17/06/2022
Wasser ist die Grundlage allen Lebens und unerlässlich für unsere Gesundheit. Doch die Auswahl im Supermarktregal ist riesig: Hunderte von Mineralwassermarken buhlen um unsere Aufmerksamkeit. Wie unterscheidet sich ein Mineralwasser vom anderen? Und welches ist das richtige für uns? Dieser umfassende Leitfaden beleuchtet die Welt des Mineralwassers, erklärt, was ein Mineralwasser-Test ist, welche Sorten es gibt und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Was ist ein Mineralwasser-Test und warum ist er wichtig?
Entgegen der allgemeinen Annahme muss Mineralwasser nicht zwingend reich an Mineralstoffen sein. Ein Mineralwasser-Test, wie er regelmäßig von unabhängigen Instituten durchgeführt wird, untersucht genau diese Zusammensetzung und vieles mehr. Er gibt Aufschluss darüber, welche Wässer besonders mineralstoffreich sind und ob sie unerwünschte Substanzen enthalten.
Mineralwässer mit einem hohen Mineralstoffgehalt zeichnen sich durch mehr als 1.500 Milligramm gelöster Mineralstoffe pro Liter aus. Der Analysenauszug auf dem Etikett bietet hierfür eine detaillierte Übersicht. Während unser täglicher Mineralstoffbedarf primär durch eine ausgewogene Ernährung gedeckt werden sollte, kann ein gezielter Blick auf die Mineralstoffzusammensetzung des Wassers durchaus sinnvoll sein, insbesondere unter bestimmten Umständen wie starkem Schwitzen oder speziellen Diäten.
Mineralien im Fokus: Was steckt in Ihrem Wasser?
Unser Körper benötigt eine Vielzahl von Mineralien, um Stoffwechsel und Elektrolythaushalt optimal funktionieren zu lassen. Mineralwasser bietet hier eine kalorienfreie Möglichkeit, diese wichtigen Bausteine aufzunehmen. Doch welche Mineralien sind besonders relevant und welche Funktionen erfüllen sie?
Kalzium: Der Knochenstärker
Kalzium ist entscheidend für starke Knochen und Zähne sowie für die Erregbarkeit von Nerven und Zellen. Der Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt bei 1.000 Milligramm, bei Teenagern sogar bei 1.200 Milligramm. Während Milchprodukte und grünes Blattgemüse Hauptquellen sind, kann ein Liter sehr kalziumreiches Mineralwasser bis zu die Hälfte des Tagesbedarfs decken. Im Test gelten Wässer mit mehr als 150 Milligramm Kalzium pro Liter als kalziumreich. Das kalziumreichste Wasser in einigen Tests erreichte beeindruckende 538 Milligramm pro Liter.
Magnesium: Für Muskeln und Nerven
Magnesium spielt eine wichtige Rolle beim Knochenaufbau, stärkt die Nervenerregbarkeit und reguliert die Muskeltätigkeit. Der Tagesbedarf liegt bei 300 Milligramm für erwachsene Frauen und 350 Milligramm für Männer. Besonders bei Ausdauersport oder körperlich anstrengenden Tätigkeiten geht viel Magnesium durch Schwitzen verloren. Wässer mit über 50 Milligramm Magnesium pro Liter gelten als magnesiumreich; das magnesiumreichste erreichte 107 Milligramm pro Liter.

Natrium: Der Wasserhaushalt-Regulator
Natrium ist essenziell für die Regulierung des Wasserhaushalts im Körper und die Reizleitung in Nerven- und Muskelzellen. Der Tagesbedarf für Erwachsene beträgt 1.500 Milligramm, wobei die Hauptquelle Salz in verarbeiteten Lebensmitteln ist. Wässer mit über 200 Milligramm Natrium pro Liter werden als natriumreich eingestuft, sind aber eher selten. Die meisten Mineralwässer sind mit weniger als 20 Milligramm pro Liter natriumarm, was besonders für die Zubereitung von Säuglingsnahrung relevant ist.
