23/11/2022
Die Adventszeit ist weit mehr als nur eine Vorbereitung auf Weihnachten mit Geschenken und festlichen Mahlzeiten. Sie ist eine zutiefst spirituelle Phase, eine Zeit des Wartens, der Besinnung und der inneren Vorbereitung auf die Ankunft Jesu Christi. In einer oft hektischen Welt bietet der Advent eine wertvolle Gelegenheit, innezuhalten, zur Ruhe zu kommen und sich auf die essenziellen Botschaften von Hoffnung, Liebe und Frieden zu konzentrieren. Es ist eine Einladung, nicht nur das Äußere zu schmücken, sondern auch das Innere zu bereiten für die Menschwerdung Gottes. In diesem Artikel erkunden wir die vielfältigen Facetten dieser besonderen Zeit, von ihren tief verwurzelten Symbolen bis hin zu den Möglichkeiten, Gott in Gemeinschaft und im persönlichen Alltag zu begegnen.

Die tiefere Bedeutung des Advents und seine Symbole
Der Begriff „Advent“ leitet sich vom lateinischen „adventus“ ab, was „Ankunft“ bedeutet. Er bezeichnet die vier Wochen vor Weihnachten, in denen sich Christen auf die Geburt Jesu Christi vorbereiten. Diese Zeit ist geprägt von einer Mischung aus erwartungsvoller Freude und besinnlicher Einkehr. Es ist eine Periode, in der die Dunkelheit der Wintertage von dem zunehmenden Licht der Hoffnung durchbrochen wird, das mit der näher rückenden Weihnachtsfeier verbunden ist.
Das wohl bekannteste und prägnanteste Symbol des Advents ist der Adventskranz. Mit seinen vier Kerzen, die an jedem der vier Adventssonntage nacheinander entzündet werden, symbolisiert er das fortschreitende Licht, das in die Welt kommt. Die erste Kerze steht oft für die Propheten, die die Ankunft des Messias voraussagten. Die zweite Kerze erinnert an Bethlehem und die Krippe, den Ort der Geburt. Die dritte Kerze steht für die Hirten, die als erste die Botschaft der Geburt hörten. Und die vierte Kerze symbolisiert die Engel, die den Frieden auf Erden verkündeten. Der Kreis des Kranzes steht für die Ewigkeit und die Unendlichkeit Gottes, während das Grün der Zweige Leben und Beständigkeit in der kalten Jahreszeit verspricht. Das Entzünden der Kerzen ist ein Ritual, das Familien und Gemeinden zusammenbringt und die Vorfreude auf das bevorstehende Fest greifbar macht.
Neben dem Adventskranz gibt es weitere Symbole, wie den Adventskalender, der das Zählen der Tage bis Weihnachten erleichtern soll, und die Farben der Liturgie, insbesondere Violett als Farbe der Buße und Besinnung, oft aber auch Rosa als Zeichen der Vorfreude am dritten Advent. All diese Elemente tragen dazu bei, eine Atmosphäre der Erwartung und des geistlichen Wachstems zu schaffen, die über den rein kommerziellen Aspekt der Vorweihnachtszeit hinausgeht.
Immanuel: Das Ökumenische Gebet im Advent als Zeichen der Einheit
In einer Welt, die oft von Trennung und Spaltung geprägt ist, bietet das Ökumenische Gebet im Advent eine kraftvolle Botschaft der Einheit und Gemeinschaft. Unter dem Motto „Immanuel – Gott ist mit uns!“ lädt dieses besondere Gebet Christen aller Konfessionen ein, sich gemeinsam zu versammeln. Es ist ein tief berührendes Zeugnis dafür, dass trotz unterschiedlicher Traditionen und theologischer Nuancen der gemeinsame Glaube an Jesus Christus alle Gläubigen verbindet. Das Gebet soll dazu dienen, sich miteinander auf die tröstlichen Zusagen Gottes zu besinnen und sich gemeinsam auf das bevorstehende Fest der Geburt des Herrn einzustimmen.
