat vermehren. Die empfohlene Praxis des Propheten war es jedoch, lange zu rezitieren, sich lange zu verbeugen und niederzuwerfen und nicht mehr als elf Rakat in der Nacht zu verrichten. Dies wird als besser angesehen, als das Rezitieren zu verkürzen und dafür viele Rakat zu beten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der ein Gebet besonders macht, ist die innere Verfassung des Betenden. Der Prophet sagte: „O ´Âischa, meine Augen schlafen, doch mein Herz schläft nicht.“ Dies verdeutlicht die besondere spirituelle Wachheit und Verbindung der Propheten zu Allah, die über die physische Müdigkeit hinausgeht. Für uns bedeutet dies, dass wir uns bemühen sollten, unser Herz während des Gebets wach und präsent zu halten, uns auf Allah zu konzentrieren und jegliche Ablenkung zu vermeiden. Ein Gebet, das mit tiefer Konzentration (Khushu') und Aufrichtigkeit verrichtet wird, ist unzweifelhaft das beste Gebet.

Kann man sich eine beliebige Sure aussuchen?
Beim Salaht, nach der Sura Al- Fatiha kann man sich ja eine beliebige Sure aussuchen. Ist es in Ordnung wenn ich immer die selbe nehme? Wie ich gelesen habe darf man die Suren nur in Der Reihenfolge des quran im Gebet aufsagen und soll sie nicht mischen. Gewiegt das gleich bei Allah, oder kommen die die sich verschiedene Suren aussuchen näher?

Unterschied zwischen längeren und kürzeren Gebeten im Kontext des Nachtgebets

Die Diskussion über die Länge und Anzahl der Rakat bezieht sich hauptsächlich auf die freiwilligen Nachtgebete (Qiyam al-Layl), die der Prophet Mohammed (Friede sei auf ihm) verrichtete. Während die fünf Pflichtgebete eine feste Struktur haben, bieten die freiwilligen Gebete Raum für individuelle spirituelle Vertiefung.

Die Überlieferungen zeigen, dass der Prophet manchmal 13 Rakat betete, darunter das Witr-Gebet und zwei Rakat vor dem Morgengebet. Âischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtete auch, dass er sieben, neun oder elf Rakat ohne die zwei Rakat vor dem Morgengebet verrichtete. Die Flexibilität in der Anzahl der Rakat bei freiwilligen Gebeten ist ein Zeichen der Barmherzigkeit im Islam und ermöglicht es jedem Einzelnen, nach seinen Fähigkeiten und seiner spirituellen Energie zu beten.

Der entscheidende Punkt ist die Qualität über die Quantität: „Beim Gebet in der Nacht ist es Sunna des Propheten, lange zu rezitieren, sich lange zu verbeugen und niederzuwerfen und nicht mehr als elf Rakat in der Nacht zu verrichten. Dies ist besser, als das Rezitieren zu verkürzen und dafür viele Rakat zu beten.“ Dies bedeutet, dass ein Muslim, der sich entscheidet, das Nachtgebet zu verrichten, mehr Nutzen daraus zieht, wenn er die einzelnen Rakat länger gestaltet, indem er mehr Koran rezitiert und die Stellungen der Verbeugung und Niederwerfung verlängert, anstatt viele Rakat schnell hintereinander zu beten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Art des Grußes am Gebetsende. Der Prophet (Friede sei auf ihm) pflegte den Gruß nach jeder zweiten Rak'a zu verrichten, und es widerspricht seiner Sunna, vier oder mehr Rakat hintereinander mit einem Gruß zu verrichten. Dies gilt insbesondere für die freiwilligen Gebete in der Nacht. Das Witr-Gebet, das oft den Abschluss des Nachtgebets bildet, ist eine Ausnahme und kann mit drei oder fünf Rakat verrichtet werden, wobei der Betende nur am Ende der letzten Rak'a sitzt, wie es auch Âischa erwähnte: „Allahs Gesandter betete nachts dreizehn Rakat, und davon betete er fünf als Witr, bei denen er nur am Ende der letzten Rak'a sitzenblieb.“

Nützliche Einsichten aus den Überlieferungen

Die Hadithe über die Gebetspraxis des Propheten Mohammed (Friede sei auf ihm) bieten uns wertvolle Lehren:

