18/01/2024
Der Ramadan, der neunte Monat des islamischen Mondkalenders, ist für Milliarden von Musliminnen und Muslimen weltweit eine Zeit tiefgreifender Besinnung, intensiver Gebete und grosszügiger Wohltätigkeit. Es ist ein Monat, der die Gläubigen dazu anregen soll, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, Selbstbeherrschung zu üben und Empathie für Bedürftige zu entwickeln. Im Jahr 2025 beginnt dieser bedeutsame Fastenmonat am Abend des 28. Februars und wird 30 Tage lang andauern, bis zum 29. März.

- Was ist der Ramadan? Eine Einführung in den heiligen Monat
- Wann beginnt und endet der Ramadan? Die Bedeutung des Mondkalenders
- Die Fastenregeln im Ramadan: Mehr als nur Verzicht
- Wer ist vom Fasten ausgenommen? Ausnahmen und Nachholpflichten
- Die spirituelle Bedeutung des Fastens im Islam
- Ramadan und die Bedeutung der Wohltätigkeit
- Das Zuckerfest: Abschluss und Höhepunkt des Ramadans
- Der Ramadan im Alltag der nicht-muslimischen Welt
- Häufig gestellte Fragen zum Ramadan
Was ist der Ramadan? Eine Einführung in den heiligen Monat
Der Ramadan ist weit mehr als nur eine Zeit des Verzichts auf Essen und Trinken. Er ist einer der fünf Grundpfeiler des Islam und somit eine zentrale Säule des muslimischen Glaubens. Diese Säulen umfassen neben dem Fasten auch das öffentliche Glaubensbekenntnis (Shahada), das tägliche rituelle Gebet (Salat), die soziale Spende (Zakat) und die Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch).
Das Fasten im Ramadan, bekannt als Sawm, ist eine Pflicht, die im Koran verankert ist. Es dient der spirituellen Reinigung und der Stärkung der Gottesbeziehung. Der tiefere Gedanke dahinter ist, dass die Gläubigen durch die Beschränkung auf das Nötigste ein Bewusstsein für Dankbarkeit, Geduld und die Barmherzigkeit gegenüber Schwachen und Bedürftigen entwickeln. Es ist eine Zeit, in der die Seele genährt und der Körper diszipliniert wird, um eine tiefere Verbindung zum Göttlichen herzustellen.
Wann beginnt und endet der Ramadan? Die Bedeutung des Mondkalenders
Anders als der westliche Gregorianische Kalender, der auf dem Sonnenjahr basiert, richtet sich der islamische Kalender nach dem Mond. Ein Mondjahr ist etwa zehn bis elf Tage kürzer als ein Sonnenjahr, was dazu führt, dass der Ramadan jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt im gregorianischen Kalender beginnt. Der genaue Startpunkt des Ramadans wird durch die Sichtung der neuen Mondsichel nach dem Neumond bestimmt, was bedeutet, dass das Datum je nach geografischer Lage und tatsächlicher Mondsichtung leicht variieren kann.
Im Jahr 2025 beginnt der Ramadan am Abend des 28. Februars und endet am 29. März. Das darauffolgende Fest, Eid al-Fitr, auch bekannt als Zuckerfest, fällt auf den 30. März bis 1. April.
Ramadan-Termine in den kommenden Jahren
Um Ihnen eine bessere Vorstellung von der Verschiebung des Ramadans zu geben, finden Sie hier eine Übersicht der voraussichtlichen Termine für die nächsten Jahre:
| Jahr | Voraussichtlicher Beginn | Voraussichtliches Ende |
|---|---|---|
| 2025 | 28. Februar | 29. März |
| 2026 | 16. Februar | 18. März |
| 2027 | 07. Februar | 08. März |
| 2028 | 27. Januar | 25. Februar |
Die Fastenregeln im Ramadan: Mehr als nur Verzicht
Die Regeln des Fastens im Ramadan sind klar definiert und sollen die Gläubigen zu Disziplin und Bescheidenheit anleiten. Von Tagesanbruch (Fajr) bis zum Sonnenuntergang (Maghrib) ist es den Fastenden untersagt, zu essen, zu trinken, zu rauchen und Geschlechtsverkehr zu haben. Darüber hinaus wird empfohlen, auf „unnötiges“ Reden, Klatsch und Tratsch sowie auf das Tragen von Parfüm zu verzichten, um die Konzentration auf das Spirituelle zu verstärken.
Vor dem Tagesanbruch, noch bevor die Morgendämmerung einsetzt, nehmen Muslime eine Mahlzeit namens Sahur (oder Suhoor) ein. Dies ist eine wichtige Mahlzeit, die Energie für den kommenden Tag liefern soll und oft aus nahrhaften Speisen und ausreichend Flüssigkeit besteht.
