Was ist der Fastenmonat Ramadan?

Ramadan in der Schule: Herausforderungen & Hilfe

14/05/2021

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Der Ramadan, der neunte Monat des islamischen Kalenders, ist eine Zeit der Besinnung, des Fastens und der spirituellen Erneuerung für Millionen von Muslimen weltweit, auch in Deutschland. Während dieser besonderen Periode, die sich jedes Jahr nach dem Mondzyklus verschiebt, erleben viele muslimische Schülerinnen und Schüler den Alltag in der Schule unter besonderen Bedingungen. Dies stellt Lehrkräfte vor einzigartige Herausforderungen, aber auch vor Chancen, interkulturelles Verständnis und Empathie in der Schulgemeinschaft zu fördern. Dieser Artikel beleuchtet, was der Ramadan bedeutet und wie Lehrkräfte am besten mit fastenden Schülern umgehen können, um den Lernerfolg zu sichern und ein unterstützendes Umfeld zu schaffen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Ramadan und einem Zuckerfest?
Der Ramadan endet mit dem bis zu dreitägigen Fest des Fastenbrechens\, dem Eid al-Fitr\, das auch Zuckerfest genannt wird. Der Ramadan ist ein Familien- und Gemeinschaftsfest. Viele Familien stellen ihren Alltag um\, bleiben lange wach\, stehen früh auf\, sind füreinander da und fasten\, essen oder beten zusammen\/miteinander.
Inhaltsverzeichnis

Was ist Ramadan?

Der Ramadan ist mehr als nur eine Fastenzeit; er ist der neunte Monat im islamischen Kalender, der auf dem Mondzyklus basiert. Übersetzt bedeutet der Name 'Brennendes Feuer', was die Intensität und Reinigung symbolisieren mag. Da der islamische Kalender nur 354 bis 355 Tage hat, verschiebt sich die Fastenzeit jedes Jahr um etwa 10 Tage, sodass Muslime den Ramadan im Laufe der Jahre in allen Jahreszeiten erleben.

Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islams, neben dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, der sozialen Pflichtabgabe (Zakat) und der Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch). Während dieser Zeit schränken Muslime ihre körperlichen Bedürfnisse von der Morgendämmerung (Imsak) bis zum Sonnenuntergang (Aksam) ein. Dies bedeutet, dass in dieser Zeit weder gegessen noch getrunken, geraucht oder sexueller Kontakt ausgeübt wird. Nach Sonnenuntergang, beim sogenannten Iftar (Fastenbrechen), ist das Essen und Trinken wieder erlaubt. Es ist üblich, das Fasten mit einer Dattel zu brechen, dem Beispiel des Propheten Mohammed folgend.

Doch der Ramadan umfasst mehr als nur den Verzicht auf Nahrung und Getränke. Es geht auch darum, Lügen und Streit zu vermeiden. Der Religionsgründer Mohammed soll betont haben: „All diejenigen, die das Lügen nicht vermeiden, auf deren Fasten legt Allah keinen Wert.“ Diese Zeit ist somit auch eine Periode der inneren Einkehr, des Selbstreflexion und der Reinigung von negativen Verhaltensweisen. Am Ende des Ramadans wird das Zuckerfest gefeiert, ein wichtiges Fest, das in vielen islamischen Ländern einem Feiertag wie Christi Himmelfahrt in Deutschland gleichkommt.

Der Sinn des Fastens: Mehr als Verzicht

Die Idee hinter dem Fasten ist tief spirituell und zielt darauf ab, den Geist durch den körperlichen Entzug von Nahrung zu schärfen. Es ist eine Form der Fokussierung, die die spirituelle Weiterentwicklung durch innere Einkehr fördern und Ablenkungen minimieren soll. Neurowissenschaftliche Forschungen beschäftigen sich heutzutage sogar mit den Effekten des Fastens auf den menschlichen Geist und Körper.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Entwicklung von Empathie für die Armen und Leidenden. Durch das eigene Erleben von Hunger und Durst sollen Fastende ein tieferes Verständnis und Mitgefühl für diejenigen entwickeln, die täglich unter Entbehrungen leiden. Dies stärkt das soziale Bewusstsein und die Bereitschaft zur Hilfe.

