08/09/2023
Der September steht traditionell als Schöpfungsmonat im Zeichen des verantwortungsvollen Umgangs mit den Ressourcen unseres Planeten, der Umwelt und all seiner Lebewesen. Diese tiefe Ehrfurcht vor dem Leben findet ihren Höhepunkt Anfang Oktober, insbesondere rund um den Welttierschutztag am 4. Oktober. An diesem besonderen Datum, das dem Gedenktag des heiligen Franz von Assisi gewidmet ist, versammeln sich Tierfreunde und Gläubige landesweit in den Pfarren, um ihre tierischen Begleiter segnen zu lassen. Doch welche Tiere machte Gott eigentlich auf dem Erdboden, und welche Bedeutung haben sie aus theologischer Sicht für uns Menschen?
Die biblische Antwort: Gottes Schöpfung der Landtiere
Die Heilige Schrift gibt uns im Buch Genesis, dem ersten Buch der Bibel, eine klare Antwort auf die Frage nach der Erschaffung der Tiere. Bereits am vierten und fünften Tag der Schöpfung treten sie in Erscheinung, wobei Gott zunächst die Lebewesen im Wasser und die Vögel erschafft. Im Genesis 1,22 heißt es: „Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch und bevölkert das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf dem Land vermehren.“
Direkt im Anschluss, am sechsten Schöpfungstag, wendet sich Gott den Landtieren zu. Genesis 1,25 beschreibt diesen Akt prägnant: „Gott machte alle Arten von Tieren des Feldes, alle Arten von Vieh und alle Arten von Kriechtieren auf dem Erdboden. Gott sah, dass es gut war.“ Diese Formulierung ist entscheidend. Sie besagt nicht nur, dass Gott die Tiere erschuf, sondern auch, dass er ihre Existenz als „gut“ befand. Das impliziert eine inhärente Würde und einen Wert, der jedem einzelnen Tier von seinem Schöpfer verliehen wurde.

Die Bibel unterscheidet hierbei drei Hauptkategorien von Landtieren:
- Tiere des Feldes: Dies sind wilde Tiere, die in der freien Natur leben, wie Löwen, Wölfe, Rehe oder Hasen.
- Vieh: Diese Kategorie umfasst domestizierbare Tiere, die dem Menschen nützlich sein können, wie Rinder, Schafe oder Ziegen. Sie sind oft für Landwirtschaft und Ernährung von Bedeutung.
- Kriechtiere: Hierzu zählen alle Lebewesen, die sich kriechend oder schlängelnd fortbewegen, wie Schlangen, Eidechsen oder Insekten.
Diese umfassende Aufzählung zeigt, dass Gott eine immense Vielfalt an tierischem Leben auf die Erde brachte, jedes mit seinem eigenen Zweck und seiner eigenen Schönheit, und alles als Teil eines harmonischen und guten Gesamtplans.
Der heilige Franz von Assisi: Ein Bruder der Tiere
Wenn wir über die Beziehung zwischen Mensch und Tier im christlichen Kontext sprechen, kommt man am heiligen Franz von Assisi nicht vorbei. Sein Gedenktag am 4. Oktober ist nicht zufällig der Welttierschutztag. Franz von Assisi (1181/82-1226) wird als der Schutzpatron der Tiere verehrt und sah in jedem Tier ein lebendiges Geschöpf Gottes und einen „Bruder des Menschen“. Diese revolutionäre Sichtweise, die über die bloße Nützlichkeit der Tiere hinausgeht, prägte sein Leben und seine Lehre maßgeblich.
Er war bekannt dafür, mit Tieren zu sprechen, sie zu segnen und sich für ihr Wohlergehen einzusetzen. Seine Botschaft war klar: „Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir, streben nach Glück. Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir, also sind sie uns gleich gestellte Werke des allmächtigen Schöpfers – unsere Brüder.“ Diese Worte spiegeln eine tiefe Empathie und eine universelle Verbundenheit wider, die weit über seine Zeit hinausreichte. 1980 wurde Franz von Assisi von Papst Johannes Paul II. offiziell zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie ernannt, was seine Bedeutung für den ganzheitlichen Schutz der Schöpfung unterstreicht.
