10/06/2024
In den kargen Landschaften nahe dem Toten Meer, verborgen vor den Augen der Welt, blühte einst eine der rätselhaftesten religiösen Gemeinschaften des antiken Judentums: die Essener. Ihre Geschichte ist eng mit dem Fundort der berühmten Schriftrollen vom Toten Meer, Qumran, verbunden. Doch wer waren diese Menschen wirklich, und welche Botschaft überliefern uns ihre Schriften bis heute? Dieser Artikel beleuchtet die Essener, ihre Lebensweise, ihre Glaubenssätze und ihre mögliche Verbindung zu zentralen Figuren der jüdisch-christlichen Geschichte.

- Wer waren die Essener wirklich?
- Qumran: Mehr als ein Einsiedlerkloster?
- Gemeinschaftsleben und strenge Regeln der Essener
- Die Essener und Jesus: Eine faszinierende Verbindung?
- Das Ende von Qumran und das Erbe der Essener
- Essener und Freimaurer: Eine verborgene Linie?
- Häufig gestellte Fragen zu den Essenern und Qumran
Wer waren die Essener wirklich?
Die Essener, eine aramäische Bezeichnung für „Essäer“, die wohl „die Reinen“ bedeutet, waren eine jüdische Gruppierung, die etwa 300 Jahre vor Christus in Israel entstand. Ihre Gründung war eine Reaktion auf politische und religiöse Umwälzungen jener Zeit. Der Überlieferung nach floh der rechtmäßige Hohepriester Samuel mit seinen Priestern in die Wüste, nachdem ein Verrat zur Inthronisierung eines unrechtmäßigen Hohepriesters und Königs geführt hatte. Dort, so die Legende, empfing Samuel eine göttliche Botschaft durch den Erzengel Gabriel: Statt eines neuen Krieges sollte er eine neue Gemeinschaft gründen, aus der später der Messias hervorgehen würde. So entstand die essenische Gemeinschaft.
Lange Zeit galten die Essener als eine kleine, abgeschiedene Gruppe von Einsiedlern. Doch neue Erkenntnisse, insbesondere aus den Schriftrollen von Qumran und den Berichten antiker Historiker wie Flavius Josephus, Philo Alexandrinus und Plinius dem Älteren, zeichnen ein wesentlich komplexeres Bild. Flavius Josephus, ein jüdischer Geschichtsschreiber, der selbst drei Jahre Essener gewesen sein soll, und Philo Alexandrinus, ein jüdischer Religionsphilosoph, beschrieben die Essener als die „besten aller Juden“ und „wahrhaft Frommen“. Philo schätzte ihre Zahl auf über 4.000 Männer. Entgegen der Vorstellung einer kleinen Einsiedlergruppe waren die Essener eine bedeutende religiöse Kraft neben den Pharisäern und Sadduzäern.
Die Essener verstanden sich nicht als Erneuerer, sondern als Bewahrer der althergebrachten mosaischen Gesetze. Ihre Lehre war eine strenge Auslegung der Tora, weshalb sie die Pharisäer, die eine Erleichterung der Gesetze forderten, als „Schmeichelsucher“ kritisierten. Diese tief verwurzelte Tora-Frömmigkeit bildete das Fundament ihres Glaubens. Ihr Ziel war die Verwirklichung eines Gottesstaates, der mit der Ankunft des Messias vollendet werden sollte. Sie erwarteten sogar zwei Messiasse: einen priesterlichen vom Stamm Levi und einen königlichen vom Stamm Juda, die die Endzeit einleiten sollten.
Qumran: Mehr als ein Einsiedlerkloster?
Die archäologische Stätte Qumran, die am Toten Meer liegt, ist untrennbar mit den Essenern und den dort gefundenen Schriftrollen verbunden. Lange Zeit wurde angenommen, Qumran sei das Hauptkloster der Essener gewesen. Doch die jüngsten wissenschaftlichen Untersuchungen und die Informationen aus den Schriftrollen selbst deuten darauf hin, dass Qumran eher ein Handelsposten war, ähnlich vielen anderen entlang des damaligen, viel höher reichenden Toten Meeres. Ein alter Bootssteg und Gräber von Familien zeugen davon, dass es sich nicht ausschließlich um eine Mönchssiedlung handelte.

