08/12/2021
Das Schma Jisrael, wörtlich übersetzt „Höre, Israel“, ist weit mehr als nur ein Gebet; es ist das fundamentale Glaubensbekenntnis des Judentums, ein Ausdruck tiefster Überzeugung und der Eckpfeiler des jüdischen Lebens. Beginnend mit den mächtigen Worten „Höre Jisrael, der Ewige ist unser G-tt, der Ewige ist einzig“ und endend mit der Aufforderung, den Ewigen mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft zu lieben, verkörpert es die Essenz der jüdischen Beziehung zu G-tt. Es ist das erste, was ein jüdisches Kind lernt, ein integraler Bestandteil jedes Gottesdienstes und die letzten Worte vieler jüdischer Märtyrer, die ihren Glauben bis zum Ende bezeugten.

Dieses tiefgreifende Bekenntnis ist nicht nur eine Rezitation, sondern eine spirituelle Reise, die den Einzelnen und die Gemeinschaft aufruft, G-ttes Einheit anzuerkennen und seine Gebote bedingungslos anzunehmen. In den folgenden Abschnitten werden wir die historische Entwicklung, die theologische Bedeutung, den detaillierten Aufbau und die praktische Rezitation des Schma Jisrael beleuchten, um seine herausragende Rolle im Judentum vollends zu erfassen.
- Was ist das Schma Jisrael eigentlich?
- Die historische Entwicklung und theologische Bedeutung
- Schma vs. Gebet: Ein grundlegender Unterschied
- Der Aufbau des Schma Jisrael – Eine tiefe Offenbarung
- Die Rezitation des Schma im Alltag und Festtagskalender
- Häufig gestellte Fragen zum Schma Jisrael
- Warum ist der Satz „Baruch schem kevod malchuto le'olam va'ed“ (Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches für immer und ewig) normalerweise leise zu sprechen?
- Warum sind die Buchstaben Ayin (ע) in „Schma“ und Dalet (ד) in „Echad“ im Toratext größer geschrieben?
- Warum wurden die Zehn Gebote nicht in das Schma Jisrael aufgenommen?
- Was bedeutet Kawana im Zusammenhang mit der Schma-Rezitation?
- Warum muss das Schma Jisrael morgens und abends gesprochen werden?
- Schlussfolgerung
Was ist das Schma Jisrael eigentlich?
Im Kern ist das Schma Jisrael das Glaubensbekenntnis des Judentums. Es ist nicht primär ein Bittgebet, sondern eine Erklärung der Einzigkeit G-ttes und der absoluten Hingabe des Menschen an Ihn. Es setzt sich aus drei Abschnitten der Tora zusammen und wird zweimal täglich rezitiert, morgens und abends, um die Präsenz G-ttes im täglichen Leben zu bekräftigen. Die Verpflichtung, das Schma zu rezitieren, besteht unabhängig von der allgemeinen Gebetspflicht, was seine besondere Stellung unterstreicht. Es ist eine Verinnerlichung der G-ttlichen Einheit und der unbedingten Loyalität gegenüber dem Bund, den G-tt mit dem Volk Israel geschlossen hat.
Die historische Entwicklung und theologische Bedeutung
Die Worte des Schma Jisrael finden ihren Ursprung im fünften Buch Mose (Deuteronomium 6,4–9 EU). Interessanterweise waren diese Worte innerhalb des biblischen Textes ursprünglich nicht besonders hervorgehoben. Ihre überragende und zentrale liturgische sowie dogmatische Bedeutung erlangten sie offenbar erst in frühjüdischer Zeit. Im Kontext des Deuteronomiums ist das „Lieben“ G-ttes als „unbedingte Bundesloyalität“ zu verstehen. Karin Finsterbusch hebt hervor, dass die Aussagen dieses Abschnitts ein bemerkenswertes Programm darstellen: Die Gesetze G-ttes sollen auswendig gewusst, eine zentrale Rolle in der täglichen Erziehung spielen, zum „Markierungszeichen“ des Einzelnen werden und in privaten wie öffentlichen Räumen sichtbar vor Augen stehen.