Tiersegnungen: Ausdruck der Dankbarkeit und Fürsorge
Die Tradition der Tiersegnung, die sich um den 4. Oktober besonders verbreitet, ist ein lebendiger Ausdruck dieser tiefen spirituellen Verbundenheit. Wie Dompfarrer Peter Allmaier betont, erinnern diese Segnungen daran, dass Tiere Geschöpfe Gottes sind. Haustiere wie Hunde oder Katzen sind oft die treuesten Gefährten des Menschen, spenden Trost, bereiten Freude und sind besonders für alleinstehende oder einsame Menschen wichtige Begleiter. Sie werden zu echten Familienmitgliedern, wie Ingrid Schöffmann über ihre Hündin „Luna“ berichtet: „Kein Mensch kann so treu sein wie ein Tier, besonders ein Hund.“
Bei den Segnungsfeiern danken die Menschen Gott für diese wertvollen Beziehungen und bitten um Schutz vor Unglück und Krankheit für ihre Tiere. Es ist ein Akt des Gebetes und der Wertschätzung für die Rolle, die Tiere in unserem Leben spielen. Dechant Lawrence Pinto hebt hervor, dass das Wohlergehen der Tiere das ganze Jahr über im Blick behalten werden sollte, nicht nur am Welttierschutztag. Assistenzhunde wie „Trusty“, der Elke K. im Autismus-Spektrum Halt gibt, zeigen eindrücklich, wie tief und lebensverändernd die Bindung zu einem Tier sein kann: „Trusty ist mit seiner beruhigenden Art eine hilfreiche Stütze. Er erdet mich, damit ich wieder neue Kraft schöpfen kann.“
Die theologische Perspektive auf die Mensch-Tier-Beziehung
Die Kirche sieht in den Tieren nicht nur Nutz- oder Haustiere, sondern bewusste Geschöpfe Gottes, die einen Namen vom Menschen erhalten und somit zu „Lebensgefährten“ werden können. Dipl. Pastoralassistentin Eva Schwarz-Dellemeschnig erkennt in Segensritualen eine Antwort auf eine tiefe menschliche Sehnsucht nach Deutung der Beziehung zu Tieren. Sie betont, dass wir in allen Geschöpfen „Schwester und Bruder“ sehen sollen, eine Botschaft, die auch Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato Si'“ aufgreift: „...jedes Geschöpf spiegelt etwas von Gott wider und hat eine Botschaft, die uns etwas lehren kann...“
Diese Perspektive fordert uns auf, Tiere nicht zu vermenschlichen, sondern sie als das zu akzeptieren, was sie sind: Tiere, die jedoch ein Recht auf artgerechte Behandlung und Schmerzfreiheit haben. Wie Gert Prix, ein langjähriger Vegetarier und Tierliebhaber, festhält: „Tiere als schmerzempfindliche Wesen haben volles Anrecht auf artgerechte Behandlung und Schmerzfreiheit. Das ist ein Grundrecht!“
Die Frage, was mit Tieren nach dem Tod passiert, beschäftigt viele Tierbesitzer, auch Gläubige. Eva Schwarz-Dellemeschnig äußert ihre feste Überzeugung: „Auch unsere Tiere werden nach ihrem Tod nicht in ein Nichts fallen. Das ist meine feste Überzeugung. Das traue ich mich auch, Kindern und alten Menschen zu sagen.“ Dies spricht eine tiefe Hoffnung an, die die Verbundenheit zwischen Mensch und Tier über das irdische Leben hinaus bestehen lässt.
Die Vielfalt der Tiere in Glaube und Alltag: Eine vergleichende Betrachtung
Die biblische Schöpfungsgeschichte legt den Grundstein für unser Verständnis der Tiere als Teil von Gottes Plan. Doch wie hat sich die Rolle der Tiere im Laufe der Geschichte und im modernen Glaubensleben entwickelt?
| Kategorie | Biblische Bedeutung / Beispiele | Moderne Rolle / Beispiele |
|---|---|---|
| Tiere des Feldes (wilde Tiere) | Löwe (Stärke, Gefahr), Wolf (Bedrohung), Hirsch (Anmut, Sehnsucht nach Gott), Schlange (Versuchung, Weisheit). Zeichen der Wildheit der Schöpfung. | Objekte des Naturschutzes; Symbole für Wildnis und Artenvielfalt; oft aus der Ferne bewundert (Zoo, Dokumentation). |
| Vieh (Nutztiere) | Lamm (Unschuld, Opfer), Rind (Stärke, Reichtum), Esel (Demut, Lastenträger). Essentiell für das Überleben und die Wirtschaft. | Lieferanten von Nahrung und Rohstoffen; Arbeitstiere; Gegenstand ethischer Debatten über Tierhaltung und -wohl. |
| Kriechtiere | Symbolisch oft negativ konnotiert (Schlange im Paradies), aber auch Teil der Vielfalt der Schöpfung. | Oft unterschätzte Rolle im Ökosystem; Haustiere (Reptilien, Insekten) für Nischenliebhaber; Forschungsobjekte. |
| Vögel | Taube (Frieden, Heiliger Geist), Rabe (Versorgung, Prophetie). Symbole für Freiheit und Boten Gottes. | Haustiere (Wellensittich, Kanarienvogel); Vögelbeobachtung als Hobby; Indikatoren für Umweltgesundheit. |
| Wassertiere | Fisch (Symbol für Jesus Christus, Fülle), Wal (Größe, Gottes Macht). | Haustiere (Zierfische); Fischerei; Gegenstand des Meeresschutzes. |
| Haustiere (im modernen Sinne) | Weniger explizit in der Bibel, aber der Mensch wurde von Anfang an als Hüter der Schöpfung eingesetzt (Gen 1,28). | Hund (Treue, Therapie, Assistenz), Katze (Unabhängigkeit, Trost), Kaninchen, Meerschweinchen. Familienmitglieder, emotionale Stütze, Kinderersatz. |
Häufig gestellte Fragen zur Schöpfung der Tiere und ihrer Bedeutung
F: Welche Tiere hat Gott laut Bibel konkret erschaffen?