Hydrogenkarbonat: Der Säurepuffer
Hydrogenkarbonat (Bikarbonat) ist ein natürlicher Säurepuffer, der den Säure-Basen-Haushalt im Körper reguliert. Wer unter Sodbrennen oder einem gereizten Magen-Darm-Trakt leidet, kann von hydrogenkarbonatreichem Wasser profitieren. Der Körper kann es selbst bilden, aber auch über Mineralwasser aufnehmen. Eine spezifische Empfehlung zur Tagesaufnahme gibt es nicht. Wässer mit über 600 Milligramm Hydrogenkarbonat pro Liter gelten als reich an diesem Mineral.
Um Ihnen einen besseren Überblick zu verschaffen, hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Mineralien und ihrer Funktionen:
| Mineralstoff | Funktion/Nutzen | Tagesbedarf (Erwachsene) | Relevant bei |
|---|---|---|---|
| Kalzium | Knochenstärkung, Nerven- und Zellenerregbarkeit | 1000 mg (1200 mg für Teenager) | Meiden von Milchprodukten, Knochengesundheit |
| Magnesium | Knochenaufbau, Nerven- und Muskelregulation | 300 mg (Frauen), 350 mg (Männer) | Ausdauersport, körperliche Anstrengung, Muskelkrämpfe |
| Natrium | Wasserhaushalt, Reizleitung in Nerven- und Muskelzellen | 1500 mg | Schwitzen, spezielle Diäten, Säuglingsnahrung (natriumarm) |
| Hydrogenkarbonat | Säure-Basen-Haushalt, natürlicher Säurepuffer | Keine spezifische Empfehlung | Sodbrennen, gereizter Darm/Magen |
Vielfalt der Mineralwässer: Ein Überblick
Deutschland allein bietet eine enorme Vielfalt an Mineralwässern aus zahlreichen Quellen. Es gibt über 1.250 verschiedene Mineralwassersorten, jede mit ihrer einzigartigen Zusammensetzung. Der Charme von Mineralwasser als Mineralienlieferant liegt insbesondere darin, dass es keine Kalorien hat. Ein Vergleich lohnt sich, da die Zusammensetzung der Mineralien das wesentliche Merkmal von Mineralwasser ist und die Auswahl des passenden Wassers zur individuellen Situation beitragen kann.
Das Mineralwasser-Etikett verstehen
Das Etikett einer Mineralwasserflasche liefert wichtige Informationen über den Inhalt. Neben dem Analysenauszug, der die Mineralstoffzusammensetzung detailliert darstellt, finden sich auch Hinweise zur Kohlensäure. Hierbei gibt es zwei Hauptkategorien:
- Natürliches kohlensäurehaltiges Mineralwasser: Das Wasser enthält die gleiche Menge eigener Quellkohlensäure in der Flasche wie am Quellaustritt.
- Natürliches Mineralwasser mit eigener Quellkohlensäure versetzt: Hier enthält das Wasser mehr Kohlensäure in der Flasche als am Quellaustritt. Das zugesetzte Kohlendioxid (CO2) muss jedoch aus demselben Quellvorkommen stammen.
Diese Kennzeichnungen geben Aufschluss über die ursprüngliche Reinheit und die Art der Kohlensäurebehandlung, was für viele Konsumenten ein wichtiges Kriterium ist.
Welches Mineralwasser ist das Beste? Testergebnisse im Vergleich
Die Frage nach dem „besten“ Mineralwasser lässt sich nicht pauschal beantworten, da dies stark von individuellen Bedürfnissen und Vorlieben abhängt. Dennoch bieten unabhängige Tests von Organisationen wie Öko-Test und Stiftung Warentest eine wertvolle Orientierungshilfe. Diese Tests prüfen nicht nur die Mineralstoffzusammensetzung, sondern auch auf mögliche Schadstoffe und die Qualität der Verpackung.

