10/08/2023
Berlin, eine Stadt der Vielfalt und des Zusammenlebens, ist Heimat zahlreicher religiöser Gemeinschaften, darunter auch einer lebendigen muslimischen Bevölkerung. Moscheen spielen dabei eine zentrale Rolle, nicht nur als Orte des Gebets, sondern auch als Begegnungsstätten, die sich aktiv in die Gesellschaft einbringen. Eine dieser prominenten Gemeinden, die Neuköllner Begegnungsstätte, auch bekannt als Dar-as-Salam-Moschee, steht exemplarisch für das Engagement und die Herausforderungen, denen sich muslimische Einrichtungen in der deutschen Hauptstadt stellen.

Die Neuköllner Begegnungsstätte: Ein Zentrum des Dialogs
Die Neuköllner Begegnungsstätte hat sich in Berlin als eine wichtige Anlaufstelle etabliert. Sie dient nicht nur als Gebetsort für ihre Mitglieder, sondern auch als Forum für interreligiösen Austausch und gesellschaftliches Engagement. Die Gemeinde und ihr Imam, Taha Sabri, sind bekannt für ihre Bemühungen, den Dialog zwischen den Religionen zu fördern und sich klar gegen jede Form von Extremismus zu positionieren. Dies zeigt sich in einer Reihe von Initiativen, die über die Jahre hinweg ins Leben gerufen wurden und die das Bestreben nach einem friedlichen Miteinander unterstreichen.
Engagement gegen Extremismus und Antisemitismus
Die Neuköllner Begegnungsstätte hat wiederholt ihr klares Bekenntnis zu Toleranz und gegen Diskriminierung gezeigt. Insbesondere nach einem Vorfall von Mobbing gegen einen jüdischen Schüler im Frühjahr 2017 ergriff die Gemeinde unter der Führung von Imam Taha Sabri die Initiative. Sie formulierte eine Erklärung gegen Antisemitismus, die von zwölf muslimischen Vereinen und sechs Imamen mitunterzeichnet wurde. In dieser Erklärung wurde unmissverständlich festgestellt, dass die Diskriminierung von Andersgläubigen nicht mit dem islamischen Glauben zu rechtfertigen sei. Dies war ein starkes Zeichen, das die Haltung der Gemeinde und ihrer Unterstützer deutlich machte.
Dieses Engagement ging Hand in Hand mit dem Projekt „meet2respect“ des gemeinnützigen Vereins Leadership Berlin – Netzwerk Verantwortung e. V. Im Rahmen dieses Projekts erklärten sich die Unterzeichner bereit, gemeinsam mit Rabbinern in Schulen gegen Antisemitismus aufzutreten. Die Neuköllner Begegnungsstätte bekannte sich zudem zur meet2respect-Grundsatzerklärung, die ein friedliches Zusammenleben und die Anerkennung des Staates Israel einschließt. Die Moschee beteiligte sich auch an der Verlegung von Stolpersteinen zum Gedenken an jüdische Holocaust-Opfer und empfing mehrfach Rabbiner und jüdische Religionsvertreter als Gäste. Ein Beispiel hierfür war eine Buchlesung von Ármin Langer, dem Autor von „Ein Jude in Neukölln“, die in der mehrheitlich von Palästinensern besuchten Moschee stattfand.
Ein weiteres herausragendes Beispiel für das Engagement gegen islamistischen Terrorismus war die Teilnahme von Imam Taha Sabri am „Marsch der Muslime gegen den Terrorismus“ im Juli 2017, der vom liberalen Pariser Imam Hassen Chalghoumi und dem jüdischen Künstler Marek Halter organisiert wurde. Bei diesem Marsch besuchten 60 Imame gemeinsam Orte des Terrors, um Trauer zu zeigen und dem Missbrauch ihrer Religion entgegenzutreten. Imam Sabri mobilisierte die Berliner Beteiligten an dieser Aktion und betonte in einem Interview mit der Zeit die Notwendigkeit, stärkere positive Bilder des Islam zu erzeugen, um die Religion vom Islamismus zu befreien.