Die antiken jüdischen Gemeinden, insbesondere diejenigen, die den Abschnitt in griechischer Übersetzung (Septuaginta) rezitierten, hatten ihm bereits einen festen liturgischen Wortlaut gegeben. Sowohl die Mischna als auch Flavius Josephus (Jüdische Altertümer IV,8,13) bezeugen die frühe Zusammenfügung der drei Abschnitte zu einem Ganzen. Während der Tempelzeit rezitierten die Priester die drei Tora-Abschnitte gleich nach dem täglichen Opfer laut. Die anwesende Gemeinde hörte still zu und antwortete auf den ersten Satz, der den G-ttesnamen enthält, mit dem Ruf „Baruch schem“ (Gelobt sei der Name).
Die Pflicht, das Schma zu rezitieren, ist so zentral, dass sie als eigenständige religiöse Verpflichtung betrachtet wird. Wer zufällig an einem Ort vorbeikommt, wo das Schma rezitiert wird, beteiligt sich daran, selbst wenn er es für sich selbst schon rezitiert hat. Dies dient dazu, sich nicht symbolisch aus der jüdischen Gemeinschaft auszuschließen und die Einheit des Volkes in der Anbetung G-ttes zu demonstrieren.
Schma vs. Gebet: Ein grundlegender Unterschied
Oft wird das Schma Jisrael als „Gebet“ bezeichnet, doch streng genommen ist es, wie bereits erwähnt, ein Glaubensbekenntnis oder eine Proklamation der G-ttlichen Einheit. Während ein traditionelles jüdisches Gebet (Tefilla) oft aus Lobpreis, Bitten und Danksagung besteht und eine direkte Kommunikation mit G-tt darstellt, ist das Schma eine Erklärung der Realität, nämlich der Einheit G-ttes und der Verpflichtung des Menschen gegenüber Seinen Geboten.
Diese Unterscheidung ist bedeutsam, da sie die einzigartige Rolle des Schma im jüdischen Gottesdienst hervorhebt. Es ist keine Bitte um etwas, sondern eine Annahme und Bestätigung. Die Pflicht, das Schma zu rezitieren (Krijat Schma), besteht unabhängig von der Pflicht zu beten. Man kann seine Gebetspflicht erfüllt haben und dennoch die Verpflichtung zum Schma Jisrael haben, oder umgekehrt. Es ist die zentrale Erklärung der G-ttesherrschaft und der Akzeptanz des „Jochs des Himmels“.

Der Aufbau des Schma Jisrael – Eine tiefe Offenbarung
Das eigentliche Schma Jisrael ist in drei Hauptabschnitte aus der Tora gegliedert und wird von drei Segen (Berachot) umrahmt, die bereits auf die Tempelzeit zurückgehen. Die Mischna diskutiert detailliert die Zusammensetzung und die Gründe für die Wahl dieser spezifischen Abschnitte.
Die umrahmenden Berachot
Die erste Beracha: Birkat Jozer – Der Schöpfer des Lichts
Diese Beracha, benannt nach dem zentralen Begriff „Jozer“ (schaffen, bilden), preist G-tt als den Schöpfer der Lichter – sowohl des täglichen Sonnenaufgangs als auch der Finsternis der Nacht. Sie beginnt im werktäglichen Morgengebet mit der Aufforderung zur Segnung G-ttes durch den Vorbeter (Barechu). Innerhalb dieses Segens wird die Keduscha, eine alte Hymne aus den Propheten Jeschajahu und Jecheskel, eingefügt, in der sich die Betenden mit den Engeln vereinigen, um G-tt als Erschaffer der Himmelsleuchten zu preisen. Die Beracha endet mit dem Segen: „Gesegnet seist Du, der die Lichter erschafft.“ Es ist an diesen beiden Schnittpunkten des Tages – Sonnenaufgang und Sonnenuntergang – wo das Schma Jisrael rezitiert wird.