Es ist wichtig zu verstehen, dass das Fasten kein starres Gebot ohne Ausnahmen ist. Es handelt sich um einen nicht ganz stressfreien Prozess, und der Islam sieht Ausnahmen vor. Jüngere Kinder unter 14 Jahren, Kranke, Schwangere und Ältere sind vom Fasten freigestellt, um ihre Gesundheit nicht zu gefährden. Die Entscheidung zum Fasten, insbesondere für heranwachsende Kinder, wird oft gemeinsam mit den Eltern getroffen, basierend auf der körperlichen und geistigen Bereitschaft.

Ramadan im Schulalltag: Herausforderungen für Lehrkräfte

Der Ramadan stellt nicht nur für die fastenden Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Lehrkräfte eine bedeutsame Herausforderung dar. Die Religionsfreiheit ist im Grundgesetz verankert, und eine Schulgemeinschaft kann Andersgläubige nicht ausschließen. Doch das Fasten selbst kann interne Probleme im Schulbetrieb mit sich bringen.

Gesundheitliche Aspekte und Konzentration

Besonders bei warmem Wetter können Schülerinnen und Schüler, die den ganzen Tag nichts essen und trinken, Schwächeanfälle oder sogar Kreislaufkollaps erleiden. Dies beeinträchtigt nicht nur ihr Wohlbefinden, sondern auch ihre Fähigkeit, dem Unterricht zu folgen und an Prüfungen teilzunehmen. Fälle, in denen muslimische Kinder ihre Medikamente als Teil des Fastens weglassen, wie von Daniela Töpfer, einer Sozialpädagogin, bei einem Jungen mit ADHS beobachtet, zeigen die Ernsthaftigkeit dieser Problematik. Solche Situationen können den Unterricht erheblich stören und die Leistung der Schüler mindern.

Welche Herausforderungen stellt der Ramadan für die Lehrkräfte dar?
Der Ramadan stellt nicht nur für die Fastenden, sondern auch für die Lehrkräfte eine große Herausforderung dar. Eine Schulgemeinschaft kann nicht einfach Andersgläubige ausschließen, und die Religionsfreiheit ist im Grundgesetz verankert. Dennoch bietet das Fasten selbst interne Probleme an der Schule.

Leistungsabfall und Prüfungen

Fastende Schülerinnen und Schüler können allgemein nicht ihre beste Leistung im Unterricht oder bei Prüfungen erbringen. Dies führt zu Diskussionen über die Fairness der Benotung und die Verantwortung der Lehrkräfte. Die Deutsche Islam Konferenz von 2009 hat diesbezüglich eine wichtige Erklärung abgegeben: "Im Islam ist es nicht erwünscht, dass wegen des Fastens die Leistungen in der Schule schlechter werden." Dies bedeutet, dass das Fasten verschoben werden kann, sofern es den Noten schadet, was den Fokus auf die Bildungspriorität unterstreicht.

Sozialer und psychischer Druck

Schülerinnen und Schüler, insbesondere in der Pubertät, können internen und externen Druck erleben. Einige fühlen sich verpflichtet zu fasten, um ihre Identität als Muslim zu zeigen, während andere von Gleichaltrigen unter Druck gesetzt werden. Die Zitate von Schülern in Berlin verdeutlichen dies: Ein 16-jähriger Schüler berichtet von Druck durch andere Jungen, während seine Mutter ihn ermutigt, sich nicht von anderen Meinungen beeinflussen zu lassen. Lehrkräfte sind hier gefordert, sensibel mit solchen Dynamiken umzugehen und "Kulturkämpfe" zu vermeiden, wie es Psychologe Ahmad Mansour betont.

Missverständnisse und Vorurteile

Einige Lehrkräfte äußern offene Skepsis oder Unverständnis gegenüber dem Fasten. Eine Naturwissenschaftslehrerin beklagt Konzentrationsprobleme und hält das Fasten für gesundheitsschädlich. Ein 13-jähriger Schüler berichtet von peinlichen Kommentaren oder der Verdächtigung, ein Extremist zu sein. Solche Reaktionen können das Vertrauensverhältnis zwischen Schülern und Lehrkräften belasten und das Gefühl der Ausgrenzung verstärken.

