Was ist der Glaube?

Die verborgenen Geschichten: Jesus, Maria & Apostel

19/06/2025

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Die Essenz des frühen christlichen Glaubens, wie sie Paulus formulierte, war klar und prägnant: Christus starb für unsere Sünden, wurde begraben und am dritten Tag auferweckt. Dieses Bekenntnis bildete das Fundament der Hoffnung auf Erlösung und ewiges Leben und prägte die Lebensbeschreibungen der Evangelisten. Ihr Blick war nahezu ausschließlich auf Jesus als Lehrer, Wundertäter und Erlöser gerichtet. Doch dieser Fokus, so zentral er für die Botschaft war, ließ viele Fragen offen. Die Gläubigen verlangten nach mehr Details, nach Geschichten, die die Lücken in den Lebensläufen von Jesus, seiner Mutter Maria und den Aposteln füllten. Dieser unstillbare Wissensdurst führte zur Entstehung einer Fülle neuer Erzählungen, die heute als apokryphe Texte bekannt sind und das Bild der bedeutendsten Gestalten im frühen Christentum maßgeblich erweiterten und prägten.

Was sind die Evangelien?
Als Evangelien gelten die am Beginn des Neuen Testaments (NT) stehenden vier Bücher. Sie berichten über das Wirken Jesu und entstanden mehrere Jahrzehnte nach dem Wirken Jesu. Nach allgemeinem Konsens der Bibelwissenschaftler ist die ursprüngliche Sprache aller vier neutestamentlichen Evangelien das Griechische.

Die ursprünglichen Evangelien boten nur spärliche Informationen über die Kindheit und Jugend Jesu, über das Leben Marias oder die Taten der Apostel abseits ihrer Begegnungen mit Jesus. Dies erzeugte eine tiefe Sehnsucht nach umfassenderen Berichten. Jeder Schritt Jesu, jeder Erfolg der Missionare schien von Bedeutung, um die Kraft und Legitimität des neuen Gottesreiches zu beweisen. So fanden sich ab der Mitte des zweiten Jahrhunderts willige Autoren, die diesen Bedarf erkannten und neue Erzählungen schufen.

Inhaltsverzeichnis

Die Kindheit Jesu in den apokryphen Evangelien

Die sogenannten apokryphen Evangelien begannen, die biographischen Lücken um Jesus zu schließen, insbesondere seine Kindheit und Jugend. Sie verwandelten den sanften Lehrer, der das Ziehen der Waffe verbot, in einen mächtigen Herrn, der bereits als Kind nach Belieben belohnte und strafte, um seine gottgewollte Macht zu demonstrieren. Diese Texte boten detailreiche, oft fantastische Geschichten, die den Glauben der Gläubigen nährten und ihre Neugier befriedigten.

Ein Beispiel hierfür ist die Flucht nach Ägypten, die in diesen neuen Evangelien mit außergewöhnlichen Begebenheiten ausgeschmückt wird. So wird berichtet, das Neugeborene habe mit gefährlichen Drachen gespielt, sich von Löwen huldigen lassen und Panther als Kundschafter für die Karawane befehligt. Eine besonders anrührende Geschichte erzählt, wie die erschöpfte Maria unter einer Palme Schatten suchte und nach den unerreichbaren Früchten griff. Jesus, noch ein Kind, befahl dem Baum, sich zu neigen, woraufhin die Palme gehorchte und ihre Krone zu Marias Füßen beugte, bis alle gesättigt waren. Nach ihrer Wiederaufrichtung erschien ein Engel, pflückte einen Zweig und pflanzte ihn in den Garten des Paradieses – eine Szene, die spätere Künstler immer wieder aufgriffen.

Die Erhebung Marias: Von der Mutter zur Himmelskönigin

Mit diesen neuen Erzählungen trat auch die Mutter Jesu, Maria, aus dem Schatten ihres Sohnes hervor und erhielt ein eigenes, anrührendes Profil. Ein Schlüsseldokument hierfür ist das um 150 verfasste Protoevangelium des Jakobus, dessen Autor sich als Jakobus, der Bruder Jesu, ausgab, um Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Es pries Maria als eine bereits vor ihrer Empfängnis von Gott auserwählte Frau.