Die zweite Beracha: Ahava – Die Liebe Gottes und Israels
Diese Beracha beginnt mit den Worten „Ahava raba“ (Große Liebe) und endet mit „Habocher be’amo jisrael be’ahava“ (Der sein Volk Israel in Liebe erwählt hat). Das Leitmotiv ist die reine Liebe: G-ttes Liebe zur Welt und zum Volk Israel, sowie Israels Liebe zu G-tt und zur Tora. Während die erste Beracha die Schöpfung thematisiert, konzentriert sich die zweite auf die Offenbarung – die Tora, die G-tt aus Liebe zu Israel gab. Beide Themen sind laut Munk die „Eckpfeiler des Judentums, die sich gegenseitig stützen.“ Da diese Beracha an keine Tageszeit gebunden ist, konnten sie die Kohanim im Tempel bereits vor Sonnenaufgang sprechen.
Die drei Kernabschnitte des Schma Jisrael
Die Zusammensetzung des Schma Jisrael aus diesen drei Toraabschnitten wurde im Talmud (Traktat Brachot 12b–13b) intensiv diskutiert. Ursprünglich wurde sogar erwogen, die Zehn Gebote oder die Segnungen Bile’ams hinzuzufügen, doch dies wurde verworfen, um nicht den Eindruck zu erwecken, der Rest der Tora sei weniger wichtig oder um die Gebete nicht unnötig zu verlängern.
1. Der erste Abschnitt: Debarim 6,4-9 (Kabalat Ol Malchut Schamajim – Annahme der göttlichen Herrschaft)
Dieser Abschnitt beginnt mit dem Kernsatz „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist Eins.“ Es ist die Bezeugung der absoluten Einzigkeit G-ttes. Rabbi Seidler erklärt, dass diese Einzigkeit im Kontrast zur Vielfalt der materiellen Welt steht, die sich dennoch auf einen einzigen Ursprung zurückführen lässt: ihren Schöpfer. G-tt ist transzendent, existierte vor der Schöpfung, ist unwandelbar, heilig, allwissend und allgegenwärtig. Auffallend ist, dass der letzte Buchstabe von „Schma“ (ע) und der von „Echad“ (ד) größer geschrieben werden. Zusammen bilden sie das Wort „עד“ (ed) – Zeuge. Israel wird somit zum Zeugen von G-ttes Einzigkeit.
Direkt im Anschluss, und traditionell leise gesprochen (außer an Jom Kippur), folgt der Satz „Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches für immer und ewig.“ Dieser Satz ist nicht biblischen Ursprungs, sondern eine Antwortformel aus der Tempelzeit, die an die Stelle des „Amen“ trat, wenn der Priester den Namen G-ttes aussprach.
Der Abschnitt fährt fort mit der Aufforderung, G-tt mit ganzem Herzen, ganzer Seele (was laut Raschi bedeutet, selbst wenn das Leben genommen wird) und ganzem Vermögen zu lieben. Er betont die Pflicht zum Tora-Studium und zur Weitergabe dieses Wissens an Kinder und Schüler. Die Worte „schärfe sie deinen Kindern ein“ weisen auf das wiederholte Lernen hin. Zudem enthält dieser Abschnitt die Verpflichtung zum Anlegen der Tefillin (Gebetsriemen) und zum Anbringen der Mesusa (Schriftkapsel am Türpfosten). Die Formulierung „wenn du zu Hause sitzest und wenn du auf dem Wege gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst“ ist die Grundlage für die tägliche Rezitation morgens und abends. Dieser erste Abschnitt ist durchweg in der zweiten Person Singular verfasst, richtet sich also vordergründig an den einzelnen Menschen.
