Wie kann ich meine Beziehung zu Gott stärken?

Gottes Erwählung und der universelle Ruf

04/04/2024

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Die Frage nach Gottes Erwählung und seinem allumfassenden Willen, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, gehört zu den tiefsten und zugleich herausforderndsten Themen im christlichen Glauben. Sie ist seit Jahrhunderten Gegenstand intensiver theologischer Debatten und ringt um das Verständnis der Beziehung zwischen Gottes souveränem Handeln und der Freiheit des Menschen. Für jeden Bibelleser, der sich ernsthaft mit der Heiligen Schrift auseinandersetzt, drängt sich diese Frage unweigerlich auf. Es handelt sich hierbei keineswegs um eine theologische Spitzfindigkeit oder eine Erfindung bestimmter Denker, sondern um ein zentrales Zeugnis der Bibel, das die Christenheit in ihrem Hauptstrom immer wieder zu ergründen versucht hat. Wer dem Wort Gottes treu sein will, kann dieser Thematik nicht ausweichen, denn sie ist untrennbar mit der Errettung durch Jesus Christus verbunden und somit keine Randfrage des Glaubens.

Warum muss der Gläubige sich mit der Erwählung beschäftigen?
A. Der Gläubige muss sich mit der Frage nach der Erwählung beschäftigen, weil sie unbestreitbar zum zentralen Zeugnis der Heiligen Schrift gehört. Die Christenheit hat darum gerungen, das Verhältnis von Freiheit des Menschen und Gottes souveränem Handeln zu beschreiben.
Inhaltsverzeichnis

Die biblische Grundlage der Erwählung Gottes

Die Heilige Schrift spricht an vielen Stellen von Gottes erwählendem Handeln. Es ist ein Akt seiner freien, unverdienten Gunst, der bereits vor Grundlegung der Welt gefasst wurde. Dieses Konzept kann für uns Menschen zunächst schwer zu fassen sein, da es unsere Vorstellungen von Gerechtigkeit und Fairness herausfordert. Doch die Bibel präsentiert es als eine Realität, die tief in Gottes Wesen verwurzelt ist.

Im Gleichnis vom großen Hochzeitsmahl macht Jesus deutlich: „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte“ (Matthäus 22,14). Dieser Vers unterstreicht, dass der Ruf Gottes zwar an alle ergeht, aber nur die Auserwählten letztlich in Ewigkeit errettet sind. Dies deutet auf eine göttliche Unterscheidung hin, die nicht auf menschlichen Verdiensten beruht.

Paulus beleuchtet in Römer 9,16-19 die Souveränität Gottes in der Erwählung, indem er schreibt: „So liegt es nun nicht an dem Wollenden, auch nicht an dem Laufenden, sondern an dem sich erbarmenden Gott. Denn die Schrift sagt zum Pharao: ‚Eben hierzu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir erzeige und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.‘ Also nun: wen er will, dessen erbarmt er sich, und wen er will, verhärtet er.“ Diese Passage, die sich nicht nur auf Israel bezieht, zeigt Gottes absolute Freiheit in seinem Handeln. Es ist seine Barmherzigkeit, die entscheidet, wem Gnade zuteilwird.

Noch deutlicher wird Gottes Vorsatz in Römer 8,28-33, wo Paulus die Kette der Errettung beschreibt: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind. Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und die er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.“ Hier wird klar, dass die Berufung, Rechtfertigung und Verherrlichung der Gläubigen Teil eines ewigen göttlichen Plans sind, der mit Gottes Vorkenntnis und Vorherbestimmung beginnt. Die Auserwählten dürfen somit voller Zuversicht auf ihre Errettung blicken.

Der erwählenende Wille Gottes ist laut Paulus sogar schon von Ewigkeit her am Werk (Epheser 1,3-6): „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus, wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe, und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten.“ Die Erwählung in Christus ist somit ein ewiger Beschluss Gottes, der seine Kinder zur Heiligkeit und zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt. Es ist entscheidend, dass diese Erwählung in Christus geschieht, da er das Herzstück von Gottes Heilsplan ist.

