Wie oft sollte man die Kaaba besuchen?

Die Kaaba: Zentrum Islamischer Einheit

14/07/2021

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Viele Menschen außerhalb des Islams hegen ein großes Missverständnis: Sie glauben, Muslime würden die Kaaba in Mekka anbeten. Doch diese Annahme ist grundlegend falsch. Die Kaaba, wörtlich übersetzt „Würfel“, ist zwar die heiligste Stätte der muslimischen Welt und der zentrale Punkt, auf den sich Hunderte von Millionen Muslime täglich im Gebet ausrichten. Sie ist jedoch kein Objekt der Verehrung, sondern ein symbolisches „Haus Gottes“ und ein Brennpunkt der Einheit und Ausrichtung für die globale muslimische Gemeinschaft. Ihre Bedeutung liegt in ihrer Rolle als Qibla – der Gebetsrichtung – und als Verkörperung tiefgreifender spiritueller und menschlicher Werte, die weit über ihre physische Form hinausgehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Kaaba?

Die Kaaba ist ein beeindruckendes, würfelförmiges Gebäude, das sich im Herzen der Großen Moschee (Al-Masdschid al-Harām) in Mekka, Saudi-Arabien, befindet. Mit einer Höhe von etwa 13,10 Metern und einer Grundfläche von 11,03 x 12,62 Metern erhebt sie sich auf einem 25 cm hohen Marmorsockel, der 30 cm hervorsteht. Ihre äußere Erscheinung ist geprägt durch die Kiswa, ein prächtiges, schwarzes Brokatgewand, das mit goldbestickter Kalligraphie koranischer Verse verziert ist und jährlich erneuert wird.

Die Kaaba besitzt vier charakteristische Ecken: die Schwarze Ecke (ar-rukn al-aswad) im Osten, wo der berühmte Schwarze Stein auf etwa 1,5 Metern Höhe angebracht ist und von dem aus die rituelle Umrundung (Tawāf) beginnt. Des Weiteren gibt es die irakische Ecke (ar-rukn al-ʿirāqī) im Norden, die levantinische Ecke (ar-rukn aš-šāmī) im Westen und die jemenitische (südliche) Ecke (ar-rukn al-yamānī).

Der Eingang zur Kaaba befindet sich an der Nord-Ost-Wand, auf zwei Metern Höhe, und wird mittels einer beweglichen Holztreppe erreicht. Das Innere der Kaaba ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich und wird nur zweimal im Jahr für eine spezielle Reinigungszeremonie geöffnet. Im Inneren stützen drei Säulen die Decke, und ein kleiner Raum wird als „Buße-Raum“ bezeichnet. Die Wände sind bis zur halben Höhe mit Marmor verkleidet, der mit Duftöl parfümiert wird, und mit Koraninschriften versehen. Der obere Teil der Wände ist mit einem grünen Tuch bedeckt, das ebenfalls mit goldgestickten Koranversen geschmückt ist.

Gegenüber der Nord-Ost-Wand der Kaaba liegt die Abrahamstätte (Maqām Ibrāhīm), ein Felsen, den Abraham angeblich bestieg, um am Bau der Kaaba mitzuwirken. Dieser Felsen wird heute von einem goldfarbenen, sechsseitigen Gitterschrein umschlossen. Eine halbkreisförmige, weiße Marmormauer, der Hatīm, befindet sich gegenüber der Nordwestwand. Der Raum zwischen dem Hatīm und der Kaaba, bekannt als Hidschr, gilt als integraler Bestandteil der Kaaba und wird während des Tawāf nicht betreten. Hier sollen die Gräber von Ismael und seiner Mutter Hagar liegen, und hier ergießt sich auch die Regenrinne (mīzāb) der Kaaba.

Die Kaaba: Ein Symbol, keine Gottheit

Es ist ein zentraler Pfeiler des islamischen Glaubens, dass die Kaaba selbst nicht angebetet wird. Der Koran macht dies unmissverständlich klar: „Wende dein Gesicht in Richtung auf die unverletzliche Moschee (Kaaba). Und wo immer ihr seid, wendet euer Gesicht in Richtung auf sie“ (Sure 2, Vers 144). Diese Anweisung betont die Funktion der Kaaba als Qibla, die einheitliche Gebetsrichtung, die Muslime weltweit miteinander verbindet und ihre spirituelle Ausrichtung auf den einen Gott symbolisiert. Die Kaaba ist somit ein Orientierungspunkt, der die Einheit der Umma, der globalen muslimischen Gemeinschaft, im Gebet manifestiert. Die Verehrung gilt ausschließlich Allah, dem einzigen Gott.

