Was ist der Unterschied zwischen Shinto und Tradition?

Shinto & Kamidana: Japans spirituelles Herz

14/03/2023

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Japan, ein Land reich an Geschichte und tief verwurzelten Traditionen, ist die Heimat zweier großer spiritueller Säulen: des Buddhismus und des Shintoismus. Während der Buddhismus oft mit dem Tod und der Ahnenverehrung in Verbindung gebracht wird, ist der Shintoismus, Japans indigene Religion, untrennbar mit dem Leben, der Natur und der Verehrung der Kami – den Göttern und Geistern – verbunden. In diesem komplexen Geflecht aus Glauben und Brauchtum nimmt der Kamidana, ein kleiner Hausschrein, eine zentrale Rolle ein. Er ist nicht nur ein Möbelstück, sondern ein lebendiger Ort der Verehrung, der es Gläubigen ermöglicht, die Kami direkt in ihr Heim zu holen. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem "Götterregal", und wie unterscheidet sich diese private Tradition von den großen öffentlichen Schreinen, die das Landschaftsbild Japans prägen? Begleiten Sie uns auf eine Reise in das Herz der japanischen Spiritualität, um die Geheimnisse des Kamidana und der Shinto-Schreine zu lüften und zu verstehen, wie diese tiefen Traditionen das tägliche Leben in Japan formen.

Was ist der Unterschied zwischen Shintoismus und Buddhismus?
Während der Shintoismus tief in der japanischen Geschichte und Kultur verwurzelt ist, wurde der Buddhismus im 6. Jh. aus China „importiert“. Seitdem sind beide Glaubensrichtungen fester Bestandteil vieler japanischer Traditionen, jedoch findet hier im Gegensatz zu westlichen Religionen oft keine strikte Trennung statt.
Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Kamidana? Der private Zugang zu den Kami

Ein Kamidana (神棚), wörtlich übersetzt "Götterregal", ist ein shintoistischer Hausschrein und Altar, den gläubige Menschen in Japan in ihrem Heim aufstellen. Er dient als privater Ort der Verehrung, an dem die Kami, die Gottheiten des Shinto, empfangen und geehrt werden können. Oft werden in einem Kamidana bis zu drei Kami verehrt, was ihn zu einem sehr persönlichen Zentrum des Glaubens im eigenen Zuhause macht.

Ursprünglich war ein Kamidana, nach seiner Einführung während der Edo-Zeit (1603-1688), oft nur ein einfaches, erhöht angebrachtes Brett (Tana). Auf diesem Brett wurden sogenannte O-fuda (お札) ausgestellt – bedruckte Zettel oder Holzplättchen mit dem Namen eines Kami. Anfänglich bezogen sich diese O-fuda hauptsächlich auf die Kami des Ise-Schreins, dem wichtigsten Shinto-Schrein, insbesondere auf Amaterasu, die Sonnengöttin und Ahnin des Kaiserhauses. Im Laufe der Zeit wurden die Kamidana immer aufwändiger gestaltet. Eine weite Verbreitung und Standardisierung erfuhren sie – ähnlich wie die buddhistischen Butsudan – erst während der Meiji-Zeit (1868-1912), als der Shintoismus als Staatsreligion gefördert wurde.

Heute dient ein Kamidana als Hausschrein und Altar, an dem Gläubige den dort verehrten Kami kleine Opfergaben darbringen und einfache Gebete verrichten. Diese Opfergaben bestehen typischerweise aus Grundnahrungsmitteln wie Reis, Sake, Salz und Wasser, oft ergänzt durch frische Blumen oder Sakaki-Blätter. In einem modernen Kamidana werden häufig Amaterasu, der Kami eines lokalen Schreins sowie ein dem Gläubigen besonders nahestehender Kami verehrt. Diese werden jeweils durch ein ausgestelltes O-fuda symbolisiert, das als eine Art Glücksbringer oder Repräsentation des Kami dient.

Ein unverzichtbarer Bestandteil eines Kamidana ist auch mindestens ein sogenanntes Shintai (神体). Dies ist ein Gegenstand, der es einem Kami erlaubt, sich zu manifestieren oder innezuhaben. Für ein Kamidana ist ein Shintai oft ein kleiner runder Spiegel, kann aber auch ein Magatama (ein kommaförmiger Jaspis-Anhänger) oder ein anderes Objekt mit symbolischem Wert sein. Kamidana bieten Gläubigen im Alltag die Möglichkeit, sich an die Kami zu wenden, ohne einen Schrein besuchen zu müssen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Kamidana nicht in jedem japanischen Haushalt zu finden sind und insgesamt weniger verbreitet sind als die Butsudan genannten buddhistischen Hausschreine, die in Japan oft eine zentrale Rolle bei der Ahnenverehrung und für Beerdigungsriten spielen.

