07/04/2022
Propheten sind von Gott Erwählte, die göttliche Botschaften empfangen und an die Menschheit weitergeben. Sie fungieren als Vermittler der Offenbarungen Gottes und sind Leuchtfeuer der Rechtleitung in dunklen Zeiten. Unter ihnen nimmt der Prophet Muhammad eine einzigartige Stellung ein: Er ist der letzte Gesandte Gottes, dem das Heilige Wort, der Koran, über einen Zeitraum von 23 Jahren offenbart wurde. Seine Lebensweise, seine Aussprüche und sein Charakter sind für Muslime weltweit ein unvergleichliches Vorbild. Doch was genau sagte dieser außergewöhnliche Mann zu Gott, und wie prägten seine Botschaften die Welt?
- Kindheit und Jugend: Die Formung einer vertrauenswürdigen Persönlichkeit
- Die göttliche Offenbarung und die universale Botschaft
- Kernelemente seiner Botschaft: Moral, Toleranz und Mitmenschlichkeit
- Die Hidschra und die Gründung der Gemeinschaft
- Muhammads Vermächtnis und Vorbildfunktion
- Vergleichende Betrachtung: Die Transformation einer Gesellschaft
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Kindheit und Jugend: Die Formung einer vertrauenswürdigen Persönlichkeit
Die Geschichte des Propheten Muhammad beginnt um das Jahr 570 n. Chr. in Mekka, einer Stadt auf der Arabischen Halbinsel, die damals vom Götzendienst und einem Klima sozialer Ungerechtigkeit geprägt war. Er gehörte dem angesehenen Stamm der Quraisch an, dessen Abstammung auf den Propheten Ismael, den Sohn Abrahams, zurückgeführt wird. Schon früh in seinem Leben war Muhammad mit Verlust konfrontiert: Er verlor seinen Vater Abdullah noch vor seiner Geburt und seine Mutter Aminah in jungen Jahren. Als Vollwaise wuchs er zunächst unter der Obhut seines Großvaters Abd al-Muttalib und später bei seinem Onkel Abu Talib auf. Diese frühen Erfahrungen, gepaart mit den rauen gesellschaftlichen Lebensumständen Mekkas, schärften seinen Charakter und seine Wahrnehmung für die Notwendigkeit von Wandel.

In einer Gesellschaft, die von Grausamkeit und Polytheismus durchdrungen war, entwickelte sich Muhammad bereits vor seiner göttlichen Berufung zu einer Person von außergewöhnlicher Integrität und Vertrauenswürdigkeit. So sehr, dass er den Beinamen „Muhammed el-Amin“ (Muhammed der Vertrauenswürdige) erhielt. Jedermann, selbst seine späteren Gegner, vertraute ihm seine wertvollsten Gegenstände an, weil sie wussten, dass er sie niemals betrügen würde. Diese makellose Persönlichkeit, die frei von Fehlern und Sünden galt, war eine Vorbereitung Gottes für die immense Aufgabe, die ihm bevorstand. Im Alter von etwa 25 Jahren heiratete er Khadidja, eine angesehene Geschäftsfrau, für die er bereits Handelsbeziehungen führte. Ihre Ehe war von tiefer Liebe und gegenseitigem Respekt geprägt, und sie hatten zwei Söhne und vier Töchter.
Die göttliche Offenbarung und die universale Botschaft
Der Wendepunkt in Muhammads Leben und in der Geschichte der Menschheit ereignete sich im Jahr 610 n. Chr., als er im Alter von 40 Jahren die erste Offenbarung Gottes erhielt. Er hatte sich zuvor oft in die Höhle auf dem Berg Nur zurückgezogen, um über die unmoralische Lebensart seiner Gesellschaft nachzudenken und in stiller Kontemplation Zuflucht zu suchen. Dort erschien ihm der Engel Gabriel und überbrachte ihm die ersten Worte der göttlichen Botschaft. Es war ein Moment von überwältigender Bedeutung, der sein Leben für immer verändern sollte. Die ersten Worte der Offenbarung Gottes an seinen Gesandten lauteten:
„Lies, im Namen deines Herrn, der erschaffen hat,
Er schuf den Menschen aus einem Klumpen Blut.