Marias Leben vor der Geburt Jesu

Das Jakobusevangelium schildert Marias Geburt als Kind der bis dahin kinderlosen Joachim und Anna, ihr Aufwachsen in klösterlicher Abgeschiedenheit und ihre Übergabe an den Tempel als Zwölfjährige. Es beschreibt ihre Heirat mit Joseph, einem alten Witwer, als eine Scheinehe, die die Jungfräulichkeit Marias bewahren sollte, bevor sie ihren von Gott gezeugten Sohn gebar. Diese Erzählung schmückte die Umstände der Geburt, von denen Lukas nur kurz berichtet hatte, mit allen erdenklichen Details aus:

  • Das Erscheinen von zwei Ammen.
  • Lichtspiele in der Höhle, die Neugierige anzogen.
  • Erste Wunder des Säuglings.

Zentral war jedoch der "medizinische Beweis" der jungfräulichen Geburt. Diese Diskretion wurde in dieser Frage nicht als angebracht angesehen, da die Botschaft der göttlichen Natur Jesu unmissverständlich sein musste. Es ging darum, die Vorwürfe jüdischer und heidnischer Gegner zu entkräften, Jesus sei der Sohn einer Hure oder ein Scharlatan. Indem bewiesen wurde, dass im Stall von Bethlehem ein von Gott Auserwählter geboren worden war, sollten alle Zweifel beseitigt werden.

Marias Leben nach Jesu Tod und ihre Himmelfahrt

Doch eine entscheidende Frage blieb offen: Wie hatte Maria nach dem Tod ihres Sohnes gelebt und war sie ohne Sünde gestorben? Diese Frage beantwortete lange niemand. Erst im fünften Jahrhundert änderte sich dies mit Texten wie dem des fiktiven Melito, Bischof von Sardes, der behauptete, die ganze Wahrheit über Maria von Johannes, dem Apostel, dem Jesus seine Mutter anvertraut hatte, erfahren zu haben.

Diese Texte über den „Heimgang der Jungfrau Maria“ brachen mit der Zurückhaltung und schilderten detailliert Marias Tod und ihre Himmelfahrt. Sie begannen mit der Szene unter dem Kreuz, beschrieben Marias Umgang mit den Jüngern, ihren Tod umringt von den Aposteln und das Schicksal ihres Leibes. Der Höhepunkt war die Auferweckung Marias durch ihren Sohn und ihre Entrückung ins Paradies, geleitet von Engelschören. Damit war Maria der von Gott beschlossene Schritt in den Himmel gelungen, und ihre Verehrer konnten sie nun im Himmel an der Seite ihres göttlichen Sohnes wissen. Ab dem 11. Jahrhundert herrschte sie dort als Königin, gekrönt von ihm. Der Hymnus „Salve Regina“, der sie als „Mutter der Barmherzigkeit“ anruft und in der 6. Strophe Maria als „mächtige Fürsprecherin“ und „Mittlerin“ bei Gott bezeichnet, wurde zum Allgemeingut. Diese Rolle der Mittlerin spielte sie für alle, unabhängig von Stand oder Herkunft.

Diese Entwicklung stand in einem gewissen Spannungsfeld zur ursprünglichen Theologie. Der Glaube an den auferstandenen Christus ließ keine Verehrung einer Göttin zu, und die Erlösung war untrennbar mit der Tat des männlichen Gottessohnes verbunden. Jahwe hatte die Verehrung anderer Gottheiten, insbesondere weiblicher, untersagt. Dennoch setzte sich die Marienverehrung, die den Sehnsüchten der Gläubigen entsprang, in der offiziellen Liturgie durch. Während sich die an der griechischen Philosophie geschulten Kirchenväter in theologische Debatten über die göttliche Natur Jesu vertieften, wandte sich das einfache Volk der Mutter zu und suchte bei ihr Trost, Heilung und Gnade, ähnlich wie sie es zuvor bei heidnischen Muttergottheiten getan hatten. Auf dem Konzil von Ephesos (431) wurde Maria schließlich der Ehrentitel Gottesgebärerin verliehen und ihre Rolle als Mittlerin anerkannt.

Die Apostel als Helden der Heilsgeschichte

Neben Jesus und Maria wuchs auch das Interesse an den Taten der Apostel. Diese Randfiguren der Evangelien traten nun aus dem Schatten Jesu und beanspruchten einen eigenen Platz in der Heilsgeschichte. Im 2. und 3. Jahrhundert entstanden fünf große Apostelakten – die Johannes-, Petrus-, Paulus-, Andreas- und Thomasakten. Diese Texte verwandelten meist nur namentlich bekannte Figuren in erfolgreiche Missionare, die die Meere befuhren, Gemeinden gründeten, gewaltige Wunder vollbrachten, asketisch lebten und als Märtyrer starben. Sie dienten sowohl der Erbauung als auch der Unterhaltung.