Die essenziellen Elemente eines Kamidana

Ein Kamidana ist mehr als nur ein Regal; es ist ein sorgfältig arrangierter Altar, dessen Elemente jeweils eine spezifische Bedeutung haben und zur Verehrung der Kami beitragen. Die grundlegende Struktur besteht aus dem Tana, dem eigentlichen Regalbrett, auf dem der Altar errichtet wird. Darauf befinden sich die O-fuda, oft drei an der Zahl, die an einem zentralen Aufstellungsort platziert werden. Dieser Aufstellungsort ähnelt nicht selten der Fassade eines kleinen Hauses oder Schreins, was die Miniaturisierung des heiligen Raumes symbolisiert.

Die Platzierung der O-fuda folgt einer bestimmten Hierarchie: Der mittlere Platz ist in der Regel für ein O-fuda der Ise-Götter, insbesondere Amaterasu, vorgesehen. Links davon wird traditionell ein Kami platziert, zu dem man eine persönliche Verbindung hat, während rechts der Kami eines lokalen Schreins oder der lokalen Schutzgottheit seinen Platz findet. Diese Anordnung gewährleistet eine umfassende Verehrung von nationalen, lokalen und persönlichen Gottheiten.

Vor den O-fuda wird das Shintai platziert, der Manifestationsort des Kami. Wie bereits erwähnt, kann dies ein kleiner runder Spiegel, ein Magatama oder ein anderes symbolisches Objekt sein. Ein optionales, aber bedeutungsvolles Element, das oft über einem Kamidana angebracht wird, ist ein Shimenawa (標縄; Götterseil). Dieses Seil, oft mit Zickzack-Papierstreifen (Gohei) verziert, gilt im Shinto als Vehikel der rituellen Reinigung und als Grenzmarkierung, die den heiligen Raum abgrenzt und Unreinheit abhält.

Einrichtung, Dekoration und die korrekte Platzierung

Die korrekte Aufstellung und Pflege eines Kamidana ist entscheidend, um den Respekt gegenüber den Kami auszudrücken und eine harmonische spirituelle Atmosphäre zu schaffen. Bei der Einrichtung gibt es vor allem drei essentielle Regeln zu beachten:

  1. Ein Kamidana muss immer über Augenhöhe erhöht errichtet werden. Dies symbolisiert die Erhabenheit der Kami und stellt sicher, dass man beim Betreten des Raumes nicht über den Schrein hinwegschaut oder ihn überschreitet.
  2. Ein Kamidana darf nicht über einem Eingang oder einer Tür errichtet werden. Der Platz sollte so gewählt sein, dass Menschen nicht direkt darunter hindurchgehen, da dies als respektlos gegenüber den dort verehrten Kami angesehen wird.
  3. Nach dem Einbringen eines O-fuda in einen Kamidana müssen diesem kleine Opfergaben dargebracht werden, die dann in der Regel täglich erneuert werden. Diese fortlaufende Darbringung ist ein Zeichen der Dankbarkeit und des Glaubens.

Vor den O-fuda werden die Opfergaben in passenden Behältnissen (kleinen Schalen, Vasen etc.) aufgestellt. Typische Opfergaben sind frischer Reis, Sake, Salz und Wasser. Daneben wird der oder die Shintai als zentraler Ort der Manifestation der Kami platziert. Manchmal werden auch zusätzliche Zierobjekte hinzugefügt, wie Miniaturlaternen, Gohei (Zickzackpapier aus Metall oder Papier) und frische grüne Zweige, oft von der Sakaki-Pflanze, die im Shinto als heilig gilt.

Traditionell stehen die dekorativen Elemente und Blumen an den Seiten, die Opfergaben in der Mitte und zentral der oder die Shintai. Zudem sollte ein Kamidana möglichst so aufgestellt werden, dass er nach Osten oder Süden zeigt. Diese Ausrichtung ist bedeutsam, da der Osten mit dem Sonnenaufgang und dem Beginn eines neuen Tages, und der Süden mit Wohlstand und Glück assoziiert wird, was die Energie der Kami optimal empfangen soll.

Traditionelle Rituale, Bräuche und besondere Anlässe

Als dem Shinto zugeordneter Hausschrein ist der Kamidana ein Ort der ständigen Verehrung der Kami und dient als persönlicher Altar. Die ausgestellten O-fuda, die die Präsenz der Kami symbolisieren, sollten jährlich erneuert werden. Alte O-fuda werden den Schreinen zurückgegeben, wo sie in speziellen Zeremonien verbrannt werden, um die Kami sicher zurück in ihre spirituelle Heimat zu senden und Platz für frische Segnungen zu schaffen.