Doch Jesus selbst schränkt ein, wer zu ihm kommt: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen“ (Johannes 6,37). Und weiter: „Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben“ (Johannes 6,65). Dies zeigt, dass das Kommen zu Jesus, der Glaube selbst, ein Geschenk und eine Ziehung des Vaters ist. Die Errettung ist somit allein auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit zurückzuführen, wodurch jegliches menschliche Mitwirken ausgeschlossen wird. Epheser 2,8-9 fasst dies prägnant zusammen: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“ Selbst der Glaube, der die Gnade empfängt, ist ein Werk des Heiligen Geistes in uns.

Gottes universeller Liebeswille

Trotz der Lehre von der Erwählung bezeugt die Schrift unmissverständlich Gottes universellen Liebeswillen. Die Frage „Liebt Gott alle oder nur die Erwählten?“ wird durch die Bibel klar beantwortet. Johannes 3,16, einer der bekanntesten Verse der Bibel, proklamiert: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Die „Welt“ meint hier die gesamte Menschheit in ihrer Verlorenheit, nicht nur eine ausgewählte Gruppe. Gottes Liebe ist allumfassend und sein Angebot der Erlösung gilt jedem.

Diese Liebe erwartet jedoch eine Antwort: den Glauben. Römer 10,14 fragt: „Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie aber sollen sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber sollen sie hören ohne einen Prediger?“ Dies unterstreicht die Notwendigkeit der Evangeliumsverkündigung. Gott hat Boten seines Evangeliums ausgesandt, damit alle die Wahrheit erfahren können.

Paulus selbst sah seinen Dienst in diesem Licht (1. Timotheus 2,5-7): „Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit. Dafür bin ich eingesetzt worden als Herold und Apostel – ich sage die Wahrheit, ich lüge nicht – als Lehrer der Nationen in Glauben und Wahrheit.“ Die Botschaft von Christus als Lösegeld ist für alle bestimmt. Timotheus soll für alle Menschen beten, weil Gott „will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2,4). Er ist „ein Retter aller Menschen, besonders der Gläubigen“ (1. Timotheus 4,10), was bedeutet, dass seine Liebe und sein Erlösungsangebot allen vorangehen, auch wenn die Erlösung letztlich nur denen zuteilwird, die glauben.

Die Liebe Gottes ist nicht statisch, sondern dynamisch und zielt auf eine Antwort ab. 1. Johannes 4,9-10 erklärt: „Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden.“ Gottes Liebe ist die Initiative, doch sie strebt nach Erwiderung. Selbst die Aufforderung Jesu, unsere Feinde zu lieben, wird mit Gottes Beispiel begründet: „Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (Matthäus 5,45). Dies zeigt Gottes allgemeine Güte, die sich auf alle Menschen erstreckt, aber seine rettende Gnade hat ein tieferes Ziel: Sie will den Menschen aus seiner Abwendung von Gott herausführen. Römer 2,4 fragt eindringlich: „Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?“

Die Freiheit und Verantwortung des Menschen

Wenn Gott in seiner Liebe und Gnade alle zur Buße leitet, stellt sich die Frage nach der menschlichen Antwort und Verantwortung. Wer im Unglauben verharrt, wird trotz und wegen der Liebe Gottes gerichtet, denn er glaubt nicht an den Sohn Gottes, der zur Rettung gesandt wurde (Johannes 16,8). Ein solcher Mensch macht Gott zum Lügner (1. Johannes 1,10), indem er seine eigene Notwendigkeit der Rettung leugnet. Die Liebe Gottes fordert uns heraus, Stellung zu beziehen und Gott zu antworten.