Testsieger in verschiedenen Kategorien
In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Marken in verschiedenen Kategorien überzeugt:
Mineralwasser Classic (viel Kohlensäure)
Stiftung Warentest und Öko-Test haben hierbei festgestellt, dass oft auch preisgünstige Handelsmarken sehr gut abschneiden können, obwohl traditionelle Marken oft einen höheren Mineralstoffgehalt aufweisen. Die besten Mineralwässer Classic laut Öko-Test waren unter anderem:
- Adelholzener Classic
- Aqua Römer Classic
- Bad Pyrmonter Classic
Stiftung Warentest vergab ebenfalls Top-Noten, darunter für:
- Saxonia Quelle Classic
- Saskia Classic (Lidl)
- Surf Classic (Norma)
Es wurde betont, dass bereits für 19 Cent pro Liter sehr gute Handelsmarken erhältlich sind.
Mineralwasser Medium (wenig Kohlensäure)
Bei den Medium-Sorten legte Stiftung Warentest neben dem Inhalt auch Wert auf den Geschmack. Auch hier konnten Discounter-Marken überzeugen. Zu den besten Mineralwässern Medium zählten:
- Aquintus Medium
- Kaufland K-Classic Medium
- Lidl Saskia Jessen Medium
Die Kritik der Tester bezog sich oft darauf, dass zwar kaum Schadstoffe, aber häufig auch nicht besonders viele Mineralien in den Wässern zu finden sind.
Stilles Mineralwasser (ohne Kohlensäure)
Öko-Test untersuchte eine Vielzahl stiller Mineralwässer, vorzugsweise in Mehrwegflaschen aus Glas. Über die Hälfte der geprüften Produkte schnitt mit „sehr gut“ ab, darunter auch günstigere Optionen von Discountern in PET-Flaschen. Testsieger waren unter anderem:
- Carolinen Naturelle (Bio)
- Adelholzer Naturquell
- Alwa Naturquelle
Was die Tests noch zeigen: Mineralstoffgehalt und Verpackung
Es ist wichtig zu wissen, dass seit einer EU-Reform in den 1980er-Jahren keine Mindestmenge an Mineralstoffen mehr für Mineralwasser vorgeschrieben ist. Dennoch gibt es Marken, die sich durch einen besonders hohen Mineralstoffgehalt auszeichnen. Gerolsteiner und Rosbacher beispielsweise decken mit einem Liter ein Drittel des täglichen Magnesiumbedarfs ab und sind zudem reich an Kalzium. Naturpark Quelle und Globus enthalten ebenfalls viel Kalzium und Sulfat, wobei Globus in der Gesamtbewertung von Öko-Test nur mit „ausreichend“ abschnitt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt in den Tests ist die Verpackung. Glasflaschen werden oft als nachhaltiger bewertet als PET-Flaschen, die zwar leichter zu transportieren sind, aber auch Acetaldehyd freisetzen können, was zu einem fruchtigen Geschmack führen kann. Discounter-Marken schneiden oft wegen ihrer PET-Verpackungen schlechter ab, nicht unbedingt wegen problematischer Inhaltsstoffe.

Mineralwasser vs. Leitungswasser: Eine Gegenüberstellung
Die Debatte, ob Mineralwasser oder Leitungswasser gesünder ist, ist komplex und lässt sich nicht eindeutig beantworten. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.
Reinheit und Schadstoffe
Mineralwasser stammt laut Gesetz aus unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen und ist von ursprünglicher Reinheit. Dennoch können Spurenstoffe aus Industrie, Landwirtschaft und Haushalten in die Quellen gelangen. Diese sind jedoch in der Regel nicht gesundheitsschädlich. Auch Schadstoffe wie Benzol können aus dem Flaschenmaterial ins Wasser übergehen. Leitungswasser wird in Deutschland streng kontrolliert und ist von hoher Qualität. Es ist zudem deutlich umweltfreundlicher, da Transport und Verpackung entfallen.
Kosten und Bequemlichkeit
Ein schlagkräftiges Argument für Leitungswasser ist der Preis: Es kostet pro Liter nur drei bis fünf Cent, während Mineralwasser bis zu 1,45 Euro pro Liter kosten kann. Zudem wird Leitungswasser bequem direkt ins Haus geliefert, während Mineralwasserflaschen mühsam vom Supermarkt nach Hause transportiert werden müssen, nachdem sie bereits eine lange Reise von der Quelle bis ins Geschäft hinter sich haben.