Tägliche Nutzung des Kamidana als Hausschrein

Neben besonderen Anlässen bietet der Kamidana die Möglichkeit zur täglichen Durchführung von Gebeten und dem regelmäßigen Reichen von Opfergaben. Diese bestehen in der Regel aus frischem Reis, Sake, Wasser und Salz. Die dargebrachten Gaben können am folgenden Tag gegessen, getrunken oder zum Kochen verwendet werden, was die Verbundenheit zwischen den Gläubigen und den Kami im Alltag unterstreicht. Vor dem Gebet oder dem Reichen der Opfergaben wird eine rituelle Reinigung von Händen und/oder dem Mund durchgeführt, ähnlich der Reinigung an einem öffentlichen Schrein, um Reinheit und Respekt zu zeigen.

Der Kamidana an Neujahr

Das Neujahrsfest (Shōgatsu) ist eine der wichtigsten Zeiten für die Verehrung am Kamidana. An Neujahr wird den in einem Kamidana verehrten Kami ein spezielles Kagami-Mochi (ein gestapeltes Mochi-Gebäck) dargebracht. Außerdem wird der Kamidana speziell mit frischen Sakaki-Blättern und anderen Dekorationen geschmückt, um die Kami willkommen zu heißen und um Segen für das kommende Jahr zu bitten. Vor dem eigentlichen Neujahrsfest steht zudem eine gründliche Reinigung des gesamten Haushalts an (Ōsōji), die auch den Kamidana einschließt, um das neue Jahr mit einer reinen Umgebung zu beginnen.

Spezielle Kami für spezielle Anlässe

Die Kami des Shinto haben jeweils ihr spezielles Gebiet, für das sie angerufen werden. So wird für wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand vor allem der Kami Inari gebeten, der für Industrie, Finanzwesen, Landwirtschaft und Reichtum zuständig ist und – wenig verwunderlich – einer der am meisten verehrten Kami in Japan ist. Für die Liebe und allgemeine Dinge, die fließen und sich entwickeln sollen, steht Benzaiten, eine der sieben Glücks-Kami, die daher besonders populär bei jungen Paaren und frisch Verheirateten ist. Hachiman wiederum gilt als Schutzgottheit der Krieger und Japans, und seine Verehrung kann dem Haus Schutz vor Unheil bieten. Es ist wichtig zu beachten, dass die Verehrung von lokalen Schutzgottheiten (Yashiki-gami), die oft mit einem bestimmten Grundstück oder Dorf verbunden sind, nicht unbedingt in einem Kamidana stattfindet. Für diese werden manchmal extra Orte außerhalb des Hauses oder in der Nähe, beispielsweise in einem Waldstück, errichtet.

Das Gebet am Kamidana

Ein Gebet an einem Kamidana folgt meist der Darreichung neuer Opfergaben und ist ein Akt der Demut und des Dankes. Für das Gebet stellt man sich ehrfürchtig vor den Kamidana und schaut diesen an. Zum Gebet gehört meist die Danksagung für das Geschenk des Lebens, für erhaltene Segnungen und das aufrichtige Versprechen, sein Bestes zu tun. Zum Abschluss verbeugt man sich zweimal, klatscht zweimal kräftig in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Kami zu erregen, und verbeugt sich abschließend noch ein weiteres Mal. Dieser Ablauf, obwohl einfach, ist tief symbolisch und drückt Respekt und Hingabe aus.

Kamidana im Kontext des Shintoismus: Tradition vs. Pflicht

Kamidana sind ein integraler Bestandteil des Shintoismus, der die Kami in Schreinen verehrt. Durch die O-fuda kann man sich einen solchen Kami-Schrein durch einen Kamidana sozusagen ins Haus holen, wodurch der spirituelle Raum des Schreins auf den privaten Bereich erweitert wird. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht jeder Shinto-Gläubige unbedingt einen Kamidana besitzt oder als Pflicht ansieht.

Die Tradition des Kamidana selbst ist – im Gegensatz zum Shinto-Glauben, der Jahrtausende alt ist – eher jüngeren Datums und stellt unter keinen Umständen eine religiöse Pflicht dar. Viele Familien praktizieren ihren Glauben auch ohne einen Kamidana. Gerade in den großen Städten mit ihren beengten Wohnverhältnissen ist zudem die korrekte Aufstellung eines Kamidana oder einfach auch der nötige Platz teils schwierig zu finden, was die Verbreitung einschränkt. Dies unterstreicht, dass der Shintoismus in seiner Praxis flexibel ist und sich an die Lebensumstände anpasst.