Was ist beten und warum ist es so wichtig?
Beten hilft, Sprachlosigkeit und Angst zu überwinden und Trost in der Gegenwart Gottes zu finden. Wer sich bewusst macht, dass Gott ihn in seinen Händen hält, der kann Ruhe gewinnen und innerlich loslassen. In Psalm 50,15 sagt Gott nicht umsonst: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“

Der Hebräerbrief warnt eindringlich vor der Verstockung des Herzens (Hebräer 3,15-19): „Wenn gesagt wird: ‚Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung’, welche haben denn gehört und sich aufgelehnt? Waren es denn nicht alle, die durch Mose von Ägypten ausgezogen waren? Welchen aber zürnte er vierzig Jahre? Nicht denen, welche gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen? Welchen aber schwor er, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, wenn nicht denen, die ungehorsam gewesen waren? Und wir sehen, dass sie wegen des Unglaubens nicht hineingehen konnten.“ Dies zeigt, dass Unglaube und Ungehorsam Konsequenzen haben und der Mensch für seine Ablehnung verantwortlich ist.

Es ist ein fundamentaler biblischer Grundsatz: Kein Mensch wird gegen seinen Willen gerettet und in Gottes Reich kommen. Gott ruft den Menschen zur Umkehr und erwartet ein von Herzen kommendes „Ja“. Jesus selbst ruft: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15). Er klagt über Jerusalem, das er sammeln wollte, aber nicht wollte (Matthäus 23,37). Und doch ist die Annahme Jesu und die Wiedergeburt nicht rein menschlichen Willens: „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an; so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind“ (Johannes 1,11-13).

Das scheinbar Widersprüchliche löst sich in der Erkenntnis auf, dass Gott sowohl das Wollen als auch das Wirken in uns bewirkt. Paulus schreibt in Philipper 2,12-13: „Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht nur wie in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern! Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen.“ Die menschliche Freiheit ist somit eine von Gott gegebene Freiheit, keine absolute, im Menschen selbst wohnende Autonomie. Wahre Freiheit besteht darin, die von Gott gewirkte Möglichkeit der Errettung durch Jesus mit einem von Gott geschenkten Willen anzunehmen. Dies weicht stark vom allgemeinen Verständnis von Freiheit ab, das oft eine reine Auswahlmöglichkeit ohne tiefere Bedeutung meint. Die wahre Freiheit, die der Sohn Gottes schenkt, ist die Freiheit von der Sünde und zum Leben in der Wahrheit (Johannes 8,31-36).

Erwählung, Liebeswille und Freiheit: Eine vergleichende Betrachtung

Um das Zusammenspiel dieser tiefen biblischen Wahrheiten besser zu verstehen, hilft eine vergleichende Übersicht:

AspektGottes ErwählungGottes LiebeswilleMenschliche Freiheit/Verantwortung
QuelleSouveräner Beschluss Gottes vor Grundlegung der WeltGottes unveränderliches Wesen der LiebeGottgegebene Fähigkeit zur Antwort und Entscheidung
UmfangBezieht sich auf die Auserwählten zur RettungGilt der ganzen Menschheit, dem „Kosmos“Jeder Einzelne ist zur Antwort aufgefordert
ZweckZur Sohnschaft, Heiligkeit und zum Lob seiner GnadeDass alle gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommenGott zu lieben und Buße zu tun
Biblische ReferenzenEph 1,4; Röm 8,29-30; Joh 6,37.65; Mt 22,14Joh 3,16; 1Tim 2,4; 1Joh 4,9-10; Mt 5,45Mk 1,15; Heb 3,15-19; Joh 1,11-13; Phil 2,12
ParadoxonGott erwählt einige, ohne dass diese es verdienenGott liebt alle, aber nicht alle werden gerettetDer Mensch soll wollen, doch Gott wirkt das Wollen

Harmonie in scheinbarem Widerspruch

Der Gläubige kann aus diesem scheinbar widersprüchlichen Zeugnis der Schrift wichtige Folgerungen ziehen, ohne dabei Gottes Ratgeber werden zu müssen. Stattdessen führt es zu tieferer Anbetung Gottes.

