Wie viele Muslime gibt es in Afrika?

Muslimisches Leben in Deutschland: Vielfalt & Integration

04/03/2025

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Die Frage nach der Anzahl der Muslime in Afrika ist von großem Interesse, doch die uns vorliegenden aktuellen Daten konzentrieren sich auf eine andere, ebenso spannende Region: das muslimische Leben in Deutschland. Eine umfassende Studie des Forschungszentrums des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz (DIK) erstellt, beleuchtet detailliert die Entwicklungen, die Vielfalt und die Integration der muslimischen Gemeinschaft in der Bundesrepublik. Dieser Artikel taucht tief in die Erkenntnisse dieser Studie ein und bietet einen umfassenden Überblick über die Präsenz, die Praktiken und die Herausforderungen des Islams in Deutschland.

Wie oft muss man den Rosenkranz beten?
Der Rosenkranz wird oft als Andachtsübung gebetet und kann einmal am Tag oder öfter gebetet werden, je nach den Vorlieben und Gewohnheiten des Gläubigen. Es gibt keine festgelegte Anzahl von Malen, die ein Katholik den Rosenkranz pro Tag beten muss. Gibt es Katholiken, die mehrfach am Tag beten – und wenn ja, wieso?
Inhaltsverzeichnis

Die aktuelle Lage des Islams in Deutschland: Zahlen und demografische Entwicklungen

Das muslimische Leben in Deutschland hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Es ist nicht nur zahlenmäßig gewachsen, sondern auch in seiner Struktur deutlich vielfältiger geworden. Laut der neuen Hochrechnung des BAMF-Forschungszentrums, basierend auf Daten aus dem Jahr 2019 und veröffentlicht im Jahr 2021, leben derzeit zwischen 5,3 und 5,6 Millionen Musliminnen und Muslime in Deutschland. Dies entspricht einem Anteil von 6,4 Prozent bis 6,7 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Im Vergleich zur letzten Hochrechnung aus dem Jahr 2015 ist die Zahl der muslimischen Religionsangehörigen um rund 900.000 Personen gestiegen.

Diese Zunahme ist eng mit der Zuwanderung aus muslimisch geprägten Ländern, insbesondere aus dem Nahen und Mittleren Osten, verbunden. Dr. Hans-Eckhard Sommer, Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, betont, dass die muslimische Bevölkerungsgruppe durch diese Zuwanderung noch vielfältiger geworden ist. Die gesellschaftliche Einbettung der Muslime wird dabei weniger von der Religion, sondern stärker von anderen Faktoren wie der Aufenthaltsdauer, den Migrationsgründen oder der sozialen Lage beeinflusst. Die Religion wird in ihrem Einfluss auf den Integrationsprozess häufig überschätzt, während diese anderen Aspekte eine weitaus größere Rolle spielen.

Die größte Herkunftsgruppe unter den Muslimen in Deutschland bilden weiterhin Personen mit Migrationshintergrund aus der Türkei, mit 2,5 Millionen Personen. Ihr Anteil an der muslimischen Gesamtbevölkerung liegt bei 45 Prozent, was bedeutet, dass sie nicht mehr die absolute Mehrheit stellen. Fast 1,5 Millionen Menschen, das sind 27 Prozent, stammen aus arabischsprachigen Ländern im Nahen Osten (19 Prozent) oder Nordafrika (8 Prozent).

Die Altersstruktur der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland unterscheidet sich deutlich von der Gesamtbevölkerung. Ein Fünftel (21 Prozent) der muslimischen Religionsangehörigen sind Kinder oder Jugendliche unter 15 Jahren. Weitere 22 Prozent sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Nur 5 Prozent sind älter als 64 Jahre, während dieser Anteil bei der Gesamtbevölkerung mit 21 Prozent mehr als viermal so hoch ist. Dies deutet auf eine vergleichsweise junge und wachsende Gemeinschaft hin. Fast die Hälfte der Musliminnen und Muslime in Deutschland (47 Prozent) besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit.

Soziale Integration und Sprachkenntnisse

Die Studie des BAMF beleuchtet auch verschiedene Aspekte der sozialen Integration. Ein zentraler Faktor hierbei sind die Sprachkenntnisse: Der überwiegende Teil der muslimischen Religionsangehörigen attestiert sich selbst gute oder sehr gute Deutschkenntnisse (79 Prozent). Dies ist ein wichtiger Indikator für die Bereitschaft und Fähigkeit zur Teilhabe an der deutschen Gesellschaft.