A: Laut Genesis 1,25 hat Gott „alle Arten von Tieren des Feldes, alle Arten von Vieh und alle Arten von Kriechtieren auf dem Erdboden“ erschaffen. Dies umfasst die gesamte Vielfalt der Landtiere, sowohl wilde als auch domestizierbare sowie kriechende Lebewesen. Zuvor wurden bereits die Wassertiere und Vögel erschaffen.
F: Warum sind Tiersegnungen in der Kirche wichtig?
A: Tiersegnungen sind eine Tradition, die die Dankbarkeit für die Tiere als Geschöpfe Gottes ausdrückt und um ihren Schutz bittet. Sie erinnern daran, dass Tiere einen Wert an sich haben, nicht nur als Nutztiere, und dass sie oft treue Begleiter und Quellen der Freude und des Trostes für den Menschen sind. Sie stärken das Bewusstsein für Tierschutz und die Verantwortung des Menschen gegenüber der gesamten Schöpfung.
F: Wer ist der Schutzpatron der Tiere?
A: Der heilige Franz von Assisi ist der Schutzpatron der Tiere. Er lebte im 12. und 13. Jahrhundert und sah alle Geschöpfe als seine Brüder und Schwestern. Er wurde auch von Papst Johannes Paul II. zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie ernannt.
F: Haben Tiere eine Seele oder ein Leben nach dem Tod?
A: Die theologische Lehre über die Seele der Tiere ist komplex und wird unterschiedlich interpretiert. Die Bibel spricht von Tieren als „lebendigen Wesen“ (nefesch chajja). Während die menschliche Seele als unsterblich und für die Ewigkeit bestimmt gilt, gibt es keine explizite biblische Aussage über ein ewiges Leben für Tiere. Viele Gläubige, wie auch Pastoralassistentin Eva Schwarz-Dellemeschnig, sind jedoch persönlich davon überzeugt, dass Tiere nach dem Tod nicht ins Nichts fallen, da sie Teil von Gottes guter Schöpfung sind und Gott barmherzig ist.
F: Wie sollen wir Menschen mit Tieren umgehen?
A: Aus christlicher Sicht sollen Menschen als Verwalter und Hüter der Schöpfung Gottes mit Tieren barmherzig und respektvoll umgehen. Dies bedeutet, ihnen artgerechte Behandlung zukommen zu lassen, Leid zu vermeiden und ihre Bedürfnisse zu achten. Die Botschaft des heiligen Franz von Assisi, Tiere als „Brüder“ zu sehen, fordert zu Empathie und Fürsorge auf und betont, dass die Beziehung zu Tieren auch zu mehr Humanität den Menschen gegenüber führen sollte.
Fazit: Eine Schöpfung voller Leben und Verantwortung
Die Schöpfungsgeschichte lehrt uns, dass Gott eine immense Vielfalt an Tieren auf der Erde geschaffen hat – von den Tieren des Feldes über das Vieh bis hin zu den Kriechtieren – und dass er all dies als „gut“ befand. Diese ursprüngliche Güte der Schöpfung verpflichtet uns Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit allen Lebewesen. Der heilige Franz von Assisi hat uns mit seinem beispielhaften Leben und seiner tiefen Ehrfurcht vor der gesamten Schöpfung gezeigt, dass Tiere nicht nur Objekte sind, sondern Mitgeschöpfe, die unsere Achtung und unseren Schutz verdienen.
Die jährlichen Tiersegnungen sind ein wunderschönes Zeichen dieser Anerkennung und der tiefen Verbundenheit, die viele Menschen zu ihren tierischen Begleitern empfinden. Sie erinnern uns daran, dass in jedem Tier ein Funke der göttlichen Schöpfungsenergie liegt und dass unsere Fürsorge für sie ein Ausdruck unserer eigenen Humanität und unseres Glaubens ist. Mögen wir alle die Botschaft von Liebe, Freude und Verbundenheit, die unsere Tiere uns täglich schenken, erkennen und entsprechend handeln, um die gesamte Schöpfung zu ehren.
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