Die Gründung von Qumran wird auf etwa 100 v. Chr. datiert, zur Zeit von König Alexander Jannaj. Als Gründer gilt oft der Lehrer der Gerechtigkeit, der von dem Frevelpriester Jonatan vertrieben wurde und um 150 v. Chr. die essenische Union gründete. Dies würde erklären, warum einige der in Qumran gefundenen Schriften älter sind als die Gründung der Anlage selbst. Es wird vermutet, dass Qumran ursprünglich der Herstellung von Schriftrollen diente, aber auch als Handelszentrale fungierte, wo Rechnungen und Warenbestandslisten über Balsam, Datteln und andere Produkte der Region geführt wurden. Die als Schreibzimmer interpretierten Zellen könnten demnach auch Geschäftsräume gewesen sein.
Die Qumran-Gemeinde, auch als Jachad (Einheit/Einigkeit)-Gemeinschaft bekannt, war wahrscheinlich nur ein Teil der größeren Essener-Bewegung. Sie zeichnete sich durch eine ausgesprochen militante Mentalität aus, die im Widerspruch zur pazifistischen Darstellung der Essener in anderen Quellen steht. Dies deutet darauf hin, dass es innerhalb der Essener unterschiedliche Strömungen gab, von radikal bis liberal. Die Jachad-Gemeinschaft entwickelte eine radikale Denkweise, die eine bedingungslose Umkehr zu ihrer Lebensform von ganz Israel forderte. Sie unterschieden kompromisslos zwischen den Söhnen des Lichts (ihnen selbst) und den Söhnen der Finsternis (den anderen) und hielten bewaffnete Konflikte für denkbar, um ihren Gottesstaat zu errichten.
Gemeinschaftsleben und strenge Regeln der Essener
Das Leben in der essenischen Gemeinschaft, insbesondere in der Jachad-Gemeinde von Qumran, war von strenger Disziplin und detaillierten Regeln geprägt, die auf die Verwirklichung ihres Gottesstaates abzielten. Nichts wurde dem Zufall überlassen; jede Handlung sollte eine gewünschte Reaktion hervorrufen. Dieses zielgerichtete, nüchterne und logische Denken spiegelte sich in allen Aspekten ihres Lebens wider.
Fortpflanzung und Erziehung
Die Essener duldeten den Beischlaf nur zur Zeugung, und der Zeugungszeitpunkt wurde exakt auf den Fruchtbarkeitshöhepunkt der Frau gelegt, primär zur Zeugung männlicher Nachkommen. Frauen hatten ab dem 12. Lebensjahr jährlich ein Kind zu gebären, was ihre Lebenserwartung oft auf kaum mehr als 25 Jahre reduzierte, während Männer über 60 Jahre alt werden konnten, aber nicht wieder heiraten durften. Diese Praxis der Auslese und Arterhaltung war besonders in den Elitekreisen verfeinert. Erwählte Mädchen wurden nach dreimaliger Menstruation von einem Priester begattet, um schwanger zu werden. Nach der Geburt wurden sie in gute Verhältnisse verheiratet, oft mit älteren Männern. Das Kind musste mit sieben Jahren in die Obhut der Gemeinde Qumran gegeben werden, wo es nach den strengen Regeln des „Mönchsordens“ erzogen wurde. Diese frühe Erziehung sollte sicherstellen, dass die Kinder im Sinne der Gemeinschaft geformt wurden und die Weichen für ihr ganzes Leben gestellt wurden. Diese Praktiken, die auch von Flavius Josephus berichtet werden, dienten der Sicherung einer hochkarätigen Nachkommenschaft für die reine Männerwirtschaft der Essener.