Die Studie zeigt zudem, dass viele muslimische Personen sich stark mit Deutschland verbunden fühlen. Der Großteil der Musliminnen und Muslime, die eine Vereinsmitgliedschaft besitzen, haben diese in einem deutschen Verein. Auch die Häufigkeit der Alltagskontakte zu Personen deutscher Herkunft ist hoch: Zwei von drei Personen haben häufig Kontakt zu Personen deutscher Herkunft im Freundeskreis. Diese Ergebnisse widerlegen oft geäußerte Vorurteile von einer umfassenden Abschottung oder der Bildung reiner Parallelgesellschaften.

Religiöse Praxis und Vielfalt der Strömungen

Die Religiosität unter Muslimen mit Migrationshintergrund in Deutschland ist ausgeprägt. 82 Prozent von ihnen – sowohl muslimische Religionsangehörige als auch Personen mit einer anderen Religion – geben an, stark oder eher gläubig zu sein. Die religiöse Alltagspraxis weist jedoch Unterschiede auf: Etwa 70 Prozent halten sich an besondere Getränke- und Speisevorschriften (Halal-Regeln), während nur 39 Prozent täglich beten. Ein interessanter Befund ist, dass deutlich über zwei Drittel (70 Prozent) der muslimischen Mädchen und Frauen in Deutschland kein Kopftuch tragen. Das Tragen eines Kopftuchs hängt laut der Studie stark vom Alter ab: Bei Mädchen im Kindergarten- oder Grundschulalter sind es weniger als ein Prozent, mit Eintritt der Pubertät steigt der Anteil auf 11,5 Prozent, im Alter von 16 bis 25 Jahren tragen 26 Prozent ein Kopftuch, von 26 bis 65 Jahren 40 Prozent und bei den über 65-Jährigen 62 Prozent.

Die Vielfalt der islamischen Konfessionen in Deutschland

Der Islam in Deutschland ist nicht monolithisch, sondern zeichnet sich durch eine reiche Vielfalt an Konfessionen und Strömungen aus. Die Mehrheit der Muslime gehört dem sunnitischen Zweig an, doch der nicht-sunnitische Anteil ist in Deutschland höher als im weltweiten Durchschnitt.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die ungefähre Verteilung der verschiedenen islamischen religiösen Richtungen in Deutschland (Stand 2020, sofern nicht anders angegeben):

KonfessionAnteil unter Muslimen in DE (ca.)
Sunniten71,7 %
Aleviten9,5 %
Zwölfer-Schiiten4,4 %
Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft1,3 % (ca. 40.000 Mitglieder)
AlawitenCa. 70.000 Personen (Stand 2010)
SufisCa. 10.000 Personen (Stand 2015)
IsmailitenCa. 1.900 Personen (Stand 2005)
ZaiditenCa. 800 Personen (Stand 2007)
IbaditenCa. 270 Personen (Stand 2013)
Spezifische Konfession unbekannt11,6 %

Die Sunniten bilden die größte Gruppe, sind aber keine einheitliche Gemeinde, sondern unterscheiden sich je nach Rechtsschule und Verband. Der Salafismus, eine radikal-puritanische Strömung, stellt innerhalb der sunnitischen Gemeinde eine zahlenmäßig kleine Minderheit dar, ist aber im Internet stark präsent und findet besonders unter jüngeren Muslimen Zuspruch.

Die Aleviten, die vor allem aus der Türkei stammen, betrachten sich teilweise als Strömung innerhalb der Schia, teilweise als eigenständige Religionsgemeinschaft. Sie halten sich nicht an die Scharia, beten nicht fünfmal täglich und nutzen Cem-Häuser statt Moscheen. Die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) wurde 2020 in Nordrhein-Westfalen als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt.

Die Schiiten sind die drittgrößte islamische Glaubensgemeinschaft. Die überwiegende Mehrheit sind Zwölfer-Schiiten, die hauptsächlich aus dem Iran, Irak, Afghanistan und dem Libanon stammen. Das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) war lange ein wichtiger Mittelpunkt, wurde aber im Juli 2024 verboten.

Die Ahmadiyya, eine ursprünglich aus Indien stammende Glaubensrichtung, die von vielen anderen Muslimen als unislamisch angesehen wird, hat rund 40.000 Mitglieder in Deutschland und war die erste islamische Gemeinschaft, die in Hessen (2013) und Hamburg (2014) den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erhielt.

Sufi-Gemeinschaften und -Orden sind seit den 1920er-Jahren in Deutschland aktiv, wobei der Naqschbandi-Orden der bekannteste ist. Kleinere Gruppen wie Ismailiten, Zaiditen und Ibaditen ergänzen die religiöse Landschaft.