2. Der zweite Abschnitt: Debarim 11,13-21 (Kabalat Ol Mizwot – Annahme der Gebote)
Dieser Abschnitt beginnt mit den Worten „Und es sei, wenn ihr auf Meine Gebote, die Ich euch heute gebiete, wirklich hören werdet...“ Er thematisiert die Übernahme der göttlichen Gebote durch den Menschen und die Konsequenzen ihrer Einhaltung oder Missachtung. G-tt verspricht Regen und Fruchtbarkeit des Landes bei Befolgung seiner Gebote, warnt aber auch vor Zorn und Verwüstung bei Abweichung und Götzendienst. Es ist eine klare Darstellung von Segen und Fluch.

Die Aufforderung zum „Dienst mit dem Herzen“ wird von Raschi als Hinweis auf das Gebet verstanden. Auch hier wird die Verpflichtung zur täglichen Rezitation des Schma sowie zum Anlegen von Tefillin und Anbringen von Mesusot wiederholt. Im Gegensatz zum ersten Abschnitt ist dieser in der zweiten Person Plural abgefasst, was laut Donin bedeutet, dass er sich an die Gesamtheit des Volkes Israel wendet. Es geht um die kollektive Verantwortung und das Schicksal des Volkes.
3. Der dritte Abschnitt: Bamidbar 15,37-41 (Paraschat Zizit – Der Abschnitt der Schaufäden)
Dieser letzte Abschnitt beginnt mit den Worten „Und der Ewige sprach zu Mose und sagte: Sprich zu den Kindern Israel und sage ihnen, sie sollen sich Schaufäden machen an den Ecken ihrer Kleider für ihre Geschlechter...“ Er befasst sich – stellvertretend für die Übernahme aller göttlichen Gebote – mit der Erfüllung der Mizwa der Zizit (Schaufäden) und postuliert ein Ideal der Heiligkeit („und heilig seid eurem Gotte“). Raschi weist darauf hin, dass der Zahlenwert des Wortes Zizit (600), zusammen mit den acht Fäden und fünf Knoten, die Zahl 613 ergibt, was auf die 613 Ge- und Verbote der Tora verweist.
Es ist Brauch, die Zizit des Tallit (Gebetsmantel) vor dem Sprechen des Schma Jisrael in die linke Hand zu nehmen und sie bei der Erwähnung der Zizit im Text zu den Lippen zu führen und zu küssen. Dieser Abschnitt gedenkt auch täglich des „Prototyps der Erlösung“, des Auszugs aus Ägypten, was die Bedeutung der Freiheit und G-ttes Führung unterstreicht. Ohne Unterbrechung folgt das letzte Wort des Schma, „Emet“ (Wahrheit), welches eigentlich das Anfangswort der unmittelbar anschließenden dritten Beracha ist.
Die dritte Beracha: Emet und Ge’ula – Wahrheit und Erlösung
Diese Beracha, die nach dem Schma folgt, hat das Motiv des Dankes Israels für die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten und für all die Wunder, die G-tt vollbracht hat. Sie enthält Zitate aus dem Lied am Schilfmeer und schließt den Kreis der Schma-Rezitation. Zusammenfassend führt das Schma Jisrael von der Erkenntnis und Anerkennung der göttlichen Herrschaft (1. Abschnitt) über die Übernahme der göttlichen Gebote (2. Abschnitt) zur individuellen und kollektiven Heiligkeit (3. Abschnitt).
Die Rezitation des Schma Jisrael ist eine zentrale und wiederkehrende Mizwa im jüdischen Leben. Es wird zweimal täglich gesprochen, morgens und abends, entsprechend der biblischen Anweisung „wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst“.
Morgengebet (Schacharit): Das Schma ist ein wesentlicher Bestandteil des Morgengebetes. Die Pflicht zur Rezitation am Morgen kann laut Kizzur Schulchan Aruch bis zu einem Viertel des Tages erfüllt werden. Dies gibt den Betenden Flexibilität, berücksichtigt aber auch die Wichtigkeit der frühen Rezitation.
Abendgebet (Ma'ariv): Analog zum Morgen wird das Schma auch im Abendgebet rezitiert, um den Tag mit G-ttes Einheit abzuschließen. Viele fügen vor dem Einschlafen ein zusätzliches privates Gebet hinzu, gefolgt von der Rezitation des Schma Jisrael, um den Schlaf in G-ttes Obhut zu legen.