Lies!, denn dein Herr ist der Allgütige,
Der (den Menschen) lehrte durch die Feder,
den Menschen lehrte, was er nicht wusste.“ [Koran 96/1-2]
Diese Verse markierten den Beginn seines Prophetentums und den Startpunkt einer 23-jährigen Offenbarungsperiode, in der Gott, der Allerbarmer, sein Wort, den Koran, Vers für Vers, Abschnitt für Abschnitt vervollständigte. Mit diesen göttlichen Worten wurde eine Botschaft der Hoffnung und der Barmherzigkeit für die gesamte Menschheit verkündet: „Wir entsandten dich nur als eine Barmherzigkeit für alle Welten.“ [Koran: 21/107]. Die universale Botschaft, die Gott durch seinen Gesandten den Menschen verkündigte, zielte darauf ab, die damalige Gesellschaft grundlegend zu verändern – hin zu Gerechtigkeit unter den Menschen und zur Abkehr vom Bösen. Sie betonte insbesondere hohe moralische Werte und Gerechtigkeit, was im Koran deutlich wird: „Und du besitzest ganz sicherlich hohe moralische Eigenschaften“ [Koran 68/4].
Kernelemente seiner Botschaft: Moral, Toleranz und Mitmenschlichkeit
Der Prophet Muhammad selbst fasste seine Mission prägnant zusammen: „Ich wurde entsandt, um hohe edle Charakterzüge zu vervollkommnen.“ Dies spiegelt sich in den prophetischen Werten wider, die er lehrte und lebte: Sanftmut, Friedfertigkeit und Toleranz. Seine Sanftmut (halim) war eine seiner herausragenden Eigenschaften, deren Quelle der Koran selbst ist. Diese Werte sind nicht nur spirituelle Ideale, sondern praktische Anleitungen für das soziale Miteinander.
Toleranz und Mitmenschlichkeit im Islam
Das Konzept der Toleranz ist ein wiederkehrendes Thema in den heiligen Schriften, mystischen Büchern und philosophischen Werken. Im Islam findet diese Tradition eine tiefe Akzeptanz und Fortsetzung in seiner Spiritualität und Frömmigkeit. Sowohl Gott als auch der Prophet des Islam legten allen Menschen gegenseitige Toleranz ans Herz. Ein Muslim sollte mit Andersdenkenden und Andersgläubigen gütig umgehen und deren Einstellungen und Meinungen respektieren. Der Koran bekräftigt dies mit dem berühmten Vers: „Euch euer Glaube, mir mein Glaube.“ (Koran 109/6).
Der Prophet praktizierte diese Werte selbst und empfahl seinen Anhängern, tolerant gegenüber anderen zu sein. Er äußerte sich dazu: „Ein Muslim ist ein Mensch, der mit allen gut auskommt und mit dem man auch gut auskommen kann.“ Diese Haltung zeigte sich besonders in Momenten großer Prüfung. Als der Prophet Muhammad in der Gebirgsstadt Taif (in der Nähe Mekkas) mit Steinen beworfen und verletzt wurde, betete er zu Gott für seine Verfolger mit folgenden ergreifenden Worten, die auch eine direkte Antwort auf die Frage „Was sagte der Prophet Mohammed zu Gott?“ sind:
„O mein Herr! Erbarme dich ihrer. Denn mein Volk ist unwissend. Sie wissen nicht, was sie getan haben.“
Dieses Gebet ist ein Zeugnis seiner unendlichen Sanftmut, Geduld und des unerschütterlichen Glaubens an die Barmherzigkeit Gottes, selbst angesichts schwerster Anfeindungen. Er litt mit den Menschen, die ihm Unrecht taten, und bat Gott um Vergebung für ihre Unwissenheit. Er besaß einen sehr sanftmütigen Charakter, mit dem er auch Böses ertragen und dulden konnte, und tat Nicht-Muslimen niemals Unrecht an.
Frauenrechte und Familienwerte
Ein weiteres zentrales Anliegen des Propheten war die Würde der Frau und die Stärkung der Familie. In seiner Abschiedspredigt legte er großen Wert auf eine würdige Verhaltensweise gegenüber Frauen: „Ich empfehle, dass ihr die Rechte der Frauen achtet und diesbezüglich gottesandächtig handelt. Denn ihr habt ein gewisses Recht über euere Frauen, sie haben ein gewisses Recht über euch.“ Er erfüllte nicht nur ihre Bedürfnisse, sondern zeigte sich seinen Frauen gegenüber in jeder Hinsicht hilfsbereit und verständnisvoll. Als Ehemann brachte er seiner Frau Freundschaft, Respekt und praktische Unterstützung entgegen. Seine Aussage: „Das Paradies liegt zu Füßen der Mütter“ verdeutlichte seinen fundamentalen Respekt vor Frauen und insbesondere Müttern.