Aufnahme und Initiation
Die Essener betrieben zwei Schulen, für Jungen und für Mädchen. Jungen, die sogenannten Nazoräer (aus dem Hebräischen „Gott weihen“), wurden mit fünf Jahren ins Kloster gebracht und einer unerbittlichen Disziplin unterzogen. Sprechen durften sie nur auf Aufforderung; Sitzen war verboten, selbst bei Tisch oder beim Lernen. Geringste Verstöße wurden mit Schlägen und Essensentzug geahndet. Sie wurden auch an Waffen ausgebildet und zu Elitesoldaten erzogen. Die Gemeinschaft war eine straff organisierte und disziplinierte Eliteeinheit.

Für Novizen gab es ein zweijähriges Aufnahmeverfahren zur vollen Mitgliedschaft. Nach dem ersten Jahr wurde ihre spirituelle Eignung beurteilt und ihr Besitz der Verfügungsgewalt des Aufsehers unterstellt. Erst nach dem zweiten Prüfungsjahr wurde der Novize zum vollen Mitglied. Jeder Bruder erhielt ein einfaches Gewand, einen Schurz und eine Hacke, letztere als Symbol der Reinheit. Die Initiation, oft in einer dunklen Kammer bei Kerzenschein vorbereitet, symbolisierte den Weg durch Geburt und Tod, eine Wanderung durch die Elemente. Der Neophyt gelobte Gerechtigkeit und Vorurteilsfreiheit. Diese Initiation führte zur Befreiung vom Waffendienst für die Therapeuten des dritten Grades, die durch strenge Askese und Exerzitien ätherische und astrale Körper unter ihre Herrschaft brachten, um hellseherische Fähigkeiten zu erlangen.
Gemeindeordnung und Allgemeine Gesetze
Die Gemeindeordnung von Qumran war sehr spezifisch und schloss beispielsweise „tatterige Greise, Krüppel, Blinde, Taube oder Stumme“ von der Mitgliedschaft aus. Männer durften erst ab 20 Jahren mit einer Frau verkehren und ab 25 Dienst in der Gemeinde leisten. Mit 30 Jahren konnten sie an Prozessen teilnehmen und Befehlshaber von Hundertschaften werden. Unbefähigte durften keine Posten bekleiden oder im Krieg kämpfen.
Die allgemeinen Gesetze waren ebenso detailliert:
- Kein Richteramt für über 60-Jährige.
- Strenges Sabbatgebot: Keine Arbeit, keine Hilfe für gebärende Tiere, kein Herausziehen von Tieren aus Brunnen. Menschen durften nur mit einem Kleidungsstück aus dem Wasser gezogen werden, nicht mit Hilfsmitteln.
- Verbot von Zorn und Murren gegenüber Brüdern.
- Redeverbot: Niemand durfte seinen Gefährten unterbrechen. Nur der Befragte durfte sprechen, wenn er an der Reihe war. Niedrigere Ränge mussten beim Reden aufstehen.