Weitere Vorkommen in der Liturgie: Aufgrund seiner überragenden Bedeutung erscheint das Schma Jisrael an verschiedenen weiteren Stellen im Gottesdienst:
- Am Anfang des Morgengebets.
- In der Keduscha des Mussafgebets an Sabbat und Feiertagen.
- Beim Ausheben der Torarolle aus dem Aron haKodesch.
- Im zusätzlichen Mussafgebet an Rosch ha-Schana (Neujahrsfest).
- Als Höhepunkt des Abschlusses der Liturgie von Jom Kippur (Versöhnungstag).
- An Hoschana Rabba (dem siebten Tag des Laubhüttenfestes) ist das Ausrufen des Schma Jisrael Höhepunkt des siebten Rundgangs um den Almemor.
- Bei einem Begräbnis, als letztes Bekenntnis des Verstorbenen und der Gemeinschaft.
Art der Rezitation: Die Krijat Schma, die Lesung des Schma, soll laut und klar gesprochen werden, damit man es selbst deutlich hört. Ursprünglich wurde das Schma stehend gesprochen, da es einer Zeugenaussage gleichkommt. Seit einer Auseinandersetzung der Rabbinen mit den Karäern im 9. Jahrhundert n.d.Z. soll es jedoch sitzend gebetet werden. Um die sogenannte Kawana (Andacht oder innere Konzentration) zu fördern, bedeckt der Betende traditionell mit der rechten Hand die Augen beim Sprechen des ersten Verses. Dies hilft, äußere Ablenkungen auszublenden und sich voll und ganz auf die tiefgreifende Botschaft zu konzentrieren.
Vergleichstabelle: Schma Jisrael vs. Traditionelles Gebet (Tefilla)
| Merkmal | Schma Jisrael | Traditionelles Gebet (Tefilla) |
|---|---|---|
| Funktion | Glaubensbekenntnis, Proklamation der Einheit Gottes, Annahme der Herrschaft Gottes | Lobpreis, Danksagung, Bitten, Ausdruck persönlicher und gemeinschaftlicher Bedürfnisse |
| Inhalt | Feste Toraabschnitte (Deuteronomium 6:4-9, 11:13-21; Numeri 15:37-41) | Variiert je nach Gebet (z.B. Amida, Segenssprüche), oft mit flexiblen Abschnitten |
| Fokus | G-ttes Einheit, Akzeptanz Seiner Gebote, Bekenntnis zum Judentum | Kommunikation mit G-tt, Ausdruck der Beziehung, Bitte um Intervention |
| Verpflichtung | Eigenständige Pflicht, unabhängig von der Gebetspflicht | Allgemeine religiöse Pflicht, oft zu festen Zeiten (Schacharit, Mincha, Ma'ariv) |
| Rezitationsform | Morgens und abends obligatorisch; klar und deutlich (erste Zeile mit bedeckten Augen) | Dreimal täglich obligatorisch; oft leise (Amida) oder im Chor |
| Historischer Ursprung | Frühe jüdische Tradition, basierend auf Toraversen, die im Tempel rezitiert wurden | Entwickelt aus biblischen Gebetsformen und rabbinischen Verordnungen |
Häufig gestellte Fragen zum Schma Jisrael
Warum ist der Satz „Baruch schem kevod malchuto le'olam va'ed“ (Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches für immer und ewig) normalerweise leise zu sprechen?
Dieser Satz ist nicht direkt in der Tora verankert, sondern stammt aus der mündlichen Tradition. Er wurde im Tempel laut ausgerufen, wenn die Priester den heiligen Namen G-ttes aussprachen, als eine Art Antwort und Lobpreis durch das Volk. Um jedoch zu kennzeichnen, dass dieser Satz nicht biblischen Ursprungs ist und um die Einzigartigkeit der Tora-Verse zu wahren, wird er im normalen Gottesdienst leise gesprochen. Nur an Jom Kippur, dem heiligsten Tag des Jahres, wird er laut rezitiert, da an diesem Tag das jüdische Volk den Engeln gleichgestellt ist, die G-ttes Namen offen preisen.