Die Unterschiede zwischen Kamidana und anderen religiösen Schreinen

In Japan ist neben dem Kamidana vor allem der buddhistische Hausschrein, Butsudan genannt, weit verbreitet. Der Butsudan ist in Japan sogar üblicher als ein Kamidana. Der Name Butsudan steht dabei allerdings allgemein für einen buddhistischen Schrein, was mitunter etwas verwirrend sein kann. Anders als bei einem Kamidana, in dem Kami verehrt werden, wird in einem Butsudan vor allem Ahnenverehrung und die Erinnerung an Verstorbene betrieben. Dies liegt auch daran, dass die Beerdigungsriten in Japan schon seit langer Zeit fast exklusiv mit dem Buddhismus verbunden sind.

Weitet man den Blick aus, so kann man sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede zwischen dem Kamidana und Hausaltären oder -schreinen anderer Religionen finden. Gerade einem christlichen Hausaltar mit Marienfigur, Kerzen und vielleicht kleinen Bildchen oder ähnlichem ist der Kamidana im Grunde genommen gar nicht so unähnlich. Beide dienen als private Orte der Andacht und des Gebets, an denen Gläubige eine direkte Verbindung zu ihren Gottheiten oder Heiligen herstellen können, wenn ein Besuch eines größeren Gotteshauses nicht möglich oder erwünscht ist.

DIY-Kamidana: Den eigenen Schrein bauen und gestalten

Für diejenigen, die eine persönliche Verbindung zum Shintoismus aufbauen möchten oder die Herausforderung lieben, kann der Bau eines eigenen Kamidana eine lohnende Erfahrung sein. Mit ein bisschen handwerklichem Geschick kann man sich einen Kamidana selber bauen, wenn man keinen vorgefertigten kaufen will. Dabei ist es besonders praktisch, dass das aufwändigste und zentrale Element, die „Behausung“ für die O-fuda, keine besondere Form haben muss. Die Darstellung als Fassade eines Schreins oder Hauses ist lediglich üblich, aber nicht zwingend erforderlich für die Funktionalität.

Ansonsten braucht man eigentlich nur ein stabiles Regalbrett (das Tana) und einen passenden Platz in einem Zimmer, der idealerweise nach Osten oder Süden weist und über Augenhöhe liegt, ohne direkt über einem Durchgang zu sein. Für das Kamidana werden die üblicherweise drei Plätze für die O-fuda am besten auf dem Tana genannten Regalbrett befestigt. Dann muss das Tana sicher an der Wand montiert werden.

Schwieriger kann es außerhalb Japans werden, originale O-fuda zu erhalten, die man normalerweise direkt bei einem Shinto-Schrein kauft. Dasselbe gilt für die passenden Schalen für Opfergaben und authentische Shintai-Objekte. Allerdings ist es durchaus möglich, hier selbst etwas zu basteln bzw. die Schalen mit nicht ganz korrekten, aber respektvollen Gefäßen zu substituieren. So kann das Selberbauen eines Kamidana auch über längere Zeit erfolgen, bis man am Ende alle gewünschten Dinge in der richtigen Form zusammenhat, ohne auf diesen funktional verzichten zu müssen. Der Geist der Verehrung ist hier oft wichtiger als die strikte Einhaltung jeder materiellen Vorgabe.

Was sind die Hauptbestandteile eines Schreins?

Die Welt der Shinto-Schreine: Ein tiefer Einblick

Während der Kamidana den privaten Raum der Verehrung darstellt, sind die Shinto-Schreine die großen, öffentlichen Zentren des Glaubens, die man in ganz Japan findet. In Japan glaubt man, neben dem Buddhismus, fest an die Religion Shinto, in deren mystischer Welt Geister und Götter, die Kami genannt werden, existieren. Kami beeinflussen stets das Leben der Japaner – sei es in Form von Naturgöttern (z. B. Sonne oder Fluss), Tiergöttern (z. B. Fuchs oder Schlange) oder sogar als vergöttlichte Gegenstände (z. B. Gefäß oder Spiegel). Um ihnen einen Ort zu geben, an dem sie verehrt und angebetet werden können, errichteten die Japaner Schreine.