Umgang mit dem Ramadan: Unterstützung und Verständnis fördern

Es gibt verschiedene Wege, wie Lehrkräfte fastende Schülerinnen und Schüler unterstützen können, ohne dass der Lernerfolg leidet und gleichzeitig ein Klima des Respekts und Verständnisses gefördert wird.

Aufklärung und Sensibilisierung

Zu Beginn des Ramadans ist es hilfreich, die Schulgemeinschaft – Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Kollegium – über die Tradition und Bedeutung des Fastenmonats aufzuklären. Ein Rundschreiben mit den wichtigsten Fakten kann hier Klarheit schaffen und Missverständnisse reduzieren. Dies bietet auch eine hervorragende Gelegenheit, über Religion und interkulturelle Kompetenzen zu sprechen.

Interkulturelle Bildungschancen

Der Ramadan kann als Brücke zum besseren Kennenlernen anderer Kulturen und Religionen genutzt werden. Viele Moscheen bieten beim Sonnenuntergang freie Mahlzeiten (Iftar) an. Lehrkräfte könnten dies als außerschulische Aktivität in Betracht ziehen, um das interkulturelle Verständnis zu fördern und den Schülern eine positive Erfahrung zu ermöglichen, wie es die 13-jährige Schülerin mit ihrem Wunsch nach einem abendlichen Klassenfest andeutet.

Praktische Anpassungen im Schulalltag

  • Pausen und Schulveranstaltungen: Während der Essenspausen könnten fastenden Schülern Möglichkeiten gegeben werden, sich ohne Anwesenheit von Essen zu beschäftigen. Schulfeste oder Ausflüge, die während des Tages Mahlzeiten beinhalten, könnten möglicherweise nach hinten verschoben oder so angepasst werden, dass fastende Schüler nicht ausgeschlossen werden. Eine Lehrerin berichtete positiv von einer Abschlussfahrt, bei der die muslimischen Schüler ihr Essen selbst organisierten und zu ihren Zeiten aßen.
  • Gebetsmöglichkeiten: Das Einrichten separater Gebetsräume, in denen muslimische Schüler ihre Gebete abhalten können, wäre eine Geste des Respekts und der Anerkennung ihrer religiösen Bedürfnisse.
  • Individuelle Lösungen: Im Gespräch mit Eltern und Schülern sollten individuelle Kompromisse gefunden werden. Dies könnte bedeuten, dass ein Schüler während des Sportunterrichts eine Wasserflasche mitnehmen darf, während er auf Süßigkeiten verzichtet. Solche Absprachen zeigen Empathie und Flexibilität.

Offener Dialog und Respekt

Das Gespräch mit muslimischen und nichtmuslimischen Jugendlichen ist entscheidend, um Respekt zu schüren und Vorurteile abzubauen. Das Fasten ist eine individuelle Angelegenheit zwischen einer Person und ihrem Glauben und sollte niemals zur Herabwürdigung oder Diskriminierung dienen. Lehrkräfte müssen bei Repressalien oder "Kulturkämpfen" entschlossen einschreiten.

Priorität der Schulpflicht

Psychologe Ahmad Mansour mahnt dazu, den Ramadan nicht als Entschuldigung zu nutzen, um sich Prüfungen oder der Schulpflicht zu entziehen. Er betont die Wichtigkeit, dass Verbände und Gemeinden klar kommunizieren, dass die Schule in Deutschland Vorrang hat. Die Schulbehörden und Schulleitungen sind hier gefordert, klare Richtlinien und Unterstützung für Lehrkräfte zu bieten, wie es eine überforderte Lehrerin wünscht. Letztendlich kann jeder Einzelne Respekt zeigen, selbst wenn es nur bedeutet, nicht demonstrativ vor fastenden Schülern zu essen. Das Verständnis und die Wertschätzung anderer Bräuche sind grundlegend für ein harmonisches Miteinander.

Was ist der Unterschied zwischen einem islamischen und einem christlichen Gebet?
Laut Anwältin der Schulbehörde verlangt das islamische Gebet "Elemente, die einen demonstrativen Charakter haben". Beim christlichen Gebet sei das anders. Bild: madochab/ photocase

Perspektiven zum Ramadan im Schulalltag

Um die Komplexität des Themas zu verdeutlichen, lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Perspektiven von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften, wie sie in den bereitgestellten Berichten zum Ausdruck kommen.