  1. Gott als Richter und Retter: Der einzig wahre Gott ist absolut gerecht und voller Barmherzigkeit. Er tut, was Er will, und will doch gebeten werden. Er erwählt einige und liebt alle. Als dreieiniger Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist – ist Er ungeteilt, und es gibt keinen Widerspruch in Ihm. Es ist auch nicht so, dass Gott im Alten Testament zornig und im Neuen Testament liebend wäre, oder im AT erwählt und im NT alle ruft. Er ist in der Heilsgeschichte derselbe geblieben. Dass Gottes Erwählung und seine Liebe uns widersprüchlich erscheinen, liegt daran, dass beides zu Gottes unbegreiflichem Wesen gehört, das wir nicht vollständig erfassen können. Liebe ist nur Liebe, wenn sie frei von Zwang und äußeren Gründen ist. Die freie und unbegreifliche Liebe Gottes erfordert geradezu, dass Gott unbegreiflich erwählt und der Grund seiner Wahl nur in Ihm selbst liegt. Wenn wir den Grund seiner Liebe vollständig verstehen könnten, wäre es keine freie Liebe mehr, sondern Lohn. Dies wird an der Wahl Israels deutlich (5. Mose 7,6-8): „Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat der HERR sich euch zugeneigt und euch erwählt… sondern wegen der Liebe des HERRN zu euch.“
  2. Errettung aus dem Verlorensein: Manchmal wird Erwählung so missverstanden, als ob Gott von Ewigkeit her einige zum ewigen Verlorensein und andere zur Rettung bestimmt hätte. Dies entspricht nicht dem biblischen Zeugnis. Vielmehr ist es so, dass der sündige Mensch seine gottgegebene Freiheit stets dazu nutzt, sich gegen Gott zu entscheiden. Gott braucht niemanden zum Verlorensein bestimmen. Alle Menschen sind Sünder, und wenn Gott uns unserer Freiheit überlässt, bleiben wir Feinde Gottes. Die Menschen sind „tot in ihren Vergehungen und Sünden“ (Epheser 2,1). Aus all jenen, die zu Recht verurteilt sind und sich aus der Trennung von Gott nicht selbst befreien können, erwählt Gott einige, die dann trotz ihres verdrehten Herzens zum Glauben an Jesus finden und errettet werden.
  3. Erwählung und Evangelisation: Gottes Erwählung ist kein kalter, bürokratischer Akt, sondern beinhaltet, dass Gott sich Menschen offenbart, zu ihnen redet, um sie wirbt und selbst auf die Erde kommt. Zum Beschluss Gottes, durch Jesus Christus zu retten, gehört die Verkündigung seiner Liebesbotschaft vom Kreuz an alle. Teil der Erwählung Gottes ist die Evangelisation, der Ruf und die Bitte: „Lasst euch versöhnen mit Gott“ (2. Korinther 5,20). Die Frage, warum einige die Botschaft annehmen und andere sie ablehnen, obwohl sie dasselbe gehört haben, bleibt ein Mysterium, das wir letztlich nur mit „Weil Gott es so will!“ beantworten können. Denn Gott will die Ablehnung mit dem ewigen Tod bestrafen und will doch viele retten, die zum Glauben finden. Apostelgeschichte 13,48 bestätigt: „Als aber die aus den Nationen es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn; und es glaubten, so viele zum ewigen Leben verordnet waren.“
  4. Glaubensgewissheit und Anbetung: Die Lehre von der Erwählung führt zur Glaubensgewissheit. Wenn unsere Rettung von unserem Wollen oder Laufen abhinge, bliebe sie ungewiss. Niemand, der sich heute „für Jesus entschieden hat“, kann sich allein auf diese Entscheidung verlassen. Glaubensgewissheit gibt es nur, wenn Gottes Wollen und Ziehen uns gerettet hat. Diese Botschaft stellt uns vor den allmächtigen und barmherzigen Gott. Je mehr wir uns damit anhand der Schrift befassen, desto mehr werden wir zur Anbetung getrieben. Denn Gottes Handeln ist voller Weisheit und Erkenntnis, die unsere weit übersteigt (Römer 11,33-36): „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm vorher gegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm hin sind alle Dinge! Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“