Die Abenteuer des Apostels Thomas

Ein herausragendes Beispiel ist der Apostel Thomas. Obwohl er in den kanonischen Evangelien wegen seiner Zweifel an der Auferstehung gescholten wird, liebten ihn die Gläubigen wegen seiner im 3. Jahrhundert verfassten „Thomas-Akten“. Diese machten ihn zu einem Abenteurer im Dienste Gottes. Sie führten ihn nach Indien, wo er im Auftrag des Königs Gundafor einen Palast bauen sollte. Eine seiner bekanntesten Geschichten erzählt, wie er bei der Hochzeit der Königstochter von einem Weinschenk geohrfeigt wird. Als der Täter das Haus verlässt, wird er von einem Löwen zerfleischt, und ein Hund bringt dessen Hand, die Thomas geschlagen hatte, vor die staunende Festgesellschaft – ein beeindruckendes Wunder.

In Indien vollbrachte Thomas unzählige Heldentaten: Er trieb Dämonen aus, brachte Esel zum Sprechen, erschlug Drachen, sprengte Kerker, erweckte Tote zum Leben und taufte Unzählige. Als König Gundafor ihn beauftragte, ein prächtiges Schloss zu bauen, unterschlug Thomas das Baugeld und verteilte es unter den Notleidenden, da er dem König einen Palast im Himmel baute. Diese Geschichte, die Thomas ins Gefängnis brachte, aber durch ein himmlisches Palais gerettet wurde, zeigt die Verschmelzung von Wundertaten und moralischer Lehre. Am Ende stirbt Thomas als Märtyrer, seine Henker bekehren sich, und selbst nach seinem Tod heilt Staub aus seinem Grab den besessenen Sohn des Königs, was zur Taufe des gesamten Hofstaates führt. Die Beliebtheit des Thomas und seiner Abenteuer zeigt sich in zahlreichen Gedenkorten, wie der Darstellung auf der Porte des Bleds der Kathedrale im burgundischen Semur.

Petrus: Der Fels und sein Kampf gegen das Böse

Die bedeutendste Gestalt in den Evangelien ist zweifellos Petrus, der sich als Erster Jesus anschloss. Schon die Apostelgeschichte des Lukas umgab ihn mit Wundergeschichten, wie seine wundersame Befreiung aus dem Kerker. Doch der geringe Umfang der Nachrichten über seine Missionstätigkeit wurde dem „ersten der Apostel“ nicht gerecht. Seine Autorität war immens: Er war der Sprecher der Gefolgschaft Jesu, hatte als Erster den Auferstandenen gesehen, führte die Gemeinde in Jerusalem, predigte in Rom und starb dort als Märtyrer. Es schien daher zwingend, sein wundersames Leben weiter zu erforschen und ihn zum Helden des christlichen Sieges über alle Widersacher zu machen.

Anfang des 3. Jahrhunderts entstanden die „Petrus-Akten“, die von einzigartigen Taten berichteten, die die Macht Gottes und seiner Helfer bezeugten. Ein zentraler Bestandteil dieser Akten ist der Kampf des Heiligen Petrus mit dem Magier Simon Magus in den Straßen Roms. Simon, bereits aus der Apostelgeschichte bekannt, wo er die Vollmacht des Heiligen Geistes kaufen wollte, taucht hier als Freund Neros auf, der Zwietracht in der christlichen Gemeinde stiftet und viele zum Abfall nötigt. Christus befiehlt Petrus, das Treiben des Gauklers zu beenden.

Der Kampf beginnt mit einem aufsehenerregenden Wunder: Ein Hund fordert Simon mit der Stimme des Petrus zum Duell. Simon nimmt an, und es beginnt ein Kräftemessen, bei dem es um die Vorherrschaft in Rom geht. Petrus fordert Simon auf, ein Wunder zu vollbringen, das er zunichtemachen will. Als Simon einen Sklaven tötet und Petrus ihn wieder zum Leben erweckt, ist das Volk überzeugt: „Es gibt nur einen Gott, nur den einen Gott des Petrus!“ Massenbekehrungen folgen, und Petrus wird „wie ein Gott“ verehrt.