Gesundheitliche Aspekte
Mineralwasser kann mehr Mineralstoffe enthalten, aber auch mehr Spurenstoffe aus der Umwelt oder durch die Verpackung. Kohlensäure kann bei manchen Menschen Sodbrennen verursachen, bei anderen wiederum Verstopfungen lösen. Letztendlich hängt die Wahl des „gesünderen“ Wassers von den individuellen Bedürfnissen und der persönlichen Präferenz ab. Für die meisten Menschen in Deutschland ist Leitungswasser eine ausgezeichnete und kostengünstige Alternative.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann Mineralwasser schlecht werden?
Wenn Mineralwasserflaschen gut verschlossen und an einem dunklen, trockenen und kühlen Ort gelagert werden, wird das Wasser selbst nicht schlecht. Es kann auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) bedenkenlos getrunken werden. Das MHD bezieht sich hauptsächlich auf den Geschmack, der bis zu diesem Datum garantiert die ursprünglichen Eigenschaften behält und sich danach leicht verändern kann. Gutes Mineralwasser schmeckt grundsätzlich leicht salzig, sauer oder bitter. Ein fruchtiger Geschmack kann ein Zeichen für Acetaldehyd aus der PET-Flaschenproduktion sein.

Welches Wasser hat am wenigsten Schadstoffe?
Mineralwasser ist gesetzlich als von ursprünglicher Reinheit definiert. Dennoch können Spurenstoffe aus der Umwelt (Industrie, Landwirtschaft, Haushalte) in die Quellen gelangen, sind aber in der Regel nicht gesundheitsschädlich. Auch aus Flaschenmaterialien wie PET können geringe Mengen an Schadstoffen wie Benzol ins Wasser übergehen. Leitungswasser unterliegt in Deutschland sehr strengen Kontrollen und ist in der Regel sehr schadstoffarm. Für die meisten Zwecke ist Leitungswasser eine sichere und umweltfreundliche Wahl.
Ist Mineralwasser gesünder als Leitungswasser?
Es gibt keine eindeutige Antwort. Mineralwasser kann mehr spezifische Mineralstoffe liefern, aber auch potenziell mehr Spurenstoffe oder Substanzen aus der Verpackung enthalten. Leitungswasser ist in Deutschland von ausgezeichneter Qualität, sehr günstig und umweltfreundlich. Die Entscheidung hängt von individuellen Vorlieben, dem Bedarf an bestimmten Mineralien und dem Wunsch nach Bequemlichkeit ab. Für die Deckung des allgemeinen Flüssigkeitsbedarfs ist Leitungswasser in den meisten Fällen eine hervorragende Wahl.
Wie wähle ich das richtige Mineralwasser aus?
Die Auswahl des passenden Mineralwassers hängt von Ihren persönlichen Bedürfnissen ab. Überlegen Sie, ob Sie bestimmte Mineralien in höherer Konzentration benötigen (z.B. Kalzium bei Laktoseintoleranz, Magnesium für Sportler). Achten Sie auf den Analysenauszug auf dem Etikett. Wenn Sie empfindlich auf Kohlensäure reagieren, wählen Sie stille oder medium Sorten. Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung ist ein natriumarmes Wasser (<20 mg/L) vorzuziehen. Nutzen Sie Vergleichstabellen und Testberichte als Orientierungshilfe, um die für Sie perfekte Zusammensetzung zu finden.
Fazit
Die Welt des Mineralwassers ist vielfältig und bietet für jeden Geschmack und jeden Bedarf das passende Produkt. Durch das Verständnis von Mineralwasser-Tests, der Bedeutung der Mineralstoffe und dem Lesen des Etiketts können Sie eine fundierte Entscheidung treffen. Ob Sie sich für ein mineralstoffreiches Wasser, eine Discounter-Marke oder die umweltfreundliche Option des Leitungswassers entscheiden – das Wichtigste ist, ausreichend und bewusst zu trinken, um Ihre Gesundheit optimal zu unterstützen.
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