Islamische Infrastruktur und öffentliche Präsenz

Die muslimische Gemeinschaft in Deutschland hat im Laufe der Zeit eine eigene religiöse Infrastruktur aufgebaut. Es gibt in Deutschland 159 Moscheen mit Kuppel und Minarett (Stand 2011), wobei die Mehrheit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) oder anderen türkischen Sunniten angehören. Darüber hinaus gibt es zahlreiche sogenannte Hinterhofmoscheen, deren genaue Anzahl nicht bekannt ist, da es kein zentrales Register gibt. Die Schätzungen reichen bis zu über 2.300 Gebetsräumlichkeiten.

Der Bau repräsentativer Moscheen stößt jedoch immer wieder auf Protest in Teilen der Bevölkerung. Oft werden architektonische Bedenken, wie die Höhe von Minaretten, vorgebracht, die jedoch häufig mit fremdenfeindlichen Tönen vermischt sind. Beispiele hierfür sind die Proteste gegen die Chadidscha-Moschee in Berlin-Heinersdorf oder die DITIB-Zentralmoschee in Köln.

Organisationen und Bildung

Viele islamische Verbände und Vereine sind in Deutschland aktiv. Die DITIB ist eine der mitgliederstärksten sunnitischen Organisationen und untersteht dem türkischen staatlichen Präsidium für Religiöse Angelegenheiten. Zusammen mit anderen Dachverbänden wie dem Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IRD) und dem Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) bildet sie den Koordinationsrat der Muslime in Deutschland. Nur etwa 20 Prozent der Sunniten in Deutschland sind Mitglieder in religiösen Vereinen oder Gemeinden.

Im Bildungssystem hat der Islam Einzug gehalten. Seit den 1980er-Jahren wird in einigen Bundesländern „religiöse Unterweisung“ für muslimische Schüler angeboten, anfangs oft als Teil des muttersprachlichen Türkischunterrichts, heute zunehmend in deutscher Sprache. Hessen hat 2013 als erstes Bundesland den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht als reguläres Schulfach eingeführt. Zudem wurden seit 2010 an deutschen Universitäten „Islamische Zentren“ eingerichtet, um islamische Theologie zu lehren und Imame sowie islamische Religionslehrer auszubilden. Dies soll dazu beitragen, dass zukünftige Imame in Deutschland ausgebildet werden und mit den Lebensumständen der Muslime hierzulande vertraut sind.

Religiöse Bräuche und rechtliche Rahmenbedingungen

Die islamische Bestattung, die eine Erdbestattung vorschreibt und die Feuerbestattung verbietet, ist in Deutschland je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Baden-Württemberg hat 2014 die Sargpflicht aufgehoben, was Beisetzungen nach islamischem Ritus erleichtert. Nordrhein-Westfalen ermöglicht seit 2014 die Errichtung und den Betrieb islamischer Friedhöfe durch gemeinnützige Religionsgemeinschaften. Islamische Feiertage sind in Deutschland keine gesetzlichen Feiertage, muslimische Schüler können aber an wichtigen Festen wie dem Fastenbrechen oder dem Opferfest vom Unterricht befreit werden.

Welche Länder beten am häufigsten?
Frauen beten mit 66 Prozent häufiger als Männer, von denen 45 Prozent in der Befragung angaben, zu beten. Die Bundesländer, in denen mit 68 Prozent am häufigsten gebetet wird, sind Bayern und Nordrhein-Westfalen. Im Westen wird doppelt so oft gebetet wie im Osten der Republik.

Die Anwendung der Scharia, des islamischen Rechts, ist in Deutschland nur zulässig, wenn sie nicht dem deutschen Grundgesetz oder dem Ordre public widerspricht. Dies bedeutet, dass Aspekte wie die Ungleichbehandlung der Geschlechter oder Körperstrafen unzulässig sind. Polygamie, die im Ausland nach islamischem Recht geschlossen wurde, kann unter Umständen in Deutschland anerkannt werden. Es gibt keine islamischen Schiedsgerichte in Deutschland, aber in privaten Rechtsbeziehungen kann ausländisches islamisches Recht angewandt werden.

Der Gebetsruf (Adhān) von Minaretten ist in Deutschland grundsätzlich durch die Religionsfreiheit geschützt, muss aber die geltenden Lärmschutzvorschriften einhalten. Die Praxis variiert lokal, in einigen Städten ist der Ruf fünfmal täglich erlaubt, in anderen seltener oder gar nicht.