Strafkatalog
Der Strafkatalog der Qumran-Essener war bemerkenswert detailliert und streng:
| Vergehen | Strafe |
|---|---|
| Lügen | Unrein für eine bestimmte Zeit |
| Unbewiesene Anklage eines Gefährten | Unrein |
| Unterbrechen eines Gefährten in einer Sitzung | Strafe |
| Ausspucken in einer Versammlung | Strafe |
| Verbreiten von Klatsch | Strafe |
| Tratschen nach außen | Verbannung |
| Tötung eines Menschen aus religiöser Verpflichtung | Todesstrafe nach heidnischen Gesetzen |
| Vergewaltigung einer Jungfrau (ohne Schreien ihrerseits) | Steinigung für beide |
| Vergewaltigung außerhalb der Stadt | Nur der Mann wird getötet |
| Volksverrat, Verfluchen des eigenen Volkes | Hängen |
| Falsche Prophezeiung im Namen Gottes | Todesstrafe |
| Zorniges Reden gegen einen Priester | 1 Jahr Absonderung von der Vollmitgliedschaft |
| Lautes Rügen eines Nächsten ohne Gerichtsbeschluss | 1 Jahr Absonderung |
| Schlafen während einer Sitzung der Vollmitglieder | 30 Tage Absonderung |
| Nackt herumlaufen (nicht schwer krank) | 6 Monate Strafe |
| Hand aus dem Gewand ziehen, Blöße sichtbar | 30 Tage Strafe |
| Lachen, um in Torheit die Stimme erschallen zu lassen | 30 Tage Strafe |
| Verleumden eines Nächsten | 1 Jahr Absonderung und Bestrafung |
| Murren gegen die Grundlage der Jachad-Einung | Verbannung, keine Rückkehr |
| Unberechtigtes Murren gegen einen Nächsten | 6 Monate Strafe |
Familienrecht und Ernährung
Aufständische und störrische Söhne wurden gesteinigt. Beim Fleischessen war es erlaubt, so viel zu essen, wie man wollte, solange kein Blut konsumiert wurde. Das Schlachten von Tieren musste nach bestimmten Regeln erfolgen, und Fleisch aus nichtjüdischem Besitz war verboten. Auch gab es genaue Vorschriften, welche Tiere nicht gegessen werden durften, während bestimmte Insekten wie Wanderheuschrecken erlaubt waren. Fische durften nur gegessen werden, wenn sie lebendig aufgeschlitzt wurden, um das Blut abzulassen.
Opferrituale
Tieropfer waren Teil der essenischen Praxis, obwohl bestimmte unreine Tiere nicht geopfert werden durften. Spezielle Gedenktage erforderten spezifische Brandopfer, wie Stier, Widder, Lamm und Ziege, die JHWH dargebracht wurden.
Die Essener und Jesus: Eine faszinierende Verbindung?
Obwohl es keinen direkten Beweis dafür gibt, dass Jesus selbst ein Essener war, deutet vieles auf eine enge Verbindung oder zumindest einen starken Einfluss der Essener auf ihn hin. Wenn Jesus nicht zu den Pharisäern oder Sadduzäern gehörte, ist es sehr wahrscheinlich, dass er der dritten großen religiösen Kraft, den Essenern, nahestand oder von ihnen geprägt wurde. Seine Heilkunst, die nur den eingeweihten Therapeuten der Essener offenkundig war und als Geheimnis galt, ist typisch essenischer Prägung. Jesus, als der Heiler, der Heiland, könnte diese außergewöhnlichen Fähigkeiten von den Essenern erlernt haben.

Es wird angenommen, dass Jesus eine essenische Erziehung genoss, sich jedoch von einigen ihrer strengeren Gesetze und Ansichten distanzierte. Dazu gehören das Darbringen von Tieropfern, die Todesstrafe, das Fleischessen und die Unverzeihlichkeit gegenüber Sündern. Jesus sah in diesen Gemeindeordnungen nicht die Inspiration eines liebenden Gottes und verkündete stattdessen seine eigene, abgewandelte Lehre. Er baute auf dem Fundament essenischer Anschauungen, glättete und verfeinerte sie, um eine verbesserte Version zu schaffen, die durch ihre Einfachheit und Klarheit bestach.
Einige Aussagen Jesu können im Licht essenischer Praktiken eine neue Bedeutung erhalten:
- „Was ist denn die Sünde, die ich tat, oder worin besiegt man mich? Nein, wenn der Bräutigam kommt, kommt auch das Brautgemach, dann mögen sie fasten und beten.“ Hier könnte der Begriff „Bräutigam“ den Priester und das „Brautgemach“ einen zeremoniellen Tempel meinen, wo es zu einer „göttlichen“ Vereinigung kommt. Dass Jesus dies dennoch als Sünde ansah, steht im Einklang mit der essenischen Ansicht, dass der Geschlechtsakt, außer zur Arterhaltung, als Sünde galt.
