Was ist der Heilige Geist?

Das Sanctus: Die Brücke zwischen Himmel und Erde

28/11/2022

Rating: 5 (15838 votes)

Das Sanctus, auch bekannt als das „Heilig, heilig, heilig“, ist weit mehr als nur ein liturgisches Lied; es ist ein zeitloses Echo der himmlischen Sphären, das sich seit Jahrhunderten in den christlichen Gottesdiensten der Welt widerspiegelt. Als integraler Bestandteil des eucharistischen Hochgebets bildet es einen Höhepunkt, in dem die Gemeinde sich dem Lobpreis der Engel und Heiligen anschließt. Doch was genau macht diese Gebetsworte so besonders, und welche tiefe theologische Bedeutung bergen sie?

Inhaltsverzeichnis

Das Sanctus: Ein Ruf der Heiligkeit

Das Sanctus gehört zu den ältesten und ehrwürdigsten Elementen des christlichen Gottesdienstes. Es wird im lutherischen Gottesdienst unmittelbar vor den Einsetzungsworten zum Abendmahl gesungen und im katholischen Gottesdienst nach der Präfation, zu Beginn des eucharistischen Hochgebets. Seine Worte sind eine kraftvolle Mischung aus alttestamentlichen Prophetien und messianischen Jubelrufen, die sich in einem einzigen, erhabenen Gesang vereinen.

Was sind die Gebetsworte?
Die Gebetsworte setzen sich zusammen aus dem Ruf der Engel in der Berufungsvision des Prophet en Jesaja (Jes 6,3) sowie aus dem messianischen Jubelruf Hosanna aus Psalm 118 (Ps 118,25-26), der hier auf die eucharistische Gegenwart Christi bezogen wird. Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth. Pleni sunt caeli et terra gloria tua.

Die Worte des Sanctus im Überblick:

Die Gebetsworte des Sanctus setzen sich aus zwei zentralen biblischen Quellen zusammen:

  1. Der Ruf der Engel in der Berufungsvision des Propheten Jesaja (Jes 6,3): „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt.“
  2. Der messianische Jubelruf „Hosanna“ aus Psalm 118 (Ps 118,25-26), der auf die eucharistische Gegenwart Christi bezogen wird: „Hosanna in der Höhe. Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe.“

Die lateinische und deutsche Fassung lautet:

Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth.

Pleni sunt caeli et terra gloria tua.

Hosanna in excelsis.

Benedictus qui venit in nomine Domini.

Hosanna in excelsis.

---

Heilig, heilig, heilig Gott, Herr aller Mächte und Gewalten.

Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit.

Hosanna in der Höhe.

Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.

Hosanna in der Höhe.

Historische Wurzeln und biblische Ursprünge

Die Wurzeln des Sanctus reichen tief in die Geschichte des Glaubens hinein und verbinden jüdische Tradition mit christlicher Liturgie.

Die Vision des Propheten Jesaja (Jes 6,1-4)

Der erste Teil des Sanctus, der dreifache Ruf „Heilig, heilig, heilig“, entstammt der eindrücklichen Berufungsvision des Propheten Jesaja. Im Todesjahr des Königs Usija sah Jesaja den Herrn auf einem hohen Thron, dessen Gewand den Tempel erfüllte. Über ihm standen die Serafim, geheimnisvolle, geflügelte Engelswesen, die einander unaufhörlich zuriefen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt.“ Dieses überwältigende Erlebnis der göttlichen Größe und Erhabenheit, die menschliches Ermessen übersteigt, bildet den Kern des Sanctus. Es ist ein Ausdruck des Staunens und der Ehrfurcht vor der allumfassenden Heiligkeit Gottes.

Jüdische Tradition und das „Kadosch“

Der hebräische Begriff „kadosch“, der dem lateinischen „sanctus“ entspricht, war bereits im jüdischen Synagogengottesdienst von großer Bedeutung. Wenn in der jüdischen Gemeinde das Achtzehnbittengebet (die Amida) gemeinsam gebetet wurde, war es traditionell üblich, sich beim Aussprechen des „kadosch, kadosch, kadosch“ dreimal leicht auf die Zehenspitzen zu stellen. Dies symbolisierte die Annäherung der Betenden an die Engel im Himmel, die auf ähnliche Weise die Heiligkeit Gottes verkünden. Diese tiefe Verbindung zwischen menschlichem Gebet und himmlischem Lobpreis wurde von den frühen Christen übernommen und in ihre Liturgie integriert.

Die Einführung in die frühe christliche Liturgie

Bereits in den ersten Jahrhunderten des Christentums wurde dieser Ruf der Serafim zu einem festen Bestandteil des Hochgebets. Im 4. Jahrhundert fand er Eingang in die Liturgien des Ostens und im 5. Jahrhundert in die des Westens. Die Worte „Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit“ verdeutlichen dabei die überschwängliche Gegenwart Gottes, die nicht nur den Tempel, sondern die gesamte Schöpfung durchdringt und über alle rein menschlichen Bereiche hinausreicht.