Die Nachfrage nach Halal-Produkten ist in Deutschland gestiegen, und viele Lebensmittelhersteller bieten entsprechende Produkte an. Auch im Finanzwesen gab es Entwicklungen: 2015 erhielt die Kuveyt Türk Bank AG als erste islamische Bank eine Lizenz als Universalbank in Deutschland.

Konversionen zum Islam und ihre Implikationen

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland zum Islam konvertieren, ist nicht regelmäßig erfasst, aber Studien deuten auf einen Anstieg hin. Während früher oft Ehepartner von Muslimen konvertierten, geschieht dies heute vermehrt aus „freien Stücken“. Die Gründe sind vielfältig und reichen von der Suche nach spiritueller Erfüllung bis zum Wunsch, sich durch das „Andersartige“ abzuheben. Ein kleiner, aber besorgniserregender Teil der Konvertiten neigt zur Radikalisierung und zum Islamismus. Dennoch werden deutsche Konvertiten von vielen als wichtige Brückenbauer zwischen muslimischen Migranten und nicht-muslimischen Deutschen gesehen.

Muslime in der deutschen Politik

Muslime sind zunehmend in der deutschen Politik vertreten. Bereits 1994 saßen mit Cem Özdemir und Leyla Onur die ersten Abgeordneten mit muslimischem Hintergrund im Bundestag. Cem Özdemir wurde 2008 als erster Muslim Parteivorsitzender einer im Bundestag vertretenen Partei (Bündnis 90/Die Grünen). Auch auf Landesebene und in Kommunen gibt es prominente muslimische Politikerinnen und Politiker, wie Aygül Özkan, die 2010 die erste Muslima als Ministerin in einem Landesministerium war, oder Belit Onay, der 2019 der erste Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt mit muslimischem Hintergrund wurde. Bei der Bundestagswahl 2021 wurden mindestens 38 Abgeordnete mit Migrationshintergrund aus mehrheitlich muslimischen Ländern in den 20. Bundestag gewählt, was einen Anteil von 5,3 Prozent ausmacht.

Herausforderungen und Debatten: Islamismus, Islamfeindlichkeit und Anerkennung

Das muslimische Leben in Deutschland ist auch von Herausforderungen und intensiven Debatten geprägt. Ein zentrales Thema ist der Islamismus, der eine Priorisierung der Scharia gegenüber dem staatlichen Recht vertritt und daher mit dem deutschen Grundgesetz unvereinbar ist. Laut Verfassungsschutz (Stand 2023) gibt es in Deutschland geschätzt zwischen 27.000 und 50.000 Islamisten, darunter 10.500 Salafisten. Studien deuten darauf hin, dass ein signifikanter Teil der Muslime in Deutschland Meinungen vertritt, die eine Radikalisierung begünstigen könnten, und dass die Sicherheitsbehörden mit der Überprüfung der islamistischen Szene überfordert sind.

Gleichzeitig ist Deutschland mit Phänomenen der Islamfeindlichkeit konfrontiert. Der Mord an Marwa El-Sherbini 2009 und wiederholte Brandanschläge auf Moscheen zeigen die Existenz anti-muslimischer Ressentiments. Umfragen zur öffentlichen Wahrnehmung des Islams in Deutschland zeigen gemischte Ergebnisse: Während einige Umfragen eine Furcht vor Islamisierung und eine Ablehnung der Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland feststellen, zeigen andere eine größere Akzeptanz. Kritische Stimmen von Autoren und Ex-Muslimen tragen ebenfalls zur Debatte bei.

Die Frage der Anerkennung und Gleichstellung des Islams mit anderen Glaubensgemeinschaften, insbesondere den christlichen Kirchen und der jüdischen Gemeinde, ist ein fortlaufendes Thema. Die Aussage des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff „Der Islam gehört zu Deutschland“ löste eine breite Debatte aus, die bis heute nachwirkt. Die Friedrich-Ebert-Stiftung kritisierte 2015, dass islamische Gemeinschaften rechtlich noch nicht gleichberechtigt seien, und forderte Schritte zur Gleichstellung, wie die Anerkennung als Körperschaften des öffentlichen Rechts für weitere Verbände, die Einführung von islamischem Religionsunterricht und die Möglichkeit islamischer Feiertage.

Ein weiteres kontroverses Thema ist die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen, die nach einem umstrittenen Urteil des Landgerichts Köln 2012 eine Debatte über die Vereinbarkeit von Religionsfreiheit und Kindeswohl auslöste. Der Bundestag hat 2012 ein Gesetz erlassen, das Beschneidungen von Jungen grundsätzlich zulässig macht, sofern bestimmte Standards eingehalten werden. Auch die rituelle Schlachtung (Schächten) ist ein wiederkehrendes Diskussionsthema zwischen religiösen Praktiken und Tierschutzbelangen.