- „Seht, einer der sät, ging hinaus, füllte seine Hand und warf. Einiges fiel auf den Weg, und Vögel kamen und pickten es auf. Anderes fiel auf den Fels und trieb keine Wurzeln in die Erde hinab und trieb auch keine Ähren in die Höhe. Anderes fiel auf Dornen. Die erstickten den Samen, und der Wurm fraß es. Und anderes fiel auf guten Boden und brachte gute Frucht hervor: Es brachte sechzigfach und hundertzwanzigfach!“ Dieser Spruch, den Samen dort hinzustreuen, wo der Boden fruchtbar ist, bekommt eine tiefere Bedeutung im Kontext der essenischen Zuchtauslese. Die Essener zogen ihre „Jungfrauen“ selbst heran, um sicherzustellen, dass der Nachwuchs in ihrem Sinne gedieh – eine perfekte Selektion für eine Elite.
Jesu Gebot, seine Worte aufzuschreiben und gut zu verwahren, könnte der Grund gewesen sein, warum Essener-Mönche die Schriftrollen in Qumran versteckten. Es ist auch denkbar, dass Essener-Mönche, Jakobus und Thomas Schriften in Länder brachten, die nicht unter römischer Herrschaft standen, was die Existenz von Evangelien wie dem „Evangelium des vollkommenen Lebens“ in tibetanischen Klöstern erklären könnte.
Das Ende von Qumran und das Erbe der Essener
Die Existenz der Qumran-Gemeinschaft fand wahrscheinlich im März/April 68 n. Chr. ein Ende, als die X. Römische Legion Jericho einnahm und ein festes Lager errichtete. Von dort war es nicht weit bis zum Toten Meer. Die Römer kamen wohl an den Siedlungen der Essener vorbei, was diese dazu veranlasste, ihre wichtigen Schriftrollen in aller Eile zu verstecken. Die letzten Widerstandskämpfer zogen sich nach Masada zurück, wo sie 73-74 n. Chr. von den Römern erobert wurden. Ihre Weigerung, sich zu ergeben und lieber zu sterben, als in Unfreiheit zu leben und ihren Glaubensregeln zu entsagen, erinnert an die Katharer auf Montségur.
Die Essener waren davon überzeugt, der wahre Überrest zu sein, und trennten sich vom allgemeinen Judentum, um sich auf persönliche Reinheit und die Vorbereitung auf den endgültigen Krieg zwischen den „Söhnen des Lichts und den Söhnen der Dunkelheit“ zu konzentrieren. Das Ende des Tempels im Jahr 70 n. Chr. scheint ihren apokalyptischen Erwartungen einen Todesstoß versetzt zu haben. Danach verliert sich die Spur der Essener als eigenständige, große Glaubensrichtung in der Geschichte.
Essener und Freimaurer: Eine verborgene Linie?
Interessanterweise wurden die Essener in der „Defence of Masonry“ von 1738 als Gesellschaften von Eingeweihten beschrieben, die ihre Lehren und Riten streng geheim hielten. Es hieß, sie seien „unter den Juden eine Art Pythagoreer gewesen, und ihre Bräuche hatten viel mit denen der Maurer gemein.“ Bestimmte Rituale, wie das Ablegen der rechten Hand zwischen Kinn und Brust bei Versammlungen, wurden als mögliche Parallelen genannt. Die Essener sahen sich als Bewahrer des Althergebrachten, eine Haltung, die sich auch bei den Freimaurern als „Bewahrer der alten Symbole“ wiederfindet. Die Initiationsfeierlichkeiten mit ihren Riten sollen in der Freimaurerei erhalten geblieben sein. Der Essener-Orden wird sogar als Vorläufer späterer christlicher Orden wie der Templer betrachtet.

Häufig gestellte Fragen zu den Essenern und Qumran
Wer war der Gründer von Qumran?
Die Gründung von Qumran wird auf etwa 100 v. Chr. datiert. Als Gründer der Anlage gilt oft der „Lehrer der Gerechtigkeit“. Wenn dies zuträfe, wäre Qumran bereits 50 Jahre früher gegründet worden, was auch die Existenz älterer Schriften an diesem Ort erklären würde. Der „Lehrer der Gerechtigkeit“ gründete die essenische Union um 150 v. Chr., nachdem er von dem Frevelpriester Jonatan vertrieben worden war.