Arten von Shinto-Schreinen in Japan

In ganz Japan gibt es mehr als 10.000 verschiedene Schreine, die sich grob in verschiedene Gruppen einteilen lassen, oft erkennbar an spezifischen Merkmalen oder den verehrten Kami:

SchreintypMerkmale & Verehrte KamiBekannte Beispiele
Imperiale SchreineFrüher von der Regierung verwaltet, oft mit goldenen Chrysanthemen (Kaiserliches Symbol), tragen häufig den Namen "Jingu".Ise Grand Shrine, Meiji Jingu (Tokio)
Inari-SchreineDem Reisgott Inari gewidmet. Leicht an den roten Toren (Torii) und Fuchs-Statuen zu erkennen. Sehr zahlreich aufgrund der Bedeutung des Reises.Fushimi Inari Taisha (Kyoto), Toyokawa Inari (Tokio)
Hachiman-SchreineDem Kriegsgott Hachiman gewidmet, der als Patron der Samurai und Beschützer Japans gilt. Verbreitet seit dem 11. Jahrhundert.Tsurugaoka Hachimangu (Kamakura), Usa Hachimangu (Kyushu)
Sengen-SchreineDer Prinzessin Konohanasakuya, der Shinto-Göttin des Berg Fuji, gewidmet. Häufig auf oder in der Nähe von Bergen zu finden.Fujiyoshida Sengen Schrein, Fujisan Hongu Sengen Taisha
Schreine mächtiger Klan-OberhäupterVon einflussreichen Familien gegründet, um ihre Gründer zu ehren. Oft reich verziert und farbenfroh.Tōshō-gū (Nikkō, für Tokugawa Ieyasu)
Lokale SchreineKleinere Schreine in Dörfern oder am Wegesrand, die lokale Kami verehren, z.B. zum Schutz des Dorfes oder für gute Ernten.Unzählige kleine Schreine landesweit

Der Schreinbesuch: Schritt für Schritt

Ein Besuch eines Shinto-Schreins ist ein rituelles Erlebnis, das bestimmten Abläufen folgt. Vor einem Schrein wirst du oft auf zwei hundeähnliche Statuen treffen, die sogenannten Komainu. Diese Wächterfiguren sollen böse Geister abhalten. Manchmal sind es auch Füchse oder Krieger. Eine der Statuen hat einen geöffneten Mund (den Anfang symbolisierend), die andere einen geschlossenen (das Ende symbolisierend) – eine Symbolik, die aus dem Buddhismus stammt.

Das Torii: Das Tor zur Götterwelt

Gleich hinter den Wächterfiguren wirst du auf ein Tor treffen, das meist aus Holz oder Stein gefertigt ist. Dieses große Tor, in Japan Torii genannt, markiert den Übergang von der profanen in die heilige Welt. Bevor du durch dieses Tor schreitest, ziehst du deine Kopfbedeckung ab (falls vorhanden) und verbeugst dich. Wichtig ist, dass du nicht (!) durch die Mitte gehst, da dieser zentrale Weg den Göttern (Kami) vorbehalten ist. Sobald du durch dieses Tor schreitest, verlässt du symbolisch die irdische Welt und betrittst das Reich der Götter.

Die rituelle Reinigung (Temizuya)

Irgendwann auf dem Weg zum Hauptschrein triffst du auf einen Brunnen oder eine Waschstelle, die Temizuya genannt wird. Vor jedem Schreinbesuch solltest du dich hier symbolisch reinigen, um den Kami dein Anliegen sauber und respektvoll vorzutragen. Der Ablauf ist wie folgt:

  1. Nimm die Kelle mit der rechten Hand und schöpfe Wasser. Wasche zuerst die linke Hand.
  2. Wechsle die Kelle in die linke Hand und wasche die rechte Hand.
  3. Fülle eine kleine Menge Wasser in die linke Hand (nicht direkt von der Kelle trinken!) und spüle damit deinen Mund. Spucke das Wasser diskret neben den Brunnen, nicht zurück in das Becken.
  4. Wasche die linke Hand erneut, um sie von eventuellen Verunreinigungen des Mundspülens zu reinigen.
  5. Halte die Kelle aufrecht, sodass das restliche Wasser den Griff herunterläuft und ihn reinigt. Lege die Kelle dann wieder mit der Öffnung nach unten zurück.

Beachte: Berühre bei der Reinigung die Kelle niemals mit den Lippen und wirf keine Münzen in den Brunnen!