Doch Simon ist nicht besiegt. Er rüstet sich zum größten aller Wunder: der Himmelfahrt. Siegessicher fliegt er über Rom, bejubelt von den Massen. Petrus erfleht die Hilfe des Himmels, und Christus erhört ihn: Simon stürzt zu Boden und bricht sich die Beine. Das Mittelalter liebte dieses Drama um besiegte Dämonen, Totenbeschwörungen und Luftkämpfe, da es die Lehre lebendig machte, dass kein Zauber stärker ist als die Anrufung Gottes durch seine Diener.

Petrus’ Verrat und der „Quo Vadis“ Moment

Trotz all dieser heldenhaften Taten blieb Petrus’ Verrat an Jesus in den Mythen präsent. Die Erinnerung daran beflügelte die Fantasie der Autoren. So ließen sie beide noch einmal aufeinandertreffen: Auf der Via Appia sieht Petrus auf der Flucht vor Neros Schergen Jesus, der nach Rom eilt. Auf die bange Frage des Apostels, „Quo Vadis, Domine“ („Wohin gehst du, Herr?“), antwortet Jesus: „Ich gehe nach Rom, um gekreuzigt zu werden.“ Tief erschüttert kehrt Petrus um, wird ergriffen und mit seinen Gefährten gekreuzigt. Noch heute wird an einem Heiligtum unweit des Sebastianischen Tores ein Fußabdruck Jesu gezeigt, den er dort hinterlassen haben soll. Henryk Sienkiewicz schrieb Ende des 19. Jahrhunderts das literarische Hohelied dieses Treffens, und das filmische Wunderwerk „Quo Vadis“ bewegte knapp 50 Jahre später die Zuschauer.

Historisch unbrauchbar, spirituell wertvoll: Die Apokryphen

Die zitierten Evangelien und Apostelakten wurden von späteren Kirchenvätern wie Hieronymus (um 400) mit dem griechischen Adjektiv apókryphos (verborgen) belegt, im Sinne von „ketzerisch“ und „verfälscht“. Dieses Verdikt hat ihrer Beliebtheit jedoch nicht geschadet. Viele Jahrhunderte lang genossen sie großes Ansehen, allen voran das Jakobusevangelium, das in den Ostkirchen im Gottesdienst gelesen wurde und die spätere christliche Literatur und Kunst tausendfach inspirierte. Obwohl die meisten dieser Texte verloren gingen oder dem Bannstrahl der Amtskirche verfielen, sind rund siebzig fragmentarisch bekannt, oft als Negativabdruck in den Schriften ihrer Verächter. Ihre Existenz bezeugt auch die muslimische Tradition, die Jesusworte aus Evangelien zitiert, die in der christlichen Tradition verloren sind.

Diese Texte verraten viel über die Entwicklung der Gemeinden in den ersten Jahrhunderten. Die ersten Generationen begnügten sich mit der Apostelgeschichte des Lukas und richteten ihren Blick auf Jesus. Im zweiten und dritten Jahrhundert weitete sich das Interesse auf die Apostel. Diese erhielten nun ein Leben, das sie wie Odysseus an die Grenzen der Erde und darüber hinausführte. Dort wirkten sie die erstaunlichsten Wunder, bekehrten selbst ihre Feinde und gingen freudig in den Tod. Sie, die lange im Schatten Jesu standen, traten nun als Männer auf, die Könige auf die Knie zwangen, die Armen nährten und Unzähligen den Weg zum Heil wiesen. Sie wuchsen zu Helden heran, deren Taten denen der Heroen heidnischer Romane in nichts nachstanden.

Die Darstellungsweise dieser Geschichten befriedigte zudem ein elementares Bedürfnis nach Erzählungen. Sie entführten die Leser in ferne Räume und Zeiten, lösten sentimentale oder furchtsame Schauer aus und schufen eine Atmosphäre, in der sich Erbauung mit Unterhaltung mischte und der Wunderglaube der Zeit jede Ausschweifung gestattete. Historische Genauigkeit war ebenso wenig gefragt wie theologische Exkurse, wohl aber erhobene Zeigefinger, die auf den himmlischen Lohn für die Keuschen verwiesen.