Der universelle Missionsauftrag

Die Erkenntnis von Gottes Erwählung und Liebeswillen führt nicht zur Passivität, sondern zur Dringlichkeit des Missionsauftrags. „Denn so hat uns der Herr geboten: Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, damit du zum Heil seiest bis an das Ende der Erde“ (Apostelgeschichte 13,47). Als der Herr zu seinen Jüngern sagte: „Geht nun hin“ (Matthäus 28,19), war dieser Befehl unmissverständlich klar. Die Botschaft musste raus! Dieser Auftrag galt nicht nur den Jüngern damals, sondern gilt bis heute – jedem Gläubigen. Wir alle sind gefordert, das Wort vom Kreuz weiterzugeben und wie Lichter, die das Wort des Lebens darstellen, in dieser Welt zu scheinen (Philipper 2,15). Auch wenn nicht jeder die Gabe eines Evangelisten hat oder zum vollzeitlichen Dienst im Ausland berufen ist, dürfen wir dort, wo Gott uns hinstellt, von unserem Herrn zeugen.

Der Herr Jesus hat diesen Sendungsauftrag in allen vier Evangelien und der Apostelgeschichte formuliert. Es ist ein Missverständnis zu glauben, dass dieser Auftrag nur für besonders begabte Missionare oder Evangelisten gelte, während der normale Christ sich hinter seinem Berufs- und Haushaltsalltag verstecken kann. In Wahrheit ergeht der Missionsbefehl an alle, die der Herr errettet hat. Jeder Christ ist im erweiterten Sinne ein Evangelist und trägt Verantwortung für das Seelenheil seiner Mitmenschen in seinem Umfeld.

Der Missionsbefehl wird in fünf wichtigen Bibelstellen mit unterschiedlichen Schwerpunkten vorgestellt:

  1. Gesandte an Christi statt (Johannes 20,21): „Jesus sprach nun wiederum zu ihnen: Friede euch! Wie der Vater mich ausgesandt hat, sende auch ich euch.“ Hier wird betont, dass wir Gesandte sind, die in diese Welt gesandt wurden, um den Vater zu verkündigen. Wir sind hochoffizielle Botschafter des Schöpfers: „So sind wir nun Gesandte an Christi statt“ (2. Korinther 5,20).
  2. Kraft durch den Heiligen Geist (Apostelgeschichte 1,8): „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“ Lukas betont die übernatürliche Kraft, die nötig ist, um das Evangelium zu verkündigen. Dieser Auftrag kann nicht in eigener Stärke ausgeführt werden, sondern erfordert die Ausrüstung von oben durch den Heiligen Geist.
  3. Die ganze Welt ist das Missionsfeld (Markus 16,15): „Er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung.“ Markus legt den Fokus auf die Reichweite: Jeder Mensch, ohne Ausnahme, soll die Botschaft vom Kreuz hören, vom entlegensten Dorf bis zum Nachbarn nebenan. Titus 2,11 bestätigt: „Die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen.“
  4. Der Inhalt der Predigt: Buße und Vergebung (Lukas 24,46-48): „Er sprach zu ihnen: So steht geschrieben, dass der Christus leiden und am dritten Tag auferstehen sollte aus den Toten und in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden sollten allen Nationen, angefangen von Jerusalem. Ihr aber seid Zeugen hiervon.“ Lukas betont den Inhalt: die Menschen müssen sich als Sünder erkennen, Buße tun und Vergebung der Sünden durch Christus empfangen. Dies ist die notwendige, wenn auch nicht immer angenehme Botschaft.
  5. Jünger machen, nicht nur Bekehrte (Matthäus 28,18-19): „Jesus trat herzu und redete zu ihnen und sprach: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern.“ Matthäus betont die Aufgabe, nicht nur Errettete zu gewinnen, sondern sie zu Jüngern zu machen. Es geht um Nacharbeit und Befestigung in der Nachfolge. Der Herr sucht treue Jünger, die in der ganzen Lehre Gottes und Jesu heranwachsen (Römer 1,15; 3. Johannes 4).