Das Gebet am Hauptschrein

Auch das Beten am Hauptschrein folgt einem bestimmten Ritual. Falls nicht anders angegeben, halte dich an diesen Ablauf:

  1. Wirf gegebenenfalls eine 5-Yen-Münze in die Opferkiste. Eine 5-Yen-Münze (go-en) wird oft verwendet, da ihr Name wie "Glück" oder "gute Verbindung" klingt.
  2. Falls vorhanden, läute die Glocke zwei oder drei Mal, um die Aufmerksamkeit der Kami auf dich zu lenken.
  3. Verbeuge dich zwei Mal tief.
  4. Klatsche zwei Mal in die Hände. Dies soll ebenfalls die Kami anrufen und deine aufrichtige Absicht signalisieren.
  5. Trage still dein Anliegen oder deine Danksagung vor.
  6. Verbeuge dich abschließend noch einmal tief.

Nun hast du dein Anliegen/Gebet erfolgreich mitgeteilt.

Wünsche äußern und Schutz finden: Ema, Omamori und Ofuda

Neben dem direkten Gebet gibt es weitere Möglichkeiten, mit den Kami in Kontakt zu treten oder ihren Segen zu empfangen.

Die Holzbretter Ema (絵馬)

An den Verkaufsständen von Tempeln oder Schreinen gibt es Ema für etwa 500 Yen, die meist mit dem Logo des jeweiligen Tempels/Schreins (Kigan-Ema) oder dem aktuellen Tierkreiszeichen (Eto-Ema) versehen sind. Auf diese Holztafel schreibst du deinen Wunsch oder deine Danksagung. Die Holztafel nimmst du entweder mit nach Hause oder bringst sie an speziellen Wänden des Tempels oder Schreins an. Wenn die Wände voll sind, werden die Ema abgeschnitten und in rituellen Verbrennungen verbrannt, so dass die Wünsche oder Danksagungen symbolisch in den Himmel aufsteigen. Übrigens ist die Sprache auf dem Ema egal, da die Kami alle Sprachen verstehen.

Wunschbrief Kiganbun (祈願文)

In solch einen Brief formulierst du deine Wünsche, Träume und/oder Danksagungen detaillierter. Auch hier ist die Sprache egal. Wenn du den Brief geschrieben hast, steckst du ihn mit ein paar Münzen in einen Umschlag und wirfst ihn in die dafür vorgesehene Kiste (祈願文納箱). Nach dem Einwurf verbeugst du dich.

Die Talismane O-Mamori (お守り)

Diese kleinen Beutelchen sind Talismane (Omamori) und schützen ihre Träger vor allerlei Unheil. Im Innern des Beutels befinden sich Zettel, die mit heiligen Sprüchen versehen sind. Bitte öffne den Beutel nicht, da sonst die Wirkung verfliegen soll. Es gibt eine Vielzahl von Omamori für verschiedene Zwecke, die zwischen 500 und 1.500 Yen kosten:

  • 安産 (Anzan) – Sichere Geburt
  • 病気平癒 (Byokheiyu) – Gute Besserung
  • 旅行安全 (Ryokou-Anzen) – Gute & sichere Reise
  • 開運 (Kaiun) – Mehr Glück
  • 必勝 (Hissho) – Sicherer Sieg
  • 交通安全 (Koutsuu-Anzen) – Sicherer (Auto-)Verkehr
  • 厄除 (Yakujo) – Übel abwenden
  • 相和 (Souwa) – Liebe (Gut miteinander auskommen)
  • 福 (Fuku) – Glück
  • 縁結 (Enmusubi) – Hochzeit / Gute Beziehungen
  • 就職成就 (Shuushoku-Jouju) – Arbeit finden
  • 合格成就 (Goukaku-Jouju) – Test bestehen / Prüfungserfolg
  • 学業神殿 (Gagyou-Shinden) – Für die Schule lernen
  • 学業錦 (Gagyou-Kin) – Die Schule bestehen
  • 児童健全 (Jidou-Kenzen) – Gesundheit vom Kleinkind
  • 心身健全 (Shinshin-Kenzen) – Gesundheit von Körper und Geist

Um einen Omamori zu kaufen, sagst du am Verkaufsstand einfach den japanischen Namen und fügst "O-Mamori" hinzu. Nach dem Bezahlen nimmst du deinen Glücksbringer mit beiden Händen in Empfang. Omamori eignen sich auch hervorragend als Mitbringsel für Freunde und Familie.