Toleranz gegenüber Andersgläubigen und Nachbarn
Muhammads Lebensweise zeigte auch gegenüber Angehörigen anderer Religionen großen Respekt und menschliche Nähe. Er lehrte seine Anhänger, dass zu Christen und Juden eine besondere Nähe besteht und dass den Menschen die freie Wahl obliegt, den Glauben an Gott anzunehmen oder abzulehnen. Muslime sollten ihre Mitmenschen mit Güte behandeln. Muhammad sah sich selbst als Nachfolger Jesu und bezeichnete diesen sogar als seinen „Bruder“.
Die Nachbarschaft war im Islam sowohl eine soziale Aufgabe als auch ein Gebot, da Nachbarn unmittelbar nach der Familie kommen. Die Beachtung der Rechte der Nachbarn und die Pflege guter Nachbarschaft waren für ihn äußerst wichtig, wobei die Glaubensrichtung des Nachbarn keine Rolle spielte. Diese Ansicht bekräftigte er mit Nachdruck:
„Derjenige ist kein (wahrhaftiger) Gläubiger, der sich satt isst, während sein Nachbar Hunger leidet.“
Und desgleichen betonte er:
„Derjenige glaubt nicht, dessen Nachbarn vor seinen Missetaten nicht sicher sind.“
Diese Aussagen unterstreichen die soziale Verantwortung und das Ethos des Mitgefühls, das den Islam prägt.
Die Hidschra und die Gründung der Gemeinschaft
Aufgrund der zunehmenden Verfolgung und Anfeindungen in Mekka nahm der Prophet Muhammad die Einladung der muslimischen Gruppe der Stadt Yathrib an und wanderte im September 622 n. Chr. mitsamt allen gläubigen Muslimen dorthin aus. Diese Auswanderung, bekannt als die Hidschra, war ein Wendepunkt in der islamischen Geschichte, da sie das Leben seiner Person und die Existenz seiner Gemeinde rettete. Yathrib wurde später in Medinat an-Nabi (Stadt des Propheten) umbenannt, kurz Medina.

In Medina schloss Muhammad ein wegweisendes Friedensabkommen mit unterschiedlichen Religionsgemeinschaften und Stämmen ab. Dieses Gesellschaftsabkommen legte die Grundlage für eine friedliche Koexistenz zwischen Juden, Christen und Muslimen in der Stadt, die seit Jahrhunderten miteinander im Konflikt gestanden hatten. Es war ein bemerkenswertes Beispiel für interreligiösen Dialog und Zusammenleben. In Medina wurde auch die erste Moschee des Islam vom Propheten und seinen Gefährten errichtet. Ebenso gründete er die erste organisierte Gemeinde und Gemeinschaft des Islam, die als Blaupause für spätere muslimische Gesellschaften diente. Im Jahr 632 n. Chr. starb der Prophet Muhammad in Medina und wurde in der von ihm gegründeten Moschee begraben.
Muhammads Vermächtnis und Vorbildfunktion
Für Muslime ist Muhammad ohne Zweifel ein universeller Bote Gottes, dessen Lehre und Charakter für alle Zeiten ein Vorbild sind. Durch seinen Sanftmut, seine Güte und seine Weisheit zeigte er einen Weg auf, der für die Menschheit bahnbrechend sein sollte. Der Gesandte Gottes galt in seiner Umgebung als außerordentlich vertrauenswürdig, wahrheitsliebend, großzügig, hilfsbereit, freundlich, höflich und sehr bescheiden. Er war sowohl Prophet als auch Diener Gottes und kümmerte sich gleichermaßen um das soziale Leben seiner Gesellschaft als auch um das Wohl seiner Familie. Er war innerlich und äußerlich rein, was er auch jedem empfahl.
Die wichtigste Botschaft des Propheten des Islam ist damals wie heute das friedliche Zusammenleben aller Menschen. Muslime weltweit gedenken seiner gesegneten Geburt jedes Jahr mit tiefer Freude und Dankbarkeit. Der türkische Sufi-Dichter Yunus Emre (ca. 1240-1321) brachte dieses Gefühl in einem seiner Gedichte zum Ausdruck:
Die ganze Welt versank in Licht,
als Muhammed geboren ward,
Man sah kein schwarzes Angesicht,
als Muhammed geboren ward,
Die Huri-Mädchen kamen an,
in Windeln ihn zu wickeln dann,
Sie beugten vor dem Kind sich dann,
als Muhammed geboren ward,
Das weinend´ Kind getröstet war,
er freut die Mutter die gebar,
Und gläubig ward der Heiden Schar,
als Muhammed geboren ward,
O Bruder, so sagt Yunus fein,
Blut-Tränen gieß vom Auge dein!