Nach Sonnenuntergang wird das Fasten traditionell mit einer Dattel und einem Glas Wasser oder Milch gebrochen. Diese erste, symbolische Mahlzeit wird als Iftar bezeichnet. Darauf folgt das Abendgebet und anschliessend ein festliches Iftar-Mahl, das oft in grosser Runde mit Familie und Freunden eingenommen wird. Diese Mahlzeiten sind Gelegenheiten für soziale Interaktion, Gemeinschaft und das Teilen von Speisen. Die Tische sind oft reichlich gedeckt mit einer Vielzahl von Gerichten, von Linsensuppe und Weissbrot über gebratenen Reis und Lammfleisch bis hin zu Gemüsegerichten, Salaten und frischen Früchten wie Melonenstücken.
Wer ist vom Fasten ausgenommen? Ausnahmen und Nachholpflichten
Obwohl das Fasten eine Pflicht für alle geistig gesunden Musliminnen und Muslime ist, die die Pubertät erreicht haben und somit als mündig gelten, gibt es wichtige Ausnahmen, die die Barmherzigkeit und Praktikabilität des Islam widerspiegeln. Das Wohl des Einzelnen steht hier im Vordergrund. Personen, die durch das Fasten gesundheitliche Risiken eingehen würden, sind davon befreit. Dazu gehören:
- Kranke Menschen: Sowohl akut als auch chronisch Kranke, bei denen das Fasten den Gesundheitszustand verschlimmern könnte.
- Schwangere und stillende Frauen: Um die Gesundheit der Mutter und des Kindes zu schützen.
- Kleine Kinder: Sie sind noch nicht zur Fastenpflicht angehalten, obwohl viele Familien ihre Kinder schrittweise an das Fasten heranführen, wenn sie älter werden.
- Reisende: Personen, die sich auf einer langen Reise befinden und dadurch das Fasten erschwert wäre. Ein bekanntes Beispiel ist der emiratische Astronaut Sultan al-Nejadi, der während seiner Zeit auf der Internationalen Raumstation als Reisender definiert wurde und somit nicht fasten musste.
- Frauen während der Menstruation oder nach der Geburt: Für sie ist das Fasten in dieser Zeit nicht erlaubt.
- Alte und gebrechliche Menschen: Die körperlich nicht mehr in der Lage sind, die Fastenzeit ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu überstehen.
Es ist wichtig zu beachten, dass diejenigen, die aufgrund dieser Ausnahmen nicht fasten können (wie Reisende oder Schwangere), die versäumten Fastentage später nachholen sollten, sobald ihre Situation es zulässt. Wenn ein Nachholen nicht möglich ist (z.B. bei chronischer Krankheit oder Altersschwäche), kann stattdessen eine Entschädigung in Form einer Spende an Bedürftige (Fidya) geleistet werden.
Die spirituelle Bedeutung des Fastens im Islam
Das Fasten im Ramadan ist nicht nur ein körperlicher Verzicht, sondern vor allem eine tiefe spirituelle Übung. Die islamische Organisation Ditib beschreibt den Sinn und Nutzen des Ramadans umfassend. Das eigentliche Ziel des Fastens ist es, „Gottes Anerkennung zu erlangen“ und die Enthaltsamkeit des Menschen zu zeigen. Es wird oft gesagt: „Für alles gibt es eine Spende; und die Spende des Körpers ist das Fasten.“
Durch das Fasten sollen die ethischen Werte gestärkt und der Mensch vor Schlechtem bewahrt werden. Es lehrt, gütig zu sein, und trägt zur körperlichen und spirituellen Gesundheit bei. Besonders hervorzuheben ist die Förderung der Geduld (Sabr), einer der höchsten Tugenden im Islam. Das Fasten lehrt den Menschen, seine unendlichen Wünsche und Triebe unter Kontrolle zu halten und den wahren Wert der Segnungen zu verstehen, die oft als selbstverständlich angesehen werden. Es ist eine Zeit der Selbstreflexion, der inneren Einkehr und der verstärkten Hinwendung zum Gebet und zur Koranrezitation.
Ramadan und die Bedeutung der Wohltätigkeit
Ein integraler Bestandteil des Ramadans ist die verstärkte Wohltätigkeit und das Helfen von Bedürftigen. Der Monat Ramadan erinnert die Gläubigen daran, dass es Menschen gibt, die nicht immer genug zu essen oder zu trinken haben. Dies fördert Empathie und Mitgefühl. Muslime sind dazu angehalten, während dieser Zeit vermehrt Spenden zu leisten, sei es in Form von Zakat (der Pflichtabgabe) oder freiwilligen Spenden (Sadaqa). Viele islamische Organisationen rufen während des Ramadans gezielt zu Spenden auf, um bedürftigen Familien weltweit zu helfen und ihnen ein würdiges Fastenbrechen zu ermöglichen.

Das Zuckerfest: Abschluss und Höhepunkt des Ramadans
Der krönende Abschluss des Fastenmonats Ramadan ist das dreitägige Eid al-Fitr, besser bekannt als Zuckerfest. Dieses Fest ist neben dem Opferfest (Eid al-Adha) einer der wichtigsten Feiertage im Islam und eine Zeit grosser Freude und Gemeinschaft.