Die Initiative für das Ökumenische Hausgebet geht auf die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Baden-Württemberg zurück, die es bereits seit 1984 herausgibt und damit eine feste Tradition geschaffen hat, die sich mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet hat. Elisabeth Dieckmann, Geschäftsführerin der ACK in Deutschland, betont die Bedeutung dieser Zusammenkünfte: „Es soll ein Ausdruck dafür sein, die geistliche Gemeinschaft zwischen den christlichen Kirchen zu vertiefen und für die sichtbare Einheit der Kirche Christi zu beten.“ Dieser Wunsch nach Einheit, die Ökumene, ist ein zentrales Anliegen vieler Christen, die erkennen, dass die gemeinsame Stimme des Glaubens in der Welt von größerer Bedeutung ist als trennende Dogmen.
Das Besondere am Ökumenischen Hausgebet ist nicht nur die gemeinsame Feier in den eigenen vier Wänden oder in Gemeindezentren, sondern auch der Moment des gemeinsamen Gebets zur selben Zeit. Wenn die Glocken der christlichen Kirchen am Montag nach dem zweiten Advent um 19:30 Uhr läuten, entsteht eine einzigartige, unsichtbare Gemeinde, die sich über geografische und konfessionelle Grenzen hinweg erstreckt. Diese Synchronizität schafft ein Gefühl der Verbundenheit und des gemeinsamen Zeugnisses: „Wir bringen damit zum Ausdruck, dass wir als Christinnen und Christen gemeinsam Jesus, den Retter der Welt, erwarten.“ Es ist ein Moment der Ruhe und des Friedens in einer oft hektischen Vorweihnachtszeit, eine bewusste Pause, um sich auf das Wesentliche zu besinnen und die Nähe Gottes zu spüren.
Die Gestaltung einer Ökumenischen Hausgebetsfeier: Ein Leitfaden
Das Ökumenische Hausgebet ist als Wortgottesfeier konzipiert und bietet eine flexible Struktur, die sowohl als Ganzes übernommen als auch an individuelle Bedürfnisse angepasst werden kann. Jedes Jahr steht es unter einem neuen, inspirierenden Motto, das die Schwerpunkte der Besinnung setzt. Ein Faltblatt mit ausgewählten Texten, einer Bild-Meditation, Liedern, Lesungen und Gebeten dient als Leitfaden und kann entweder bei der ACK bestellt, online heruntergeladen oder in vielen Kirchen und Gemeindezentren kostenlos mitgenommen werden. Eine ökumenische Arbeitsgruppe erstellt diese Materialien sorgfältig, und sogar Übersetzungen, wie die französische des Ökumenischen Rates der Kirchen im Elsass, sind verfügbar.

Was wird für die Feier benötigt?
Die Vorbereitung für das Hausgebet ist einfach und erfordert keine aufwendigen Materialien:
| Element | Beschreibung |
|---|---|
| Adventlich geschmückter Raum | Schafft eine besinnliche und einladende Atmosphäre für die Feier. |
| Adventskranz oder Gesteck | Das zentrale Symbol des Advents, oft mit vier Kerzen. |
| Kerze(n) | Zwei Kerzen werden zu Beginn der Feier am Adventskranz entzündet. |
| Liturgieheft / Faltblatt | Enthält alle notwendigen Texte, Lieder, Gebete und Impulse. |
| Leitende Person | Eine Person, die bereit ist, die Feier zu leiten und Texte vorzulesen. |
| Bereitschaft zur Teilnahme | Offenheit für gemeinsame Besinnung und Gebet, auch zum Vorlesen von Texten. |
Der Ablauf der Hausgebetsfeier
Die Feier beginnt traditionell mit dem Entzünden von zwei Kerzen am Adventskranz, einem Zeichen für das wachsende Licht in der dunklen Zeit. Es folgt eine Begrüßung der Mitfeiernden und das Kreuzzeichen, das die Gemeinschaft im Namen Gottes bekräftigt. Ein festliches Lied wie „O Heiland, reiß die Himmel auf“ (GL 231) oder „Wie soll ich dich empfangen“ (EG 11,1) stimmt auf die adventliche Botschaft ein. Der Psalm 34 „Ich will den Herrn allezeit preisen“ kann im Wechsel gelesen werden, was die aktive Beteiligung aller Anwesenden fördert.