Auch nach der umstrittenen Entscheidung des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, positionierte sich die Dar-as-Salam-Moschee klar. Angesichts von Protesten und der Verbrennung von Israel-Fahnen in Berlin, die mediale Empörung über muslimischen Antisemitismus auslösten, veröffentlichte Imam Taha Sabri einen Appell gegen Antisemitismus. Die Erklärung verurteilte antisemitische Ausschreitungen, Gewaltaufrufe und Flaggenverbrennungen aufs Schärfste und rief alle Muslime dazu auf, sich lautstark gegen Antisemitismus und Judenfeindlichkeit zu erheben, um den inneren Frieden und die pluralistische Grundordnung Deutschlands zu bewahren. Bemerkenswerterweise wurde dieser Aufruf, der an über 300 Medienvertreter versandt wurde, von keinem einzigen Medium aufgegriffen, was von Persönlichkeiten wie Martin Germer, Pfarrer der Berliner Gedächtniskirche, und Thomas Schimmel, Geschäftsführer der Franziskanischen Initiative 1219, öffentlich moniert wurde.
Die Kontroverse um den Verfassungsschutzbericht
Trotz ihres Engagements gegen Extremismus und für den interreligiösen Dialog sieht sich die Neuköllner Begegnungsstätte mit einer kontroversen Situation konfrontiert: Sie wird vom Berliner Verfassungsschutz beobachtet und gilt als der Muslimbruderschaft nahestehend. Im Verfassungsschutzbericht 2016 wird der Verein unter der Rubrik „Muslimbruderschaft“ (MB) / „Islamische Gemeinschaft in Deutschland e. V.“ (IGD) mehrmals erwähnt. Die Begründung dafür ist eine Tagung des „Fatwa-Ausschusses Deutschland“, die im März 2016 in der Moschee stattfand und an der auch Personen teilgenommen haben sollen, die der Muslimbruderschaft nahestehen.

Die Neuköllner Begegnungsstätte hat gegen diese Aufführung in den Verfassungsschutzberichten 2015 und 2016 Klage eingereicht. Aus ihrer Sicht beruht die Erwähnung lediglich auf einer „Kontaktschuld“, die sich auf wenige der vielen hundert Kontakte und Gastredner bezieht. Sie argumentiert, dass die IGD offizielles Gründungs- und Mitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland ist und diese Verbindung für das Kanzleramt, das Präsidialamt oder den Zentralrat der Juden kein Hinderungsgrund für gemeinsame Veranstaltungen mit dem Zentralrat der Muslime darstellt. Die Moschee betont ihre Autonomie und versichert, keine offizielle Verbindung zur IGD zu unterhalten oder von ihr finanziert zu werden. Imam Sabri räumt ein, den Vorsitzenden der IGD zu kennen, da beide aus Tunesien stammen und in der muslimischen Gemeinschaft aktiv sind.
Bislang konnte der Berliner Verfassungsschutz keinen Nachweis erbringen, dass in der Moschee jemals gegen Frauen, Homosexuelle, Juden oder Schiiten gehetzt, Gewalt relativiert oder entgegen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gepredigt wurde. Trotzdem wurden solche Behauptungen mitunter in Medien erhoben, wie beispielsweise im Tagesspiegel. Die Moscheegemeinde konnte sich jedoch erfolgreich juristisch gegen eine Falschdarstellung des Evangelischen Pressedienstes wehren, der sie als „salafistisch“ bezeichnet hatte, und erwirkte eine Einstweilige Verfügung dagegen. Der Umgang der Medien mit der Neuköllner Begegnungsstätte führte dazu, dass im Januar 2018 ein Bündnis von Persönlichkeiten verschiedenster Glaubensrichtungen und Arbeitsbereiche öffentlich zu einem fairen Umgang mit Muslimen in Medien, Politik und Verwaltung aufrief. Zu den Erstunterzeichnern gehörten unter anderem Martin Germer, der Pfarrer der Gedächtniskirche, Werner Gräßle, Präsident des Amtsgerichts Lichtenberg, und Winfriede Schreiber, die ehemalige Leiterin des Brandenburger Verfassungsschutzes, die alle positive Erfahrungen mit der Moschee gemacht hatten.
Vergleich: Perspektiven auf die Neuköllner Begegnungsstätte
| Aspekt | Sicht des Berliner Verfassungsschutzes | Sicht der Neuköllner Begegnungsstätte |
|---|---|---|
| Beobachtungsgrundlage | Nähe zur Muslimbruderschaft/IGD, Teilnahme an Tagung des Fatwa-Ausschusses. | „Kontaktschuld“ durch wenige Kontakte, autonome Arbeitsweise. |
| Vorwürfe | Implizite Gefahr durch Nähe zu extremistischen Organisationen. | Keine Beweise für Hetze gegen Minderheiten, Gewaltverherrlichung oder Verfassungsfeindlichkeit. |
| Reaktion | Eintragung im Verfassungsschutzbericht. | Klage gegen die Eintragung, öffentliche Klarstellungen, juristische Abwehr von Falschdarstellungen. |
Der Tag der offenen Moschee und die Lange Nacht der Religionen
Für alle Interessierten, die einen direkten Einblick in das Leben und die Arbeit muslimischer Gemeinden in Berlin gewinnen möchten, bieten sich zwei besondere jährliche Gelegenheiten: der „Tag der offenen Moschee“ und die „Lange Nacht der Religionen“.