Was gibt es in Qumran zu sehen?
In Qumran sind heute die Ruinen einer antiken Siedlung zu sehen, die mit den Essenern in Verbindung gebracht wird. Archäologische Funde umfassen Überreste von Gebäuden, die als Versammlungsräume, Werkstätten oder Lagerräume interpretiert wurden. Ein alter Bootssteg deutet auf die einstige Lage am Toten Meer hin, das damals einen höheren Wasserstand hatte. Auch Gräber von Familien wurden entdeckt, was die Annahme unterstützt, dass Qumran mehr als nur ein Einsiedlerkloster war, sondern möglicherweise ein Handelsposten. Die eigentliche Bedeutung Qumrans liegt jedoch in den Höhlen der Umgebung, wo die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer gefunden wurden, die unschätzbare Einblicke in das Leben und die Glaubenswelt der Essener und des antiken Judentums geben.
Was ist der Unterschied zwischen Katholiken und Essenern?
Die Essener und die Katholiken unterscheiden sich in mehreren grundlegenden Aspekten. Die Essener waren eine jüdische Sekte, die sich durch eine extrem strenge Auslegung der Tora, eine kollektivistische Lebensweise und eine apokalyptische Erwartungshaltung auszeichnete. Sie lehnten das korrupte Priestertum des Tempels ab und betonten persönliche Reinheit und die Vorbereitung auf einen Endkampf der „Söhne des Lichts“ gegen die „Söhne der Finsternis“. Ihre Fortpflanzungspraktiken waren auf die Zeugung von Nachkommen für die Gemeinschaft ausgerichtet, und Kinder wurden früh in die Obhut der Gemeinschaft gegeben, um nach ihren strengen Regeln erzogen zu werden. Dies geschah mit dem Ziel, eine „Elite“ heranzuziehen, die für einen Gottesstaat gerüstet sein sollte. Im Gegensatz zur katholischen Kirche, die ihre Dogmen durch frühkindliche Bildung und Verpflichtung (z.B. als Ministranten) vermittelt und dabei Toleranz oft verbietet, führten die Essener ihre Mitglieder zur Selbsterkenntnis und zu zwölf Haupttugenden wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Weisheit. Obwohl beide Gemeinschaften strenge Regeln für das Zusammenleben hatten, zielten die Essener auf die Schaffung eines Gottesreiches durch eine moralisch und militärisch ausgebildete Elite, während die katholische Kirche sich als universelle Kirche versteht, die auf den Lehren Jesu Christi basiert und eine andere Form von Hierarchie und Sakramenten kennt. Die Essener legten großen Wert auf ihre mündlichen Überlieferungen und die Schriftrollen, während die katholische Kirche auf der Bibel (Altes und Neues Testament) und der kirchlichen Tradition aufbaut.
Wie viele Mitglieder hatte die Qumran-Gemeinschaft?
Die genaue Mitgliederzahl der Qumran-Gemeinschaft ist nicht eindeutig feststellbar, da sie wohl nur ein Teil der größeren Essener-Bewegung war. Der antike Schriftsteller Plinius der Ältere schätzte die gesamte Gruppe der Essener auf etwa 4.000 Männer. Für die Qumran-Gemeinschaft selbst wird vermutet, dass sie eine kleinere, spezifische Untergruppe der Essener darstellte, die sich durch eine besonders militante Mentalität auszeichnete. Die Anlage in Qumran selbst war wahrscheinlich nicht groß genug, um Tausende von Menschen zu beherbergen, was die Theorie des Handelspostens oder einer spezialisierten Einrichtung (z.B. zur Schriftrollenproduktion) weiter stützt. Die Gemeinschaftsordnung sah vor, dass einzelne Abteilungen mindestens zehn Männer umfassten, und der „Rat der Einung“ (Jachad) bestand aus zwölf Männern und drei Priestern, was auf eine organisierte, aber nicht unbedingt riesige Kernstruktur hindeutet.
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