Der Herr meint jeden einzelnen Gläubigen, wenn Er sagt: „Ihr seid meine Zeugen“ (Apostelgeschichte 1,8). Es spielt keine Rolle, ob wir „in Jerusalem“ oder am Ende der Erde arbeiten. Lasst uns seinen Auftrag – seinen Herzenswunsch – erfüllen!

Häufig gestellte Fragen zur Erwählung und Evangelisation

Ist Gottes Erwählung ungerecht?
Nein, Gottes Erwählung ist nicht ungerecht. Da alle Menschen von Natur aus Sünder und von Gott getrennt sind, verdient niemand die Errettung. Wenn Gott einige erwählt und rettet, ist dies ein Akt seiner souveränen Gnade und Barmherzigkeit, nicht der Ungerechtigkeit. Diejenigen, die nicht erwählt werden, erhalten lediglich das, was sie verdienen – die gerechte Strafe für ihre Sünden. Gott ist gerecht in seinem Gericht und barmherzig in seiner Erwählung.

Wenn Gott schon erwählt hat, warum dann noch evangelisieren?Die Evangelisation ist Teil von Gottes Plan der Erwählung. Gott erwählt nicht nur das Ziel (die Errettung), sondern auch die Mittel dazu (die Verkündigung des Evangeliums). Die Botschaft des Evangeliums ist das Mittel, durch das Gott die Erwählten ruft und zum Glauben bringt. Wir wissen nicht, wer erwählt ist, daher müssen wir die Botschaft allen verkünden, da Gottes Liebeswille sich auf alle Menschen erstreckt und er will, dass alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Unsere Aufgabe ist es, zu säen, das Wachstum gibt Gott.

Schränkt die Lehre von der Erwählung die menschliche Freiheit ein?
Die biblische Lehre von der Erwählung versteht die menschliche Freiheit anders als die säkulare Welt. Der Mensch ist in seiner gefallenen Natur nicht frei, sich für Gott zu entscheiden, da er tot in Sünden ist und seine Natur sich gegen Gott auflehnt. Die von Gott gewirkte Freiheit ist die Befreiung von dieser Knechtschaft der Sünde, die es dem Menschen ermöglicht, auf Gottes Ruf zu antworten und das Heil anzunehmen. Es ist keine Freiheit, die Gott zwingt, sondern eine, die Gott schenkt und wirkt.

Führt die Beschäftigung mit der Erwählung zu Stolz oder Passivität?
Wenn die Lehre von der Erwählung richtig verstanden wird, sollte sie weder zu Stolz noch zu Passivität führen. Stolz wäre unangebracht, da die Erwählung allein auf Gottes Gnade beruht und nicht auf menschlichem Verdienst. Passivität wäre ein Widerspruch zu Gottes Befehl, das Evangelium zu verkünden, und zu seiner Liebe für alle Menschen. Stattdessen sollte die Erwählung zu tiefer Demut, Dankbarkeit und einer brennenden Leidenschaft für die Mission führen, da wir die unverdiente Gnade Gottes erfahren haben und sie mit anderen teilen möchten. Es führt zu einer tiefen Anbetung des souveränen Gottes.

Die Auseinandersetzung mit Gottes Erwählung und seinem universellen Liebeswillen ist eine Reise in die Tiefe von Gottes Wesen. Es mag scheinbare Widersprüche geben, die unser begrenzter Verstand nicht vollständig auflösen kann. Doch gerade in dieser Spannung offenbart sich die unermessliche Weisheit und Größe Gottes. Es ist eine Lehre, die zur Demut führt, zur unerschütterlichen Gewissheit der Errettung und zu einer leidenschaftlichen Berufung, das Evangelium in die ganze Welt zu tragen. Indem wir uns diesen Wahrheiten stellen, werden wir nicht nur intellektuell bereichert, sondern tief in unserem Glauben gefestigt und zur Anbetung des Herrn getrieben, der aus sich selbst heraus liebt, erwählt und rettet.

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