Die tiefe Symbolik des Hauses Gottes

Die Kaaba wird als das erste Haus betrachtet, in dem der eine Gott verehrt wurde. Islamischen Überlieferungen zufolge wurde sie ursprünglich von Adam als Replik des himmlischen Hauses Gottes errichtet, um das die Engel wandeln. „Siehe, das erste für die Menschheit errichtete Haus war das in Mekka – gesegnet und eine Leitung für alle Welt. Wo es klare Zeichen gibt.“ (Sure 3, Vers 96).

Die Hinwendung zur Kaaba, symbolisch als „Haus“ (arabisch: Beyt) verstanden, vermittelt den Muslimen tiefgründige Werte, die über die reine Gebetsrichtung hinausgehen. Das „Haus“ symbolisiert den Beginn der menschlichen Zivilisation und steht für fundamentale Aspekte des menschlichen Lebens: Familie, die Beziehung zwischen Mann und Frau, Harmonie, Erholung, Ehe, Kinder, Mutter und Vater. Die Umrundung (Tawāf) und die Ausrichtung nach der Kaaba sind Rituale, die diese wesentlichen Werte im Bewusstsein der Gläubigen wachrufen und vertiefen sollen. Ein Leben ohne ein „Haus“ in diesem symbolischen Sinne wird im Islam oft als ein tierisches Leben betrachtet, das der menschlichen Würde und den sozialen Bindungen entbehrt.

Riten und ihre Bedeutung

Die Kaaba ist das zentrale Heiligtum, um das sich wichtige islamische Riten drehen:

  • Der Tawāf: Dies ist die rituelle Umrundung der Kaaba, die siebenmal gegen den Uhrzeigersinn erfolgt. Sie ist ein obligatorischer Bestandteil der großen Wallfahrt (Haddsch) und der kleinen Wallfahrt (Umra). Während des Tawāf preisen die Pilger Allah. Dieses wiederholte Umkreisen soll die grundlegenden Werte, die das „Haus“ symbolisiert, immer wieder ins Bewusstsein rufen und erhöhen.
  • Die Qibla: Bei jedem Gebet müssen sich Muslime nach der Kaaba ausrichten. Diese Gebetsrichtung, die Qibla, ist in Moscheen üblicherweise durch den Mihrāb (Gebetsnische) hervorgehoben. Es genügt jedoch für die meisten Muslime, sich beim Gebet nur ungefähr nach der Kaaba auszurichten. Ein Hadith von ʿAbdallāh ibn ʿAbbās erklärt, dass die Kaaba die Qibla für die Gläubigen in der Heiligen Moschee ist, die Heilige Moschee die Qibla für die im Haram von Mekka, und der Haram von Mekka die Qibla für die übrigen Muslime weltweit.
  • Die Wallfahrten (Haddsch und Umra): Die Kaaba ist das ultimative Ziel dieser Pilgerreisen. Der Haddsch ist eine der fünf Säulen des Islam und eine Pflicht, die jeder Muslim einmal im Leben erfüllen sollte, sofern er dazu physisch und finanziell in der Lage ist. Millionen Gläubige besuchen die Kaaba jedes Jahr.
  • Das Betrachten der Kaaba (an-naẓr ilā l-Kaʿba): Auch das einfache Betrachten der Kaaba wird im Islam als gottesdienstliche Übung (ʿibāda) angesehen, was ihre tiefe spirituelle Bedeutung unterstreicht.

Ein Blick ins Innere: Die Reinigungszeremonie

Das Innere der Kaaba ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nur zweimal im Jahr wird das Gebäude für eine besondere Zeremonie geöffnet, die als Reinigung der Kaaba bekannt ist. Diese findet etwa 15 Tage vor Beginn des Ramadans und nochmals vor Beginn der jährlichen Pilgerreise (Haddsch) statt. Die Schlüssel zur Kaaba werden traditionell von Angehörigen des Stammes Banū Schaiba aufbewahrt. Eine kleine Anzahl von Würdenträgern und Diplomaten wird zu dieser Zeremonie eingeladen. Hierbei wird der Raum mit Besen gereinigt und anschließend mit einer Mischung aus Zamzam-Wasser und Rosenwasser gewaschen, was die Ehrfurcht und Heiligkeit des Ortes weiter betont.

Historische Wurzeln: Die Ursprünge der Kaaba

Die Geschichte der Kaaba ist tief in der islamischen Überlieferung verankert und reicht bis zu den Anfängen der Menschheit zurück.