Antisemitismus unter Muslimen ist ebenfalls ein ernstes Problem, das sich insbesondere unter arabischstämmigen, nordafrikanischen und türkischen Migranten zeigt. Studien belegen eine Tendenz zu antisemitischen Vorurteilen, die auch durch bestimmte Medienprogramme verstärkt werden können. Gleichzeitig gibt es jedoch auch muslimische Stimmen, die Antisemitismus klar verurteilen.

Mediale Darstellung des Islams

Die mediale Darstellung des Islams in Deutschland hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Öffentliche Rundfunkanstalten wie der SWR und das ZDF bieten seit 2007 Sendungen wie das „Islamische Wort“ und „Forum am Freitag“ an, die jedoch aufgrund des Rundfunkstaatsvertrags keine reinen „Verkündungssendungen“ sein dürfen. Der Deutschlandfunk startete 2015 die Sendereihe „Koran erklärt“, in der Koranverse von Islamwissenschaftlern interpretiert werden, um zur Aufklärung in der öffentlichen Debatte beizutragen. Daneben gibt es muslimische Medien wie die „Islamische Zeitung“.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Muslime leben in Deutschland?

Laut der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland 2020“ des BAMF leben in Deutschland zwischen 5,3 und 5,6 Millionen Muslime. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt damit zwischen 6,4 und 6,7 Prozent (Stand: Daten von 2019, veröffentlicht 2021).

Tragen alle muslimischen Frauen in Deutschland Kopftuch?

Nein, die Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass deutlich über zwei Drittel (70 Prozent) der muslimischen Mädchen und Frauen in Deutschland kein Kopftuch tragen. Das Tragen des Kopftuchs ist stark altersabhängig und steigt mit zunehmendem Alter an.

Ist der Islam in Deutschland eine anerkannte Religion?

Der Islam ist in Deutschland als Religion anerkannt, jedoch sind die meisten islamischen Gemeinschaften nicht als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt, wie es die großen christlichen Kirchen oder die jüdischen Gemeinden sind. Die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft (AMJ) ist eine Ausnahme, da sie in einigen Bundesländern diesen Status erhalten hat.

Gibt es islamische Feiertage in Deutschland?

Es gibt in Deutschland keine gesetzlich anerkannten islamischen Feiertage, die für alle Bürger arbeits- oder schulfrei sind. Allerdings ist es muslimischen Schülern in vielen Bundesländern gestattet, an hohen Feiertagen wie dem Fastenbrechen oder dem Opferfest vom Unterricht fernzubleiben.

Dürfen Muslime in Deutschland nach Scharia-Recht leben?

Muslime dürfen in Deutschland religiöse Vorschriften der Scharia befolgen, solange diese nicht im Widerspruch zum deutschen Grundgesetz oder dem Ordre public (öffentliche Ordnung) stehen. Prinzipien wie die Gleichbehandlung der Geschlechter oder das Verbot von Körperstrafen sind dabei unantastbar. Es gibt keine islamischen Schiedsgerichte, die nach Scharia-Recht urteilen.

Wie integriert sind Muslime in Deutschland?

Die BAMF-Studie zeigt, dass viele Muslime in Deutschland gut integriert sind. Ein hoher Anteil verfügt über gute Deutschkenntnisse, und die meisten fühlen sich mit Deutschland verbunden. Viele sind Mitglied in deutschen Vereinen und pflegen häufige soziale Kontakte zu Personen deutscher Herkunft. Integrationsprozesse werden dabei stärker von Faktoren wie der Aufenthaltsdauer und der sozialen Lage beeinflusst als von der Religionszugehörigkeit allein.

Fazit

Das muslimische Leben in Deutschland ist ein dynamisches und vielfältiges Feld, das von Wachstum, Integration und gleichzeitig von komplexen Herausforderungen geprägt ist. Die vorliegenden Studien zeichnen ein Bild einer Gemeinschaft, die sich aktiv in die deutsche Gesellschaft einbringt, während sie ihre religiöse Identität bewahrt. Die Debatten um Islamismus, Islamfeindlichkeit und die rechtliche Anerkennung zeigen, dass der Islam ein fester Bestandteil der öffentlichen Diskussion und der gesellschaftlichen Realität in Deutschland geworden ist, dessen weitere Entwicklung sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die Zukunft bereithält.

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