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PersonKerngedanke/Erfahrung
Schülerin (15 Jahre, Berlin)Betont die persönliche Bedeutung des Ramadans als Weg zu Gott und die Freude an der Familienzeit, trotz der Härten des Fastens, besonders bei Schulausflügen.
Schüler (13 Jahre, Berlin)Ärgert sich über Unverständnis und misstrauische Kommentare von Lehrkräften, die ihm das Fasten nicht zutrauen oder es als Extremismus deuten.
Schülerin (13 Jahre, Berlin)Wünscht sich, von Lehrern in Ruhe gelassen zu werden oder ein abendliches Klassenfest (Iftar), um die positive Seite des Ramadans zu teilen.
Schüler (16 Jahre, Berlin)Steht unter Druck von Gleichaltrigen bezüglich des Fastens, während seine Mutter ihn ermutigt, auf sich selbst zu achten. Sucht Unterstützung.
Lehrerin (Naturwissenschaften)Hält Fasten für gesundheitsschädlich und konzentrationsmindernd, besonders bei Jugendlichen. Vermutet, dass Schüler nur aus Zwang oder zur Provokation fasten.
Lehrerin (Französisch/Deutsch)War positiv überrascht, dass eine Abschlussfahrt während des Ramadans reibungslos verlief, da die muslimischen Schüler eigenverantwortlich handelten.
Lehrerin (Kunst)Bewundert die Disziplin der fastenden Schüler und versucht, ihnen Wertschätzung zu zeigen, ohne sie zu "Exoten" zu machen.
Lehrerin (Deutsch/Mathe)Fühlt sich überfordert durch die Herausforderungen des Ramadans in Bezug auf Noten und Gerechtigkeit und wünscht sich mehr Anleitung von der Schulleitung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Fastenmonat Ramadan?

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender und die Zeit des jährlichen Fastens für Muslime. Es ist eine Periode der Enthaltsamkeit von Essen, Trinken und anderen körperlichen Bedürfnissen von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang, verbunden mit spiritueller Reflexion und dem Verzicht auf negative Verhaltensweisen.

Wer muss fasten?

Grundsätzlich fasten alle gesunden, erwachsenen Muslime. Ausgenommen sind jedoch jüngere Kinder (unter 14 Jahren), Kranke, Schwangere, Stillende, Reisende und Ältere. Die Entscheidung zum Fasten, insbesondere für Kinder, wird oft in Absprache mit den Eltern und unter Berücksichtigung der körperlichen und geistigen Bereitschaft getroffen.

Kann das Fasten in der Schule verschoben werden?

Ja, gemäß einer Erklärung der Deutschen Islam Konferenz von 2009 ist es im Islam nicht erwünscht, dass die schulischen Leistungen durch das Fasten leiden. Wenn das Fasten die Noten beeinträchtigt, kann es verschoben werden. Die Schulpflicht in Deutschland hat Vorrang.

Wie können Lehrkräfte fastende Schüler unterstützen?

Lehrkräfte können unterstützen, indem sie aufklären und sensibilisieren, praktische Anpassungen im Schulalltag ermöglichen (z.B. Beschäftigung in Essenspausen, Gebetsräume), individuelle Lösungen mit Eltern abstimmen, offenen Dialog fördern und bei Diskriminierung einschreiten. Respekt und Verständnis sind dabei essenziell.

Was ist der Unterschied zwischen Ramadan und Zuckerfest?

Der Ramadan ist der Fastenmonat selbst. Das Zuckerfest, auch Eid al-Fitr genannt, ist das Fest des Fastenbrechens, das den Abschluss des Ramadans markiert. Es ist ein fröhlicher Feiertag, an dem Familie und Freunde zusammenkommen, um gemeinsam zu essen und zu feiern.

Der Ramadan ist eine Zeit tiefer Bedeutung für muslimische Schülerinnen und Schüler. Für Lehrkräfte bietet er die Gelegenheit, ein Umfeld des Verständnisses und des Respekts zu schaffen. Indem sie sich informieren, sensibel agieren und offen für den Dialog sind, können sie nicht nur die Schüler unterstützen, sondern auch die interkulturelle Kompetenz der gesamten Schulgemeinschaft stärken.

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