Ein zentraler Bestandteil der Feier ist die Betrachtung eines jährlich wechselnden Bildes. Im Jahr 2018 trug das Bild den Titel „Keimzelle des Lebens“, gemalt von Hilde Reiser. Es zeigt ein in Windeln gewickeltes Kind, umgeben von einem Lichtstrahl und einer Menschenmenge – eine Darstellung, die zur persönlichen Reflexion anregt. Fragen wie „Wer ist für mich wie ein Licht in der dunklen Zeit?“, „Worauf freue ich mich?“ oder „Was schenkt mir eine neue Sicht auf das Leben?“ laden dazu ein, eigene Gedanken und Erfahrungen zu teilen oder still darüber nachzudenken.
Nach der Bildbetrachtung folgen weitere Lieder wie „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen“ (GL 760 und EG 56, 1-3) und eine Lesung aus dem Johannesevangelium (Joh 1, 5.9-1.4). Die im Faltblatt abgedruckte Meditation kann vorgelesen werden, oder die Anwesenden können ihre eigenen Gedanken zur Bibelstelle austauschen. Das Lied „Ein Licht geht uns auf“ (EG 555, 1-3) beschließt diesen Teil der Schriftbetrachtung.
Die Feier mündet in die Fürbitten, die entweder vorgelesen oder von den Teilnehmenden selbst formuliert werden können, um persönliche Anliegen vor Gott zu tragen. Das gemeinsame „Vaterunser“ bekräftigt die Gemeinschaft im Glauben. Ein abschließendes Lied wie „O komm, o komm, du Morgenstern“ (EG 19,1-3) rundet den musikalischen Teil ab. Die Feier endet mit dem aaronitischen Segen: „Der Herr segne und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.“
Das Hausgebet ist für viele zu einer liebgewonnenen Tradition geworden, die in Familien, Freundeskreisen, Nachbarschaften, aber auch in Kirchen, Gemeindehäusern, Schulen, Krankenhäusern oder Seniorenzentren gefeiert wird. Es gibt sogar eine eigene Kinderseite im Liturgieheft, um die Kleinsten spielerisch in die Feier einzubeziehen und ihnen die Freude am gemeinsamen Gebet zu vermitteln.
Die persönliche Begegnung mit Gott: Über die Stille im Alltag
Während das ökumenische Gebet die Gemeinschaft stärkt, lädt die Adventszeit auch zu einer tiefen, persönlichen Begegnung mit Gott ein. Die Vorstellung, Gott zu begegnen, mag für viele wie ein hoher Berg erscheinen – unerreichbar oder nur an besonderen, heiligen Orten möglich. Doch die Wahrheit ist, dass wir Gott überall und jederzeit begegnen können, wenn wir uns dafür öffnen.
In unserem Alltag könnte dieser „Berg“ die Stille sein. Inmitten des Lärms und der Ablenkungen unserer modernen Welt ist das bewusste Suchen und Finden von Stille eine radikale und transformative Praxis. Es geht nicht darum, einen festen Ort aufzusuchen, sondern eine innere Haltung der Achtsamkeit zu entwickeln. Achtsamkeit bedeutet, voll und ganz im gegenwärtigen Moment präsent zu sein, die eigenen Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten, und offen zu sein für das, was ist. Wenn wir diese Haltung einnehmen, schaffen wir einen Raum, in dem Gott sich uns zuwenden kann.