AspektKanonische EvangelienApokryphe Texte (2.-5. Jh.)
FokusLeben, Lehre, Tod, Auferstehung JesuErgänzung der „Lücken“: Kindheit Jesu, Marias Leben, Apostel-Taten
JesusLehrer, Wundertäter, Erlöser; menschlich und göttlichSchon als Kind mächtig, belohnend/strafend; fantastische Wunder
MariaMutter Jesu, meist im Hintergrund; wichtige Rolle bei Geburt und KreuzigungUmfassende Lebensgeschichte (Eltern, Kindheit, Tempel, Ehe); jungfräuliche Geburt „bewiesen“; Himmelfahrt; Rolle als Mittlerin
ApostelJünger Jesu, Zeugen seiner Taten; erste Missionare (Apostelgeschichte)Heldenhafte Abenteurer, mächtige Wundertäter; Asketen und Märtyrer; gründen Gemeinden weltweit
ErzählstilSachlich, theologisch fokussiertAusgeschmückt, fantastisch, unterhaltsam; mit moralischen Lehren
ZweckGlaubensgrundlage, Verkündigung der BotschaftBefriedigung von Neugier, Erbauung, Unterhaltung; Legitimation von Heiligenkult
AnerkennungAls kanonisch anerkanntAls „ketzerisch“ oder „verborgen“ verurteilt, aber populär

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind apokryphe Evangelien und Apostelakten?
Apokryphe Evangelien und Apostelakten sind religiöse Texte aus dem frühen Christentum, die nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden. Das Wort „apokryph“ bedeutet „verborgen“ oder „nicht öffentlich“. Sie erzählen oft detailliertere oder fantastischere Geschichten über das Leben Jesu, Marias oder der Apostel, die in den kanonischen Schriften nicht enthalten sind.

Warum wurden diese Texte geschrieben?
Sie wurden geschrieben, um den Wissensdurst der Gläubigen zu stillen, die sich nach mehr Details über die Kindheit Jesu, das Leben Marias und die Taten der Apostel sehnten. Die kanonischen Evangelien konzentrierten sich stark auf die Botschaft Jesu und ließen viele persönliche Geschichten unbeantwortet. Die apokryphen Texte füllten diese Lücken mit oft wundersamen und erbaulichen Erzählungen.

Sind die Geschichten in den apokryphen Texten historisch wahr?
Nein, die apokryphen Texte sind historisch nicht zuverlässig und werden nicht als Quelle für das tatsächliche Leben Jesu oder der Apostel verwendet. Sie sind vielmehr Ausdruck der Volksfrömmigkeit, der theologischen Entwicklungen und der erzählerischen Bedürfnisse der frühen christlichen Gemeinden.

Warum wurden sie nicht in die Bibel aufgenommen?
Die Kirchenväter und Konzilien des frühen Christentums entschieden, welche Schriften als inspiriert und autoritativ galten. Viele apokryphe Texte wurden als theologisch nicht korrekt, als zu fantastisch oder als im Widerspruch zu den etablierten Lehren stehend empfunden und daher nicht in den biblischen Kanon aufgenommen. Sie wurden teilweise sogar als ketzerisch verurteilt.

Welche Bedeutung haben die apokryphen Texte heute?
Obwohl sie nicht zur Bibel gehören, sind die apokryphen Texte unendlich wichtig für das Verständnis der frühen Kirchengeschichte, der Entwicklung der Volksfrömmigkeit und der religiösen Kunst. Sie bezeugen das Ringen der frühen Gemeinden um den rechten Glauben, die rechte Moral und das Wunder der Mission. Viele Legenden und Darstellungen in der christlichen Kunst, insbesondere über Maria und die Apostel, haben ihren Ursprung in diesen „verborgenen“ Schriften.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die apokryphen Texte zwar für die Rekonstruktion des historischen Lebens Jesu oder der Schicksale der Apostel wertlos sind, sie aber dennoch einen unschätzbaren Schatz darstellen. Sie bekunden das Ringen der frühen Gemeinden um den rechten Glauben und die Moral. Vor allem aber bezeugen sie mit ihren teils rührenden, teils haarsträubenden Geschichten die unersättliche Neugier der kleinen Leute. Sie wollten jeden Tag des Kindes Jesus verfolgen, sich mit seiner Familie an den Tisch setzen, mit Joseph dulden und mit Maria um das Schicksal des Sohnes bangen. Sie hofften zu erfahren, was die Apostel taten, welche Wunder sie vollbrachten, welche geheimnisvollen Länder sie betraten, wie sie Wüsten durchzogen, Menschfressern entkamen und wie sie als Blutzeugen ihres Glaubens starben. So legen die Apokryphen wie Perlen einer zerrissenen Kette Zeugnis ab von der fast hektischen Aktivität, mit der sich die Christen nach und nach alle Gattungen der Literatur aneigneten und ihren Zielen nutzbar machten.

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