Jedes Jahr am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, öffnen zahlreiche Moscheegemeinden in ganz Deutschland und auch in Berlin ihre Türen für die Öffentlichkeit. Der „Tag der offenen Moschee“ ist eine wunderbare Gelegenheit, Vorurteile abzubauen, Fragen zu stellen und die Vielfalt des muslimischen Lebens kennenzulernen. Viele Gemeinden bieten an diesem Tag ein spezielles Programm an, das Führungen durch die Gebetsräume, Vorträge über den Islam, Kalligraphie-Vorführungen oder die Möglichkeit zum Gespräch mit Imamen und Gemeindemitgliedern umfassen kann. Es ist eine Einladung an Nachbarn, Schulen, Kirchengemeinden und alle weiteren Interessierten, den Kontakt zu suchen und sich auszutauschen.
Eine weitere alljährliche Veranstaltung, die den Dialog und das Kennenlernen fördert, ist die „Lange Nacht der Religionen“. Auch hier öffnen Moscheegemeinden, zusammen mit anderen religiösen Einrichtungen, ihre Türen und bieten ein vielfältiges Programm an, das Einblicke in ihre Traditionen und Praktiken ermöglicht. Für beide Veranstaltungen empfiehlt es sich, vorab auf den jeweiligen Webseiten (wie www.nachtderreligionen.de oder den Seiten der beteiligten Moscheegemeinden) nach aktuellen Informationen und eventuellen kurzfristigen Änderungen zu schauen.
Moscheegemeinden in Berlin sind stets offen für Besucher. Viele von ihnen bieten das ganze Jahr über Führungen für Gruppen an. Wer Interesse hat, kann sich direkt an die jeweilige Moscheegemeinde wenden. Projekte wie „kiez-einander“ unterstützen zudem die Vernetzung von Moscheegemeinden in ihrer Nachbarschaft und fördern den Aufbau nachhaltiger Kooperationen, um das Kennenlernen von Menschen und Räumlichkeiten zu erleichtern und die Integration zu stärken.
Häufig gestellte Fragen
- Was ist die Neuköllner Begegnungsstätte?
- Die Neuköllner Begegnungsstätte, auch bekannt als Dar-as-Salam-Moschee, ist eine prominente muslimische Gemeinde in Berlin-Neukölln, die sich als Gebetsort, aber auch als Zentrum für interreligiösen Dialog und gesellschaftliches Engagement versteht.
- Wie engagiert sich die Moschee gegen Antisemitismus?
- Die Moschee hat eine Erklärung gegen Antisemitismus initiiert und mitunterzeichnet, beteiligt sich an Projekten wie „meet2respect“, hat Rabbiner empfangen und sich klar gegen antisemitische Äußerungen und Handlungen, auch im Kontext von Protesten, positioniert.
- Warum wird die Neuköllner Begegnungsstätte vom Verfassungsschutz beobachtet?
- Der Berliner Verfassungsschutz begründet dies mit einer angeblichen Nähe zur Muslimbruderschaft/IGD, basierend auf der Teilnahme an einer Tagung des „Fatwa-Ausschusses Deutschland“ in der Moschee. Die Moschee bestreitet diese Vorwürfe und spricht von „Kontaktschuld“.
- Was ist der „Tag der offenen Moschee“?
- Der „Tag der offenen Moschee“ findet jedes Jahr am 3. Oktober statt, an dem zahlreiche Moscheegemeinden in Deutschland ihre Türen für die Öffentlichkeit öffnen, um Einblicke in den Islam und das muslimische Gemeindeleben zu geben und den Dialog zu fördern.
- Gibt es weitere Möglichkeiten, Moscheen in Berlin zu besuchen?
- Ja, neben dem „Tag der offenen Moschee“ gibt es die „Lange Nacht der Religionen“. Viele Moscheegemeinden bieten auch außerhalb dieser Tage Führungen für interessierte Gruppen an, die direkt kontaktiert werden können.
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