Der Abraham-Ismael-Zyklus

Schon in den frühesten mekkanischen Suren des Korans wird die Kaaba als ein abrahamitisches Heiligtum dargestellt. Es wird berichtet, dass Gott einst Abraham beauftragte, dieses Haus für diejenigen zu reinigen, die dort Gebetsübungen und den Umlauf vollziehen wollten, und die Menschen zur Wallfahrt zur Kaaba aufzufordern (Sure 22, Verse 26-27). Eine spätere koranische Aussage aus medinischer Zeit (Sure 2, Vers 127) besagt, dass Abraham die Grundmauern des „Hauses“ zusammen mit seinem Sohn Ismael errichtete. Diese koranischen Aussagen bilden die Grundlage für einen umfangreichen islamischen Legendenzyklus über Abrahams und Ismaels Erbauung der Kaaba. Eine Überlieferung, die ʿAlī ibn Abī Tālib zugeschrieben wird, besagt, dass es die Sakīna (göttliche Ruhe/Gegenwart) war, die Abraham nach Mekka führte, als er nicht wusste, wo er das neue Heiligtum errichten sollte. Der von Abraham an der Kaaba gestiftete Kult soll ursprünglich monotheistisch gewesen sein. Erst viele Generationen später, so wird erzählt, habe ʿAmr ibn Luhaiy aus dem arabischen Stamm der Chuzāʿa die Araber zum Götzendienst verführt.

Die Kaaba als Ausgangspunkt der Schöpfung

Eine weitere tiefgehende islamische Vorstellung verbindet die Kaaba mit dem Ursprung der Schöpfung. Eine koranische Passage (Sure 3, Vers 96) besagt, dass „das Haus“ in Mekka das erste war, das für die Menschen errichtet wurde. Dies führte zur Vorstellung, dass die Kaaba der Ursprung und Ausgangspunkt der Schöpfung ist, gestützt auf verschiedene Überlieferungen von Prophetengefährten. Eine populäre Version, überliefert im Namen des Koranexegeten ʿAbdallāh ibn ʿAbbās, besagt: „Das Haus mit seinen vier Ecken wurde 2000 Jahre, bevor die Welt erschaffen wurde, auf das Wasser gesetzt. Sodann wurde die Erde unter ihr ausgebreitet.“

Nachdem dieser ursprüngliche Bau zerfallen war, soll Adam die Kaaba an derselben Stelle wiedererrichtet haben. Nach einem weiteren Zerfall und der großen Sintflut beauftragte Gott den Propheten Abraham, an derselben Stelle ein Gotteshaus zu errichten. Sein Sohn Ismael soll dabei geholfen haben, die Steine herbeizuschaffen und eine Mauer von neun Ellen Höhe zu errichten. Es entstand ein Geviert als dachlose Einfriedung, deren Ecken in den Himmelsrichtungen lagen. Die Wände waren nicht verputzt, sondern nur lose aufeinandergesetzt. Als Abraham seinen Sohn bat, einen besonders markanten Stein zu suchen, soll der Erzengel Gabriel den funkelnden Meteoriten, den Schwarzen Stein, herbeigebracht haben, der bis heute in der Kaaba eingelassen ist und durch unzählige Berührungen schwarz gefärbt wurde.

Häufig gestellte Fragen zur Kaaba

Wird die Kaaba von Muslimen angebetet?
Nein, die Kaaba wird nicht angebetet. Muslime beten ausschließlich Allah an. Die Kaaba dient als Qibla, die einheitliche Gebetsrichtung, die die weltweite muslimische Gemeinschaft verbindet.
Warum ist die Kaaba schwarz?
Die Kaaba ist mit der Kiswa bedeckt, einem schwarzen Brokatgewand, das mit goldbestickten Koranversen verziert ist. Dieses Gewand wird jährlich erneuert und verleiht ihr ihr charakteristisches Aussehen.
Wie oft sollte ein Muslim die Kaaba besuchen?
Jeder Muslim sollte die Kaaba im Rahmen der großen Wallfahrt (Haddsch) mindestens einmal im Leben besuchen, sofern er dazu körperlich und finanziell in der Lage ist. Dies ist eine der fünf Säulen des Islam.
Wer hat die Kaaba gebaut?
Nach islamischer Überlieferung wurde die Kaaba ursprünglich von Adam gebaut. Später wurde sie von Prophet Abraham und seinem Sohn Ismael wieder aufgebaut.
Was ist der Schwarze Stein in der Kaaba?
Der Schwarze Stein (al-Hajar al-Aswad) ist ein Meteorit, der in die Schwarze Ecke der Kaaba eingelassen ist. Er ist ein wichtiger Bestandteil des Tawāf-Rituals, da die Umrundung von hier aus beginnt. Er wird nicht angebetet, sondern als heiliges Relikt verehrt.

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