Das Fest beginnt traditionell mit einem besonderen Gebet nach Sonnenaufgang in der Moschee, dem Eid-Gebet. Danach versammeln sich Muslime mit ihren Familien und Freunden, um gemeinsam zu feiern. Der Name „Zuckerfest“ hat sich etabliert, weil während der Festlichkeiten viele Süssigkeiten und Gebäck aufgetischt werden. Kinder lieben das Zuckerfest nicht nur wegen der zahlreichen Leckereien, sondern auch, weil sie oft Geschenke und Geld erhalten. Es ist eine Zeit des Besuchs von Verwandten, des Austauschs von Glückwünschen und des Teilens von festlichen Mahlzeiten, die die Gemeinschaft und die familiären Bande stärken.
Der Ramadan im Alltag der nicht-muslimischen Welt
Mit der wachsenden muslimischen Bevölkerung weltweit gehört der Fastenmonat Ramadan auch für viele Nichtmuslime immer mehr zum Alltag. Politiker senden zu Beginn des Monats Grüsse aus, und in den sozialen Medien ist der Ramadan äusserst präsent. Diese zunehmende Sichtbarkeit führt zu einem besseren Verständnis und einer grösseren Akzeptanz des muslimischen Glaubens.
Für Reisende in mehrheitlich muslimischen Ländern kann der Ramadan jedoch auch ganz konkrete Auswirkungen haben. In beliebten Urlaubsländern wie Marokko, den Malediven oder der Türkei verlagert sich das öffentliche Leben während des Ramadans oft in die Nacht. Cafés und Restaurants ausserhalb der Hotels bleiben tagsüber geschlossen. In Tunesien wird während des Ramadans in Supermärkten häufig kein Alkohol verkauft. Auch im öffentlichen Nahverkehr kann es in einigen muslimischen Ländern zu Einschränkungen kommen, und manche Staaten legen Kleidervorschriften, auch für Touristinnen, noch strenger aus. Es ist ratsam, sich vor einer Reise in ein muslimisches Land während des Ramadans über die lokalen Gegebenheiten zu informieren und Respekt für die Bräuche der Einheimischen zu zeigen.
Häufig gestellte Fragen zum Ramadan
Hier finden Sie Antworten auf einige der am häufigsten gestellten Fragen zum Fastenmonat Ramadan:
Was ist ein Ramadan-Gebet?
Während des Ramadans gibt es neben den fünf täglichen Pflichtgebeten besondere zusätzliche Gebete, die sogenannten Tarawih-Gebete. Diese werden nach dem Isha-Gebet (dem letzten Pflichtgebet des Tages) in der Moschee oder zu Hause verrichtet. Sie sind freiwillige, aber sehr empfohlene Gebete, die oft eine längere Rezitation des Korans beinhalten. Ausserdem wird das Fastenbrechen (Iftar) und die Mahlzeit vor dem Fasten (Sahur) oft mit persönlichen Gebeten und Danksagungen begleitet.
Was bedeutet "Ramadan Kareem" oder "Ramadan Mubarak"?
Diese Grüsse sind im Ramadan sehr gebräuchlich. "Ramadan Kareem" bedeutet "Einen grosszügigen Ramadan" oder "Einen ehrenwerten Ramadan", während "Ramadan Mubarak" "Einen gesegneten Ramadan" bedeutet. Mit diesen Grüssen wünschen sich Muslime gegenseitig einen spirituell erfüllten und gesegneten Fastenmonat.
Ist Ramadan für Kinder geeignet?
Kinder sind nicht zum Fasten verpflichtet, solange sie die Pubertät noch nicht erreicht haben. Viele gläubige Familien führen ihren Nachwuchs jedoch schrittweise und spielerisch an das Fasten heran, indem sie sie zum Beispiel für einige Stunden am Tag fasten lassen oder sie dazu ermutigen, am Sahur und Iftar teilzunehmen, um die Atmosphäre des Monats zu erleben. Die Gesundheit und das Wohlbefinden des Kindes stehen dabei immer im Vordergrund.
Warum verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr?
Der Ramadan verschiebt sich, weil er sich nach dem islamischen Mondkalender richtet, der kürzer ist als der westliche Sonnenkalender. Ein Mondjahr hat etwa 354 Tage, während ein Sonnenjahr 365 oder 366 Tage hat. Dies führt dazu, dass der Ramadan jedes Jahr etwa zehn bis elf Tage früher beginnt als im Vorjahr im gregorianischen Kalender.
Was ist Iftar?
Iftar ist die Abendmahlzeit, mit der Muslime ihr Fasten nach Sonnenuntergang brechen. Es beginnt traditionell mit Datteln und Wasser/Milch, gefolgt vom Abendgebet und einem oft reichhaltigen, festlichen Essen, das in Gemeinschaft mit Familie und Freunden genossen wird. Iftar ist ein wichtiger Moment der Freude, des Dankes und der Zusammenkunft während des Ramadans.
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