Der Wächter – Ofuda (神符)

Der Ofuda ist ein spezieller Wächter, oft aus Holz oder Papier, der mit dem Logo des Schreins und dessen Göttern gekennzeichnet ist. Sie werden in Läden, Häusern oder Firmen aufgestellt, um Schutz und Segen zu gewähren. Günstigere Exemplare gibt es ab 500 Yen, während größere Ofuda für Firmen bis zu 50.000 Yen kosten können. Beliebt sind die Wächter für das Auto, weil sie vor Unfällen schützen sollen. Eine Übersicht verfügbarer Wächter und ihrer Zwecke:

  • 家内安全 (Kanai-Anzen) – Sicherheit der Familie
  • 商売繁昌 (Shoubai-Hanjou) – Gute Geschäfte (Laden)
  • 初宮 (Hatsumiya) – Geburt eines Kindes
  • 社運隆昌 (Shaun-Ryushou) – Gute Geschäfte (Firma)

Diese Wächter gibt es in verschiedenen Größen: 車用 (Kuruma-You – Für’s Auto – ab 3.000 Yen), 神府 (Ofuda – Wächter – ab 5.000 Yen), 中神府 (Naka-Ofuda – Mittlerer Wächter – ab 10.000 Yen), 大神府 (Dai-Ofuda – Großer Wächter – ab 30.000 Yen), 特別神府 (Tokubetsu-Ofuda – Spezieller Wächter – ab 50.000 Yen).

Die Wahrsagerei – Omikuji (おみくじ)

Wenn du einen Schrein in Japan besuchen möchtest, solltest du auch unbedingt Omikuji machen. Das ist die Wahrsagerei in Japan, die nicht nur an Neujahr beliebt ist. Meist musst du nach Schränkchen mit vielen Fächern Ausschau halten. Vor dem Schränkchen steht eine kleine Box, mit deren Hilfe du dein Glück wahrsagen lassen kannst. Der Ablauf ist einfach:

  1. Schüttele die Box und ziehe einen Stift mit einer Nummer heraus.
  2. Merke dir die Nummer und gehe zum Verkaufsstand.
  3. Dort übergibst du dem Personal eine 100-Yen-Münze und nennst die Nummer (oft auch auf Englisch möglich).
  4. Schließlich erhältst du einen Zettel aus edlem Papier.
  5. Öffne den Zettel und lies deine Wahrsagung.

Beachte: In kleineren Schreinen sind diese Omikuji-Sprüche leider oft nur auf Japanisch. In manchen Schreinen, gerade zu Neujahr, werden auch schlechte Wahrsagungen verteilt. Sie unterteilen sich in sieben Kategorien:

  • dai-kichi (大吉) – Große Segnung
  • chuu-kichi (中吉) – Mittlere Segnung
  • sho-kichi (小吉) – Kleine Segnung
  • kichi (吉) – Segnung
  • sue-kichi (末吉) – Ende der Segnung
  • kyo (凶) – Fluch
  • dai-kyo (大凶) – Großer Fluch

Jede Kategorie unterhalb der reinen Segnung (insbesondere "kyo" und "dai-kyo") solltest du sofort an eine dafür vorgesehene Wand oder einen Baum binden, um das Übel symbolisch abzuwenden. Wenn diese Wände voll sind, werden die Zettel verbrannt, wodurch auch alles Übel vernichtet wird. Gerade an Neujahr gibt es oft mehrere solcher Zettelwände, die täglich verbrannt werden.

Das Siegelbuch mit Goshuin (御朱印)

Eine weitere beliebte Tradition ist das Sammeln von Goshuin. Hierfür kaufst du ein leeres Buch namens Goshuincho. Darin lässt du dir die roten Siegel von Schreinen (und auch Tempeln) eintragen. Das Buch kostet zusammen mit dem ersten Siegel meist um die 1.000 Yen. Wenn du es aufklappst, siehst du das handgeschriebene Siegel des Schreins und das Datum. Mit dem Goshuincho begibst du dich während deiner Japanreise auf Siegeljagd. An jedem größeren Schrein oder Tempel gibt es Siegel für das Siegelbuch, das extra per Hand (!) eingetragen wird. Das kostet meist zwischen 300-400 Yen. Das begehrteste Siegel stammt übrigens vom Berg Fuji.

Tipp: Wenn du keine Schriftzeichen lesen kannst, schreibe dir daneben, wie der Schrein/Tempel hieß und das Datum. Außerdem kann eine wasserabweisende Hülle oder ein Gefrierbeutel für das Buch nützlich sein, wenn man Wasser im selben Rucksack transportiert. Beachte, dass in das Goshuincho nur handsignierte Siegel oder Stempel gehören. Manche verweigern handgeschriebene Siegel, wenn dein Buch einen kostenlosen Stempel aufweist, den du ebenfalls auf dem Gelände findest.