Das Sanctus als himmlischer Lobpreis auf Erden

Der Gesang des Sanctus ermöglicht es den Gläubigen, über sich selbst hinauszuwachsen und in den gewaltigen Gesang der Engel einzustimmen, die unablässig die Heiligkeit Gottes preisen. Es ist ein Moment, in dem Himmel und Erde sich verbinden, wenn die feiernde Gemeinde diese uralten Worte singt. Wer in dieses immerzu in der Gegenwart Gottes erklingende Sanctus einstimmt, steht mit den Engeln und Heiligen in Seiner Gegenwart – und das ist immer schon ein Stück Himmel auf Erde.

Die Offenbarung des Johannes beschreibt in Kapitel 4, Vers 8, wie vier Wesen rufen: „Heilig, heilig, heilig, ist der Herr, der Gott der Herrscher über die ganze Schöpfung; er war, und er ist, und er kommt.“ Der Sanctus-Ruf lässt die gottesdienstliche Gemeinde erfahren, dass sie jetzt selbst vor dem Thron Gottes und Jesus Christus steht. Wir beteiligen uns am Lobpreis, den die „himmlischen Scharen“ ohne Unterbruch Gott darbringen. Das Sanctus stiftet so eine Raum und Zeit übergreifende Chorgemeinschaft, die uns über unsere irdische Existenz hinaushebt.

Der Hosanna-Ruf und der kommende Christus

Zum Ausruf des Sanctus gehört seit den Anfängen seiner liturgischen Verwendung ein weiteres Bibelwort: Der Jubelruf „Hosanna“. Als Jesus in Jerusalem einzog, begrüßten ihn die Menschen mit den Worten: „Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“ (Mt 21,9 mit Ps 118,26). „Hosanna“ bedeutet wörtlich „bring Hilfe“ oder „rette doch!“. In der Liturgie erklingt dieser Ruf als Ausdruck der Verehrung und der Erwartung des kommenden Messias. Dieser Teil des Sanctus wird auch als „Benedictus“ bezeichnet (benedictus = gesegnet, hochgelobt).

Wenn die betende Kirche singt: „Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“, drückt sie damit nicht nur die sehnsüchtige Erwartung der Wiederkunft Christi aus, sondern bekennt auch, dass Christus ihr in der Eucharistiefeier in der Gestalt des Brotes und des Weines, in seinem Leib und Blut, geschenkt wird. Er kommt hinein in das „Jetzt“ und verbindet Himmel und Erde, bis er wiederkommt „im Namen des Herrn“.

Das Sanctus als unverzichtbarer Bestandteil

Das Sanctus ist kein beliebiges Lied, das durch andere Texte ersetzt werden könnte. Es ist vielmehr ein gesungener Zuruf, der das Alte Testament mit dem Neuen verbindet und auf unsere tiefen jüdisch-christlichen Wurzeln verweist. Die Worte, die in der Liturgie gesprochen oder gesungen werden, sind nicht willkürlich austauschbar, sondern tragen eine bedeutungsvolle Geschichte und Theologie in sich.

Was sind die Gebetsworte?
Die Gebetsworte setzen sich zusammen aus dem Ruf der Engel in der Berufungsvision des Prophet en Jesaja (Jes 6,3) sowie aus dem messianischen Jubelruf Hosanna aus Psalm 118 (Ps 118,25-26), der hier auf die eucharistische Gegenwart Christi bezogen wird. Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth. Pleni sunt caeli et terra gloria tua.

Das Sanctus im eucharistischen Hochgebet

Als integraler Bestandteil des eucharistischen Hochgebets richtet sich das Sanctus wie das gesamte Hochgebet an den Vater. Im Heiligen Geist sind die himmlische und die irdische Welt miteinander vermittelt. Die Menschen nehmen schon jetzt am Lobpreis der himmlischen Heerscharen teil. Die Personen im Hochgebet – Engel und Menschen, der Vater und Christus – bleiben dieselben. Der Heilige Geist ist immer präsent, da alles Beten und Bekennen im Geist geschieht. Die Präfation, die dem Sanctus vorausgeht, endet mit dem Satz: „Durch ihn (Christus) rühmen dich (den Vater) deine Erlösten und singen (hier und heute) mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit: Heilig, heilig, heilig...“ Dies unterstreicht die ununterbrochene Verbindung zwischen irdischer und himmlischer Liturgie.

Von der himmlischen Sphäre zurück ins alltägliche Leben

Das Sanctus, gesungen im Bewusstsein, dass wir es zusammen mit den „himmlischen“ Chören tun, öffnet uns den Himmel und lässt uns Kraft für unsere irdische Pilgerschaft schöpfen. Es weist den Menschen über sich hinaus und lässt ihn schon jetzt ein Stück Himmel kosten. Doch es geht nicht darum, in dieser himmlischen Sphäre zu verharren. Wie Jesaja nach seiner Vision zur prophetischen Verkündigung gesandt wurde, so sind auch wir, die das Sanctus singen und Christus in der Eucharistie empfangen, dazu aufgerufen, Frucht im alltäglichen Leben zu bringen.