Die Begegnung mit Gott braucht keinen festen Ort, an dem sich Menschwerdung ereignet – keine Kirche, keine Kapelle und eigentlich auch keine Krippe im physischen Sinne. Vielmehr ereignet sie sich im Herzen, das sich öffnet. Gott ist nicht an bestimmte Gebäude oder Rituale gebunden, sondern kann in der Schönheit der Natur, in einem freundlichen Wort, in der Stille des Morgens oder in der Herausforderung des Alltags erfahren werden. Es ist die innere Einstellung, die Bereitschaft, zuzulassen, dass Gott in unser Leben tritt und uns berührt.

Der Advent mit seiner Betonung der Erwartung und des Wartens ist die ideale Zeit, um diese Achtsamkeit zu üben. Es ist eine Zeit, in der wir bewusst nach Momenten der Ruhe suchen können, um auf die leise Stimme Gottes zu hören. Vielleicht ist es ein kurzer Spaziergang in der Natur, ein paar Minuten der stillen Meditation am Morgen oder das bewusste Atmen vor einer Mahlzeit. Diese kleinen Akte der Achtsamkeit können zu tiefgreifenden Begegnungen führen, die unser Leben bereichern und uns die Gewissheit schenken, dass Immanuel – Gott wirklich mit uns ist, in jedem Augenblick unseres Seins.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was ist der Advent und welche Bedeutung hat er?
Der Advent ist die vierwöchige Vorbereitungszeit auf Weihnachten im christlichen Kirchenjahr. Er beginnt am ersten Adventssonntag und endet am Heiligen Abend. Seine Bedeutung liegt in der Erwartung der Ankunft Jesu Christi, sowohl seiner Geburt in Bethlehem als auch seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten. Es ist eine Zeit der Besinnung, der Hoffnung und der inneren Vorbereitung.
Was ist das bekannteste Symbol für den Advent?
Das bekannteste Symbol für den Advent ist der Adventskranz mit seinen vier Kerzen. Jede Kerze wird an einem der vier Adventssonntage entzündet und symbolisiert das wachsende Licht der Hoffnung und die Vorfreude auf die Geburt Jesu.
Was ist das Ökumenische Gebet im Advent?
Das Ökumenische Gebet im Advent ist eine gemeinsame Gebetsinitiative von Christen verschiedener Konfessionen, die sich unter dem Motto „Immanuel – Gott ist mit uns!“ versammeln. Es dient dazu, die geistliche Gemeinschaft zu vertiefen, für die Einheit der Kirche zu beten und sich gemeinsam auf Weihnachten einzustimmen. Es wird oft als „Ökumenisches Hausgebet“ in privaten Haushalten, aber auch in Kirchen und Gemeinden gefeiert.
Wer kann am Ökumenischen Hausgebet teilnehmen?
Das Ökumenische Hausgebet ist explizit für Christen aller Konfessionen geöffnet. Familien, Freunde, Bekannte und Nachbarn können sich über Konfessionsgrenzen hinweg versammeln. Auch in Kirchen, Gemeindehäusern, Schulen, Krankenhäusern oder Seniorenzentren wird es gefeiert. Es ist für jeden offen, der sich auf das gemeinsame Gebet einlassen möchte.
Wie kann ich mich auf ein Ökumenisches Hausgebet vorbereiten?
Für die Vorbereitung benötigen Sie einen adventlich geschmückten Raum, einen Adventskranz oder ein Gesteck mit Kerzen und das Liturgieheft oder Faltblatt der ACK, das die Texte, Lieder und Gebete enthält. Eine Person sollte bereit sein, die Feier zu leiten und die Texte vorzulesen. Die Lesungen und Fürbitten können auch auf weitere Mitfeiernde verteilt werden. Instrumente können zur Liedbegleitung genutzt werden.
Muss ich in einer Kirche sein, um Gott zu begegnen?
Nein, um Gott zu begegnen, ist kein fester Ort wie eine Kirche oder Kapelle notwendig. Gott kann überall begegnet werden, insbesondere in der Stille und durch eine Haltung der Achtsamkeit im Alltag. Es geht darum, sich innerlich zu öffnen und bewusst Momente der Besinnung zu schaffen, in denen man für Gottes Gegenwart empfänglich ist.
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