Heilige Gegenstände: Shimenawa (標縄)

Wenn du über Neujahr nach Japan reist oder einen Schrein besuchst, wirst du wahrscheinlich Bäume, Steine oder sogar Gebäude mit dicken, geflochtenen Strohkordeln entdecken, die Shimenawa genannt werden. Am Shimenawa hängen oft weiße Zickzack-Papierstreifen (Gohei). Sie bedeuten, dass in den Objekten Götter wohnen und somit heilig sind, oder dass der Bereich rituell gereinigt und abgegrenzt ist. Eine ähnliche Kordel mit Zickzack-Papier tragen übrigens auch die höchsten Sumo-Ringer, die Yokozuna, bei ihren Sumo-Vorführungen, was ihre göttliche Verbindung und Reinheit symbolisiert.

Der Abschied vom Schrein

Wenn deine Schreintour endet, gehst du zum Abschluss erneut durch das Torii. Drehe dich anschließend nochmals um und verbeuge dich in Richtung des Schreins. Damit bedankst du dich bei den Kami für ihre Gastfreundschaft und deren Hilfe, bevor du in die profane Welt zurückkehrst. Jeder Schreinbesuch ist eine Möglichkeit, sich mit der spirituellen Essenz Japans zu verbinden und die tiefe Ehrfurcht vor den Kami zu erleben.

Häufig gestellte Fragen zum Shintoismus und Kamidana

Was ist der Hauptunterschied zwischen Shinto und einem Kamidana?

Shinto ist die indigene Religion Japans, die sich auf die Verehrung der Kami (Götter und Geister) konzentriert. Ein Kamidana hingegen ist eine spezifische Tradition und Praxis innerhalb des Shintoismus: Es ist ein privater Hausschrein und Altar, der es Gläubigen ermöglicht, Kami direkt in ihrem Zuhause zu verehren. Es ist also eine Ausdrucksform des Shinto-Glaubens im Alltag, nicht eine eigenständige Religion.

Muss jeder Shinto-Gläubige einen Kamidana haben?

Nein, ein Kamidana ist keine Pflicht für Shinto-Gläubige. Obwohl er eine beliebte Tradition ist, insbesondere in ländlichen Gebieten, ist seine Existenz im Haushalt nicht zwingend vorgeschrieben. Viele Japaner praktizieren ihren Shinto-Glauben durch den Besuch von Schreinen oder andere Rituale, ohne einen Kamidana zu besitzen, besonders in städtischen Gebieten mit begrenztem Wohnraum.

Was ist der Unterschied zwischen einem Kamidana und einem Butsudan?

Ein Kamidana ist ein shintoistischer Hausschrein zur Verehrung der Kami. Ein Butsudan ist ein buddhistischer Hausschrein, der hauptsächlich der Ahnenverehrung und dem Gedenken an verstorbene Familienmitglieder dient. Während beide in japanischen Haushalten zu finden sind, ist der Butsudan (oft im Zusammenhang mit Beerdigungen und Trauerriten) in Japan insgesamt häufiger verbreitet als der Kamidana.

Kann ich meinen eigenen Kamidana bauen?

Ja, mit etwas handwerklichem Geschick ist es durchaus möglich, einen eigenen Kamidana zu bauen. Die grundlegenden Elemente sind ein erhöhtes Regalbrett (Tana) und ein geeigneter Platz. Die größte Herausforderung könnte das Beschaffen von authentischen O-fuda (Zettel mit Kami-Namen) und Shintai (Manifestationsobjekte) außerhalb Japans sein, aber es gibt auch kreative Wege, diese zu substituieren.

Warum gibt es so viele verschiedene Arten von Shinto-Schreinen?

Die Vielfalt der Shinto-Schreine spiegelt die verschiedenen Kami wider, die in Japan verehrt werden, sowie historische und regionale Entwicklungen. Jeder Schreintyp ist oft einem bestimmten Kami (z.B. Inari, Hachiman), einer bestimmten Funktion (z.B. Schutz, Wohlstand) oder einer historischen Bedeutung (z.B. Kaiserlicher Schrein) gewidmet. Dies ermöglicht es den Gläubigen, spezifische Wünsche und Danksagungen an die jeweils zuständigen Kami zu richten.

Was sollte ich beim Besuch eines Shinto-Schreins beachten?

Beim Besuch eines Shinto-Schreins ist Respekt vor den Ritualen und dem heiligen Raum wichtig. Dazu gehören: sich vor dem Torii verbeugen und nicht durch die Mitte gehen, sich am Temizuya rituell reinigen (Hände und Mund, Kelle nicht berühren), und beim Gebet die Schritte befolgen (Glocke läuten, zweimal verbeugen, zweimal klatschen, Anliegen äußern, einmal verbeugen). Es ist auch üblich, keine lauten Geräusche zu machen und angemessene Kleidung zu tragen.

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