Warum sind die Buchstaben Ayin (ע) in „Schma“ und Dalet (ד) in „Echad“ im Toratext größer geschrieben?
Diese Vergrößerung der Buchstaben ist eine alte rabbinische Tradition. Zusammen bilden die beiden Buchstaben das hebräische Wort „עד“ (ed), was „Zeuge“ bedeutet. Dies soll symbolisieren, dass das Volk Israel durch die Rezitation des Schma Jisrael G-ttes Einzigkeit bezeugt. Gleichzeitig bezeugt G-tt das Volk Israel, das Seinen Auftrag erfüllt und Seine Einheit verkündet.
Warum wurden die Zehn Gebote nicht in das Schma Jisrael aufgenommen?
Der Talmud diskutiert dies ausführlich. Unsere Weisen befürchteten, dass die Aufnahme der Zehn Gebote in das tägliche Schma zu einer Überbetonung führen könnte. Es bestand die Sorge, dass „Apikorsim“ (Ketzer oder Skeptiker) argumentieren könnten, nur die Zehn Gebote seien wichtig und der Rest der Tora sei irrelevant. Um diesem Missverständnis vorzubeugen und die Gesamtheit der Tora als gleichwertig und wichtig zu unterstreichen, wurde auf ihre Aufnahme verzichtet.
Was bedeutet Kawana im Zusammenhang mit der Schma-Rezitation?
Kawana bedeutet „Absicht“, „Konzentration“ oder „Andacht“. Im Kontext des Gebets und insbesondere des Schma Jisrael bezieht es sich auf die innere Einkehr und die bewusste Absicht, die Worte mit vollem Verständnis und Hingabe zu sprechen. Beim Schma Jisrael ist es besonders wichtig, die Bedeutung der G-ttes Einheit und der Akzeptanz Seiner Gebote zu verinnerlichen. Das Bedecken der Augen mit der rechten Hand während des ersten Verses ist eine Praxis, die die Konzentration fördern und äußere Ablenkungen minimieren soll, um eine tiefere Kawana zu ermöglichen.
Warum muss das Schma Jisrael morgens und abends gesprochen werden?
Die Anweisung, das Schma morgens und abends zu rezitieren, leitet sich direkt aus dem biblischen Text im Deuteronomium ab: „Schärfe sie deinen Kindern ein und sprich in ihnen, wenn du zu Hause sitzest und wenn du auf dem Wege gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst.“ Das „Hinlegen“ wird auf den Abend bezogen und das „Aufstehen“ auf den Morgen. Diese zweimalige Rezitation symbolisiert die ständige Präsenz G-ttes im Leben des Juden, von dem Moment des Erwachens bis zum Einschlafen. Es ist eine tägliche Erneuerung des Bundes und des Bekenntnisses zu G-ttes Einheit.
Schlussfolgerung
Das Schma Jisrael ist das schlagende Herz des jüdischen Glaubens und ein zeitloses Vermächtnis. Es ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Versen, sondern eine lebendige Tradition, die die jüdische Identität über Generationen hinweg geprägt hat. Von der Anerkennung G-ttes als einzigem Schöpfer bis zur Verpflichtung, Seine Gebote zu befolgen und ein Leben in Heiligkeit zu führen, fasst das Schma die gesamte theologische Essenz des Judentums zusammen. Es erinnert uns täglich an unsere Beziehung zu G-tt, unsere Verantwortung gegenüber Seiner Tora und unsere Rolle als Zeugen Seiner Einheit in der Welt. Die tiefe spirituelle Bedeutung und die historische Kontinuität machen das Schma Jisrael zu einem unverzichtbaren Anker in der jüdischen Praxis und Spiritualität, der jeden Einzelnen dazu aufruft, G-ttes Ruf zu hören und ihm mit ganzem Herzen zu folgen.
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