Der Ausruf „Benedictus“ in Psalm 118 mündet in einen Segenszuspruch: „Gesegnet der kommt im Namen des Herrn. Wir segnen euch vom Haus des Herrn her. Gott, der Herr, erleuchte uns.“ (Ps 118,26-27). Am Ende der Messe wird allen nach dem Schlusssegen zugerufen: „Gehet hin in Frieden.“ Dies bedeutet: Geht, auch ihr seid gesendet. Das Sanctus ist somit nicht nur ein Gebet des Empfangens, sondern auch der Sendung, das uns ermutigt, die erfahrene Heiligkeit und den Frieden Gottes in die Welt zu tragen.

Vergleich der biblischen Ursprünge des Sanctus

Bestandteil des SanctusBiblischer UrsprungKernbedeutungBeziehung zur Liturgie
„Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth. Pleni sunt caeli et terra gloria tua.“ (Heilig, heilig, heilig Gott, Herr aller Mächte und Gewalten. Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit.)Jesaja 6,3 (Vision der Serafim)Gottes transzendente Heiligkeit und allumfassende Herrlichkeit, die die Schöpfung durchdringt.Ausdruck der Ehrfurcht und des Staunens der Gemeinde über Gottes Größe; Vereinigung mit dem himmlischen Lobpreis.
„Hosanna in excelsis. Benedictus qui venit in nomine Domini. Hosanna in excelsis.“ (Hosanna in der Höhe. Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe.)Psalm 118,25-26 & Matthäus 21,9 (Jubelruf beim Einzug Jesu in Jerusalem)Messianischer Jubelruf, Bitte um Erlösung und feierliche Begrüßung Christi, der in die Mitte der Gemeinde kommt.Erwartung der Wiederkunft Christi und Anerkennung seiner gegenwärtigen Anwesenheit in der Eucharistie.

Häufig gestellte Fragen zum Sanctus

Was ist das Sanctus im Gottesdienst?

Das Sanctus ist ein fester Bestandteil des christlichen Gottesdienstes, insbesondere des eucharistischen Hochgebets (Messe oder Abendmahl). Es ist ein Lobgesang, der die Heiligkeit Gottes preist und die Ankunft Christi feiert, indem er biblische Zitate aus dem Buch Jesaja und den Psalmen vereint.

Woher stammen die Gebetsworte des Sanctus?

Die Worte stammen hauptsächlich aus zwei Quellen: Der dreifache Ruf „Heilig, heilig, heilig“ (lateinisch: sanctus) kommt aus der Vision des Propheten Jesaja (Jes 6,3), in der Engel Gott preisen. Der Ruf „Hosanna in excelsis. Benedictus qui venit in nomine Domini.“ (Hosanna in der Höhe. Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.) stammt aus Psalm 118,25-26 und dem Evangelium nach Matthäus 21,9, wo er den Einzug Jesu in Jerusalem begleitet.

Warum ist das Sanctus so wichtig in der Liturgie?

Das Sanctus ist wichtig, weil es die Gemeinde mit dem himmlischen Lobpreis der Engel verbindet und sie in die Gegenwart Gottes und Christi versetzt. Es ist eine Brücke zwischen Himmel und Erde, die die Allmacht und Heiligkeit Gottes sowie die Hoffnung auf die Wiederkunft Christi und seine Gegenwart in der Eucharistie zum Ausdruck bringt.

Was bedeutet „Hosanna“?

„Hosanna“ ist ein hebräischer Ausruf, der ursprünglich „Hilf doch!“ oder „Rette doch!“ bedeutet. Im Kontext des Sanctus und des Einzugs Jesu in Jerusalem hat er sich zu einem Jubel- und Lobruf auf den kommenden Messias entwickelt.

Wird das Sanctus gesungen oder gesprochen?

Traditionell wird das Sanctus gesungen, oft von der gesamten Gemeinde oder einem Chor. Es ist ein „Zuruf“, ein gemeinschaftlicher Gesang, der die feierliche Atmosphäre des Gottesdienstes unterstreicht und die Gläubigen aktiv am himmlischen Lobpreis teilhaben lässt, obwohl es in manchen Kontexten auch gesprochen werden kann.

Welche Rolle spielt der Heilige Geist im Sanctus?

Obwohl der Heilige Geist nicht explizit im Text des Sanctus genannt wird, ist er im gesamten eucharistischen Hochgebet, zu dem das Sanctus gehört, allgegenwärtig. Es ist im Heiligen Geist, dass himmlische und irdische Welt miteinander vermittelt werden und alles Beten und Bekennen geschieht. Der Geist ermöglicht es den Menschen, sich mit den himmlischen Chören zu vereinen und Gottes Heiligkeit zu preisen.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Das Sanctus: Die Brücke zwischen Himmel und Erde kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Liturgie besuchen.

Go up