Es warf dich nieder Berg und Stein,
als Muhammed geboren ward.
Diese Verse spiegeln die tiefe Liebe und Verehrung wider, die Muslime für ihren Propheten empfinden, der als eine Barmherzigkeit für alle Welten gesandt wurde.
Vergleichende Betrachtung: Die Transformation einer Gesellschaft
Die Botschaft und das Wirken des Propheten Muhammad führten zu einer tiefgreifenden Transformation der Gesellschaft. Hier eine vergleichende Betrachtung:
| Aspekt | Vorislamische Gesellschaft (Mekka) | Gesellschaft unter Muhammads Führung (Medina) |
|---|---|---|
| Glaube | Weit verbreiteter Götzendienst (Polytheismus) | Strikter Monotheismus (Tauhid - Glaube an einen einzigen Gott) |
| Soziales System | Starke Stammesfehden, soziale Ungerechtigkeit, Unterdrückung von Schwachen | Einheitliche Gemeinschaft (Umma), Betonung von Gerechtigkeit und Gleichheit vor Gott |
| Frauenstatus | Frauen oft gering geschätzt, geringe Rechte, weibliche Kindstötung vereinzelt | Einführung von Frauenrechten, Betonung der Mütterrolle, Schutz und Respekt für Frauen |
| Interreligiöses Miteinander | Oft Konflikte und Misstrauen zwischen verschiedenen Glaubensgruppen | Friedensabkommen (Verfassung von Medina), Koexistenz von Muslimen, Juden und Christen |
| Moral & Ethik | Oft geprägt von Egoismus, Rache und begrenzter Moral | Fokus auf hohe moralische Eigenschaften, Sanftmut, Vergebung, Barmherzigkeit |
| Wirtschaft | Basierend auf Handel, oft ohne klare ethische Regeln | Einführung ethischer Handelsprinzipien, Verbot von Wucher, Förderung von Wohltätigkeit |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was sagte der Prophet Mohammed zu Gott?
Der Prophet Muhammad kommunizierte mit Gott hauptsächlich durch Gebete, Bittgebete (Du'a) und die Empfangung der göttlichen Offenbarungen (Koran). Ein besonders bekanntes Beispiel für seine direkten Worte an Gott ist sein Bittgebet während der Verfolgung in Taif: „O mein Herr! Erbarme dich ihrer. Denn mein Volk ist unwissend. Sie wissen nicht, was sie getan haben.“ Dies zeigt seine unendliche Barmherzigkeit und sein Vertrauen in Gottes Gnade.
Warum ist Muhammad ein Vorbild für Muslime?
Muhammad gilt als Vorbild für Muslime, weil er die Botschaft des Korans perfekt in seinem Leben verkörperte. Seine Charaktereigenschaften wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Toleranz, Mitgefühl, Bescheidenheit und Geduld dienen als Ideal für das Verhalten in allen Lebensbereichen – sei es als Ehemann, Vater, Nachbar, Herrscher oder Freund. Er war ein lebendiger Koran.
Was ist die Kernaussage des Koran an Muhammad?
Die Kernaussage des Korans an Muhammad und durch ihn an die gesamte Menschheit ist der Glaube an den einen Gott (Tauhid), die Aufforderung zur Gerechtigkeit, zur Pflege hoher moralischer Werte, zur Toleranz und zur Barmherzigkeit. Die erste Offenbarung, „Lies!“, unterstreicht zudem die Bedeutung des Wissens und der Erkenntnis.
Wie förderte Muhammad Toleranz?
Muhammad förderte Toleranz durch seine Lehren und sein persönliches Beispiel. Er betonte, dass es im Glauben keinen Zwang gibt („Euch euer Glaube, mir mein Glaube.“) und behandelte Andersgläubige mit Respekt und Güte. Das Friedensabkommen von Medina ist ein herausragendes Beispiel für seine Fähigkeit, verschiedene Religionsgemeinschaften friedlich zu vereinen und zu koexistieren.
Was bedeutet die Hidschra?
Die Hidschra ist die Auswanderung des Propheten Muhammad und seiner Anhänger von Mekka nach Medina im Jahr 622 n. Chr. Sie markiert nicht nur einen Neuanfang für die muslimische Gemeinschaft und die Gründung des ersten islamischen Staates, sondern auch den Beginn der islamischen Zeitrechnung (Hijri-Kalender). Sie symbolisiert den Übergang von der Verfolgung zur Etablierung einer blühenden Gemeinschaft.
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