  1. Die Anzahl der Gebete des Propheten in der Nacht war im Ramadan und außerhalb des Ramadan gleich. Dies zeigt die Beständigkeit seiner Praxis, unabhängig von besonderen Zeiten.
  2. Die Augen der Gesandten schlafen, jedoch nicht ihre Herzen. Dies ist eine besondere Eigenschaft der Propheten, die ihre Traumgesichter wahr macht und ihre ständige Verbindung zu Allah unterstreicht.
  3. Die Gelehrten sind sich darüber einig, dass zusätzliche Gebete in der Nacht – im Ramadan oder außerhalb – Sunna sind, deren Zahl indes nicht genau festgelegt wurde. Dies gibt den Gläubigen Freiheit und Flexibilität.
  4. Beim Gebet in der Nacht ist es Sunna des Propheten, lange zu rezitieren, sich lange zu verbeugen und niederzuwerfen und nicht mehr als elf Rakat in der Nacht zu verrichten. Dies ist besser, als das Rezitieren zu verkürzen und dafür viele Rakat zu beten. Qualität vor Quantität ist hier das Leitprinzip.
  5. Der Prophet betete manchmal mehr als elf Rakat, wie zum Beispiel dreizehn, oder auch weniger, wie sieben oder neun. Âischa sprach jedoch über die Zahl, die er gewöhnlich und beständig verrichtete, nämlich elf Rakat. Dies zeigt, dass es eine bevorzugte Praxis gab, aber auch Raum für Variationen.
  6. Der Prophet verrichtete den Gruß am Gebetsende nach jeden zwei Rakat, und es widerspricht der Sunna, vier oder mehr Rakat hintereinander mit einem Gruß zu verrichten. Dies bezieht sich jedoch nicht auf das Witr-Gebet, das mit drei oder fünf Rakat verrichtet werden darf, wobei der Muslim nur bei der letzten Rak'a sitzenbleibt.

Häufig gestellte Fragen zum Gebet im Islam

Was ist das beste Gebet bei Allah?

Das beste Gebet bei Allah ist nicht unbedingt das längste oder das mit den meisten Rakat, sondern dasjenige, das mit der größten Aufrichtigkeit, Demut und Konzentration (Khushu') verrichtet wird. Besonders hoch angesehen sind die Pflichtgebete, die pünktlich und mit vollkommener Hingabe ausgeführt werden. Darüber hinaus sind freiwillige Gebete, insbesondere das Nachtgebet (Qiyam al-Layl), die mit tiefem Nachdenken, langer Rezitation und ausgedehnten Verbeugungen und Niederwerfungen verrichtet werden, von großem Wert. Es geht um die Qualität der spirituellen Verbindung, nicht nur um die mechanische Ausführung.

Wie viele Rakat haben die Gebete?

Die fünf täglichen Pflichtgebete haben eine festgelegte Anzahl von Fard (Pflicht) Rakat: Fadschr (2), Zuhr (4), ʿAsr (4), Maghrib (3) und ʿIschā' (4). Zusätzlich gibt es oft Sunna (empfohlene) Rakat, die vor oder nach den Fard-Rakat verrichtet werden, und im Falle von ʿIschā' auch das Witr-Gebet (Wadschib). Eine detaillierte Aufschlüsselung finden Sie in der Tabelle oben.

Gibt es einen Unterschied zwischen längeren und kürzeren Gebeten im Islam?

Ja, insbesondere im Kontext der freiwilligen Gebete, wie dem Nachtgebet. Die Überlieferungen des Propheten Mohammed (Friede sei auf ihm) legen nahe, dass es besser ist, weniger Rakat mit längeren Rezitationen, Verbeugungen und Niederwerfungen zu verrichten, als viele Rakat schnell hintereinander. Die Länge und Qualität der spirituellen Erfahrung innerhalb jeder Rak'a ist hier wichtiger als die bloße Anzahl der Rakat. Bei den Pflichtgebeten ist die Struktur und Länge jedoch weitgehend vorgegeben.

Fazit

Das Gebet im Islam ist eine facettenreiche und tiefgründige Praxis. Während die Anzahl der Rakat in den Pflichtgebeten klar definiert ist, liegt der wahre Wert eines Gebets in der Qualität der inneren Haltung, der Konzentration und der Aufrichtigkeit der Hingabe. Die Lehren des Propheten Mohammed (Friede sei auf ihm) betonen, dass bei freiwilligen Gebeten die Länge der Rezitation und der Verbeugungen und Niederwerfungen über die bloße Anzahl der Rakat gestellt werden sollte. Indem wir uns auf diese Aspekte konzentrieren, können wir unsere Gebete vertiefen und eine stärkere, bedeutungsvollere Verbindung zu Allah aufbauen.

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